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Elisabeth von Helldorff: Kulturförderung vs. Kulturforderung (Gastbeitrag)

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© plumbe ; Pixelio

Über die Verantwortung, neue Chancen zu ergreifen

Ein Kommentar über Möglichkeiten, die sich in Umbruchsituationen eröffnen und gerade jetzt von Kulturschaffenden wahrgenommen werden sollten. Genau dann, wenn man glaubt, es geht bergab, ergeben sich oft beste Vorraussetzungen, um Neues zu entdecken und zu schaffen – in unserer momentanen Situation nicht nur für die Kulturlandschaft sondern auch für die Wirtschaft…

Irgendwie ist gerade alles anders. Vieles scheint zu zerbrechen und doch haben wir gerade jetzt die Chance, uns neu aufzustellen. Je ausgefallener die Ideen, desto schwungvoller wird die Entwicklung.

Aus diesem Grund fällt mir persönlich das Schreiben über traditionelle Kulturförderung im Moment etwas schwer. Darüber warum der Staat seine Mittel nicht gerechter verteilt. Dass Unternehmen (wie beispielsweise die vom Ausstieg aus dem Ausstieg des Ausstiegs gebeutelte E.ON) in Zukunft weniger für Kultursponsoring ausgeben könnten und somit ganze Institutionen um ihre Existenz bringen könnten.

Betrachten wir die aktuelle Lage der Nation und auch der Welt, so müssen wir zugeben, dass unser zeitweiliges Wutbürgertum zwar durchaus berechtigt ist, die Hintergründe aber keineswegs in Relation stehen zu dem, was anderen Ortes auf dem Spiel steht: sowohl politisch als auch kulturell. Es soll keine Moralpredigt folgen an dieser Stelle. Ich möchte nicht davon erzählen, dass wir uns mit Blick auf die aktuellen Krisenherde mit anderen Dingen beschäftigen sollten als mit den Raffinessen der mitteleuropäischen Kulturförderung.

Umbruch heißt nicht immer Abbruch

Ich denke, dass wir uns im Moment in einer Art Umbruchsituation befinden. Diese Situation fordert vor allem, nicht nur Mängel zu beklagen, sondern sich seiner Chancen bewusst zu werden und diese zu gestalten. Nicht ausschließlich mit Blick auf den Kulturbetrieb, aber auch. Ich sehe es als unsere heutige Verantwortung an, diese Chancen zu nutzen und Dinge zu verändern.

Der Umbruch hat mehrere Seiten. Für den Kulturbetrieb besonders interessant: die finanzielle und die inhaltliche Seite. Finanziell gesehen brechen immer mehr traditionelle Erwerbsmöglichkeiten weg, es tauchen aber gleichzeitig auch immer mehr kreative Wege auf, Geld zu verdienen. Aus inhaltlicher Perspektive ist eine allgegenwärtige Brisanz der Geschehnisse zu spüren. Mit höchster Aufmerksamkeit werden aktuelle Debatten verfolgt und kommentiert. Selten (soweit ich das sagen kann) waren Meinungen so differenziert und auch streitbar wie in diesen Wochen. Diese Aufmerksamkeit und damit auch Neugier sollte genutzt werden, um Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Als Akteur des Kulturbetriebs frage ich mich im Moment, wo die Reise hingehen soll: Was wollen wir überhaupt und wer sind die Rezipienten? Wer soll es bezahlen und warum? Was ist heute der Wert von Kultur? Soll Kultur überhaupt bewertet werden und wenn nicht, können wir uns diese Haltung leisten? Was steht auf dem Spiel, wenn gekürzt wird und wer genau kann diese Kürzungen verkraften und verantworten? Wie soll Kultur in Zukunft aussehen und wo soll sie stattfinden?

Lösungen im Zahlendschungel?

Was Fakten angeht, so geben aktuelle Zahlen nur bedingt Antworten auf all die Fragen. Mit Blick auf Kürzungen wissen wir schlichtweg nicht, was passieren wird. Sehen wir uns bspw. Kulturförderung durch Sponsoring an:

Die zu Beginn genannte E.ON mag ein Einzelfall sein, doch berichtete die Süddeutsche Zeitung am 13.08.2011 bereits darüber und zeigte die Gefahren einer Einstellung des Firmenengagements für einzelne Kulturinstitutionen deutlich auf. Gleichzeitig lesen wir in Studien und Kommentaren (wie in der Studie der Sponsoringagentur Causales), dass gerade Sponsoring für Kulturinstitutionen immer wichtiger wird und immer professioneller angegangen wird. Während hier 133 Antworten von Kulturinstitutionen über die steigende Bedeutung von Sponsoring berichten, liest man dagegen in einer Studie der Universität der Bundeswehr München die Antworten von 591 Unternehmen, die Sponsoring allgemein bewerten. Im Speziellen erläutert die Studie:

