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stARTcamp Wien: „Social Media and the Death of Passion?“

15 Kommentare

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag über das stARTcamp Wien schon vor Tagen geschrieben haben, aber ich wusste nicht so recht, was ich schreiben sollte. Was daran lag, dass ich mir schwer tat, das stARTcamp einzuschätzen. Irgendetwas hat mir gefehlt und ich wusste nicht so recht, was es eigentlich war. Monika Meurer hat in ihrem Blogbeitrag „Das stARTcamp Vienna 2014“ die Frage gestellt, ob es sich dabei überhaupt um ein Barcamp handelt? Listet man die Kriterien auf, die ein Barcamp ausmacht, dann kommt man nicht umhin, die Veranstaltung als solche zu bezeichnen, daran führt kein Weg vorbei.

Aber ihre Kritikpunkte, etwa, dass es keine Tweets über die Inhalte der einzelnen Sessions gab oder statt des Austauschs von Wissen, sprich Diskussionen, vor allem Frontalvorträge angeboten wurden, sind nicht ganz unberechtigt. Auf der anderen Seite möchte ich niemandem vorschreiben, wie er oder sie die Session gestaltet, insofern tue ich mir mit der Kritik auch wieder schwer. Auch was den Kritikpunkt betrifft, Barcamps sollten grundsätzlich kostenlos sein. Natürlich ist es toll, wenn ich etwas kostenlos anbieten kann. Auf der anderen Seite ist es aber leider auch so, dass Dinge, die kostenlos abgegeben werden, nicht die Wertschätzung erfahren, die sie eigentlich verdient hätten.

Aufgegangen ist mir der Knopf beim Lesen eines Artikels von Shellie Karabell. In „Big Data And The End of Passion“ beschäftigt sie sich mit der Frage, was uns in unserer Arbeit eigentlich antreibt? Immer größere werdende Datenmengen, aus denen wir dann die hoffentlich richtigen Rückschlüsse ziehen, oder die Leidenschaft, ein Ziel erreichen zu wollen?

Leidenschaft? Vielleicht ist es das? Es herrschte keine Aufbruchstimmung beim stARTcamp, sondern eine eher sachlich-nüchterne Atmosphäre. Was aber auch verständlich ist. Wir müssen uns nicht mehr voller Leidenschaft in den Kampf werfen, um den Sinn und Zweck von Social Media zu erklären. Es gibt mittlerweile in (fast) allen mittleren und größeren Kulturbetrieben MitarbeiterInnen, die sich damit beschäftigen, fast alle haben zumindest eine Facebookseite. Social Media ist im Kunst- und Kulturbereich angekommen, jetzt geht es um die Frage, welche Ziele wir damit erreichen wollen und welche Wege wir dabei wählen.

#scvie

Aber nicht nur die Frage nach dem richtigen Weg blenden wir gerne aus, oft fehlt es auch an den Zielen. Ziele, Strategien, da geht es meist um Zahlen und um Daten, aus denen wir Rückschlüsse ziehen können, um uns dann über die passenden Instrumente zu unterhalten. Auf dem stARTcamp ging es oft um diese Instrumente, um Apps oder iBeacons, aber eben auch um die Frage, wie Kultureinrichtungen Twitter nutzen können oder um die richtige Social Media-Strategie. An dieser Stelle hätte ich jetzt gerne auf entsprechende Blogbeiträge oder Folien verlinkt, aber die gab es dieses Jahr nur ganz vereinzelt. Auch da kann ich mich an der eigenen Nase fassen, denn ich hatte keine Folien. Eigentlich, um den gefürchteten Frontalvortrag zu vermeiden, aber so ohne Folie ist es auch nicht optimal. Für das nächste Mal gelobe ich Besserung.

Wäre er nicht verhindert gewesen, hätte uns Wolfgang Gumpelmaier im Essl-Museum eine schöne Geschichte erzählen können über das, was auf Barcamps alles möglich ist. Während er beim letzten stARTcamp Wien eine Session über Crowdfunding hielt, erzählte Teglasy Gergely in einer anderen Session über Zwirbler, den ersten Facebookroman der Welt.  Die beiden kamen ins Gespräch und herausgekommen ist eine gerade erfolgreich abgeschlossene Crowdfundingkampagne, um Zwirbler auch in Buchform und als Klopapier anbieten zu können. In dieser Kampagne steckte genau die Leidenschaft, die ich letzte Woche vermisst habe.

