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Berliner Grossstadtgeschichten
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Die “Berliner Grossstadtgeschichten” verbinden Open Data und Storytelling

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Daten mit Geschichten zu verknüpfen, das ist die Grundidee der Berliner Grossstadtgeschichten. Präsentiert werden

“Zeugnisse und Geschichten von Berlinerinnen und Berlinern – gemeinsam mit Dokumenten aus Archiven, Bibliotheken und Museen. Verknüpft über ihre Orte, mit Fotografien, Ton- und Videoaufnahmen sowie Textdokumenten, von etwa 1900 bis heute.”

Auf diese Weise entstehen virtuelle Ausstellungen, die an das Berlin des 20. Jahrhunderts erinnern und persönliche Einblicke gewähren. Eine schöne Idee, die zeigt, wie aus öffentlich zugänglichen Daten spannende Projekte entstehen.

Thought Leadership
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Wo anfangen? Leadership im Kunst- und Kulturbereich

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Bild: Thought Leadership“; von Ascent Magazine (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Wenn ich jetzt behaupte, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man sich mit Facebookaktivitäten als innovativer Vorreiter einer Branche verkaufen konnte, dann erzähle ich damit nichts Neues. Wir haben es mittlerweile mit einer hochkomplexen Materie zu tun und immer häufiger erkennen Kultureinrichtungen, dass eine halbe Praktikantenstelle nicht mehr ausreicht, um den digitalen Raum erfolgreich zu nutzen. Neue Konzepte sind gut, neue Konzepte sind wichtig, aber es braucht auch Strukturen, in denen die neuen Konzepte dann umgesetzt werden.

Und es braucht die, die diese neuen Strukturen schaffen. Deshalb interessiert mich zur Zeit das Thema Leadership besonders. Das hat – zugegeben – auch damit zu tun, dass seit drei Tagen das neue Buch von Charlene Li “The Engaged Leader: A Strategy for Your Digital Transformation” (Affiliate Link) als eBook erhältlich ist. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich habe mal hier im Blog recherchiert, welche Beiträge ich zum Thema Leadership im Kunst- und Kulturbereich verfasst habe. Es ist nicht wirklich viel, erwähnenswert ist eigentlich nur die Rezension von Armin Kleins “Leadership im Kulturbereich”. Darin empfiehlt Klein das “Management by Objectives” als eine Methode, die den Kulturbetrieben am ehesten den Wandel zur “lernenden Kulturorganisation” erlaube. Das Buch ist 2009 erschienen, es ist also an der Zeit, sich mal wieder Gedanken zum Thema Leadership zu machen, schließlich betrifft die digitale Transformation, von der Charlene Li spricht, auch den Kunst- und Kulturbereich.

Auf der Suche nach einem guten Einstieg bin ich auf das TED-Video von Roselinde Torres gestoßen, in dem sie sich mit der Frage beschäftigt, “What it takes to be a great leader”? In ihrem zehnminütigen Vortrag entwickelt sie drei Fragen, mit deren Hilfe sich Leadership im 21. Jahrhundert, wie sie es nennt, erfassen lässt:

  1. “Where are you looking to anticipate the next change to your business model or your life?”
  2. “What is the diversity measure of your personal and professional stakeholder network?”
  3. “Are you courageous enough to abandon a practice that has made you successful in the past?”

In ihren Folien versucht sie darauf, wenn auch nur kurz, einzugehen:

 

Vor allem die erste und die dritte Frage betrachte ich als Herausforderung, denn wo sind sie zu finden, die Innovatoren im Kunst- und Kulturbereich und welche Kulturbetriebe haben die Erfolgspfade der Vergangenheit verlassen? Wo sind sie, die Leader in Kunst und Kultur, die Torres beschreibt als die Männer und Frauen,

“who are preparing themselves not for the comfortable predictability of yesterday but also for the realities of today and all of those unknown possibilities of tomorrow”.

Wo sind sie, die Leader im Kunst- und Kulturbereich, auf die diese Beschreibung zutrifft?

Schreibmaschine
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Beim 54. Treffpunkt KulturManagement geht es um Storytelling für Kultureinrichtungen

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Foto von Sergey Zolkin auf Unsplash

In einem Artikel erklärte Shane Snow vor gut einem Jahr, warum Storytelling die wichtigste Fertigkeit für den unternehmerischen Erfolg sei und erinnerte in diesem Zusammenhang noch einmal an Amanda Palmer und ihre erfolgreiche Crowdfundingkampagne (hier noch einmal ihr TED-Vortrag). Sie sei es gewesen, die das Musikgeschäft verändert habe, weil sie nicht einfach nach Geld gefragt, sondern ihre Geschichte erzählt hätte.

