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Caspar Lösche: Eine Ohrfeige für Negerjungen oder 19 Löwen, 5 Plattformen und 3 Monate (Gastbeitrag)

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Beim Thema Storytelling oder gar Transmedia Storytelling winken viele Kunst- und Kultureinrichtungen ab, da das ihrer Ansicht nach nichts für sie ist. Meist verbinden wir damit das Zusammenspiel von Film und Videospielen, Theater oder Museen scheinen in solchen Konzepten keinen Platz zu haben. Und dann ist das natürlich alles zu teuer und zu aufwendig. Caspar Lösche hat mit einem kleinen, aber feinen Projekt gezeigt, dass sich Transmedia Storytelling sehr gut mit dem Theater verträgt. Ich habe sein Projekt „VvonWatt“ schon seit einiger Zeit verfolgt und fand seine Präsentation auf dem stARTcamp in München beeindruckend. Nicht nur wegen der Idee und der Art und Weise, wie er das Projekt praktisch alleine umgesetzt hat, sondern weil er auch den Blick hinter die Kulissen erlaubte. Umso mehr freue ich mich, dass Caspar Lösche daraus nun auch ein Blogpost gemacht hat, das ich hier veröffentlichen darf. Danke Caspar für das Projekt und Deinen Beitrag!

Eine Ohrfeige für Negerjungen oder

19 Löwen, 5 Plattformen und 3 Monate

In diesem Gastbeitrag fasse ich meine Erfahrungen und meine „Learnings“ aus dem Transmedia Projekt „VvonWatt“ zusammen. Mehr über die Planung und Umsetzung des Projekts habe ich bereits hier im Rahmen der MUSEO Blogparade erläutert.

Das Projekt:
Vivienne von Wattenwyl, eine Berner Abenteuerin (1900 – 1957) reiste 1923/24 mit ihrem Vater Bernhard „Brovie“ von Wattenwyl nach Kenia zur Grosswildjagd. Die erlegten Tiere schenkten die Beiden dem Naturhistorischen Museum Bern, wo sie noch heute ausgestellt sind. Brovies Leidenschaft war die Löwenjagd, der neunzehnte Löwe, den er schiesst, verletzt ihn tödlich. Vivienne übernimmt die Expedition und führt sie erfolgreich zu Ende. (mehr Infos zu Vivienne im PDF.)
Auf dieser Basis entstand am Stadttheater Bern die  Tanzproduktion „
Lions, Tigers, and Women…“. Ich entwickelte dafür ein Transmedia Projekt. Vivienne berichtete „live“ via Twitter und Blog von Ihrer Reise. Weitere Plattformen und drei verschiedene Postkarten umrahmten die Geschichte.

Zuerst ein Blick zurück auf die Ziele, die ich mir zu Beginn gesetzt hatte:

  • Einen (inhaltlichen) Rahmen für die Tanzproduktion „Lions, Tigers, and Women…“ schaffen.
  • Viviennes Welt über viele verschiedene Touchpoints live erlebbar und interaktiv machen.
  • Aufmerksamkeit erregen über die „üblichen Verdächtigen“ hinaus.
  • Einen Showcase für Social Media Nutzung im Theater kreieren.

Ich hatte mir auch selbst Kennzahlen (z.B. 500 Blogviews im Monat & einige hundert Twitterfollower) gesetzt, die ich gerne erreichen wollte, habe diese aber bewusst aus den Zielen ausgeklammert. Hier also erst einmal die Zahlen:

Das Projekt lief online vom 24. Januar bis zum 24. April, also genau 3 Monate.

In der Zeit verschickte Vivienne 239 Tweets  und schrieb 18 Blogposts. Ihre Followerzahl wuchs kontinuierlich auf 154 Follower und Ihre Posts wurden über 2000-mal angesehen. VvonWatt wurde 129-mal in RTs oder Mentions erwähnt, 59 davon vom Stadttheater oder mir.

Auffällig: keine Tweets = kein Followerzuwachs & stARTcamp Besuch (21.April) hilft!

Auf Pinterest pinnte ich 76 Bilder für 21 Follower, darunter 17 Originalbilder von Vivienne. Storify brachte die gesamte Story zusammen und versammelte Tweets, Twittermentions, Artikel, Videos, etc. in 297 Zitaten, 34 Bildern, 6 Videos und 58 eingebetten Elementen. Die Vivienne-Story brachte es auf 1245 Views, davon 915 eingebettet auf der Extraseite im WordPressblog des Stadttheaters. Auf der Facebookseite des Stadttheaters nahmen (bisher, die Verlosung läuft noch bis zum 12.06.) über 50 Personen teil. Es wurden 3x 1500 Postkarten gedruckt und in ganz Bern verteilt.

