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Warum Inhalte immer wichtiger werden

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© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

Relevanz ist einer der Schlüsselbegriffe unserer digitalen Welt, hatte ich vor einigen Tagen behauptet und daraus den Schluss gezogen, dass es für Kunst- und Kultureinrichtungen immer wichtiger werde, Inhalte zu generieren. Dies unter anderem deshalb, weil wir feststellen, dass wir mit der Vernetzung auf der Beziehungsebene an Grenzen stoßen, weil uns an einer Person nicht alles interessiert, sondern nur Teilaspekte. Recht schön lässt sich das auf Facebook feststellen, wo wir zwar jede Menge Freunde oder Fans haben, aber uns allen ist klar, dass wir nicht idente Interessen haben und uns deshalb nicht alles von ihnen interessiert. Und genau aus diesem Grund lesen wir auch nicht alles, was unsere Kontakte auf Facebook so alles von sich geben. Der Aufwand wäre zu groß, der Ertrag vermutlich zu gering.

Wenn alle nur über sich schreiben, dann nervt das

Wenn wir aber nicht alles lesen, was in unserem Beziehungsnetzwerk kommuniziert wird, dann bekommen Kultureinrichtungen, die sich bei ihren Social-Media-Aktivitäten auf Facebook beschränken, ein Problem. Das Ziel, von all ihren Kontakten wahrgenommen zu werden, ist eine Illusion, nur wenige schaffen es in den Newsfeed ihrer Fans. Und warum? Weil der direkte Kontakt zu einem Theater, einem Museum oder zu den KünstlerInnen selbst an Bedeutung verloren hat. Die Einzigartigkeit ist dahin, seitdem fast alle im Social Web vertreten sind und meist nichts besseres zu tun haben, als die eigenen Aktivitäten zu bewerben. Wer hundert oder mehr Kultureinrichtungen auf seinem Radar hat, weiß, wie langweilig, ja nervig es sein kann, wenn alle nur auf das eigene Tun verweisen.

Beziehungsnetzwerke sind wichtig, aber sie verlieren gegenüber den Inhalten an Bedeutung. Wir wollen unsere Interessen befriedigen und das können wir auf Facebook nur begrenzt. Google+ hingegen stellt die Inhalte mehr in den Vordergrund, der direkte Kontakt zwischen den UserInnen besitzt längst nicht den Stellenwert wie bei Facebook. Aber das Google-Netzwerk ist erst der Anfang einer Entwicklung, die den „interest“ Graph immer stärker betont. Zwar kann ich auf Google+ einzelne Personen in bestimmte Kreise ziehen, aber sie sind frei in dem, was sie dort von sich geben. Niemand kann sie daran hindern, die verschiedensten Themen anzusprechen, ohen Filter habe ich ein ähnliches Problem wie bei Facebook.

Diesen Weg vom Beziehungsnetzwerk, wie wir es von Facebook kennen, hin zum Interessensnetzwerk hat jetzt Pinterest geschafft.

„Bei Pinterest geht es nicht darum, Freunde zu finden, oder um persönliche Kommunikation. Der Fokus liegt auf der Verbreitung von relevanten Inhalten, die Bezug zu einem bestimmten Thema haben“,

heißt es auf futurebiz. Auf Pinterest müssen wir nicht mehr den UserInnen folgen, sondern ihren Boards. Und noch etwas ist anders als auf Facebook. Während dort die Interaktion wichtig ist, um überhaupt wahrgenommen zu werden, lässt sich Pinterest auch passiv nutzen. Eine Kultureinrichtung, die es schafft, gute Bilder zu produzieren, kann damit Aufmerksamkeit erzeugen, ohne auf irgendeine Form der Kommunikation mit den „Fans“ angewiesen zu sein, wie Andreas Bersch und Jan Firsching in ihrem Artikel weiter schreiben. Wenn es den Kultureinrichtungen gelingt, ihre Botschaften visuell zu übermitteln, dann stehen die Chancen gut, dass sie auf diese Weise viele UserInnen erreichen.

Wer nur über sich selbst schreibt, langweilt

Aber dafür müssen sie Inhalte schaffen und nachdem sich nicht alle Inhalte visuell übermitteln lassen, bedarf es eben auch anderer Mittel und Wege, zum Beispiel einem Blog. Aber auch hier gilt: wer ständig nur sich selbst bewirbt, langweilt. Nicht die Kultureinrichtung, sondern deren Inhalte müssen im Vordergrund stehen. Das Besetzen von Themenfeldern ist nicht nur für die Suchmaschinen wichtig, sondern ist die Basis für spannende Inhalte. Wo aber bekomme ich die her? Muss ich wirklich ständig neue Inhalte abliefern, um meine Zielgruppen bei Laune zu halten? Oder darf ich etwas tun, was zum Beispiel in den Museen gang und gäbe ist, wenn ich eine Ausstellung konzipiere, nämlich fremde Inhalte kuratieren?

