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Beim 68. Treffpunkt Kulturmanagement geht es um Crowdfunding (inkl. Aufzeichnung)

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Ich werde im Rahmen von Workshops häufig gefragt, welche Projekte denn am besten für eine Crowdfundingkampagne geeignet seien und welche nicht. Viele glauben, dass man mit Vorhaben, die im Mainstream angesiedelt sind, viel leichter an Geld und Leute kommt. Vielleicht ist da auch was dran, aber ist es dann wirklich der Mainstream, der die Sache leichter macht? Haben nur populäre Sparten oder KünstlerInnen Aussicht auf Erfolg? Ich glaube nicht. Für mich spielt da viel eher die Geschichte rund um die Kampagne eine entscheidende Rolle.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Kampagne „Let’s Build a Goddamn Tesla Museum„. Da ging es eigentlich nur darum, Geld aufzutreiben, um den Grund für das geplante Museum kaufen zu können (siehe dazu mein Blogpost: „Crowdfunding: mehr als eine Million US-Dollar für ein Museum„). Das klingt jetzt nicht unbedingt nach großem Kino und vielen Fans. Aber die Kampagne wurde ein Riesenerfolg, fast 1,4 Mio. USD kamen damals zusammen.

Und vor einem halben Jahr gab es wieder so ein schönes Beispiel: Altes Filmmaterial musste vor dem Zerfall gerettet werden, mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne sollen die benötigten 75.000 Euro zusammenkommen. Klingt auch nicht sehr sexy, oder? Aber die Geschichte ist gut. Fast wie im Film 😉

„Da findet jemand auf einem Flohmarkt in Frankreich zufällig Filmaufnahmen, bei denen es sich um verloren geglaubtes Material des Films ‚Die Stadt ohne Juden‘ handelt. Dieser Film aus dem Jahr 1924, der auf den gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer basiert, nimmt die Gräueltaten des Nationalsozialismus vorweg und stellt damit ein wichtiges Geschichtsdokument dar“,

schreibt Ulli Koch in ihrem Artikel über die Kampagne #filmretten auf Kulturmanagement Network. Aber nicht nur die Geschichte ist gut, auch die Kampagne war gut durchdacht und nutzte geschickt den damals in Österreich laufenden Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten. Mit mehr als 86.000 Euro wurde das hochgesteckte Ziel von 75.500 Euro am Ende sogar übertroffen.

Entwickelt hat diese Kampagne Tomáš Mikeska, Marketingverantwortlicher des Filmarchiv Austria. Er wird am Mittwoch den 21. Juni von 9 bis 10 Uhr beim Treffpunkt Kulturmanagement zusammen mit seiner Kollegin Michaela Moitzi (Kommunikationsassistentin beim Filmarchiv Austria) zu Gast sein und über all die Aspekte sprechen, die zum Erfolg dieser Kampagne beigetragen haben. Wer gerade vor der Frage steht, ob eine Crowdfundingkampagne wohl das richtige ist, um das eigene Vorhaben zu finanzieren oder bereits an der Planung der Kampagne sitzt, sollte sich den mittlerweile 68. Treffpunkt Kulturmanagement nicht entgehen lassen.

Über den Treffpunkt Kulturmanagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. In diesem speziellen Fall kooperieren wir außerdem mit „Werde Digital“ und der regionalen Crowdfundingplattform „Wir bewegen„. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht wenn Sie am 21. Juni um 9 Uhr über diesen Link https://zoom.us/j/651295114 den Onlineraum betreten. Der #kmtreff wird außerdem via Facebook live gestreamt, Sie finden den Link dann am kommenden Mittwoch auf der Facebookseite des Treffpunkt Kulturmanagement.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt Kulturmanagement
Termin: 21. Juni 2017, Beginn: 09 Uhr, Ende: 10 Uhr
Thema: Crowdfunding für Kunst & Kultur
Gäste: Tomáš Mikeska (Marketing, Filmarchiv Austria) und Michaela Moitzi (Kommunikationsassistenz, Filmarchiv Austria)
Online-Raum: https://zoom.us/j/651295114

Update:

Wer den Treffpunkt Kulturmanagement verpasst hat, kann sich hier die Aufzeichnung anschauen:

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Kulturfinanzierung: Nicht nur auf dem stARTcamp Linz ein Thema

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Eigentlich wollte ich ja schon lange über das stARTcamp in Linz schreiben, aber da ich in den letzten Wochen viel unterwegs war und es auch einige Feiertage gab, hatte ich nicht die nötige Ruhe, um meine Eindrücke von der stARTcamp-Premiere in Oberösterreich wiederzugeben. Bevor ich mich mit den Inhalten beschäftige: Ein großes Dankeschön geht an Wolfgang Gumpelmaier, der für diese Veranstaltung mit dem Wissensturm nicht nur eine tolle Location gefunden, sondern auch sonst alles perfekt organisiert hat.