„Dann hast du das alles für nur 150 Leute gemacht?“

Diese (teilweise berechtigte) Frage kam auf, als ich das Projekt am stARTcamp München vorstellte und bei den Followerzahlen auf Twitter angelangt war. Klar ging es mir auch darum, viele potenzielle Zuschauer und Interessierte zu erreichen, und ich habe diese Produktion auch nach den Vorgaben ausgesucht, ein potentiell grosses Publikum erreichen zu können. Aber ich war mir von vorneherein darüber im Klaren, dass ich an Follower-Zahlen wie z.B. die eines Joseph von Nazareth niemals herankommen würde. Bern ist klein und die Ausstrahlung des Stadttheaters geht nicht weit über die Region hinaus. Dazu ist Twitter in der Schweiz immer noch nicht richtig angekommen. (Danke an Axel Vogelsang für diesen und viele weitere Inputs).

Allerdings spiegelt die Followerzahl nicht immer die korrekte Reichweite von Twitter wider:

Laut Tweetreach erreichte VvonWatt 14,676 Konten in 5 Tagen. (Tage des stARTcamp und der Aufbruch2.0 Konferenz)

Doch um die Zahlen soll es hier nur am Rande gehen: Ich wollte einen Case schaffen, der zeigte, was Social Media für eine Kulturinstitution wie ein Theater alles leisten kann. Im Hinterkopf war dabei auch die interne Kommunikation. Ausserdem war es auch mein persönliches Ziel in dieser Spielzeit, eine Produktion so komplett wie möglich mit einem Social Media Projekt zu begleiten. Mit „VvonWatt“ konnte ich auf einer Vielzahl von Plattformen einen einheitlichen und doch jeweils angepassten Auftritt erschaffen. So konnten potenzielle Zuschauer auf ihrer eigenen „Lieblings-Plattform“ mit Vivienne in Kontakt treten ohne ihre Comfort-Zone verlassen zu müssen. Wer mit Twitter nicht klar kommt, der liest vielleicht den Blog; wer lange Texte nicht mag, schaut sich Fotos auf Pinterest an; und wer einfach nur ins Theater möchte, nimmt am Gewinnspiel auf Facebook teil. Und alle Berührungspunkte bieten einen leichten und unkomplizierten Einstieg in die Geschichte der Vivienne von Wattenwyl.

Und unabhängig davon: Ja, ich hätte es auch für „nur“ 150 Leute gemacht. Wenn es mir mit diesem Projekt gelungen ist, einen Bruchteil der Twitterfollower oder Blogleser enger an das Haus zu binden oder überhaupt (wieder) auf das Theater aufmerksam zu machen, kann ich zufrieden sein.

Vielleicht fühlten sie sich einfach gut unterhalten:

Was hat gut funktioniert?

  • Eine Säule meiner Arbeit war bei diesem Projekt Hootsuite (Free Version). Hier konnte ich alle Tweets direkt für den passenden Zeitpunkt planen. Dadurch konnte Vivienne trotz meiner 50% Stelle (2 ½ feste Tage in der Woche) auch am Wochenende jagen gehen.
  • Für die Planung war der Redaktionsplan unerlässlich, in dem ich alle Tweets, Blogeinträge, Orte, getöteten Tiere und Bilder bereits vorgängig eintrug und so immer die Übersicht behalten konnte.

Screenshot des Redaktionsplans (aus der Präsentation vom stARTcamp München)

  • Zu meiner Lieblingsplattform entwickelte sich immer mehr Storify. Hier kommt die gesamte Geschichte zusammen, angereichert mit weiteren Informationen, verwandten Themen, Reaktionen und Hintergründen. So entsteht wieder etwas Neues. Und die äusserst nützliche „notify“ Funktion bindet die Urheber zitierter Tweets erneut in die Geschichte ein.
  • Wir realisierten das gesamte Projekt (mit Ausnahme der Postkarten) ohne Budget. All Online  Plattformen waren und sind kostenlos. Nur meine Arbeitszeit wurde investiert (und die unserer Polygraphin).
  • Die vorgängig angesprochenen Influencer fungierten als Multiplikatoren und brachten immer wieder den Dialog in Gang.
  • Einen richtigen Return of Investment zu messen, war ich glücklicherweise nicht verpflichtet und wäre mir technisch auch nicht ohne weiteres möglich gewesen. Was ich messen konnte,  waren z.B. die von einer VvonWatt Plattform verwiesenen Besucher auf stadttheaterbern.ch, welche sich als sehr lesefreudig und interessiert herausstellten. Sie verweilten meist länger auf der Webseite als der durchschnittliche Besucher und sahen sich auch mehr Seiten pro Besuch an.

Durchschnittliche Besuchsdauer von Besuchern, „verwiesen“ von vvonwatt.blogspot.com

Was hat nicht so gut funktioniert?

