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Inboundmarketing oder: Wovon das Kulturmarketing schon immer geträumt hat

8 Kommentare

Marketing, das war für viele, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiteten, schon immer ein rotes Tuch. Wer ihnen mit dem Marketingmix kam, wurde schon mal böse angeschaut. Man wolle keine Werbung machen, schließlich würden die Inhalte für sich selbst sprechen, so ihr Argument. Aber wie das so ist, irgendwann fängt man dann doch damit an, Mails zur Ausstellungseröffnung zu verschicken und wenn man einen Blick in die Marketingabteilungen der Kultureinrichtungen hineinwirft, dann sieht man, dass die dort die vier Säulen des Marketing (Produkt, Preis, Distribution, Kommunikation) sehr wohl ein Thema sind.

Die Vorbehalte gegenüber der Werbung scheinen verschwunden, über die verschiedenen Kommunikationskanäle wird fleißig für die eigene Arbeit geworben. Plakate, Flyer, Newsletter, Programmhefte oder Inserate, das Instrumentarium ist umfangreich. Über diese Wege sollen die Zielgruppen erreicht und dazu gebracht werden, die Angebote in Anspruch zu nehmen. Was früher mal ganz gut funktioniert hat, ist heute schwieriger geworden. Abgesehen von den steigenden Kosten ist es nicht so leicht, mit seinen Botschaften durchzudringen. Das Verhalten derer, die unsere Produkte kaufen beziehungsweise unsere Veranstaltungen besuchen sollen, hat sich verändert.

Werbung, das merken wir ja an uns selbst auch, funktioniert nicht mehr so wie früher. Wir sind skeptisch, wenn jemand von sich behauptet, dass er ein ganz tolles Produkt oder Angebot habe. Ich glaube nicht, dass die Zeit des Outbound Marketing vorbei ist. Die Frage ist, wie groß das Gewicht sein soll und ob es sich nicht lohnen würde, mehr Zeit und Geld in das Inbound Marketing zu stecken, an neuen Formaten zu arbeiten wie zum Beispiel das Theater in Oberhausen (siehe dazu mein Blogpost „#bestpractice: Das Theater Oberhausen hat ein neues Onlinemagazin„).

Bringt das was? Amanda Walgrove hat sich in ihrem Blogbeitrag „Why Inbound Marketing Is on the Rise, and What That Means for Content Marketing“ den „State of Inbound Report“ der Firma Hubspot angeschaut, einem Unternehmen, das Softwarelösungen im Bereich Inbound Marketing anbietet. Die Befragung von insgesamt 3570 MitarbeiterInnen in den Bereichen Marketing und Vertrieb zeigt, dass der Trend in Richtung Inbound Marketing geht. Es werden auf diese Weise mehr Leads generiert und die Qualität der Leads ist höher als beim Outbound Marketing. Besonders interessant ist für mich diese Grafik, die die Frage beantwortet, welche Kanäle für die Leadgenerierung wichtig sind?


Why Inbound Marketing Is on the Rise, and What That Means for Content Marketing

Die Antworten fallen recht unterschiedlich aus, abhängig davon, ob bei einem Unternehmen das Inbound oder Outbound Marketing im Vordergrund steht. Die Grafik zeigt aber auch, dass es nicht um ein entweder oder geht, sondern eher um die Gewichtung. Niemand setzt nur auf eine der beiden Ansätze.

Inbound Marketing ist also im Kommen und daher, so denke ich, auch ein Thema für den Kunst- und Kulturbereich. Wenn wir es als Kunden verschiedener Unternehmen bevorzugen, uns auf die Suche nach Inhalten zu machen, wenn wir sie brauchen, tun wir das vermutlich auch, wenn es um Kunst oder Kultur geht. Oder gibt es irgendwelche Argumente, die dagegen sprechen? Ich hatte eingangs geschrieben, dass im Kunst- und Kulturbereich das Marketing oft nicht gerne gesehen war, eben weil man Werbung für die eigene künstlerische Arbeit ablehnte. Das Inbound Marketing ist eigentlich genau das, was sich die KritikerInnen gewünscht haben: Über die Inhalte auf sich aufmerksam zu machen.

