Litfaßsäule
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Nutzen KulturbesucherInnen Social Media? Eine Studie gibt Auskunft

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Litfaßsäule
© Gerd Altmann ; Pixabay

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als das Kinoprogramm auf Litfaßsäulen zu finden war. Mehr als einmal stand ich während meiner Schulzeit davor und suchte auf dem gelben Programm nach einem interessanten Film. Die Zeiten sind schon länger vorbei, eine 2010 vom österreichischen Veranstaltungsportal freikarte.at veröffentlichte Umfrage zeigte, dass wir damals vor allem auf Zeitungen (29%), Internet (24%) und Radio (18%) vertrauten, um uns über kulturelle Angebote zu informieren.

Ging es damals nur um das Internet insgesamt, so haben sich in den letzten zwei Semestern 15 StudentInnen am Ludwigsburger Institut für Kulturmanagement im Rahmen eines Projektes mit der Frage beschäftigt, ob sich die BesucherInnen von Kulturveranstaltungen vorab im Social Web informieren. Herausgekommen ist eine zwar nicht repräsentative, aber trotzdem aufschlussreiche „Studie zur Social Media Nutzung von Kulturbesuchern„, an deren Anfang die AutorInnen folgende zwei Thesen gestellt haben:

  1. „Kulturnutzer informieren sich nicht via Social Media über Kulturangebote.“
  2. „Der Zugang zu Social Media bedingt nicht die Nutzung von Inhalten aus dem Kulturbereich.“

Beide Thesen konnten durch die Untersuchung bestätigt werden, denn von den 631 befragten KulturbesucherInnen nutzten 54 Prozent Social Media überhaupt nicht und in der Gruppe der Social Media-NutzerInnen gaben 62 Prozent an, sich im Social Web über Kunst und Kultur zu informieren. Auf die befragte Gruppe umgelegt bedeutet das: 29 Prozent von ihnen nutzen die Social Media-Kanäle – vor allem Facebook und YouTube – dazu, sich über kulturelle Angebote zu informieren.

Im Fazit klingt ein wenig Enttäuschung durch, dass diese Gruppe nicht größer ist. Natürlich kommt es, so zeigt die Studie,  auch auf das Alter der jeweiligen Zielgruppe an, die Jüngeren sind im Social Web wenig überraschend in größerer Zahl vertreten und informieren sich deshalb eher auf diesem Weg über Kunst und Kultur als die Älteren. Aber für die AutorInnen ist klar: Kultureinrichtungen sollten ihre Marketingaktivitäten nicht auf das Social Web beschränken.

Diese Empfehlung ist natürlich richtig. Wer nur auf Social Media setzt, handelt ziemlich fahrlässig, verzichtet er doch darauf, all die zu erreichen, die andere Kommunikationskanäle bevorzugen. In der von den StudentInnen durchgeführten, nicht repräsentativen Umfrage sind das, wie gesagt, mehr als 70 Prozent. Aber wer glaubt, dass Social Media irgendwann einmal alle anderen Marketingaktivitäten überflüssig macht, hat vermutlich etwas falsch verstanden. Die AutorInnen schreiben richtigerweise, dass Social Media immer nur als Ergänzung gesehen werden sollte.

Wenn diese Befragung ergeben hat, dass „nur“ 29 Prozent sich mit Hilfe des Social Web über Kunst und Kultur informieren, dann ist das genau der Prozentsatz derer, die in der eingangs erwähnten Umfrage im Jahr 2009 die Zeitung als Informationsmedium Nummer eins nannten. Womit die Zeitung das Ranking anführte.

Deshalb auf Social Media zu verzichten ist aber natürlich auch keine Lösung, zumal ein ganz wichtiger Aspekt in dieser Studie unter den Tisch fällt:  Das Social Web ist nicht unbedingt ein Informationsmedium, sondern eher ein Kommunikationsraum. Die Zahl derer, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken auf die Suche nach Informationen machen, ist relativ gering, den meisten UserInnen geht es um ganz andere Dinge, wie die folgende Grafik zeigt:

statistik_03
Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 (S.383)

Die Frage, ob sich jemand im Social Web über Kunst und Kultur informiert, erfasst zum Beispiel nicht die Empfehlungen aus meinem Freundeskreis, ob sie im Chat oder als Kommentar zu selbst hochgeladenen Fotos ausgesprochen werden.

Ein weiterer Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden: Social Media-Aktivitäten können dazu beitragen, dass der Kulturbetrieb im Suchmaschinenranking nach oben steigt. Interessant ist das dann, wenn die UserIn auf der Suche nach einem kulturellen Angebot ist, ohne bereits auf einen Anbieter fixiert zu sein.

Mit dieser Studie eröffnen die AutorInnen ein im deutschsprachigen Raum bis jetzt noch nicht erforschtes Feld und hoffen, wie sie schreiben, mit ihrer Arbeit „nachfolgende Studien anregen“ zu können. Es wäre den Kulturbetrieben zu wünschen, dass zu diesem Thema weiter geforscht wird, könnten die Ergebnisse doch als Argumentationshilfe dienen, wenn es um die Frage geht, ob mehr Geld in Social Media-Programme investiert werden soll.

Außerdem zu diesem Thema:

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  1. Pingback: Und es geht weiter: von Social Media zum Social Business | Das Kulturmanagement Blog

  2. Pingback: Kreative Angebote von der Ostsee | Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr - von Frank Koebsch

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