„Kulturfinanzierung“ lautete die thematische Vorgabe für den Tag, das Ergebnis der Sessionplanung konnte sich sehen lassen:

Sessionplanung stARTcamp Linz

Natürlich stand die Frage nach neuen und erfolgsversprechenden Finanzierungsoptionen im Vordergrund und natürlich ging es dabei auch um Crowdfunding. Aber nicht nur. Auch EU-Förderungen waren ein Thema oder die Frage, welchen Wert Kulturarbeit hat und ob die Genossenschaft eine geeignete Rechtsform dafür ist? Natürlich muss es bei einem stARTcamp auch um Social Media gehen, passend zum Thema diskutierten wir über den Wert eines Likes und die richtigen Kennzahlen.

Ob ein Like einen Wert besitzt, hängt letzten Endes von den Zielen ab, die man sich gesteckt hat. Oft ist es aber umgekehrt, die Überlegungen gehen eher in Richtung der Frage, welche Kennzahlen es gibt und ob sie sich verwenden lassen. Viele haben mittlerweile verstanden, dass es nicht reicht, nur Impressions, Likes und Kommentare zu zählen. Aber was ist die Alternative? Vielleicht die „7 Must Track Metrics for Inbound Marketing„? Natürlich klingt es vernünftig, jede Woche nachzusehen, wo man mit den gewählten Keywords im Suchmaschinenranking zu finden ist. Angenommen, wir landen damit ganz vorne im Ranking, was passiert dann und was sagt uns das? Ziele sind Mangelware und so landen wir dann doch schnell wieder bei den Fans- oder Followerzahlen.

Wichtig können die sein, wenn es um das Thema Crowdfunding geht. Dass es dafür der Unterstützung durch die eigene Community bedarf, wissen wir mittlerweile. Aber was muss ich tun, damit sie sich für mich engagiert? Die Antwort fällt meist ernüchternd aus: Wir wissen es nicht, weil wir uns davor scheuen, mit Daten zu arbeiten und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Vielleicht lässt sich diese Scheu überwinden, wenn sich ein Modell durchsetzt, das Crowdfunding und Sponsoring miteinander verbindet.

Die Bank Austria verteilt ihre aktuell 110.000 Euro nicht einfach nur im Rahmen des Kunstpreises an drei oder mehrere Preisträger, sondern verbindet ihn mit einem Crowdfundingprozess, an dessen Ende ausgewählte Projekte ein Drittel der Finanzierungskosten von der Bank erhalten. Aber was erkläre ich das lange. Dieses Video macht deutlich, worum es geht und wie der Prozess abläuft:

Auf diese Weise lässt sich die Summe, die den verschiedenen Projekte zugute kommt, verdreifachen, der Hebel wird durch die Kampagne vergrößert und führt dazu, dass mehr Geld in die Vorhaben fließt. Für mich führt die Kombination von Sponsoring und Crowdfunding zu einer Win-Win-Situation, denn es profitiert auf der einen Seite der Sponsor, der aber im Rahmen dieses Modells nicht nur mehrere Projekte unterstützt, sondern – zumindest derzeit – auch eine recht große Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Machen das alle, wird vermutlich kein Hahn danach krähen. Doch halt, der Kunst- und Kulturbereich, denn dank der Hebelwirkung fließt in diesem konkreten Fall die dreifache Summe in die Projekte. Aber nur, wenn es gelingt, zwei Crowdfundingkampagnen erfolgreich durchzuführen und die finanziellen Ziele zu erreichen, nämlich jeweils ein Drittel der benötigten Gesamtsumme.

Der Nachteil: Die Kultureinrichtungen haben es in diesem Fall nicht mehr in der Hand, mit einzelnen Sponsoren zusammen zu arbeiten. Das Unternehmen bestimmt den Ablauf und die „Fans“ entscheiden, welche Kampagnen erfolgreich sind und das Geld des Sponsorgebers erhalten.

Der Vorteil: Crowdfunding ist mehr als nur ein Finanzierungsinstrument und verbindet die Bereiche Kulturfinanzierung und Marketing miteinander. Profitieren werden die, denen es gelingt, ihre Communitys zu aktivieren und auf unternehmerisches Handeln beziehungsweise Marketing zu setzen. Und dafür braucht es auch wieder Kennzahlen, Kennzahlen, mit denen heute viele noch nicht arbeiten wollen.

 

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Nach dem stARTcamp ist vor dem stARTcamp: In Linz geht es am 7. Mai um Kulturfinanzierung

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Bild: Linzer Pflasterspektakel 2008 – Rumpel„; von Chrissy W (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Fack ju Subvention!“ ist ein Artikel in der WELT überschrieben, in dem der Autor die Meinung vertritt, die durchsubventionierte deutsche Kulturlandschaft produziere nur gremienverhunzte Konsensbrühe und die Künstler müssten sich endlich entscheiden,

„ob sie Staatsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen“.

