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Ein neuer Leitfaden für Museen: „Der digital erweiterte Erzählraum“

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Foto von Joanna Kosinska auf Unsplash

Vor 6 Jahren beschäftigte sich das Forschungsprojekt „Audience+“ mit den Möglichkeiten, die das Social Web Museen bietet. Abgeschlossen wurde es mit der Herausgabe eines Leitfadens, der den Museen den Weg dorthin zeigen wollte (siehe dazu: „Der Leitfaden ‚Social Media für Museen‘ ist erschienen„). Diese Wege kennen wir mittlerweile, oft ist aber nicht klar, wie wir dort kommunizieren und was wir erzählen sollen. Um diese Fragen oder einfacher gesagt um das Thema Storytelling ging es im Nachfolgeprojekt „Audience+ STORY“, das wieder von der Hochschule Luzern initiiert wurde. Und auch hier gibt es am Ende wieder einen Leitfaden, in dem sich alles um den „digital erweiterte(n) Erzählraum“ dreht. Der von Axel Vogelsang, Bettina Minder und Barbara Kummler herausgebrachte Leitfaden möchte zeigen, wie sich Social Media und mobile Geräte als Erweiterung des musealen Erlebnis- und Erzählraumes nutzen lassen. Die AutorInnen erklären,

„wie man Museumsinhalte mediengerecht und medienübergreifend verwertet und erzählt, aber auch wie man das Geschehen vor Ort mit digitalen Aktivitäten verknüpft und wie man den Besucher mit einbindet“,

heißt es in der Ankündigung. Vor allem das zweite Kapitel klingt sehr vielversprechend, denn darin dürfen wir als LeserInnen Schritt für Schritt ein storytellingbasiertes Online-Offline-Projekt begleiten. Auf diese Weise erhalten Sie eine detaillierte Anleitung, um Ihren Erzählraum zu entwickeln. Begleitet werden die einzelnen Schritte von Checklisten, die einem dabei helfen, den nötigen Rahmen für die Umsetzung zu schaffen. Oft wissen Kultureinrichtungen nicht, warum sie sich in so ein Abenteuer stürzen, deshalb ist es ganz hilfreich, die Checkliste „Mögliche Projektziele, die Sie mit Online-Aktivitäten erreichen wollen“ durchzuarbeiten. Gleiches gilt für Fragen zum Thema Besuchergruppensegmentierung.

Die Vorgehensweise orientiert sich an einem Verfahren, das die von mir sehr geschätzten Rebecca Hagelmoser und Jelena Löckner für ihr eigenes Unternehmen NarraTool entwickelt haben. Gut gefällt mir, dass hier sehr klar beschrieben wird, dass es nicht um eine linear erzählte Geschichte, sondern um die Entwicklung einer Erzählwelt geht, in der es natürlich sehr viele – große und kleine – Geschichten geben kann.

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Wenn Ihr Interesse nun geweckt ist und Sie diesen Leitfaden durcharbeiten oder einfach nur lesen möchten, haben Sie drei Möglichkeiten. Entweder Sie nutzen das kostenlose PDF, bezahlen 9,90 Euro für das eBook auf Amazon oder Sie lassen sich das Buch zuschicken, das Sie für 20 Euro (zuzüglich Versandkosten) erwerben können. Alle Infos dazu finden Sie im Ankündigungstext auf den Seiten der Hochschule Luzern.

Praxishandbuch Kulturvermittlung technisches-Museum Wien
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Kulturvermittlungs-Teams in Museen anstellen, ein Handbuch zeigt, wie es geht

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Vor einem knappen Jahr berichtete eine Kunstvermittlerin in einem Zeitungsartikel über die in ihren Augen fürchterlichen Arbeitsbedingungen im Bereich Kunst- und Kulturvermittlung. Dass die Bezahlung im Kunst- und Kulturbereich schlecht ist, wissen wir alle, viele wissen aus eigener Anschauung, was es heißt, prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt zu sein. Entschuldigt wird das oft mit dem Argument, dass die Arbeit zwar schlecht bezahlt sei, dafür aber Spaß mache. Einerseits ist das eine lausige Begründung, denn schließlich gibt es eine Vielzahl von Jobs, die ebenfalls Spaß machen und darüber hinaus besser bezahlt sind. Andererseits stimmt es traurig, dass zwar viele Kultureinrichtungen vor enormen finanziellen Herausforderungen stehen, dabei aber keine Skrupel haben, diesen Druck nach unten  weiterzugeben. Dort sind oft die Kunst- und KulturvermittlerInnen anzutreffen, die sich als freie MitarbeiterInnen an mehreren Häusern verdingen, um das tägliche Leben finanzieren zu können.

