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Storytelling und die Deutsche Oper Berlin

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Wer eine Oper an einem der vielen Häuser genießt, ahnt meist nicht, welcher Aufwand nötig ist, um eine solche Produktion auf die Bühne zu bringen. Viele Räder müssen ineinander greifen, die Zahl der Beteiligten ist oft sehr groß und dementsprechend schwierig gestaltet sich die Koordination der verschiedenen Arbeitsprozesse. Als Zuschauer bekomme ich weder von diesen vielen Herausforderungen etwas mit, noch von der Leidenschaft, von der auch diejenigen angetrieben werden, die hinter der Bühne zum Erfolg der Produktion beitragen.

Der folgende Kurzfilm “Gerlinde” zeigt das Zusammenspiel von Perfektionsdrang und Leidenschaft am Beispiel von Gerlinde Pelkowski, Spielleiterin an der Deutschen Oper Berlin. Für mich ist das ein schönes Beispiel, wie Storytelling fernab von Klischees funktioniert und ich als Zuschauer ein Gefühl dafür bekomme, was es alles braucht, um eine Oper auf die Bühne zu bringen.

Nur schade, dass die Deutsche Oper Berlin diesen Film gar nicht erwähnt beziehungsweise bewirbt, weder auf der Website noch in den sozialen Netzwerken. Ich selbst bin auch nur darauf aufmerksam geworden, weil mich die Agentur angeschrieben hat. Ich denke, daraus hätte man mehr machen können. Aber sehen wir es mal so: Ich freue mich, dass ich dieses Video exklusiv ankündigen darf. ;-)

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Update: Nun ist das Video auch auf der Facebookseite zu sehen…

Natural History Museum (London)
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NMC Horizon Report > 2015 Museum Edition: Der Blick in die Zukunft

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Bild: Natural History Museum“; von Franco Folini (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Eine wahre Fundgrube ist wie immer die Museum Edition des NMC Horizon Report, die vor einiger Zeit in der Ausgabe für das Jahr 2015 veröffentlicht worden ist. Eine Vielzahl an ExpertInnen hat 6 Trends, 6 Herausforderungen und 6 technologischen Entwicklungen herausgearbeitet, die die Entscheidungsprozesse und Technologieplanung von Museen in den nächsten 5 Jahren beeinflussen werden. Der Report ist vorbildlich aufbereitet, die wichtigsten Punkte sind in der folgenden Infografik und einem fast 5-minütigen Video zusammengefasst.

Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium.

Quelle: Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium. (CC BY SA-2.0)

Außerdem steht er auch zum kostenlosen Download bereit, natürlich mit einer CC-Lizenz versehen, was die Weitergabe und die Beschäftigung mit den Inhalten enorm erleichtert. Schade, dass wir immer auf Reports aus dem angelsächsischen Raum zurückgreifen müssen. Gibt es wirklich niemanden, der sich bei uns mit solchen Themen beschäftigt?

Besonders erfreulich für meine eigene Arbeit sind die beiden Herausforderungen, die nach Ansicht der ExpertInnen, die diesen Report erstellt haben,  für Museen lösbar sein sollten. Einerseits mahnen sie die Entwicklung digitaler Strategien an und andererseits fordern sie, dass die MitarbeiterInnen der Museen entsprechend geschult werden, um für die Herausforderungen, vor denen die Museen stehen, gerüstet zu sein. Die AutorInnen empfehlen dabei das von Jim Richardson und Jasper Visser entwickelte Digital Engagement Framework als Vorlage, mit dessen Hilfe sich ein solides strategisches Fundament entwickeln lässt.

Auf dieser Basis lassen sich dann Location Based Services anbieten, Spiele entwickeln oder Gamification-Konzepte entwickeln. Das alles macht aber nur Sinn, wenn auch im Haus bekannt ist, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und auf welche Weise sich diese technologischen Entwicklungen überhaupt nutzen lassen. Gefragt sind hier Schulungen, um beispielsweise verstehen zu können, warum Location Based Services immer wichtiger werden. Vielleicht lesen wir zukünftig solche Sätze auch über Museen beziehungsweise Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum:

“At the Metropolitan Museum of Art, they rethought their organizational strategy to integrate a digital presence more seamlessly into their operations. They created a new digital department, recruited a new chief digital officer, and allocated resources and facilities to advance innovation.”