Wurde im „Kulturinfarkt“ die Forderung nach einer möglichen Kürzung der Subventionen noch argumentiert, schwadroniert hier jemand vor sich hin, ohne groß eine Ahnung zu haben, schafft es aber, den Begriff des Bildungsbürgers endgültig zu diskreditieren. Gut, inhaltlich gibt der Artikel also nicht viel her, aber die Überschrift passt gut zum stARTcamp in Linz, das am 7. Mai stattfindet und zwar im Wissensturm, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. „Fack ju Subvention!“ Obwohl, ich würde das Ausrufezeichen noch durch ein Fragezeichen ersetzen, also: „Fack ju Subvention?“ Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Es geht um die Frage, wie sich Kunst und Kultur finanzieren lassen. Auch wenn das den einzelnen KünstlerInnen und Kultureinrichtungen nicht so vorkommen mag, aber es fließt noch ziemlich viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich. Aber vielleicht ließe sich in Linz die Frage diskutieren, ob das Geld richtig fließt und vor allem: erreicht es auch die Richtigen?

Das Hauptaugenmerk wird nächste Woche aber sicher bei den Alternativen zur öffentlichen Förderung liegen. Die aktuelle Ausgabe des KM-Magazins hat dazu eine Steilvorlage geliefert und behandelt unter der Überschrift „Kulturfinanzierung“ Themen wie Sponsoring, Corporate Cultural Responsibility, Online-Fundraising oder Crowdfunding. Aber mir reicht das noch nicht. Gilt diese Einteilung überhaupt noch? Lohnt es sich, weiter auf das klassische Kultursponsoring zu setzen, obwohl es vermutlich vielen so geht wie Christoph Grunenberg, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, der im KM-Magazin konstatiert,

„dass der Anteil des Sponsorings an der Gesamtfinanzierung geringer geworden ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren, mit abnehmender Tendenz“.

Und was ist mit denen, die bis jetzt noch gar keine Sponsoren hatten? Ist für die Crowdfunding eine Alternative? Ich denke schon, aber nicht nur für die, denn Crowdfunding ist mehr als nur ein (neues) Finanzierungsinstrument. Vielleicht stimmen all die Kategorien nicht  mehr? Ich habe gerade einen sehr guten Artikel von Dion Hinchcliffe gelesen. In „How much can technology actually improve collaboration?“ zeigt er, welche Vorteile sich daraus ergeben, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Aber mir reicht es nicht, wenn wir nur darüber nachdenken, wie Theater kooperieren. Oder Museen. Und wenn wir innovativ sind, Theater mit Museen. Nein, denken wir mal weiter und orientieren wir uns an dem, was die BesucherInnen eines Konzerts oder einer Ausstellung davor und danach erleben beziehungsweise, was sie sich davor und danach wünschen? Mit dem Modell des digitalen Erlebnisraums geht es uns darum, Kooperationen entlang einer Wertschöpfungskette zu entwickeln.

Einen Schritt zurück: Immer wieder weisen wir darauf hin, dass das Wertvolle der künstlerischen Arbeit nicht nur das künstlerische Objekt ist, sondern der Prozess, der dazu geführt hat. Wir verkaufen aber nur Tickets, um das Ergebnis dieser Arbeit bestaunen zu können. Der Prozess bleibt unter Verschluss. Das ist übrigens auch ein Problem, wenn es darum geht, die künstlerische Arbeit zu bewerben und zu vermitteln. Hier stoßen wir ganz schnell an Grenzen, die es zu überwinden geht. Tom Goodwin formuliert das recht schön in seinem Artikel „Why You Don’t Need A Digital Strategy„:

„You Don’t Need A Digital Strategy, You Need A Digitally Transformed Company.“

Anders gesagt: Erst wenn es Kultureinrichtungen gelingt, sich neu zu organisieren,  besteht die Möglichkeit, die Finanzierungsprobleme zu lösen.

Wer jetzt Lust verspürt mitzudiskutieren, der sollte zum stARTcamp nach Linz kommen, denn es gibt kein besseres Format als ein Barcamp, um solche Themen zu diskutieren. Apropos Format: Wer nicht weiß, was ein Barcamp ist, hier die schnelle Antwort: Das Programm wird in der Eingangssession gemeinsam festgelegt, alle können etwas vortragen, diskutieren oder auch einfach eine Frage stellen (mehr dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„). Der Erfolg des stARTcamps hängt also von den TeilnehmerInnen ab. Wenn sich alle aktiv beteiligen, diskutieren oder fragen, dann wird das stARTcamp eine tolle Sache, warten alle nur darauf, dass etwas passiert, wird es eher eine langweilige Veranstaltung. Aber keine Sorge, bis jetzt war die Begeisterung immer groß (man kann das zum Beispiel aus den Blogbeiträgen über das stARTcamp in München herauslesen). Fehlen nur noch die Informationen…

Wo, wann und wie?