Es ist etwas eigenartig, wenn man sich diesem Thema annähert. Renate Höllwart spricht in ihrem Artikel „Im Auftrag von … Kunstvermittlung – ein Beruf?“ von einer zunehmenden Professionalisierung und einer erkennbaren Aufwertung dieses Arbeitsfeldes. Die ist auch nötig, denn schließlich sind die Vermittlungsteams meist das Bindeglied zwischen den Kultureinrichtungen und seinen BesucherInnen. Wobei Bindeglied vielleicht nicht der passende Ausdruck ist, eigentlich sind sie die Visitenkarte des jeweiligen Hauses. Aber viele Kultureinrichtungen lassen sich nur zögernd darauf ein, obwohl sie sich einem erheblichen Innovationsdruck ausgesetzt sehen und ständig dabei sind, mit neuen Formaten neue Zielgruppen anzusprechen. Dafür gibt es natürlich mittlerweile auch die passenden Studiengänge, aber so ganz scheint das Thema noch nicht angekommen zu sein. Vielleicht ist es nur ein dummer Zufall, aber der Wikipedia-Eintrag zu diesem Thema ist mehr als dürftig, dabei gäbe es zu diesem Thema schon etwas mehr zu sagen, wie diese Publikation zeigt.

Im Technischen Museum in Wien hat man  die Bedeutung der Kulturvermittlung vor einigen Jahren erkannt und den Bereich stark ausgebaut. Das Besondere daran: Seit 2010 sind dort alle KulturvermittlerInnen fest angestellt. Worin die Vorteile einer festen Anstellung liegen, wie man dabei vorgeht und worauf man bei den daraus entstehenden Veränderungsprozessen achten muss, das erfährt man im Praxishandbuch Kulturfairmitteln (Affiliate Link), das von Wencke Maderbacher verfasst worden ist. Das Handbuch, das auch als eBook erhältlich ist, versteht sich einerseits als Anleitung für andere Häuser, zeigt aber auch, wie sich in einem solchen Haus Strukturen aufbauen lassen.

Der Personalentwicklungsplan: Neuland für viele Kultureinrichtungen

Apropos Strukturen: Personalentwicklung, das ist ein Thema, welches in Kultureinrichtungen bis jetzt sträflich vernachlässigt wird. Nicht nur Außenstehende scheinen zu glauben, dass man als MitarbeiterIn in einer Kultureinrichtung gerne für wenig Geld viel arbeitet, weil es einem ja Spaß macht. Auch in den Häusern selbst wird oft die Bedeutung von zufriedenen und motivierten MitarbeiterInnen unterschätzt. Maderbacher zeigt im dritten Teil dieses Buches – ja, ich fange von hinten an -, wie so ein Personalentwicklungsplan für das Vermittlungs-Team aussehen kann, denn letzten Endes geht es ja nicht nur darum, billige und willige Arbeitskräfte an der Hand zu haben, sondern diese langfristig an das Haus zu binden und – in diesem Fall – zu Kulturvermittlungs-ExpertInnen auszubilden.