  • Die oben erwähnten Influencer hätten zahlreicher sein können. Besonders für die Region Bern hätte ich noch gezielter ansprechen können. Hier fehlte einfach die Zeit, um diese ausfindig zu machen. (z.B über Klout)
  • Das Projekt war eigentlich etwas länger angelegt. Der Tod von Viviennes Vater hätte als Klimax perfekter auf den Premieren Tag gepasst, als die Erlegung eines Elefanten.
  • Ein zukünftiges Projekt würde ich enger mit der Produktion verknüpfen und im Haus verankern. Auch inhaltlich könnte so ein noch effektiverer Spannungsbogen und ein grösseres Involvement erzeugt werden, z.B. indem die Follower einen kleinen Aspekt der Geschichte/Produktion verändern oder mitbestimmen können und dies später in der Aufführung zu sehen ist.
  • Für das Monitoring zur späteren Evaluation sollte man etwas Geld in die Hand nehmen. Eine Plattform auf der ich alle Zahlen zusammenfassen und leicht ablesen konnte, fehlte mir sehr (alles zum Monitoring gibt es bei Frank Tentler nachzulesen).
  • Nachhaltigkeit für den Social Media Auftritt konnte ich leider nicht leisten. Da meine Stelle für die nächste Spielzeit gestrichen wurde, konnte ich in meiner Planung nicht strategisch einzelne Kanäle auf-, aus- oder umbauen.
  • Pinterest kam erst sehr kurzfristig als Plattform dazu. Es muss wie Storify manuell bedient werden. Bei der Menge an Inhalten wurde es zur Herausforderung, diese Plattformen aktuell zu halten. Allerdings sind beide geniale Kuratierungs-tools, ideal einzusetzen um eine Storyworld lebendig zu machen, externen Kontent in Bezug zu setzen und Gespräche auf Twitter darzustellen (Storify).

Ich habe in der Themenauswahl auch auf kontroverse Themen gesetzt (Kolonialismus, latenter Rassismus, Töten von Tieren, etc.)

Tweet von VvonWatt

Dies auch ganz bewusst und mit der Absicht, Reaktionen hervorzurufen. Die Gefahr eines Shitstorms bestand meiner Ansicht nach nahezu nicht. Da ein Theater sowieso oft kontroverse Themen besetzt, ist das Publikum auch generell etwas aufgeschlossener. Durch ein sehr enges Monitoring (mobile App Hootsuite, Twitter, RSS Feeds des Blogs, Google Alerts) hätte ich umgehend reagieren können. (Danke an Helge David für diesen Input).

Wenn Zeit und Geld…

Es wäre noch einiges möglich gewesen. So hätten wir z.B. für das Naturhistorische Museum die Facebook Chronik mit Viviennes Geschichte aufbauen können, zeitgleich zum Projekt. Ein idealer Startpunkt, für ein Engagement auf der Plattform.

Das Naturhistorische Museum Bern auf Facebook

Lange überlegte ich auch, eine Löwen- (read. Schnitzel-) Jagd durch Bern zu veranstalten. Mit einer passenden App hätten die Berner 19 Löwen jagen können. Tolle Verknüpfung von offline und online, ideale Kooperationsmöglichkeiten in der Region und ein schönes „gamification“-Element, welches sicherlich weiteres Engagement gebracht hätte.

Viele tolle Möglichkeiten…!

Fazit

Ich bin mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hatte viel Spass und habe sehr viel gelernt. Die Tanzproduktion läuft noch bis Ende Juni und die Zuschauerzahlen sind vielversprechend. Einiges würde ich beim nächsten Mal anders machen, und doch hätte es diesmal nicht anders laufen sollen.

Meine Ziele habe ich erreicht: Der inhaltliche Rahmen verstärkte das Erlebnis der Tanzproduktion, Vivienne trat in Dialog mit vielen verschiedenen Menschen aus Bern, der Region und der ganzen Welt (habe ich diesen Blog erwähnt?). Eine Pendlerzeitung (gratis) nahm das Thema prominent auf und sorgte so für Aufmerksamkeit bei Jugendlichen und Berufstätigen. Ich konnte das Projekt beim stARTcamp vorstellen und die Aufnahme war äusserst positiv.

Mein Dank geht an die Teilnehmer und Organisatoren des stARTcamp München, die mir sehr viel Input für diese und zukünftige Arbeiten gegeben haben. Zu guter letzt ein Dank an das Stadttheater, das mir die die Freiheit gegeben hat, dieses Projekt durchführen zu können. #loewe19

Caspar Lösche (Twitter) (Xing)

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stART11: der Tag danach…

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Was für zwei Tage! Bevor gleich der Flieger zurück nach Wien geht, nutze ich die Gelegenheit, um die ersten Eindrücke „zu Papier“ zu bringen. Es waren zwei schöne Tage, denn ich habe viele Menschen wieder, aber auch viele Menschen zum ersten Mal getroffen. Durch den kleineren Rahmen und die geringere Zahl an TeilnehmerInnen ergaben sich viel mehr Möglichkeiten zum Gespräch.  Wahrscheinlich lag es aber auch daran, dass wir die zwei Tage nicht mehr so vollgepackt haben wie in den letzten beiden Jahren. Nur noch drei Angebote zeitgleich und ausreichend Pausen dazwischen, so musste niemand von Vortrag zu Vortrag hetzen.

