Microblogging
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Leadership durch Microblogging: Hier twittert der Chef

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Microblogging
© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / Pixelio

Wenn wir von Social Media in Kultureinrichtungen sprechen, geht es uns meist um die externe Kommunikation. Die Aussicht, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und neue KundInnen bzw. im Kulturbereich BesucherInnen zu gewinnen, ist verlockend. So toll die Konzepte und Strategien dann aussehen, meist gelingt es nicht, sie auch umzusetzen. Einer der Gründe: Die interne Kommunikation funktioniert immer noch nach den alten Regeln. Synergieeffekte bleiben so aus und die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Elan schnell nachlässt, ist groß.

Warum also nicht auch intern auf Social Media setzen und zum Beispiel in der internen Kommunikation auf ein Microblogging-Tool setzen? Zu den Vorreitern gehört Yammer, das 2008 als Microblogging-Dienst startete und heute firmeninterne soziale Netzwerke anbietet. Im letzten Jahr wurde das Unternehmen von Microsoft übernommen, das gerade dabei ist, das Angebot in seine Cloud-Dienste zu integrieren. Interne Microblogging-Dienste lassen sich auf die verschiedenste Weise nutzen, das Team des in Berlin ansässigen Enterprise-Microblogging-Dienst swabr hat in einem Blogpost 20 Anwendungsfälle zusammengefasst.

Meist geht es dabei – die Beispiele in dem Beitrag zeigen es – um die interne Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen. Einen Schritt weiter geht Mike Strand in seinem bereits 2010 verfassten Blogpost „Micro-Leadership Through Enterprise Microblogging: A Modern View On Managing Bureaucracy„, in dem er von den Führungskräften fordert, Microblogging auch als ein Instrument im Bereich Leadership einzusetzen.

Bei der Nutzung von Microsofts internem Microblogging-Dienst fiel ihm auf, dass die Führungskräfte dort zwar angemeldet waren, aber nie etwas veröffentlichten. Einige von ihnen, so berichtet er, hatten mehrere 1.000 Follower und ohne ihr Zutun stieg die Zahl ihrer Follower immer weiter an. Strand führt dies darauf zurück, dass die MitarbeiterInnen an der Kommunikation mit ihren Führungskräften interessiert sind und gerne deren Meinungen und Ansichten erfahren würden. Für Strand ist das eine verpasste Chance, denn die direkte Kommunikation kann auch dazu führen, über die Information hinaus die Motivation der MitarbeiterInnen zu erhöhen.

Strand möchte den Führungskräften gar nicht vorwerfen, sie würden nicht mit ihren MitarbeiterInnen kommunizieren. Natürlich teilen sie ihre Ansichten und Visionen mit ihren Angestellten. Allerdings nutzen sie dafür meist die Email. Und oft werden die EmpfängerInnen darin aufgefordert, ihre Meinungen kund zu tun und Vorschläge zu machen, was man besser machen könnte. Den Erfolg solcher Aufrufe kennen wir alle, nur die wenigsten werden dieser „Einladung“ folgen, was für Strand bedeutet:

„An over-reliance on email may be a missed leadership opportunity within enterprises because email does not naturally lend itself to interaction, conversation, and action.“

Da die Anzahl der Zeichen beim Microblogging begrenzt ist, lassen sich natürlich nur kurze Statements veröffentlichen. Strand glaubt aber dennoch, dass sich auf diese Weise Visionen vermitteln und MitarbeiterInnen motivieren lassen. Micro-Leadership nennt er seinen Ansatz und bringt dafür Beispiele, wie das seiner Ansicht nach aussehen könnte. So lassen sich etwa auf diese Weise Teams, die nicht vor Ort arbeiten, sehr viel leichter erreichen als etwa über Videokonferenzen. Viel wichtiger ist aber, so denke ich, das, was Strand als „share the leadership mindset“ beschreibt. Führungskräfte beschäftigen sich ausführlich damit, ihr Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten und die geeigneten Maßnahmen und Strategien zu entwickeln. Leider fehlt ihnen meist die Zeit, um ihr erworbenes Wissen weiterzugeben, schreibt Strand, zumindest in Form von Links, wenn die Zeit nicht reicht.

Aber auch die anderen Vorschläge, die Strand macht, passen gut in jedes Unternehmen bzw. in jeden Kulturbetrieb. „Leading begins with listening“ schreibt Strand beispielsweise und fordert Führungskräfte auf, sich mit den veröffentlichten Inhalten zu beschäftigen. Statt eine unternehmensweite Befragung der MitarbeiterInnen zu starten, sollten sie sie einfach um Feedback über den Microblogging-Kanal bitten.

So ganz neu ist dieses Thema nicht, große Unternehmen wie Siemens nutzen solche Kanäle schon seit Jahren und auch Mike Strand weist in seinem Beitrag auf Beispiele hin. Für den Kunst- und Kulturbereich ist dieses Thema aber noch sehr neu. So neu, dass die meisten Twitter noch nicht mal für die externe Kommunikation einsetzen.

Es wird Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn der interne Einsatz sozialer Technologien garantiert zwar nicht den Erfolg in der externen Kommunikation. Aber er erhöht die Erfolgsaussichten und verspricht Synergieeffekte. Wenn die MitarbeiterInnen intern mit Hilfe eines Microblogging-Dienstes kommunizieren, muss man ihnen zumindest nicht den Sinn und Zweck von Twitter erklären. Schon das wäre ein erster wichtiger Schritt.

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