Wer am technischen Museum als KulturvermittlerIn angestellt wird, durchläuft dem Personalentwicklungsplan folgend vier Phasen. Es beginnt mit einer internen Ausbildung, in der die KulturvermittlerIn die Ausstellungsbereiche und Programme, die Hauptzielgruppen des Hauses und die Vermittlungsmethoden kennenlernt. Natürlich ist es auch wichtig, mit den internen Abläufen des Hauses vertraut zu sein und AnsprechpartnerInnen in den anderen Abteilungen zu haben. Eine ganz wichtige Rolle spielt in dieser ersten, aber auch den folgenden Phasen das Thema Weiterbildung. Im Unterschied zu vielen anderen Kultureinrichtungen muss man sich Weiterbildungen nicht erst „verdienen“, sondern sie sind ein wichtiger Baustein, um die Qualität im Vermittlungsteam zu halten beziehungsweise auszubauen.

„Vermittlungs-Teams haben oft einen heterogenen Background. (…) Das bringt zum einen genau die richtige Spannung und Mischung für kreative Vermittlungsideen. Zum anderen können im Alltag vice versa einerseits Fachwissen, andererseits methodische Fertigkeiten im Team fehlen. Um hier gezielt gegenzusteuern, werden gezielte Schwerpunkt-Schulungen angesetzt…“, (Seite 86)

beschreibt die Autorin die Herangehensweise des Hauses. Diese Ausbildung dauert ein Jahr, dementsprechend ist auch die Anstellung auf ein Jahr befristet, um abzuklären, ob man zueinander passt. In dieser Zeit arbeiten die KulturvermittlerInnen 15 Stunden pro Woche, aufgeteilt sind sie in 80 Prozent Vermittlungen und 20 Prozent Bürotätigkeit.

In Phase 2 erhöht sich die Zahl der Arbeitsstunden auf 20 pro Woche, dazu kommen eine Lohnerhöhung und ein unbefristetes Anstellungsverhältnis. Auch in Sachen Weiterbildung geht es auf die nächste Stufe, unter anderem geht es um Methodenvielfalt, Moderationsfähigkeiten oder museumspädagogische Theorien. Ähnlich ist der Verlauf in den Phasen 3 und 4, die Inhalte werden immer spezieller, die Anzahl der Wochenarbeitsstunden steigt und alle KulturvermittlerInnen werden dabei unterstützt, sich weiteres Wissen anzueignen und mehr und mehr Verantwortung bei einzelnen Vermittlungsprojekten zu übernehmen.

Die Pläne im Handbuch sind sehr detailliert, zeigen aber auch, wie komplex diese Materie ist. Umso hilfreicher sind sie vermutlich, denn es ist viel leichter, einen eigenen Personalentwicklungsplan mit Hilfe einer Vorlage zu erstellen als bei Null beginnen zu müssen.

Strukturen schaffen als Voraussetzung für den Personalentwicklungsplan

Um so einen Plan entwickeln zu können, bedarf es aber einiger Vorbereitungen. Die kommen im zweiten Teil des Buches zur Sprache, in dem es um die Frage geht, wie sich die entsprechenden Strukturen für das Kulturvermittlungs-Team schaffen lassen. Ausgangspunkt im technischen Museum war der Wille, alle KulturvermittlerInnen anzustellen, was aus der Sicht der Autorin die größte Umstellung für das Haus war, denn

„diese neuen Rahmenbedingungen verändern die tägliche Zusammenarbeit der Abteilung und haben Auswirkungen auf die gesamte Kulturinstitution“. (Seite 18)

Was sich da konkret ändert, wird auf den folgenden Seiten sehr genau erklärt. Zum Beispiel gelten ganz andere (fixe) Arbeitszeitregelungen, die berücksichtigt werden müssen und das Erstellen des Dienstplans zur Herausforderung machen. Maderbacher erklärt Schritt für Schritt, wie man ausgehend von der Ist-Analyse zu einem Dienstplan kommt, der auch realistische Chancen hat, eingehalten zu werden und nicht schon zwei Tage später Makulatur ist. Häuser, die damit zu kämpfen haben, sollten mal einen Blick auf dieses Modell werfen. Ich denke, hier kann sich mancher etwas abschauen.