Das stARTcamp Linz findet am 7. Mai im Wissensturm in Linz (Kärtnerstraße 26, 4020 Linz) statt, los geht es um 10 Uhr. Wer dabei sein möchte, muss sich nur über diese Liste anmelden. Der Eintritt ist kostenlos, aber für Essen und Getränke wird vor Ort ein Unkostenbeitrag von 10 Euro eingesammelt. Wer schon Themenvorschläge, Fragen oder Diskussionspunkte hat, kann diese in die Liste der Sessionvorschläge eintragen. Ach ja, und etwas Werbung wäre natürlich auch nett. Blogbeiträge oder ein paar Postings auf Facebook und Twitter (hashtag #sclinz) helfen Wolfgang Gumpelmaier und allen, die ihn dabei unterstützen, weiter. Wir sehen uns. 😉

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Crowdfunding: mehr als ein Finanzierungsinstrument

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Bild: The Strategy of Chess„; von Ken Teegardin (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vor ein paar Tagen war in der ZEIT ein Artikel zu lesen, dessen Überschrift lautete: „Ist das noch Crowdfunding?“ Berichtet wird über die Kampagne von Pebble, einem jungen Unternehmen aus dem Silicon Valley, das via Kickstarter sein neuestes Produkt verkauft. Denn als Gegenleistung gibt es die Pebble Time, eine Smartwatch, die erstmals ein farbiges Display aufweist. Funktioniert hat die Kampagne allemal, denn bereits am ersten Tag kamen 8 Mio. USD zusammen. Rund 40.000 UnterstützerInnen erwarben die Uhr zu sehr günstigen Preisen, mittlerweile haben sich weitere 10.000 KäuferInnen gefunden, die nun mehr als 11 Mio. USD in die Unternehmenskasse spülen.

Gründe, warum das Unternehmen auf Crowdfunding setzt, gibt es einige. Zum einen ist es eine klug aufgesetzte Marketingaktion, die ganz stark auf Kundenbindung setzt.

„Der Erfolg auf Kickstarter gehört zur Unternehmenslegende, die Träger der Pebble fühlen sich, nicht ganz zu Unrecht, als Pioniere und Unterstützer einer guten Idee,“

heißt es in dem Artikel. Geboten wird nicht nur die Uhr, sondern es gibt täglich Informationen und Unterhaltung rund um das neue Produkt. Die Kampagne wird zum Event. Für Pebble ist der Verkauf über Kickstarter aber auch wirtschaftlich interessant, denn hier lassen sich höhere Margen erzielen als über den Einzelhandel. Außerdem lässt sich auf der Basis der Kampagne sehr gut einschätzen, wie das Produkt ankommt und so der Produktionsprozess steuern.

Während Crowdfunding in seiner Anfangszeit vor allem als Finanzierungsinstrument gesehen wurde, ist das heute etwas anders. Diese Form der Geldbeschaffung ist erwachsen geworden und wir sehen, dass sich hier ein viel größeres Potenzial verbirgt als das Einsammeln von Geld.

Für den Kulturbereich sehe ich die große Chance, mit dem Instrument des Crowdfunding in zweifacher Hinsicht erfolgreich zu sein. Erstens darf ich, wenn ich auf einer der mittlerweile zahlreichen Plattformen nicht untergehen möchte, eine Crowdfundingkampagne nicht nebenbei laufen lassen. Sie muss beworben werden und zwar richtig. Was liegt näher, als mein Projekt beziehungsweise mein Produkt schon so früh zu bewerben und sofort mit dem Marketing zu beginnen? Der Vorteil: Ich kann meine UnterstützerInnen per Newsletter oder über Beiträge auf der Projektseite erreichen und ich weiß, dass sie sich für mich interessieren. Schließlich haben sie mich schon finanziell unterstützt. Hinzu kommt: Kultureinrichtungen tendieren meist dazu, zu spät mit ihren Marketingaktivitäten zu beginnen. Zwei Wochen vor der Premiere damit zu beginnen, das kann ich mir nicht leisten, wenn ich das Vorhaben auf diese Weise (mit)-finanziere.

Das klingt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, führt aber vermutlich in vielen Betrieben zu völlig neuen Abläufen. Oft bekommen Marketing und PR die Informationen erst sehr spät, wenn inhaltlich alles klar ist und die Produktion steht. Das geht nun nicht mehr, es bedarf neuer Formen der Zusammenarbeit, denn das Marketing muss schon frühzeitig, schon vor Beginn der Produktion, mit Inhalten gefüttert werden, um die Crowdfundingkampagne starten zu können.

Die Fundraisingpyramide: Mit dem Crowdfunding geht es los

Zweitens glaube ich, dass das Crowdfunding eine große Hilfe in finanzieller Hinsicht sein kann. Zwar gibt es viele Kultureinrichtungen, die private Geldgeber erst dann suchen, wenn die Not groß ist. Aber wer Fundraising strategisch angeht, wird sich seine UnterstützerInnen langsam aufbauen, ob das nun Privatpersonen oder Unternehmen sind.

Fundraisingpyramide

Die Fundraisingpyramide zeigt, ich habe sie hier kurz skizziert, dass ich in einem ersten Schritt möglichst viel Personen ansprechen muss. Erreichen werde ich sie vor allem über meine Inhalte, Konzerte, Ausstellungen, Inszenierungen, was auch immer. Der Aufwand ist dafür relativ groß, reinkommen wird in der Regel anfangs aber nicht so viel. Ich kann dafür eine Spendenkampagne lancieren, Fördervereine aufbauen oder eben auch auf das Crowdfunding setzen. Der Vorteil: ich komme recht schnell in die Gänge, es passiert sofort etwas und ich kann auch gleich mit unterschiedlichen Gegenleistungen aufwarten. Natürlich hängt die Entscheidung für oder gegen eine Crowdfundingkampagne auch von meiner Zielgruppe ab und es spricht auch nichts dagegen, einen Förderverein aufzubauen oder eine Spendenkampagne durchzuführen.