„Wie schon 2008, ist eine leicht rückläufige Tendenz bei der Verbreitung des Sponsorings zu verzeichnen. Erstmals ist auch der Anteil des Sponsorings am Kommunikationsbudget geringfügig zurückgegangen. Unverändert bleibt bei der Budgetverteilung die Spitzenposition des Sportsponsorings. Deutlich zugelegt hat wieder das Ökosponsoring. Und auch der Budgetanteil des Bildungs-/ Wissenschaftssponsorings sowie des Soziosponsorings ist erneut gestiegen. Dafür ist das Budget für Kunst-/Kultursponsoring weiter stark gesunken.“

Die aktuelle Lage der Wirtschaft könnte zu einer Prioritätenverschiebung des Engagements führen. Aber definitiv wissen wir es nicht. Besser ist es daher, sich in den Debatten auf das zu stürzen, was über die gängigen Formate hinaus passieren könnte. Darüber, welche Chancen aus der Umbruchstimmung entstehen.

Neue Formate zeigen Lösungen auf und machen Mut

Innerhalb dieses Blogs wurde in den letzten Monaten unter anderem über Crowdfunding diskutiert. Für mich zeigt diese Finanzierungsart, dass durchaus Bewegung in den Kulturbetrieb kommt. Ein Projekt vorzustellen, um es crowdfunden zu lassen, bedeutet ja, dass man davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die es vielleicht besser wissen, als die Damen und Herren der Verwaltung, die einen Antrag abgelehnt haben oder es tun könnten. Dieses Selbstbewusstsein brauchen Kulturprojekte, und sie lernen auch zunehmend ihre Stärken zu artikulieren. Mit der Artikulation kann wiederum eines der größten Verständnisprobleme gelöst werden: Viele der oft zitierten Nicht-Kultur-Nutzer verstehen nämlich schlichtweg nicht, was das mit der Kultur soll. Unter anderem verstehen sie nicht, warum viele Kulturschaffende die Erwirtschaftung eines Gewinns gar nicht an erster Stelle sehen. Der Zusammenhang zwischen Produkt und Markt ist oft völlig schleierhaft. Mit dem Format des Crowdfundings kommt ein Handlungsprinzip ins Spiel, das vielen Menschen nahe ist und auch Freude bereiten kann. Crowdfundig hat etwas Spielerisches (ohne zynisch zu sein und für oder gegen das Rollen eines Kopfes zu stimmen), das den Förderprozess emotionalisiert, ein Mitmachgefühl evoziert, das die Beteiligten motiviert, alles zu geben, um ein Projekt umzusetzen. Wie bereits vielfach erwähnt, kann Crowdfunding nicht die staatlichen Mittel ersetzten. Genauso wenig wie Sponsoring, Spenden und andere Finanzierungsarten. Vielmehr bewahrt es den Kulturbetrieb davor, in Angst vor der großen Finanzierungslücke in Untätigkeit zu erstarren.[1] Denn es geht nicht darum, Gefälligkeitskunst für den Nutzer zu produzieren. Ich glaube nicht, dass sich Kultur verbiegen muss, um gehört und gesehen zu werden. Was das Beispiel des Crowdfundings aufzeigt und die Kultur bzw. die Kulturproduzenten vielleicht auch lehrt, ist, dass sie ohne Scheu ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln können und sich ihrer Fähigkeiten und Wirkungsmechanismen bewusster werden. Denn oft müssen sich nur Verpackung und Präsentation ändern, damit der Mut erwacht, sich in viele Richtungen zu öffnen. Eine viel diskutierte Richtung ist und bleibt die Kooperation mit Unternehmen. Damit zur Frage, wo Kultur in Zukunft stattfinden könnte.

Mit der Kunst ins Haus fallen

Was ist verkehrt daran, sich mit einem Unternehmen zusammenzusetzen und ein völlig neues Kulturprogramm zu schaffen? Wieder besteht die große Angst, ein Unternehmen vertrete nur eigene Interessen und missbrauche die Kunst bzw. Kultur, um sich zu profilieren. Vergessen wir doch einfach einmal für einen Moment das in diesem Zusammenhang sofort assoziierte Sponsoring. Nicht, weil ich es abschaffen möchte – in sehr vielen Fällen ist es ja eine feine Sache – eher weil ich glaube, dass man den Abstand bräuchte, um Neues zu entwickeln. Danach können wir es ja gerne wieder ausgraben.

Was Unternehmen bewegt … – und auch die Kultur?

Das berüchtigte Unternehmen aus dem Bilderbuch ist reich, skrupellos und undurchschaubar. Doch wer sich schon einmal mit einem Familienunternehmer unterhalten hat, weiß nur zu gut, dass es nicht immer so ist. Gerade in Gegenden, die stark von Abwanderung bedroht sind, in Branchen, die expandieren, wo Fachkräfte aber fehlen, in witterungsabhängigen Wirtschaftszweigen und in etablierten Betrieben, deren Führungsnachfolge ungeklärt ist, hat die Leitung eines Unternehmens viel mit der Leitung einer Kulturinstitution gemeinsam. Der gängige Vergleich ist der eines Dirigenten mit einem Unternehmer – beide Leiter einer buntgemischten Truppe von Individuen, die doch ein großes Ganzes schaffen wollen. Oft geht es aber auch um die Kunst der Improvisation. Die Organisation einer Ausstellung in Kooperation mit einer anderen Institution stellt eine logistische Meisterleistung dar, genauso wie die Herstellung einer Maschine, die von vielen Zulieferern abhängig ist.