Auch wenn es in diesem Report um Museen geht, auch für Kulturbetriebe anderer Sparten bieten diese knapp 60 Seiten viel Wissenswertes und unter Umständen auch ein paar Anregungen.

Brezel
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stARTcamp München: Von Apps und Brezeln

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Bild: Brezel“; von Tnarik Innael (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Ein wenig habe ich sie ja schon beneidet, die Claudia Wagner. Fährt vom stARTcamp in München nach Hause und zack, hat sie darüber gebloggt, von A bis Z. Danke, dass ich darin auch vorkomme, zum vermutlich ersten Mal in meinem Leben unter Z. Aber ich bin nicht nur später dran als Claudia, ich schaffe auch, fürchte ich, nicht alle Buchstaben. Und in die richtige Reihenfolge bekomme ich die Buchstaben auch nicht.

Ich muss mit B anfangen. B wie Brezel. So fängt bei mir jeder Münchenbesuch an: Raus aus dem Zug, Butterbrezeln kaufen und dann kann es losgehen. In dem Fall bin ich bei strahlendem Sonnenschein Richtung Literaturhaus spaziert und erwartungsvoll hinauf in den dritten Stock gestiegen. Leider habe ich die musikalische Eröffnung verpasst, aber für Vorstellungsrunde und Sessionplanung hat es zum Glück gereicht.

Die Idee, dass alle selbst bestimmen, wann und wo ihre Session stattfindet, hat mir gut gefallen. Und sie hat wunderbar funktioniert, hier ist das Ergebnis:

Sessionplanung #scmuc15

Los ging es gleich mit dem Thema, das derzeit wohl sehr viele Kultureinrichtungen beschäftigt. Apps sind hip und so spielen vor allem immer mehr Museen mit dem Gedanken, auch eine anzubieten. Allerdings haben die keine eingebaute Erfolgsgarantie und deshalb war es gut, dass wir in der ersten Session gleich über Beispiele sprachen, bei denen die App wohl nicht die Erwartungen erfüllt hat. Der Fehler, der wohl am häufigsten passiert: Wir fangen mit dem technischen Schnickschnack an, den eine App mir bietet. Das Ergebnis ist meist dürftig, auch bei Apps gilt, was Mirko Lange vor einiger Zeit in Richtung Social Media geschrieben hat: “Wir müssen aufhören, vom Kanal her zu denken.” Eigentlich ist es ja auch logisch, erst kommt die Story, dann baue ich das (Story)-Board.

Die Frage, was eine gute App ausmacht, haben wir sehr intensiv diskutiert. Auf der einen Seite bildet sie die Inhalte einer Ausstellung ab, um im Museumsbereich zu bleiben. Da eine App ja meist vor Ausstellungsbeginn angeboten wird, lässt sich zum Beispiel die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema in der App abbilden. Hier wären die KuratorInnen gefragt, die frühzeitig Material zu Verfügung stellen oder einen öffentlichen Diskussionsprozess in Gang setzen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, auf die Bedürfnisse der UserInnen einzugehen, Stichwort Customer Experience. Die App ist ja für sie da, nicht für das Museum.

In der nächsten Session hätte ein Streitgespräch folgen sollen, um der Frage nachzugehen, ob Kampagnen wie #myRembrandt banal sind, nur ein paar Insider auf Twitter erreichen und damit eigentlich sinnlos sind. Aber daraus wurde nichts, wir befanden uns wohl in der Blase oder noch schlimmer:

Eine Antwort darauf hatte jemand, der gar nicht beim stARTcamp in München dabei war. Für seinen Artikel in der ZEIT “Stoppt die Banalisierung!” wurde er heftigst kritisiert, aber in einem sehr ausführlichen Kommentar auf Tanja Praskes Blog beschreibt er, welche Rolle den sozialen Medien in er Kunstvermittlung zukommt. Ich habe es schon auf Facebook gepostet, werde es aber sicher noch einige Male wiederholen: Diesen Kommentar sollte sich jedes Museum ausdrucken und an seine MitarbeiterInnen verteilen. Ullrich beschreibt exakt den Rahmen, in dem Kunstvermittlung heute stattfindet beziehungsweise stattfinden sollte.

