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App-Ökossysteme für Kultureinrichtungen: Ticket Gretchen und Uber kooperieren

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Foto von Lexi Ruskell auf Unsplash

Wir als NutzerInnen digitaler Technologien verwenden immer weniger Apps, die wir aber immer länger nutzen. So lässt sich in aller Kürze mein Beitrag „Apps im Kulturbereich: Das sollten Kulturbetriebe wissen“ zusammenfassen. Wer vor diesem Hintergrund mit der Entwicklung einer App liebäugelt, muss damit rechnen, dass er bei der Umsetzung relativ viel Geld in die Hand nimmt und nicht weiß, ob sich der große Aufwand am Ende wirklich lohnt.

Dieses Schicksal droht, so denke ich, all denen, die sich bei Konzeption und Gestaltung der App ausschließlich auf ihre eigenen Inhalte konzentrieren. Vor nicht allzu langer Zeit erregte eine Kultureinrichtung  noch Aufsehen, wenn sie eine App herausbrachte. Heute ist das eher eine Selbstverständlichkeit und dementsprechend sinkt das Interesse daran. Wir sind nicht mehr so schnell bereit eine App auf unseren mobilen Endgeräten zu installieren und verzichten im Zweifelsfall lieber darauf.

War es früher oft Neugierde, die uns dazu gebracht hat eine App auszuprobieren, fragen wir heute eher nach ihrem Nutzen. Dabei spielen unsere veränderten Gewohnheiten eine wichtige Rolle. Wir kommunizieren über sie, nutzen sie für Unterhaltungszwecke, aber wir kaufen auch mit ihrer Hilfe ein, erledigen unsere Bankgeschäfte und vieles mehr. Diese Entwicklung macht auch vor kulturellen Angeboten nicht halt. Für viele ist es heute unvorstellbar, dass sie zu einer Vorverkaufsstelle gehen, um sich ein Ticket zu kaufen für eine Veranstaltung, die dann noch mal 14 Tage später stattfindet. Natürlich können wir heute viele Tickets bereits online kaufen, aber oft gestaltet sich deren Erwerb trotzdem noch ziemlich mühsam.

Meistens bilden Kultureinrichtungen dabei einfach nur ihre Strukturen ab, an die Customer Experience denken wohl nur die wenigsten. Da überrascht es nicht, dass da plötzlich ganz andere Player auf diesen Zug aufspringen. In diesem Fall, der der Anlass für diesen Blogbeitrag ist, geht es um ein Wiener Startup, das mit „Ticket Gretchen“ eine App entwickelt hat, über die ich in Wien – und mittlerweile auch in einigen österreichischen Bundesländern – schnell und unkompliziert Theatertickets kaufen kann. Und noch besser: Ich muss die Tickets nirgendwo abholen, ich muss sie auch nicht ausdrucken (Print@home ist aber möglich), sondern habe sie in der App.

Vor allem für Kurzentschlossene ist das eine praktische Sache, denn die App bietet einen schnellen Überblick über das Angebot und erlaubt einem den raschen Erwerb eines Tickets, ohne die Seiten der Theater aufzurufen. Das heißt, der Kaufvorgang wird beschleunigt.

Treffe ich die Entscheidung sehr kurzfristig, muss ich sehen, dass ich rechtzeitig zum Vorstellungsbeginn im Theater bin. Wer es bequem mag, wird sich vielleicht ein Taxi kommen lassen. Auch das geht mittlerweile per App, die Zahl derer, die ihr Taxi über mytaxi oder Uber bestellen, steigt kontinuierlich an.

©Jan Frankl

In Wien haben sich jetzt Ticket Gretchen, Uber und der Wiener Bühnenverein zusammengetan und bieten noch bis Ende Juni eine 30-prozentige Ermäßigung auf Theaterkarten und Taxifahrt. Sie decken damit einen Großteil der Customer Journey ab. NutzerInnen von Uber werden so auf das Theaterangebot aufmerksam gemacht und kommen so vielleicht auf die Idee, sich eine Produktion anzuschauen. Das Angebot spricht darüber hinaus die an, die es gerne bequem haben oder die öffentlichen Verkehrsmittel aus welchen Gründen auch immer nicht nutzen möchten. Die Kooperation richtet sich aber auch an die, die ihre Abende digital organisieren und nun eine Möglichkeit haben, mit Hilfe zweier Apps einen Abend im Theater zu verbringen.

Und die Theater selbst? Sie können sich im Idealfall über mehr verkaufte Tickets und zufriedene BesucherInnen freuen. Aber Teil dieses App-Ökosystems sind sie nicht. Das muss kein Nachteil sein, wenn die Kooperationen klappen. Es kann aber ein Nachteil werden, weil sie nicht eingebunden sind, das heißt, ihnen fehlen die Gestaltungsmöglichkeiten. Wenn man es böse formuliert, verkommen die Theater zum reinen Contentlieferanten. Die (Infra)-Struktur stellen andere zur Verfügung und vielleicht sind sie es eines Tages, die darüber entscheiden, ob wir ins Theater gehen (können) oder nicht. In diesem Fall sehe ich kein Problem, weil der Wiener Bühnenverein als Kooperationspartner mit im Boot ist. Die Interessen der Theater sind also gewahrt. Aber wird das immer so sein?

