Blyss Chocolate
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Haben Kunst und Schokolade etwas gemeinsam?

10 Kommentare

Letzte Woche fand erstmals ein stARTcamp in Frankfurt statt und das zu einem Thema, das vermutlich bei vielen Kultureinrichtungen noch nicht ganz oben auf der Tagesordnung steht: Kundenservice und Social Media. Ich habe sehr viel neue Ideen und Anregungen mitgenommen und viele nette und interessante Menschen getroffen bzw. kennengelernt. Deshalb möchte ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bei Sascha Hüsing bedanken, der die Premiere in Frankfurt fast im Alleingang organisiert hat. Es war sehr hilfreich zu erfahren, wie Unternehmen Social Media mittlerweile für ihren Kundenservice einsetzen

Besonders spannend war aber für mich die Session von Alyssa Jade McDonald, die als Geschäftsführerin von Blyss Schokolade verkauft. Das klingt sehr nüchtern, aber hinter dieser vor zwei Jahren gegründeten GmbH verbirgt sich eine gut hundert Jahre alte Geschichte, die in Papua-Neuguinea ihren Ausgangspunkt nimmt, wo ihre Großeltern damit begannen, auf einer Plantage Kakao anzubauen. Den Weg von der Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade erzähle ich hier jetzt nicht, aber um es kurz zu machen: Das Ergebnis schmeckt, denn Alyssa Jade McDonald brachte eine Kostprobe in Form eines recht großen Glases mit, wie die Aufnahme des Currywurstmuseums zeigt:

Noch warm! Spanish Hot Chocolate von @BLYSS_choc für #scf12 👏👍👌

A photo posted by @currywurstmuseum on

Interessant war die Frage, welche Kakaobohne wir denn kennen würden? Beim Wein fällt vielen vermutlich die eine oder andere Traube ein, aber bei der Schokolade musste nicht nur ich passen. Auch den anderen TeilnehmerInnen des stARTcamps ging es ebenso. Wenn McDonald von einer „low-educated consumer group“ spricht, liegt sie damit also vermutlich richtig.

Wie aber schafft es ein kleines Unternehmen, sich in einem Markt durchzusetzen, der zu 90% von drei großen Organisationen dominiert wird? Über die Qualität, so McDonald, aber die hat auch ihren Preis. Wie aber bringe ich Menschen dazu, viel Geld für Schokolade auszugeben? McDonald brachte an dieser Stelle den Begriff Connoisseurship ins Spiel und stellte die These auf, dass Connoisseure die Voraussetzung dafür seien, hochwertige Produkte in einem Markt zu etablieren.

Connoisseurship basiert für McDonald auf „elegance“ und „rituals“. Hinter dem Begriff der Erlesenheit verbirgt sich vor allem die Bereitschaft, Zeit in etwas zu investieren, was man liebt und über das man mehr erfahren möchte. Wo wird die Kakaobohne angebaut? Wie wird die Schokolade produziert? Wie entfaltet sie ihr volles Aroma? All das sind Fragen, die Alyssa Jade McDonald beantwortet, um aus Konsumenten Connoisseure zu machen. Das heißt, auch sie investiert jede Menge Zeit, damit ihre Gesprächspartner beginnen, die Qualität von Schokolade zu schätzen.

Wer gerne Wein trinkt, weiß, dass man den Wein erst einmal riecht, ihn sich im Glas entfalten lässt, um ihn dann nach einer gewissen Zeit genießen zu können. Haben wir ähnliche Rituale, wenn wir Schokolade essen, war die vermutlich rhetorisch gestellte  Frage McDonalds beim stARTcamp in Frankfurt.

Connoisseure sind für die Produktentwicklung wichtig, denn sie fordern nicht nur, was sie lieben, sondern sie kritisieren auch, wenn sie es nicht bekommen oder die Qualität nicht stimmt. Und sie sind Multiplikatoren, wenn sie anderen von ihrer Leidenschaft erzählen, denn sie kaufen etwas nicht, weil es verfügbar ist, sondern es ihre Leidenschaft ist.