Viel gelernt habe ich beim Thema Steckbrief, der für jede KulturvermittlerIn angelegt wird (Beispiel Seite 29). Ohne das Wissen, wer im Team über welche Fähigkeiten verfügt, lässt sich die Arbeit in einem größeren Team (und Haus) wohl kaum organisieren. Ausgehend von den Basisdaten (seit wann im Haus beschäftigt, wöchentliche Arbeitszeit) und Informationen zur Ausbildung ist darin festgehalten, für welche Themenbereiche die KulturvermittlerIn Führungen anbietet, für welche Zielgruppen und in welchen Sprachen. Festgehalten werden außerdem in diesem Steckbrief die Beteiligung an bisherigen Projekten, Netzwerke, zu denen Kontakt besteht und besondere Interessen.

Verbindet man die Daten der einzelnen KulturvermittlerInnen, bekommt man einen sehr guten Überblick über den Status Quo der Abteilung und kann unter Umständen gleich Defizite erkennen. Wie ist das Geschlechterverhältnis, wie lange sind die MitarbeiterInnen schon im Haus, welche Inhalte werden abgedeckt, in welchen Sprachen können Führungen angeboten werden, all das sind Aspekte, die auf der strategischen oder der Managementebene eine wichtige Rolle spielen. So banal so ein Steckbrief wirken mag, er stellt Daten zur Verfügung, die nötig sind, um effizient arbeiten  und die Abteilung steuern zu können.

Fazit: Es wirkt sehr unscheinbar, dieses Praxishandbuch, aber es bietet unschätzbare Dienste auf mehreren Ebenen. Erstens unterstützt es Museen dabei, geeignete Strukturen zu entwickeln. Das hier vorgestellte Modell lässt sich auch auf andere Arbeitsbereiche übertragen. Zweitens zeigt es, wie die Häuser wertvolles Know-How entwickeln (und halten) können und drittens trägt es dazu bei, die Arbeitsbedingungen im Kunst- und Kulturbereich zu verbessern, indem es dafür sorgt, dass MitarbeiterInnen prekären Arbeitsverhältnissen entkommen. Auf den ersten Teil des Buches muss ich jetzt gar nicht mehr eingehen, denn ich glaube, es ist klar, dass alle von der Anstellung eines Vermittlungs-Teams profitieren, Museum, VermittlerInnen und auch BesucherInnen. Um diese Frage geht es nämlich zu Beginn des Buches.

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NMC Horizon Report > 2015 Museum Edition: Der Blick in die Zukunft

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Bild: Natural History Museum„; von Franco Folini (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Eine wahre Fundgrube ist wie immer die Museum Edition des NMC Horizon Report, die vor einiger Zeit in der Ausgabe für das Jahr 2015 veröffentlicht worden ist. Eine Vielzahl an ExpertInnen hat 6 Trends, 6 Herausforderungen und 6 technologischen Entwicklungen herausgearbeitet, die die Entscheidungsprozesse und Technologieplanung von Museen in den nächsten 5 Jahren beeinflussen werden. Der Report ist vorbildlich aufbereitet, die wichtigsten Punkte sind in der folgenden Infografik und einem fast 5-minütigen Video zusammengefasst.

Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium.

Quelle: Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium. (CC BY SA-2.0)

Außerdem steht er auch zum kostenlosen Download bereit, natürlich mit einer CC-Lizenz versehen, was die Weitergabe und die Beschäftigung mit den Inhalten enorm erleichtert. Schade, dass wir immer auf Reports aus dem angelsächsischen Raum zurückgreifen müssen. Gibt es wirklich niemanden, der sich bei uns mit solchen Themen beschäftigt?

Besonders erfreulich für meine eigene Arbeit sind die beiden Herausforderungen, die nach Ansicht der ExpertInnen, die diesen Report erstellt haben,  für Museen lösbar sein sollten. Einerseits mahnen sie die Entwicklung digitaler Strategien an und andererseits fordern sie, dass die MitarbeiterInnen der Museen entsprechend geschult werden, um für die Herausforderungen, vor denen die Museen stehen, gerüstet zu sein. Die AutorInnen empfehlen dabei das von Jim Richardson und Jasper Visser entwickelte Digital Engagement Framework als Vorlage, mit dessen Hilfe sich ein solides strategisches Fundament entwickeln lässt.