Danach Mittagessen, wie immer sehr lecker… ;-)

Mittagessen #scmuc15

Die nächste Session war für mich eine Art Überraschungspaket. Philipp Göllner stellte eine von ihm selbst entwickelte Software vor, mit der die Seidlvilla in München ihren Workflow ganz entscheidend optimiert hat. Da ihre Abläufe stark standardisiert sind, macht das natürlich Sinn. Aber die Software kann mehr, zum Beispiel automatisiert die Veranstaltungen in bestimmte Online-Veranstaltungskalender eintragen. Im nächsten Schritt sollen damit dann auch automatisch Facebookevents angelegt werden können. Spätestens an diesem Punkt werden etliche Kultureinrichtungen die Ohren spitzen.

Über die beiden folgenden Sessions, die ich besucht habe, muss ich nicht viel Worte verlieren, sie sind im Internet bereits gut dokumentiert. Da ist zum einen Peter Soemers, der sich mit den dänischen Museen im Social Web beschäftigte und Tanja Praske, die über die Entstehung der Schlosspark Nymphenburg App berichtete (Link1, Link2).

Fazit: Es war eine tolle Veranstaltung, die die Kulturkonsorten in dieser tollen Location organisiert haben, danke dafür! Und auch wenn es so aussieht, dass wir alle immer nur auf unsere Smartphones geschaut haben, die Fotos von Katrin Dengler und Alois Wieshuber zeigen, dass wir viel Spaß miteinander hatten und auch miteinander reden können. ;-)

 

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Social Value: auch wer nicht kauft, kann wertvoll sein

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Wer die Postings von Kultureinrichtungen in den sozialen Netzwerken analysiert, wird schnell  merken, dass sie sich fast ausschließlich an potenzielle BesucherInnen oder KäuferInnen richten, je nachdem, um welches Angebot es sich handelt. Dementsprechend lautet die Handlungsaufforderung meist “komm” oder “kauf mich”. Vergessen wird dabei die Bedeutung von Influencern und Markenbotschaftern. In ihrem Beitrag “The Powerful Reach of a Happy Customer” behauptet Laura Montini, dass

“the average customer will influence a whopping 42 other people for every positive experience he or she has with your company”.

In 56% der Fälle handelt es sich dabei um Männer, die einflussreichste Altersgruppe ist die der 18 bis 34-jährigen, zeigt die von Montini verwendete Infografik. Während früher die besten KundIn die war, die im Laufe ihres Lebens am meisten Geld bei der Firma ausgibt, können die einflussreichen KundInnen durch ihre Empfehlungen für das jeweilige Unternehmen einen viel höheren Wert erzeugen.

Ich denke, die Zahlenbeispiele in der unten gezeigten Infografik von Ninja Metrics lassen sich nicht 1:1 auf den Kunst- und Kulturbereich übertragen. Aber sie zeigen, dass diese Influencer vielleicht nicht am meisten Geld ausgeben, aber dafür sorgen, dass andere dies tun. Wer den “social value” nicht außer Acht lassen möchte, muss sich auf die Suche nach den einflussreichen Influencern machen. Oft sind das zum Beispiel BloggerInnen, die über eine entsprechende Sichtbarkeit verfügen und als Influencer besonders interessant sind. Eine Möglichkeit, sie zu zufriedenen BesucherInnen und MultiplikatorInnen zu machen, ist das Angebot einer Bloggerreise, wie sie zum Beispiel die Stadt Basel anlässlich der Sonderausstellung “Paul Gauguin” in der Fondation Beyeler kürzlich organisiert hat. Die Reise kam gut an, dementsprechende viele Blogposts wurden daher anschließend verfasst.

Interessant wäre es jetzt herauszufinden, wie groß der Einfluss dieser Influencer war und ob sich die Durchführung der Bloggerreise auch finanziell für das Museum gelohnt hat? Aber hier steht der Kunst- und Kulturbereich mit seinen Datenanalysen wohl noch ganz am Anfang. Die folgende Infografik sollte aber dazu motivieren, sich mit dem Thema zu befassen, damit sicher ist, dass sich dieser Ansatz auch im Kunst- und Kulturbereich bezahlt macht.