Bei Blyss setzt Alyssa Jade McDonald auf die Snobs, wie sie sagt. Sie kooperiert mit Hotels, Restaurants oder Anbietern von Luxusprodukten und holt ihre Connoisseure dort ab, wo sie am ehesten zu finden sind. In dem folgenden Video erklärt sie ihre Philosophie und stellt gegen Ende ihres Vortrags die Frage: „How can you make the snob in your world?“

Ich habe während dieses Vortrags oft an den Kunst- und Kulturbereich denken müssen und stelle mir die Frage, ob sich dieser Ansatz nicht auch für Theater, Museen, etc. eignet? Aus Besuchern Connoisseure zu machen, Menschen dazu zu bringen, Kunst zu schätzen, zu lieben und zu genießen. Ist das nicht genau das, was wir von den Menschen erwarten, die zu uns kommen (sollen)?

Mir gefällt dieser Ansatz, aber es stellt sich natürlich sofort die Frage, wie ich aus jemandem einen Connoisseur mache? Blyss arbeitet mit ganz unterschiedlichen Formaten, zum Beispiel Foodcamps oder Webinaren. Im Vordergrund steht aber nicht der Verkauf der Schokolade, sondern die Idee von Connoisseurship. Wie müsste das im Kunst- und Kulturbereich aussehen?

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  1. Enthusiasmus ist eine sehr wichtige Komponente nur glaube ich schon, dass er für ein materielles Erlebnis (Schokolade – Geruch, Aussehen, Geschmack) sich ganz anders unter dem Druck der Konkurrenz platzieren kann als ein rein subjektiv erlebtes Kunst- oder Kulturereignis die Schokolade als Beispiel kann jederzeit an jedem Ort weitergereicht und gekostet werden und gleiche oder annähernd ähnlich emotionale Wahrnehmungen hervorbringen wie bei verbreitenden Enthusiasten…anders ist das mit dem Theater oder Konzerterlebnis…es ist viel stärker an Ort und Zeit der Aufführung gebunden und im schlechtesten Fall ein einmaliges Ereignis…unter dem gewaltigen Konkurrenzdruck diverser paralleler Events in gleicher Stadt (Berlin läuft diesbezüglich so über, dass ich nicht selten gänzlich verzichte mir etwas anzusehen, weil ich zeitgleich anderes Verpasse ;-( ) ist es viel komplizierter sich durchzusetzen… Ich bin dennoch davon überzeugt, dass wir kreativ mit der Schokoladen“geschichte“ umgehen sollten… Danke Lieber Christian für Deinen Bericht!!!

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  2. @Roland: stimmt, die Produkte unterscheiden sich, aber nimm mal die Bayreuther Festspiele. Verfolgen die nicht einen ähnlichen Ansatz? Mit der regionalen Beschränkung hast Du natürlich recht, aber geht es nicht primär darum, Menschen zu Liebhabern von Kunst zu machen und sie durch den Aufbau der persönlichen Beziehung (beide nehmen sich Zeit dafür) für die eigenen Angebote zu gewinnen? Ich sehe den Unterschied im Produkt, aber ich verstehe noch nicht, warum das Auswirkungen auf die Idee hat, mit Connoisseuren zu arbeiten?

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    • Hat es nicht…überhaupt nicht ! Ich glaube auch nicht, dass es schwer ist diese zu gewinnen…allerdings wird es für sie schwerer sein Evangelist der Kunst als Connoisseur der Schokolade zu sein…Der Ansatz ist auf jeden Fall interssant und anstrebenswert…

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  3. @Roland: mmmh ja, wir kaufen lieber Schokolade als ein Theaterticket. Ich frage mich, was uns zu Liebhabern von Wein, Schokolade, Kunst oder anderen Dingen macht? Bei Wein und Schokolade ist es das Probieren und das Gefühl, dass es uns schmeckt. Jetzt müssten wir noch Formate finden, in denen wir Kunst probieren dürfen und unsere Begeisterung geweckt wird. Schokolade schmeckt uns, aber wie ist das z.B. bei Gemälden? Schwierig…

