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Blogparade: #TheaterimNetz

2 Kommentare

Foto von Anna Dziubinska auf Unsplash.

Marc Lippuner hat sich auf dem Kulturfritzen-Blog die Frage gestellt, warum sich die Theater mit dem Social Web so schwer tun? Die Frage taucht immer wieder auf, Devon Smith hat sich beispielsweise 2010 das Social Media-Verhalten von Theatern angeschaut (siehe mein Blogpost „So nutzen Theater Social Media„) und dabei festgestellt, dass das Potenzial bei weitem nicht genutzt wird. Vermutlich käme man, so man diese Untersuchung wiederholen würde, zu einem ähnlichen Ergebnis. Was aber sind die Gründe dafür? Eindeutige Antworten gibt es darauf bis heute nicht und so gefällt mir die Idee von Marc, zu einer Blogparade aufzurufen:

„Warum findet Theater im Netz nicht wirklich statt, aber auch: Warum findet das Netz im Theater nicht statt?“

Stimmt ja gar nicht, könnte ich entgegnen und Beispiele wie dieses Video auflisten. Irgendwie erinnert es mich an „Beam me up Scotty„, aber ob die Bewerbung als SchauspielerIn in ein paar Jahren in Form eines Videospiels über die Bühne geht, wage ich doch zu bezweifeln (siehe dazu auch den Beitrag von Joe Patti: „Theatre of the Future Gives Me Ulcers„).

Gut, Internet und Theater, das gibt es schon, aber es sind meist einzelne Aktionen, wie Christian Holst in seinem Beitrag zu dieser Blogparade feststellt. Für ihn geht es aber nicht darum, mit großem Aufwand für eine begrenzte Zeit maximale Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern alltagstaugliche Konzepte zu entwickeln. Seiner Meinung nach gelingt das am besten

„mit schnell und meist sogar zufällig erstelltem ‚Cat content‘, also Content mit überschaubarem inhaltlichen Niveau aber hohem Emotionalisierungs-potential, und durch Werbeanzeigen vergrösserter Reichweite“.

Die sozialen Netzwerke sind für ihn also eher digitale Pausenfoyers, in denen nicht tiefschürfende Gespräche stattfinden, sondern Small Talk im Vordergrund steht. Es mag ernüchternd klingen, aber so abwegig ist dieser Gedanke nicht. Jeremy Rifkins hat in seinem Buch „Access“ vor der drohenden Kommerzialisierung unserer Gesellschaft gewarnt. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel, der vor wenigen Tagen in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen ist. In „Shop till you drop“ vertritt Autor Robert Kaltenbrunner die These,

„dass das Shopping in unserer Gesellschaft die letzte verbliebene ‚öffentliche Handlungsweise‘ darstelle“

und das urbane Leben vom System des Kaufens und Verkaufens bestimmt werde. Dabei steht nicht mehr die Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund, sondern das Erlebnis. So ist auch zu erklären, warum der Begriff der Customer Experience so eine große Bedeutung hat. Kaltenbrunner beschreibt in seinem Artikel, wie der Vorgang des Kaufens und Verkaufens in den Städten immer wieder neu inszeniert wurde, nur so konnten die sogenannten Konsumtempel entstehen. Diese Entwicklung sieht er aber nun durch die wachsende Bedeutung des Internets und den stark zunehmenden Onlinehandel gefährdet. Es gilt daher Konzepte zu entwickeln, die unserem veränderten Kaufverhalten gerecht werden und den Orten des Kaufens und Verkaufens neue Attraktivität verleihen. Meine Idee des „digitalen Erlebnisraums“ geht in diese Richtung, bei der der reale Ort beziehungsweise Raum eine digitale Erweiterung erfährt. Was das für unsere Städte bedeutet, hat Frank Tentler in seinem Blogbeitrag „Nächste Haltestelle: City 4.0“ sehr schön beschrieben.

Wenn wir die sozialen Netzwerke vor allem für Unterhaltungszwecke nutzen, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Kunst- und Kulturbereich. Natürlich lassen sich an geeigneter Stelle inhaltliche Diskussionen führen, es gibt zum Beispiel zahlreiche Facebookgruppen, wo das wunderbar funktioniert. Aber um im Newsfeed der Mehrzahl der UserInnen zu bestehen, ist das vermutlich nicht der richtige Ansatz. Verlangt wir die (digitale) Inszenierung und das hat für die verschiedenen Kunstsparten unterschiedliche Konsequenzen. Der Museumsbereich tut sich in meinen Augen mit dieser Entwicklung leichter als etwa das Theater. Objekte zu inszenieren und das nach Möglichkeit auch im digitalen Raum, das ist etwas, das den Museen in Ansätzen schon recht gut gelingt. Das Projekt „Rembrandt digital„, das mit dem Hashtag #myrembrandt für Aufsehen gesorgt hat, steht stellvertretend für etliche Ideen, die in den letzten Jahren umgesetzt werden konnten.

Die Theater tun sich an dieser Stelle sehr viel schwerer. Dort haben wir es nicht mit Objekten zu tun, die man jederzeit zur Verfügung hat und digital auf Reisen schicken kann, sondern mit Inszenierungen. Gesucht sind in meinen Augen Ideen zur digitalen Erweiterung von auf der Bühne stattfindenden Inszenierungen. Ich weiß nicht, ob man hier vom Spiel im Spiel sprechen kann, aber in eine solche Richtung weiterzudenken macht unter Umständen Sinn. Die „Inszenierungen“ von machina eX fallen mir in diesem Zusammenhang ein.

Ob Pausenfoyer oder „Computerspieltheater“, das ist für mich der Rahmen, der den Theatern zur Verfügung steht, wenn sie den digitalen Raum für ihre Zwecke nutzen wollen. Die Verwendung der Netzwerke als Pausenfoyer verstößt vermutlich gegen das Selbstverständnis vieler Menschen, die in den Theatern arbeiten und das, was machina eX „auf die Bühne“ bringt, entspricht wohl auch nicht unbedingt dem, was die meisten sich von einer Bühneninszenierung erwarten.

Ob ich mit meinen Gedanken richtig liege, weiß ich nicht, aber ich würde dieses Thema gerne auf dem stARTcamp am 10. Dezember hier in Wien diskutieren. Einige Tickets gibt es noch, vielleicht haben Sie ja Lust und Interesse, sich über dieses und etliche andere Themen auszutauschen. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum #scvie.

2 Comments Join the Conversation

  1. Pingback: #TheaterimNetz – Aufruf zur Blogparade |

  2. hallo christian,
    vielen dank für deinen beitrag zur blogparade. wunderbar, deine gedanken decken sich in vieler hinsicht mit meiner. freue mich auf die diskussion am donnerstag.
    herzliche grüße, marc

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