Auf diesen Zug sind mittlerweile viele aufgesprungen und erzählen Geschichten. Kultureinrichtungen haben es da leicht, hört man oft, denn sie arbeiten mit Geschichten und verkaufen diese in Form von Filmen, Büchern, Theateraufführungen, Ausstellungen und vielen anderen Varianten. Eine Geschichte als Produkt zu haben, erleichtert die Bewerbung erheblich, denken wir nur an die vielen Filmtrailer, die uns auf den Geschmack bringen sollen, indem sie die Geschichte wiedergeben. Was aber ist, wenn ich Haushaltsgeräte verkaufe? Dann muss ich Geschichten rund um dieses Gerät kreieren, so wie etwa in diesem Fall. Oder so wie in diesem alten Mercedes-Benz-Spot.

Storytelling für die interne und externe Unternehmenskommunikation

Schwieriger wird es, wenn ich Storytelling für die Unternehmenskommunikation einsetze. Einerseits intern, ein Thema, mit dem sich die Master Thesis “Merkmale und Potenziale von Storytelling in der internen Führungskommunikation” von Andreas Ganahl beschäftigt, andererseits aber natürlich auch in der externen Kommunikation. Voraussetzung für beide Richtungen ist die Beschäftigung mit dem Unternehmen beziehungweise der Kultureinrichtung selbst. Dafür gibt es unterschiedliche Ansätze, Raf Stevens zum Beispiel erklärt in seinem eBook “No Story, No Fans” (Affiliate Link) das “Storycircle”-Modell: MitarbeiterInnen erzählen Geschichten mit Bezug zum Unternehmen und versehen diese mit einem Titel. Die Titel werden geclustert, die Cluster erhalten auch wieder eine Überschrift und werden mit, wie Stefens schreibt, mindestens fünf Eigenschaften beschrieben. Aus diesen lassen sich dann auch wieder Cluster bilden, die ebenfalls mit einer Überschrift versehen werden und die archetypische Grundstruktur des Unternehmens darstellen, die, so Stevens weiter, später über die gesammelten Geschichten erzählt werden kann.

Einen anderen Ansatz bevorzugen Jelena Löckner und Rebecca Hagelmoser, die vor einem Jahr das Unternehmen NarraTool gegründet haben. In einem Workshop, den ich im letzten Sommer besucht habe, ließen sie uns mit Hilfe von Leitfragen das Core Narrative herausarbeiten und gaben uns die richtigen Techniken an die Hand, um am Ende manchmal überraschende Ergebnisse zu haben. Für mich kam heraus, dass es nicht darum geht, schnell mal ein paar nette Geschichten zu erfinden, sondern erst einmal die Grundlagen zu schaffen für die Geschichten, die man erzählen möchte. Mir ist schon klar, dass es immer eine Herausforderung ist, sich mit so etwas wie Werten und Prinzipien zu beschäftigen, aber es hilft einem, nicht nur klarer zu sein, sondern später auch Zeit zu sparen.

Beide, Jelena Löckner und Rebecca Hagelmoser, sind beim nächsten Treffpunkt KulturManagement zu Gast, der am Mittwoch, den 25. März 2015 von 9 bis 10 Uhr stattfindet, und beschäftigen sich mit dem Thema “Storytelling für Kultureinrichtungen”. Die beiden erklären, wie Kulturinstitutionen durch Storytelling die eigene Marke und ihre Produkte stärken, Themenanwaltschaften übernehmen, kulturelle Inhalte vermitteln, Besucher involvieren und Communities schaffen. Dabei zeigen sie, welche Planungshilfen es gibt, um der vielen Geschichten Herr zu werden, warum es hilfreich ist, zwischen Marken und Produktstorys zu unterscheiden und an welchen Beispielen man sich orientieren kann.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht, wenn Sie am Mittwoch, den 25. März, um 09 Uhr einfach diesen Link anklicken. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 25. März dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort (unverbindlich) anmelden. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 25.03.2015 von 09:00 bis 10:00
Thema: Storytelling für Kultureinrichtungen
Gast: Rebecca Hagelmoser, Jelena Löckner (NarraTool)

Mehr Infos auf Kulturmanagement Network: “54. KM Treff: How to? Storytelling für Kultureinrichtungen