Natürlich sind die Daten wichtig, um sich weiter entwickeln zu können, um feststellen zu können, ob etwas funktioniert oder nicht. Um herauszufinden, wer sich wofür interessiert und dann die passenden Angebote zu entwickeln. Social Media braucht beides, Daten und Leidenschaft. Das eine ohne das andere, das wird nicht funktionieren. Vielleicht ist uns die Leidenschaft auf dem Weg zum Erfolg im Social Web etwas abhanden gekommen? Vielleicht ging es beim stARTcamp zu sehr um Daten und nicht um die Leidenschaft?

Vielleicht müssen wir die Leidenschaft wieder mehr in den Vordergrund stellen. Eine Strategie kann noch so gut und ausgetüftelt sein. Wenn es an Leidenschaft und am Spaß an der Kommunikation fehlt, dann ist der Erfolg in Gefahr. Und damit das nicht verloren geht, notiere ich mir das gleich als das Motto für das nächste stARTcamp Wien: „Social Media: mit Spaß und Leidenschaft“😉

 

15 Comments Join the Conversation

    • Erst einmal sorry, Dein Kommentar ist vom Spamfilter aufgehalten worden. Ja klar, verordnen lässt sich die Leidenschaft sicher nicht, auch verordnete Fröhlichkeit funktioniert nicht. Aber gerade der Kulturbereich, der die Leidenschaft für seine Inhalte so stark betont, sollte zumindest ab und zu bedenken, dass Leidenschaft auch ein wichtiger Aspekt ist, wenn es um Kommunikation geht.

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  1. Mein Versuch eine Diskussion zu starten (#ArtTrailer) ist auch mehr zu Frontalvortrag geworden, ja. Das liegt sicher auch daran, dass ich zu viel rede und schnell rede. Ich denke allerdings, es gibt da noch immer eine kulturelle Komponente: ich hatte schon das Gefühl, dass viele Teilnehmer einen Vortrag ERWARTEN – auch wenn die Veranstaltung als Diskussion angekündigt ist.

    Monika hat das in ihrem Blogpost schon ein angemerkt: ich denke das ein Grossteil des Publikums da war um Informationen zu bekommen, nicht um welche zu geben. Das ist doch schade.

    Aber schön war’s trotzdem.

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  2. @Alex: für mich stellt sich die Frage, wie wir mehr Austausch schaffen können? Vielleicht gibt es Mittel und Wege, um die entsprechende Motivation zu erzeugen? So lassen kann ich es immer, aber ich finde, das ist eine spannende Herausforderung, den Gedanken des Teilens mehr in das stARTcamp reinzubekommen. Vielleicht ist die Idee des Social Media-Stammtisches ein guter Ansatz?

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  3. @Christian: informieren und vorleben. Wie viele der Teilnehmer siehst Du wirklich _aktiv_ im Social Web? Vermutlich nur einen kleinen Teil. Wissen frei weiterzugeben und offen zu diskutieren, daran muss man sich erst gewöhnen.

    Die Idee mit dem Stammtisch finde ich nicht schlecht, allerdings erfordert das physische Anwesenheit – das ist eine Schwelle (Terimine, Anreise, kalt draussen…). Der Stammtisch kann nur die Initialzündung sein – danach braucht’s m.E. eine virtuelle Agora die auf das Thema der stART** fokussiert ist. Eine G+ Community etwa – dann kann man auch regelmäßig Hangouts machen. Wenn das nicht online lebt ist der Stammtisch nach zwei treffen tot.

    Having said that: das braucht Zeit und kostet Aufwand. Und jemanden der das initiiert und administriert….

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    • Ich denke es hätte mehr Austausch geben KÖNNEN, aber ich fand dann einige Sessions doch zu institutionalisiert. Es kommen halt auch viele Agenturen und Experten und da „verkommt“ eine Session dann zu einem Vortrag. Die meisten Teilnehmer haben sich dementsprechend dann natürlich auch zu den informationslastigen Sessions eingefunden und wohl, wie Frank das meinte, fleissig mitgeschrieben. Ich denke in den kleineren Sessions war der Barcamp Charakter viel ausgeprägter, zumindest war das mein Eindruck.