Auf dieser Basis lassen sich dann Location Based Services anbieten, Spiele entwickeln oder Gamification-Konzepte entwickeln. Das alles macht aber nur Sinn, wenn auch im Haus bekannt ist, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und auf welche Weise sich diese technologischen Entwicklungen überhaupt nutzen lassen. Gefragt sind hier Schulungen, um beispielsweise verstehen zu können, warum Location Based Services immer wichtiger werden. Vielleicht lesen wir zukünftig solche Sätze auch über Museen beziehungsweise Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum:

„At the Metropolitan Museum of Art, they rethought their organizational strategy to integrate a digital presence more seamlessly into their operations. They created a new digital department, recruited a new chief digital officer, and allocated resources and facilities to advance innovation.“

Auch wenn es in diesem Report um Museen geht, auch für Kulturbetriebe anderer Sparten bieten diese knapp 60 Seiten viel Wissenswertes und unter Umständen auch ein paar Anregungen.

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Kunstvermittlung: Fehler im System?

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Bild: The Irish Museum of Modern Art„; von William Murphy (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Am stARTcamp in Münster kam der Vorwurf auf, die Kunstvermittlung sei oft banal und als dann ein paar Tage später Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstgeschichte, in der ZEIT „Stoppt die Banalisierung!“ forderte, begann eine ganz interessante Diskussion. Tanja Praske hat die Links dankenswerterweise gesammelt, und stellt gleich eingangs in ihrem Blogbeitrag die Frage, ob die Kunstvermittlung die Schuld an der Banalisierung der Kunst trage?

Im Wikipedia-Eintrag kann man nachlesen, dass etwas dann banal ist, wenn es einen durchschnittlichen Ideengehalt aufweist. Wenn ich Kunst banalisiere, dann kann das bedeuten, dass ich mit meiner Vermittlungsarbeit der hohen Qualität der Kunst nicht gerecht werde. Es kann aber auch andersherum sein und eine eher banale Kunst erfährt durch die Vermittlungsarbeit eine Aufwertung. Außerdem besteht noch die Möglichkeit der bewusst inszenierten Banalität, um meine Zielgruppe nicht zu überfordern. Ach ja, es kann ja auch sein, dass die Kunst eine ganz tolle ist und die Vermittlungsarbeit ebenso. Theoretisch kann, aber muss Kulturvermittlung also nicht banal sein und wenn sie banal ist, gibt es dafür verschiedene mögliche Ursachen.

Und wie sieht die Praxis aus? Daniel Tyradellis hat vor einem Jahr das Buch „Müde Museen“ (Affiliate Link) veröffentlicht, in dem er den Museen Ideenmangel und fehlenden gedanklichen Tiefgang vorwirft. Für ihn erstarren die Museen in Routine und kümmern sich zuwenig um die Inhalte. Inhalte, auf die die Kunstvermittlung gar keinen Zugriff hat:

„Mangels Zugriff auf den Inhalt wird eine Qualität und Attraktivität auf der Oberfläche angestrebt; hier erst etabliert sich das Verständnis von ‚Vermittlung‘  als methodische und vom konkreten Inhalt weitgehend unabhängige Disziplin“ (Position 653),

schreibt Tyradellis und ist davon überzeugt, dass diese Expertise durchaus Anerkennung in den Museen findet, weil sie das „Terrain der anderen“ nicht bedroht.

Dieser Punkt kommt mir bekannt vor. Frank Tentler erklärt den Kultureinrichtungen schon seit Jahren, dass sie im Bereich Social Media gegenüber allen anderen einen großen Vorteil hätten, weil sie über unendlich viele Inhalte verfügen würden. Das sehe ich auch so, allerdings hat die Sache einen Haken: Die Inhalte bleiben bei denen hängen, die für die inhaltliche Konzeption zuständig sind, alle anderen bekommen die Inhalte entweder gar nicht oder viel zu spät. Ob Kunstvermittlung oder Marketing, was in einer Ausstellung zu sehen ist und welche Konzeption dahinter steckt, das bleibt lange ein Geheimnis. Zu lange, genau aus diesem Grund bleibt die Kunstvermittlung an der Oberfläche und ergeht sich in der Verwendung neuer Technologien. Auch ein vernünftiges Contentmarketing bleibt so auf der Strecke. Beide Bereiche sollten eigentlich den Entstehungsprozess begleiten und entsprechend kommunizieren. Derzeit liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf dem fertigen „Produkt“, der Ausstellung.