Es waren zwei lehrreiche Tage, denn dank Jelena Kovacevic-Löckner und der stART11en konnte ich mir dieses Jahr viele der Vorträge anhören. Gelernt habe ich nicht nur von diesem Meister des Storytelling, Marcus Brown.

Nicht nur er, sondern auch alle anderen Vortragenden machten deutlich, dass es vor allem auf die Geschichten ankommt. Wer nichts zu erzählen hat, wird weder Storytelling noch Transmedia Storytelling nutzen können. Insofern war es ein alter Hut, worüber wir in den letzten zwei Tagen gesprochen haben. Amos kreierte dazu ein schöne Bild, indem er zu Beginn seiner Präsentation einen Hut auf die Bühne legte.

Spannend war es auch, mit der Haniel-Akademie und der Calvinistenkirche zwei sehr gegensätzliche Spielorte nutzen zu dürfen (danke an die Firma Haniel, die uns beide zur Verfügung gestellt hat!). So hilfreich die Infrastruktur der Haniel-Akademie, so faszinierend präsentierten sich die zu künstlerischem Leben erweckten Räume des ansonsten leerstehenden Gemeindehauses.

Frank Tentler hat bereits Fotos und Videos vom ersten Tag der stARTconference auf dem Konferenzblog gesammelt, natürlich werden wir auch noch die Präsentationen zur Verfügung stellen. Ich werde mich in den nächsten Tagen noch eingehend mit den Inhalten der stART11 beschäftigen, zum Abschluss dieses Beitrags möchte ich noch auf das Video hinweisen, das Bernd Uhlen produziert hat. Auch ihm vielen Dank für seine Arbeit und Unterstützung!

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Der Appetizer zur stART11: das eBook „Transmediales Erzählen“

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Wenn Sie heute in einem Theater eine Inszenierung von Ibsens Peer Gynt ansehen, dann bekommen Sie dort eine Geschichte mit einem abgeschlossenen Ende erzählt. Sie gehen nach Hause und das war es dann. Was schade ist, denn warum muss diese Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein? Muss sie nicht, wie das Projekt „Peer Returns“ beweist, das Gregor Hopf auf der stART11 vorstellen wird, die in wenigen Tagen in Duisburg beginnt.

Was aber bringt es einem Theater oder auch jeder anderen Kultureinrichtung, eine Geschichte weiter zu erzählen? Wir alle kennen genügend Beispiele, die zeigen, dass Fortsetzungen häufig nicht mehr an die Qualität des Erstlings herankommen. Warum also weitermachen, anstatt sich einem neuen interessanten Thema zu widmen? Liest man den Wikipedia-Eintrag „Transmediales Erzählen„, dann werden dort interessanterweise an prominenter Stelle ökonomische Gründe genannt. Die transmediale Erzählstrategie mache sich oft synergetische Effekte der modernen Marktwirtschaft zu Nutze und verfolge das Ziel, ein Produkt auf möglichst vielen Märkten zu etablieren, heißt es darin. Das mag jetzt für Theater, Museen, etc. auf den ersten Blick noch nicht allzu spannend klingen, die in dem Wikipedia-Eintrag formulierte Konsequenz aus diesem Ansatz ist es aber sehr wohl:

„Das transmediale Erzählen ermöglicht es dem Konsumenten je nach Interessenschwerpunkt über sein ‚Lieblingsmedium‘ in den Komplex einzusteigen und sich dann auch über sonst weniger genutzte Medien vorzuarbeiten.“

Das heißt, über den Umweg anderer Formate kann ich etwa das Interesse auch für eine Theaterinszenierung wecken. Natürlich kann ich als Theater sagen, das interessiert mich nicht, ich konzentriere mich weiterhin auf die Inszenierung. Aber was ist, wenn Ihre Geschichte, die Sie auf Ihrer Bühne inszenieren, weiterentwickelt und in anderen Formaten weitererzählt wird? Und das nicht von Ihnen, sondern von Unternehmen, die, wenn deren Pläne aufgehen, damit auch noch Geld verdienen? Macht es nicht Sinn, hier Kooperationen zu etablieren, über die es erstens gelingt, mit Hilfe verschiedener Formate das Interesse an einer Geschichte oder einer transmedialen Welt zu wecken? Und die zweitens die Möglichkeit bieten, neue Erlösmodelle zu entwickeln, von denen dann alle profitieren?

Genau um solche Themen geht es auf der stARTconference und wenn Sie jetzt noch nicht wissen, was sich hinter dem Begriff „Transmedia Storytelling“ verbirgt, wie man transmediale Welten kreiert und wie so etwas dann in der Praxis aussehen kann, dann ist vielleicht unser eBook „Transmediales Erzählen“ ein guter Einstieg in das Thema. 😉

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Unser Dank gilt einerseits den AutorInnen Dorothea Martin, Anna E. Rentsch und Manuel Scheidegger für ihre Beiträge. Andererseits bedanken wir uns aber auch bei den Medienpartnern der stART11, nämlich kulturkurier inside und Kulturmanagement Network, die uns bei Erstellung, Bewerbung und Verbreitung dieses eBooks unterstützt haben und noch unterstützen. Viel Spaß beim Lesen und wenn Ihnen das eBook gefällt, dann sagen Sie es bitte weiter.

