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Suchmaschine oder soziales Netzwerk: Woher kommt mehr Website Traffic?

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Foto von Carlos Muza auf Unsplash

Die Frage, wie man mehr BesucherInnen auf die eigene Website oder das Blog bekommt, wird mir immer wieder gestellt. Das Problem: So leicht ist sie nicht zu beantworten, denn den einen Weg zum Erfolg gibt es leider nicht. Wir alle wissen, dass die sozialen Netzwerke ein wunderbarer Trafficlieferant sein können. Und ebenso klar ist uns allen, dass es sinnvoll ist, mit den eigenen Inhalten in den Suchmaschinen vertreten zu sein, um von den UserInnen gefunden zu werden. Wer also nichts falsch machen möchte, produziert jede Menge Content, der dann hoffentlich über die Suchmaschinen gefunden wird und nutzt die sozialen Netzwerke, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und die UserInnen auf die eigene Website oder das Blog zu lenken. Das bedeutet aber auch, viel Zeit in die Produktion neuer Inhalte zu stecken und mindestens ebenso viel Zeit für Facebook, Twitter & Co. aufzuwenden. Das mag in der Anfangseuphorie funktionieren, aber vermutlich hält das niemand lange durch. Recht schnell macht sich dann Ernüchterung breit und vorbei ist es mit den hochgesteckten Zielen.

Wenn wir nicht in diese Situation kommen möchten, sollten wir uns zwei Dinge vorher überlegen:

  • Wieviel Content können wir produzieren?
  • Welchen Marketingkanal nutzen wir, um unsere Inhalte zu bewerben?

Vielen wird es bei der Antwort auf die erste Frage so gehen wie mir: Ich habe mich in der Vergangenheit regelmäßig überschätzt. Idealerweise sollte ich zwei Beiträge pro Woche schreiben, aber ich denke, realistischerweise schaffe ich einen Beitrag alle zwei Wochen. Für mich passt diese Frequenz, für andere vermutlich nicht. Warum ist das so?

Die Antwort darauf hat mit Frage zwei zu tun. Ich bekomme nämlich den meisten Traffic über die Suchmaschinen:

Klar, wenn ein neuer Beitrag erscheint, erhöht sich kurzfristig die Zahl der Zugriffe über die sozialen Netzwerke. Aber die Hauptlieferanten für meinen Traffic sind Google und mit weitem Abstand Bing. Der Vorteil für mich: Ich muss nicht jeden Tag neue Inhalte produzieren. Die Beiträge werden gefunden, auch wenn sie schon älter sind. Deshalb reicht es auch, wenn ich alle zwei Wochen einen Beitrag veröffentliche.

Fragt man mich nach dem Marketingkanal, über den ich meinen Content bewerbe, ist die Antwort daher klar: Es sind die Suchmaschinen, über die mit Abstand die meisten Zugriffe erfolgen. Die sozialen Netzwerke sind aus anderen Gründen wichtig, aber nicht unbedingt, um den Traffic auf meinem Blog zu steigern. Warum ist das so? Ich habe den Grund bis jetzt immer darin gesehen, dass mein Blog schon relativ alt ist (zehn Jahre) und viel Content enthält (> 1800 Beiträge). Im Umkehrschluss habe ich immer behauptet, dass junge Blogs oder Websites viel stärker auf soziale Netzwerke angewiesen sind, weil sie sich in den Suchmaschinenrankings noch nicht nach oben gearbeitet haben. Diese Argumentation ist vermutlich nicht ganz falsch, aber der Beitrag „Social Traffic vs. Search Traffic“ von Kishen Sreehari auf der Blogger-Plattform ShoutMeLoud liefert noch eine andere Erklärung. Es gibt nicht die eine Lösung, denn es gibt ganz unterschiedliche Arten von Blogs beziehungsweise Websites. Davon hängt es dann ab, welche Marketingkanäle am sinnvollsten sind.

In die Tiefe gehender Content wird meist über die Suchmaschinen entdeckt

Kishen Sreehari hat ein paar Blogs analysiert und macht deutlich, warum manche Blogs eher über die Suchmaschinen gefunden werden, andere wiederum über die sozialen Netzwerke. Beim ersten Blogbeispiel handelt es sich mit Backlinko um einen der renommiertesten Blogs im Bereich SEO. Brian Dean, der 2012 mit diesem Blog startete, ist übrigens ein Beispiel dafür, dass man auch mit wenigen, aber qualitativ hochwertigen Beiträgen sehr erfolgreich sein kann.