What Comes First, Content Creation or Curation?“ hat Beth Kanter vor einiger Zeit in ihrem Blog gefragt und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Kuratieren von Inhalten nicht nur die Voraussetzung dafür ist, interessante und neue Inhalte zu schaffen, sondern zugleich auch eine wichtige Hilfe, um ein Publikum für sich zu gewinnen oder eine Community zu schaffen. Vereinfacht gesagt haben wir es mit vier Schritten zu tun:

  1. Themenfelder auswählen: Mit der Auswahl von Themenfeldern wird die Grundlage für die Entstehung eigener Inhalte geschaffen.
  2. Inhalte aggregieren: ein Informationspool muss mit Hilfe von Social Bookmarking, RSS, etc. geschaffen werden, um an die relevanten Inhalte meiner Themenfelder heranzukommen (siehe dazu: „Strukturierte Themensuche für das eigene Weblog„)
  3. Inhalte kuratieren: Joe Pulizzi definiert den „content curator“ so: „Someone whose job it is not to create more content, but to make sense of all the content that others are creating.“
  4. Inhalte kreieren: die Mischung von eigenen Ideen und gewonnenen Erkenntnissen zusammenführen, um neue Inhalte entstehen zu lassen.

Nur so werden Kultureinrichtungen auch zukünftig eine Chance haben, im Social Web wahrgenommen zu werden. Im Vordergrund sollten die Inhalte stehen, erst im zweiten Schritt geht es um die richtigen Plattformen und Tools.

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  3. Mal ganz jenseits der ACTA- und Urheberrechtsdebatten: Vorsicht mit curated content. Das einfache Sharen fremder Inhalte in eigene Kanäle wie Twitter oder Facebook befindet sich gegenwärtig zumindest in einer sehr dunklen Grauzone, wenn es vom Urheber nicht explizit gestattet wird (also zum Beispiel nach einer direkten Anfrage). Da Kulturinstitutionen keine rein privaten Verwendungen der Inhalte betreiben, ist auch in Bezug auf die meisten CreativeCommons-Freigaben (zumeist „nicht-kommerziell“) Vorsicht die Mutter der Social Media Kiste. Die aktuelle Gesetzeslage lässt erwarten, dass Abmahnungen gegen curated content durchaus erfolgreich sein werden (und teuer).
    Ich teile übrigens deine Ansicht nicht, dass es für die Menschen nicht interessant wäre, in direkten Austausch mit Kulturinstitutionen zu treten. Gerade die traditionelle monolithische Geschlossenheit dieser Institutionen macht es m.E. für eine vielleicht überschaubare, aber sehr kulturaffine Gruppe von Menschen durchaus reizvoll, einen direkten udn öffentlichen Kontakt zu suchen und zu halten. Aber das wird sich sicher in Zukunft weisen, welcher Weg erfolgversprechnd ist.

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    • Wie du in punkt 3: “Someone whose job it is not to create more content, but to make sense of all the content that others are creating.”
      Das hat massive Fallstricke – schon wenn User auf deiner FBpage inhalte sharen, deren Rechte sie nicht haben. Ob das eine sinnvolle Regelung ist, mal dahingestellt. Man sollte jedenfalls das Problem kennen auch als Kulturinstitution.

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  4. @Postdramatiker: das kann heikel werden, zugegeben, aber für mich liegt die Aufgabe des Content Curator vor allem darin, die Inhalte anderer in den eigenen Kontext zu stellen und dort weiter zu entwickeln. Eigentlich das, was ich hier auf diesem Blog immer wieder versuche. Du glaubst, da könnte es rechtliche Probleme geben? Interessant, wwelches sind Deiner Meinung nach die kritischen Punkte?

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  5. @Postdramatiker: jetzt habe ich Dich verstanden, danke! Nein, ich verstehe unter Kuratieren etwas anderes, nicht das reine Aneinanderfügen von alten Inhalten. Da hast Du recht, hier gilt es aufzupassen, da man schnell gegen das Urheberrecht verstößt. Kuratieren ist für mich aber nicht die Übernahme einer 1:1 Kopie, sondern die Weiterentwicklung. Und das verstößt, zumindest bei Texten, ganz sicher nicht gegen das Urheberrecht.

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