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From the Ferris Wheel on the Prater.
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Per Algorithmus ins Theater?

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Bild: Skyline of Vienna“ von reivax (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vor etwas mehr als sechs Jahren habe ich in einem Blogbeitrag gefragt, wo Kultureinrichtungen ihre Veranstaltungen ankündigen. Die meisten Kultureinrichtungen setzten damals auf Facebook, die eigene Website und diverse Veranstaltungskalender (siehe auch dazu den Beitrag: „Fazit: Kulturveranstaltungen anzukündigen ist gar nicht so einfach„). Natürlich spielten damals auch noch die klassischen Werbekanäle wie Plakat, Flyer Einladungen oder Newsletter eine wichtige Rolle.

An diese kleine Umfrage erinnerte ich mich, als ich in den letzten Tagen zwei Artikel las, die nur indirekt etwas miteinander zu tun haben. Da wurden auf der Seite der Digital Marketing-Agentur Smart Insights die LeserInnen danach gefragt, welche Aspekte im gerade begonnenen Jahr unsere Digital Marketing-Aktivitäten beeinflussen werden? Heraus kamen „The 14 top rated digital marketing techniques for 2017 according to Smart Insights readers“ und die Einsicht, dass Daten eine ganz wichtige Rolle spielen werden. Dass in diesem Ranking das Content Marketing ganz oben steht, überrascht nicht wirklich. Interessant sind aber mit Platz zwei und drei die Themen Big Data und Marketing Automation. Wir als UserInnen hinterlassen jede Menge Spuren, wenn wir uns im digitalen Raum bewegen. Die daraus resultierenden Daten werden immer häufiger genutzt, vor allem Marketing und Verkauf bekommen glänzende Augen, wenn sie mit diesen Daten und ihren Verknüpfungen arbeiten können. So interessant Apps für Ihre NutzerInnen sein mögen, für die Anbieter sind es vor allem die großen Datenmengen, an die sie auf diese Weise kommen. Wer mal genau hinschaut, welche Berechtigungen selbst die kleinste und unwichtigste App haben möchte, weiß, wovon ich spreche.

Auf diese Weise erhalten beispielsweise auch viele Kultureinrichtungen wertvolle Daten. Theoretisch, denn meist werden sie gar nicht genutzt. Aber nur so lassen sich beispielsweise die BesucherInnen der eigenen Website segmentieren. Schließlich sucht die UserIn, die tausende von Kilometern entfernt lebt, wahrscheinlich andere Informationen als die UserIn, die morgen die aktuelle Ausstellung oder Theaterproduktion zu besuchen beabsichtigt. Aus Marketingsicht geht es also darum, möglichst viele Daten zu sammeln, auf denen dann Marketing und Verkauf aufbauen.

Der zweite Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie wir Städte wahrnehmen, „(w)enn Algorithmen uns führen.“ Adrian Lobe konstatiert, dass das ziellose Flanieren allmählich aussterbe und wir stattdessen vor allem Google vertrauen. Das Prinzip ist ganz einfach:

„Reisende empfehlen Locations, die ihnen selbst von Algorithmen empfohlen wurden. Es ist eine ständige Rückkoppelungsschleife. So kanalisieren Applikationen immer mehr Besucherströme in urbanen Räumen.“

Wir kennen das bereits von den sozialen Netzwerken, in denen die Postings Andersdenkender und -meinender ausgeblendet und wir in Filterkammern eingeschlossen werden. Während wir uns beim Erkunden einer uns unbekannten Stadt früher auf glückliche Zufälle verlassen haben, vertrauen wir heute den Suchmaschinen beziehungsweise deren Algorithmen, basierend auf unseren (User)-Daten. Auf diese Weise sei, so Lobe, die Stadt als offenes, dynamisches und durchlässiges soziales System bedroht. Wir begeben uns nicht mehr auf Entdeckungsreise, sondern finden das, was wir suchen, mit Hilfe von Suchmaschinen oder Google Maps. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Google kein Tourismusverband ist, sondern ein Unternehmen, das mit Werbung sein Geld verdient. Für eine Suchmaschine spielt es keine Rolle, ob ganze Stadtteile unberücksichtigt bleiben, während das aus touristischer Perspektive ganz anders aussieht.