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Child with Apple iPad
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Digital Natives: die große Ernüchterung?

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Bild: Child with Apple iPad“; von Intel Free Press (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Während meines Studiums habe ich die längste Zeit meine Referate noch auf der Schreibmaschine getippt und erst zum Ende hin hatte ich dann einen Computer und einen Nadeldrucker, wobei mir letzterer oft mehr Probleme bereitete als der große Kasten daneben. Für mich war das der Einstieg in eine Welt, die nicht nur mir, sondern im Endeffekt uns allen neu war. Aber ich ließ mich anstecken von der Begeisterung, die manche versprühten, denn ich sah immer die Chancen, die sich durch all die technologischen Entwicklungen auftaten. Heute sehe ich das etwas nüchterner, es sind Instrumente, die mir da in die Hand gegeben werden. Ich muss sie nicht lieben, ich muss sie nur nutzen. Aber ich wundere mich, warum andere diese Instrumente nicht nutzen, zugegeben.

Als ich gestern den Blogbeitrag “Denn sie twittern nicht, was sie tun” von Kerstin Hoffmann gelesen habe, kamen mir etliche der Situationen, die sie darin beschreibt, bekannt vor. Wenn ich heute Social Media-Workshops halte, will ich oft die überzeugen, die wir als Digital Natives bezeichnen und merke dann, dass sie sich gar nicht überzeugen lassen wollen. Während ich früher darüber etwas pikiert war, sehe ich das heute etwas anders. Ich gehöre zu einer Generation, die erlebt hat, wie eine neue Technologie aufgekommen ist und viele Dinge über den Haufen geworfen hat. Ich denke, ich nehme Technologie ganz anders wahr als diejenigen, die in eine Welt hinein gewachsen sind, in der das Internet eine Selbstverständlichkeit ist. Für mich hat Twitter eine ganz andere Bedeutung, schließlich steht diese offene Form der Kommunikation für etwas, das es früher nicht gab. Ich konnte anderen nur im persönlichen Gespräch, per Brief oder Festnetztelefon etwas mitteilen. Die Digital Natives brauchen Twitter dafür nicht, es gibt geeignetere Tools dafür. Mit anderen Worten: Bei ihnen steht die Technologie im Hintergrund und das ist eigentlich auch gut so, denn ob Twitter, Facebook, Whatsapp oder Snapchat, wir haben es hier nur mit Kanälen zu tun, nicht mehr und nicht weniger.

An dieser Stelle passt es, denke ich, ganz gut, auf das im letzten Oktober erschienene eBook “What If PR Stood for People and Relationships?” von Brian Solis hinzuweisen, in dem er den Standpunkt vertritt, dass die Technologie nur Mittel zum Zweck sein sollte.

 

PR, das steht bei Solis – zumindest in diesem eBook – nicht für Public Relations, sondern für “People and Relationships”. Wir würden uns von den Versprechungen der digitalen Neuerungen blenden lassen, meint er und glaubt, dass wir alle unter dem “shiny object syndrome” leiden. Ein möglicher Ausweg sieht für ihn so aus:

“Building bridges between you and the people you want to reach starts with turning an object or a thing into an opportunity to see and deliver value.”

Vermutlich konzentrieren wir uns, wenn wir Marketing, PR oder Werbung machen, viel zu sehr auf die technologischen Möglichkeiten und verlieren dabei das eigentliche Ziel aus den Augen. Die sozialen Medien haben uns nicht sozialer gemacht und in der Sharing Economy wird auch nur wenig geteilt, schreibt Solis und verordnet uns im nächsten Schritt weniger Tempo, um dem Hamsterrad zu entkommen. Sein Vorwurf: Wir würden uns bei persönlichen Gesprächen nicht mehr gegenseitig in die Augen sehen, manchmal nur wenig miteinander reden, aber dieses Beisammensein durchaus genießen und so unser digitales Leben in die reale Welt übertragen.

“Humanity becomes the killerapp”, schreibt Solis an anderer Stelle und bricht in dem 40-seitigen eBook, das von Hugh MacLeod brilliant illustriert worden ist, eine Lanze für passende Rahmenbedingungen. “Ideas are the byproduct of empowered cultures”, schreibt er auf Seite 25 und sieht darin die Grundlage für Kreativität und Innovation.

