Crowdfunding
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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)

7 Kommentare

Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Im zweiten Teil dieser Serie hatte ich geschrieben, dass eine Crowdfunding-Kampagne nicht ein kleines Anhängsel eines „richtigen“ Projektes ist, sondern als ein eigenständiges Vorhaben zu betrachten sei. Wer schon mal eine Kampagne durchgeführt hat, weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Die Frage ist, über welchen Zeitraum wir diese Arbeit verteilen, denn die Laufzeit unserer Kampagne bestimmen wir in der Regel selber.

Schritt 6: Setzen Sie den Termin für die Deadline fest

Gerade AnfängerInnen entscheiden sich häufig für eine längere Laufzeit, weil sie glauben, so größere Chancen zu haben, das eigene Vorhaben erfolgreich zu finanzieren. Ob das wirklich so stimmt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ein Blogbeitrag aus dem letzten Sommer weist darauf hin, dass auf Kickstarter Kampagnen mit einer Laufzeit von 30 oder weniger Tagen eine höhere Erfolgsquote (35 Prozent) aufweisen als die mit einer Laufzeit von 60 Tagen (Erfolgsquote: 29 Prozent). Offen bleibt, ob dabei die Dauer der Kampagne eine Rolle spielt oder die Höhe der Summe, um die es geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meiste Unterstützung zu Beginn und am Ende einer Kampagne gibt. Dazwischen geht es oft sehr zäh voran. Meist lässt die erste Euphorie des Projektteams nach einem – hoffentlich – erfolgreichen Auftakt etwas nach und auch die UnterstützerInnen denken sich, dass es ja noch nicht eilig sei, das Vorhaben zu unterstützen. Ich scheue mich davor, von einer Durchhängerphase zu sprechen, aber meist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag wesentlich schlechter als in Start- und Endphase. Deshalb plädiere ich eher für kurze Laufzeiten, bei kleineren Projekten sind das zum Beispiel 30 Tage, bei größeren 60. Maria Weiss hat zum Beispiel genau 30 Tage gebraucht, um für ihr Projekt „favola in musica“ 9.200 Euro einzusammeln und damit das Brennen der CD und den Druck des Digibooks zu finanzieren.

favola in musica

Die Plattform Indiegogo testet derzeit die Möglichkeit, Kampagnen über deren eigentliches Ende hinaus weiter laufen zu lassen. In ihrem Blogpost „Continuing Your Success on Indiegogo“ wurde vor zwei Monaten das Pilotprogramm „Forever Funding“ angekündigt,

„that will let campaigners continue raising money even after their campaign deadline, providing a new way to deepen their engagement with funders“.

Mir gefällt der Ansatz, denn er fördert eine Entwicklung, in der Crowdfunding sich immer mehr in Richtung Marketing bewegt und den engen Kontakt zu den UnterstützerInnen auch über die Kampagne hinaus zu nutzen. Ob er sich bewährt, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass dieses Modell vor allem denen entgegenkommt, die mit Hilfe von Crowdfunding die Entwicklung eines Produktes finanzieren und es als Gegenleistung zum Kauf anbieten. Ein Beispiel ist die Kampagne für das Tracking-Tool TrackR bravo, die bis zum eigentlichen Kampagnenende Anfang August 1,26 Mio. USD einsammeln konnte und mittlerweile bei 1,46 Mio. angekommen ist. Ob dieses Modell auch bei einem jährlich stattfindenden Theaterfestival funktioniert, müsste man ausprobieren. Allerdings ist die Herausforderung in diesem Fall ungleich größer als bei dem erwähnten Beispiel, denke ich.

Schritt 7: Finden Sie die passenden Gegenleistungen

Die Gegenleistungen entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg einer Crowdfunding-Kampagne. Wer hier gute und kreative Ideen und das Gespür dafür hat, was der „Crowd“ gefällt, kann seine Erfolgsaussichten gewaltig steigern. Wer die Entwicklung und Produktion eines Produktes, zum Beispiel einer CD, eines Films oder Buches, finanziert, hat es relativ leicht, denn als Gegenleistung steht das Produkt selbst zur Verfügung. Bei der Kampagne von TrackR bravo kann ich lediglich das Tool erwerben und es farblich und mit einer Gravur versehen aufpeppen. Außerdem gibt es Mengenrabatt. Das ist nicht sonderlich einfallsreich, aber wenn sich die UnterstützerInnen für das Produkt interessieren, reicht das.

Maria Weiss war da etwas keativer und hat nicht nur die CD in mehreren Varianten angeboten, sondern auch an den kleinen Geldbeutel gedacht. Wer nicht bereit ist, eine CD zu erwerben und das Projekt trotzdem unterstützen möchte, kann das auch mit geringen Beträgen tun und erhält zum Beispiel einen Song zum Download oder ein Postkartenset mit Motiven aus der Produktion. Darüber hinaus kann eine UnterstützerIn aber auch eine Gesangsstunde, ein Abendessen oder eine Kutschenfahrt „erwerben“. Dabei sollten Sie beachten, dass bei den Gegenleistungen selbst auch wieder Kosten anfallen. Das heißt, mit den Beträgen, für die die Crowd eine Gegenleistung erhält, müssen sie sowohl das eigentliche Projekt, aber auch die Gegenleistungen finanzieren. Dass ein Abendessen für drei Personen etwas kostet, wissen Sie natürlich. Aber vergessen Sie nicht die Portokosten, wenn Sie Bücher oder CDs verschicken.