Gefragt ist mehr Unternehmergeist auf Seiten der Theater (aber auch seitens anderer Kultureinrichtungen), denke ich. Ob sie das Heft dabei selbst in die Hand nehmen oder für sie nützliche Kooperationen eingehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine App für eine Kultureinrichtung lohnt sich nicht, wenn man diese Aspekte nicht berücksichtigt. Es gilt, die Metaebene zu besetzen, eine Art Ökosystem rund um die Customer Journey zu entwickeln. Das ist vermutlich eine ziemliche Herausforderung für Theater und andere Kulturbetriebe, aber dahinter verbergen sich ja auch Chancen. 😉

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Apps im Kulturbereich: das sollten Kulturbetriebe wissen

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Foto von Rami Al-zayat auf Unsplash

Die Frage, ob eine App nötig oder sinnvoll sei, beschäftigt Kultureinrichtungen schon seit längerer Zeit. Manche haben sich bereits dafür oder dagegen entschieden, andere überlegen immer noch. „App oder nicht App?„, diese Frage stellte ich schon 2014 in einem Blogbeitrag. Und ein Jahr davor, also 2013, ging es hier im Blog um die Frage, ob sich eine App für Kultureinrichtungen lohnen würde? Während ich die (native) App damals der mobilen Website beziehungsweise einer Seite im Responsive Design gegenüberstellte, müsste ich heute wohl eher App und Chatbots als Konkurrenten betrachten. Rückblickend können wir sagen, dass Website und App zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Ob wir das auch mal von Apps und Chatbots behaupten werden, wird die Zukunft weisen. Erste Stimmen gehen zumindest schon in diese Richtung.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Benötigen Kultureinrichtungen heute eine App oder nicht? Über die Gründe, die Sie antreiben, kann ich wenig sagen, zu verschieden ist die jeweilige Ausgangslage. Oft ist es das Bedürfnis, die eigenen Inhalte nun endlich auch in einer App präsentieren zu können. Ob dieser Wunsch auch mit den Wünschen und Bedürfnissen derer korrespondiert, die als NutzerInnen vorgesehen sind, lässt sich mit Hilfe von Checklisten oder im Beratungsgespräch leicht herausfinden. Bevor Sie damit beginnen, möchte ich gerne das Umfeld beleuchten und Sie auf drei – in meinen Augen nicht unwichtige – Punkte aufmerksam machen.

Wir nutzen lieber Apps als das mobile Web,…

Nicht wenige UserInnen weigern sich, die Facebook-App auf ihre mobilen Endgeräte zu laden und zu nutzen, weil diese App ein gewaltiger Ressourcenfresser ist. Stattdessen läuft bei ihnen Facebook im mobilen Browser. Aber wenn man sich die Zahlen ansieht, dann ist das eher die Ausnahme als die Regel. Ich selbst bin den Browsern gar nicht so abgeneigt, muss aber zugeben, dass das eher für den Tablet-PC gilt, beim Smartphone bevorzuge ich Apps. Warum ist das so? In meinen Augen ist die Usability eine bessere, vor allem fällt mir die Navigation in einer App leichter. Und vermutlich hat es auch etwas mit der Aufbereitung der Inhalte zu tun.

Aber schauen wir uns die Zahlen erst einmal genauer an. Die Informationsplattform eMarketer hat herausgefunden, dass wir immer mehr Zeit mit Apps verbringen (werden), während die Nutzungsdauer der mobilen Webbrowser praktisch konstant bleibt-

Quelle: eMarketer 04/2017 http://bit.ly/2pl72oa

Während die US-BürgerInnen (ab 18 Jahren) 2015 auf ihren mobilen Endgeräten pro Tag 1:55 Stunden verbrachten, sind es heute bereits 2:25 Stunden. 2019 werden es 2:43 Stunden sein, ein Zuwachs von fast 50 Prozent. Die mobilen Browser hingegen profitieren von der verstärkten Nutzung der mobilen Endgeräte kaum, ihre Nutzungsdauer erhöht sich im gleichen Zeitraum von 00:25 Minuten (2015) auf 00:27 Minuten (2019), heißt es in dem eMarketer-Artikel.

Wenn wir uns jetzt noch vor Augen halten, dass immer mehr Menschen mobil auf das Internet zugreifen, spricht eigentlich alles dafür, sich so schnell wie möglich eine App zuzulegen. Schließlich verbringen die UserInnen nicht nur immer mehr Zeit mit ihren Apps, sondern es steigt auch die Zahl derer, die mobil online gehen.

…, aber die Zahl der verwendeten Apps geht zurück.

Allerdings hat eMarketer noch etwas anderes herausgefunden: Die US-BürgerInnen verbringen zwar immer mehr Zeit mit Apps, aber deren Zahl sinkt kontinuierlich, wie die folgende Grafik zeigt:

Quelle: eMarketer 04/2017 http://bit.ly/2pl72oa

Das ist keine große Überraschung, ich denke, die meisten von Ihnen werden heute auch wesentlich zurückhaltender beim Installieren von Apps sein als noch vor zwei Jahren.

Es sind vor allem die Apps der „Großen“, zum Beispiel die von Facebook. In den USA verbringen die UserInnen, so sie Desktop oder Laptop verwenden, ziemlich konstant 6 Minuten pro Tag auf der Seite des sozialen Netzwerks. Via App sind es schon 17 Minuten täglich, Tendenz steigend. Mit ein Grund dafür:

„Major publishers are combining multiple functionalities into their apps, contributing to the gradual consolidation of the app market,“

wird die Analystin Jaimie Chung zitiert. Sie liefern gebündelt einen großen Teil des Angebots, auf das sich die UserInnen in den USA konzentrieren:

  • Musik hören
  • social Networking
  • Videos anschauen
  • Spielen
  • per Messenger kommunizieren

Wenn wir jetzt die beiden Ergebnisse nebeneinanderstellen, wird es schon schwieriger, daraus irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen. Einerseits wäre es ungeschickt, auf eine App zu verzichten, weil die Nutzungsdauer weiter ansteigt. Andererseits werden es Apps von Kultureinrichtungen schwer haben sich durchzusetzen, schließlich werden sie nie zu den „Großen“ gehören und damit eher ein Nischendasein fristen. Aber muss es wirklich das Ziel sein, zu den weltweiten Top5 zu gehören oder Facebook Konkurrenz zu machen? Ich denke nicht. Apps von Kultureinrichtungen werden immer im Nischenbereich angesiedelt sein. Umso wichtiger ist es aber, sich schon in der Planungsphase genau zu überlegen, was die App können soll, warum es überhaupt eine App sein muss. Sich eine App anzuschaffen, weil die anderen auch eine haben, ist vermutlich ein schlechter Grund, um soviel Geld auszugeben. Sonst stellt man recht schnell fest: Die App hat sich nicht gelohnt. Und damit wäre man dann zum gleichen Schluss gekommen wie Colleen Dilenschneider, die für Impacts Research & Development arbeitet und dank der „National Awareness, Attitudes, and Usage (NAAU) Study“ über entsprechendes Datenmaterial zu verfügen scheint.