Es ist sicher fraglich, ob jedes Unternehmen in der Kooperation mit einer Kulturinstitution die perfekte Investition in die Zukunft sieht.

Gleichzeitig ist es aber frappierend zu sehen, wie viele Artikel, Veranstaltungen und Anzeigen darauf hinweisen, dass die Industrie händeringend nach Lösungen für komplexe Probleme sucht. Integration und Retention, Arbeitsplatzgestaltung und Gesundheit, altersgerechte Anreizsysteme, lebenslanges Lernen, Karrieremanagement und Austrittsmodelle, Wissensmanagement und Wissensbilanzierung und schließlich Diversity Management. Um nur einige zu nennen… [2]

Kultur kann – wenn sie will

Wenn ich jetzt die Kultur als einen Lösungsvorschlag einbringe, soll das nicht heißen, dass sie sich prostituieren muss. Im Gegenteil: Hier kann sich ein weiterer Zweig auftun, in dem sie zeigen kann, was ihre Stärken sind. Und bevor hier etwas falsch verstanden wird: Ich halte Unternehmenstheater zur reinen Mitarbeiterbespaßung für eine nette Sache. Aber ich denke nicht, dass es alles ist, was Kunst und Kultur zu bieten haben. Was die Kultur kann, ist intervenieren, analysieren und umdrehen. Sie kann in Prozesse eingreifen, sie überdenken und umstrukturieren. Sie kann animieren, motivieren und begeistern. Sie kann das, was Lévi-Strauss einst „Bricolage“ nannte. Er meinte damit nicht das Basteln im wörtlichen Sinne, sondern eine Form von Wissen. Für den Bricoleur sind Objekte nur zur Hälfte zweckbestimmt, die andere Hälfte lässt er offen für zukünftige Projekte. Der Bricoleur empfindet dann ein Erfolgserlebnis, wenn er es geschafft hat, neue Zusammenhänge zu schaffen, die vorher nicht denkbar gewesen waren. Es macht ihn zu einem nachhaltigen Arbeiter, denn er bewahrt Dinge auf und denkt sie bereits in der Zukunft, ohne das genaue Ziel zu kennen. Sein Metier ist die Zweckentfremdung, da ihm meist nicht unendliche Ressourcen zur Verfügung stehen, er ist also ständig damit beschäftigt, die gewöhnliche Verwendungsweise von Material und Werkzeug auch verlassen zu können. [3]

Diese Offenheit, Ressourcen anders und neu einzusetzen, drei Mal um die Ecke zu schauen statt nur ein Mal, das sind Kompetenzen, die gerade jetzt wichtig sind und immer wichtiger werden – auch in der Wirtschaft. Wenn Kunst und Kultur ihre Aufgabe darin sehen, Gesellschaft zu reflektieren, dann haben sie im Moment die Möglichkeit, sich etwas aufzubauen, mit dem sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn das Leben und Schaffen unserer Gesellschaft findet zu einem großen Teil in der Industrie und im Handel statt.

Kunst als Mitarbeiter in Unternehmen

In einem Unternehmen als Kulturproduzent aktiv zu werden (in Form von Intervention oder auch Mitarbeit), bedeutet die Möglichkeit einer enormen Lernarena für den Künstler – menschlich wie technisch. Gleichzeitig bringt der Kulturproduzent sein Wissen in das Unternehmen ein. Ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Ein echter Kompetenzaustausch also. Trägt eine kulturelle bzw. künstlerische Intervention wirklich den Status eines „Mitarbeiters mit besonderen Kompetenzen“ und nicht den eines anonymen „Dienstleisters“, werden firmeninterne Finanzierungsmodelle durchaus denkbar. Zum Beispiel durch die Integration in ein Schulungsprogramm oder als „Abteilung für Innovation und Entwicklung“, die wie Marketing, EDV und Personalbüro einen festen Platz im Unternehmen einnimmt.

Natürlich ist die entscheidende Frage, wie eine solche Kooperation oder Mitarbeit nun aussehen soll.

Wie so oft, bleibt eine Standardlösung aus. Einige Beispiele können aber genannt werden:

Bereits bekanntes bietet sicherlich der dm-Drogeriemarkt mit seinem Schulungsprogramm, das vor allem nach innen und nur nebenbei auch nach außen wirkt. Unternehmenstheater wird hier nicht eingekauft, sondern von den Mitarbeitern als Fortbildungsmaßnahme wahrgenommen. Zu nennen wäre aber auch der Künstler Paul Huf, der seit längerem in einer Unternehmensberatung angestellt ist – als Künstler, wohl bemerkt, nicht als klassischer Berater. Oder aber das Projekt „Menschen – Technik – Emotionen“, in dem Mitarbeiter einer Firma gemeinsam mit den Mitgliedern eines Kulturvereins die Produktionshallen fotografisch inszenierten und eine Ausstellung für die Einwohner der Stadt konzipierten. Hier wurde der Arbeitsplatz künstlerisch und vor allem persönlich reflektiert. Einige Beispiele bietet auch die Liste der Gewinner des Wettbewerbs der Kultur- und Kreativpiloten, die mit ihren Ideen genau das schaffen, was Tania Breyer, Beraterin im Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft, „das Gegenteil von Kultursponsoring“ [4] nennt. Darunter verstehe ich persönlich, sich selbst zu helfen mit schlauen Ideen.