      Was ich toll fand war dass viele Kollegen, die ich letztes Jahr vermisst habe, diesmal dabei waren – es waren einfach sehr viele verschiedene Kulturinstitutionen vertreten.

      Einen Stammtisch fände ich begrüßenswert, finde die Anmerkung von Alexander, das man das ganze auch virtuell spiegeln muß, damit es nicht auseinandergeht, super. Vielleicht ein „virtueller“ Stammtisch mit dazwischen persönlichen Treffen?

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  4. @Alex: Bei der virtuellen Agora bin ich immer vorsichtig, wenn es darum geht, eine neue Gruppe oder ähnliche Präsenzen einzurichten. Es genügt doch eigentlich, die vorhandenen Kanäle zu nutzen und zu kommunizieren, oder? Bei einem Stammtisch habe ich das gleiche Problem, wie Du ja auch schreibst. Aber einen Versuch ist es wert und wenn ich mich mit dort mit zwei oder drei netten Menschen austauschen kann, ist das ja auch schon mal was.😉

    Vielleicht sollte der Ansatz im virtuellen Raum ein anderer sein? Vielleicht müssen wir einfach mit den Facebookseiten und Twitteraccounts ins Gespräch kommen, ihnen Fragen stellen, um daraus etwas Selbstverständliches zu machen. Kinder lernen auch Sprechen, indem sie es einfach tun und wir unterstützen sie dabei, indem wir mit ihnen reden, obwohl uns klar ist, dass sie vielleicht gar nicht alles verstehen. Wir sagen also nicht: sprich mal, sondern fangen einfach an.

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  5. Stimme ich Dir zu Christian. Die Kanäle und Mittel haben wir. Ich bin mir nur nicht sicher wie sehr diese Community die Öffentlichkeit scheut.

    Aber, ja, ist einen Versuch wert.

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  6. @Alex: ausprobieren…😉

    @Barbara: Ja, stimmt, bei den Sessions in den kleineren Räumen lief das anders ab, vor allem im „Büro“, wo es ja gar keine Infrastruktur für Vorträge gab. Wie würde für Dich ein virtueller Stammtisch aussehen?

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  7. @Alex: Ich bin auch der Meinung der Meinung, dass mehr Leute gekommen sind um sich Infos zu holen als sich auszutauschen – finde ich auch schade. In den Pausen jedoch hat der Austausch sehr wohl stattgefunden. Die Räume (in denen ich war) waren aber auch im Vortragssetting aufgebaut (Bestuhlung etc.), nicht in einem Gruppenarbeits-Setting.

    @Christian: einen Stammtisch finde ich einen sehr guten Ansatz. Ich denke aber, dass man sich überlegen muss ob man einen „ExpertInnen-Stammtisch“ machen will oder einen der bewusst dazu dient alle Leute die in Institutionen zu dem Thema arbeiten + die Expertinnen auf Augenhöhe zum Austausch zu motivieren. & noch eine Idee: wie wäre es mit einer anonymen Umfrage darüber was die BesucherInnen des startcamp brauchen bzw. was sie am meisten bei ihrer Arbeit unterstützen würde?

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  8. Pingback: Die Wichtigkeit des Grundrauschens | Kulturmanagement Blog

  9. @Karin: Die Bestuhlung ist ein wichtiger Punkt, stimmt, da lässt sich was machen. Danke für diesen Tipp!

    Beim Stammtisch würde ich gerne schauen, wer dieses Angebot überhaupt annimmt. Im schlimmsten Fall wollen die einen nicht und die anderen dürfen nicht. Außerdem sind wir ja alle ExpertInnen, oder? Die meisten der BesucherInnen des #scvie haben mehr oder weniger mit Social Media zu tun, da tue ich mir schwer mit einem Urteil.

    Noch eine Frage zum Vorschlag einer Umfrage: Ist deren Ziel der Stammtisch oder das nächste stARTcamp?

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  10. Pingback: Spirit, Leidenschaft und die Entmystifizierung des Flausch |

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