Nun  sind die Echokammern nicht erst mit den sozialen Netzwerken entstanden. Auch der Kunst- und Kulturbereich besteht aus Echokammern und so wie wir dank Google in den Städten nur noch vorgeschlagen bekommen, was unsereins gefällt, nehmen nur diejenigen Theater, Konzert oder Ausstellungen wahr, die dem entsprechenden Segment zugerechnet werden können. Während es früher beispielsweise die Bildungsbürger waren, die kulturelle Angebote nutzten, wissen wir heute viel mehr über diese Zielgruppe und können sie noch weiter segmentieren. Am Prinzip ändert sich nichts.

Ich möchte an dieser Stelle Algorithmen weder als Allheilmittel anpreisen noch sie verteufeln. Natürlich erinnere ich mich an viele glückliche Zufälle, dank derer ich ein gutes Lokal, eine tolle Ausstellung oder eine mich fesselnde Theaterproduktion entdecken durfte. Auf der anderen Seite kann es hilfreich sein, mit Hilfe von Google Angebote zu finden, die man in Anspruch nimmt, weil sie von Menschen empfohlen wurden, die ähnlich ticken, wie man selbst. Noch mehr bin ich aus Marketingsicht an Daten interessiert, um so an die heranzukommen, die sich am ehesten für meine Angebote interessieren beziehungsweise um neue Zielgruppen anzusprechen.

Was mich interessiert ist die Frage, wie wir beispielsweise zukünftig unseren Theaterbesuch planen und wie das Theater mit Algorithmen und  Echokammern umgeht? Theater befinden sich selbst meist in einer Blase, das heißt, ihre Angebote werden nur von ganz bestimmten Segmenten der Gesellschaft wahrgenommen. Was können Theater tun, um diese Segmentierung zu überwinden und inwieweit können/dürfen sie dabei auf Algorithmen setzen? Gelingt es ihnen, auf eine Metaebene zu springen, würden sie etwas schaffen, was uns in der Gesellschaft im Moment nicht gelingen zu scheint: über Echokammern hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen.

nfc-tag
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Mit NFC die Brücke zwischen echter Welt und virtuellen Inhalten schlagen

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Ich freue mich über diesen Gastbeitrag von Lucia Schöpfer, die für xamoom arbeitet. Das Klagenfurter Startup bietet ein System an, mit dem sich mobile Webseiten erstellen lassen, die mithilfe von NFC Chips und weiteren Zugangstechniken wie beispielsweise iBeacons an Orte und Objekte gebunden werden können. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das „Projekt Ingeborg„, bei dem – nicht nur – NFC zum Einsatz kommt.

NFC im Kulturbereich

Wissen ist das höchste Gut unserer Gesellschaft. Die Digitalisierung hat zu dieser Entwicklung einen großen Betrag geleistet. Weil wir uns austauschen können, weil wir Informationen teilen können und weil dies in Echtzeit möglich ist, haben wir uns zu einer Informations- und Wissensgesellschaft entwickelt. Auch die Globalisierung trägt dazu bei, denn heute ist es möglich auf Wissen aus aller Welt immer und überall zuzugreifen. Was uns jedoch oft nicht gelingt: Im großen Informationspool ist es oft nicht schwer, Wissen in Kontext zu bringen zu genau dem Problem, mit welche ich mich gerade befasse.

Wissen, Informationen sind verfügbar, aber es fehlt der materielle Bezug zur echten physischen Welt. Diesen herzustellen, die Brücke zu schlagen zwischen echter physischer Welt und virtuellen Inhalten, fällt schwer.

Am Beispiel: Was ist Tempera?

Lassen sie mich die Theorie mit einem Beispiel griffiger machen:
Letzte Woche war ich in der Ausstellung Farbenrausch der Stadtgalerie Klagenfurt. Ich stehe mit einer Freundin vor einer Leinwand von Ernst Ludwig Kirchner und wir wundern uns über die Strukturiertheit der Farbe: Was ist das für eine Farbe und welches Material? Warum hat sie Kirchner verwendet: war sie zeitgemäß zur Jahrhundertwende oder einfach günstig zu haben? Und hat die Wahl des Materials eine Bedeutung? Ein Blick auf das begleitende Namensschild sagt uns, Kirchner verwendete Tempera-Farbe. Aha, und nun?