Headstone Tunnel
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Balanced Scorecard: strategische und operative Ebene miteinander verbinden

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Bild: Headstone Tunnel“; von Darren Harvey (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Ein dunkler kurviger Weg führt zu einem Ziel, das man nicht sieht und vielleicht auch noch gar nicht so genau kennt. Diese Situation erleben wir in Tunnels nur noch selten, meist sind sie gerade und gut ausgeleuchtet. In Projekten kommt es allerdings immer wieder mal vor, dass der Weg dunkel und kurvenreich scheint und das Ziel noch nicht ganz klar ist. Bleibt die Frage, warum man da eigentlich “hineingefahren” ist? Eine Antwort darauf sollte sich auf der strategischen Ebene finden lassen. Das Unternehmensleitbild (Mission, Vision etc.) bildet den Überbau für das, was wir  dann auf der operativen Ebene an Vorhaben umsetzen. Über so etwas verfügen Unternehmen als auch Kulturbetriebe in der Regel, aber die Verbindung zu dem, was das tägliche Geschäft ausmacht, fällt vor allem im Kunst- und Kulturbereich schwer.

“Wir brauchen ein Blog, können Sie uns dabei unterstützen?” Diese Frage hörte ich vor einiger Zeit am Telefon. Natürlich haben wir uns zusammengesetzt und über das Blog gesprochen. Herausgekommen ist etwas ganz anderes, ein Blog wäre für das, worum es ging, nicht das geeignete Instrument gewesen. Nun ist es ja nicht verkehrt, ein Blog oder was auch immer haben zu wollen. Nur muss es halt auch in den Rahmen passen, in dem es zum Einsatz kommen soll. Das Ziel ist klar, wir brauchen ein Blog, verstanden, aber warum? Was soll bewirkt werden? Es ist gar nicht so leicht, an diesem Punkt vernünftige Antworten zu finden, oft ist dann von Dialog die Rede, aber wozu soll der gut sein? Unterhaltung ist gut und schön, aber inwieweit trägt sie dazu bei, meine übergeordneten Unternehmensziele zu erreichen? Unter Umständen hilft die Wirkungskette weiter, die das ganze systematisch angeht.

Wirkungskette

Die erbrachte Leistung, also der Output, ist das Blog, das in die Website integriert werden soll. Objektiv wahrnehmbare Ziele wären zum Beispiel höhere Zugriffszahlen oder eine längere Verweildauer auf der Website. Gefällt den UserInnen die Seite (Impact), äußert sich das vielleicht in positiven Erwähnungen oder mehr Links auf Website beziehungsweise Blog. Die Seite könnte dadurch in den Suchmaschinen nach oben wandern, erhält mehr Zugriffe und führt dazu, dass die dahinter stehende Kultureinrichtung als Marke bekannter wird und sich daraus neue Kooperationen, Gastspiele, etc. ergeben (Outcome).

Passen die Wirkungsziele zu meinen strategischen Zielen, dann kann ich mich mit meinem Blog weiter beschäftigen. Fallen mir nur welche ein, die mit meiner eigentlichen Arbeit wenig oder nichts zu tun haben, ist ein Blog vielleicht keine so gute Idee. Nehmen wir mal an, wir kommen zu dem Ergebnis, ein Blog sei eine gute Sache, dann stellt sich die Frage, wie wir jetzt weiter tun? Normalerweise wird jetzt jemandem die undankbare Aufgabe umgehängt, das Blog mit Inhalten zu füllen. Am Anfang ist der Enthusiasmus groß, aber im Laufe der Zeit lässt er nach und unter Umständen wird das Blog nach einigen Monaten ein recht  trauriges Dasein führen, was auch bedeutet, dass die Ziele nicht erreicht werden.

Die Balanced Scorecard ist mehr als ein Kennzahlensystem

Ich denke schon recht lange darüber nach, wie sich die oft große Lücke zwischen strategischer und operativer Ebene schließen lässt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Balanced Scorecard ein ganz hilfreiches Instrument sein kann, diese Lücke zu schließen. Ich weiß, sie wird oft als reines Kennzahlensystem verstanden, das mit seinen vielen Messgrößen eher für Verwirrung als für Strukturen sorgt. Das mag in bestimmten Fällen so sein, ich sehe aber den Vorteil, dass man sich mit der strategischen Ebene, mit Zielen und dazu passenden Kennzahlen beschäftigen muss und sich außerdem nicht nur auf eine Sichtweise beschränken darf.