Dabei sind es vor allem die Inhalte, die mich dazu bringen, eine Ausstellung zu besuchen. Inhalte gibt es aber anfangs noch keine, stattdessen wird lieber auf Namen und die große Anzahl an ausgestellten Werken verwiesen. Mich lockt man damit nicht an und vermutlich geht es nicht nur mir so. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Konzeption einer Ausstellung qualitativ hochwertig ist, dann müssen die Inhalte einfach viel früher kommuniziert werden, um neugierig zu machen, um Menschen für das Thema zu gewinnen und vielleicht sogar deren Expertise nutzen zu können.

Natürlich sind die Strukturen in den Museen über Jahrzehnte beziehungsweise Jahrhunderte gewachsen. Aber ich denke, es wäre an der Zeit, über ihre Veränderung nachzudenken. Nötig ist es in meinen Augen, das gesamte Haus und darüber hinaus alle, die mit der jeweiligen Ausstellung zu tun haben, am Entstehungsprozess zu beteiligen. Sonst wird der Vorwurf der Banalität nicht zum letzten Mal zu hören gewesen sein.

 

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Die Website als Themenhub

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Bild: Minneapolis Sculpture Garden„; von Doug Kerr (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

In der letzten Zeit werde ich oft nach Möglichkeiten gefragt, die eigene Facebookseite attraktiver und damit dann hoffentlich auch sichtbarer zu machen. Gegen die Algorithmen, mit denen Facebook den Newsfeed reguliert, lässt sich nur wenig ausrichten. Aber es macht trotzdem Sinn darüber nachzudenken, wie sich die eigene Seite interessanter gestalten lässt. In meinen Augen ist es ein Fehler, ständig nur über sich selbst zu schreiben. Warum? Wir selbst sind ja auch Fans diverser Facebookseiten von Kultureinrichtungen. Aber schauen wir uns die wirklich alle regelmäßig an? Schauen wir sie überhaupt an? Die meisten wohl nicht, oder?

Oftmaliger Grund:  Wir besuchen die Kultureinrichtungen nicht ständig, insofern sind die Postings nur von begrenztem Nutzen. Eigentlich wäre es ganz einfach, den Mehrwert zu erhöhen, indem die Postings sich nicht immer um die eigene Einrichtung drehen, sondern sich mit Themen beschäftigen, die uns ganz allgemein interessieren. Aber irgendein Reflex verhindert das und deshalb bieten viele Facebookseiten keinen Mehrwert. Dabei wäre es so einfach, ihn mit Hilfe von Content Curation zu schaffen.

Das Walker Art Center macht es vor

Mit Websites ist es ähnlich. Wir besuchen sie, wenn wir eine Information benötigen. Aber das kommt nicht so oft vor, daher schauen wir dort auch nur selten vorbei. Auch hier stelle ich mir die Frage, warum wir auf ihnen ausschließlich über uns selbst berichten beziehungsweise informieren müssen? Warum sich nicht von dem Glauben befreien, die Leute würden nur kommen, wenn man die eigenen Angebote immer und immer wieder anpreist? Warum nicht auch hier auf Content Curation setzen? Unternehmen wie Coca Cola oder Red Bull machen es vor, auf ihnen steht eher ein Lebensgefühl im Vordergrund, um das sich die verschiedenen Inhalte drehen. Auch im Kulturbereich gibt es ein schönes Beispiel dafür, wobei die Website des Walker Art Center kein Lebensgefühl zu kommunizieren versucht, sondern sich als Anlaufstation für zeitgenössische Kunst versteht.