Den Medienbruch überwinden

Kommen wir zurück zur dahinterliegende Problematik: Ich weiß, dass meine Fragen jemand beantworten kann. Ich weiß, in den Weiten der digitalisierten, globalisierten Welt gibt es Wissen, das mir nun nützlich wäre. Nur wie komme ich genau in dem Moment, genau da wo ich stehe da jetzt ran? Schnell.

Es geht um die Überwindung eines Medienbruchs: Wie können echte physische Objekte und Fragen, die sie umkreisen mit digital vorrätigem Wissen verbunden werden? In diesem Beitrag möchte ich einen Lösungsvorschlag vorstellen: Das Smartphone und ein NFC-Chip.

Ein Lösungsvorschlag: NFC

Near Field Communication (NFC) ist eine in Österreich entwickelte Technik, die kaum jemand kennt, die aber immer wieder für Wow-Momente sorgt. Der kleine NFC-Chip empfängt über eine große Antenne um ihn herum Energie vom darauf gelegten Handy und sendet die in ihm gespeicherte Information (meist eine URL) ans Smartphone zurück. NFC ist in jedes neue Android- und Windowsgerät integriert. Wird das Handy auf einen verlinkten NFC Chip gelegt, öffnet sich eine Webseite.

Weil wir Smartphones und mobiles Internet haben, können wir Wissen überall und jederzeit abrufen. Es braucht jedoch Location Identifier, also Hardware, die den Ort kennen, an dem sie sich befinden. Sie helfen uns dabei, an relevante Informationen zu kommen; genau zu dem Ort, wo wir uns gerade befinden. Der NFC Chip kann als solcher Location Identifier dienen.

Das Startup xamoom zeigt, wie diese Technik als Brücke zwischen realen Objekten und digitalen Informationen dienen kann. Wird das Handy auf den NFC Chip gehalten, öffnet sich eine obile Webseite, die Informationen zum jeweiligen Ort oder Objekt bereithält.

Der Vorteil des NFC-Chips als Location Identifier: Er ist sehr niederschwellig. Besucher brauchen keine App installieren oder ein bereits installiertes Programm öffnen, um an Inhalte zu gelangen.

Museen sollten den Besucher nicht alleine lassen auf der Suche nach Kontext. Die sind die Experten und Wissensressourcen. Anstelle den Besucher selbst googlen zu lassen, können mit NFC Chips vom Kurationsteam passende Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Das ist schneller, spezifischer und vermeidet Fehlinformationen.

Der Lakeside Kunstraum, ebenfalls in Klagenfurt, arbeitet in seiner aktuellen Ausstellung mit der NFC Technik. Hier ein Video dazu:

Worauf ist zu achten?

Bitte behalten wir im Hinterkopf: Der NFC Chip ist die Brücke, die Inhalte werden jedoch am Smartphone dargestellt. Es ist nötig, die Informationen für’s Endgerät passend darzustellen. Niemand liest gerne lange Texte am Handy, Videos oder Audio-Files können Inhalte kompakt zusammenfassen. Wir kennen dies schon von Audioguides. Auch die physischen Rahmenbedingungen seien zu beachten: Ein Handybildschirm ist nicht groß. Bilder und Text sollten am Smartphone leserlich sein und gut aussehen.

Vor allem bei größeren Museen sei auch an die Mehrsprachigkeit der Inhalte gedacht, denn je mehr Information über den Namen des Künstlers hinaus gegeben wird, desto mehr sind wir darauf angewiesen, die Sprache zu verstehen.

Wie Mobile-First Content aussehen kann, zeigt das CMS von xamoom. Einfach den QR-Code hier scannen:

QR Code Beispiel

Kunst braucht Kontext

Kunst braucht Kontext! Digitale Inhalte können diesen Kontext liefern, NFC-Chips können den Medienbruch ermöglichen und stumme Objekte zum Sprechen bringen.

Und wie es mit mir und Kirchner ausgegangen? Ich habe dann dank meines Handys und Wikipedia herausgefunden, was Tempera ist. Warum Herr Kirchner genau diese Farbe genutzt hat, weiß ich leider immer noch nicht. Ich würde mich freuen, beim nächsten Mal mehr darüber zu erfahren. Vielleicht via NFC?