Auch im Hinblick auf Sponsoren ist Crowdfunding ein guter Einstieg. Sie wenden sich zu Beginn an Privatpersonen und bauen zu denen möglichst langfristige Beziehungen auf. UnternehmerInnen, AgenturvertreterInnen, MarketingleiterInnen, wer weiß, wen Sie mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne erreichen und gewinnen können? Im Idealfall gelingt Ihnen der Schritt.

Hinzu kommt: Viele Kultureinrichtungen können in Sachen Werbung gar nicht so viel anbieten. Das Programmheft, in dem das Logo zu finden ist, kaufen nur wenige und die Plakate verschwinden auch bald wieder. Kultureinrichtungen, die auf Crowdfunding setzen, sind im Social Web aktiv und haben deshalb schon im Vorfeld eine – hoffentlich – große Sichtbarkeit. Kann es nicht sein, dass Sie schon alleine dadurch für Unternehmen attraktiver werden? Stichwort Image: Holen Sie Unternehmen mit ins Boot und geben ihnen etwas davon ab. Durch die enge Verzahnung mit dem Marketing wird es jeden Menge Möglichkeiten geben, mit Unternehmen zu kooperieren.

Wir sind gerade in einer Umbruchphase und das in vielerlei Hinsicht. Die öffentlichen Mittel reichen immer seltener, um die vielen Vorhaben im Kunst- und Kulturbereich zu ermöglichen. Für Kulturbetriebe wird es nicht leichter, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig buhlen viele um dieselben Zielgruppen. Das Crowdfunding könnte ein Instrument sein, mit dessen Hilfe Sie hier trotzdem weiter kommen, auch weil das Marketing immer stärker auf Social Media setzt. Wohin die Reise wirklich geht, kann ich heute noch nicht sagen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das Crowdfunding zukünftig eine ganz wichtige Schnittstellenfunktion im Kunst- und Kulturbereich ausübt und die beiden großen Themenbereiche Kulturfinanzierung und -marketing miteinander verbindet.

Siehe dazu auch: Crowdfunding in 11 Schritten (Teil I)

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Im zweiten Teil dieser Serie hatte ich geschrieben, dass eine Crowdfunding-Kampagne nicht ein kleines Anhängsel eines „richtigen“ Projektes ist, sondern als ein eigenständiges Vorhaben zu betrachten sei. Wer schon mal eine Kampagne durchgeführt hat, weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Die Frage ist, über welchen Zeitraum wir diese Arbeit verteilen, denn die Laufzeit unserer Kampagne bestimmen wir in der Regel selber.

Schritt 6: Setzen Sie den Termin für die Deadline fest

Gerade AnfängerInnen entscheiden sich häufig für eine längere Laufzeit, weil sie glauben, so größere Chancen zu haben, das eigene Vorhaben erfolgreich zu finanzieren. Ob das wirklich so stimmt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ein Blogbeitrag aus dem letzten Sommer weist darauf hin, dass auf Kickstarter Kampagnen mit einer Laufzeit von 30 oder weniger Tagen eine höhere Erfolgsquote (35 Prozent) aufweisen als die mit einer Laufzeit von 60 Tagen (Erfolgsquote: 29 Prozent). Offen bleibt, ob dabei die Dauer der Kampagne eine Rolle spielt oder die Höhe der Summe, um die es geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meiste Unterstützung zu Beginn und am Ende einer Kampagne gibt. Dazwischen geht es oft sehr zäh voran. Meist lässt die erste Euphorie des Projektteams nach einem – hoffentlich – erfolgreichen Auftakt etwas nach und auch die UnterstützerInnen denken sich, dass es ja noch nicht eilig sei, das Vorhaben zu unterstützen. Ich scheue mich davor, von einer Durchhängerphase zu sprechen, aber meist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag wesentlich schlechter als in Start- und Endphase. Deshalb plädiere ich eher für kurze Laufzeiten, bei kleineren Projekten sind das zum Beispiel 30 Tage, bei größeren 60. Maria Weiss hat zum Beispiel genau 30 Tage gebraucht, um für ihr Projekt „favola in musica“ 9.200 Euro einzusammeln und damit das Brennen der CD und den Druck des Digibooks zu finanzieren.

favola in musica

Die Plattform Indiegogo testet derzeit die Möglichkeit, Kampagnen über deren eigentliches Ende hinaus weiter laufen zu lassen. In ihrem Blogpost „Continuing Your Success on Indiegogo“ wurde vor zwei Monaten das Pilotprogramm „Forever Funding“ angekündigt,

„that will let campaigners continue raising money even after their campaign deadline, providing a new way to deepen their engagement with funders“.