Die Digital Natives sollten sich damit eigentlich leichter tun, weil für sie die Technologie nicht so im Vordergrund steht, sie etwas Selbstverständliches ist. Allerdings dauert es vermutlich, bis sich das auch in den Strukturen auswirkt, in denen wir arbeiten. Ich sehe das auch in den Kulturbetrieben, die sich häufig auf die technologischen Neuerungen konzentrieren und hoffen, auf diese Weise ihre Ziele zu erreichen. Insofern ist es vielleicht ein ganz gutes Zeichen, wenn sich die Digital Natives nicht an das halten, was wir von ihnen verlangen oder wie Kerstin Hoffmann so schön schreibt: “Denn sie twittern nicht, was sie tun.”

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Inboundmarketing oder: Wovon das Kulturmarketing schon immer geträumt hat

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Marketing, das war für viele, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiteten, schon immer ein rotes Tuch. Wer ihnen mit dem Marketingmix kam, wurde schon mal böse angeschaut. Man wolle keine Werbung machen, schließlich würden die Inhalte für sich selbst sprechen, so ihr Argument. Aber wie das so ist, irgendwann fängt man dann doch damit an, Mails zur Ausstellungseröffnung zu verschicken und wenn man einen Blick in die Marketingabteilungen der Kultureinrichtungen hineinwirft, dann sieht man, dass die dort die vier Säulen des Marketing (Produkt, Preis, Distribution, Kommunikation) sehr wohl ein Thema sind.

Die Vorbehalte gegenüber der Werbung scheinen verschwunden, über die verschiedenen Kommunikationskanäle wird fleißig für die eigene Arbeit geworben. Plakate, Flyer, Newsletter, Programmhefte oder Inserate, das Instrumentarium ist umfangreich. Über diese Wege sollen die Zielgruppen erreicht und dazu gebracht werden, die Angebote in Anspruch zu nehmen. Was früher mal ganz gut funktioniert hat, ist heute schwieriger geworden. Abgesehen von den steigenden Kosten ist es nicht so leicht, mit seinen Botschaften durchzudringen. Das Verhalten derer, die unsere Produkte kaufen beziehungsweise unsere Veranstaltungen besuchen sollen, hat sich verändert.

Werbung, das merken wir ja an uns selbst auch, funktioniert nicht mehr so wie früher. Wir sind skeptisch, wenn jemand von sich behauptet, dass er ein ganz tolles Produkt oder Angebot habe. Ich glaube nicht, dass die Zeit des Outbound Marketing vorbei ist. Die Frage ist, wie groß das Gewicht sein soll und ob es sich nicht lohnen würde, mehr Zeit und Geld in das Inbound Marketing zu stecken, an neuen Formaten zu arbeiten wie zum Beispiel das Theater in Oberhausen (siehe dazu mein Blogpost “#bestpractice: Das Theater Oberhausen hat ein neues Onlinemagazin“).

Bringt das was? Amanda Walgrove hat sich in ihrem Blogbeitrag “Why Inbound Marketing Is on the Rise, and What That Means for Content Marketing” den “State of Inbound Report” der Firma Hubspot angeschaut, einem Unternehmen, das Softwarelösungen im Bereich Inbound Marketing anbietet. Die Befragung von insgesamt 3570 MitarbeiterInnen in den Bereichen Marketing und Vertrieb zeigt, dass der Trend in Richtung Inbound Marketing geht. Es werden auf diese Weise mehr Leads generiert und die Qualität der Leads ist höher als beim Outbound Marketing. Besonders interessant ist für mich diese Grafik, die die Frage beantwortet, welche Kanäle für die Leadgenerierung wichtig sind?


Why Inbound Marketing Is on the Rise, and What That Means for Content Marketing

Die Antworten fallen recht unterschiedlich aus, abhängig davon, ob bei einem Unternehmen das Inbound oder Outbound Marketing im Vordergrund steht. Die Grafik zeigt aber auch, dass es nicht um ein entweder oder geht, sondern eher um die Gewichtung. Niemand setzt nur auf eine der beiden Ansätze.