Wie viele verschiedene Gegenleistungen sollten Sie anbieten? Die Plattform VisionBakery schlägt in einem Blogbeitrag fünf bis zehn verschiedene Angebote vor, ansonsten droht es ihrer Ansicht nach unübersichtlich zu werden. Zehn unterschiedliche Gegenleistungen zu entwickeln, ist schon eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn man keine CD und kein Buch, sondern ein Theaterstück produziert. Das Transition Theater zeigt recht schön, wie man die Sache angehen kann. Im Rahmen ihrer erfolgreichen Kampagne für die Produktion ihres Stückes Zeitwohlstand haben sie nicht nur 16 verschiedene Gegenleistungen entwickelt, sondern sich darüber hinaus inhaltlich an der Produktion orientiert. Schon für 2 Euro gibt es eine „Dankes-Zeit“, in der man nachfühlen soll, wofür man an diesem Tag dankbar sein soll. Aber man kann auch die ganze Produktion zu sich einladen, allerdings kostet das dann etwas mehr als die 2 Euro.😉

Vergessen Sie nicht die Unternehmen! Auch denen können Sie hier Angebote unterbreiten und darauf hoffen, dass Sie Ihren Sponsoringpartner via Crowdfunding finden. Ob das nun die Nennung des Namens im Abspann eines Films oder auf einer CD ist oder ein privates Konzert, in jedem Fall kann das Unternehmen von der Sichtbarkeit ihrer Kampagne profitieren. Je erfolgreicher Ihr Crowdfunding, desto interessanter werden Sie für Unternehmen.

Bevor Sie sich jetzt den Kopf zerbrechen, werfen Sie doch einfach einen Blick auf die vielen Projekte, die sich auf den veschiedenen Plattformen präsentieren und lassen Sie sich von deren Ideen inspirieren. Wir müssen das rad ja nicht jedes Mal neu erfinden.😉

In der nächsten Folge dieser kleinen Serie geht es um die Frage, wie Sie Ihr Projekt am besten präsentieren.

Siehe auch:

7 Comments Join the Conversation

  1. Pingback: Crowdfunding in 11 Schritten (Teil I) | Kulturmanagement Blog

  2. Pingback: Crowdfunding in 11 Schritten (Teil II) | Kulturmanagement Blog

  3. Pingback: Crowdfunding in 11 Schritten (Teil III) | Kulturmanagement Blog

  4. Lieber Christian,
    sehr schöne Zusammenstellung mit interessanten Beispielen. Das mit der Laufzeit ist auch vor allem hinsichtlich der Aktivitäten, die man um eine Crowdfunding-Kampagne stricken MUSS, zu überlegen. Denn man darf die Kampagne auf keinen Fall sich selbst überlassen. Also eher etwas straffer in der Zeit, dafür aber ständig am Ball bleiben. Das ist echt nicht ohne. Wir haben damals eine längere Laufzeit gewählt (60 Tage), weil wir etwas Angst hatten, dass uns die Weihnachtszeit und die Müdigkeit zu Jahresbeginn in die Knie zwingen. Würde ich aber auf keinen Fall nochmal so machen.
    Du hast völlig recht – ein Crowdfunding ist ein eigenes Projekt. Das erst mal richtig Arbeit erfordert. Aber eine sehr spannende Erfahrung!!
    Viele Grüße von Anke

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  5. Liebe Anke, 60 Tage auf sich aufmerksam zu machen, ist eine ziemliche Herausforderung, vor allem ist es gar nicht so leicht, nicht langweilig zu werden. Ich kann ja nicht zwei Monate immer nur darauf hinweisen, dass die Kampagne läuft und die User einen doch bitte unterstützen sollen.

    Auf der anderen Seite müssen wir natürlich sehen: Je mehr sich das Crowdfunding dem Marketing annähert, desto länger wird die Kampagne laufen, schließlich geht es dann auch um andere Dinge und nicht mehr nur darum, das Geld reinzubekommen. Ich finde den Ansatz von Indiegogo spannend, auch wenn ich derzeit nur Potenzial für Unternehmen sehe, die ein Produkt entwickeln und verkaufen möchten. Aber das kann sich ändern. Warum sollte zum Beispiel ein Theaterfestival, das jährlich stattfindet, diese enge Bindung nicht nutzen und ohne Deadline das Festival auch im darauffolgenden Jahr promoten bzw. finanzieren?

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  6. Pingback: 2015: Alles wächst zusammen | Kulturmanagement Blog

  7. Pingback: We made it - Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich - in arcadia ego

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