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  4. Aber passiert nicht genau das gerade?
    Ich gestehe, ich stoße mich an der Vokabel Connaisseur – und wir führten diese Diskussion beim stARTcamp Frankfurt – denn ich assoziere damit Elite und das steht für Bewahrung und Abgrenzung – dem Gegenteil von Teilen, Öffnen, Transparenz.
    Aber sind sind es nicht genau die experimentellen Format, wie stARtcamps, Tweetups, Bloggertreffen in Museen – und wer weiss, was das Theatercamp am kommenden Wochendende hervorbringen wird, die das bewirken? Die Menschen an Kulturorten zusammenbringen, ein gemeinsamens verbindendes Erlebnis schaffen, eine bleibende quietschbunte Erinnerung kreieren (Social Hub!!).
    Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass ich durch diese Formate an Kunstgenüsse gelangt bin, die ich sonst nicht erfahren hätte, oder zumindest nicht in der Nachdrücklichkeit. Ich bin natürlich immer noch Lichtjahre davon entfernt, eine Greco oder Beethoven Kennerin zu sein, aber ich bin infiziert, habe den Geschmack gekostet. Daran Teil hatten natürlich Connaisseure (ich bin gerade dabei, mich selber zu widerlegen), die dem Event durch professionelle (An-)leitung den Rahmen gaben. Beim Beethovenfest war das nicht so, aber bei den Museumstweetups waren das die souveränen und fundierten Führungen.
    Gut, wenn man diese Meschen jetzt als Connaisseure im besten Sinne bezeichnen möchte, dann bin ich dabei. Aber dann bedeutet es nicht nur das Kennen, Schätzen, Wissen, sondern unabdingbar ist der Wunsch, dieses Wissen zu teilen und das Talent, es mit Methodik, Begeisterung und Esprit zu tun.
    Connaisseur-Bewahrer gibt es wirklich genug.
    Und wenn ich mir die Seite von dem Hennessy-Schokoladen Dings anschaue, dann ist da auch nicht viel los …

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  5. @Frau Vogel: Stimmt, der elitäre Ansatz widerspricht dem Anspruch, dass alle Kunst genießen können. Wenn ich mir anschaue, wie die Schokolade derzeit auf den Markt gebracht wird, dann heißt Elite in diesem Fall finanzielle Elite, denn nicht jeder kann es sich leisten, so viel für Schokolade auszugeben. Aber so etwas gibt es auch im Kunst- und Kulturbereich. Festspiele mit einem limitierten Platzangebot gehen ähnlich vor.

    Vielleicht müssen wir diesen Teil von der Idee trennen, aus einem „low-educated market“ einen „high-educated market“ zu machen? Denn erst das Wissen um und über ein Angebot lässt die Wertschätzung entstehen, die ganz am Anfang stehen muss, um Schokolade oder Kunst genießen zu können. Diese Wertschätzung fehlt meiner Ansicht nach, wenn es um die Kunst geht und ich glaube, das trifft uns mehr als wir glauben.

    Aber wenn es gelingt, ganz viele Menschen zu Connoisseuren in Sachen Kunst zu machen, dann taucht ein ganz anderes Problem auf, nämlich die Einteilung in „gute“ Kunst und in „schlechte“ Kunst. Wenn es ganz viele Connoisseure gibt, dann werden die sich bei der Aufführung einer Bruckner-Symphonie nicht mit irgendeinem Orchester zufrieden geben, sondern es muss ein „gutes“ Orchester sein, für das sie dann auch bereit sind, mehr Geld auszugeben. Was heißt das dann für den „Markt der Kunst, in dem Fall der klassischen Musik?

    Mir fällt dabei der österreichische Wein ein. Vor recht langer Zeit gab es ihn in jedem österreichischen Supermarkt in der 2-Liter-Flasche. Und das zu einem sehr günstigen Preis. Der Haken: es war Zucker drinnen, damit er überhaupt nach was schmeckt. Der Weinskandal hat diesen Markt erschüttert und einen neuen entstehen lassen. Heute hat der österreichische Wein einen berechtigterweise guten Ruf und wir kennen verschiedene Traubensorten, wenn wir darüber sprechen. Die Billigprodukte sind verschwunden, die Qualität hat ihren Preis. Kann das die Entwicklung sein, die dem Kunst- und Kulturbereich bevorsteht, wenn wir uns um Connoisseurship kümmern würden? Und noch viel wichtiger: wollen wir das? Wenn ja, müssen wir uns vermutlich von der Idee der Kunst für alle verabschieden. Oder wir schaffen Rahmenbedingungen, damit alle – zumindest theoretisch – den Zugang zur Kunst haben, zum Beispiel über Gutscheine.