Die Zugriffe auf sein Blog erfolgen vor allem über die Suchmaschinen, wie die Grafik zeigt. Wer über Google &Co. gefunden werden möchte, für den hat Sreehari folgenden Hinweis parat:

„If you want to do well with search traffic, you’ll need content which people will be actively searching for.“

Am ehesten funktioniert das mit Nischenthemen, Anleitungen oder Beiträgen, in denen Tipps und Tricks beschrieben werden. Auch in meinem Blog sind es vor allem die How-to-Beiträge, die auf diese Weise aufgerufen werden. Überraschend ist das nicht, denn wenn wir etwas wissen möchten, nutzen wir Google und suchen nicht auf Facebook.

Aber zurück zu Backlinko. Ein nicht unerheblicher Teil der UserInnen findet auch direkt zu seinem Blog. Für Sreehari ist das ein Hinweis darauf, dass Dean mit seinem Blog eine starke Marke aufgebaut hat. Viele UserInnen kennen und schätzen sein Blog und müssen dafür nicht die Suchmaschinen bemühen oder in den sozialen Netzwerken auf neue Beiträge hingewiesen werden. Letzteres würde auch deshalb nicht funktionieren, weil nur selten neue Beiträge erscheinen.

Tagesaktuelle Informationen verbreiten sich oft über soziale Netzwerke

Das Blog „Wait But Why“ geht in eine ganz andere Richtung. Man findet dort Beiträge über Themen, die Millennials, Hipster und Geeks interessieren. Nicht ein spezielles Thema steht im Vordergrund, sondern Dinge, die gerade bei dieser Zielgruppe angesagt sind. Wie erfolgen die Zugriffe auf diese Seite?

Im Unterschied zu den beiden ersten Blogs wird diese Seite sehr häufig über die sozialen Netzwerke gefunden. Wer möchte, dass die eigene Seite auf diese Weise entdeckt und der Inhalt möglichst oft geteilt wird, muss, so Kishen Sreehari, vor allem auf „Trending News, Funny Memes“ und „Popular Culture“ setzen. „Wait But Why“ ist aber auch eine bekannte Marke, viele warten schon auf neue Beiträge und steuern die Seite direkt an. Was muss man für so viele Direktzugriffe tun?

„If you want traffic to come to you directly, you need to be an authority, you need to be original, and you need to be the only one producing that kind of content“,

erklärt Sreehari.

Interessant ist sein letztes Beispiel, die Seite von Business Insider. Obwohl als Marke durchaus bekannt, hat sie im Verhältnis zu den letzten zwei Beispielen nur wenige Direktzugriffe.

Es ist natürlich schwer, die Gründe für die verhältnismäßig niedrige Zahl an Direktzugriffen zu bestimmen. Einerseits kann es daran liegen, dass es nicht die einzige Website ist, die solchen Content anbietet. Andererseits liegt es unter Umständen an den zahlreichen Beiträgen, die dort erscheinen. Die, die einen interessieren, zu finden, ist gar nicht so leicht und kostet vor allem Zeit. Da nutzt man dann eher die Suchmaschinen, um die gewünschten Inhalte zu finden.

Warum erfolgen aber so viele Zugriffe über die sozialen Netzwerke? Sreehari vermutet, dass es an der Berichterstattung über aktuelle Veranstaltungen liegt. Sein Tipp:

„If there’s one quick way to get a lot of traffic from social media, it’s to cover the latest news in your field.“

Fazit

Je unverwechselbarer Sie und Ihre Inhalte sind, je größer Ihre Reputation, desto höher wird die Zahl der Direktzugriffe auf Ihre Website oder Ihr Blog sein. Auf die sozialen Netzwerke sollte setzen, wer über tagesaktuelle Geschehnisse berichtet beziehungsweise über Trendthemen schreibt. Geht es um Anleitungen, tiefergehende Informationen oder Inhalte, die man sonst nirgends finden kann, kommen die UserInnen wohl über die Suchmaschinen.