Mir gefällt der Ansatz, denn er fördert eine Entwicklung, in der Crowdfunding sich immer mehr in Richtung Marketing bewegt und den engen Kontakt zu den UnterstützerInnen auch über die Kampagne hinaus zu nutzen. Ob er sich bewährt, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass dieses Modell vor allem denen entgegenkommt, die mit Hilfe von Crowdfunding die Entwicklung eines Produktes finanzieren und es als Gegenleistung zum Kauf anbieten. Ein Beispiel ist die Kampagne für das Tracking-Tool TrackR bravo, die bis zum eigentlichen Kampagnenende Anfang August 1,26 Mio. USD einsammeln konnte und mittlerweile bei 1,46 Mio. angekommen ist. Ob dieses Modell auch bei einem jährlich stattfindenden Theaterfestival funktioniert, müsste man ausprobieren. Allerdings ist die Herausforderung in diesem Fall ungleich größer als bei dem erwähnten Beispiel, denke ich.

Schritt 7: Finden Sie die passenden Gegenleistungen

Die Gegenleistungen entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg einer Crowdfunding-Kampagne. Wer hier gute und kreative Ideen und das Gespür dafür hat, was der „Crowd“ gefällt, kann seine Erfolgsaussichten gewaltig steigern. Wer die Entwicklung und Produktion eines Produktes, zum Beispiel einer CD, eines Films oder Buches, finanziert, hat es relativ leicht, denn als Gegenleistung steht das Produkt selbst zur Verfügung. Bei der Kampagne von TrackR bravo kann ich lediglich das Tool erwerben und es farblich und mit einer Gravur versehen aufpeppen. Außerdem gibt es Mengenrabatt. Das ist nicht sonderlich einfallsreich, aber wenn sich die UnterstützerInnen für das Produkt interessieren, reicht das.

Maria Weiss war da etwas keativer und hat nicht nur die CD in mehreren Varianten angeboten, sondern auch an den kleinen Geldbeutel gedacht. Wer nicht bereit ist, eine CD zu erwerben und das Projekt trotzdem unterstützen möchte, kann das auch mit geringen Beträgen tun und erhält zum Beispiel einen Song zum Download oder ein Postkartenset mit Motiven aus der Produktion. Darüber hinaus kann eine UnterstützerIn aber auch eine Gesangsstunde, ein Abendessen oder eine Kutschenfahrt „erwerben“. Dabei sollten Sie beachten, dass bei den Gegenleistungen selbst auch wieder Kosten anfallen. Das heißt, mit den Beträgen, für die die Crowd eine Gegenleistung erhält, müssen sie sowohl das eigentliche Projekt, aber auch die Gegenleistungen finanzieren. Dass ein Abendessen für drei Personen etwas kostet, wissen Sie natürlich. Aber vergessen Sie nicht die Portokosten, wenn Sie Bücher oder CDs verschicken.

Wie viele verschiedene Gegenleistungen sollten Sie anbieten? Die Plattform VisionBakery schlägt in einem Blogbeitrag fünf bis zehn verschiedene Angebote vor, ansonsten droht es ihrer Ansicht nach unübersichtlich zu werden. Zehn unterschiedliche Gegenleistungen zu entwickeln, ist schon eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn man keine CD und kein Buch, sondern ein Theaterstück produziert. Das Transition Theater zeigt recht schön, wie man die Sache angehen kann. Im Rahmen ihrer erfolgreichen Kampagne für die Produktion ihres Stückes Zeitwohlstand haben sie nicht nur 16 verschiedene Gegenleistungen entwickelt, sondern sich darüber hinaus inhaltlich an der Produktion orientiert. Schon für 2 Euro gibt es eine „Dankes-Zeit“, in der man nachfühlen soll, wofür man an diesem Tag dankbar sein soll. Aber man kann auch die ganze Produktion zu sich einladen, allerdings kostet das dann etwas mehr als die 2 Euro. 😉

Vergessen Sie nicht die Unternehmen! Auch denen können Sie hier Angebote unterbreiten und darauf hoffen, dass Sie Ihren Sponsoringpartner via Crowdfunding finden. Ob das nun die Nennung des Namens im Abspann eines Films oder auf einer CD ist oder ein privates Konzert, in jedem Fall kann das Unternehmen von der Sichtbarkeit ihrer Kampagne profitieren. Je erfolgreicher Ihr Crowdfunding, desto interessanter werden Sie für Unternehmen.

Bevor Sie sich jetzt den Kopf zerbrechen, werfen Sie doch einfach einen Blick auf die vielen Projekte, die sich auf den veschiedenen Plattformen präsentieren und lassen Sie sich von deren Ideen inspirieren. Wir müssen das rad ja nicht jedes Mal neu erfinden. 😉

In der nächsten Folge dieser kleinen Serie geht es um die Frage, wie Sie Ihr Projekt am besten präsentieren.

Siehe auch:

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Creative Europe: die Ergebnisse des ersten Calls

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Über das neue EU-Förderprogramm Creative Europe habe ich ja schon vor einigen Monaten ein Blogpost geschrieben und auf die neuen inhaltlichen Schwerpunkte hingewiesen. Nun sind die Ergebnisse des ersten Calls veröffentlicht worden und es ist ganz spannend zu sehen, welche Projekte angenommen worden sind. Leider gibt es keine Kurzbeschreibungen, deshalb müssen wir uns beim Durchsehen mit den Titeln begnügen. Ich hoffe, die Projektinfos folgen irgendwann noch, denn bei vielen Projekten geht aus dem Titel nicht hervor, worum es im Vorhaben geht. Bei manchen Projekten wie dem „European Opera Digital Project“ oder „Virtual Sets: Creating and promoting virtual sets for the performing arts“ kann man zumindest erahnen, worum es darin geht. Etwas mehr Informationen wären aber sehr hilfreich.