Fotos: Georg Holzer

Gasometer Package
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Die Smartsphere als technologisches Herzstück des digitalen Erlebnisraumes

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Bild: Gasometer Package„; von wake4jake (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Am letzten Wochenende durfte ich an einem Innovationcamp in Bozen teilnehmen, ein Format, das in meinen Augen sehr spannend ist und recht schnell zu sehr guten Ergebnissen führen kann. Gastgeber waren das Südtiroler Medienunternehmen Athesia und WhatAVenture, ein junges Unternehmen, das andere dabei unterstützt, innovative Ideen in den Markt zu bringen. Von der schönen Stadt habe ich leider nichts gesehen, aber ich möchte die zwei Tage dort nicht missen. Das Ziel war es, Ideen für den Aufbau einer digitalen Medienagentur zu entwickeln, die Athesia und seinen Kunden den Sprung in die mobile Welt erleichtern soll.

In einem Team mit Stefanie Andolfato (Athesia), Moritz Schuster (Rocket Internet), Martin Adam und Frank Tentler (beide menschortweb) arbeiteten wir am Konzept des analog-digitalen Erlebnisraumes, einer Idee, die ich vor mehr als einem Jahr in einem Blogbeitrag („Der digitale Erlebnisraum)“ schon mal beschrieben habe. Martin Adam und Frank Tentler haben daraus in den letzten Monaten eine Art mobiles Raumschiff gemacht, das vor kurzem in Magdeburg gelandet ist.

Smartsphere

Smartsphere nennen sie es und verstehen darunter eine Art App-Ökosystem, das all das kann, was sich Unternehmen, aber auch Kulturbetriebe so wünschen. Die wichtigsten Punkte:

  • Die App stellt ortsgebundene und personalisierte Inhalte zur Verfügung. Das können Informationen, aber auch Unterhaltungsangebote sein. Wir haben es also mit einer Art Contentmaschine zu tun, mit deren Hilfe sich Content nach bestimmten Kriterien filtern und veröffentlichen lässt. Abgesehen von (ur)heberrechtlichen  Fragen spielt es keine Rolle, ob es eigene oder fremde (kuratierte) Inhalte sind.
  • Multimediale Inhalte lassen sich beispielsweise mit Hilfe von Augmented Reality in analoge Räume einbauen und auf Plakaten oder in Büchern, Magazinen oder Katalogen einsetzen.
  • Die App lässt sich modular erweitern, das Citymarketing kann zum Beispiel den Kultureinrichtungen der Stadt jeweils eigene Apps zur Verfügung stellen. Als Teil der Smartsphere sind sie mit dem gesamten Ökosystem verbunden und profitieren so von der Größe des Systems, sind aber natürlich frei in der Gestaltung ihrer App.

Und warum setzen wir beim Thema digitaler Erlebnisraum auf eine App beziehungsweise ein ganzes App-System? Wer vor nicht allzu langer Zeit das Internet mobil nutzte, gehörte zu einer Minderheit. Heute ist das anders, wir verwenden in der Mehrzahl der Fälle unseren mobilen Endgeräte, insofern gilt heute schon für viele Branchen: „mobile first!“. Damit einher  geht ein verändertes Kunden-/Userverhalten mit Auswirkungen auf die Customer Experience, für die gilt: Die Unternehmen müssen, wenn sie bei ihren Zielgruppen punkten wollen, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stellen. Mit Hilfe der entsprechenden Technologien (Beacons, GPS, NFC, etc.) lassen sich so nicht nur Informationen am gewünschten Ort abrufen, möglich ist auch gleich der nächste Schritt, zum Beispiel der Erwerb eines Tickets.

Personalisierung, die Offline-/Onlineintegration oder das Bespielen verschiedener Kanäle und die Nutzung unterschiedlichster Formate, das sind die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. Nur so können Veranstalter, Einzelhandel, aber natürlich auch die Kulturbetriebe ihre Zielgruppen noch erreichen. Aber so eine App kostet einerseits Geld und garantiert mir andererseits nicht, dass ich die gewünschte Aufmerksamkeit auf mich lenken kann. Zwar nutzen wir auf unseren mobilen Endgeräten meistens Apps, aber unser Interesse konzentriert sich auf wenige von ihnen. Wie kann es uns gelingen, zu diesem erlauchten Kreis zu gehören?

