zzZwitscherwecker
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Vogelgezwitscher, Open Cultural Data und der Kultur-Hackathon Coding da Vinci

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Ich bin vermutlich nicht der einzige, der sich morgens von einem Wecker aus dem Schlaf reißen lässt. Bei vielen ertönt ein Klingelton, andere lassen sich lieber mit Musik wecken. Bei mir sind es im Moment Vögel, die mich mit ihrem Gezwitscher aufwecken. Wer am richtigen Ort wohnt, der hat sie vor seinem Zimmer, ich nutze dafür – in Ermangelung der Vögel – die App zzZwitscherwecker (leider nur für Android erhältlich). Jeden Tag bekomme ich etwas anderes vorgespielt und sollte dann sofort munter sein, denn um das Gezwitscher abzustellen, muss ich raten, welcher Vogel da singt. Insgesamt vier Vögel stehen zur Auswahl und wenn ich richtig geraten habe, kann ich noch Informationen über den „Sänger“ abrufen und zwar in Form des Wikipedia-Artikels. Rate ich falsch, zwitschert der Vogel weiter, was allerdings nicht unangenehm ist.

Interessant ist die Herkunft der Vogelstimmen, denn diese App ist eines der Ergebnisse des Kultur-Hackathon Cod1ng da V1nc1, der letztes Jahr zum ersten Mal stattfand. Was ein Hackathon ist, wird auf der Seite der Nerd-Zone erklärt:

„Bei einem Hackathon arbeiten Programmierer unter Zeitdruck ein Wochenende lang an einem Projekt. Das Motto wird dabei vom Veranstalter vorgegeben. Ziel ist es dann innerhalb von 24h plus Vorbereitungszeit gemeinsam im Team vorzeigbare Ergebnisse zu produzieren. Die besten Teams werden mit Preisen belohnt. Ein Hackathon ist kein Programmierwettbewerb im klassischen Sinne, sondern ein Programmier-Fest! Es ist ein kollektives, soziales Erlebnis und nicht Arbeit. Es soll soviel Spaß machen wie eine gute Party, mit gutem Essen und netten Leuten.“

Bei Cod1ng da V1nc1 ging es darum, aus frei nutzbaren Kulturdaten etwas zu entwickeln, was nützlich ist, witzig ist oder einen klüger macht. Die Voraussetzung dafür ist, dass es Daten gibt. In diesem Fall stellten 16 Kultureinrichtungen „26 Datensets – darunter Bilder, Sounds, Karten, Videos und Metadaten – für den Kultur-Hackathon unter einer offenen Lizenz zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung, die vorher nur schwer zugänglich oder/ und nicht nachnutzbar waren“, wird auf der Website erklärt.

„Bei der Auftaktveranstaltung 2014 nahmen 150 Personen (Entwickler/innen, Designer/innen, Gamer/innen, Kulturinteressierte) teil und sammelten in Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen 27 Projektideen. Nach 10 Wochen produktiver Zusammenarbeit wurden 17 digitale Kulturprojekte bei der öffentlichen Preisverleihung vor 180 Interessierten vorgestellt,“

heißt es dort weiter. Wobei das jetzt die Kurzfassung ist, wer mehr wissen möchte, schaut sich die sechsminütige Zusammenfassung des letzten Jahres an:

Die Vogelstimmen, die mich täglich wecken, stammen übrigens aus dem Museum für Naturkunde in Berlin, das über ein Tierstimmenarchiv verfügt, in dem mehr als 15.000 Tonaufnahmen online abrufbar sind. Einen sehr viel ernsteren Hintergrund hat das Projekt „Inside 19xx„, das auf dem Datenmaterial über die im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen und AutorInnen basiert. Neben der Visualisierung der Lebenswege der AutorInnen ist es auch möglich, anhand des Datenmaterials das Leben der AutorInnen nachzuerzählen. Für die Projektseite wurde das Leben von Annette Kolb und Erich Kästner gewählt.

Eine Crowdfunding-Kampagne soll für das nötige Geld sorgen, um die Daten „säubern“ zu können

Wenn Kultureinrichtungen heute die Sorge haben, sie könnten überflüssig werden, dann haben sie hier die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, indem sie ihre Daten zugänglich und frei nutzbar machen. Open cultural data sind die Voraussetzung für solche Wettbewerbe wie Cod1ng da V1nc1. Mia Ridge hat zu diesem Thema einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben, in dem sie nicht nur erklärt, warum diese Daten bis jetzt kaum genutzt worden sind, sondern auch einen Blick in die Zukunft wirft. Bei ihr habe ich auch eine Liste der Museen gefunden, die ihre Daten zur Verfügung stellen. Sie sieht schon recht beeindruckend aus, aber gemessen an der Zahl der Museen, die es weltweit gibt, ist das noch gar nichts.

Durch die fortschreitende Digitalisierung sammeln sich gerade im Museumsbereich gewaltige Datenmengen an. Allerdings werden sie häufig in speziellen Formaten abgespeichert und sind damit für andere nicht zu gebrauchen. Diese Daten müssen, sollen andere sie nutzen, erst „gesäubert“ werden, was Kosten verursacht. Das Cod1ng da v1nc1-Team hat deshalb eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um ein Minimum von 10.000 Euro zusammen zu bekommen. Alle wichtigen Informationen enthält dieses Video:

 

In acht Tagen endet die Kampagne und noch fehlt ein Dreiviertel dieser Summe. Höchste Zeit also, dieses Vorhaben zu unterstützen. Mit frei verfügbaren Daten zu arbeiten und sie so aufzubereiten, dass sie uns – in welcher Hinsicht auch immer – einen entsprechenden Mehrwert bieten, ist, so denke ich, eine großartige Chance für die Kultureinrichtungen, sichtbarer zu werden und auf ganz unterschiedliche Art und Weise in unserem Alltag aufzutauchen. Zugegeben, es sieht nicht gut aus, was die Crowdfunding-Kampagne betrifft. Aber wenn ich daran denke, dass Pebble vor kurzem 8 Mio. USD für die Produktion einer SmartWatch einsammeln konnte und das an einem Tag, dann müsste es doch auch möglich sein, 7.500 Euro für den Kultur-Hackathon aufzutreiben, oder?

 

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