Inbound Marketing ist also im Kommen und daher, so denke ich, auch ein Thema für den Kunst- und Kulturbereich. Wenn wir es als Kunden verschiedener Unternehmen bevorzugen, uns auf die Suche nach Inhalten zu machen, wenn wir sie brauchen, tun wir das vermutlich auch, wenn es um Kunst oder Kultur geht. Oder gibt es irgendwelche Argumente, die dagegen sprechen? Ich hatte eingangs geschrieben, dass im Kunst- und Kulturbereich das Marketing oft nicht gerne gesehen war, eben weil man Werbung für die eigene künstlerische Arbeit ablehnte. Das Inbound Marketing ist eigentlich genau das, was sich die KritikerInnen gewünscht haben: Über die Inhalte auf sich aufmerksam zu machen.

Die Herausforderung besteht nun darin, die passenden Konzepte zu entwickeln. Die meisten Kultureinrichtungen bevorzugen es nach wie vor, (Werbe)-Botschaften zu versenden, auch auf Facebook. Eigentlich reicht es ja, dort weiter zu denken, wo man mit seiner Kritik aufgehört hat. Die Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, sind mittlerweile andere geworden. Aber das ist dann der Inhalt für einen weiteren Blogbeitrag. ;-)

The Strategy Of Chess
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Crowdfunding: mehr als ein Finanzierungsinstrument

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Bild: The Strategy of Chess“; von Ken Teegardin (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vor ein paar Tagen war in der ZEIT ein Artikel zu lesen, dessen Überschrift lautete: “Ist das noch Crowdfunding?” Berichtet wird über die Kampagne von Pebble, einem jungen Unternehmen aus dem Silicon Valley, das via Kickstarter sein neuestes Produkt verkauft. Denn als Gegenleistung gibt es die Pebble Time, eine Smartwatch, die erstmals ein farbiges Display aufweist. Funktioniert hat die Kampagne allemal, denn bereits am ersten Tag kamen 8 Mio. USD zusammen. Rund 40.000 UnterstützerInnen erwarben die Uhr zu sehr günstigen Preisen, mittlerweile haben sich weitere 10.000 KäuferInnen gefunden, die nun mehr als 11 Mio. USD in die Unternehmenskasse spülen.

Gründe, warum das Unternehmen auf Crowdfunding setzt, gibt es einige. Zum einen ist es eine klug aufgesetzte Marketingaktion, die ganz stark auf Kundenbindung setzt.

“Der Erfolg auf Kickstarter gehört zur Unternehmenslegende, die Träger der Pebble fühlen sich, nicht ganz zu Unrecht, als Pioniere und Unterstützer einer guten Idee,”

heißt es in dem Artikel. Geboten wird nicht nur die Uhr, sondern es gibt täglich Informationen und Unterhaltung rund um das neue Produkt. Die Kampagne wird zum Event. Für Pebble ist der Verkauf über Kickstarter aber auch wirtschaftlich interessant, denn hier lassen sich höhere Margen erzielen als über den Einzelhandel. Außerdem lässt sich auf der Basis der Kampagne sehr gut einschätzen, wie das Produkt ankommt und so der Produktionsprozess steuern.

Während Crowdfunding in seiner Anfangszeit vor allem als Finanzierungsinstrument gesehen wurde, ist das heute etwas anders. Diese Form der Geldbeschaffung ist erwachsen geworden und wir sehen, dass sich hier ein viel größeres Potenzial verbirgt als das Einsammeln von Geld.

Für den Kulturbereich sehe ich die große Chance, mit dem Instrument des Crowdfunding in zweifacher Hinsicht erfolgreich zu sein. Erstens darf ich, wenn ich auf einer der mittlerweile zahlreichen Plattformen nicht untergehen möchte, eine Crowdfundingkampagne nicht nebenbei laufen lassen. Sie muss beworben werden und zwar richtig. Was liegt näher, als mein Projekt beziehungsweise mein Produkt schon so früh zu bewerben und sofort mit dem Marketing zu beginnen? Der Vorteil: Ich kann meine UnterstützerInnen per Newsletter oder über Beiträge auf der Projektseite erreichen und ich weiß, dass sie sich für mich interessieren. Schließlich haben sie mich schon finanziell unterstützt. Hinzu kommt: Kultureinrichtungen tendieren meist dazu, zu spät mit ihren Marketingaktivitäten zu beginnen. Zwei Wochen vor der Premiere damit zu beginnen, das kann ich mir nicht leisten, wenn ich das Vorhaben auf diese Weise (mit)-finanziere.

