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Inboundmarketing oder: Wovon das Kulturmarketing schon immer geträumt hat

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Marketing, das war für viele, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiteten, schon immer ein rotes Tuch. Wer ihnen mit dem Marketingmix kam, wurde schon mal böse angeschaut. Man wolle keine Werbung machen, schließlich würden die Inhalte für sich selbst sprechen, so ihr Argument. Aber wie das so ist, irgendwann fängt man dann doch damit an, Mails zur Ausstellungseröffnung zu verschicken und wenn man einen Blick in die Marketingabteilungen der Kultureinrichtungen hineinwirft, dann sieht man, dass die dort die vier Säulen des Marketing (Produkt, Preis, Distribution, Kommunikation) sehr wohl ein Thema sind.

Die Vorbehalte gegenüber der Werbung scheinen verschwunden, über die verschiedenen Kommunikationskanäle wird fleißig für die eigene Arbeit geworben. Plakate, Flyer, Newsletter, Programmhefte oder Inserate, das Instrumentarium ist umfangreich. Über diese Wege sollen die Zielgruppen erreicht und dazu gebracht werden, die Angebote in Anspruch zu nehmen. Was früher mal ganz gut funktioniert hat, ist heute schwieriger geworden. Abgesehen von den steigenden Kosten ist es nicht so leicht, mit seinen Botschaften durchzudringen. Das Verhalten derer, die unsere Produkte kaufen beziehungsweise unsere Veranstaltungen besuchen sollen, hat sich verändert.

Werbung, das merken wir ja an uns selbst auch, funktioniert nicht mehr so wie früher. Wir sind skeptisch, wenn jemand von sich behauptet, dass er ein ganz tolles Produkt oder Angebot habe. Ich glaube nicht, dass die Zeit des Outbound Marketing vorbei ist. Die Frage ist, wie groß das Gewicht sein soll und ob es sich nicht lohnen würde, mehr Zeit und Geld in das Inbound Marketing zu stecken, an neuen Formaten zu arbeiten wie zum Beispiel das Theater in Oberhausen (siehe dazu mein Blogpost „#bestpractice: Das Theater Oberhausen hat ein neues Onlinemagazin„).

Bringt das was? Amanda Walgrove hat sich in ihrem Blogbeitrag „Why Inbound Marketing Is on the Rise, and What That Means for Content Marketing“ den „State of Inbound Report“ der Firma Hubspot angeschaut, einem Unternehmen, das Softwarelösungen im Bereich Inbound Marketing anbietet. Die Befragung von insgesamt 3570 MitarbeiterInnen in den Bereichen Marketing und Vertrieb zeigt, dass der Trend in Richtung Inbound Marketing geht. Es werden auf diese Weise mehr Leads generiert und die Qualität der Leads ist höher als beim Outbound Marketing. Besonders interessant ist für mich diese Grafik, die die Frage beantwortet, welche Kanäle für die Leadgenerierung wichtig sind?


Why Inbound Marketing Is on the Rise, and What That Means for Content Marketing

Die Antworten fallen recht unterschiedlich aus, abhängig davon, ob bei einem Unternehmen das Inbound oder Outbound Marketing im Vordergrund steht. Die Grafik zeigt aber auch, dass es nicht um ein entweder oder geht, sondern eher um die Gewichtung. Niemand setzt nur auf eine der beiden Ansätze.

Inbound Marketing ist also im Kommen und daher, so denke ich, auch ein Thema für den Kunst- und Kulturbereich. Wenn wir es als Kunden verschiedener Unternehmen bevorzugen, uns auf die Suche nach Inhalten zu machen, wenn wir sie brauchen, tun wir das vermutlich auch, wenn es um Kunst oder Kultur geht. Oder gibt es irgendwelche Argumente, die dagegen sprechen? Ich hatte eingangs geschrieben, dass im Kunst- und Kulturbereich das Marketing oft nicht gerne gesehen war, eben weil man Werbung für die eigene künstlerische Arbeit ablehnte. Das Inbound Marketing ist eigentlich genau das, was sich die KritikerInnen gewünscht haben: Über die Inhalte auf sich aufmerksam zu machen.