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stART11: heute in einem Monat geht es los

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Als Kind bekam ich Geschichten erst vorgelesen bzw. las sie selbst, als ich dazu in der Lage war. Geschichten waren aber in diesem Alter untrennbar mit Büchern verbunden.  Aufgebrochen wurde diese enge Verbindung mit dem Aufkommen von Schallplatten, die es einem erlaubten, sich Geschichten anzuhören. Die weitere Entwicklung kennen wir. Auf die Schallplatte folgte die Kassette, dann kam die CD, die dann irgendwann von der DVD abgelöst wurde.

Aber damit nicht genug. Heute lassen sich Geschichten auch über das Internet erzählen, eines der für mich schönsten Beispiele in dieser Hinsicht ist Inanimate Alice, „a digital novel“, wie es auf der Website heißt. Die Geschichte der zehnjährigen Alice können wir nur am Bildschirm erleben und das in Form von Text, Bildern, aber auch Spielen. Das transmediale Erzählen hat sich in den letzten Monaten auch bei uns zum Renner entwickelt und uns schon im letzten Jahr dazu bewogen, die Kunst des digitalen Erzählens zum Thema der diesjährigen stARTconference zu machen. Sie findet am 17. und 18. November in der Haniel-Akademie und der gegenüberliegenden ehemaligen Kalvinistenkirche statt, also direkt im Herzen von Duisburg-Ruhrort, dem „Kreativquartier“ der Stadt.

Dank dieses Umzugs in die direkte Nähe des weltgrößten Binnenhafens und dank unserer beiden Partner, der Unternehmensgruppe Haniel und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg (GFW), ist es uns gelungen, sowohl einen tollen Rahmen für die diesjährige stART11 zu finden als auch sehr günstige Tickets anbieten zu können. Sie kosten dieses Jahr 144 Euro und können über dieses Online-Formular bestellt werden.

Aber zurück zu den Inhalten. Auf der einen Seite ist es schön zu sehen, wie solch transmediale Geschichten funktionieren und mit „Peers Return“ werden wir Ihnen ein Projekt vorstellen, dass die Geschichte Peer Gynts aufgreift und sie über verschiedene Medienformate erzählt. Dieses Beispiel ist uns deshalb besonders wichtig, weil es nicht nur auf die gängigen Formate wie Video, Foto oder Musik zurückgreift, sondern sich auch in den Bereich des Musiktheaters vorzuwagen beabsichtigt. Unsere Idee dahinter: Transmedia Storytelling ist nicht nur etwas für den Film- und Musikbereich, sondern auch für die klassischen Kunstsparten. Wie aber funktioniert  Transmedia Storytelling bzw. wie funktioniert erst einmal Storytelling und das Arbeiten mit narrativen Methoden? Im Rahmen von Vorträgen und Workshops bekommen Sie einen Einblick in die Welt des (transmedialen) Storytelling. So wird Marcus Brown, Social-Media-Chef der Marketingagentur Booming in seiner Keynote erklären, wie digitales Storytelling überhaupt funktioniert und was er unter dem Begriff „Streamtelling“ versteht.

Sein Hintergrund als Mitarbeiter einer Marketingagentur macht schon deutlich, dass wir uns vom Storytelling einiges versprechen und das Erzählen von Geschichten nicht als Selbstzweck betrachten. Wer mit Geschichten arbeitet, findet schnell heraus, dass es dabei nicht nur um das Erzählen, sondern auch um das Zuhören geht, d.h. die ZuhörerInnen spielen eine durchaus wichtige Rolle. So verfolgt Storytelling vor allem im Kontext von Social Media das Ziel, über die Geschichte hinaus zu wirken. Ist die Geschichte zu Ende, gehen die Gespräche darüber erst so richtig los und das im Idealfall auf den diversen Social-Media-Kanälen, die die jeweilige Kultureinrichtung nutzt.

Sie sehen, Social Media ist eigentlich die Grundvoraussetzung, um Storytelling richtig zu nutzen und aus dem eher passiven Publikum so etwas wie eine Community werden zu lassen. Dahinter verbirgt sich die Idee, auf diese Weise auch neue Erlösmodelle zu entwickeln und Kultureinrichtungen fit zu machen für Zeiten, in denen die öffentlichen Kassen leer sind und die staatliche Förderung eher ab- als zunimmt. Wenn ich Sie nun neugierig gemacht habe, finden Sie in einem eigenen Beitrag mehr über das Programm der stART11. Und wenn Sie noch mehr wissen wollen, besuchen Sie doch die folgende Seite, auf der wir Ihnen alle Informationen im Überblick zur Verfügung stellen. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.