Robert S. Kaplan und David P. Norton, haben die Balanced Scorecard vor rund 25 Jahren entwickelt und dabei versucht, ein Unternehmen aus vier verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Balanced Scorecard

Die Herausforderung bei der Balanced Scorecard besteht in der Vernetzung der verschiedenen Perspektiven. Das Blog erhöht die Zahl der BesucherInnen der Website, die Inhalte machen Lust auf Theater und lassen die BesucherInnenzahlen ansteigen. Dadurch kann der Eigendeckungsgrad gehalten oder erhöht werden (finanzwirtschaftliche Perspektive). Zufriedene Besucher äußern sich positiv über das Theater und gehen öfter als früher dorthin, Besucherzufriedenheit und -treue nehmen zu (Kundenperspektive). Das Theater wird aus diesem Grund dafür sorgen, dass auf dem Blog noch bessere Beiträge erscheinen und verändert die internen Abläufe, um leichter an gute Inhalte zu kommen und qualitativ hochwertige Beiträge erstellen zu können (Interne Prozessperspektive). Nun ist das Blog nicht mehr das Werk einer einzelnen MitarbeiterIn, sondern ein Format, zu dessen Erfolg viele beitragen. Abteilungsgrenzen fallen, die Zusammenarbeit macht Spaß, alle beschäftigen sich mit dem Blog und eignen sich gerne das notwendige Wissen an. Die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen steigt, die Zahl der Kündigungen geht zurück (Lern- und Enwicklungsperspektive). Damit haben Sie schon jede Menge Kennzahlen und legen nun im nächsten Schritt fest, wohin Sie kommen wollen, welche Zielwerte es zu erreichen gilt. Das ist oft ganz leicht, zum Beispiel bei den Zugriffszahlen, das ist oft aber auch sehr kompliziert, wenn Sie etwa die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen messen wollen. Nicht immer ist die Zahl der Kündigungen eine geeignete Messgröße. ;-)

Und plötzlich ist das Blog nicht nur dazu da, mit irgendjemandem zu kommunizieren, sondern es löst auf ganz unterschiedlichen Ebenen etwas aus. Was genau, das sollten wir uns davor überlegen. Ursprünglich dafür gedacht, Unternehmen als Ganzes aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten (ich habe das vor Jahren mal bei mir selbst versucht, siehe dazu meinen Blogbeitrag: “Social Media: Wann weiß ich, ob ich erfolgreich bin?“), kommt Andreas Preißner in seinem Buch “Projekte budgetieren und planen” (Affiliate Link) zu dem Ergebnis, dass sich die Balanced Scorecard natürlich auch für Projekte eignet, die Einführung eines Blogs ist ja letzten Endes nichts anderes. Kaplan/Norton haben immer betont, dass sich die verschiedenen Perspektiven beliebig verändern, reduzieren oder erweitern lassen. Nicht in jedem Projekt gibt es eine finanzwirtschaftliche Perspektive, in diesem Fall schlägt Preißner den Begriff der Ergebnisperspektive vor.

In 5 Schritten  von der Vision zum Arbeitspaket

So, nun wissen Sie also – hoffentlich – schon sehr viel genauer, warum Sie mit dem Bloggen beginnen wollen. Was aber noch fehlt, sind die Maßnahmen, mit deren Hilfe Sie Ihre Ziele erreichen wollen. Das bedeutet, jetzt heißt es kreativ zu sein und Ideen zu entwickeln, zum Beispiel, welche Themen Sie in Ihrem Blog anschneiden wollen. Haben Sie für alle vier Perspektiven ausreichend Ideen gesammelt, beginnt die Planung, um sie auch alle umsetzen zu können. Hier beginnt jetzt die klassische Projektplanung, vom Projektstrukturplan bis zum Budget, um zu wissen, was in nächster Zeit zu tun ist.