Eine Studie besagt: Der Mehrwert von Apps im Kulturbereich ist gering.

Die Zahlen, die sie präsentiert, sind interessant, die Schlussfolgerungen, die sie daraus zieht, erschreckend. Vor allem für diejenigen, die viel Geld in die Entwicklung einer App gesteckt haben oder vorhaben, das demnächst zu tun. In ihrem Beitrag „Are Mobile Apps Worth It For Cultural Organizations?“ schreibt sie nämlich:

„Not many visitors use mobile applications either prior to their visits or while onsite, and the ones who do use an organization’s app do not experience a significant increase in visitor satisfaction.“

Konkret besagen die Zahlen, dass sich die NutzerInnen kultureller Angebote vor ihrem Besuch vor allem über das Web (76,4%), das mobile Web (73,8%) und die verschiedenen Social Media-Kanäle (68%) informieren. Die App spielt da kaum eine Rolle. Nur 5,5% gaben an, eine solche auf ihren mobilen Endgeräten zu haben und diese vorab für Informationszwecke zu nutzen. Dem Gegenargument, viele BesucherInnen wüssten vielleicht gar nichts von der App, begegnet Dilenschneider mit der Feststellung, dass wir es erstens gewohnt sind, für Informationszwecke auch Apps zu nutzen und zweitens so viele Kultureinrichtungen eine App haben, dass InternetnutzerInnen es ganz selbstverständlich in Betracht ziehen, nach einer solchen zu suchen. So sie der Meinung sind, eine App wäre hilfreich, um den Besuch des kulturellen Angebots zu planen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Zumindest in den USA, denn von dort stammen die Daten.

Wie sieht es während des Besuchs des kulturellen Angebots aus? Wer sich vor Ort informieren möchte, nutzt laut der Studie vor allem Social Media-Kanäle (52,3%), das mobile Web (31,5%) und das persönliche Gespräch (29,7%). Die App wird vor Ort noch seltener genutzt (4,1%) als vor dem Besuch. Ich persönlich hege Zweifel, dass die BesucherInnen die verschiedenen Kanäle nur nutzen, um sich zu informieren. Ich selbst bin zum Beispiel noch nie während eines Museumsbesuchs auf die idee gekommen, über die sozialen Netzwerke Informationen einzuholen. Was ich aber sehr wohl getan habe: Ich habe Fotos geteilt.

Was mich etwas ratlos zurücklässt, ist die Tatsache, dass vor Ort ein großer Teil der BesucherInnen das mobile Web nutzt, die App aber kaum berücksichtigt wird. Die Zahlen stehen klar im Widerspruch zu den von eMarketer erhobenen Daten. Eine mögliche Erklärung dafür: Wer die App im Vorfeld des Besuchs nicht auf sein mobiles Endgerät geladen hat, wofür es anscheinend nur wenig Gründe gibt, macht das vor Ort erst recht nicht. Das kann daran liegen, dass wir uns nicht die Zeit dafür nehmen wollen, es kein WLAN gibt oder Audio-/Multimedia-Guides vor Ort angeboten werden. Das kann aber auch heißen: Apps von Kultureinrichtungen sind in den Augen der UserInnen so wenig relevant, dass sie den Download einfach nicht in Erwägung ziehen. Weder davor noch während des Besuchs.

Diese nicht vorhandene Relevanz kommt zum Ausdruck, wenn wir uns eine dritte Datenreihe aus der NAAU-Studie ansehen, die in der folgenden Grafik abgebildet ist:

Quelle: Colleen Pilenschneider: http://bit.ly/2p8wB9c

Sie zeigt, wie zufrieden die BesucherInnen vor Ort mit der Nutzung der einzelnen Informationsquellen sind und vergleicht deren Grad der Zufriedenheit mit dem derer, die den jeweiligen Kanal nicht genutzt haben. Der Grad der Zufriedenheit liegt bei den NutzerInnen einer App bei 68,7%, der der NichtnutzerInnen bei 68,5%, also nur marginal geringer. Damit lassen sich der Aufwand und die Kosten der Appentwicklung in Frage stellen. Bei anderen Kanälen sind die Unterschiede ein Stück weit größer, zum Beispiel bei den NutzerInnen sozialer Netzwerke. Während deren Grad an Zufriedenheit bei 72,5% liegt, sind es bei denen, die die sozialen Netzwerke nicht nutzen, nur 68,4%. Ähnlich sieht es beim mobilen Web aus. Dessen NutzerInnen sind ein Stück weit zufriedener (71,6%) als die, die es vor Ort nicht nutzen (68,2%). Das heißt, Kultureinrichtungen, die ihre BesucherInnen mit Hilfe einer App Informationen zur Verfügung stellen, geben viel Geld aus und erreichen wenig.

Fazit

Was lassen sich aus all den Zahlen jetzt für Rückschlüsse ziehen? Auf der einen Seite nutzen wir auf unseren mobilen Endgeräten bevorzugt Apps, allerdings beschränken wir uns dabei auf einige wenige, Apps von Kultureinrichtungen sind da selten dabei. Die Apps, die es bereits gibt, scheinen nur einen geringen Nutzen zu haben, so sie überhaupt genutzt werden.

Aus meiner Sicht gibt es zwei Wege, um diesem Dilemma zu entgehen. Auf der einen Seite können Kultureinrichtungen darauf vertrauen, dass es auch im Bereich der Apps Nischen gibt, die besetzt werden können. Wer sich für Kunst und Kultur interessiert, wird auch Interesse an Apps aus diesem Bereich haben. Vermutlich haben fast alle von uns spezielle Interessen und so es dafür hilfreiche Apps gibt, nutzen wir diese auch. Auf der anderen Seite lässt sich aus der Entwicklung (und den Zahlen) ableiten, dass die Zeit vorbei ist, in denen jedes Unternehmen und jeder Kulturbetrieb eine eigene App haben muss. Ich denke, es ist an der Zeit, dass Apps auf einer übergeordneten Ebene entwickelt werden. Das kann zum Beispiel die Stadt sein, die in einer App alle relevanten Informationen zusammenfasst.