Ich denke, es macht wenig Sinn, als Einzelkämpfer um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu ringen. Aber ein Medienunternehmen wie Athesia hat eine gewisse Größe, verfügt außerdem über Unmengen an Inhalten und kann genau so eine Plattform aufbauen und diese dann seinen (Werbe)-Kunden anbieten. Genau das war eigentlich der interessante Aspekt bei diesem Innovationcamp in Bozen. „Think big“ als Voraussetzung für den Erfolg. „Think big“, das können Kultureinrichtungen auch, oder? Auch im Kulturbereich gibt es Unternehmen, die eine entsprechende Größe haben oder als eine Art Holding funktionieren. Denken wir an das Universalmuseum Joanneum, das in der Steiermark über 12 Standorte verfügt  oder die Pinakotheken in München. Aber es geht auch anders, regionale Zusammenschlüsse können eine interessante Alternative sein, etwa die Metropolregion Rhein-Neckar oder das Ruhrgebiet. Und es gibt außerdem die Möglichkeit, sich an der Customer Journey zu orientieren. So könnten beispielsweise Kultureinrichtungen in Wien, die für ausländische Besucher interessant sind, versuchen herauszufinden, was ihr Publikum vor und nach dem Besuch macht. Wie so etwas funktioniert, zeigt die von den Weitzer-Hotels angebotene App „Graz Secrets„, die die Nutzer die unbekannten Seiten der Stadt entdecken lässt.

Für „Athesia Peak – The Mobile Web Agency“, so der Name für unser am letzten Wochenende entwickeltes Baby, haben wir ein recht umfangreiches Konzept erarbeitet, das nicht nur auf Content, sondern auch auf Interaktion und Kommunikation setzt, denn wir haben es hier mit sozialen Räumen zu tun, die einer gewissen Dynamik unterliegen. Vor allem dann, wenn es um die Verbindung analoger und digitaler Räume geht. Damit umzugehen und zu wissen, welche Gestaltungsmöglichkeiten es eigentlich gibt, das ist die große Herausforderung, nicht ohne Grund sprechen wir von digitalen Erlebnisräumen.

Ob es diese Web Agency jemals geben wird, wissen wir noch nicht. Aber dieses Modell lässt sich, so denken wir,  übertragen, auch auf den Kunst- und Kulturbereich. Hier die passenden Ideen und Konzepte zu entwickeln, ist die Aufgabe der nächsten Zeit. Erste Projekte in diese Richtung gibt es schon, davon später mehr.

stARTcamp Wien
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Am 10. Dezember findet im MAK das dritte stARTcamp Wien statt

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Als wir 2009 die erste stARTconference organisierten, wurde jede Kultureinrichtung, die einen Account auf Twitter oder Facebook anlegte, freudig begrüßt und lobend erwähnt. Wer mit einem Blog startete, konnte sich sicher sein, als Pionier im Social Web gesehen zu werden? Und heute? Yann Graf hat sich gerade die Theaterlandschaft in der Schweiz genauer angeschaut und die Ergebnisse in seinem Report „Digital Stage 2015“ zusammengefasst. 93% der Schweizer Theater haben heute eine Facebookseite und 36% betreiben aktiv einen Twitteraccount.

Heute ist es eher eine Erwähnung wert, wenn jemand noch nicht auf Facebook oder Twitter aktiv ist und nachdem die meisten Kultureinrichtungen heute jemanden haben, der für Social Media zuständig ist, könnten wir uns jetzt eigentlich zufrieden zurücklehnen und konstatieren, dass der Kunst- und Kulturbereich im Social Web angekommen ist. Blöd nur, dass sich die digitale Welt rasant weiter entwickelt hat. Klaus Eck und Doris Eichmeier haben im letzten Jahr ein Buch über die Content-Revolution (Affiliate Link) geschrieben und schreiben einleitend:

„Markeninhaber müssen künftig auch das publizistische und verlegerische Handwerkszeug exzellent beherrschen und es zu Gunsten ihrer Marke einsetzen.“

Unternehmen und damit auch Kultureinrichtungen vom Content her denken, das ist das Credo von ExpertInnen wie Kristina Halvorson oder auch Mirko Lange. Wir machen es meist genau umgekehrt, stürzen uns auf eine neue Technik und suchen dann verzweifelt nach geeigneten Inhalten. Vor allem im Bereich der App-Entwicklung ist das oft zu beobachten. Sie haben zum Teil tolle Features, aber bringen den NutzerInnen am Ende nicht viel.