Zusammenfassend sind folgende Schritte notwendig:

  1. Entwickeln und formulieren Sie Ihre strategischen Ziele, abgeleitet aus dem Leitbild.
  2. Brechen Sie Ihre strategischen Ziele auf die operative Ebene herunter und benennen Sie Ihre operativen Ziele (dabei kann es sich um Projekte handeln).
  3. Überlegen Sie sich Ihre Wirkungsziele, erarbeiten Sie die Ziele der verschiedenen Perspektiven (es müssen nicht die vier sein!) und finden Sie die passenden Messgrößen.
  4. Bestimmen Sie die Zielwerte (wann sind Sie erfolgreich?).
  5. Überlegen Sie, welche Maßnahmen und Arbeitspakete notwendig sind, um Ihre Ziele zu erreichen (Projektplanung)

Während und vor allem nach der Umsetzung können Sie erkennen, ob Sie “im Plan” sind. Klar sollte sein, dass Ziele und Zielwerte nicht in Stein gemeißelt sind. Verändern sich die Rahmenbedingungen, müssen Sie Ihre Balanced Scorecard entsprechend anpassen beziehungsweise weiter entwickeln. Halten Sie starr daran fest, ist daraus wirklich nur ein Kennzahlensystem geworden.

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Über Facebook, die Jugend und die Frage nach der Qualität

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Für viele Kultureinrichtungen ist das Social Web ein Ort, an dem sie glauben, jüngere Menschen erreichen zu können, die Gründe dafür sind bekannt. Gut, die älteren Menschen sind vielleicht gar nicht so alt und gebrechlich, wie wir immer glauben, aber das ist ein anderes Thema. Wie aber erreiche ich Jugend, die 15, 20 oder 25 Jahre alt ist? Auf den Webseiten der Kultureinrichtungen schauen sie selten oder gar nicht vorbei, mit Twitter kennen wir uns selber nicht aus – aber diese Plattform nutzen sie auch gar nicht, wie man so hört – und auf Facebook löschen sie massenhaft ihre Accounts, um in irgendwelchen dubiosen Messengerangeboten wie Snapchat zu verschwinden.

Wobei: Ein paar scheinen ja doch noch auf Facebook zu sein, aber für die Facebookseiten der Hochkultur interessieren sie sich eher weniger. Wohl mehr für so etwas:

Das ist Mohamed Sartiane, die FAZ hat ihm vor zwei Tagen unter der Überschrift “Ein Mann legt Dortmund lahm” sogar einen ganzen Artikel gewidmet. Der junge Mann ist 18 Jahre alt und macht dieses Jahr laut Artikel sein Abitur. Wäre das jetzt nicht jemand, für den sich die Kultureinrichtungen interessieren sollten? Doch halt, nein, der macht ja so komische Videos, so etwas wollen wir nicht. Und mit wir meine ich nicht nur die Kultureinrichtungen, sondern die “Erwachsenen”, deren Kommentare unter dem FAZ-Artikel zeigen, was wir von dieser Jugend halten. Es handelt sich um einen “selbstverliebten Hansel”, dessen Postings sich durch die “Abwesenheit  von Grammatik und fehlender Zeichensetzung” auszeichnen und der sich die Frage stellen sollte, warum er überhaupt Abitur machen will?

Das Problem: Mohamed Sartiane hat das geschafft, was viele Kultureinrichtungen gerne hätten: Viele, viele Fans und jede Menge Interaktion auf seiner Facebookseite. Tritt er wie in diesem Fall in Dortmund auf, muss die Polizei einschreiten, um nicht die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren. Aber Moment, wollen wir wirklich so sein? Schließlich können wir hier schon das Ende unserer Gesellschaft beziehungsweise deren Kultur erahnen und sollten uns jetzt mit der Frage beschäftigen, wie wir sie wieder auf den richtigen Weg bringen?

“Hat die heutige Generation Jugendlicher eigentlich nichts besseres zu tun als in solch eine Einkaufsstraße zu gehen und einen neuen Facebook-Messias zu lobpreisen? Kein Wunder, dass die Generation sich selbst als ‘dumm’ ansieht, wenn sie nicht über Kunst & Kultur Bescheid weiß”,

schreibt ein Leser, der von “spätpubertären Einfallspinseln” spricht, die in ihrem Leben nichts schaffen werden. Solche Sätze bekamen wir als Jugendliche vor Jahrzehnten auch schon zu hören, die Welt steht immer noch, belassen wir es dabei.