Wer sich für eine eigene App entscheidet, muss sich sehr genau überlegen, welche Zwecke mit ihr erfüllt werden sollen. Anja Gebauer, die sich in ihrem Blogbeitrag „App-solut überflüssig?“ ebenfalls mit dem Beitrag von Colleen Dilenschneider beschäftig hat, fasst das ganz gut zusammen:

„Diese Ergebnisse legitimieren meines Erachtens nach keine Abwehrhaltung gegen Apps in Kultureinrichtungen oder gar gegen digitale Vermittlungsmethoden generell. Vielmehr zeigt die Datenanalyse, dass die Konzepte inhaltlich durchdacht, pädagogisch konzipiert und auf die Bedürfnisse der Besucher abgestimmt sein müssen!“

Ich sehe das ähnlich. Eine App braucht ein gutes inhaltlich durchdachtes Konzept, das über die Bereitstellung von Informationen hinausgeht. Mir ist klar, dass es reizvoll ist, sich mit technologischen Entwicklungen zu beschäftigen und eine Augmented Reality-Anwendung in die App zu integrieren. Auch ich beschäftige mich gerne damit. Aber die Technologie sollte Mittel zum Zweck sein, nicht mehr und nicht weniger.

Eine App kann, wie Gebauer es fordert, pädagogisch konzipiert sein, das ist aber nur ein möglicher Ansatz. Mir ist vor allem ihr letzter Punkt wichtig, nämlich die Bedürfnisse der BesucherInnen. Oft gehen Kultureinrichtungen vermutlich von völlig falschen Bedürfnissen aus und scheitern deshalb mit ihrer App. Eigentlich sollten diese Bedürfnisse der Ausgangspunkt aller Überlegungen sein und erst dann gilt es die Frage zu beantworten, ob eine App dafür das richtige Instrument ist. Wer dann noch einen Wow-Effekt findet und nicht alle Inhalte von Website, Folder, etc. in die App reinpackt, ist schon mal auf einem guten Weg.

Damit habe ich die Ausgangsfrage, ob Kultureinrichtungen eine App brauchen, nicht wirklich beantwortet. Aber ich konnte hoffentlich ein paar Informationen liefern, die Sie in Ihrem Entscheidungsprozess unterstützen.

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Per Algorithmus ins Theater?

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Bild: Skyline of Vienna“ von reivax (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vor etwas mehr als sechs Jahren habe ich in einem Blogbeitrag gefragt, wo Kultureinrichtungen ihre Veranstaltungen ankündigen. Die meisten Kultureinrichtungen setzten damals auf Facebook, die eigene Website und diverse Veranstaltungskalender (siehe auch dazu den Beitrag: „Fazit: Kulturveranstaltungen anzukündigen ist gar nicht so einfach„). Natürlich spielten damals auch noch die klassischen Werbekanäle wie Plakat, Flyer Einladungen oder Newsletter eine wichtige Rolle.

An diese kleine Umfrage erinnerte ich mich, als ich in den letzten Tagen zwei Artikel las, die nur indirekt etwas miteinander zu tun haben. Da wurden auf der Seite der Digital Marketing-Agentur Smart Insights die LeserInnen danach gefragt, welche Aspekte im gerade begonnenen Jahr unsere Digital Marketing-Aktivitäten beeinflussen werden? Heraus kamen „The 14 top rated digital marketing techniques for 2017 according to Smart Insights readers“ und die Einsicht, dass Daten eine ganz wichtige Rolle spielen werden. Dass in diesem Ranking das Content Marketing ganz oben steht, überrascht nicht wirklich. Interessant sind aber mit Platz zwei und drei die Themen Big Data und Marketing Automation. Wir als UserInnen hinterlassen jede Menge Spuren, wenn wir uns im digitalen Raum bewegen. Die daraus resultierenden Daten werden immer häufiger genutzt, vor allem Marketing und Verkauf bekommen glänzende Augen, wenn sie mit diesen Daten und ihren Verknüpfungen arbeiten können. So interessant Apps für Ihre NutzerInnen sein mögen, für die Anbieter sind es vor allem die großen Datenmengen, an die sie auf diese Weise kommen. Wer mal genau hinschaut, welche Berechtigungen selbst die kleinste und unwichtigste App haben möchte, weiß, wovon ich spreche.

Auf diese Weise erhalten beispielsweise auch viele Kultureinrichtungen wertvolle Daten. Theoretisch, denn meist werden sie gar nicht genutzt. Aber nur so lassen sich beispielsweise die BesucherInnen der eigenen Website segmentieren. Schließlich sucht die UserIn, die tausende von Kilometern entfernt lebt, wahrscheinlich andere Informationen als die UserIn, die morgen die aktuelle Ausstellung oder Theaterproduktion zu besuchen beabsichtigt. Aus Marketingsicht geht es also darum, möglichst viele Daten zu sammeln, auf denen dann Marketing und Verkauf aufbauen.

Der zweite Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie wir Städte wahrnehmen, „(w)enn Algorithmen uns führen.“ Adrian Lobe konstatiert, dass das ziellose Flanieren allmählich aussterbe und wir stattdessen vor allem Google vertrauen. Das Prinzip ist ganz einfach:

„Reisende empfehlen Locations, die ihnen selbst von Algorithmen empfohlen wurden. Es ist eine ständige Rückkoppelungsschleife. So kanalisieren Applikationen immer mehr Besucherströme in urbanen Räumen.“

Wir kennen das bereits von den sozialen Netzwerken, in denen die Postings Andersdenkender und -meinender ausgeblendet und wir in Filterkammern eingeschlossen werden. Während wir uns beim Erkunden einer uns unbekannten Stadt früher auf glückliche Zufälle verlassen haben, vertrauen wir heute den Suchmaschinen beziehungsweise deren Algorithmen, basierend auf unseren (User)-Daten. Auf diese Weise sei, so Lobe, die Stadt als offenes, dynamisches und durchlässiges soziales System bedroht. Wir begeben uns nicht mehr auf Entdeckungsreise, sondern finden das, was wir suchen, mit Hilfe von Suchmaschinen oder Google Maps. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Google kein Tourismusverband ist, sondern ein Unternehmen, das mit Werbung sein Geld verdient. Für eine Suchmaschine spielt es keine Rolle, ob ganze Stadtteile unberücksichtigt bleiben, während das aus touristischer Perspektive ganz anders aussieht.