Während wir noch von Social Media sprechen, sind einige schon ein Stück weiter und beschäftigen sich mit der Frage, welche Strategien es braucht, um ein Unternehmen vom Content her zu denken. Kulturbetriebe vom Content her denken und die entsprechenden Strategien dafür zu entwickeln, das wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein. Dieser Herausforderung stellt sich auch das stARTcamp Wien, das am 10. Dezember 2015 im MAK, dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst stattfinden wird.

© Margherita Spiluttini/MAK

Nach der Premiere in der Kunsthalle Wien und der zweiten Ausgabe im Essl Museum freue ich mich, dass wir auch dieses Jahr wieder in einem Museum zu Gast sein dürfen. Unter der Überschrift „digitale Strategien“ versuchen wir herauszufinden, welche Wege verschiedene Kultureinrichtungen eingeschlagen haben, um den Herausforderungen zu begegnen, vor denen sie heute stehen.

Und dabei geht es nicht nur um die Frage, wie Kultureinrichtungen heute kommunizieren beziehungsweise welche Kanäle sie dafür nutzen, sondern auch um Themen, die die internen Bereiche betreffen. Wie kommunizieren wir beispielsweise im eigenen Haus? Ist es nicht merkwürdig, wenn wir für die externe Kommunikation auf soziale Netzwerke setzen, während intern nach wie vor die gute alte Email und ein gemeinsames Laufwerk herhalten müssen? Wie sieht der Workflow aus, wenn eine App uns dazu zwingt, schon sehr frühzeitig Informationen über kommende Angebote zur Verfügung zu stellen? Und natürlich stellt sich auch die Frage nach den geeigneten Führungsmodellen, denn wir alle wissen, dass es wenig zielführend ist, wenn ein Tweet erst von drei übergeordneten Führungsebenen abgesegnet werden muss.

Aber letzten Endes bestimmen die TeilnehmerInnen selbst, welche Themen und Fragen auf dem stARTcamp diskutiert werden sollen, denn natürlich setzen wir auch dieses Jahr wieder auf das Barcamp-Prinzip (siehe dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„), das heißt, es sind die TeilnehmerInnen, die in der Eröffnungssession das Programm festlegen.

Los geht es am 10. Dezember 2015 um 9 Uhr mit der Registrierung, die Eröffnungssession ist für 9:30 geplant, um 17:30 ist das stARTcamp Wien dann schon wieder Vergangenheit.

Hier die wichtigsten Informationen:

Das stARTcamp Wien findet im MAK (siehe Google Maps) statt. Das Haus liegt am Stubenring 5 (1010 Wien) und ist z.B. gut mit der U3 (Station Stubenring) vom Westbahnhof zu erreichen. Das Ticket kostet 30 Euro und kann auf Eventbrite online gekauft werden. Damit finanzieren wir das Catering und all die Kleinigkeiten, die halt so notwendig sind, wenn man ein stARTcamp organisiert. Räumlichkeiten und Infrastruktur werden uns unentgeltlich vom MAK zur Verfügung gestellt, ich sage jetzt schon danke dafür. Organisiert wird das stARTcamp von Olivia Harrer (Leiterin der Marketingabteilung des MAK), Michael Wuerges und mir.

Der Hashtag ist wie immer #scvie, Informationen zum stARTcamp gibt es hier im Blog, über Facebook und Twitter. Noch Fragen? Dann bitte ich sie einfach hier als Kommentar zu stellen oder via Facebook bzw. per Mail.

Natural History Museum (London)
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NMC Horizon Report > 2015 Museum Edition: Der Blick in die Zukunft

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Bild: Natural History Museum„; von Franco Folini (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Eine wahre Fundgrube ist wie immer die Museum Edition des NMC Horizon Report, die vor einiger Zeit in der Ausgabe für das Jahr 2015 veröffentlicht worden ist. Eine Vielzahl an ExpertInnen hat 6 Trends, 6 Herausforderungen und 6 technologischen Entwicklungen herausgearbeitet, die die Entscheidungsprozesse und Technologieplanung von Museen in den nächsten 5 Jahren beeinflussen werden. Der Report ist vorbildlich aufbereitet, die wichtigsten Punkte sind in der folgenden Infografik und einem fast 5-minütigen Video zusammengefasst.

Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium.

