Zerbrochene Vergangenheit
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Zerbrochene Vergangenheit

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© Corinna Dumat ; Pixelio

Der letzte Vorhang droht“ ist ein Interview überschrieben, in dem Alfred Wendel, der Intendant der Duisburger Philharmoniker, ein düsteres Zukunftsszenario für sein Orchester zeichnet. Statt 11,1 Mio. Euro will die Stadt nur noch 8,6 Mio. für die Rheinoper ausgeben, was einschneidende Änderungen für den Opernbetrieb bedeuten würde.

Vermutlich werden die Duisburger Philharmoniker kein Einzelfall bleiben und so werden wir immer häufiger von der „zerbrochene(n) Vergangenheit“, so der Titel des obigen Fotos von Corinna Dumat, so mancher Kultureinrichtung sprechen können.  Natürlich können wir weiter darauf beharren, dass es die Aufgabe des Staates ist, Kunst und Kultur zu finanzieren, dazu bekennt sich die Kulturpolitik ja auch immer wieder. Aber seien wir ehrlich: das System ist an seinen Grenzen angelangt. Immer häufiger ist das benötigte Geld nicht mehr vorhanden, entweder weil die Kassen wirklich leer sind oder weil das Geld für andere Dinge verwendet wird.

Natürlich können wir dagegen protestieren, was grundsätzlich nicht falsch ist. Aber ich denke, das reicht nicht mehr, Kultureinrichtungen, die sich auf die Finanzierung durch die öffentliche Hand verlassen, handeln, ich schreibe das nicht zum ersten Mal, fahrlässig. Fahrlässig, weil immer mehr Zeichen darauf hin  deuten, dass die öffentlichen Mittel der Städte und Gemeinden, aber auch auf landes- und Bundesebene nicht mehr zum Überleben reichen. Aus diesem Grund bleibt Kulturfinanzierung auch 2012 eines meiner Schwerpunktthemen. Lohnt es sich zum Beispiel, sich mit dem Thema EU-Förderungen zu beschäftigen? In den letzten beiden Jahren habe ich dieses Thema etwas vernachlässigt, dieses Jahr möchte ich hier in diesem Blog wieder verstärkt über die Möglichkeiten, Projekte mit Geld aus Brüssel zu finanzieren, informieren.

Wichtig ist es in meinen Augen aber auch, sich nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umzusehen. Crowdfunding ist kein Allheilmittel, aber in vielen Fällen kann es dazu beitragen, Finanzierungslücken zu schließen. Und um nicht bei der Theorie stehen zu bleiben, werden wir dieses Jahr versuchen, die für Juni geplante stARTconference auf diese Weise zu finanzieren. Wir wollen ausprobieren, ob dieser Ansatz genügend Potenzial besitzt, um auch größere Vorhaben realisieren zu können. Die stARTconference ist kein Großprojekt, aber es geht doch um rund 30.000 Euro, die auf diese Weise zusammen kommen müssen.

Interessant ist für uns auch die Frage, ob es im Social Web Vermarktungsmöglichkeiten für den Kunst- und Kulturbetrieb gibt? Viele Kultureinrichtungen haben jede Menge Fans oder Follower und durchaus beachtliche Zugriffszahlen. Wer sie nur zu den eigenen Veranstaltungen einlädt, nutzt das Potenzial von Social Media nicht voll aus, behaupte ich. Bleibt die Frage, wie ich sonst auf mich aufmerksam machen kann, wenn ich keine Einladungen verschicken soll? Für mich ist in dieser Hinsicht Storytelling das zentrale Thema. In gewisser Weise mache ich einen Schritt zurück, denn schließlich war Transmedia Storytelling eines meiner Schwerpunkte im letzten Jahr, nicht nur hier in diesem Blog, sondern auch auf der stART11. Natürlich bleibt das Thema aktuell, gleich im morgigen Blogpost wird Transmedia Storytelling wieder auftauchen. Aber es geht ganz grundsätzlich um die Frage, in welcher Form sich Geschichten einsetzen lassen? Eines der für mich wichtigsten Werke ist das von Raf Stevens im letzten Oktober veröffentlichte eBook „No Story, No Fans„, das ich zwar schon im November gelesen habe. Eine Rezension habe ich bis heute leider noch nicht geschafft, sie ist aber für diesen Monat fest eingeplant.

Und noch etwas habe ich mir für 2012 vorgenommen: in den letzten Monaten ist dieses Blog hier des öfteren zu kurz gekommen. Das möchte ich ganz gerne wieder ändern und wieder einige Blogposts mehr schreiben als im letzten halben Jahr. Vielleicht lassen sich auf diese Weise Ansätze entwickeln, die dabei helfen, den letzten Vorhang zu verhindern, egal wo.

6 Comments Join the Conversation

  1. Wenn du die Vermarktungsmöglichkeiten via Social Web ansprichst: gibt es dazu schon Facts, ob (irgend)eine Kulturinstitution durch ihre Social Web-Aktivitäten mehr Publikum generieren konnte? Ich habe einmal wo gelesen, dass gerade die Duisburger aufgrund massiver Aktivitäten über ihre diversen Social Mediakanäle – vor allem den jetzt vor kurzem eingestellte Blog – einen Anstieg bei ihren Kartenverkäufen von 15% verzeichnen konnten. Gibt es dazu noch andere Beispiele? Ich weiß schon: Karten zu verkaufen ist nicht das primäre Ziel der SM-Kanäle, aber in Zeiten beständig sinkender Subventionsgelder wird jeder „Professionelle“ in der kommenden Zeit vor die Frage gestellt, ob’s noch Sinn macht, wenn die „Conversion Rate“ von „Sympathie-Gewinnung“ zu „Einnahmengenerierung“ nicht stimmt. Dass tolle Initiativen wie der DaCapo-Blog der Philharmoniker auch dann eingestellt werden, wenn die Zahlen soweit passen, ist nur ein weiterer Beweis für den doch immensen Druck, unter dem Kultur z.Z. finanziell agieren muss.
    Trotz allem: Schönes Neues Jahr dir und allen Lesern deines Blogs!

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  2. @Kurt: gute Frage, die sich, Du ahnst es schon, nur schwer beantworten lässt. Die 15% kann ich zwar nicht bestätigen, aber es stimmt, die Duisburger Philharmoniker haben damals von einem Anstieg der Kartenverkäufe berichtet. Aber dann wäre es jetzt unsinnig, das Blog einzustellen, insofern bin ich mir nicht sicher, ob wir es hier mit einer simplen wenn-dann-Beziehung zu tun haben.

    Mal abgesehen von der Tatsache, dass die Qualität des Dargebotenen ja auch irgendwo eine Rolle spielt, denke ich schon, dass man den Erfolg von Social Media in irgendeiner Weise messen können sollte. Zar glaube ich nicht, dass man diesen Erfolg in Prozentzahlen ausdrücken kann, aber wer im Social Web aktiv ist, knüpft dort sehr schnell persönliche Kontakte und bekommt dann schon mit, wenn die Follower oder Fans auf den Plattformen von ihrem letzten Konzert-, Theater- oder Museumsbesuch berichten. D.h. mit dem entsprechenden Monitoring sollte sich das herausfinden lassen.

    Einfacher ist die Erfolgsmessung aber beim Crowdfunding. Immer häufiger versuchen Kultureinrichtungen, ihre Vorhaben auf diese Weise zu finanzieren oder zumindest kozufinanzieren. In diesem Fall ist die Erfolgsmessung einfach und da Crowdfunding von den Social-Media-Aktivitäten lebt, lässt es sich in so einem Fall der Erfolg sehr einfach „messen“. Kommt die Summe zusammen, ist klar, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

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  3. Pingback: Meine Themen für 2013: Contentstrategien, Storytelling und Gamification « Das Kulturmanagement Blog

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