Der Screenshot zeigt, dass hier beispielsweise sehr prominent zwei Artikel der New York Times verlinkt sind, bei denen es sich nicht um Veranstaltungshinweise für das Haus handelt. Das Walker Art Center beschreibt seine Seite als Ideenhub, heißt es in dem Beitrag „Museums as Broadcasters“ auf  dem Museum Marketing Blog. Und weiter:

„The Walker Art Center website has become a destination for those interested in contemporary art and having increase their reach with a 40% increase in traffic to their website.“

Es kann sich also durchaus lohnen, auf Content Curation zu setzen und die eigene Homepage als Themenwebsite aufzubauen. Denn, so ist dort weiter zu lesen:

„After all, is the mission of these institutions to grow their visitor figures or to educate people about the subjects which they cover.“

Es geht also nicht nur um die BesucherInnen vor Ort, sondern auch um die, die sich für bestimmte Themen interessieren, aber nicht die Absicht haben, das Haus zu besuchen. Leider ist das Walker Art Center mit seiner Seite die große Ausnahme. Wäre es nicht toll, wenn mehr Kultureinrichtungen sich daran orientieren und aus ihren Seiten ein Themenhub machen?

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Virtuelle Museen: Alternative oder Ergänzung?

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Vorweg: Man möge es mir bitte nachsehen, wenn ich in den letzten zwei Monaten kaum zum Bloggen gekommen bin. Das soll sich ab sofort wieder ändern.

Das Museum im Internet, es gibt wohl wenige Dinge, vor denen sich die Museumsverantwortlichen mehr gefürchtet haben. Vielleicht erinnern Sie sich noch, als die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein virtuelles Abbild ihrer Galerie in Second Life einrichteten. Aber dieses Angebot wurde kaum angenommen und so war es folgerichtig, dass 2011 das Ende der virtuellen Dependance angekündigt und die Pforten geschlossen wurden.

Im gleichen Jahr ging Google Art Project an den Start, mit dem der Internetkonzern die Kunst dieser Welt in bestechender Qualität auf unsere Bildschirme brachte. Christian Gries bemängelte noch im letzten Jahr die Zurückhaltung der deutschen Museen bei diesem Vorhaben, heute sind es schon etliche mehr. Macht Google damit den Museen Konkurrenz, fragte Delia Marshall vor wenigen Tagen in einem Blogbeitrag und kommt zu dem Ergebnis, dass dieses Projekt, auch wenn die Qualität beeindruckend ist, immer nur als Ergänzung des Museumsbesuchs vor Ort angesehen werden kann.

Auch in Münster geht es um Ergänzungen, allerdings auf etwas andere Weise. Da das LWL-Museum für Kunst und Kultur wegen Um- und Neubauarbeiten derzeit geschlossen ist (siehe dazu den Blogbeitrag von Claudia Wagner), hat man sich dazu entschlossen, die rund zwei Jahre Bauzeit mit einem virtuellen Museum zu überbrücken. Was macht so ein Museum, was kann so ein Museum, um diese und andere Fragen ging es bei einem Bloggertreffen, zu dem die Projektverantwortliche von Museum 24/7, Michelle van der Veen am Vortag des stARTcamps in Münster (dazu plane ich noch einen eigenen Beitrag) eingeladen hatte.

Mich hat das Thema an die Veranstaltung der internationalen Jugendbibliothek in München erinnert, bei der wir einen Tag lang über “Literaturausstellungen im virtuellen Raum” diskutiert haben.

Wer sich das Museum 24/7 anschauen möchte, installiert ein Plugin und schon kann es losgehen. Zwar wird im Folder darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um eine originalgetreue Kopie des Museums handelt, aber einige prägnante Merkmale des Neubaus wurden bewusst übernommen.