Quelle: Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium. (CC BY SA-2.0)

Außerdem steht er auch zum kostenlosen Download bereit, natürlich mit einer CC-Lizenz versehen, was die Weitergabe und die Beschäftigung mit den Inhalten enorm erleichtert. Schade, dass wir immer auf Reports aus dem angelsächsischen Raum zurückgreifen müssen. Gibt es wirklich niemanden, der sich bei uns mit solchen Themen beschäftigt?

Besonders erfreulich für meine eigene Arbeit sind die beiden Herausforderungen, die nach Ansicht der ExpertInnen, die diesen Report erstellt haben,  für Museen lösbar sein sollten. Einerseits mahnen sie die Entwicklung digitaler Strategien an und andererseits fordern sie, dass die MitarbeiterInnen der Museen entsprechend geschult werden, um für die Herausforderungen, vor denen die Museen stehen, gerüstet zu sein. Die AutorInnen empfehlen dabei das von Jim Richardson und Jasper Visser entwickelte Digital Engagement Framework als Vorlage, mit dessen Hilfe sich ein solides strategisches Fundament entwickeln lässt.

Auf dieser Basis lassen sich dann Location Based Services anbieten, Spiele entwickeln oder Gamification-Konzepte entwickeln. Das alles macht aber nur Sinn, wenn auch im Haus bekannt ist, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und auf welche Weise sich diese technologischen Entwicklungen überhaupt nutzen lassen. Gefragt sind hier Schulungen, um beispielsweise verstehen zu können, warum Location Based Services immer wichtiger werden. Vielleicht lesen wir zukünftig solche Sätze auch über Museen beziehungsweise Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum:

„At the Metropolitan Museum of Art, they rethought their organizational strategy to integrate a digital presence more seamlessly into their operations. They created a new digital department, recruited a new chief digital officer, and allocated resources and facilities to advance innovation.“

Auch wenn es in diesem Report um Museen geht, auch für Kulturbetriebe anderer Sparten bieten diese knapp 60 Seiten viel Wissenswertes und unter Umständen auch ein paar Anregungen.

Open Your Eyes (Book)
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41. Treffpunkt KulturManagement: eBooks, eine Chance für die Kultur?

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Open Your Eyes (Book)

Erst gestern habe ich das eBook „Open Your Eyes“ von Sebastian Hartmann hier im Blog vorgestellt und darin schon die Fragen angerissen, um die es beim nächsten Treffpunkt Kulturmanagement am 13. November mit Anke von Heyl und Lucas Lüdemann gehen wird. Die  beiden haben den eBook-Verlag 11punkt gegründet und mit dem eBook von Sebastian Hartmann gezeigt, welches Potenzial in diesem Format steckt. Vorbei die Zeiten, wo ein eBook ein besseres PDF war. Das Bild, das ich für diesen Beitrag ausgewählt habe, stammt aus Hartmanns eBook und zeigt, dass man im Unterschied zum klassischen Buch mittlerweile ganze Bildergalerien in das digitale Format einbauen kann.

Welche Möglichkeiten es noch gibt und was das für Kulturbetriebe heißen könnte, das hat Sebastian Hartmann in seinem Blogbeitrag „Museum der Zukunft: interaktive eBooks als die Ausstellungskataloge von Morgen(?)“ bereits anklingen lassen. Beim kommenden Treffpunkt KulturManagement werden uns unsere beiden Gäste aber erst einmal erklären, was es mit diesem Format auf sich hat, worauf man achten muss, wenn man ein eBook produzieren möchte und wie die Bewerbung eines solchen eBooks funktioniert. Anschließend werden wir uns mit der Frage beschäftigen, was die Entwicklung des eBooks für den Kunst- und Kulturbereich bedeutet. Neben den schon erwähnten Bildergalerien lassen sich direkte Links setzen, Videos einbauen und Verbindungen zu den verschiedenen Social Networks, Blogs oder Fotoplattformen herstellen. Das eBook besteht also aus einer Vielzahl verschiedener Formate und fügt sich deshalb wunderbar in die digitale Welt ein.