Was viele sicher interessieren wird: Wie viele Projektanträge wurden gestellt und wie groß sind die Erfolgsaussichten? In der Kategorie der kleinen Kooperationsprojekte (3 Partner, max. 200.000 Euro, EU-Förderanteil max. 60%) wurden insgesamt 337 Projekte eingereicht, 37 erhielten eine Förderzusage. Damit liegt die Erfolgsquote bei 10,98%, was nicht besonders hoch ist. Bei den großen Kooperationsprojekten (6 Partner, max. 2 Mio. Euro, EU-Förderanteil max. 50%) wurden 74 Projekte eingereicht, 21 erhalten eine Förderung aus Brüssel, womit die Erfolgsquote bei 28,38% liegt. Es ist also schwer zu sagen, ob man sich eher für ein kleines oder großes Projekt entscheiden soll. Die Erfolgsaussichten sind bei den kleinen Kooperationsprojekten ziemlich gering, allerdings muss man auch berücksichtigen, dass nicht so viele Projekte eingereicht worden sind. Etwas besser waren prozentual gesehen die Chancen bei den großen Projekten, aber bei einer Quote von knapp 30 Prozent haben trotzdem nur 21 eine Förderzusage erhalten. Das ist bei der Vielzahl der Länder, die an diesem Programm teilnehmen können, keine sehr große Zahl.

Wer wissen möchte, welche Netzwerke Geld aus Brüssel bekommen, seit ein paar Tagen sind auch diese Ergebnisse online.

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil III)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Nun hat es mit dem dritten Teil meiner kleinen Serie über Crowdfunding doch etwas länger gedauert, ich bitte um Verzeihung. Wenn Sie direkt von einer der Suchmaschinen oder einem sozialen Netzwerk hierher gesprungen sind, hier finden Sie Teil I und Teil II. Nachdem Sie Ihr Vorhaben und die Crowdfunding-Kampagne sorgfältig geplant haben und auch wissen, welche Kosten anfallen, geht es im nächsten Schritt um die Frage, für welche Plattform Sie sich entscheiden sollen beziehungsweise ob es vielleicht auch Sinn macht, die Kampagne auf der eigenen Seite durchzuführen?

Schritt 5: Wählen Sie die richtige Plattform

Die Zahl der Crowdfunding-Plattformen nimmt fast täglich zu, deshalb macht es wenig Sinn machen, hier eine Liste zu erstellen, denn es würde sich immer nur um eine Momentaufnahme handeln. Hinzu kommt, es gibt einige solcher Listen. Recht aktuell hat sich das Online-Magazin t3n mit dem Thema beschäftigt und die wichtigsten deutschsprachigen Plattformen aufgelistet und vorgestellt. Die Liste auf crowdfunding.de enthält auch regionale Plattformen, eine interessante Alternative für Projekte, die nur in einem regionalen Umfeld umgesetzt werden sollen und deshalb häufig auch nur für regionale UnterstützerInnen interessant sind. Auf Ikosom ist eine Liste zu finden, in der die europäischen Plattformen gesammelt wurden beziehungsweise werden, denn es handelt sich hier um eine gecrowdsourcte Liste. Hier lohnt es sich, einen Blick in den Kommentarbereich zu werfen, in dem viele Ergänzungen zu finden sind.

Aber natürlich gibt es auch außerhalb Europas unzählige Plattformen. Die größte von ihnen ist Kickstarter, eine Plattform, auf der im letzten Jahr  3 Mio. Menschen rund 480 Mio. USD in Projekte steckten, von denen knapp 20.000 erfolgreich finanziert werden konnten (siehe hier die Zusammenstellung für das Jahr 2013).

Plattformen setzen nicht nur auf das regionale Umfeld, sondern spezialisieren sich auch auf bestimmte Inhalte. SellaBand etwa hat sich auf die Musikbranche konzentriert, KraftCrowd versteht sich als Plattform für die Region Murtal in der Steiermark. Vor Ihrer Entscheidung müssen Sie immer abwägen, ob die Plattformen Ihren Ansprüchen und Erwartungen entsprechen. Plattformen, die sich auf eine Region konzentrieren oder einen Bereich spezialisieren, verfügen vermutlich über die entsprechenden Zielgruppen. Wer sich nicht für Filmprojekte interessiert, wird kaum auf einer Plattform zu finden sein, auf der Filmprojekte finanzielle Unterstützung suchen. Große Plattformen  verfügen natürlich über wesentlich mehr BesucherInnen, aber vielleicht interessieren die sich alle nicht für Ihr Vorhaben? Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Projekte auf den verschiedenen Plattformen erfolgreich sind und welche nicht. Auf diese Weise bekommen Sie hoffentlich ein Gefühl dafür, welche Plattform die richtige für Sie ist.