Zu den Voraussetzungen

Ein wesentlicher Faktor muss beiden Seiten vorher bewusst sein: sie brauchen sich gegenseitig. Nicht als Geld- bzw. Imagegeber. Sondern für eine gemeinsame Sache. Die gemeinsame Sache kann sein, einen Mikrokosmos (wie bspw. ein Unternehmen) durch eine Idee zusammen weiterzuentwickeln. Dieses „Zusammen“ kann allerdings nur erreicht werden, wenn sich die Akteure als „Partner“ bezeichnen und sich als solche auch auf Augenhöhe begegnen und anerkennen. Warum sollte das einer mitmachen, wo er sich doch auch einfach einen Unternehmensberater einstellen könnte, um profitabler zu wirtschaften. Vielleicht macht er es ja genau deshalb, weil er gemerkt hat, dass Dinge komplexer sind. Dass bei all den oben genannten Problemen eben keine anonymen Berater helfen können. Dass sie verwurzelt sind. Und dass künstlerisches Denken ein Schlüssel sein kann, der interne Abläufe überdenkt und der externe Zusammenhänge überhaupt erst gestalten kann – und genau damit vielleicht die eigene Existenz zu sichern vermag (zum Beispiel im Wirkungskreis einer Kommune).

Der Weg dort hin

Ganz bewusst schreibe ich oben „Kunst und Kultur haben die Möglichkeit, sich so etwas aufzubauen […]“. Trotz vieler Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen und Unternehmen, ist eine solche Form des Kompetenzaustauschs nicht gang und gäbe. Aber sie bietet ungeahnte Potentiale, die mit Kreativität und Verständnis für (manchmal auch fremde) Prozesse ausgeschöpft werden können. Wichtig ist vor allem der Aspekt der Gemeinsamkeit. Es soll nicht darum gehen, voneinander zu „profitieren“, sondern zusammen etwas zu entwickeln, das auf lange Sicht für alle Akteure einen Mehrwert schafft – sowohl finanziell als auch inhaltlich.

Mit Mut ins Getümmel

Die oben genannte Artikulation ist einer der Schlüsselbegriffe: Wer sich bewusst wird, was er mit seinem Werk, mit seiner Idee oder mit seinem Produkt zu bieten hat, der findet auch diejenigen, die sich dafür interessieren. Sieht er dabei nicht nur den klassischen Markt, sondern auch einen gesellschaftlichen oder systemrelevanten Aspekt, ist er von der Industrie oft gar nicht weit entfernt. Dazu gehört die richtige Verkaufsstrategie – keine Frage. Doch wer von seinem Gegenüber erwartet, sich auf die Sprache der Kunst und Kultur einzulassen, der sollte sich auch mit dessen Welt beschäftigen. Wahrscheinlich wird er feststellen, dass die Unterschiede gar nicht so gewaltig sind. Kreativität und künstlerisches Schaffen haben als Wissens- und Produktionsform Wesentliches zu bieten.

Mit Mut das Andere wagen

Auch für Unternehmen ist eine Öffnung hin zur Kultur als „Mitarbeiter“ noch Neuland. Doch die Auseinandersetzung mit und der Einsatz von Kultur im Unternehmen stellen laut Brigitte Biehl-Missal einen der großen Trends des 21. Jahrhunderts dar. Sie nennt ästhetische Kompetenz „eine Art Navigationsfähigkeit in der Wirtschaftswelt“ und formuliert weiter

„Mit einer ästhetisch kompetenten, verständnisvollen Haltung der Menschen in und außerhalb von Unternehmen kann Einfluss auf nicht nur ein ansprechenderes, „schöneres“, sondern partizipatives und nachhaltigeres Leben genommen werden. Nun ist es an Forschung und Praxis, besondere Ansprüche an den Einsatz von Kunst zu formulieren, um das Verhältnis mit noch mehr Energie und herausfordernden Ideen aufzuladen. Es geht jetzt darum, dass die Wirtschaft die Herausforderung der Kunst wirklich annimmt.“ (in: Brigitte Biehl-Missal: „Wirtschaftsästhetik: Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ S.178)

 

Mit Verantwortung Chancen ergreifen

Diese Art von Zusammenarbeit ist ein Ziel. Vielleicht auch eine Vision. Meiner Meinung nach ist sie aber eine absolute Notwendigkeit. Sowohl aus inhaltlicher als auch aus finanzieller Sicht. Der Appell geht an alle Akteure, die Gesellschaft formen und gestalten. Neben dem Erhalt des Kulturguts, dem Aufbau und der Unterstützung neuer Sparten, der Ermöglichung von Raum für künstlerisches Schaffen, dem Drang nach Innovation, geht es vor allen Dingen um eines: Verantwortung.