Die Herausforderung besteht nun darin, die passenden Konzepte zu entwickeln. Die meisten Kultureinrichtungen bevorzugen es nach wie vor, (Werbe)-Botschaften zu versenden, auch auf Facebook. Eigentlich reicht es ja, dort weiter zu denken, wo man mit seiner Kritik aufgehört hat. Die Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, sind mittlerweile andere geworden. Aber das ist dann der Inhalt für einen weiteren Blogbeitrag.😉

Anonymous
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2015: Alles wächst zusammen

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Bild: Anonymous„; von Thomas Leth-Olsen (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Ich hoffe, Sie haben alle ein paar erholsame Tage genießen können und sich bereits ein wenig an das Jahr 2015 gewöhnt, für das ich Ihnen alles Gute wünsche. Wie in den letzten Jahren nutze ich auch diesen Jahresbeginn dazu, aus meiner Sicht das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und gleichzeitig einen Blick in die Zukunft zu werfen.

2014, das war bezogen auf meinen Arbeitsbereich ein Übergangsjahr. Altes funktioniert nicht mehr so recht, neue Entwicklungen kündigen sich an. Da ist zum Beispiel das Thema Crowdfunding. Von vielen Kulturbetrieben und KünstlerInnen wird es mittlerweile ganz selbstverständlich als ein Instrument genutzt, um die eigene Arbeit zu finanzieren. Wer zum Beispiel einen Blick auf die Statistiken wirft, die Kickstarter für das gerade zu Ende gegangene Jahr veröffentlicht hat, sieht, dass es hier mittlerweile um beachtliche Summen geht. Aber Crowdfunding ist nicht einfach nur ein neues Instrument, um Kunst und Kultur zu finanzieren, sondern weit mehr. Auf der Crowdfundigplattform wemakeit startet heute „Swisscom Music Booster„, eine Kampagne, die sich an Musiktalente in der Schweiz richtet und Sponsoring und Crowdfunding verbindet.

Die Plattform Indiegogo hat vor kurzem das Pilotprogramm „Forever Funding“ gestartet, das ProjektinitiatorInnen die Möglichkeit gibt, Kampagnen über deren Ende hinaus weiterlaufen zu lassen (siehe dazu meinen Beitrag: „Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)„). Auf diese Weise wachsen die Bereiche Finanzierung und Marketing weiter zusammen. Fundraising, Marketing und Finanzierung, eine strikte Trennung dieser – und anderer – Bereiche macht vielleicht schon bald keinen Sinn mehr?

Intensiv habe ich mich im letzten Jahr auch mit den digitalen Erlebnisräumen beschäftigt. Die Entwicklung des mobilen Webs hat dazu geführt, dass Orte über den Raum „als Ausdehnung in Höhe, Länge und Breite“ (Wikipedia) hinaus eine virtuelle Erweiterung erfahren. Dieser virtuelle Raum kann von den „BesitzerInnen“ genutzt werden, um Informationen oder Unterhaltungsangebote zur Verfügung zu stellen, er lässt sich aber darüber hinaus auch in Form eines öffentlich zugänglichen WLANs den KundInnen, BesucherInnen, Gästen, etc. zur Verfügung stellen, damit sie über das vor Ort Erlebte berichten können. Ob es sich bei diesen Orten um die Präsenz einer oder mehrerer Kultureinrichtungen handelt oder auch ganz Städte, spielt grundsätzlich keine Rolle. Im Sinne der Customer Experience und aus dem Wissen heraus, dass sich Kultureinrichtungen vor allem aus finanziellen Gründen schwer tun, einen digitalen Erlebnisraum aufzubauen, plädiere ich für Kooperationen. Ob es sich um eine Kooperation von Kultureinrichtungen handelt oder eine Mischung aus Kunst, Kultur und Wirtschaft, hängt von den jeweiligen Zielen und Zielgruppen ab. Für die Stadt Bregenz habe ich zusammen mit Nadja Bauer, Frank Tentler und Martin Adam ein Konzept entwickelt, das Kunst, Kultur und Tourismus verbindet und dieses Jahr – hoffentlich – realisiert wird.

#connect habe ich im letzten Jahr als Motto gewählt. Was für mich vor einem Jahr noch nicht greifbar war, gewinnt so langsam an Kontur. Klar ist, wir reden heute nicht mehr über Facebook und die Frage, ob wir zwei oder drei Postings pro Tag veröffentlichen, sondern von einem kulturellen Wandel, der durch die technologischen Entwicklungen ausgelöst oder verstärkt wird. Charlene Li und Brian Solis haben das in ihrem kleinen eBook „The Seven Success Factors of Social Business Strategy“ (Affiliate Link) recht anschaulich beschrieben (siehe dazu: „Und es geht weiter: von Social Media zum Social Business„) und darauf hingewiesen, dass es nicht um Tools, sondern um Werte, Haltungen und Weltanschauungen geht.

Natürlich hat das Auswirkungen auf das Management von Kulturbetrieben. Themen wie Personalentwicklung oder Mitarbeiterführung dürfen keine Fremdworte im Kunst- und Kulturbereich bleiben, die Auswirkungen auf das Kulturmanagement liegen auf der Hand.

Daraus ergeben sich für mich drei Themenschwerpunkte, mit denen ich mich 2015 beschäftigen werde:

  • Crowdfunding als Treiber für eine Annäherung der Bereiche Marketing und Fundraising,
  • Digitale Erlebnisräume als die Erweiterung von Räumen und Ausgangspunkt für Contentstrategien
  • Social Business als Motor für die Entwicklung der Unternehmenskultur in den Kulturbetrieben

Natürlich würde #connect auch dieses Jahr wieder als Motto passen. Aber ich denke, je konkreter ich bin, desto kleiner ist die Gefahr, mich irgendwo in den Themen zu verlieren. Nach und nach, so hoffe ich, werden sich diese drei Bereiche einander annähern und zu einem Strang zusammenlaufen.

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So bekommen Ihre Blogbeiträge mehr Klicks

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Vermutlich geht es mir wie allen, die ein Blog betreiben oder auf eine andere Art und Weise eigene Inhalte veröffentlichen: Ich investiere in meine Beiträge einiges an Zeit und habe deshalb den Wunsch, dass sie dann möglichst oft gelesen werden. Dafür setze ich natürlich auch auf die sozialen Netzwerke und poste dort den entsprechenden Hinweis. Da ich weiß, dass die Postings nach wenigen Stunden praktisch verschwunden sind und keine Links mehr generieren, habe ich versucht, den Hinweis nicht auf allen Netzwerken gleichzeitig zu veröffentlichen, sondern zeitlich gestaffelt. Erst auf Facebook, ungefähr zwei Stunden später auf Twitter und irgendwann auf Google+. Mehr als einmal habe ich gewöhnlich nicht auf meine Blogbeiträge hingewiesen, um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ich würde spammen.

Vor einiger Zeit bin ich auf KissMetrics auf einen Beitrag von Garrett Moon gestoßen. In „How to Easily Double Your Traffic from Social Media“ zeigt er einen Weg auf, wie die eigenen Blogbeiträge mehr Klicks erhalten. Anhand eines (hypothetischen) Beispiels macht er folgende Rechnung auf:

Quelle: KISSMetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

Quelle: KISSMetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

 

Diese Grafik hat mir zu denken gegeben und mich dazu gebracht, das Thema der Bewerbung des eigenen Blogs etwas genauer zu betrachten. Erstens habe ich natürlich ein Interesse daran, meine Zugriffszahlen zu erhöhen und zweitens bin ich schon seit längerer Zeit dabei, meine mittlerweile knapp 1.800 Beiträge auf diesem Blog zu erfassen, um sie besser zu verwerten. Ob auf Twitter oder in den verschiedenen Facebookgruppen, immer wieder passen alte Blogbeiträge ganz gut zu einem Thema. Aber ich muss wissen, dass es sie gibt und ich muss sie finden. Deshalb erstelle ich gerade eine Liste, um einen Überblick zu erhalten. Aber die alten Beiträge sind ein eigenes Thema, mir geht es primär um die aktuellen Postings.

Die Grafik zeigt, dass sich in diesem Fall die Klickzahlen mehr als verdoppeln würden, weil der Hinweis auf ein Blogpost insgesamt dreimal über die Netzwerke verbreitet wird. Natürlich kann man jetzt auch die Unterschiede der Netzwerke berücksichtigen und unterschiedliche Frequenzen wählen, Moon zeigt in einer weiteren Grafik, wie das aussehen könnte. Da mir mehrere Accounts auf Twitter, Facebook und Google+ zur Verfügung stehen, habe ich viel mehr Gestaltungsspielraum als mit jeweils nur einem Account. Trotzdem würde ich mich unwohl fühlen, permanent den gleichen Inhalt zu verbreiten.

Spannend finde ich daher den Ansatz, ein Blogpost unter ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten zu bewerben. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Moon anhand eines seiner Blogposts, auf das er via Twitter insgesamt fünf Mal hinweist:

Quelle: KISSmetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

Quelle: KISSmetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

Während er beim ersten Tweet nur den Titel des Postings nennt, stellt er bei der zweiten Verlinkung  eine Frage und sucht sich für das dritte Mal eine interessante Zahl, auf die er hinweist. Beim vierten Mal verwendet er ein Zitat und beim fünften Mal wählt er einen besonders bemerkenswerten Umstand aus, den er als Aufhänger verwendet. Ich muss gestehen, dieser Ansatz gefällt mir, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob er überhaupt funktioniert.

Ich habe mir deshalb vorgenommen, das einfach mal auszuprobieren und zu schauen, ob sich die Klickzahlen erhöhen oder nicht. Für diesen und die folgenden Beiträge bin ich gerade dabei, ein „System“ zu entwickeln, das ich bei den nächsten Blogbeiträgen anwenden werde. In etwa vier Monaten werde ich eine Auswertung vornehmen und dann darüber berichten. Bis dahin zähle ich Klicks.😉

Was mich interessieren würde: Wie oft weisen Sie auf Ihre Blogbeiträge hin und gehen Si dabei systematisch vor oder überlassen Sie es dem Zufall?

noise
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Die Wichtigkeit des Grundrauschens

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Bild: Noise„; von Karen Eliot (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

In meinem gestrigen Beitrag über das stARTcamp Wien habe ich das Fehlen von Leidenschaft kritisiert und von einer sachlich-nüchternen Atmosphäre gesprochen, in der es mehr Vorträge als Diskussionen gab. Das ist erst einmal nicht schlimm, zumal Barbara Royc in einem Kommentar geschrieben hat, dass es in den kleinen Räumen anders gewesen wäre. Manchen hat das Ausmaß an Gesprächen gereicht, anderen war es zu wenig. Fakt ist, dass ein Minimum an Austausch da sein sollte, weil wir sonst die Atmosphäre als steif empfinden und uns unter Umständen unwohl fühlen. Auf dem stARTcamp war das, denke ich, nicht der Fall, aber ich habe mir die Frage gestellt, wie das eigentlich im Social Web ist? Geht es uns da ähnlich? Empfinden wir es als unangenehm, wenn keine Kommunikation in Gang kommt?

Alex Mikula hat – auch in einem Kommentar – von der virtuellen Agora gesprochen und die Frage gestellt, ob wir nicht einen solchen virtuellen Raum einrichten sollten, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Etwa auf Google+, wie er meinte. Ich finde den Vorschlag gut, sehe aber gleichzeitig die Gefahr, dass die Kommunikation in einer solchen Gruppe oder Community schnell aufhört, wenn es niemanden gibt, der sich darum kümmert. Aber warum brauchen wir dazu eigentlich eine geschlossene Gruppe, einen geschützten Raum? Wir haben Blogs, wir haben Facebook und vor allem Twitter, wo wir ja bereits alle mehr oder weniger miteinander vernetzt sind und nur noch anfangen müssen, miteinander zu reden. Wäre das viel einfacher und wäre es nicht genau das, was das Social Web ausmacht? Die Gespräche, die sich mal um wichtige, mal um unwichtige Dinge drehen. Um den Kaffee, das Wetter, aber auch um Content Marketing und ähnliche Themen.

Mir ist dabei meine kleine Untersuchung aus dem letzten Sommer eingefallen, bei der ich mir die Twitter-Aktivitäten einiger österreichischer Museen angeschaut habe. Die Auswertung hat gezeigt, dass die Museen von sich aus fast nie das Gespräch mit anderen Twitterati suchen. Sie kommunizieren ihre ihnen wichtigen Inhalte, aber Gespräche finden nicht beziehungsweise kaum statt. Für mich gehören die aber unbedingt dazu. Beobachten Sie mal Gurus wie Brian Solis, Chris Brogan oder Gerd Leonhard. Natürlich erhalten Sie von denen jede Menge  Informationen. Aber gerade diese drei unterhalten sich auch ganz unkompliziert über scheinbar unwichtige Dinge. Aber diese Gespräche sind in meinen Augen gar nicht so unwichtig.

Nun mögen manche einwenden, dass das doch nur wieder viel Zeit koste. Ja, stimmt, aber Sie sparen die Zeit an anderer Stelle, denn Sie müssen nicht darum kämpfen, dass jemand ihre Tweets retweetet, das passiert dann vielleicht ganz von alleine. Aber bitte spekulieren Sie jetzt nicht darauf, dass jede direkte Ansprache automatisch zu einem Retweet führt.😉 Ich als einzelner User habe es da sicher leichter als eine große Kultureinrichtung, bei der die einzelnen Postings vielleicht erst noch genehmigt werden müssen. Aber wir können den Theatern, Museen, etc. ja helfen, indem wir einfach das direkte Gespräch mit ihnen suchen, ihnen zum Beispiel Fragen stellen, sie direkt ansprechen. Versuchen wir es doch einfach mal, vielleicht gelingt es uns ja, über dieses Grundrauschen hinaus eine Atmosphäre zu erzeugen, in der dann auch Gespräche leichter stattfinden. Im Kommentarbereich von Blogs, auf Facebook und auf Twitter, online und offline.😉

#scvie
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stARTcamp Wien: „Social Media and the Death of Passion?“

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Eigentlich wollte ich diesen Beitrag über das stARTcamp Wien schon vor Tagen geschrieben haben, aber ich wusste nicht so recht, was ich schreiben sollte. Was daran lag, dass ich mir schwer tat, das stARTcamp einzuschätzen. Irgendetwas hat mir gefehlt und ich wusste nicht so recht, was es eigentlich war. Monika Meurer hat in ihrem Blogbeitrag „Das stARTcamp Vienna 2014“ die Frage gestellt, ob es sich dabei überhaupt um ein Barcamp handelt? Listet man die Kriterien auf, die ein Barcamp ausmacht, dann kommt man nicht umhin, die Veranstaltung als solche zu bezeichnen, daran führt kein Weg vorbei.

Aber ihre Kritikpunkte, etwa, dass es keine Tweets über die Inhalte der einzelnen Sessions gab oder statt des Austauschs von Wissen, sprich Diskussionen, vor allem Frontalvorträge angeboten wurden, sind nicht ganz unberechtigt. Auf der anderen Seite möchte ich niemandem vorschreiben, wie er oder sie die Session gestaltet, insofern tue ich mir mit der Kritik auch wieder schwer. Auch was den Kritikpunkt betrifft, Barcamps sollten grundsätzlich kostenlos sein. Natürlich ist es toll, wenn ich etwas kostenlos anbieten kann. Auf der anderen Seite ist es aber leider auch so, dass Dinge, die kostenlos abgegeben werden, nicht die Wertschätzung erfahren, die sie eigentlich verdient hätten.

Aufgegangen ist mir der Knopf beim Lesen eines Artikels von Shellie Karabell. In „Big Data And The End of Passion“ beschäftigt sie sich mit der Frage, was uns in unserer Arbeit eigentlich antreibt? Immer größere werdende Datenmengen, aus denen wir dann die hoffentlich richtigen Rückschlüsse ziehen, oder die Leidenschaft, ein Ziel erreichen zu wollen?

Leidenschaft? Vielleicht ist es das? Es herrschte keine Aufbruchstimmung beim stARTcamp, sondern eine eher sachlich-nüchterne Atmosphäre. Was aber auch verständlich ist. Wir müssen uns nicht mehr voller Leidenschaft in den Kampf werfen, um den Sinn und Zweck von Social Media zu erklären. Es gibt mittlerweile in (fast) allen mittleren und größeren Kulturbetrieben MitarbeiterInnen, die sich damit beschäftigen, fast alle haben zumindest eine Facebookseite. Social Media ist im Kunst- und Kulturbereich angekommen, jetzt geht es um die Frage, welche Ziele wir damit erreichen wollen und welche Wege wir dabei wählen.

#scvie

Aber nicht nur die Frage nach dem richtigen Weg blenden wir gerne aus, oft fehlt es auch an den Zielen. Ziele, Strategien, da geht es meist um Zahlen und um Daten, aus denen wir Rückschlüsse ziehen können, um uns dann über die passenden Instrumente zu unterhalten. Auf dem stARTcamp ging es oft um diese Instrumente, um Apps oder iBeacons, aber eben auch um die Frage, wie Kultureinrichtungen Twitter nutzen können oder um die richtige Social Media-Strategie. An dieser Stelle hätte ich jetzt gerne auf entsprechende Blogbeiträge oder Folien verlinkt, aber die gab es dieses Jahr nur ganz vereinzelt. Auch da kann ich mich an der eigenen Nase fassen, denn ich hatte keine Folien. Eigentlich, um den gefürchteten Frontalvortrag zu vermeiden, aber so ohne Folie ist es auch nicht optimal. Für das nächste Mal gelobe ich Besserung.

Wäre er nicht verhindert gewesen, hätte uns Wolfgang Gumpelmaier im Essl-Museum eine schöne Geschichte erzählen können über das, was auf Barcamps alles möglich ist. Während er beim letzten stARTcamp Wien eine Session über Crowdfunding hielt, erzählte Teglasy Gergely in einer anderen Session über Zwirbler, den ersten Facebookroman der Welt.  Die beiden kamen ins Gespräch und herausgekommen ist eine gerade erfolgreich abgeschlossene Crowdfundingkampagne, um Zwirbler auch in Buchform und als Klopapier anbieten zu können. In dieser Kampagne steckte genau die Leidenschaft, die ich letzte Woche vermisst habe.

Natürlich sind die Daten wichtig, um sich weiter entwickeln zu können, um feststellen zu können, ob etwas funktioniert oder nicht. Um herauszufinden, wer sich wofür interessiert und dann die passenden Angebote zu entwickeln. Social Media braucht beides, Daten und Leidenschaft. Das eine ohne das andere, das wird nicht funktionieren. Vielleicht ist uns die Leidenschaft auf dem Weg zum Erfolg im Social Web etwas abhanden gekommen? Vielleicht ging es beim stARTcamp zu sehr um Daten und nicht um die Leidenschaft?

Vielleicht müssen wir die Leidenschaft wieder mehr in den Vordergrund stellen. Eine Strategie kann noch so gut und ausgetüftelt sein. Wenn es an Leidenschaft und am Spaß an der Kommunikation fehlt, dann ist der Erfolg in Gefahr. Und damit das nicht verloren geht, notiere ich mir das gleich als das Motto für das nächste stARTcamp Wien: „Social Media: mit Spaß und Leidenschaft“😉

 

#scmuc14 im Literaturhaus München
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Von Sonne, Social Media und stARTcamps

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Eines steht fest, der Wettergott ist ein stARTcamp-Fan. Nachdem schon in Münster das Wetter super war, gab es auch gestern in München nichts zu meckern. Sonne pur, so macht es Spaß, vor allem bei solchen Dachterassen. Vielleicht hätte ich noch länger bleiben sollen, denn hier in Wien regnet es Bindfäden, während mir Twitter verrät, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt immer noch schön ist. Wettermäßig kann es also auf alle Fälle so weiter gehen, am 14./15. Juni steht das stARTcamp RuhrYork in Dortmund auf dem Programm.

Was die Inhalte betrifft, weiß ich, dass es wieder ein spannendes Programm geben wird, denn interessanterweise unterscheiden sich die Inhalte von stARTcamp zu stARTcamp gar nicht so sehr. Crowdfunding ist eines der Themen, die im Kunst- und Kulturbereich auf riesengroßes Interesse stoßen. Während in Münster Steffen Peschel erklärte, worauf es bei dieser neuen Form der Kulturfinanzierung ankommt, berichtete gestern Anke von Heyl von ihren Erfahrungen mit einem auf diesem Weg erfolgreich finanzierten Projekt. Crowdfunding, das ist für mich ohne Social Media gar nicht möglich, deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass der erste und wichtigste Schritt im Aufbau eines eigenen Netzwerks besteht. Wem erst mit dem Beginn der Crowdfundingkampagne einfällt, sich Leute zu suchen, die sich dafür interessieren könnten, ist spät dran und wird vermutlich Schwierigkeiten bekommen, die Zielsumme zu erreichen.

Crowdfunding, das ist für mich auch ein Beispiel dafür, dass wir zwar jetzt fast alle im Social Web sind, zumindest auf Facebook. Aber da sein genügt nicht, jetzt geht es um die Frage, was wir dort machen, welche Ideen uns dazu einfallen, um diejenigen zu erreichen, die sich für Kunst und Kultur interessieren könnten beziehungsweise sich schon  dafür begeistern.

Eröffnung #scmuc14

Das war auch der Tenor der Worte von Christian Gries, der die Kultureinrichtungen in seiner Eröffnungsrede dazu aufforderte, mehr Mut zu zeigen im Umgang mit dem Social Web. Wie so etwas aussehen kann, zeigte Vivi D’Angelo am Beispiel von „Invasioni Digitali“, einer aus Italien kommenden Idee, die einige Ähnlichkeiten mit den mittlerweile bekannten Tweetups aufweist. In einem Beitrag auf dem Blog der Kulturkonsorten hat sie nicht nur beschrieben, wie solche Aktionen ablaufen, sondern auch gleich von den eigenen Aktivitäten berichtet. Auch hier handelt es sich um den Versuch, nicht einfach nur über die verschiedenen Social Media-Kanäle auf eigene Veranstaltungen oder Angebote hinzuweisen, sondern online und offline miteinander zu verbinden, den nächsten Schritt zu tun.

Aber wer sich die Sessionpläne anschaut, erkennt recht schnell, dass es trotzdem noch um die diversen Social Media-Kanäle geht. Foursquare, Twitter, Facebook oder Blogs, sie alle entwickeln sich weiter und stellen uns vor neue Herausforderungen. Für mich war besonders die gestrige Facebook-Session interessant. Wie sollen Kultureinrichtungen darauf reagieren, dass Facebook am Algorithmus „geschraubt“ hat und die Sichtbarkeit der Postings auf den seiten stark nachgelassen hat? Macht es Sinn, auf gesponserte Beiträge zu setzen und dafür zu zahlen? Oder gibt es andere Möglichkeiten, wieder präsenter zu sein? Die Fragen lassen sich gar nicht so einfach beantworten, denn nicht jede Kultureinrichtung kann so wie ich ohne große Probleme über  ein Profil kommunizieren, mit dem vieles doch viel leichter geht. Warum auch sollten die MitarbeiterInnen ihre persönlichen Profile, die sie sonst nur privat nutzen, plötzlich ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stellen? Da ist es dann auch nicht so ganz einfach, die Fans dazu zu bewegen, über die Veranstaltungen zu sprechen und so in den Newsfeeds der Fans aufzuscheinen. Alke Müller-Wendlandt vom Literaturhaus München, die die Session auch geleitet hat, erzählte, dass sie das über die Veranstaltungseinladungen ganz gut hinbekommt. Nur müsse sie auswählen, denn das Haus habe zu viele Veranstaltungen, um alle auf diese Weise bewerben zu können, ergänzte sie.

Klar war ich auch bei Tanja Praske und ihrer Session zum Thema Bloggen dabei. Wer ein Blog als zentrale Anlaufstelle hat, wird sich zwar über die Änderungen auf Facebook nicht unbedingt freuen. Aber zumindest ist er oder sie auf alle Fälle ein ganzes Stück weit unabhängig von den diversen Netzwerken. Tanja lieferte viele Argumente für ein Blog und erklärte auch kurz worauf es beim Bloggen ankommt. Damit traf sie wohl auch den Nerv der Zeit, denn immer mehr Kultureinrichtungen spielen mit dem Gedanken, ein Blog einzurichten oder haben bereits damit begonnen. Einige Argumente, die dafür sprechen, habe ich vor einiger Zeit in meinem Beitrag „Warum ein Blog so wertvoll ist“ zusammengefasst.

Session Frank Tentler

Und dann gab es da noch Frank Tentler, der kurzer Hand aus den SessionteilnehmerInnen sein eigenes Team für das „Projekt Wunderland“ machte. Wer ein Produkt anbietet, das alle brauchen, der hat es leicht, meinte er. Was aber ist mit den Kultureinrichtungen, die so etwas nicht anbieten können? Wie müssen die „Rabbit Holes“ aussehen, die wir aus der Geschichte von Alice im Wunderland“ kennen? Es war eine kurzweilige und lehrreiche Einführung in das Thema Gamification. Die Verwendung von Spieldesign-Elementen im nichtspielerischen Kontext, damit werden sich Kulturbetriebe demnächst noch des öfteren beschäftigen. Beschäftigen müssen, meinte Frank Tentler am Ende, denn sehr viel Alternativen gebe es nicht, so seine Überzeugung.

Und dann war der Tag schon wieder fast rum. Leider. Wenn ich hier nicht minutiös über alle anderen Sessions berichtet habe, dann liegt das daran, dass ich mich mit vielen anderen TeilnehmerInnen des stARTcamps unterhalten habe. Viele kenne ich schon seit Jahren und freue mich, wenn wir uns wiedersehen. Andere habe ich zum ersten Mal kennengelernt und freue mich, sie das nächste Mal – hoffentlich – wiedersehen zu dürfen. Der Networkingaspekt ist für mich beim Barcampformat ein ganz wesentlicher (Erfolgs)-Faktor. Die Mischung macht’s könnte man auch sagen und nachdem mir die sehr gut gefällt, werde ich natürlich auch Mitte Juni beim stARTcamp RuhrYork dabei sein. Flug und Hotel sind schon gebucht.😉

dschungelwien
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Jugend 2.0: Das Social Web auf der Bühne

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Interaktion im Social Web, dieses Thema beschäftigt uns recht häufig, etwa wenn es um unsere Sichtbarkeit auf Facebook geht. Dass es nicht nur im virtuellen Raum eine Herausforderung ist zu interagieren, habe ich bei meinem Besuch des Theaterstücks „Maximal Medial (AT)“ im Dschungel Wien erlebt. Während die Reihen zwei und drei dicht besetzt waren, blieb die erste Reihe frei. „Am Ende muss ich da mitmachen“ meinte eine Besucherin und verzog sich nach hinten. Hemmschwellen gilt es also überall abzubauen, online und offline.

Um Freundschaft und Kommunikation von Jugendlichen ging es in dem Stück, das nicht nur von Jugendlichen produziert wurde, sondern auch hauptsächlich von Jugendlichen  besucht wurde. Zumindest an diesem letzten Aufführungsabend. Eigentlich wäre es ja ein Pflichttermin für Marketingmenschen gewesen, deren Unternehmen sich ins Social Web gewagt haben, weil sie genau diese Zielgruppe dort erreichen möchten. Wo lerne ich sie besser kennen, wo erfahre ich mehr über sie als in einem Theaterstück, in dem SchülerInnen ihre eigenen Erlebnisse zu einem Theaterstück verarbeiten?

Dann vielleicht doch eher in Studien, in denen die Jugendlichen als eine „Generation von Normopathen“ beschrieben werden,

„die sich lieber am Geschmack der Masse orientiert, als eigenwillig mit Individualität zu experimentieren und im Körperbild ganz bewusst auf Brüche mit der Norm zu setzen?“

Ich habe die Presseaussendung zur Studie „Generation Selfie“ ein paar Tage vor meinem Theaterbesuch entdeckt und auf der Bühne genau diese Versuche gesehen, sich als Individuum von der Masse abzuheben. Aber wir reagieren auf solche Versuche in der Regel ziemlich brutal, nicht nur auf der Bühne, sondern wohl noch viel stärker im realen Leben.

© Ani Antonova

© Ani Antonova

Da passt es gut, dass dieses Theaterstück im Rahmen  von Macht|schule|theater entstanden ist, einer Initiative, die die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt unterstützt und schon seit 2008 läuft. Eigentlich ist es erschreckend, wie eng das Korsett geschnürt ist, in dem sich nicht nur die Jugendlichen bewegen, sondern letzten Endes wir alle. Und wer nicht funktioniert, wird sanktioniert. Nicht immer so offenkundig, wie das auf der Bühne zu sehen war, aber auch subtile Gewalt ist Gewalt.

So funktionieren wir so gut es geht und müssen uns auch den Vorwurf gefallen lassen, mehr und mehr zu Normopathen zu mutieren, denn es sind ja nicht nur die Jugendlichen der Generation Selfie, die sich, wie es im Pressetext heißt, in ihrer virtuellen Darstellung an den ästhetischen Standards der Medien- und Werbeindustrie orientieren, sondern wir alle, Sie und ich. Ein schönes Beispiel: Wenn Sie beim Teaser zu diesem Stück genau hinhören, werden Sie merken, dass Branding auch über die Ohren ganz gut funktioniert.

Die meisten Akustikschnipsel werden Ihnen vertraut vorkommen, oder? Zumindest ich hatte keine Probleme, sie zu identifizieren. Dahinter verbergen sich Produkte, die zum fixen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden sind. Wie sehr sie ein Teil davon geworden sind, zeigen die SchauspielerInnen auf der Bühne, wenn sie die ganze Zeit von und über Marko sprechen. Marko, das ist der, der die Telefonnummern unserer Freunde im Kopf hat, der tolle Fotos macht und den wir fragen können, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Marko ist aber gar kein Freund, es ist unser Handy, das dazu führt, dass wir auf immer mehr Freunde verzichten. Wir haben ja Marko.

Für mich war es ein beeindruckender Abend, der gezeigt hat, wie die digitalen Technologien unser tägliches Leben prägen. Sie bieten viele Vorteile und bringen auch manche Annehmlichkeit. Aber sie verändern uns auch und das nicht immer zum Guten. Wenn wir nicht aufpassen.