    Oder lässt sich das Beispiel doch nicht auf die Kunst übertragen, weil es sich dabei halt doch nicht um ein Produkt handelt, wie es Wein und Schokolade sind?

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  6. Viele gute Fragen, auf die ich auch keine Antworten habe.

    Ich glaube ich würde mich immer für eine Demokratisierung stark machen, und die kann ja auch „high-educated“ sein. Demokratisierung muss ja nicht zwangsläufig auf Kosten der Qualität gehen, oder?

    Glaubst Du, dass es jetzt mehr Wein-Kenner gibt, als vor 30 Jahren. Und wenn ja, warum?
    Wegen eines Lebensmittelskandals? Brauchen wir einen Kunstskandal um für Qualität zu sensibilisieren?

    Ich gaube, dass z. B. mehr Wert auf gute (Lebensmittel-)Produkte gelegt wird (wenn das tatsächlich so ist) liegt einerseits tatsächlich an diversen Lebensmittelskandalen, andererseits daran, dass tonnenweise Sterneköche durchs Fernsehen turnen. Weil es trendy, hip und schick ist.
    Und da bin ich wieder bei meinem Punkt: DIe „Auskenner“ müssen ihr Wissen teilen. Vieleicht muss Kultur hip, schick und sexy werden?

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  7. @Frau Vogel: Ich habe leider auch noch keine… ;-( Aber mit Deinem ersten Absatz landen wir dann irgendwann wieder bei der Frage, warum wir eigentlich zwischen „ernster“ und „populärer“ Kunst unterscheiden? U- und E-Musik zum Beispiel. Ich bin davon überzeugt, dass eine Kunst, die vielen gefällt, nicht unbedingt seicht und anspruchslos sein muss. Aber um zu gefallen und anspruchsvoll zu sein, muss ich mir überlegen, wie ich die Begeisterung wecken kann, ohne irgendwelche billigen Klischees zu bedienen. Sonst verliert man die Spur.

    Zumindest in Österreich ist die Zahl der Weinkenner gestiegen, denke ich. Wobei: der Wein hier hat einen Qualitätssprung gemacht und ist teurer geworden. Ob das nur auf ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein zurückzuführen ist, kann ich nicht einschätzen. Die Frage ist für mich, wie dieser Sprung in der Kunst aussehen muss und was als Auslöser dienen kann? Wie inszeniere ich analog zum Weinskandal einen Kunstskandal? und zwar einen, der viele Kulturbetriebe um ihre Existenz bringt und neue entstehen lässt? Denn das darf man ja nicht verschweigen, der Weinskandal kannte auch viele Verlierer.

    Der Aspekt, das etwas hip und schick sein muss, um groß rauszukommen, spielt sicher eine Rolle. Zumindest glaube ich das. Aber vermutlich gibt es sehr viele in Kunst und Kultur, die das komplett anders sehen. Aber vielleicht lösen wir das Problem mit anderen Begriffen? Vielleicht ist der Begriff Connoisseur einfach zu negativ belegt oder ruft Assoziationen hervor, die uns eher schaden als helfen? Mmmhh…

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  8. Dein interessanter Blogbeitrag hat mich an unser Magazin zum Schwerpunkt „Kunst & Kantine“ erinnert (www.kulturmanagement.net/downloads/magazin/km0801.pdf). Was eigentlich ein Augenzwinkern verdient, hat aber durchaus einen ernsthaften Hintergrund, denn Genuß passt natürlich auch zur Kunst. Dabei muss in der Tat das „Produkt“ nicht seicht sein. Schließlich ergötzen sich viele auch an geistiger Nahrung, oder spirituellen Genüssen. Sie wollen herausgefordert werden, wollen das Nicht-Alltägliche, suchen die Erkenntnis usw.
    Ein wichtiger Aspekt ist das Catering und die Gastronomie im Umfeld von Museen und Konzerthäusern. Geradezu symbolisch dafür steht das Künstlercafé. Insofern hat selbst der Kunstproduzent eine besondere Affinität zur Kulinarik.
    Dann wäre noch die naheliegendste Verbindung: das Schokoladenfestival in Tübingen – siehe das Interview mit Hans-Peter Schwarz. Schon 2008 berichtete er vom Trend zum Berufsbild Chokolatier. Das Schokoladenfestival in Perugia hat immerhin über 1 Millionen Besucher!

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