Nun  sind die Echokammern nicht erst mit den sozialen Netzwerken entstanden. Auch der Kunst- und Kulturbereich besteht aus Echokammern und so wie wir dank Google in den Städten nur noch vorgeschlagen bekommen, was unsereins gefällt, nehmen nur diejenigen Theater, Konzert oder Ausstellungen wahr, die dem entsprechenden Segment zugerechnet werden können. Während es früher beispielsweise die Bildungsbürger waren, die kulturelle Angebote nutzten, wissen wir heute viel mehr über diese Zielgruppe und können sie noch weiter segmentieren. Am Prinzip ändert sich nichts.

Ich möchte an dieser Stelle Algorithmen weder als Allheilmittel anpreisen noch sie verteufeln. Natürlich erinnere ich mich an viele glückliche Zufälle, dank derer ich ein gutes Lokal, eine tolle Ausstellung oder eine mich fesselnde Theaterproduktion entdecken durfte. Auf der anderen Seite kann es hilfreich sein, mit Hilfe von Google Angebote zu finden, die man in Anspruch nimmt, weil sie von Menschen empfohlen wurden, die ähnlich ticken, wie man selbst. Noch mehr bin ich aus Marketingsicht an Daten interessiert, um so an die heranzukommen, die sich am ehesten für meine Angebote interessieren beziehungsweise um neue Zielgruppen anzusprechen.

Was mich interessiert ist die Frage, wie wir beispielsweise zukünftig unseren Theaterbesuch planen und wie das Theater mit Algorithmen und  Echokammern umgeht? Theater befinden sich selbst meist in einer Blase, das heißt, ihre Angebote werden nur von ganz bestimmten Segmenten der Gesellschaft wahrgenommen. Was können Theater tun, um diese Segmentierung zu überwinden und inwieweit können/dürfen sie dabei auf Algorithmen setzen? Gelingt es ihnen, auf eine Metaebene zu springen, würden sie etwas schaffen, was uns in der Gesellschaft im Moment nicht gelingen zu scheint: über Echokammern hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen.

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Mit NFC die Brücke zwischen echter Welt und virtuellen Inhalten schlagen

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Ich freue mich über diesen Gastbeitrag von Lucia Schöpfer, die für xamoom arbeitet. Das Klagenfurter Startup bietet ein System an, mit dem sich mobile Webseiten erstellen lassen, die mithilfe von NFC Chips und weiteren Zugangstechniken wie beispielsweise iBeacons an Orte und Objekte gebunden werden können. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das „Projekt Ingeborg„, bei dem – nicht nur – NFC zum Einsatz kommt.

NFC im Kulturbereich

Wissen ist das höchste Gut unserer Gesellschaft. Die Digitalisierung hat zu dieser Entwicklung einen großen Betrag geleistet. Weil wir uns austauschen können, weil wir Informationen teilen können und weil dies in Echtzeit möglich ist, haben wir uns zu einer Informations- und Wissensgesellschaft entwickelt. Auch die Globalisierung trägt dazu bei, denn heute ist es möglich auf Wissen aus aller Welt immer und überall zuzugreifen. Was uns jedoch oft nicht gelingt: Im großen Informationspool ist es oft nicht schwer, Wissen in Kontext zu bringen zu genau dem Problem, mit welche ich mich gerade befasse.

Wissen, Informationen sind verfügbar, aber es fehlt der materielle Bezug zur echten physischen Welt. Diesen herzustellen, die Brücke zu schlagen zwischen echter physischer Welt und virtuellen Inhalten, fällt schwer.

Am Beispiel: Was ist Tempera?

Lassen sie mich die Theorie mit einem Beispiel griffiger machen:
Letzte Woche war ich in der Ausstellung Farbenrausch der Stadtgalerie Klagenfurt. Ich stehe mit einer Freundin vor einer Leinwand von Ernst Ludwig Kirchner und wir wundern uns über die Strukturiertheit der Farbe: Was ist das für eine Farbe und welches Material? Warum hat sie Kirchner verwendet: war sie zeitgemäß zur Jahrhundertwende oder einfach günstig zu haben? Und hat die Wahl des Materials eine Bedeutung? Ein Blick auf das begleitende Namensschild sagt uns, Kirchner verwendete Tempera-Farbe. Aha, und nun?

Den Medienbruch überwinden

Kommen wir zurück zur dahinterliegende Problematik: Ich weiß, dass meine Fragen jemand beantworten kann. Ich weiß, in den Weiten der digitalisierten, globalisierten Welt gibt es Wissen, das mir nun nützlich wäre. Nur wie komme ich genau in dem Moment, genau da wo ich stehe da jetzt ran? Schnell.

Es geht um die Überwindung eines Medienbruchs: Wie können echte physische Objekte und Fragen, die sie umkreisen mit digital vorrätigem Wissen verbunden werden? In diesem Beitrag möchte ich einen Lösungsvorschlag vorstellen: Das Smartphone und ein NFC-Chip.

Ein Lösungsvorschlag: NFC

Near Field Communication (NFC) ist eine in Österreich entwickelte Technik, die kaum jemand kennt, die aber immer wieder für Wow-Momente sorgt. Der kleine NFC-Chip empfängt über eine große Antenne um ihn herum Energie vom darauf gelegten Handy und sendet die in ihm gespeicherte Information (meist eine URL) ans Smartphone zurück. NFC ist in jedes neue Android- und Windowsgerät integriert. Wird das Handy auf einen verlinkten NFC Chip gelegt, öffnet sich eine Webseite.