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Treffpunkt KulturManagement: über Kunst, Kultur und transmediale Welten

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Mit kaum einem Thema habe ich mich in der letzten Zeit mehr beschäftigt als mit Transmedia Storytelling. Dachte ich anfangs, dass es „nur“ darum geht, eine Geschichte mit Hilfe verschiedener Medien zu erzählen, so habe ich in den letzten Monaten gelernt, dass wesentlich mehr hinter diesem Begriff steckt als die Idee, eine Geschichte multimedial zu erzählen (siehe dazu mein Blogpost Transmedia Storytelling – Die Kunst des digitalen Erzählens), deshalb spreche ich auch lieber von transmedialen Welten.

Viele von Ihnen werden jetzt den Kopf schütteln und einwerfen, dass die transmediale Entwicklung von Geschichten eher was für die kommerziellen Kunstsparten sei und nichts für Theater, Museen oder Orchester. Natürlich gibt es aufwendig gestaltete Projekte, aber es gibt auf der anderen Seite auch kleine, feine Projekte. Tauchen Sie auf Inanimate Alice ein in die Welt eines zehnjährigen Mädchens oder lesen Sie, was es mit dem Projekt „The Bigger Idea“ auf sich hat, einer transmedialen Story, die auf Twitter, Facebook und YouTube spielt. Auf der stART11 werden wir Ihnen ein Projekt vorstellen, das nicht nur in den digitalen Medien spielt, sondern bis in den Bereich des Musiktheaters hineinreicht.

Einer derer, die in den letzten Monaten dafür gesorgt haben, dass man auf Transmedia Stoytelling aufmerksam wird, ist Frank Tentler, mit dem ich die diesjährige stARTconference organisiere. Er wird am kommenden Mittwoch, den 21. September von 9 bis 10 Uhr beim mittlerweile 16. Treffpunkt KulturManagement dabei sein und für den fachlichen Input zum Thema „Kunst, Kultur und transmediale Welten“ sorgen. Frank Tentler, der sich in den letzten Monaten auf transmediale Projekte spezialisiert hat, wird einerseits von seinen Vorhaben erzählen, andererseits aber auch erklären, worauf man bei der Entwicklung und Durchführung transmedialer Projekte achten sollte. Wenn Sie das Thema interessiert, sind Sie wie bei jedem Treffpunkt KulturManagement herzlich eingeladen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 21.09.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: Kunst, Kultur und transmediale Welten
Impulsvortrag: Frank Tentler

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Transmedia Storytelling – die Kunst des digitalen Erzählens

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© Joujou ; Pixelio

Ich gebe es zu, an diesem Beitrag bin ich länger gesessen als an den anderen mittlerweile gut 1.500 Beiträgen in diesem Blog. „Transmedia Storytelling – die Kunst des digitalen Erzählens“, so lautet nicht nur die Überschrift dieses Blogposts, sondern das ist auch das Motto der diesjährigen stARTconference, die am 17. und 18. November in Duisburg stattfinden wird. Seitdem wir uns vor einem Jahr für dieses Thema entschieden haben, ist kein Tag vergangen, an dem sich nicht irgendjemand daran gemacht hat zu erklären, was Transmedia Storytelling ist. Als ich im Januar den Beitrag „In zwei Minuten wissen Sie, was Transmedia Storytelling ist“ online stellte, habe ich es mir noch leicht gemacht und mit Hilfe eines Videos den Begriff zu erklären versucht. So ganz ist das nicht gelungen, wie die Kommentare gezeigt haben und rückblickend würde ich sagen, kratzt dieses Video nur an der Oberfläche von dem, was Transmedia Storytelling sein kann. Sein kann deshalb, weil sich heute viele Medienproduktionen damit schmücken, eine Geschichte transmedial zu erzählen und eigentlich gar nicht so ganz klar ist, wann wir von Transmedia Storytelling sprechen können und wann nicht.

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, landet recht schnell bei einem Blogpost, das Henry Jenkins schon im Jahr 2007 geschrieben hat und den Titel „Transmedia Storytelling 101“ trägt. Jenkins, derzeit Professor an der University of Southern California, hat darin eine Definition vorgeschlagen, die wohl auch heute noch Gültigkeit besitzt:

„Transmedia storytelling represents a process where integral elements of a fiction get dispersed systematically across multiple delivery channels for the purpose of creating a unified and coordinated entertainment experience. Ideally, each medium makes it own unique contribution to the unfolding of the story.“

Als er sich anfangs dieses Monats in dem Beitrag „Transmedia 202: Further Reflections“ erneut mit dem Thema beschäftigte, konnte man darin zwar viel Neues lesen, die Definition blieb aber erhalten. Zerlegt man diese Definition, dann hat man da folgende Begriffe vor sich: Prozess, Fiktion, verschiedene Kanäle und so etwas wie ein Unterhaltungserlebnis („entertainment experience“). Häufig wird daraus: ich erfinde eine unterhaltsame oder spannende Geschichte und erzähle sie mit Hilfe verschiedener Formate, z.B. im Wechsel von Text und Bild.