Ein virtuelles Museum ist eine ziemliche Herausforderung, denn die Erwartungen der UserInnen können sehr unterschiedlich ausfallen. Ich persönlich bin im Netz eher auf der Suche nach Informationen, wenn es um KünstlerInnen oder Ausstellungen geht. Oder nach Fotos. Aber einen virtuellen Raum benötige ich dafür nicht unbedingt. Der ist in meinen Augen dann interessant, wenn es die Möglichkeit gibt, mit anderen UserInnen oder ExpertInnen zusammen zu treffen (Man kann aber auch einen Schritt weiter gehen, siehe dazu mein Blogpost „Partizipation: Wie das Publikum in das eigene Projekt einbinden?„). Genau so etwas bietet das Museum 24/7 an und zwar in Form eines Text- oder Voicechat. Eine gute Idee, allerdings hatte ich bis jetzt immer das Problem, alleine in diesem virtuellen Raum zu sein. Da macht der Chat dann nur halb so viel Spaß. 😉 Aber das Museum bietet auch virtuelle Führungen an, da ist so ein Chat dann natürlich eine feine Sache. Partizipative Ansätze sind das Um und Auf, nicht nur bei virtuellen Ausstellungen. Auch in den Ausstellungsräumen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Second Life war ich grundsätzlich alleine. Und irgendwann hat man dann aufgegeben.

Die Frage ist, was man mit diesem virtuellen Raum überhaupt für Ziele erreichen möchte? Ich vermute, Google geht es mit seinem Projekt um etwas ganz anderes wie beispielsweise dem LWL-Museum. Spannend wäre jetzt die Frage, wem es dabei eher um Marketing geht: Google oder dem Museum? Ich kenne die Antwort nicht, könnte mir aber vorstellen, dass Museen, die sich virtuell präsentieren, den Marketinggedanken schon im Kopf haben. Zumindest im Hinterkopf. Aber vermutlich hat das Google auch, aber anders.

Dass es dem LWL-Museum schon um Information geht, sieht man, wenn man sich durch die zehn virtuellen Ausstellungsräume bewegt, denn neben den Kunstwerken befindet sich ein Button, über den man dann an das Infomaterial kommt.

Museum 24/7

Interessant wäre es herauszufinden, warum die UserInnen eigentlich so ein Museum besuchen? Ich habe im Netz nach Informationen darüber gesucht, bin aber leider nicht fündig geworden. Aber die Motive, so eine Seite zu besuchen, würden mich schon interessieren. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich hauptsächlich die Suche nach Informationen ist? Ein Ergebnis bei der Veranstaltung in München war, dass man die UserInnen vor allem emotional ansprechen muss. Wären sie nur auf Informationssuche, könnte man sich das, so denke ich, sparen. Klar ist aber auch, dass viel davon abhängt, welche Ziele mit so einem virtuellen Museum verfolgt werden.

Die Diskussion beim Bloggertreffen war spannend, aber klare Antworten haben wir nicht gefunden (siehe dazu das Blogpost von Michelle van der Veen „Virtuelle Museen beim Bloggertreffen„). Nun gibt es eine zweite Gelegenheit, über das Thema virtuelle Museen zu diskutieren. Michelle van der Veen wird nämlich beim nächsten Treffpunkt KulturManagement zu Gast sein. Stattfinden wird er schon am kommenden Mittwoch, also am 23. April, wie gewohnt von 9 bis 10 Uhr und natürlich sind wieder alle herzlich dazu eingeladen.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 23. April, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 23. April dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 23.04.2014 von 09:00 bis 10:00
Thema: Das virtuelle Museum
Gast: Michelle van der Veen (hier geht es zu ihrem neuen Blog MuseumsGlück)

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Die deutschen Museen verzeichnen 2012 mehr als 112 Millionen Museumsbesuche

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Bild: Pergamon Museum, Berlin, 2012„; By Thomas Claveirole (CC BY-SA 2.0)

Fast 113 Mio. Museumsbesuche konnten die deutschen Museen im Jahr 2012 verzeichnen, hat das Institut für Museumsforschung kurz vor den Weihnachtsfeiertagen vermeldet. Das ist gegenüber dem Jahr 2011 ein Zuwachs von 2,9 Prozent und zugleich die höchste Besuchszahl seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1981, heißt es in der Pressemitteilung.

Die in Kooperation mit dem Deutschen Museumsbund erarbeiteten Zahlen stehen unter dem Titel „Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2012“ sowohl als PDF als auch in einer Printausgabe zur Verfügung. Wer sich für die Zahlen der vergangenen Jahre interessiert, findet die Statistiken auf dieser Seite des Instituts für Museumsforschung.