Object Stories
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Storytelling: Nur eine einzige Geschichte ist viel zu wenig

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Storytelling sei der Gegenpol zur Einwegkommunikation, denn wer erzähle, spreche damit auch eine Einladung aus, sich zu beteiligen und mitzuerzählen, schreiben Karolina Frenzel, Michael Müller und Hermann Sottong in ihrem Buch Storytelling (Affiliate Link), denn „(w)er mit Geschichten kommuniziert, ‚öffnet‘ den kommunikativen und sozialen Raum ebenso wie den Raum des Denkens“ (S.5). Bei diesen Sätzen wird schnell klar, warum Storytelling so wichtig für die Kommunikation im Social Web ist. Dort wünschen wir uns nichts sehnlicher als mit den UserInnen ins Gespräch zu kommen beziehungsweise zu interagieren.

Storytelling als Lösung des Problems, dass wir nun zwar auf Facebook und anderen Netzwerken vertreten sind, aber Kommunikation und Interaktion nicht so funktionieren, wie wir uns das vorgestellt haben? Wie haben wir es uns denn überhaupt vorgestellt? Ich glaube, viele haben sich das noch gar nicht so genau überlegt, greifen aber das Thema Storytelling begierig auf, weil ihnen nun von allen Seiten eingeflüstert wird, dass man mit tollen Geschichten die UserInnen begeistern könne und die dann schon Produkte kaufen und Dinstleistungen in Anspruch nehmen würden.

Seitdem glaubt man in den sozialen Netzwerken den Rauch von Lagerfeuern förmlich riechen zu können. Fehlt nur noch die geeignete Geschichte. Das Portland Art Museum scheint so eine Geschichte gefunden zu haben, aber sie sieht ganz anders aus als wohl die meisten erwarten würden. Mike Murawski, Director of Education and Public Programs, erzählt sie in einem Blogpost über „Object Stories„, ein vor drei Jahren begonnenes Projekt. Murawski erzählt vom TED-Vortrag der nigerianischen Autorin Chimamanda Adichie, die darin vor der Gefahr einer einzelnen Geschichte warnt. Adichie berichtet darin unter anderem von ihren Erfahrungen, die sie während ihres Studiums in den USA gemacht hat. In einem Studentenwohnheim wurde sie von ihrer Zimmerkollegin ganz erstaunt gefragt, warum sie so gut Englisch könne und ob sie in der Lage sei, einen Herd zu bedienen? Der Grund: Die meisten von uns kennen nur eine einzige Geschichte dieses Kontinents.

„a single story of catastrophe. In this single story there was no possibility of Africans being similar to her in any way, no possibility of feelings more complex than pity, no possibility of a connection as human equals,“

wie Adichie es formuliert. Das heißt, eine einzelne Geschichte wird der Sache meistens nicht gerecht, sie simplifiziert und genau das war der Ausgangspunkt für das Portland Art Museum, als man sich dort, so Murawski, die Frage stellte, mit welchen Strategien man den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen könne und welche Beziehung man zum Publikum anstrebe?

User generated Content statt Berieselung

„Wir hinterfragten die Rolle unserer BesucherInnen, die wir ausschließlich als KonsumentInnen von Informationen sahen,“ blickt Murawski zurück und resümiert: „In doing so, we uncovered that both the Museum and the public needed a catalyst for active participation, personal reflection, and meaningful ways to rediscover works of art in the collection.“ So entstand „Object Stories“, ein Projekt, bei dem die BesucherInnen dazu eingeladen werden, die Geschichte von Gegenständen zu erzählen, die ihnen wichtig sind. Das Ziel sei es gewesen, „to demystify the Museum, making it more accessible, welcoming, and meaningful to a greater diversity of communities – while continuing to highlight the inherent relationship between people and things,“ fährt Murawski in seinem Blogpost fort. Fast 1.000 Storys wurden mittlerweile produziert, die BesucherInnen werden eingeladen, vor Ort in einem kleinen Aufnahmeraum ihre Geschichte zu erzählen.

Das Projekt habe aber nicht nur zu einem neuen Umgang mit den BesucherInnen geführt, auch die Organisationskultur habe sich verändert, gibt sich Murawski überzeugt.

„The internal process of developing and implementing Object Stories has encouraged the dissolution of long-established departmental silos, the growth of new partnerships with community organizations, and the confidence to experiment with a formative approach to programming that incorporates audience feedback,“

fasst er die Entwicklungen zusammen. Aber auch für die Menschen außerhalb des Museums habe sich etwas verändert, denn viele Menschen sehen das Museum nun als einen Ort, „that invites the voices and stories of its community and welcomes the public in this act of co-creating content“. Coca Cola hat diesen Ansatz mit seiner Content Strategie 2020 weiterentwickelt und setzt auch auf seiner Website konsequent auf user generated Content. Mit Lagerfeuerromantik und Geschichten von früher hat das alles wenig zu tun. Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen, nicht nur im Kunst- und Kulturbereich.

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  1. Für jeden von uns erzählt jeder Mensch und jedes Ding eine andere Geschichte und es ist eine Stärke des Internets und gerade der leicht zugänglichen Social Medias, die verschiedenen Menschen zu Wort kommen zu lassen. Insofern wartet hier eine Menge an Brennholz für die, die ein Lagerfeuer entfacht haben.

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  3. Pingback: Warum jeder Kulturbetrieb auch zum Verlag werden muss « Das Kulturmanagement Blog

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