Was aber macht einen achtzehnjährigen Schüler zum Facebookstar, dessen Postings “atemberaubend talentfrei” seien, wie die Autorin des FAZ-Artikels schreibt. Womit wir bei der Qualität wären, in diesem Fall verstanden als Maßstab für die Güte dessen, worüber wir sprechen. Was zeichnet ihn aus? Er selbst führt seinen Erfolg auf sein Showtalent und die Fähigkeit, die Themen anzusprechen, die seine Generation gerade bewegt, zurück:

“Ich mache immer Videos zu Themen, wo die Menschen sagen können: ‘Das kenn ich auch!'”

wird er zitiert und weist damit etwas vor, das dem Kunst- und Kulturbetrieb zu fehlen scheint: die Menschen ansprechen zu können, sie mitzunehmen. Das auch deshalb, weil es im, so die Autorin, gelänge, “Banales mit vermeintlicher Bedeutung aufzuladen”. Ich würde es nicht so abschätzig formulieren, sondern eher von einer Kunst sprechen, Bilder aus unserem alltäglichen Leben zu verwenden und sie mit einer Bedeutung aufzuladen, die sie ursprünglich gar nicht haben. Politik und Werbung machen uns das  tagtäglich vor, insofern könnte man jetzt auch sagen, Sartiane hat sich als gelehriger Schüler erwiesen. Showtalent, ein Gespür für die Themen und die (Bilder)-Sprache, das zeichnet ihn aus und macht ihn zum Star. Unterstützt wird er durch Selbstaufschaukelungsprozesse, die im digitalen Raum besonders gut funktionieren.

Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ziehen wir uns beleidigt zurück, beklagen den allgemeinen Werte- und Qualitätsverlust und erinnern uns wehmütig an längst vergangene Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung war. Das wirkt wenig glaubhaft, wurde nicht ähnlich argumentiert, als da plötzlich junge Menschen mit langen Haaren auf die Bühne drängten und begannen, laute Musik zu spielen. Wobei dann gleich die Frage folgte, ob das denn überhaupt Musik sei?

Oder wir schauen uns mal genauer an, welche Themen Mohamed Satiane in seinen Videos anspricht und wie er es schafft, so viele Menschen damit zu erreichen. Eigentlich sind das genau die beiden Punkte, wo die meisten Kultureinrichtungen nicht weiterwissen. Wie wäre es denn, ihn mal einzuladen und mit ihm genau darüber zu sprechen? Vielleicht können Kunst und Kultur von ihm lernen? Und dann können wir immer noch darüber diskutieren, was Qualität ist und was nicht. Vielleicht ist er für die Hochkultur ja noch nicht verloren? ;-)

Child with Apple iPad
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Digital Natives: die große Ernüchterung?

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Bild: Child with Apple iPad“; von Intel Free Press (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Während meines Studiums habe ich die längste Zeit meine Referate noch auf der Schreibmaschine getippt und erst zum Ende hin hatte ich dann einen Computer und einen Nadeldrucker, wobei mir letzterer oft mehr Probleme bereitete als der große Kasten daneben. Für mich war das der Einstieg in eine Welt, die nicht nur mir, sondern im Endeffekt uns allen neu war. Aber ich ließ mich anstecken von der Begeisterung, die manche versprühten, denn ich sah immer die Chancen, die sich durch all die technologischen Entwicklungen auftaten. Heute sehe ich das etwas nüchterner, es sind Instrumente, die mir da in die Hand gegeben werden. Ich muss sie nicht lieben, ich muss sie nur nutzen. Aber ich wundere mich, warum andere diese Instrumente nicht nutzen, zugegeben.

Als ich gestern den Blogbeitrag “Denn sie twittern nicht, was sie tun” von Kerstin Hoffmann gelesen habe, kamen mir etliche der Situationen, die sie darin beschreibt, bekannt vor. Wenn ich heute Social Media-Workshops halte, will ich oft die überzeugen, die wir als Digital Natives bezeichnen und merke dann, dass sie sich gar nicht überzeugen lassen wollen. Während ich früher darüber etwas pikiert war, sehe ich das heute etwas anders. Ich gehöre zu einer Generation, die erlebt hat, wie eine neue Technologie aufgekommen ist und viele Dinge über den Haufen geworfen hat. Ich denke, ich nehme Technologie ganz anders wahr als diejenigen, die in eine Welt hinein gewachsen sind, in der das Internet eine Selbstverständlichkeit ist. Für mich hat Twitter eine ganz andere Bedeutung, schließlich steht diese offene Form der Kommunikation für etwas, das es früher nicht gab. Ich konnte anderen nur im persönlichen Gespräch, per Brief oder Festnetztelefon etwas mitteilen. Die Digital Natives brauchen Twitter dafür nicht, es gibt geeignetere Tools dafür. Mit anderen Worten: Bei ihnen steht die Technologie im Hintergrund und das ist eigentlich auch gut so, denn ob Twitter, Facebook, Whatsapp oder Snapchat, wir haben es hier nur mit Kanälen zu tun, nicht mehr und nicht weniger.