Was bedeutet das für Kultureinrichtungen? Eine bekannte Marke und eine „logische“ Domain („namederkultureinrichtung.de“) sorgen dann für viele Zugriffe, wenn die Qualität der Inhalte stimmt. Kommen die UserInnen nicht nur, um sich über die kommende Ausstellung, die Abendveranstaltung zu informieren, müsste deren Verweildauer relativ hoch sein. Museen, die rund um ihre Ausstellungen vertiefenden Content anbieten, werden großteils über die Suchmaschinen gefunden, geht es um die Ausstellung selbst, beispielsweise die Eröffnung, werden die UserInnen wohl eher über die sozialen Netzwerke erreicht.  Oder am Beispiel Oper: Wenn Sie sich in einem Blogbeitrag mit der Aufführungsgeschichte des Fidelio beschäftigen, wird dieser Beitrag mittel- und langfristig über die Suchmaschinen gefunden werden. Geht es um die morgige Premiere, ist das was für die sozialen Netzwerke.

In der Analyse Ihrer Inhalte ist es Ihnen möglich, herauszufinden, ob sich die Zugriffe über soziale Netzwerke oder Suchmaschinen im normalen Rahmen bewegen. Sie wissen aber auch, wie Sie eine Entwicklung unterstützen oder bei Bedarf gegensteuern können.

9 Comments Join the Conversation

  1. Hallo Christian,
    schön wieder etwas von Dir zu lesen. Es ist ein guter Artikel, der verschiedenen Fazetten beleuchtet. Er beschreibt einen großen Bereich meiner Arbeit als freiberuflicher Künstler. Denn was nützen meine Bilder, wenn sie keiner kennt, wenn keiner meine / unsere Ausstellungen besucht, wenn kein Malschüler in meine Kurse kommt, ….
    Wichtig ist es, anzufangen über seine Arbeit zu schreiben und Content zu veröffentlichen. Spaß bei dieser Arbeit zu haben und es als Chance zu begreifen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die man sonnt nie erreicht. Warum hier zaudern?
    Beharrlichkeit und Kontinuierlichkeit in der Kommunikation wird dann von Menschen und den Suchmaschinen belohnt und ist der Weg, eine Marke / seinen Namen dauerhaft zu verankern.
    Oft ergeben sich dann die verschiedenen Aspekte der weiteren Arbeit alleine. Zum Beispiel wenn man sich die Frage nach dem Altersdurchschnitt seiner Kunden / Besucher stellt oder die Chance hat mit Bildern Emotionen anzusprechen, dann ergeben sich verschiedene Kanäle im Bereich Social Media. Es ist auch wichtig, über verschiedene Kanäle seinen Content anzubieten. Wenn Facebook / Instagram mal wieder die Reichweite einschränken, um mehr Werbung zu verkaufen oder Google Änderungen einführt ist, ist man nicht so stark von den negativen Auswirkungen abhängig.
    Um mit den Menschen zu kommunizieren gehört aber auch oft dazu die Presse, den Hörfunk und das TV nicht zu vergessen, wenn man dort die Menschen erreichen kann, die zur Zielgruppe gehören. Um unser erstes Plein Air Festival – Malen am Meer – haben wir erfolgreich auf allen Kanälen gespielt. Es ist schön,
    – wenn jetzt die Teilnehmer auf den sozialen Netzen darüber berichten und die Reichweite erhöhen,
    – wenn auf Grund der Berichterstattung in der Presse und im Web im vergangenen halben Jahr Menschen aus Deutschland und der Schweiz anreisen,
    – wenn jetzt auf Grund der aktuellen Kommunikation im Web, der Presse, dem Hörfunk und dem TV Rückfragen zum Festival im kommenden Jahr kommen.

    Es ist Arbeit, aber ohne diese Kommunikation auf verschiedenen Kanälen (mit dem Schwerpunkt WEB) und den Spaß dabei, möglichst viele Menschen zu erreichen, hätte es das Festival nicht gegeben.

    Beste Grüße
    Frank

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  2. Danke für Deinen Kommentar, @Frank! Du sprichst zwei entscheidende Punkte an, die in meinen Augen wesentlich sind, wenn man Erfolg haben möchte: Ausdauer (Durchhaltevermögen) und Spaß. Gerade am Anfang ist es oft frustrierend, wenn man schreibt und schreibt, aber die Reaktionen ausbleiben. Aber das kommt schon…

    Du sprichst andere Medienkanäle an, damit hast Du natürlich recht. Darum wird es in einem meiner nächsten Blogbeiträge gehen, denn die klassischen Medienkanäle sind für viele auch heute noch unverzichtbar. Radio, TV oder die Printmedien spielen in der Customer Journey eine wichtige Rolle.