Weil wir Smartphones und mobiles Internet haben, können wir Wissen überall und jederzeit abrufen. Es braucht jedoch Location Identifier, also Hardware, die den Ort kennen, an dem sie sich befinden. Sie helfen uns dabei, an relevante Informationen zu kommen; genau zu dem Ort, wo wir uns gerade befinden. Der NFC Chip kann als solcher Location Identifier dienen.

Das Startup xamoom zeigt, wie diese Technik als Brücke zwischen realen Objekten und digitalen Informationen dienen kann. Wird das Handy auf den NFC Chip gehalten, öffnet sich eine obile Webseite, die Informationen zum jeweiligen Ort oder Objekt bereithält.

Der Vorteil des NFC-Chips als Location Identifier: Er ist sehr niederschwellig. Besucher brauchen keine App installieren oder ein bereits installiertes Programm öffnen, um an Inhalte zu gelangen.

Museen sollten den Besucher nicht alleine lassen auf der Suche nach Kontext. Die sind die Experten und Wissensressourcen. Anstelle den Besucher selbst googlen zu lassen, können mit NFC Chips vom Kurationsteam passende Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Das ist schneller, spezifischer und vermeidet Fehlinformationen.

Der Lakeside Kunstraum, ebenfalls in Klagenfurt, arbeitet in seiner aktuellen Ausstellung mit der NFC Technik. Hier ein Video dazu:

Worauf ist zu achten?

Bitte behalten wir im Hinterkopf: Der NFC Chip ist die Brücke, die Inhalte werden jedoch am Smartphone dargestellt. Es ist nötig, die Informationen für’s Endgerät passend darzustellen. Niemand liest gerne lange Texte am Handy, Videos oder Audio-Files können Inhalte kompakt zusammenfassen. Wir kennen dies schon von Audioguides. Auch die physischen Rahmenbedingungen seien zu beachten: Ein Handybildschirm ist nicht groß. Bilder und Text sollten am Smartphone leserlich sein und gut aussehen.

Vor allem bei größeren Museen sei auch an die Mehrsprachigkeit der Inhalte gedacht, denn je mehr Information über den Namen des Künstlers hinaus gegeben wird, desto mehr sind wir darauf angewiesen, die Sprache zu verstehen.

Wie Mobile-First Content aussehen kann, zeigt das CMS von xamoom. Einfach den QR-Code hier scannen:

QR Code Beispiel

Kunst braucht Kontext

Kunst braucht Kontext! Digitale Inhalte können diesen Kontext liefern, NFC-Chips können den Medienbruch ermöglichen und stumme Objekte zum Sprechen bringen.

Und wie es mit mir und Kirchner ausgegangen? Ich habe dann dank meines Handys und Wikipedia herausgefunden, was Tempera ist. Warum Herr Kirchner genau diese Farbe genutzt hat, weiß ich leider immer noch nicht. Ich würde mich freuen, beim nächsten Mal mehr darüber zu erfahren. Vielleicht via NFC?

Fotos: Georg Holzer

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Die Smartsphere als technologisches Herzstück des digitalen Erlebnisraumes

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Bild: Gasometer Package„; von wake4jake (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Am letzten Wochenende durfte ich an einem Innovationcamp in Bozen teilnehmen, ein Format, das in meinen Augen sehr spannend ist und recht schnell zu sehr guten Ergebnissen führen kann. Gastgeber waren das Südtiroler Medienunternehmen Athesia und WhatAVenture, ein junges Unternehmen, das andere dabei unterstützt, innovative Ideen in den Markt zu bringen. Von der schönen Stadt habe ich leider nichts gesehen, aber ich möchte die zwei Tage dort nicht missen. Das Ziel war es, Ideen für den Aufbau einer digitalen Medienagentur zu entwickeln, die Athesia und seinen Kunden den Sprung in die mobile Welt erleichtern soll.

In einem Team mit Stefanie Andolfato (Athesia), Moritz Schuster (Rocket Internet), Martin Adam und Frank Tentler (beide menschortweb) arbeiteten wir am Konzept des analog-digitalen Erlebnisraumes, einer Idee, die ich vor mehr als einem Jahr in einem Blogbeitrag („Der digitale Erlebnisraum)“ schon mal beschrieben habe. Martin Adam und Frank Tentler haben daraus in den letzten Monaten eine Art mobiles Raumschiff gemacht, das vor kurzem in Magdeburg gelandet ist.

Smartsphere

Smartsphere nennen sie es und verstehen darunter eine Art App-Ökosystem, das all das kann, was sich Unternehmen, aber auch Kulturbetriebe so wünschen. Die wichtigsten Punkte:

  • Die App stellt ortsgebundene und personalisierte Inhalte zur Verfügung. Das können Informationen, aber auch Unterhaltungsangebote sein. Wir haben es also mit einer Art Contentmaschine zu tun, mit deren Hilfe sich Content nach bestimmten Kriterien filtern und veröffentlichen lässt. Abgesehen von (ur)heberrechtlichen  Fragen spielt es keine Rolle, ob es eigene oder fremde (kuratierte) Inhalte sind.
  • Multimediale Inhalte lassen sich beispielsweise mit Hilfe von Augmented Reality in analoge Räume einbauen und auf Plakaten oder in Büchern, Magazinen oder Katalogen einsetzen.
  • Die App lässt sich modular erweitern, das Citymarketing kann zum Beispiel den Kultureinrichtungen der Stadt jeweils eigene Apps zur Verfügung stellen. Als Teil der Smartsphere sind sie mit dem gesamten Ökosystem verbunden und profitieren so von der Größe des Systems, sind aber natürlich frei in der Gestaltung ihrer App.