An dieser Stelle passt es, denke ich, ganz gut, auf das im letzten Oktober erschienene eBook “What If PR Stood for People and Relationships?” von Brian Solis hinzuweisen, in dem er den Standpunkt vertritt, dass die Technologie nur Mittel zum Zweck sein sollte.

 

PR, das steht bei Solis – zumindest in diesem eBook – nicht für Public Relations, sondern für “People and Relationships”. Wir würden uns von den Versprechungen der digitalen Neuerungen blenden lassen, meint er und glaubt, dass wir alle unter dem “shiny object syndrome” leiden. Ein möglicher Ausweg sieht für ihn so aus:

“Building bridges between you and the people you want to reach starts with turning an object or a thing into an opportunity to see and deliver value.”

Vermutlich konzentrieren wir uns, wenn wir Marketing, PR oder Werbung machen, viel zu sehr auf die technologischen Möglichkeiten und verlieren dabei das eigentliche Ziel aus den Augen. Die sozialen Medien haben uns nicht sozialer gemacht und in der Sharing Economy wird auch nur wenig geteilt, schreibt Solis und verordnet uns im nächsten Schritt weniger Tempo, um dem Hamsterrad zu entkommen. Sein Vorwurf: Wir würden uns bei persönlichen Gesprächen nicht mehr gegenseitig in die Augen sehen, manchmal nur wenig miteinander reden, aber dieses Beisammensein durchaus genießen und so unser digitales Leben in die reale Welt übertragen.

“Humanity becomes the killerapp”, schreibt Solis an anderer Stelle und bricht in dem 40-seitigen eBook, das von Hugh MacLeod brilliant illustriert worden ist, eine Lanze für passende Rahmenbedingungen. “Ideas are the byproduct of empowered cultures”, schreibt er auf Seite 25 und sieht darin die Grundlage für Kreativität und Innovation.

Die Digital Natives sollten sich damit eigentlich leichter tun, weil für sie die Technologie nicht so im Vordergrund steht, sie etwas Selbstverständliches ist. Allerdings dauert es vermutlich, bis sich das auch in den Strukturen auswirkt, in denen wir arbeiten. Ich sehe das auch in den Kulturbetrieben, die sich häufig auf die technologischen Neuerungen konzentrieren und hoffen, auf diese Weise ihre Ziele zu erreichen. Insofern ist es vielleicht ein ganz gutes Zeichen, wenn sich die Digital Natives nicht an das halten, was wir von ihnen verlangen oder wie Kerstin Hoffmann so schön schreibt: “Denn sie twittern nicht, was sie tun.”

zzZwitscherwecker
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Vogelgezwitscher, Open Cultural Data und der Kultur-Hackathon Coding da Vinci

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Ich bin vermutlich nicht der einzige, der sich morgens von einem Wecker aus dem Schlaf reißen lässt. Bei vielen ertönt ein Klingelton, andere lassen sich lieber mit Musik wecken. Bei mir sind es im Moment Vögel, die mich mit ihrem Gezwitscher aufwecken. Wer am richtigen Ort wohnt, der hat sie vor seinem Zimmer, ich nutze dafür – in Ermangelung der Vögel – die App zzZwitscherwecker (leider nur für Android erhältlich). Jeden Tag bekomme ich etwas anderes vorgespielt und sollte dann sofort munter sein, denn um das Gezwitscher abzustellen, muss ich raten, welcher Vogel da singt. Insgesamt vier Vögel stehen zur Auswahl und wenn ich richtig geraten habe, kann ich noch Informationen über den “Sänger” abrufen und zwar in Form des Wikipedia-Artikels. Rate ich falsch, zwitschert der Vogel weiter, was allerdings nicht unangenehm ist.

Interessant ist die Herkunft der Vogelstimmen, denn diese App ist eines der Ergebnisse des Kultur-Hackathon Cod1ng da V1nc1, der letztes Jahr zum ersten Mal stattfand. Was ein Hackathon ist, wird auf der Seite der Nerd-Zone erklärt:

“Bei einem Hackathon arbeiten Programmierer unter Zeitdruck ein Wochenende lang an einem Projekt. Das Motto wird dabei vom Veranstalter vorgegeben. Ziel ist es dann innerhalb von 24h plus Vorbereitungszeit gemeinsam im Team vorzeigbare Ergebnisse zu produzieren. Die besten Teams werden mit Preisen belohnt. Ein Hackathon ist kein Programmierwettbewerb im klassischen Sinne, sondern ein Programmier-Fest! Es ist ein kollektives, soziales Erlebnis und nicht Arbeit. Es soll soviel Spaß machen wie eine gute Party, mit gutem Essen und netten Leuten.”

Bei Cod1ng da V1nc1 ging es darum, aus frei nutzbaren Kulturdaten etwas zu entwickeln, was nützlich ist, witzig ist oder einen klüger macht. Die Voraussetzung dafür ist, dass es Daten gibt. In diesem Fall stellten 16 Kultureinrichtungen “26 Datensets – darunter Bilder, Sounds, Karten, Videos und Metadaten – für den Kultur-Hackathon unter einer offenen Lizenz zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung, die vorher nur schwer zugänglich oder/ und nicht nachnutzbar waren”, wird auf der Website erklärt.

“Bei der Auftaktveranstaltung 2014 nahmen 150 Personen (Entwickler/innen, Designer/innen, Gamer/innen, Kulturinteressierte) teil und sammelten in Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen 27 Projektideen. Nach 10 Wochen produktiver Zusammenarbeit wurden 17 digitale Kulturprojekte bei der öffentlichen Preisverleihung vor 180 Interessierten vorgestellt,”

heißt es dort weiter. Wobei das jetzt die Kurzfassung ist, wer mehr wissen möchte, schaut sich die sechsminütige Zusammenfassung des letzten Jahres an:

Die Vogelstimmen, die mich täglich wecken, stammen übrigens aus dem Museum für Naturkunde in Berlin, das über ein Tierstimmenarchiv verfügt, in dem mehr als 15.000 Tonaufnahmen online abrufbar sind. Einen sehr viel ernsteren Hintergrund hat das Projekt “Inside 19xx“, das auf dem Datenmaterial über die im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen und AutorInnen basiert. Neben der Visualisierung der Lebenswege der AutorInnen ist es auch möglich, anhand des Datenmaterials das Leben der AutorInnen nachzuerzählen. Für die Projektseite wurde das Leben von Annette Kolb und Erich Kästner gewählt.

Eine Crowdfunding-Kampagne soll für das nötige Geld sorgen, um die Daten “säubern” zu können

Wenn Kultureinrichtungen heute die Sorge haben, sie könnten überflüssig werden, dann haben sie hier die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, indem sie ihre Daten zugänglich und frei nutzbar machen. Open cultural data sind die Voraussetzung für solche Wettbewerbe wie Cod1ng da V1nc1. Mia Ridge hat zu diesem Thema einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben, in dem sie nicht nur erklärt, warum diese Daten bis jetzt kaum genutzt worden sind, sondern auch einen Blick in die Zukunft wirft. Bei ihr habe ich auch eine Liste der Museen gefunden, die ihre Daten zur Verfügung stellen. Sie sieht schon recht beeindruckend aus, aber gemessen an der Zahl der Museen, die es weltweit gibt, ist das noch gar nichts.

Durch die fortschreitende Digitalisierung sammeln sich gerade im Museumsbereich gewaltige Datenmengen an. Allerdings werden sie häufig in speziellen Formaten abgespeichert und sind damit für andere nicht zu gebrauchen. Diese Daten müssen, sollen andere sie nutzen, erst “gesäubert” werden, was Kosten verursacht. Das Cod1ng da v1nc1-Team hat deshalb eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um ein Minimum von 10.000 Euro zusammen zu bekommen. Alle wichtigen Informationen enthält dieses Video:

 

In acht Tagen endet die Kampagne und noch fehlt ein Dreiviertel dieser Summe. Höchste Zeit also, dieses Vorhaben zu unterstützen. Mit frei verfügbaren Daten zu arbeiten und sie so aufzubereiten, dass sie uns – in welcher Hinsicht auch immer – einen entsprechenden Mehrwert bieten, ist, so denke ich, eine großartige Chance für die Kultureinrichtungen, sichtbarer zu werden und auf ganz unterschiedliche Art und Weise in unserem Alltag aufzutauchen. Zugegeben, es sieht nicht gut aus, was die Crowdfunding-Kampagne betrifft. Aber wenn ich daran denke, dass Pebble vor kurzem 8 Mio. USD für die Produktion einer SmartWatch einsammeln konnte und das an einem Tag, dann müsste es doch auch möglich sein, 7.500 Euro für den Kultur-Hackathon aufzutreiben, oder?