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  3. Guten Morgen Christian,

    Ich kann mich Frank nur anschließen. Wir haben gerade vor kurzem über unsere WordPress Statistik diskutiert.

    Du hast mir jedoch nochmal bewusst gemacht, dass viele ihre Fragen (auch ich) google stellen. Dementsprechend werde ich meine Tags ausrichten.

    Grüße von Susanne

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      • Ja, eigentlich über die Bildersuche. Leider hat google bei den Suchalgorhythmen für Bilder etwas geändert und meine Zahlen sind gesunken. Mein bestes Jahr war 2013. Ich überlege gerade, wie ich am besten in den Blogtexten Fragen stellen und beantworten kann, die dann auch von google gefunden werden. Das erscheint mir ein guter Ansatz! Ich investiere zu wenig Zeit in Twitter, Facebook und Instagramm. Eine alternative dazu zu haben, macht mich schon froh!
        Einen schönen Tag von Susanne

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  4. Hallo Christian,

    Danke für diese differenzierte Betrachtung abseits der Standardrezepte. Interessant finde ich die Differenzierung zwischen Themen und Zielgruppen, das gibt nochmal eine neue Perspektive für den eigenen Blog. Nicht jeder Blog ist ein Problemlöser, aber vielleicht lassen sich auch Blogartikel einbinden, die konkret auf eine Frage der Zielgruppe eingehen.
    Ich teile auch die Meinung von Frank, dass man seine Webseite so befüllen sollte, wie einem liegt und so wie es einem selber Spaß macht. Das wirkt dann auch gegen vielen austauschbaren Einheitsbrei.

    Viele Grüße
    Eva

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  5. @Eva: danke für Dein Feedback! Stimmt, gerade im Kunst- und Kulturbereich geht es selten darum Probleme zu lösen. Ich spreche in dem Fall lieber von Bedürfnissen, das trifft es meiner Meinung nach besser.

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  6. @Susanne: Bei mir war auch 2013 das Jahr mit den höchsten Zugriffszahlen. Die Frage ist aber, ob die Zugriffszahlen alleine so wichtig sind. Schließlich hast Du ja im Laufe der Jahre Deine Reputation gesteigert. Du wirst dadurch vielleicht direkt zu einer Ausstellung Deiner Bilder eingeladen oder man spricht Dich von Medienseite an, weil man Dich und Dein Blog kennt.

    Am Ende zählt, ob Du genügend Geld verdienst, um die Kunst machen zu können, die Du machen möchtest. Wenn diese Zahlen im Laufe der Jahre besser oder zumindest gleich geblieben sind, dann weißt Du, dass es auf die Zugriffszahlen alleine nicht ankommt.

    Die Idee mit den Fragen finde ich gut. Vermutlich gibt es Fragen, die Dir immer wieder gestellt werden. Mach doch daraus einfach eine neue Kategorie im Blog. Das macht sich sicher positiv bemerkbar.

    Ich müsste auch auf Facebook, Twitter & Co aktiver sein, aber der Tag hat halt nur 24 Stunden. Und solange die Zugriffe hauptsächlich über die Suchmaschinen erfolgen, ist es in meinen Augen nicht schlimm, dass ich in den sozialen Netzwerken nicht ganz so aktiv bin wie ich es mir vorstelle. Ich persönlich würde da eher die Zahl der Blogbeiträge erhöhen.

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    • Ja, Christian, da hast du recht!
      Auf jeden Fall ist meine Reputation gestiegen. Ich habe manche Prioritäten verschoben und auch das verdanke ich den Blog. Er hilft mir, mich gut zu organisieren und ich bin im Internet gut zu finden.
      Bei der neuen Kategorie zögere ich noch, weil ich schon sehr viele Kategorien habe und ich denke, dass diese Einteilung fast nur für mich persönlich ist. Die meisten Leser meines Blogs wissen nichtmal, wie sie am Ende eine Seite weiter gelangen und drücken so wenig Knöpfe wie nötig, um meinen Blog zu lesen. Schade! Aber nicht zu ändern. Mein Blog spricht ein „nicht Informatik-Affines Publikum an“ :-). Informatik ist zu viel gesagt, aber mein Blog ist schon mit vielen Informationen angereichert 🙂
      Einen sonnigen Tag nach Wien und herzlichen Dank für deine Hinweise von Susanne

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