Die Herausforderung besteht nun darin, die passenden Konzepte zu entwickeln. Die meisten Kultureinrichtungen bevorzugen es nach wie vor, (Werbe)-Botschaften zu versenden, auch auf Facebook. Eigentlich reicht es ja, dort weiter zu denken, wo man mit seiner Kritik aufgehört hat. Die Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, sind mittlerweile andere geworden. Aber das ist dann der Inhalt für einen weiteren Blogbeitrag.😉

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  1. „Über die Inhalte auf sich aufmerksam zu machen.“ Ja richtig, und dennoch sieht es so aus, dass sich auch das Publikum/die KonsumentInnen an diese Art von Marketing gewöhnen müssen😉

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  2. hmm, glaubst Du, wir sind es schon so gewohnt, anagitiert zu werden, dass wir uns gar nicht mehr die Mühe machen?

    Ich denke, es ist eher so, dass sich Kulturbetriebe und deren potenzielle Zielgruppen auseinandergelebt haben. Kunst und Kultur sind immer fest davon überzeugt, dass es alle interessiert, was sie da machen. Ich bin mir da nicht so sicher und sehe das auch als einen Grund, warum dieses auf sich aufmerksam machen nicht funktioniert.

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  3. Lieber Christian,
    ich lerne ja permanent dazu – auch was die verschiedenen Marketing-Begriffe angeht. Hätte ich mir während meines Studiums nicht vorstellen können (hab bei den Kunsthistorikern natürlich NIEMALS etwas in dieser Richtung gehört!!).

    Im Moment bin ich ganz fasziniert von den Inhalten, die uns beim Goethe-MOOC „Managing the Arts“ offeriert werden. Da lernte ich z.B. dass es ein Dilemma gibt, sich zu orientieren zwischen der romantischen (!) Vorstellung der Künste und den berechtigten Besucher(customer)wünschen.

    Dort wurde auch von relationship marketing gesprochen. Das scheint mir ein guter Ansatz zu sein. Mir hat auch der Gedanke sehr gefallen, dass Kunst/Kultur vergleichbar ist mit der Liebe! Denn man kann sie auch nicht alleine erfahren/ausleben!! Kultur braucht auch immer jemanden, der es erlebt. Und – das ist für uns Onliner spannend – auch jemand, der es teilt/weitersagt! (So Prof. Arjo Klamer)

    Alles sehr spannende Aspekte, die auch in der Frage des Marketing eine große Rolle spielen können.

    Marketing ist eben doch so viel mehr als Vertrieb. Es geht nicht nur um das Ticket, das verkauft werden soll.

    Viele Grüße von Anke

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  4. Danke für Deinen Kommentar, Anke. Es geht beim Marketing um die Pflege von Austauschbeziehungen, hat Philip Kotler mal gesagt und das ist in der Tat mehr als Vertrieb. Diese Austauschbeziehungen entstehen vor allem dann, wenn die künstlerischen und kulturellen Angebote rund um ein soziales Objekt entwickelt werden. Und sie sind die Voraussetzung dafür dass Art as the Hub funktioniert, wie das Adam Thurman mal so schön gesagt hat. Kultureinrichtungen sind dann eine Art social hub und der Ausgangspunkt sind künstlerische bzw. kulturelle Inhalte.

    Eigentlich ist das genau das, was sich viele Kultureinrichtungen wünschen. Und ich denke, die Lücke zwischen „romantischen Vorstellungen“ und den Wünschen der Besucher könnte dadurch ein Stück kleiner werden.

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  5. Pingback: Online Marketing heute: Inbound und Content Marketing im Fokus - bwl zwei null

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