Das klingt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, führt aber vermutlich in vielen Betrieben zu völlig neuen Abläufen. Oft bekommen Marketing und PR die Informationen erst sehr spät, wenn inhaltlich alles klar ist und die Produktion steht. Das geht nun nicht mehr, es bedarf neuer Formen der Zusammenarbeit, denn das Marketing muss schon frühzeitig, schon vor Beginn der Produktion, mit Inhalten gefüttert werden, um die Crowdfundingkampagne starten zu können.

Die Fundraisingpyramide: Mit dem Crowdfunding geht es los

Zweitens glaube ich, dass das Crowdfunding eine große Hilfe in finanzieller Hinsicht sein kann. Zwar gibt es viele Kultureinrichtungen, die private Geldgeber erst dann suchen, wenn die Not groß ist. Aber wer Fundraising strategisch angeht, wird sich seine UnterstützerInnen langsam aufbauen, ob das nun Privatpersonen oder Unternehmen sind.

Fundraisingpyramide

Die Fundraisingpyramide zeigt, ich habe sie hier kurz skizziert, dass ich in einem ersten Schritt möglichst viel Personen ansprechen muss. Erreichen werde ich sie vor allem über meine Inhalte, Konzerte, Ausstellungen, Inszenierungen, was auch immer. Der Aufwand ist dafür relativ groß, reinkommen wird in der Regel anfangs aber nicht so viel. Ich kann dafür eine Spendenkampagne lancieren, Fördervereine aufbauen oder eben auch auf das Crowdfunding setzen. Der Vorteil: ich komme recht schnell in die Gänge, es passiert sofort etwas und ich kann auch gleich mit unterschiedlichen Gegenleistungen aufwarten. Natürlich hängt die Entscheidung für oder gegen eine Crowdfundingkampagne auch von meiner Zielgruppe ab und es spricht auch nichts dagegen, einen Förderverein aufzubauen oder eine Spendenkampagne durchzuführen.

Auch im Hinblick auf Sponsoren ist Crowdfunding ein guter Einstieg. Sie wenden sich zu Beginn an Privatpersonen und bauen zu denen möglichst langfristige Beziehungen auf. UnternehmerInnen, AgenturvertreterInnen, MarketingleiterInnen, wer weiß, wen Sie mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne erreichen und gewinnen können? Im Idealfall gelingt Ihnen der Schritt.

Hinzu kommt: Viele Kultureinrichtungen können in Sachen Werbung gar nicht so viel anbieten. Das Programmheft, in dem das Logo zu finden ist, kaufen nur wenige und die Plakate verschwinden auch bald wieder. Kultureinrichtungen, die auf Crowdfunding setzen, sind im Social Web aktiv und haben deshalb schon im Vorfeld eine – hoffentlich – große Sichtbarkeit. Kann es nicht sein, dass Sie schon alleine dadurch für Unternehmen attraktiver werden? Stichwort Image: Holen Sie Unternehmen mit ins Boot und geben ihnen etwas davon ab. Durch die enge Verzahnung mit dem Marketing wird es jeden Menge Möglichkeiten geben, mit Unternehmen zu kooperieren.

Wir sind gerade in einer Umbruchphase und das in vielerlei Hinsicht. Die öffentlichen Mittel reichen immer seltener, um die vielen Vorhaben im Kunst- und Kulturbereich zu ermöglichen. Für Kulturbetriebe wird es nicht leichter, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig buhlen viele um dieselben Zielgruppen. Das Crowdfunding könnte ein Instrument sein, mit dessen Hilfe Sie hier trotzdem weiter kommen, auch weil das Marketing immer stärker auf Social Media setzt. Wohin die Reise wirklich geht, kann ich heute noch nicht sagen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das Crowdfunding zukünftig eine ganz wichtige Schnittstellenfunktion im Kunst- und Kulturbereich ausübt und die beiden großen Themenbereiche Kulturfinanzierung und -marketing miteinander verbindet.

Siehe dazu auch: Crowdfunding in 11 Schritten (Teil I)