Kultur sowie die weitreichenden Effekte künstlerischen Schaffens können das Bindeglied zwischen allen Akteuren der Gesellschaft sein, die sich ihrer Verantwortung für diese bewusst sind und gemeinsam daran arbeiten, etwas zu verändern, diese zu formen und gestalten. Gerade in Zeiten eines Umbruchs und wenn Debatten aktiv geführt werden, kommt es zur Hinterfragung von Systemen. Kulturschaffende sollten diese Momente daher nicht verschwenden und jammernd auf ihre Daseinsberechtigung pochen, indem sie Akteure aus Politik und Wirtschaft auffordern Engagement zu zeigen. Sie sollten viel mehr frischen Mutes neue Ideen und Lösungen entwickeln und damit sowohl die Kultur- als auch die Wirtschaftslandschaft bereichern.

Über die Autorin

Elisabeth von Helldorff (*1983) hat in Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis und in Växjö (S) und Mérida (Mex) Violoncello studiert. Mit ihrem Team gewann sie 2010 den Gründerwettbewerb „Herausforderung Unternehmertum“ der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung und gründete daraufhin das Büro für Kulturprojekte „Schwarz+Weiss: Kultur | Wirtschaft | Kreative Allianzen“ mit Sitz in Leipzig.


  • [4] Dierks, Birthe, Ein Interview mit zweien, für die sich die Systeme längst entgrenzt haben. Tania Breyer und Frank Lemloh im Gespräch mit Birthe Dierks. In: Breitbach, Helldorff, Mittag, Trollmann (Hrsg.) (2011): Publikation zum Symposium Kulturpolitur – Kultur und Wirtschaft neu denken. Offizielle Veröffentlichung der Publikation 09/2011.

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  1. Vorweg, ich finde es toll, hier in diesem Blog andere Beiträge kommentieren zu dürfen. Mein Dank gilt Elisabeth von Helldorff, die in ihrem Essay deutlich macht, was Kunst und Kultur alles zu leisten imstande sind und warum sie es gar nicht nötig haben, als Bittsteller aufzutreten. Mir gefällt vor allem die letzte Überschrift „Mit Verantwortung Chancen ergreifen“. Das sollte in meinen Augen der Leitspruch für Kulturbetriebe sein, so wie das die US-Museen tun, wenn sie sich als Zentren zukünftiger Wissenscommunitys ins Gespräch bringen. Was mich interessieren würde: welche Erwartungen verbinden Kultureinrichtungen mit der Zukunft? Die Hoffnung überleben zu können oder den Anspruch, die Zukunft mitgestalten zu können?

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  2. Hihi, lusterweise hab ich es geschafft den Artikel noch nicht zu lesen, aber Christians Kommentar schon. Den Artikel hole ich nach, die Frage die Christian stellt möchte aber schon mal unterstreichen.🙂

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  3. Interessant ist auch, dass hier auf zwei Sponsoringstudien verlinkt wird, die zu eher gegensätzlichen Einschätzungen kommen, was die Zukunft des Sponsoring betrifft. Bedeutet das „auf Augenhöhe“ miteinander zu kooperieren nicht auch, dass sich in Sachen Sponsoring etwas ändern muss? In den diversen Fachbüchern ist immer von Sponsoringgeber und -nehmer die Rede. Kulturbetriebe sind immer die Sponsoringnehmer. Alleine schon die Bezeichnung ist verräterisch.

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  4. Die Frage nach einem entweder/oder finde ich schwierig zu beantworten. Es gibt so unglaublich viele verschiedene Formen von Kulturinstitutionen, dass sich keine einheitliche Zukunftserwartung benennen lässt. Vielleicht könnte man eher sagen, dass es ihnen nur möglich sein wird, zu überleben, wenn sie die Zukunft mitgestalten. Überleben will ja jeder, der seine Sache für wichtig erachtet – ansonsten wäre der Überlebensanspruch sehr merkwürdig. Da aber Geld von außen kommt, muss dem Umfeld klar sein, dass sich eine Investition oder Unterstützung lohnt. Dazu muss der richtige Kommunikationsweg gefunden werden.
    Nicht wenige fragen sich zum Beispiel bereits, ob Deutschland überhaupt so viele Theater und Orchester braucht (Im Falle des Thalia Theaters in Halle ist ein erstes Urteil ja schon getroffen).
    Meine Frage zurück:
    Woran liegt das? Haben diese Institutionen verpasst, sich um ihre persönliche Artikulation und innovative Konzepte zu kümmern? Oder sind sie Opfer wahlkampfgeleiteter Finanzpolitik?
    Und: Kann das noch grade gebogen werden oder brauchen wir wirklich nicht mehr so viele Institutionen?
    Und wenn wir sie nicht brauchen: Welche Formate sind zukunftsversprechend?
    Als Diskussionsgrundlage wäre beispielsweise die Kammerphilharmonie Bremen zu nennen, die sich mit vielen kleinen und größeren Bausteinen ein beinahe eigenständiges Finanzkonzept gebastelt habt. Und das sehr erfolgreich.

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  5. @Elisabeth: ja klar, die Frage ist natürlich sehr überspitzt formuliert. Trotzdem fehlt mir eben dieser Gestaltungswille, wenn nur noch darüber diskutiert wird, wo man noch einsparen könnte. Mir fehlt der Mut zu neuen Ideen, weil jeder sofort darauf verweist, dass etwas auf Grund mangelnder Ressourcen nicht funktionieren könne. Warum haben sich etwa Kulturbetriebe nicht an der Blogparade der Duisburger Philharmoniker über die Zukunft des Konzerts beteiligt? Kein Interesse? Keine Zeit? Man könnte überspitzt sagen: dann ist das Problem noch nicht groß genug.

    Die Frage, ob und wenn ja, wie viele Kulturbetriebe wir brauchen, ist berechtigt. Das Problem ist nur: eigentlich müssten die BürgerInnen darüber diskutieren. Nur haben die sich großteils schon entschieden.

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  6. Pingback: KULTURFÖRDERUNG VS. KULTURFORDERUNG « ART RESEARCH

  7. „Das Problem ist nur: eigentlich müssten die BürgerInnen darüber diskutieren. Nur haben die sich großteils schon entschieden.“

    Da will ich mal einhaken. Jetzt wo ich den Artikel gelesen habe, will ich auch was zu sagen und es passt ganz gut zu meinem Einwurf. Ob mir als Unternehmen Kunst und Kultur als Partner etwas bringt, muss ich ja auch entscheiden. Unternehmen können sich zwar beraten lassen etc, aber die Entscheidung werden sie sich, wenn sie etwas auf ihr Unternehmertum geben, nicht ersparen können.

    Entscheidungen basieren immer auf dem besten Wissen und Gewissen. Beides ist kein zufälliges Produkt und erstaunlicherweise appelliert man bei Problemen erstaunlich elanvoll an das Gewissen, das Wissen aber überläßt man anderen. Allerhöchstens erkennt man bemängelt man, dass das lokale Presseblatt nur halbgar über Kultur berichtet, mal ganz zu schweigen von überregionaler Presse.

    Ich denke, nach wie vor liegen da die größten Chancen. Natürlich ist es hilfreich zu verstehen, wie ein Unternehmen tickt und ich bin auch für gleiche Augenhöhe, nur denke ich, ist Kritik zur Kommerzialisierung der Kunst nicht ganz unangebracht. „besondere Ansprüche an den Einsatz von Kunst zu formulieren“ halte ich für einen Witz. Kunst ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und von der Gesellschaft Gebrauch zu machen durchaus für den Inbegriff von Egoismus. Unternehmen/Unternehmer/Unternehmertum gehört zu unserer Gesellschaft, Unternehmen können gar nicht unabhängig von Gesellschaft und Kultur agieren.

    Dennoch, um jetzt hier nicht in Kapitalismuskritik abzugleiten, kann Kunst einem Unternehmen helfen. „Der gängige Vergleich ist der eines Dirigenten mit einem Unternehmer – beide Leiter einer buntgemischten Truppe von Individuen, die doch ein großes Ganzes schaffen wollen.“ Ich denke es hilft, hier begrifflich zu differenzieren. Ein Unternehmer wird in erster Linie in seiner Rolle als Manager begriffen, einer Eigenschaft der es der Kunst und Kultur im übrigen oftmals zu fehlen scheint. Ein Dirigent ist kein Manager, im Grunde genommen ist es auch nicht seine Aufgabe eine „buntgemischte Truppe“ zu leiten. Man muss sich das mal vor Augen halten. Orchestermusiker haben sehr sehr viele Jahre täglich mehrere Stunden geübt und kennen die Noten. Die Aufgabe des Dirigenten ist es jedem einzelnen Musiker das Gesamtstück zu vermitteln, sodass nicht jeder eine eigene Version davon hat. Ein Dirigent reichert das, was auf dem Papier steht, mit Eigenschaften, Aussagen, Temperament, Gefühl und was auch immer an, mit Dingen, die nicht messbar sind und das Stück erst zu EINEM großartigem Stück werden lassen.

    Das ist der Punkt, von dem Unternehmer lernen können, beziehungsweisen von Kunst profitieren können. Ein Etwas anzureichern und so zu transportieren, dass tatsächlich ein gemeinsames Etwas entsteht und dadurch besonders wird, dass es etwas besitzt, was nicht mit einem Bauplan abbildbar ist.

    Wenn Unternehmer stolz von der tollen Unternehmenskultur berichten, ist das zwar ein tolles Buzzword, aber wie transportiert sich diese Kultur? Kunst kann transportieren.

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  8. Ach so ganz vergessen. Um auf den eingangs besagten Haken wieder zurück zu kommen. Genannt hatte ich es schon. Kunst allgemein und Kultureinrichtungen können ja wohl kaum davor einknicken, dass sie vor bereits gefällten Entscheidungen stünden. Es ist ja nun nicht so, dass man schon alles versucht hätte, um diese eines besseren Wissens zu überzeugen.🙂

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  10. @Steffen: um mit Deinem zweiten Kommentar zu beginnen: stimmt, Kunst und Kultur können nicht einknicken, aber sehr wohl die Kulturpolitik. Von dort kommt das Geld, mit dem Kunst und Kultur am Leben erhalten werden. Wir haben es also mit einer Art Dreiecksbeziehung zu tun, was die Sache nicht gerade leichter macht, denn der Geldgeber ist nicht direkt der „Kunde“.

    Natürlich kannst Du die Kommerzialisierung der Kunst kritisieren, nur hat das für mich immer einen faden Beigeschmack. Ein Großteil dessen, was wir der Kategorie Kunst zuordnen, ist in einem hohen Maß als kommerziell zu betrachten. So lange Kunst nicht ihren Nimbus als Kunst verliert, kann sie so kommerziell sein wie sie will, ob Musik, Theater oder Oper, überall lassen sich die sogenannten Stars finden, deren Arbeit fürstlich entlohnt wird. Ist das deswegen keine Kunst mehr?

    Was das Verhältnis Unternehmertum und Kunst angeht, möchte ich persönlich niemandem vorschreiben, wer von wem was lernen kann. Interessant wird die Sache, denke ich, erst dann, wenn sich beide Seiten zusammen tun und aus ihrer Zusammenarbeit einen Mehrwert generieren. Auf diese Weise entgehe ich der Diskussion Deiner Behauptung, der Unternehmer werde vor allem in seiner Rolle als Manager begriffen. Das mag häufig so sein, ist aber nicht das, was nötig ist, um als Unternehmer erfolgreich zu sein. Für mich ist der Unternehmer der Architekt des sozialen Raums und das ist ein Dirigent eigentlich auch. Beide schaffen Rahmenbdingungen, damit die MitarbeiterInnen etwas schaffen können, was ihren Fähigkeiten und Potenzialen entspricht.

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  11. Vorweg, höchstwahrscheinlich beschreiben wir beide immer nur eine Facette von vielen. Die Forderung „Kunst muss frei sein“, die man in meinen Aussagen deutlich erkennen könnte ist ganz klar ein Idealzustand, der nur auf einer linearen Ausbreitung der Facetten an einem der beiden Enden zu finden ist. Wenn du schreibst „Unternehmen sind Architekten des sozialen Raumes“ hast du meiner Meinung nach recht gut das andere Ende getroffen. Dieser Facette möchte ich aber deutlich eine Frage entgegenhalten: Warum hat Unternehmertum es nötig, sich in seiner Neugestaltung dann Social Entrepreneurship zu nennen?

    Zur Dreiecksbeziehung habe ich auch schon einmal etwas beschrieben: http://www.kultur2punkt0.de/2011/mal-ganz-personlich-erkart-warum-ich-dieses-blog-schreibe–658

    Und ich würde auch weiterhin dort nicht den Geldfluss mit einflechten. Wie ich auch schon im Social Media Circle beschrieben habe, ist meiner Ansicht nach Geld nur „ein Ausdruck von Kommunikation“. Dass diese Ansicht nicht sich gerade in der Förderpraxis nicht wiederspiegelt, ist ein Grund für viel Unverständnis. Ich habe es schon mehrmals erlebt, dass sich Menschen mit sich selbst kämpften, weil sie vor den Tatsachen standen, dass seitens der Ministerien ihre Arbeit (konkreter Fall: in der kulturellen Bildung) sehr wohl eine deutliche, auch öffentliche Wertschätzung erhalten hat, dies aber trotzdem nicht zur Folge hatte, dass Mittel in ausreichendem Maße bereit gestellt wurde oder eben Kürzungen abgewendet werden konnten. Das Wort Lüge ist da mehr als deutlich im Raum. Warum? Weil sie ihr WORT gebrochen haben. Geld ist nur eine Wertschätzung. Und ja, von Wertschätzung allein kann ich nicht leben, dafür hat Geld dann wiederum seinen materiellen Wert und dafür brauchen wir es als Gesellschaft.

    Wenn ich jetzt an dieser Stelle weiter philosophiere, würde ich folgendes meinen: Wenn Geld einen materiellen Tauschwert und eine immaterielle Wertschätzung besitzt, dann ist es da, womit wir in der Diskussion auch weiterkommen könnten. Der materielle Wert ist dafür da, dass der Unternehmer damit den Produktionskosten, Fixkosten und eben auch Kosten die der Künstler zum Lebensunterhalt hat ein Gegenwert entgegen gehalten werden kann. Der Immaterielle Wert, die Wertschätzung, ist dafür da, dass der Unternehmer, der Idee, der Kreativität, dem Mut und dem Ehrgeiz des Künstlers, als ebenfalls immateriellen Werten etwas entgegen halten kann.

    Das funktioniert, darin sehe ich Gerechtigkeit auf beiden Seiten. Was aber nicht passt ist, wenn immaterielle Werte mit einem materiellen Tauschwert entgolten werden. Damit erreicht der Künstler den Punkt an dem er sich verkauft. Er schuftet dann nicht für die Idee und die Kreativität, sondern für in erster Linie für die Gewinnerzielung des Unternehmers.

    Soweit meine, gerade spontanen Gedanken dazu.

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  12. @Steffen: schade, dass niemand auf Deinen Kommentar reagiert hat. So weiß ich nicht, ob es an mir liegt, dass ich nicht verstehe, was Du da geschrieben hast. Sorry, aber vielleicht kannst Du noch einen Versuch starten und mir erklären, wie Du das meinst, dass Geld ein Ausdruck von Kommunikation ist und was Kommunikation dann überhaupt bedeutet? Du schreibst, dass Geld „eine immaterielle Wertschätzung besitzt“. Dinge können doch nur einen Wert besitzen und jemand kann sie wertschätzen. Da muss ich kapitulieren…😦

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    • @Christian: Auf die letzten Kommentare habe ich aus eben demselben Grund noch nicht geantwortet. Die Diskussion ist vielleicht etwas entglitten und es war mir auch nicht mehr ganz klar, wohin die Reise gehen sollte. @ Steffen und Christian: Um den Austausch nicht versickern zu lassen, würde ich gerne die Frage um die immateriellen Werte aufgreifen. Habe ich richtig verstanden, dass der Künstler für eine Tätigkeit in einem Unternehmen nicht materiell vergütet werden sollte, sondern immateriell – selbst wenn das Mittel monetär ist? Meiner Meinung nach muss materielle Vergütung nicht einer Instrumentalisierung gleichkommen. Instrumentalisierung bedeutet für mich, von der Fertigkeit einer Person bzw. eines Handwerks gebrauch zu machen, um bedenkliche Ziele zu verfolgen. Wenn ein Künstler ein Auftragswerk oder eine Auftragskomposition erarbeitet, sei es für eine Institution oder eine Privatperson, schafft er doch eher Räume, sein künstlerisches Schaffen zu verbreiten. Sowohl inhaltlich als auch praktisch. Natürlich gibt es Aufträge, die ganz pragmatisch als Brotverdienst gesehen werden können. Es ist aber auch immer die Frage, was der Künstler daraus macht. Oft sind die Grenzen zur Möglichkeit, beispielsweise einen kunstvermittelnden Aspekt zu erfüllen, fließend. Kunst oder künstlerische Methoden in außerkünstlerischen Feldern einzusetzen, kann zu reiner Werbung verkommen. Es kann aber auch Projekte nach sich ziehen, die weit darüber hinaus gehen, wenn eine Zusammenarbeit interessant erscheint. Ich finde es schwierig, schnell zu urteilen. Neue Konzepte und Kooperationen brauchen einen langen Atem und tragen natürlich das Risiko des Scheiterns in sich. Aber vor jedem Versuch steht eine Unvoreingenommenheit, die auf beiden Seiten gegeben sein muss.
      Um Steffens Gedanken aufzugreifen: Ein Unternehmen sollte also einem Künstler nicht nur Geld sondern auch Wertschätzung entgegenbringen (wenn ich das richtig verstanden habe). Den Gedanken der Wertschätzung führen im Moment einige Unternehmen und mit dem Begriff des „Social Entrepreneurship“ oder der Nachhaltigkeit wird sicherlich viel Schindluder getrieben. Und doch ist es für mich Ausdruck einer Bewegung, die ein Umdenken anstrebt. Meiner Meinung nach sollten wir diesen Bemühungen eine Chance geben. Diese Bemühungen sind noch nicht besonders alt und vielen Unternehmensleitungen ist der Gedanke bestimmt auch noch sehr fremd – was auch der Grund sein mag für einige wirre Konzepte. Trotzdem liegt doch in dieser zaghaften Öffnung eine riesen Chance für Kunst und Kultur, sich einzusetzen und etwas zu bewegen. Ich denke, man kann den Unternehmen, die Kunst nur als Mittel zum Zweck verstehen, auch beibringen, sie als mehr zu verstehen, als sie es bisher getan haben. Das funktioniert aber nur, wenn man auch deren Sprache akzeptiert. Und ich glaube, dass Geld und Wertschätzung in dieser Sprache auch sehr nah beieinander liegen. Um es kurz zu sagen: Mir ist der Grund für viele Befürchtungen nicht so ganz klar.

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      • @christian + elisabeth meine kommentare sind relativ spontan runtergeschrieben, von daher ist es nicht verwunderlich, wenn ich schwer zu verstehen bin. ich würde aber jetzt nicht nochmal versuchen das spontan runterzuschreiben, sondern mir mal ein paar quellen zum thema suchen.

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