Unter Umständen haben Sie ein Produkt, das Sie international verkaufen wollen oder ein Projekt, das sich an eine internationale Zielgruppe richtet. In diesem Fall kommen natürlich auch Plattformen im Ausland für Sie in Frage. Allerdings sollten Sie in dem jeweiligen Land oder den Ländern auch über ein entsprechendes Netzwerk verfügen, ansonsten nimmt man Sie und Ihr Projekt dort einfach nicht wahr. Hilfreich sind außerdem Kontakte, die über andere Kanäle auf Ihr Vorhaben aufmerksam machen, zum Beispiel eine Fachzeitschrift. Wenn Sie auf Kickstarter etwa eine Kampagne laufen haben und am Ende konnten Sie nur UnterstützerInnen aus dem deutschsprachigen Raum gewinnen, dann ist da was falsch gelaufen.

Einige Punkte, auf die Sie bei der Auswahl der Plattform achten sollten:

  • Laufen auf der Plattform aktuell Kampagnen oder ist dort schon seit Wochen oder Monaten nichts mehr los?
  • Welche Bereiche werden auf der Plattform abgedeckt, passt Ihr Vorhaben zu der Plattform?
  • Welche Kosten/Gebühren verlangen die BetreiberInnen für die Nutzung ihrer Plattform (Vergessen Sie nicht, diese Kosten in Ihr Budget hineinzunehmen!)?
  • Welche Bezahlmethoden werden angeboten? Entsprechen die Ihrer Zielgruppe? Fallen dabei zusätzliche Gebühren an, z.B. wenn PayPal verwendet wird?
  • Müssen sich Ihre UnterstützerInnen auf der Plattform registrieren und wenn ja, wie?
  • Welche Unterstützungsleistungen bieten die PlattformbetreiberInnen an? Ist der Support (Email- oder telefonische Beratung, Workshop) kostenlos oder kostenpflichtig? Welche Kosten können entstehen (auch diese dann bitte ins Budget reinnehmen)?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten bietet die Plattform, gibt es einen persönlichen Ansprechpartner?
  • Welche Möglichkeiten werden Ihnen geboten, Ihr Vorhaben auf der Plattform zu präsentieren? Welche Sharing-Funktionen existieren?
  • Können Sie mit Ihren UnterstützerInnen kommunizieren und wenn ja, über welche Kanäle (Blog, Newsletter, Email)?

Das sind in meinen Augen die wichtigsten Fragen, die man sich vor Beginn der Kampagne stellen sollte. Unter Umständen sind auch die Zugriffszahlen oder die Erfolgsquote für Sie von Interesse, in dem Fall versuchen Sie auch das herauszufinden oder zu erfragen.

Sie sehen, es gibt einige Punkte zu beachten, so einfach ist es also gar nicht, die für Sie passende Plattform zu finden. Eventuell wollen Sie Ihre Kampagne gar nicht auf einer Plattform ablaufen lassen, sondern spielen mit dem Gedanken, die eigene Website dafür zu verwenden. Grundsätzlich ist das kein Problem, es gibt mittlerweile eigene Plugins, mit deren Hilfe sich die eigene Website entsprechen „aufrüsten“ lässt. Vor allem bei WordPress ist die Auswahl gar nicht so klein.

Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist. Im Vordergrund steht meiner Ansicht nach die Frage, wer die größere Reputation hat, Sie oder die Plattform? Kennt Sie kein Mensch, würde ich eine Plattform bevorzugen, sind Sie ein Star, ziehen Sie die Kampagne auf Ihrer Seite durch. Es geht um die Frage, wie Sie das Vertrauen Ihrer potenziellen UnterstützerInnen gewinnen können? Haben Sie eine große Community, mit der Sie engem Kontakt stehen, haben Sie deren Vertrauen bereits gewonnen. Ist das Vertrauen noch nicht vorhanden, lassen Sie sich von der Plattform „helfen“.

Auch nicht ganz unwichtig ist die Frage von Funktionalität und Design. Die Plattformen haben ihre Abläufe und wissen, dass sie funktionieren. Natürlich können Sie sich mit den gängigen Bezahlmethoden vertraut machen, ein eigenes Treuhandkonto eröffnen und sich eigene AGBs für die Kampagne zulegen (meist gibt es die schon), aber das kostet Zeit, Zeit, die Sie vielleicht lieber für Ihre Kampagne beziehungsweise für das Projekt verwenden möchten.

Die richtige Entscheidung, ob Sie eine Plattform nutzen und wenn ja, welche, erleichtert Ihnen Ihre Arbeit und erhöht, so denke ich, auch die Erfolgschancen. Haben Sie eine Entscheidung getroffen, fehlen gar nicht mehr so viele Dinge, um so richtig loszulegen. Im nächsten Teil der Serie geht es um die Frage, wie lange die Kampagne laufen soll und was es mit den Gegenleistungen auf sich hat.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch Punkte, die bei der Auswahl der Plattform wichtig sind, lassen Sie es uns doch bitte wissen. Am einfachsten geht das per Kommentar.

Siehe auch: