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Google Adwords
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Mit Google Adwords Veranstaltungen bewerben

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Bild: FirmBee (CC0 auf Pixabay.com)

Veranstaltungen zu bewerben gehört für sehr viele Kultureinrichtungen zum Alltagsgeschäft, dementsprechend groß ist auch ihre Erfahrung, wie sie dabei vorgehen. Oft sind es Instrumente, die sie jahre-, wenn nicht sogar jahrzehntelang verwenden, die größte Innovation in diesem Bereich war wohl das Aufkommen des Social Web mit der Möglichkeit, die eigenen Events über die sozialen Netzwerke anzukündigen. Eine Ausstellung, eine Theaterproduktion oder ein Konzert mit Hilfe eines Facebook-Events zu promoten, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Eine andere Möglichkeit, die eigenen Veranstaltungen zu bewerben, stellt Google Adwords dar. Wir alle kennen die Werbeeinschaltungen, die auftauchen, wenn wir auf Google eine Suche starten und dann die Ergebnisse präsentiert bekommen. Wer keinen Werbeblocker verwendet, kennt die „bezahltenAnzeigen“, die dort nicht stehen, weil die Seite so gut rankt, sondern weil Geld in die Hand genommen wurde.

Nachdem ich vermutlich nicht der einzige bin, der bei seiner Suche im Internet stark auf Google setzt, ist es doch eigentlich schlau, oberhalb oder rechts des (organischen) Suchmaschinenranking gut sichtbar vertreten zu sein. Und noch ein weiteres Argument spricht dafür, dass Kultureinrichtungen sich mit diesem Werbeformat beschäftigen sollten. Google hat mit Ad Grants ein Angebot entwickelt, das sich an gemeinnützige Einrichtungen richtet und diesen die Möglichkeit bietet, mit Hilfe von Adwords pro Monat (!) Anzeigen im Wert von 10.000 USD zu schalten. Die Herausforderung besteht darin, von Google als gemeinnützige Institution anerkannt zu werden (Infos, welche das sind, gibt es hier).

Welche Überlegungen müssen Kultureinrichtungen anstellen, bevor sie mit Google Adwords (oder Ad Grants) loslegen können. Nun könnten Sie sich die Informationen natürlich alle im Internet zusammensuchen. Stefan Kleinberger hat das vor einiger Zeit getan. Erstens, weil er Marketingverantwortlicher des TAK Theater Liechtenstein ist und Google Adwords ausprobieren wollte und zweitens, weil er Google Adwords im Rahmen seines Diplomlehrgangs „Online Marketing“  zum Thema seiner Abschlussarbeit gemacht hat. Netterweise stellt er uns die Ergebnisse seiner Arbeit zur Verfügung, wofür ich ihm ganz herzlich danken möchte.

 

In seiner Arbeit erfahren Sie kurz, was Suchmaschinenmarketing ist und welche Rolle die Suchmaschinenwerbung dabei spielt. Für mich besonders hilfreich waren die vier für ihn wichtigsten Parameter für die Arbeit mit Google Adwords. Dass Keywords und die Frage der Ortsauswahl entscheidend zum Erfolg einer Kampagne beitragen, ist für viele vermutlich nicht neu. Bei den anderen beiden Parametern „Sprache“ und „Anzeigentext“ habe ich dann einiges dazugelernt. Genau aus diesem Grund bin ich übrigens immer sehr froh, wenn solche Arbeiten online verfügbar sind. Erstens können andere auf diese Arbeit aufbauen, sich auf sie beziehen und zweitens lernt man als Leser oft sehr viel. So wie ich in diesem Fall.😉

Im Rahmen des Treffpunkt Kulturmanagement hat Stefan Kleinberger gestern auf der Basis seiner Arbeit den Input zu eben diesem Thema geliefert. Spannend war für mich unter anderem die Diskussion über die Frage, worin eigentlich der Unterschied zwischen Google Adwords und Anzeigen auf Facebook besteht und in welchen Situationen man das eine oder andere Angebot nutzen sollte. Falls Sie das Webinar gestern nicht verfolgen konnten oder einzelne Passagen noch einmal sehen möchten,  finden Sie die Aufzeichnung auf YouTube oder gleich hier unten:

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Theater und Social Media: Fragen an Lena Fuchs (Volkstheater Wien)

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Foto von Gilles Lambert auf Unsplash

Nachdem wir die letzten Jahre mit dem stARTcamp immer in Museen zu Gast waren, geht die diesjährige Ausgabe zum ersten Mal in einem Theater über die Bühne. Danke an das Volkstheater Wien für die Einladung! Ich möchte wenige Tage vor dem stARTcamp die Chance nutzen und der Frage nachgehen, wie Theater den digitalen Wandel bewältigen und deshalb habe ich Lena Fuchs, die den Bereich Kommunikation am Volkstheater leitet, per Mail ein paar Fragen gestellt.

lenafuchscwww-lupispuma-com_volkstheater

© http://www.lupispuma.com / Volkstheater

Kulturmanagement Blog: Zuallererst möchte ich mich noch einmal direkt bei Dir bedanken, dass wir mit dem stARTcamp dieses Jahr bei Euch zu Gast sein dürfen. Du hast spontan zugesagt, als ich Dich gefragt habe. Dabei sind, so hat es den Anschein, Theater eher zurückhaltend, wenn es um den digitalen Raum geht. Ist es für Theater schwieriger, digital präsent zu sein und zu kommunizieren als zum Beispiel für Museen?

Lena Fuchs: Theater ist immer live – dieses Alleinstellungsmerkmal ist Fluch und Segen zugleich. Ein Theaterstück lässt sich weniger leicht abbilden als ein Kunstwerk. Teilweise spielen, gerade auch bei Filmaufnahmen (die ja dem Erlebnis am nächsten kommen), technische Kapazitäten und Urheberrechte eine Rolle: Mit der Digitalisierung betreten wir hier Neuland. Aber wir holen auf!

Kulturmanagement Blog: Esther Slevogt hat gerade in einer Kolumne auf nachtkritik.de die Theater dazu aufgefordert, „mächtige soziale Plattformen im Netz zu schaffen“. Kannst Du Dir vorstellen, dass die Theater solche digitalen Räume schaffen und inhaltlich bespielen?

Lena Fuchs: Soll ich idealistisch oder pragmatisch antworten? Frau Slevogts „Kolumnist*innentraum“ ist nachvollziehbar argumentiert und ein plausibler Lösungsvorschlag für das dem Theater immer wieder vorgeworfene Reichweitenproblem. Aber – pragmatisch gesehen: Wie soll eine per se defizitäre und subventionierte Unternehmung wie ein Theater so etwas zusätzlich umsetzen? Sobald die Theater anfangen, wirkliche Gewinne zu machen – was bei der jetzigen Kostenstruktur unmöglich ist –, können wir darüber reden … aber dann unterliegen wir programmatisch wohl auch wieder dem in der Kolumne vorgeworfenen „marktorientieren Denken“.

Kulturmanagement Blog: Viele lehnen so eine Idee unter Umständen ab, weil sie Angst haben, das Theater könnte vollends ins Digitale abgedrängt werden und aufhören, als physischer Ort zu existieren. Siehst Du diese Gefahr auch?

Lena Fuchs: Ich finde nichts langweiliger als abgefilmte Theaterstücke. Und für mich ist Theater ohne das reale Zusammenkommen und gemeinsam in Echtzeit „im-Dunklen-ins-Helle-Schauen“, ohne Hustenzuckerl-Rascheln und den wunderbaren Geruch von Bühnennebel, der sich langsam im Zuschauerraum ausbreitet, nicht denkbar. Und noch bin ich nicht allein – bis also Virtual Reality solche Erlebnisse hervorbringt, sehe ich keinen Grund zur Sorge.

Kulturmanagement Blog: Neben der Chance, sich im digitalen Raum inhaltlich mit wichtigen Themen zu beschäftigen, ist das Internet natürlich auch für das Marketing wichtig geworden. Was für Möglichkeiten siehst Du dort für Theater?

Lena Fuchs: Neben klassischer Online-Werbung, die ja letztlich Print sehr ähnlich sieht, spielen natürlich die Medien mit Rückkanal eine große Rolle, Diskussionsforen und Gästebücher, aber natürlich insbesondere die sozialen Netzwerke.

Kulturmanagement Blog: In den letzten Jahren war es vor allem wichtig, in den sozialen Netzwerken präsent zu sein, die Marke zu stärken und auf sich aufmerksam zu machen. Auch das Volkstheater ist schon lange im Social Web aktiv. Welche Veränderungen nimmst Du dort wahr? Wird Facebook weiter das wichtigste Netzwerk bleiben und weiter an Bedeutung gewinnen oder hat es seine besten Tage bereits hinter sich?

Lena Fuchs: Derzeit hat Facebook, das am längsten bespielt wird, die meisten Nutzer/innen und auch bezogen auf das Involvement die größte Reichweite, bei kontinuierlichem Wachstum. Die nach wie vor steigenden Fan-Zahlen beobachte ich übrigens auch bei den Facebook-Auftritten der anderen Theaterhäuser in Wien. Die vielen Funktionalitäten von Facebook sind aus meiner Perspektive als Absender außerdem unschlagbar, das Publikum interagiert recht engagiert. Von daher ist es sicher das wichtigste Netzwerk, wobei im Falle des Volkstheaters Twitter und besonders Instagram als zuletzt hinzugekommener Kanal verhältnismäßig schneller zulegen.

Kulturmanagement Blog: Digitales Marketing bedeutet auch, sich mit anderen Themen zu beschäftigen. Inbound Marketing, Content Strategien oder auch Suchmaschinenoptimierung: Müssen sich Theater mit solchen Dingen heute beschäftigen?

Lena Fuchs: Die Kommunikations- und Marketingverantwortlichen unbedingt, ja! Diese Tools bieten ja auch die Möglichkeit, vergleichbare Reichweiten bei geringerem finanziellen Kostenaufwand zu erzielen. Für viele Häuser heißt das, dass sie überhaupt erst im öffentlichen Raum (wenn auch digital/virtuell) präsent sind, weil sie sich aufwändige Werbemaßnahmen sonst nicht leisten könnten.

Kulturmanagement Blog: Verändern sich durch die zunehmende Digitalisierung auch die Strukturen und Prozesse in einem Theater?

Lena Fuchs: Teilweise, aber man muss wissen: Im Volkstheater etwa arbeiten ca. 250 Personen in den unterschiedlichsten Jobs: Vom Maskenbildner/in über die Buchhaltung bis zur Direktion, vom Schlosser über den Regieassistenten bis zum Schauspieler. Da kommt man um Aushänge am Schwarzen Brett wie vor 125 Jahren nicht vorbei – und für ein digitales System für alle fehlen die Ressourcen. Was die Verwaltung angeht, stecken wir mittlerweile mitten im E-Mail-Zeitalter – auch nicht gerade fortschrittlich. Tatsächlich prüfen wir derzeit die Möglichkeiten, die uns ein Intranet bieten könnte, das steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Kulturmanagement Blog: Und noch eine letzte persönliche Frage: welche Netzwerke oder Messenger bevorzugst Du selbst?

Lena Fuchs: Je mehr ich beruflich digital unterwegs bin, desto mehr schätze ich privat das persönliche Treffen – oder ein langes Telefonat. Wenn nichts anderes geht: Facebook: nicht sehr originell!

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten!

PS: Informationen zum stARTcamp gibt es hier und hier, Tickets können Sie direkt im Onlineshop kaufen.

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#scvie: In zwei Wochen ist es soweit

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Foto von Finn Hackshaw auf Unsplash

Noch zwei Wochen sind es bis zum stARTcamp hier in Wien und nachdem ich nun schon ein paar Mal gefragt wurde, was da denn genau passiert, möchte ich gerne noch mal erklären, worum es in diesem Jahr gehen und wie das @scvie ablaufen wird.

Die wohl drängendste Frage ist die nach dem Thema. Anne Aschenbrenner, Barbara Royc, Michael Wuerges und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir dem stARTcamp das Motto „(z)wischen Inhalten und Technologien“ voranstellen. Auf der einen Seite haben wir die Inhalte, den „Content“ und die Frage, wie wir damit das Interesse unserer Zielgruppen wecken können. Eine Methode, um bestimmte Inhalte zu transportieren, ist das Storytelling (siehe dazu mein Blogpost: „Storytelling: Es geht um das Wie, nicht um das Was„). Mit diesem Themenbereich beschäftigt sich das stARTcamp Bern, das ebenfalls am 21. November stattfinden wird.

Auf der anderen Seite haben wir die Entwicklungen im digitalen Bereich. die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Immer neue technologische Möglichkeiten tun sich auf, unseren Content zu verbreiten und sichtbar zu machen. Die Technologie ist ein unerbittlicher Treiber, wer von uns hatte zum Beispiel vor ein paar Monaten Chatbots auf dem Radar? Heute gibt es dazu bereits einen eigenen Wikipediaeintrag und in Bälde werden bei uns vermutlich die ersten Kultureinrichtungen damit zu experimentieren beginnen. Um diese Technologien geht es – auch am 21. November – beim stARTcamp in Essen.

Kultureinrichtungen können nicht einfach so damit beginnen, Inhalte mit Hilfe neuer Technologien zu kommunizieren, wenn sie auch wirklich davon profitieren wollen. Sie müssen sich verändern, weiterentwickeln und einen Veränderungsprozess einleiten, der zur Zeit mit dem Schlagwort „digitale Transformation“ etikettiert wird. In meinem letzten Blogbeitrag über den „digitalen Kulturbetrieb“ habe ich versucht zu zeigen, dass es dabei etliche Stellschrauben gibt, an denen wir drehen müssen. Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle haben in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, gestalten, verändern“ (Affiliate-Link) ein Modell entwickelt, das die folgende Grafik abbildet:

7S Modell

Diese Grafik zeigt den Bereich, der „zwischen“ den Inhalten und den (neuen) Technologien liegt, mit dem wir uns beim stARTcamp Wien beschäftigen werden, das am 21. November im Volkstheater Wien stattfinden wird. Da wir leider nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben, beschränken wir uns auf die obere Hälfte der Grafik, nämlich die Bereiche System/Prozesse, Struktur und Strategie.

Im Unterschied zu den klassischen Barcamps werden wir dieses Mal nicht mit den sonst üblichen Sessions beginnen, sondern ein anderes Format versuchen: das World-Café. Nachdem beim letzten stARTcamp im MAK der Wunsch aufkam, sich etwas länger mit einem Thema zu beschäftigen, probieren wir dieses für uns neue Format einmal aus. Für mich besteht der Vorteil darin, dass wir hier alle miteinander – ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen – ins Gespräch kommen und gemeinsam überlegen können, wie diese Veränderungsprozesse idealerweise aussehen. Wir haben dafür drei Fragerunden a 30 Minuten zur Verfügung und das in einer Location, die dafür besser nicht sein könnte, die Rote Bar im Volkstheater. Am Ende fassen wir die Ergebnisse aller Tische zusammen, diskutieren sie und überlegen, welche Konsequenzen sie für unsere Arbeit haben.

Dafür steht dann am Nachmittag noch das Session-Format zur Verfügung, das wir alle von Bar-und stARTcamps her kennen. Hier haben wir die Möglichkeit, Inhalte zu vertiefen, Fragen zu beantworten oder einfach weiter zu diskutieren.

Und da wir als stARTconference glauben, dass wir es hier mit einem für den Kulturbereich wichtigen Thema zu tun haben, gibt es seit heute auch eine Blogparade dazu. Unter der Überschrift „Kultur an der real-digitalen Schnittstelle“ laden wir alle Interessierten dazu ein, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und dazu eigene Blogbeiträge zu verfassen. Die besten Blogbeiträge  und die Ergebnisse der stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen, das wir kostenlos zur Verfügung stellen. Wie das genau aussehen wird, können wir im Moment noch nicht sagen, weil das natürlich ein Stück weit davon abhängt, zu welchen Ergebnissen wir bei den stARTcamps kommen und welche Beiträge im Rahmen der Blogparade veröffentlicht werden.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und beim stARTcamp dabei sein möchte: hier gibt es die Tickets, die wie im letzten Jahr wieder 30 Euro kosten. Außerdem informieren drei Blogbeiträge über das stARTcamp, das auch dieses Jahr wieder den Hashtag #scvie haben wird:

Der digitale Kulturbetrieb
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Der digitale Kulturbetrieb

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Foto von William Iven auf Unsplash

Kultureinrichtungen können es sich heute nicht mehr leisten, auf die Kommunikation im digitalen Raum zu verzichten. Auf Facebook vertreten zu sein, ist mittlerweile Pflicht, ein eigenes Blog eigentlich selbstverständlich. Trotz meist großer Anstrengungen bleiben die Ergebnisse aber häufig hinter den Erwartungen zurück, oft ohne die genauen Ursachen dafür zu kennen. Für mich liegt es vor allem an der fehlenden Bereitschaft, sich über das Marketing hinaus mit dem Thema digitale Transformation zu beschäftigen und die dafür notwendigen Veränderungsprozesse einzuleiten. Auf dem von der Aventis Foundation organisierten Symposium „experimente#digital – Kulturschaffen im analog-digitalen Raum“ (alle Vorträge wurden via Periscope gestreamt, die Aufzeichungen sind auf der Website zu finden) ging ich Anfang Oktober der Frage nach, vor welchen Veränderungen Kultureinrichtungen auf der Managementebene stehen und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind. Da mir dieses Thema sehr wichtig ist, möchte ich nicht einfach nur die Folien auf Slideshare online stellen, sondern ihm einen eigenen Blogbeitrag widmen.

Veränderung kennt kein Ende

„Digital ist die neue Normalität“ behauptet die im letzten Jahr von den Beratungsunternehmen Deloitte Digital und Heads! veröffentlichte Studie „Überlebensstrategie Digital Leadership“ und macht klar, dass nur die Unternehmen erfolgreich sein werden, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen. Dabei gilt es, erst einmal den aktuellen Status Quo zu bestimmen und die Frage zu beantworten, welche Veränderungen dem Unternehmen bevorstehen. Auf der Basis der beiden Faktoren „Einflussstärke“ (des Wandels) und „Zeitverlauf“ ist für 17 Branchen-Cluster eine sehr schöne „Disruption Map“ (siehe Seite 5 der Studie) entstanden, die zeigt, wie groß die Veränderungen in den einzelnen Branchen sein werden und wann sie zu erwarten sind. Leider taucht der Kunst- und Kulturbereich in dieser Darstellung nicht auf, aber in Anlehnung an andere Bereiche lässt sich vermuten, dass die Digitalisierung nicht irgendwann, sondern in den nächsten zwei bis drei Jahren auf die Kulturbetriebe zukommt.

Welche Herausforderungen das zum Beispiel für den Museumsbereich sind, zeigt die „2016 Museum Edition“ des Horizon Reports [1]. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht, was den Museen „bevorsteht“:

Horizon Report (2016 Museum Edition)

NMC Horizon Report: 2016 Museum Edition (CC BY 4.0)

Sie sehen, es geht nicht nur um die Frage, wie sich beispielsweise „Virtual Reality“ sinnvoll nutzen lässt, sondern es bedarf darüber hinaus auch neuer Strukturen und Prozesse, um das Potenzial der technologischen Entwicklungen auch ausschöpfen zu können. Das geschieht aber nicht, wenn – um beim Beispiel zu bleiben – „Virtual Reality“ als Thema in die Vermittlungs- oder Marketingabteilung delegiert wird, weil sich auf der obersten Führungsebene niemand damit beschäftigen möchte. Die eingangs erwähnte Studie „Digital Leadership“ macht deutlich, dass dieses Thema „ganz oben“ verankert sein muss und dort die folgenden vier Fragen beantwortet werden sollten:

  • „Wo stehen meine Branche und mein Unternehmen aktuell?
  • „Vor welche Herausforderungen wird die Digitalisierung mein Unternehmen stellen?“
  • „Ist meine Organisation in der Lage, die digitale Transformation erfolgreich umzusetzen?“
  • „Wie können wir konstanten Wandel und Innovation im Unternehmen sicherstellen?“ (Digital Leadership, S.6)

Natürlich ist in dieser Studie von Unternehmen die Rede, gemeint sind Firmen, die den wirtschaftlichen Erfolg suchen. Aber wir als Kunden oder Besucher kultureller Angebote werden zukünftig wohl kaum trennen zwischen marktwirtschaftlich agierenden Unternehmen und zum Beispiel einem Theater, wenn es darum geht ein Ticket zu kaufen.

Deshalb gilt für alle, was Mathias Hiebeler, Managing Partner bei Heads! gesagt hat:

„Die Transformation des Unternehmens in die digitale Zukunft ist nicht eine Frage der Technologie. Sie ist eine Frage der Unternehmensführung, getrieben durch den CEO und sein Top-Managementteam.“

Schließlich stehen Kultureinrichtungen ja nicht nur vor der Frage, ob sie neben Facebook nun auch auf WhatsApp oder Snapchat aktiv werden , sondern es geht um die Frage, wie sich der gesamte Alltag bewältigen lässt. Vielleicht kommen Ihnen die Probleme, die Aaron Dignan in seinem Blogpost „The OS Canvas“ anspricht, ja bekannt vor?

„We need to go faster. Be more innovative. Make better decisions. Break down silos. Work horizontally. Simplify our structure. Focus on the customer. Scale without losing what makes us great. Be more agile. Change our business model. Share information. Attract different talent. Retain the great talent we have.“

Eine andere Unternehmskultur muss her, nur, was ist denn diese Unternehmenskultur überhaupt und wie kann ich sie so verändern, dass mein Unternehmen oder meine Kultureinrichtung fit für die (digitale) Zukunft sind? Kann ich sie überhaupt verändern? Nils Pflaeging glaubt nicht daran und hat das in einem Tweet sehr schön zum Ausdruck gebracht:

OS Canvas: Wie Sie die Unternehmenskultur verändern können

Für Aaron Dignan besteht das Problem darin, dass wir Unternehmen mit Maschinen vergleichen, statt sie als komplexe menschliche Systeme zu verstehen. Es macht für ihn keinen Sinn, einfach ein einzelnes Teil auszutauschen oder eine neue Technologie einzuführen. Das Problem ist für Dignan das, was er als Betriebssystem eines Unternehmens bezeichnet. Technologisch betrachtet ist das Betriebssystem der Mittler zwischen Hard- und Software. Und bei Unternehmen?

„Like our technology, organizations run on code. But this code isn’t made of ones and zeroes. It’s made of principles and beliefs, practices and rules. This DNA is so pervasive, unquestioned, and deeply held that we don’t even notice it“,

gibt sich Dignan überzeugt. Woraus besteht nun aber diese DNA eines Unternehmens? Dignan hat in Anlehnung an das Business Model Canvas ein OS Canvas entwickelt, das so aussieht:

OS Canvas

In seinem Beitrag beschreibt er sehr ausführlich die verschiedenen Felder/Bereiche und erwähnt dabei immer wieder Unternehmen, die sich seiner Ansicht in bestimmten Bereichen vorbildlich verhalten. Am Ende erahnt man dann, wie eine Unternehmenskultur aussehen könnte, die den heutigen Anforderungen gerecht zu werden verspricht. Aber eine entscheidende Frage bleibt unbeantwortet, nämlich wie man diese Stufe erreicht? Lässt sich in jedem Unternehmen oder auch jeder Kultureinrichtung beispielsweise ein holokratisches Führungsmodell umsetzen? Gibt es nicht unzählige Unternehmen und Kulturbetriebe, die sich voller guter Absichten mit Strukturen, Prozessen und Strategien beschäftigt haben und daran gescheitert sind, ihre Unternehmung für die Zukunft zu rüsten?

Graves-Value-System: Warum so viele Veränderungsprojekte scheitern

Wer hat Schuld daran? Liegt es am Versagen der Führungskräfte? Oder wollen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Komfortzone nicht verlassen, wie es immer so schön heißt? Auf der Suche nach Antworten bin ich schon vor einiger Zeit auf Clare W. Graves gestoßen, einen 1986 gestorben Professor für Psychologie, der sich viele Jahre mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt hat. Seine Untersuchungen waren der Ausgangspunkt für Spiral Dynamics [2], ein von Don Edward Beck und Christopher C. Cowan entwickeltes Modell, das – mittlerweile – neun Wertebenen aus entwicklungspsychologischer Sicht betrachtet. Mit jeder dieser Ebenen, die durch Farben benannt werden, verbinden wir bestimmte Werte, Verhaltensweisen und -muster sowie Kulturen.

Spiral Dynamics

Es würde zu weit führen, die verschiedenen Ebenen hier jetzt zu beschreiben, ich darf aber auf den Wikipedia-Eintrag verweisen, der in Kurzform die einzelnen Stufen erklärt, beginnend mit dem Menschen, der ums nackte Überleben kämpft (Stufe Beige) bis hin zu denen, die die Welt als Ganzes sehen und uneigennützig zum Wohle aller beitragen wollen (Stufe Türkis, die oberste Stufe, die aktuell existiert). Sehr spannend ist in meinen Augen das Wechselspiel zwischen einem Verhalten, bei dem das eigene ich im Vordergrund steht und einem, bei dem das Wir-Gefühl vorherrscht. In der Entwicklung „nach oben“ darf der Theorie zufolge keine Stufe übersprungen werden, Sprünge „zurück“ bzw. nach unten sind aber sehr wohl möglich, auch über mehrere Stufen hinweg.

Es liegt auf der Hand zu versuchen, dieses Modell auf die Ebene der Unternehmungen zu übertragen. Den für mich interessantesten Ansatz haben für mich Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle mit dem Graves-Value-System entwickelt. In ihrem Buch „Unternehmen verstehen, gestalten, verändern [3] (Affiliate-Link) erklären sie, warum es für Unternehmen so schwierig ist, erfolgreich Veränderungen über die Bühne zu bringen. Natürlich müssen sich Unternehmen permanent ändern, schreiben sie in ihrem Buch, aber diese Veränderungen zielten nicht auf das ganze Unternehmen ab, sondern blieben oft Stückwerk. Ein paar PS mehr unter der Motorhaube machen aus einem alten Auto noch keinen Rennwagen.  So ähnlich haben wir uns das auch im Unternehmensbereich vorzustellen. Ein Instagramaccount macht mich noch nicht zum Vorreiter in Sachen digitaler Transformation. Erstens muss ich das Unternehmen in allen Bereichen fit machen und zweitens muss ich die verschiedenen Ebenen durchlaufen, denn auch hier gilt: Sprünge sind nur nach unten möglich. Nach oben geht es nur Schritt für Schritt. Schauen wir uns die beiden Punkte etwas genauer an. Das von Bär-Sieber, Krumm und Wiehle verwendete Modell ähnelt dem von Aaron Dignam, wie Sie hier erkennen können:

 

7S Modell

Die drei AutorInnen verbinden nun die sieben Bereiche dieses Modells mit den verschiedenen (Farb)-Ebenen und zeigen, welche Veränderungen dort jeweils stattfinden. Wie die Entwicklungen aussehen, möchte ich am Beispiel der Struktur von Unternehmen zeigen:

Graves-Value-System: Beispiel Struktur

Die Ebene Purpur kennt, so die AutorInnen nur eine zweistufige Hierarchie, an deren Spitze sich eine Führungspersönlichkeit befindet, bei der wir oft von einem Patriarchen sprechen können. Unter diesem gibt es zwar durchaus eine Rangfolge, aber in der Hierarchie drückt sich das nicht aus. Oft ist es die Gunst des Chefs, die einen in der Rangfolge nach oben klettern lässt. Entzieht er einem die Gunst wieder, fällt man in der Rangfolge wieder nach unten. Es erscheint verständlich, dass ein ausgeklügeltes hierarchisches System hier fehl am Platz wäre. Als Beispiel für diese Ebene werden gerne Familienunternehmen genannt.

Rot setzt auf Leistung und erlaubt es einem auf diese Weise, in der Hierarchie nach oben zu klettern. Es ist also eher der Erfolg und weniger eine bestimmte Funktion beziehungsweise Qualifikation, die einen nach oben bringt. Oft sind es parallele Strukturen, zwischen den einzelnen „Strängen“ findet eine Art Wettkampf statt, der einzelneMitarbeiter, die einzelne Mitarbeiterin sind aber im Grunde genommen austauschbar und haben ihre Daseinsberechtigung nur, so lange sie Leistung bringen. In ihrem Buch führen Bär, Krumm, Wiehle den Bereich Investmentbanking an, in dem die sehr schnell nach oben gekommen sind, die entsprechend viel „verkauft“ haben und damit erfolgreich waren.

Streng hierarchische Strukturen und eine funktionale Gliederung kennzeichnen die Ebene Blau und sorgen für „Ordnung“ und ein klares „Oben und Unten“ in dieser Unternehmung. Kommen auf der funktionalen Ebene neue Aufgaben hinzu, entsteht oft ein Kampf um die Zuständigkeit. Je mehr Zuständigkeiten, desto „wichtiger“ ist etwa ein Geschäftsbereich. Ämter, Behörden, Ministerien, aber auch große Konzerne oder auch Banken und Versicherungen dienen als Beispiele für diese Ebene.

In der Ebene Orange dominieren nicht mehr die Funktionen, sondern eher Prozesse, die dazu beitragen sollen, ein bestimmtes Ziel möglichst gut und rasch zu erreichen. Statt einer schwerfälligen und viele Ebenen umfassenden Hierarchie werden schnelle, flache Strukturen bevorzugt. Dieser Ansatz ist in meinen Augen etwa hilfreich bei der Entwicklung einer App. Während in blauen Strukturen oft die Zuständigkeiten nicht klar sind und die notwendigen Prozessabläufe nicht existieren, bildet die orange Ebene diesen Prozess ab und strukturiert die Zusammenarbeit unter der Prämisse, am Ende eine funktionierende App zur Verfügung zu haben. Ob dafür die Struktur des Unternehmens auf Dauer geändert wird oder ein temporäres Projektteam gebildet wird, hängt unter anderem davon ab, ob es hier um die Kernkompetenz des Unternehmens geht oder ein singuläres Vorhaben. Die AutorInnen sehen vor allem Unternehmen aus der Fertigungsindustrie und dem Dienstleistungsbereich auf dieser Stufe.

Unternehmen, die sich auf der Ebene Grün befinden, verfügen oft über Matrix-Strukturen und setzen auf „multifunktionale, in ihren Fähigkeiten komplementäre Arbeitsteams“. Statt starrer Strukturen gibt es Kompetenz-Pools, aus denen die jeweils passenden Teams gebildet werden. Bei der Zusammenstellung der Teams setzt man bewusst auf Heterogenität, das heißt, die Aussage, „man müsse zueinander passen“ gewinnt eine ganz andere Bedeutung. Solche Unternehmen gibt es nur selten, oft kommen sie aus dem IT- oder Dienstleistungsbereich und arbeiten mit agilen Ansätzen.

Das gelbe Unternehmen gibt es so gar nicht, geben sich Bär, Krumm, Wiehle überzeugt, denn auf der Ebene Gelb finden sich nur noch Netzwerke, die ganz gezielt im Sinne eines virtuellen Unternehmens zusammengestellt werden. Oft sind es Einzelpersonen/Einzelunternehmen, die sich hier mit Universitäten, Think Tanks, aber natürlich auch „klassischen“ Unternehmen temporär zusammenschließen und versuchen, über ein Produkt/Dienstleistungsangebot hinaus auch neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln.

Die beiden obersten Ebenen (Türkis, Koralle) existieren nur als Gedankengebilde, die dafür notwendigen Strukturen sind erst zu entwickeln, daher stoppe ich an dieser Stelle mit der Beschreibung der Ebenen am Beispiel der Unternehmensstruktur.

Nach diesem Muster lassen sich nun auch die restlichen sechs Bereiche durchspielen, hier nur als Grafik und ohne weitere Ausführungen der Bereich „Fähigkeiten“, der zeigt, wie die MitarbeiterInnen „lernen“ und sich Wissen aneignen.

Graves-Value-System: Fähigkeiten

Was bringt uns nun dieses Wissen? Mir hat es in den letzten Jahren dabei geholfen, Kultureinrichtungen davor zu bewahren oder auch nur zu warnen, zu hohe Erwartungen mit beispielsweise dem Einsatz von Social Media zu verbinden. Und das Graves-Value-System liefert mir Anregungen, auf welche Weise sich digitale Tools in Kulturbetrieben so einsetzen lassen, dass am Ende mehr dabei herauskommt als ein neuer Account auf irgendeiner Plattform inklusive ein paar hundert oder tausend Fans. Außerdem bringt mich dieses Modell meinem Ziel näher, Kultureinrichtungen, egal ob groß oder klein, dabei zu unterstützen, sich in Richtung der grünen oder gelben Ebene zu bewegen.

Ein paar Anmerkungen sind mir dabei sehr wichtig. Ich habe das Graves-Value-System bis jetzt nur auf Konferenzen vorgestellt, es jedoch nie in einer konkreten Beratungssituation verwendet beziehungsweise angesprochen. Der Grund: Wir würden vermutlich stundenlang darüber diskutieren, auf welcher Ebene sich die Kultureinrichtung befindet. So eine Zuordnung ist gar nicht so leicht und oft sind verschiedene Geschäftsbereiche auf unterschiedlichen Ebenen. Das muss kein Nachteil sein, denken Sie nur an das Qualitätsmanagement. Dafür ist die blaue Ebene ideal, denn vor allem hier gibt es ganz klare Regeln, die dafür sorgen, dass etwas nachprüfbar ist. Geht es darum, fremde Märkte zu erobern oder sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen, ist oftmals die rote Ebene im Spiel. So verständlich es ist, dass es alle auf die oberen Ebenen zieht. Wenn alle glauben, bereits dort zu sein, ist nicht viel gewonnen.

Evolution

Torley: Evolution (CC BY-SA 2.0) auf Flickr: http://bit.ly/2dUvgAl

Was haben Sie von den in diesem Beitrag beschriebenen Ansätzen und Modellen? Als Kultureinrichtung geht es Ihnen vermutlich auch darum, neue technologische Entwicklungen in Ihre Unternehmung zu integrieren und das auf eine nachhaltige Weise. Oft kommt an dieser Stelle die Unternehmenskultur ins Spiel, ein oft nebulös gebrauchter Begriff. Die in diesem Beitrag vorgestellten Instrumente sollen Sie dabei unterstützen, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um ihre Kultureinrichtung weiterzuentwickeln.

Und der Vollständigkeit halber ist hier noch der Link zu den Folien auf Slideshare.

 

    1. [1] Freeman, A., Adams Becker, S., Cummins, M., McKelroy, E., Giesinger, C., Yuhnke, B. (2016). NMC Horizon Report: 2016 Museum Edition. Austin, Texas: The New Media Consortium. …
    2. [2] Don Edward Beck & Christopher C. Cowan (2013). Spiral Dynamics: Leadership, Werte und Wandel (Affiliate Link)
    3. [3] Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm, Hartmut Wiehle (2014). Unternehmen verstehen, gestalten, verändern
stARTcamp Wien
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stARTcamp Wien: Zwischen Inhalten und Technologien (#neustART)

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Von einem #neustART zu sprechen, bedeutet, Gefahr zu laufen, in der Marketingecke mit den dummen Werbesprüchen zu enden. Ich möchte dem gerne entgegenwirken und erklären, warum dieser Hashtag ganz gut passt. Aber vorweg mal die wichtigsten Fakten: Am 21. November 2016 findet von 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00) das vierte stARTcamp Wien statt, zu Gast sind wir dieses Jahr im Volkstheater. Die Tickets gibt es hier, sie kosten wie im letzten Jahr 30 Euro. So und was ist nun neu?

  1. Wenn am Ende November 2016 das #scvie über die Bühne geht, ist damit nicht nur die sprichwörtliche Bühne gemeint. Ich freue mich, dass uns dieses Jahr zum ersten Mal ein Theater eingeladen hat. Und dass wir unter anderem einen der schönsten Bühnenräume, die ich kenne, benutzen dürfen, die Rote Bar.Rote Bar Volkstheater Wien
  2. Neu wird auch das Format sein. Im letzten Jahr meinten viele, dass es schade sei, wenn man für ein Thema nur 45 Minuten habe und dann schon wieder auseinandergehe. Zu diesem Punkt gab es auch eine eigene Session, in der wir überlegten, welche Möglichkeiten für uns in Frage kommen, um sich länger mit einem Thema zu beschäftigen. So ist die Idee entstanden, es dieses Jahr mit einem World-Café zu versuchen. Das bedeutet, wir beschäftigen uns drei Fragerunden lang alle zusammen mit einem Thema (dazu später mehr), fassen die Ergebnisse – nach dem Mittagessen – zusammen und hängen dann noch zwei Runden klassisches Barcamp hinten dran, um gleich konkrete Vorhaben anstoßen und besprechen zu können oder auch einfach nur weiter zu diskutieren.
  3. „Wir“, das sind in diesem Jahr Anne Aschenbrenner (vielen von ihren Aktivitäten bei den Kulturfritzen bekannt), Barbara Royc, Michael Wuerges und ich.
  4. Zum ersten Mal wagen wir es, drei stARTcamps gleichzeitig stattfinden zu lassen. Bis jetzt hatten wir immer das Problem, die unterschiedlichen Termine zu koordinieren. Nun legen wir die stARTcamps in Bern, Essen und Wien auf ein und den gleichen Tag. Sie haben also die Qual der Wahl, die Vorzüge von Wien muss ich jetzt hier nicht hervorheben, oder?😉
    Für uns und unsere Aktivitäten rund um die stARTconference ist das auch Neustart. Nachdem es in der letzten Zeit sehr ruhig um den Verein gewesen ist, werden wir über diese Schiene in der nächsten Zeit wieder aktiver werden. Der erste Schritt werden die stARTcamps sein. Außerdem planen wir, das ist dann Schritt 2, die Ergebnisse der drei stARTcamps zu dokumentieren und sie als eBook zu veröffentlichen.
  5. Der Grund, wieder aktiv zu werden, hat mit den Entwicklungen im digitalen Bereich zu tun. Wir, und da spreche ich jetzt für das Team rund um die stARTconference, sind der Meinung, dass wir gerade wieder so etwas wie einen Quantensprung erleben. Vergleichbar mit der Zeit, als das Thema Social Media aufkam und wir die stARTconference organisierten. Was damals mit dem Begriff „Web 2.0“ begann und die sozialen Netzwerke entstehen ließ, hat sich zu einem der wichtigsten Treiber für die Veränderungen in vielen Bereichen unserer Gesellschaft entwickelt. Während wir damals über Facebook und Twitter und deren Auswirkungen auf das Marketing diskutierten, geht es heute im Bereich der Unternehmungen um neue Strukturen, Prozesse und Strategien.
  6. Womit wir bei den Themen wären: „Zwischen Inhalten und Technologien“ lautet unser Motto. Dahinter verbirgt sich die Frage, wie wir die neuen Technologien nutzen können, um unsere Inhalte zu kommunizieren. Dafür braucht es die schon erwähnten Strukturen, Prozesse und Strategien und genau um die wird es in unserem World-Café gehen. Dahinter stecken Themen wie „digital Governance“ oder „Customer Journey“. Unsere Aufgabe wird es sein, mit Hilfe dreier Fragen diesen Rahmen abzustecken und eine für uns alle interessante und ergiebige Diskussion in Gang zu bringen. Unser Ziel ist es, auf diese Weise Antworten auf Fragen zu bekommen, die Kultureinrichtungen dabei unterstützen, die Entwicklungen, die wir gerade erleben auch nutzen zu können.
    Die drei stARTcamps werden übrigens unterschiedliche Themen haben. Während es in Bern um die Inhalte und dabei besonders um das Thema Storytelling gehen wird, beschäftigt sich das stARTcamp in Essen mit den Technologien, im Mittelpunkt steht dabei das mobile Ökosystem. Wir in Wien versuchen die Brücke zu schlagen zwischen diesen beiden Bereichen. Die Ergebnisse der drei stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen

Volkstheater Wien

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann freuen wir uns, wenn Sie am 21. November dabei sind. Hier noch einmal kurz die Fakten zum stARTcamp Wien

Termin: Montag, 21. November 2016
Uhrzeit: 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00)
Ort: Volkstheater Wien (direkt an U3/U2)
Ticketpreis: 30 Euro (hier geht es zum Ticketshop)
Twitter: @scvie
Hashtags: #scvie, #neustART

Fotocredits: © Volkstheater

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„Kulturtourismus neu denken“: Der Blick in die Zukunft

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Am 13. April 2016 fand im Münchner Literaturhaus eine von der Kulturgipfel GmbH und der Bayern Tourismus Marketing GmbH organisierte Konferenz statt, die sich mit der Zukunft des Kulturtourismus beschäftigte. Ich habe mich gefreut, dort das Thema „digitale Erlebnisräume“ vorstellen zu dürfen, um aufzuzeigen, welches Potenzial die Verbindung analoger und digitaler Räume aufweist. Dank einer Reihe hochklassiker Vorträge habe ich aber auch viele neue Anregungen und Ideen mit nach Hause nehmen können. Umso mehr freut es mich, dass vor wenigen Tagen die Dokumentation der Konferenzvorträge online gestellt worden ist, um nicht nur mir, sondern auch all denen, die nicht dabei waren, die Möglichkeit zu geben, die einzelnen Vorträge (nach-)zulesen.

Von „Sightseeing-Punktesammlern im Selfiemodus“ und „Destinationseintauchern im Mitschwimmmodus“

Drei Vorträge möchte ich dabei herausgreifen, weil sie nicht nur dabei helfen, den Kulturtourismus neu zu denken, sondern auch interessante Gedanken für den Kunst- und Kulturbereich enthalten. Dr. Martin Spantig, der den Tag mit seinem Vortrag begann, stellte die These auf, dass es zukünftig zwei Hauptgruppen geben werde, die kulturtouristische Angebote nachfragen. Da sind einerseits die, wie er es so schön nannte, „Sightseeing-Punktesammler im Selfie-Modus“, für die die Kunst in den Hintergrund tritt, denen es darum geht „Punkte zu sammeln“. Profitieren werden davon die kulturellen Highlights, bekannte Häuser, bekannte Namen, alle anderen sind für diese Zielgruppe weniger interessant. Für Spantig bedeutet das:

„Der Tourismus nutzt also bei dieser Zielgruppe die kulturellen Oberflächen zur Gästegewinnung.“

Auf der anderen Seite finden wir die „Destinationseintaucher im Mitschwimmmodus“, deren Zahl auch weiter steigen werde. Spantig versteht darunter Reisende, die nach dem Motto „feel like a local“ unterwegs sind und „Teilzeitbürger der jeweiligen Destination“ werden wollen.

Beide Gruppen sind für den Kunst- und Kulturbereich interessant, die erste Gruppe wohl eher für die Tanker in der kulturellen Landschaft, die zweite für die eher kleineren Schiffe. Dass Spantig mit seiner Sichtweise durchaus richtig liegt, zeigt die Entwicklung, die bei Airbnb zu beobachten ist. Mit der App „Airbnb Trips“ wird es für Reisende bald möglich sein, vorab die komplette Reise zu organisieren. Wenn es um den Kauf eines Produktes geht, sprechen wir von der Customer Journey, was hier auch durchaus passt, wenn wir den Urlaub als das Produkt betrachten. Der Besuch eines Museums oder Theaters ist dann einer der vielen Touchpoints auf dieser Reise. Gerade in ländlichen Regionen gibt es jede Menge solcher Touchpoints bzw. kultureller Attraktionen. Die Herausforderung besteht für Spantig in der Vernetzung, um gemeinsam Angebote zu entwickeln, die auf das Interesse der Reisenden stoßen.

So ähnlich könnten Kultureinrichtungen, denke ich, auch das Thema App angehen. Nicht nur aus finanziellen Gründen macht es für mich Sinn, dass sich Kultureinrichtungen Partner dafür suchen. Das können auf der einen Seite Anbieter mit gleichen oder ähnlichen Angeboten sein, zum Beispiel alle Museen einer Region. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich an der Customer Journey zu orientieren und Partner aus ganz anderen Bereichen und Branchen zu finden, also etwa der Bereich Gastronomie, schließlich besuchen viele Menschen rund um ein kulturelles Event Lokale.

Kulturelle Angebote als „buchungsauslösende Faktoren?

Wie finde ich aber heraus, was die Menschen rund um mein Angebot machen? Kommen sie vom Shoppen oder besuchen sie anschließend ein Lokal? Kultureinrichtungen können sich auf Vermutungen verlassen, sie können ihre Besucher befragen, sie können aber auch auf Daten setzen. Das heißt, ich möchte möglichst viel über meine BesucherInnen erfahren, um dann die entsprechenden Angebote schnüren zu können. Ganz konsequent geht man in dieser Hinsicht bei TUI Cruises vor. Dr. Thomas Schmidt-Ott, der früher als Manager klassischer Orchester sein Geld verdiente und heute beim Anbieter von Kreuzfahrten TUI Cruises dem Bereich Arts & Entertainment vorsteht, zeigte, wie Unternehmen dank der digitalen Revolution an die für sie so wichtigen Kundendaten kommen.

Für viele, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiten, mag die Frage, ob kulturelle Angebote heute noch „buchungsauslösende Faktoren“ sein, eine Provokation sein, vor allem, wenn Schmidt-Ott noch ein Schäufelchen nachlegt und die Vermutung äußert, dass es wohl eher ein Motivationsmix aus „Service, Kulinarik, Design, Medical Wellness und Authentizität“ sei. Aber zumindest auf den Kreuzfahrtschiffen scheint das so zu sein, obwohl dort das kulturelle Angebot gar nicht so klein ist. Auf „Mein Schiff 5“ kann ich als Gast (oder sagt man noch Passagier?) 365 Tage im Jahr Dieter Hallervorden, Ute Lemper oder Jan Vogler bewundern, allerdings nur als Hologramme. Wie kommt der Konzern zu diesem Programm?

„Bei TUI Cruises wird das Schiff um die Wünsche der Gäste herum gebaut, und diese Wünsche tracken wir pausenlos und überall“,

so Schmidt-Ott, der daran anschließend auf eine Studie verweist, laut der es dem Massenpublikum an Bord so eines Schiffes nicht um eine aufwendige und höherwertige Kulturrezeption, sondern um eine entspannte Atmosphäre gehe. Die Frage ist, ob sich diese Präferenzen auch auf den Alltag all dieser Menschen übertragen lassen? An Bord des Schiffes wird jeder Schritt, jede Aktivität getrackt und zwar mit Hilfe einer Smartphone-App, die dank des auf dem Schiff angebotenen WLANs immer online ist und es dem Anbieter ermöglicht, die Angebote entsprechend der Nachfrage zu steuern.

Diese smarten Gäste könnten ihr Smartphone zwar weglegen,

„aber das wollen sie gar nicht, haben sie doch durch das Smartphone immer die Gelegenheit, das Programm an Bord zu verfolgen, Fotos zu machen, Erlebnisse zu posten“,

weiß Schmidt-Ott, dem es sichtlich Spaß machte, während seines Vortrags zu provozieren. Spaß, genauer gesagt um die „Atmosphäre des Spaßes“ geht es den Betreibern der Schiffsflotte, nicht um die Kulturschätze, die während der Reise zu besichtigen sind. Dass dieser Ansatz funktioniert, weiß man auch deshalb, weil sich Schmidt-Ott und seine KollegInnen sehr präzise Gedanken darüber machen, wer denn ihre Gäste sein sollen und eine entsprechende Segmentierung in der Zielgruppenansprache (und der Einrichtung ihrer Schiffe) vornehmen.

Für mich war das an diesem Tag der Vortrag, der für mich am meisten Fragen aufwarf. Erstens machte er deutlich, dass es – auch für Kultureinrichtungen – extrem hilfreich ist, möglichst viele Daten über die eigenen KundInnen/BesucherInnen zu sammeln, diese zu analysieren und daraus dann auch Schlussfolgerungen zu ziehen. Zweitens müssen sich die Anbieter kultureller Angebote die oben schon angesprochene Frage nach den Präferenzen ihrer Zielgruppen stellen und darauf passende Antworten finden. Ob es um Spaß, eine entspannte Atmosphäre oder den Wunsch, sich mit anspruchsvoller Kunst auseinanderzusetzen, geht, muss hier nicht geklärt werden. Das lässt auf der Basis von Daten herausfinden. TUI Cruises sammelt diese Daten und entwickelt auf deren Grundlage ein Angebot, das sich möglichst gut verkaufen soll. Auch Kultureinrichtungen sollten Daten sammeln und diese dann analysieren. Die Konsequenz ihres Handelns ergibt sich dann aus ihren eigenen Zielen, das heißt, es geht mir um die Vorgehensweise und nicht darum, ein Kreuzfahrtschiff mit einem Museum zu vergleichen. Wobei es spannend wäre herauszufinden, ob die Erwartungshaltungen in beiden Fällen so unterschiedlich sind.

Der Tourismus als Treiber für Audience Development und Kulturvermittlung

Kann es nicht vielleicht doch sein, dass Menschen während ihres Urlaubs in Sachen Kunst und Kultur auf den Geschmack kommen? Prof. Dr. Birgit Mandel beschäftigte sich im Rahmen ihres Vortrags „(Massen)-Tourismus als Chance für Audience Development und kulturelle Bildung?“ mit diesem Thema und gab sich überzeugt, dass das Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Tourismus positive Auswirkungen habe. Mandel, die an der Universität Hildesheim am Institut für Kulturpolitik den Fachbereich Kulturvermittlung leitet, sprach in ihrem Vortrag über die „Zukunft des Kulturtourismus (…) als zentraler Motor für kulturelle Bildung und Kultur-Entwicklungsplanung von Institutionen und Regionen“. Mandel gab sich davon überzeugt, dass der Tourismus ein wichtiger Treiber für die Bereiche Audience Development und Kulturvermittlung sei. Verschiedene Studien würden zeigen, so Mandel, dass Kultur eine immer wichtigere Rolle bei touristischen Trends spiele, denn

„(i)n der Rolle des Touristen werden viele Menschen zu Kulturbesuchern, die in ihrem Alltag keine kulturellen Angebote wahrnehmen“.

Zwar gehörten nur 5 Prozent aller Touristen zu den spezifisch Kulturinteressierten, jedoch würden 80 Prozent aller Urlauber kulturelle Angebote wahrnehmen oder kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigen. Die so gemachten Erfahrungen könnten zum Auslöser für eine nachhaltige Beschäftigung mit Kunst und Kultur im „Alltag“ werden. Viele Kulturinstitutionen haben nach Mandels Ansicht die wichtige Rolle des Tourismus erkannt und mit Veränderungen darauf reagiert:

„Der Ansturm touristischer Besucher, die in ihrer Sozialstruktur ein deutlich diverseres Spektrum der Bevölkerung widerspiegeln als die üblichen,in der Regel hochgebildeten, sozial privilegierten Kernkulturnutzer, führt im besten Fall dazu, dass Kultureinrichtungen die Präsentation, Kommunikation und Vermittlung ihrer Programme verändern.“

Urlauber, die ihre Reisen für „kulturelle Selbstbildungsprozesse“ nutzen und „neue kulturelle und ästhetische Erfahrungen“ sammeln, das stimmt dann doch zuversichtlicher als Schmidt-Otts Bild des Touristen, der an neuen Erfahrungen nur mäßig interessiert ist. Das Problem: Es gibt sie beide. Es gibt sowohl den „Sightseeing-Punktesammler im Selfie-Modus“ als auch den „Destinationseintaucher im Mitschwimmmodus“. Wir haben es mit Menschen zu tun, denen im Urlaub Spaß wichtig ist und es gibt die Urlauber, die die in der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur gemachten Erfahrungen in ihren Alltag zu übertragen versuchen.

Sowohl aus Vermittlungs- als auch aus Marketingsicht müssen sich Kultureinrichtungen entscheiden, wenn sie mit ihren Angeboten erreichen wollen. Möchten sie beide ansprechen, muss das auf unterschiedlichen Wegen passieren, womit wir beim Thema Daten sind. Ich denke, wir wissen noch viel zu wenig über die, die Kunst und Kultur konsumieren. Wir wissen aber noch viel weniger über die, die sich nicht dafür interessieren.

Die Verbindung von Tourismus und Kultur scheint eine sehr hilfreiche zu sein, für beide Seiten. Zumindest war das der Grundtenor dieser Konferenz, die neben diesen drei Beiträgen, die ich hier kurz angerissen habe, noch weitere anregende Vorträge bot. Deshalb kann ich Ihnen nur empfehlen, sich für die Dokumentation der Konferenz ein wenig Zeit zu nehmen. Das PDF finden Sie hier.

 

 

 

Kämpfende Ziegenböcke
Beitrag

Storytelling: Es geht um das Wie, nicht um das Was

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Bild: Goats Fighting„; von Dawn Imagination Stables II (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Stellen Sie sich vor, Sie erklären zwei Menschen, die sich unversöhnlich gegenüber stehen, dass es unsinnig sei, sich zu streiten und sie das doch besser sein lassen sollten. Vermutlich wird das nicht viel bringen, wer reagiert in so einer Situation auf einen Appell? Vielleicht versuchen Sie es mit einer Geschichte, etwa der von den zwei Ziegen, die sich mitten auf einer schmalen Brücke trafen, die über einen tiefen Fluß führte und auf die jeweils andere Seite wollten.

„‚Geh mir aus dem Weg!‘ meckerte die eine. ‚Du bist gut!‘ meckerte die andere. ‚Geh du doch zurück und laß mich zuerst hinüber. Ich war auch als erste auf der Brücke.‘

‚Was fällt dir ein?‘ antwortete die erste. ‚Ich bin viel älter als du und soll zurückgehen? Sei etwas höflicher! Du bist jünger, du mußt nachgeben!‘

Aber beide waren hartnäckig. Keine wollte zurückgehen, um die andere vorzulassen. Erst haben sie geredet, dann geschrien und schließlich geschimpft. Als das alles nichts nützte, fingen sie miteinander zu kämpfen an. Sie hielten ihren Kopf mit den Hörnern nach vorn und rannten zornig gegeneinander los. Mitten auf der Brücke prallten sie heftig zusammen. Durch den Stoß verloren beide das Gleichgewicht. Sie stürzten zusammen von der schmalen Brücke in den tiefen Fluß, und nur mit Mühe konnten sie sich an das Ufer retten.“

So die von Ludwig Grimm verfasste Fabel „Die beiden Ziegen“, deren Quintessenz klar ist: Wenn keiner nachgeben will und man sich nicht irgendwie einigt, haben beide den Schaden.

Für sich genommen ist das erst einmal einfach nur eine Geschichte. Eine Geschichte ist es, weil es sich hierbei um ein besonderes Erlebnis handelt. Würden die beiden Ziegen jeden Tag mehrere Male über die Brücke gehen und sich dabei nie begegnen, wäre es keine Geschichte.

So und wenn es jetzt nicht die beiden Streithähne gäbe, dann müssten wir hier auch gar nicht mit dem Thema Storytelling anfangen. Storytelling, das bedeutet…

„…Geschichten gezielt, bewusst und gekonnt einzusetzen, um wichtige Inhalte besser verständlich zu machen, um das Lernen und Mitdenken der Zuhörer nachhaltig zu unterstützen, um Ideen zu streuen, geistige Beteiligung zu fördern und damit der Kommunikation eine neue Qualität hinzuzufügen.“ (in: Karolina Frenzel, Michael Müller, Hermann Sottong: „Storytelling – Das Praxisbuch“ (2006), S. 3)

Warum ich das alles schreibe? Angelika Schoder hat vor zwei Tagen ein Blogpost mit dem Titel „Lange Rede, kurzer Sinn – 9 Formate, die Storytelling überflüssig machen“ veröffentlicht und darin Ansichten vertreten, die ich so nicht teile. Recht hat sie, wenn sie den Hype kritisiert, der rund um den Begriff Storytelling entstanden ist, ohne dass ihn alle wirklich verstanden haben. Nur: Die Kurve eines jeden Hypes geht irgendwann wieder nach unten und erst wenn der Tiefpunkt erreicht worden ist und es langsam wieder aufwärts geht, nähern wir uns langsam dem „Plateau der Produktivität“ und damit dem Alltag, in dem Storytelling dann „ganz normal“ genutzt wird.

Warum die Autorin aber nun daraus ableitet, dass Kulturvermittlung auch ganz gut ohne Storytelling auskommt, erschließt sich mir nicht so ganz. Das mag auch daran liegen, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie sie Storytelling definiert. Ihrer These, Storytelling sei überflüssig, hätte es sicher gut getan, wenn sie erklärt hätte, was sie unter Storytelling versteht. In einem später angefügten Kommentar spricht sie davon,

“ dass (von mir ergänzt: beim Storytelling) ein Plot verfolgt wird, dass eine gewisse Tiefe erreicht wird und dass es um Protagonisten geht, deren Erlebnisse oder Merkmale auf die Rezipienten emotionalisierend wirken“.

Das stimmt und deckt sich auch mit den gängigen Definitionen. Allerdings muss so ein Ansatz nicht im „große(n) Geschichtenerzählen“ ausarten. Ich denke, die Verfasserin dieses Blogbeitrags unterliegt hier einem Irrtum. Storytelling heißt nicht unbedingt, große Geschichten zu erfinden, sondern es handelt sich laut Wikipedia um eine Erzählmethode,

„mit der explizites, aber vor allem implizites Wissen in Form einer Metapher weitergegeben und durch Zuhören aufgenommen wird“.

Es geht also beim Storytelling nicht darum, Geschichten in epischer Größe zu erfinden, sondern es ist eine Methode, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Um die beiden Streithähne, mit denen ich diesen Beitrag begonnen habe, zu trennen, stehen mir mehrere Methoden zur Verfügung. Unter anderem der Appell „hört auf, Euch zu streiten“ oder eben die Geschichte von den beiden Ziegen. Ähnlich verhält es sich im Bereich Kulturvermittlung. Wenn ich zum Beispiel Wissen über eine vergangene Epoche vermitteln möchte, mache ich das unter Umständen mit Hilfe von Daten. Die Frage ist, wie transportiere ich diese Daten? Etwa mit einem Factsheet oder mit einer Geschichte, in die das Datenmaterial einfließt. Welche Methode die geeignetere ist, muss dann die KulturvermittlerIn entscheiden.

Recht hat Angelika Schoder, wenn sie schreibt:

„Besonders im Kulturbereich wird viel zu schnell von Storytelling gesprochen, denn jeder Inhalt ist ja irgendwie mit einer Geschichte verbunden.“

Hier gilt es zwischen zwei Ebenen zu unterscheiden, nämlich der inhaltlichen Ebene, die dann später in Ausstellung, Inszenierung, etc. zum Ausdruck kommt und der Ebene, auf der es um die Kultureinrichtung geht. Ich fürchte, auch die Autorin vermischt die beiden Ebenen, wenn sie im zweiten Teil ihres Artikels neun Formate für die Kulturvermittlung auflistet, die ohne Storytelling auskommen und beim ersten Format, der Serie, das Archäologische Museum Hamburg als Beispiel bringt.

Dort im Blog gibt es eine Serie über die Entstehung der Ausstellung „EisZeiten“. In dieser Serie geht es nicht um die Eiszeit, um die es sich vermutlich in der Ausstellung dreht, sondern um das Museum selbst, das – so vermute ich – darüber aufklären möchte, wie denn eine solche Ausstellung zustande kommt und warum es in den Augen eines Laien so lange dauert, eine Ausstellung zu konzipieren, planen und aufzubauen. Das kann das Museum auf unterschiedliche Weise tun, zum Beispiel mit Hilfe einer Checkliste und eines Zeitplans. Als Leser würde ich dank dieser beiden Dokumente nachvollziehen können, was dafür alles getan werden muss und wie viel Zeit man dafür veranschlagen sollte. Ich kann aber auch einfach jemanden darüber berichten lassen, der bei diesem Prozess dabei ist. In diesem Fall ist das die „feindliche Klarchologin“ Lena. Wenn Sie wissen wollen, was eine feindliche Klarchologin ist, – und ich nehme an, einige von Ihnen werden neugierig sein – müssen Sie einfach den ersten ihrer Blogbeiträge anklicken und finden dort die Auflösung.

Sie sehen schon, so ein Ansatz ist viel spannender als eine Checkliste. Für Angelika Schoder ist diese Blogserie zwar ein Beleg dafür, dass es auch ohne Storytelling geht. Für mich zeigt die Serie aber eher, wie wunderbar gutes Storytelling funktionieren kann (in diesem Fall sogar mit Hilfe der Heldenreise) und warum man auch in der Kulturvermittlung nicht darauf verzichten sollte. Die Herausforderung besteht in der Kulturvermittlung und vor allem in den Kultureinrichtungen selbst in der Trennung der beiden Ebenen. Wie man dabei vorgehen muss, beschreibt Angelika Schoder im letzten Kapitel. Es gilt eine Storyline zu entwickeln und abhängig von meinen Zielen und Ansprüchen kann das ein sehr ambitioniertes Unterfangen werden. Und was die Sache noch viel komplizierter macht: Ich muss das auf zwei Ebenen schaffen, nämlich einerseits für die jeweilige Ausstellung, um im Museumsbereich zu bleiben und andererseits für das Haus. Und warum macht es Sinn, solche Geschichten zu entwickeln? Susanne Maier hat die Gründe dafür in ihrem Blogpost „Die Macht der Geschichten, oder warum wir auf einmal alle Storyteller sind“ schön zusammengefasst. Geschichten

  • „aktivieren viel mehr Regionen im Gehirn als eine einfache Information
  • verleihen einem Sachverhalt Bedeutung und Sinn
  • binden den Zuhörer/Leser ein und lassen ihn mitdenken und mitfühlen
  • stellen eine persönliche Verbindung her
  • wecken Emotionen
  • unterhalten
  • bleiben länger und einfacher im Gedächtnis
  • wirken nach, können das Publikum zu etwas motivieren
  • werden eher weitererzählt / geteilt.“

Angelika Schoder schließt ihren Beitrag mit der Feststellung, Storytelling sei etwas Großartiges, aber es sei eben auch nicht alles. Ja stimmt, kein Mensch würde auf die Idee kommen, alles in Geschichten zu packen. Aber Kultureinrichtungen, aber auch KünstlerInen sollten eine Corestory haben. Gibt es die, lässt sich mit ihrer Hilfe eine „Storywelt“ kreieren, in der dann auch Platz für Listen und knappe Informationen ist. Natürlich ist daher dem von Schoder zitierten Stephan Goldmann recht zu geben, wenn der in einem Beitrag über Storytelling schreibt:

„Storytelling ist keine Lösung für jeden einzelnen Beitrag“

Aber lesen Sie sich seinen Artikel mal durch. Wenn das nicht eine schöne Geschichte ist.😉

 

 

 

PS: Ich möchte nicht den Eindruck entstehen lassen, mit meinem Beitrag Angelika Schoder in die „Pfanne hauen“ zu wollen. Ich teile ihre Kritik an dem, was ich oft lese und was in meinen Augen mit Storytelling entweder wenig zu tun hat oder wenig bringt, weil falsch intendiert. Nur ist für mich Storytelling eben nicht die wertvolle Ergänzung, sondern das entscheidende Element in der Kommunikation. Nach innen und außen.