Und warum setzen wir beim Thema digitaler Erlebnisraum auf eine App beziehungsweise ein ganzes App-System? Wer vor nicht allzu langer Zeit das Internet mobil nutzte, gehörte zu einer Minderheit. Heute ist das anders, wir verwenden in der Mehrzahl der Fälle unseren mobilen Endgeräte, insofern gilt heute schon für viele Branchen: „mobile first!“. Damit einher  geht ein verändertes Kunden-/Userverhalten mit Auswirkungen auf die Customer Experience, für die gilt: Die Unternehmen müssen, wenn sie bei ihren Zielgruppen punkten wollen, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stellen. Mit Hilfe der entsprechenden Technologien (Beacons, GPS, NFC, etc.) lassen sich so nicht nur Informationen am gewünschten Ort abrufen, möglich ist auch gleich der nächste Schritt, zum Beispiel der Erwerb eines Tickets.

Personalisierung, die Offline-/Onlineintegration oder das Bespielen verschiedener Kanäle und die Nutzung unterschiedlichster Formate, das sind die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. Nur so können Veranstalter, Einzelhandel, aber natürlich auch die Kulturbetriebe ihre Zielgruppen noch erreichen. Aber so eine App kostet einerseits Geld und garantiert mir andererseits nicht, dass ich die gewünschte Aufmerksamkeit auf mich lenken kann. Zwar nutzen wir auf unseren mobilen Endgeräten meistens Apps, aber unser Interesse konzentriert sich auf wenige von ihnen. Wie kann es uns gelingen, zu diesem erlauchten Kreis zu gehören?

Ich denke, es macht wenig Sinn, als Einzelkämpfer um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu ringen. Aber ein Medienunternehmen wie Athesia hat eine gewisse Größe, verfügt außerdem über Unmengen an Inhalten und kann genau so eine Plattform aufbauen und diese dann seinen (Werbe)-Kunden anbieten. Genau das war eigentlich der interessante Aspekt bei diesem Innovationcamp in Bozen. „Think big“ als Voraussetzung für den Erfolg. „Think big“, das können Kultureinrichtungen auch, oder? Auch im Kulturbereich gibt es Unternehmen, die eine entsprechende Größe haben oder als eine Art Holding funktionieren. Denken wir an das Universalmuseum Joanneum, das in der Steiermark über 12 Standorte verfügt  oder die Pinakotheken in München. Aber es geht auch anders, regionale Zusammenschlüsse können eine interessante Alternative sein, etwa die Metropolregion Rhein-Neckar oder das Ruhrgebiet. Und es gibt außerdem die Möglichkeit, sich an der Customer Journey zu orientieren. So könnten beispielsweise Kultureinrichtungen in Wien, die für ausländische Besucher interessant sind, versuchen herauszufinden, was ihr Publikum vor und nach dem Besuch macht. Wie so etwas funktioniert, zeigt die von den Weitzer-Hotels angebotene App „Graz Secrets„, die die Nutzer die unbekannten Seiten der Stadt entdecken lässt.

Für „Athesia Peak – The Mobile Web Agency“, so der Name für unser am letzten Wochenende entwickeltes Baby, haben wir ein recht umfangreiches Konzept erarbeitet, das nicht nur auf Content, sondern auch auf Interaktion und Kommunikation setzt, denn wir haben es hier mit sozialen Räumen zu tun, die einer gewissen Dynamik unterliegen. Vor allem dann, wenn es um die Verbindung analoger und digitaler Räume geht. Damit umzugehen und zu wissen, welche Gestaltungsmöglichkeiten es eigentlich gibt, das ist die große Herausforderung, nicht ohne Grund sprechen wir von digitalen Erlebnisräumen.

Ob es diese Web Agency jemals geben wird, wissen wir noch nicht. Aber dieses Modell lässt sich, so denken wir,  übertragen, auch auf den Kunst- und Kulturbereich. Hier die passenden Ideen und Konzepte zu entwickeln, ist die Aufgabe der nächsten Zeit. Erste Projekte in diese Richtung gibt es schon, davon später mehr.

stARTcamp Wien
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Am 10. Dezember findet im MAK das dritte stARTcamp Wien statt

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Als wir 2009 die erste stARTconference organisierten, wurde jede Kultureinrichtung, die einen Account auf Twitter oder Facebook anlegte, freudig begrüßt und lobend erwähnt. Wer mit einem Blog startete, konnte sich sicher sein, als Pionier im Social Web gesehen zu werden? Und heute? Yann Graf hat sich gerade die Theaterlandschaft in der Schweiz genauer angeschaut und die Ergebnisse in seinem Report „Digital Stage 2015“ zusammengefasst. 93% der Schweizer Theater haben heute eine Facebookseite und 36% betreiben aktiv einen Twitteraccount.

Heute ist es eher eine Erwähnung wert, wenn jemand noch nicht auf Facebook oder Twitter aktiv ist und nachdem die meisten Kultureinrichtungen heute jemanden haben, der für Social Media zuständig ist, könnten wir uns jetzt eigentlich zufrieden zurücklehnen und konstatieren, dass der Kunst- und Kulturbereich im Social Web angekommen ist. Blöd nur, dass sich die digitale Welt rasant weiter entwickelt hat. Klaus Eck und Doris Eichmeier haben im letzten Jahr ein Buch über die Content-Revolution (Affiliate Link) geschrieben und schreiben einleitend:

„Markeninhaber müssen künftig auch das publizistische und verlegerische Handwerkszeug exzellent beherrschen und es zu Gunsten ihrer Marke einsetzen.“

Unternehmen und damit auch Kultureinrichtungen vom Content her denken, das ist das Credo von ExpertInnen wie Kristina Halvorson oder auch Mirko Lange. Wir machen es meist genau umgekehrt, stürzen uns auf eine neue Technik und suchen dann verzweifelt nach geeigneten Inhalten. Vor allem im Bereich der App-Entwicklung ist das oft zu beobachten. Sie haben zum Teil tolle Features, aber bringen den NutzerInnen am Ende nicht viel.

Während wir noch von Social Media sprechen, sind einige schon ein Stück weiter und beschäftigen sich mit der Frage, welche Strategien es braucht, um ein Unternehmen vom Content her zu denken. Kulturbetriebe vom Content her denken und die entsprechenden Strategien dafür zu entwickeln, das wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein. Dieser Herausforderung stellt sich auch das stARTcamp Wien, das am 10. Dezember 2015 im MAK, dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst stattfinden wird.