Aber im Unterschied zu den USA sind die Verkaufszahlen hier noch nicht so berauschend. Zwar steigt die Zahl der verkauften eBooks von Jahr zu Jahr an, aber das passiert noch auf relativ niedrigem Niveau. Ist es also noch zu früh, über eigene eBooks nachzudenken oder ist dem 11punkt Verlag mit „Open Your Eyes“ der große Durchbruch für das eBook gelungen? Für mich ist das schon eine tolle Sache und seitdem ich das eBook auf meinem iPad habe, bin ich mir relativ sicher, dass das eBook großes Potenzial hat. Aber warten wir mal ab, was die beiden ExpertInnen am kommenden Mittwoch sagen. Wenn Sie sich über das Thema eBooks informieren möchten oder herausfinden wollen, ob ein eBook für Sie überhaupt das richtige Format ist, dann sind Sie recht herzlich zum Treffpunkt KulturManagement am 13. November um 9 Uhr eingeladen, der wie immer kostenlos ist.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 13. November, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 13. November dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 13.11.2013 von 09:00 bis 10:00
Thema: eBooks, eine Chance für die Kultur?
Gast: Anke von Heyl & Lucas Lüdemann (11punkt Verlag)

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

Royal Opera
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Der Preis des technischen Fortschritts: Fressen die großen Kulturbetriebe die kleinen Häuser?

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Royal Opera

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich über die Wiener Staatsoper und ihre Übertragungen per Livestream geschrieben. Mit der digitalen Premiere, der Übertragung des Rosenkavaliers, war man dort zufrieden, „ein paar hundert Streams habe man verkauft“, verkündete das Haus auf Nachfrage.

Während die Wiener Staatsoper dem Modell der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker folgt, orientiert sich die Royal Opera mehr an der Metropolitan Opera und bietet Übertragungen in ausgewählten Kinos an.

Michael Kaiser, Leiter des John F. Kennedy Center for the Performing Arts nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um in einem Blogbeitrag nach der Zukunft von Kunst und Kultur zu fragen. Gleich seine erste Frage hat es in sich:

„Are we witnessing a major transition in the arts from regional organizations to fewer mega-organizations with the sophistication to mount large scale productions, to market them well and to raise large sums of money?“

Kaiser konstatiert, dass der technologische Fortschritt es möglich macht, Opernübertragungen in Kinos oder via Internet in hoher Qualität zu folgen. Und das zu Preisen, die weit unter denen liegen, die ein regionales Opernhaus für einen Besuch verlangt.

Wenn wir wirklich gerade den Beginn  einer solchen Übergangsphase erleben, in der ein paar Opernhäuser den Sprung auf die globale Ebene schaffen, dann könne das unter Umständen verbunden sein mit dem Ende der regionalen Einrichtungen, die nicht mehr in der Lage seien, sich finanziell über Wasser zu halten.

Ihnen drohe, so Kaiser, ein ähnliches Schicksal wie der New York City Opera, deren Website vom traurigen Ende zeugt.

New York City Opera

Kann uns das auch passieren? Kurz- und mittelfristig vermutlich nicht, denn Kunst und Kultur funktionieren hier nach anderen Regeln. Aber langfristig kann dem Kunst- und Kulturbereich das drohen, was in anderen Bereichen schon passiert ist: Die Großen fressen die Kleinen.

Noch besteht aber keine unmittelbare Gefahr, denn erstens sieht das Finanzierungsmodell bei uns ganz anders aus und zweitens werden die Übertragungsangebote der großen Häuser noch nicht in großem Stil angenommen, wenn man von der Bayerischen Staatsoper absieht, die ihren Livestream aber kostenlos anbietet. Natürlich können wir jetzt darüber diskutieren, ob die Qualität eines Livestreams mit der vor Ort mithalten kann. Fakt ist aber, dass eine solche Argumentation schon des öfteren gescheitert ist. Auch bei der Schallplatte wurde man nicht müde, deren Qualität hervorzuheben. Trotzdem wurde sie von der CD verdrängt, die wiederum mit den Streamingangeboten nicht mehr lange wird konkurrieren können.

Interessant ist auch die Frage Kaisers, ob es zu einem Wettbewerb zwischen den Global Playern kommen kann, der dann zu sinkenden Preisen in den Kinos oder vor dem Bildschirm zu Hause führt. Und das angesichts der Tatsache, dass die Bayerische Staatsoper schon heute kostenlos streamt. Bleibt die Frage nach der Qualität. Wenn die großen Häuser auf den finanziellen Erfolg ihrer Übertragungen angewiesen sind, müsste eigentlich die Bereitschaft, ein künstlerisches Risiko einzugehen, abnehmen. Ich kenne leider keine Spielplananalysen, aber es wäre interessant herauszufinden, ob wir uns nicht bereits in einer solchen Entwicklung befinden?