Vielleicht ist der Begriff Transmedia Storytelling auch irreführend, denn strenggenommen geht es gar nicht um die eine Geschichte, sondern es gilt, eine fiktionale transmediale Welt zu kreieren, in der Dinge passieren können, von denen die Autoren anfangs noch gar keine Ahnung haben. Jenkins spricht von einem Prozess und meint damit „a continuum of possibilities“ und einen daraus resultierenden Fluss der Inhalte.

Dieser Fluss der Inhalte lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise erzählen. Jenkins arbeitet in seinen beiden Beiträgen verschiedene Aspekte heraus, mit denen sich beschäftigen sollte, wer transmediale Welten entwerfen möchte. Ein wichtiger Aspekt ist die Erzählstruktur. Vor allem das Fernsehen verdeutlicht die verschiedenen Möglichkeiten. Episodenhaften Serien, bei denen jede Folge abgeschlossen ist (siehe z.B. Tatort) stehen mehrteilige Filme gegenüber, deren Folgen sich unmittelbar aufeinander beziehen, etwa die in den 1960er und 1970er Jahren gezeigten Durbridge-Mehrteiler. In beiden Fällen kommt aber auch das gegenteilige Element zum Tragen, so oder so besteht die Herausforderung darin, den Erzählstoff sinnvoll zu portionieren. Während früher, so Jenkins, das episodenhafte Erzählen im Vordergrund stand, habe vor allem das amerikanische TV in der jüngeren Vergangenheit mehr auf das serielle Erzählen gesetzt. Diese Entwicklung habe, so ist er überzeugt, das Publikum auf Transmedia Storytelling vorbereitet.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die in den USA produzierte TV-Serie Lost, in der das serielle Element dominiert (siehe dazu: Verena Schmöllers Artikel „Further Instructions“ in: „Durch das Labyrinth von LOST“ (Affiliate Link)) . Interessant ist, dass die Ausstrahlung im deutschen Fernsehprogramm kein großer Erfolg war, während sich die DVD- und Blu-Ray-Editionen sehr gut verkauften. Untersuchungen, die belegen, dass sich der geringe Erfolg der TV-Serie auf die serielle Erzählstruktur und eine eventuelle Überforderung des Publikums zurückführen lässt, sind mir aber nicht bekannt.

„Most transmedia stories are highly serial in structure, but not all serials are transmedia,“

schreibt Jenkins und verweist an anderer Stelle auf die Bedeutung der Cliffhanger, die dazu dienen, verschiedene narrativ nicht abgeschlossene Folgen durch Spannungsaufbau kurz vor dem Ende einer Folge miteinander zu verknüpfen und die ZuseherInnen/LeserInnen dadurch dazu zu bringen, die nächste Folge anzuschauen oder den nächsten Band zu lesen.

Serielles Erzählen bedeutet aber nicht automatisch, dass die Geschichte linear erzählt wird. Gerade der transmediale Sprung in ein anderes Format erlaubt auch zeitliche Sprünge, die in Form einer Backstory häufig in der Vergangenheit spielen und zum Beispiel zusätzliche Informationen über eine oder mehrere Charaktere enthalten. Möglich ist es etwa, zwischen zwei Staffeln einer TV-Serie einen der Charaktere ein Blog betreiben zu lassen, das in der Vergangenheit spielt und dessen Entwicklung skizziert.

Diese inhaltlich begründete Beziehung zwischen – in diesem Fall – den Folgen einer TV-Serie und den Beiträgen eines Blogs ist eines der Kennzeichen von Transmedia Storytelling. Diese inhaltliche Verschränkung ist nicht neu und folgt dem Prinzip der Intertextualität, das sich – wenig überraschend – nur auf das Textformat bezieht.

„Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes,“

zitiert Wikipedia die bulgarisch-französische Psychoanalytikerin und Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva, die diesen Begriff in der Beschäftigung mit Michail Bachtins Dialogizitätsmodell entwickelt hat.

Intertextualität (Jenkins spricht von „radically intertextuality“, erläutert diesen Begriff aber nicht weiter) verneint die interpretatorische Vormachtstellung der AutorIn , sondern geht von einem Netzwerk an Texten aus, die erst durch die verschiedenen Verknüpfungen ihre wahre Bedeutung entfalten können. Transmedia Storytelling funktioniert nach dem gleichen Prinzip, beschränkt sich aber nicht nur auf ein (Text)-Format, sondern nutzt beliebig viele unterschiedliche Fomate.

Unterschiedliche Formate erfordern aber einen unterschiedlichen Umgang:

„Each medium has different kinds of affordances – the game facilitates different ways of interacting with the content than a book or a feature film,“

schreibt Jenkins und führt in diesem Zusammenhang den von Gunther Kress geprägten Begriff der Multimodalität ein (siehe dazu: Gunther Kress: Reading Images: Multimodality, Representation and New Media). Kress, Professor für Semiotik, beschäftigt sich mit der Frage, wie die neue Komplexität von ‚Texten“ verstanden werden kann. Kommunikation läuft immer häufiger über mehrere Kanäle gleichzeitig (multimodal) und benötigt neue Kompetenzen, die wir uns erst nach und nach aneignen müssen.

Erst die Kombination von „radically intertextuality“ und „multimodality“ macht aus einer Story eine transmediale Story. Aber auch nur dann, wenn beide Ansätze dazu verwendet werden, die Story anzureichern und verwendet in diesem Zusammenhang den vom Spielentwickler Neil Young eingeführten Begriff „additive comprehension“, der dazu dient,

„to refer to the ways that each new text adds a new piece of information which forces us to revise our understanding of the fiction as a whole.“

Damit schließt sich der Kreis, denn einen Satz vorher heißt es bei Jenkins:

„Ideally, each individual episode must be accessible on its own terms even as it makes a unique contribution to the narrative system as a whole.“

Damit wären wir wieder bei der Erzählstruktur gelandet und der Herausforderung, die Story entsprechend zu portionieren und jedes seiner Einzelteile inhaltlich aufzuladen.

Wer Transmedia Storytelling lediglich als das Erzählen einer Geschichte mit Hilfe mehrerer Formate versteht, wird dem Begriff nicht gerecht. Henry Jenkins versteht darunter das Zusammenspiel verschiedener sehr komplexer Phänomene, das sich in folgender Formel darstellen lässt:

„radically intertextuality“ + „multimodality“ + „additive comprehension“ = transmedia storytelling

Erst in diesem Fall dürfen wir von Transmedia Storytelling als der Kunst des digitalen Erzählens sprechen, wobei auch das erst die Grundformel ist.

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Transmedia Storytelling hilft, Grenzen zu verschieben

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In Theateraufführungen oder in Austellungen, aber natürlich auch in Büchern und vielen anderen Formen von Kunst werden Themen aufgegriffen, die eine gesellschaftliche Relevanz besitzen. Diese Themen werden oftmals aus einer Perspektive betrachtet, die überraschende und damit wertvolle Einsichten vermittelt, der Wert einer solchen Herangehensweise ist unbestritten.

Was ich oft vermisse, ist der nächste Schritt, den ein Theater, ein Museum bzw. eine einzelne KünstlerIn logischerweise nicht schaffen kann, dazu sind Kunst und Kultur auch gar nicht da. Möglich ist aber, so denke ich, das Nachdenken über Kooperationen, über die Zusammenarbeit mit Playern in einem Kontext, aus der heraus genau dieser nächste Schritt erfolgen kann. „From systems to ecosystems“ ist ein Blogpost von Esko Kilpi überschrieben, in dem es darum geht, unser Managementdenken zu verändern und Abstand zu nehmen von einem Denken, das alle externen Einflüsse kaum oder gar nicht berücksichtigt.

Ein Ökosystem zeichnet sich laut Wikipedia durch drei Merkmale aus:

  • es handelt sich um ein offenes System
  • es finden dynamische Entwicklungen statt
  • durch die Vielzahl von Wechselwirkungen handelt es sich um ein komplexes System

Genau so funktioniert oder besser gesagt, kann Transmedia Storytelling funktionieren. Es werden über verschiedene Formate hinweg unterschiedliche Handlungsstränge entwickelt, in die sich entsprechend dem Konzept auch „das Publikum“ einbeziehen lässt. Einen solchen, in meinen Augen sehr spannenden Ansatz verfolgt Conspiracy for Good, ein Alternate Reality Game (ARG), in dem es, wie Sarah Vianney in einem Artikel für „Die Presse“ schreibt, um den monumentale Kampf Gut gegen Böse geht. Die Handlung zu beschreiben ist, wie sie richtig schreibt, eigentlich kaum möglich, aber das folgende Video lässt einen ahnen, was da alles auf einen zukommt, wenn man sich auf dieses „Spiel“ einlässt, bei dem es am Ende dann doch sehr konkret wird, wenn es um den Bau einer Schule in Zimbabwe geht:

Sarah Vianney fasst am Ende ihres Artikels zusammen:

„Die Idee von kleineren ARGs für Lernprojekte und größere zur Anregung des globalen Bewusstseins ist verführerisch. Der Zugang zu ARGs, die tatsächlich die Welt – die reale Welt – verändern können, ist eine reizvolle Idee, die sogar schon vom Roten Kreuz und der Europäischen Union aufgegriffen wurde. Das Besondere hier ist die Integration von Menschen, die nicht als klassische „Gamer“ gelten (…).“

Kunst und Kultur als Teil eines Ökosystems, in dem bestimmte Themen bzw. Fragen aufgegriffen und weiterentwickelt werden, kann das nicht ein interessanter Anknüpfungspunkt sein für die künstlerische Arbeit sein, die diesen Systemen so oft wertvolle Impulse liefert? Transmedia Storytelling ist dann die inhaltliche Klammer, das „Drehbuch“ für die geplanten Aktivitäten, aus denen heraus neue Partnerschaften entstehen, Partnerschaften, an die wir heute noch gar nicht denken.