© Margherita Spiluttini/MAK

Nach der Premiere in der Kunsthalle Wien und der zweiten Ausgabe im Essl Museum freue ich mich, dass wir auch dieses Jahr wieder in einem Museum zu Gast sein dürfen. Unter der Überschrift „digitale Strategien“ versuchen wir herauszufinden, welche Wege verschiedene Kultureinrichtungen eingeschlagen haben, um den Herausforderungen zu begegnen, vor denen sie heute stehen.

Und dabei geht es nicht nur um die Frage, wie Kultureinrichtungen heute kommunizieren beziehungsweise welche Kanäle sie dafür nutzen, sondern auch um Themen, die die internen Bereiche betreffen. Wie kommunizieren wir beispielsweise im eigenen Haus? Ist es nicht merkwürdig, wenn wir für die externe Kommunikation auf soziale Netzwerke setzen, während intern nach wie vor die gute alte Email und ein gemeinsames Laufwerk herhalten müssen? Wie sieht der Workflow aus, wenn eine App uns dazu zwingt, schon sehr frühzeitig Informationen über kommende Angebote zur Verfügung zu stellen? Und natürlich stellt sich auch die Frage nach den geeigneten Führungsmodellen, denn wir alle wissen, dass es wenig zielführend ist, wenn ein Tweet erst von drei übergeordneten Führungsebenen abgesegnet werden muss.

Aber letzten Endes bestimmen die TeilnehmerInnen selbst, welche Themen und Fragen auf dem stARTcamp diskutiert werden sollen, denn natürlich setzen wir auch dieses Jahr wieder auf das Barcamp-Prinzip (siehe dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„), das heißt, es sind die TeilnehmerInnen, die in der Eröffnungssession das Programm festlegen.

Los geht es am 10. Dezember 2015 um 9 Uhr mit der Registrierung, die Eröffnungssession ist für 9:30 geplant, um 17:30 ist das stARTcamp Wien dann schon wieder Vergangenheit.

Hier die wichtigsten Informationen:

Das stARTcamp Wien findet im MAK (siehe Google Maps) statt. Das Haus liegt am Stubenring 5 (1010 Wien) und ist z.B. gut mit der U3 (Station Stubenring) vom Westbahnhof zu erreichen. Das Ticket kostet 30 Euro und kann auf Eventbrite online gekauft werden. Damit finanzieren wir das Catering und all die Kleinigkeiten, die halt so notwendig sind, wenn man ein stARTcamp organisiert. Räumlichkeiten und Infrastruktur werden uns unentgeltlich vom MAK zur Verfügung gestellt, ich sage jetzt schon danke dafür. Organisiert wird das stARTcamp von Olivia Harrer (Leiterin der Marketingabteilung des MAK), Michael Wuerges und mir.

Der Hashtag ist wie immer #scvie, Informationen zum stARTcamp gibt es hier im Blog, über Facebook und Twitter. Noch Fragen? Dann bitte ich sie einfach hier als Kommentar zu stellen oder via Facebook bzw. per Mail.

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NMC Horizon Report > 2015 Museum Edition: Der Blick in die Zukunft

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Bild: Natural History Museum„; von Franco Folini (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Eine wahre Fundgrube ist wie immer die Museum Edition des NMC Horizon Report, die vor einiger Zeit in der Ausgabe für das Jahr 2015 veröffentlicht worden ist. Eine Vielzahl an ExpertInnen hat 6 Trends, 6 Herausforderungen und 6 technologischen Entwicklungen herausgearbeitet, die die Entscheidungsprozesse und Technologieplanung von Museen in den nächsten 5 Jahren beeinflussen werden. Der Report ist vorbildlich aufbereitet, die wichtigsten Punkte sind in der folgenden Infografik und einem fast 5-minütigen Video zusammengefasst.

Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium.

Quelle: Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium. (CC BY SA-2.0)

Außerdem steht er auch zum kostenlosen Download bereit, natürlich mit einer CC-Lizenz versehen, was die Weitergabe und die Beschäftigung mit den Inhalten enorm erleichtert. Schade, dass wir immer auf Reports aus dem angelsächsischen Raum zurückgreifen müssen. Gibt es wirklich niemanden, der sich bei uns mit solchen Themen beschäftigt?

Besonders erfreulich für meine eigene Arbeit sind die beiden Herausforderungen, die nach Ansicht der ExpertInnen, die diesen Report erstellt haben,  für Museen lösbar sein sollten. Einerseits mahnen sie die Entwicklung digitaler Strategien an und andererseits fordern sie, dass die MitarbeiterInnen der Museen entsprechend geschult werden, um für die Herausforderungen, vor denen die Museen stehen, gerüstet zu sein. Die AutorInnen empfehlen dabei das von Jim Richardson und Jasper Visser entwickelte Digital Engagement Framework als Vorlage, mit dessen Hilfe sich ein solides strategisches Fundament entwickeln lässt.

Auf dieser Basis lassen sich dann Location Based Services anbieten, Spiele entwickeln oder Gamification-Konzepte entwickeln. Das alles macht aber nur Sinn, wenn auch im Haus bekannt ist, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und auf welche Weise sich diese technologischen Entwicklungen überhaupt nutzen lassen. Gefragt sind hier Schulungen, um beispielsweise verstehen zu können, warum Location Based Services immer wichtiger werden. Vielleicht lesen wir zukünftig solche Sätze auch über Museen beziehungsweise Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum:

„At the Metropolitan Museum of Art, they rethought their organizational strategy to integrate a digital presence more seamlessly into their operations. They created a new digital department, recruited a new chief digital officer, and allocated resources and facilities to advance innovation.“

Auch wenn es in diesem Report um Museen geht, auch für Kulturbetriebe anderer Sparten bieten diese knapp 60 Seiten viel Wissenswertes und unter Umständen auch ein paar Anregungen.