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Wie sieht das Kulturangebot der Zukunft aus?

4 Kommentare


© Gerd Altmann ; Pixelio

Nicht nur in diesem Blog geht es immer wieder um die Frage, wie sich Kunst und Kultur zukünftig finanzieren lassen. Auch auf der letzten stARTconference war das ein Thema, schon im Vorfeld erschien das gemeinsam mit Kulturmanagement Network produzierte eBook „Geschäftsmodelle im Web2.0“ und auch auf der Konferenz selbst drehten sich viele Vorträge um dieses Thema.

Wie aber sieht die Kunst der Zukunft eigentlich aus? Die Duisburger Philharmoniker interessiert diese Frage natürlich vor allem im Hinblick auf den Konzertbereich und so haben sie Mitte Juni eine Blogparade gestartet, die nach dem „Konzert der Zukunft“ fragt:

„Niemand hätte vor 2008 gedacht, dass es einmal eine Zeit geben würde, in der man Konzerte online gestreamt am Recher anschauen können würde. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals noch Zukunftsmusik: Always on, permanenter Zugriff auf das Internet mit dem Smartphone. Innerhalb kurzer Zeit hat sich viel verändert im klassischen Bereich. Deswegen möchten wir mit der Blogparade “Das Konzert der Zukunft” wissen, wie sich unsere Webfreunde einen Konzertbesuch in 5 Jahren vorstellen,“

schreibt Christian Spließ auf dem Dacapo-Blog. Bis Ende Juli besteht noch die Möglichkeit, sich mit eigenen Ideen daran zu beteiligen. Gemessen an der Zahl der Beiträge ist es um die Vorstellungskraft schlecht bestellt. Oder es sind alle mit dem jetzigen Status Quo zufrieden und möchten, dass er erhalten bleibt.😉

Einem ähnlichen Thema wird sich die 6. Jahrestagung des Fachverbands für Kulturmanagement widmen. Unter der Überschrift „Zukunft Publikum: Neue Beteiligungsformen und interaktive Kulturwahrnehmung“ geht es vom 12. bis 14. Januar 2012 in Lüneburg um die Erforschung kultureller Beteiligungsstrategien. Auch hier wird im Rahmen des Call for Papers danach gefragt, wie die Kulturangebote der Zukunft aussehen könnten und darauf hingewiesen, dass das Publikum eine aktivere Rolle spielen könnte als heute. So geht es unter anderem bei dieser Tagung um die Entwicklung neuer Strategien kultureller Beteiligung:

„Neue Anforderungen des Kulturpublikums und Transformationsprozesse im Kultursektor verlangen nach neuen Konzepten für die Beziehung zwischen KulturproduzentInnen und Publikum. Denn häufig wird dem Publikum eine interaktive Rolle zugeschrieben. Welche Zielgedanken verbergen sich dahinter? Wie bilden sich daraus Marketingstrategien und wie wird das kulturelle Angebot davon beeinflusst? Wie nehmen Kulturschaffende diese Prozesse wahr und wie reagieren sie darauf? Welche neuen Akteure entwickeln sich auf dem Kulturmarkt mit welchen Angeboten?“

lauten die Fragen, auf die in Lüneburg Antworten gefunden werden sollen. Ich bin gespannt auf die Antworten beziehungsweise Konzepte. Als wir im Vorfeld der stART09 gemeinsam mit der Karlshochschule nach der Vision Kulturmanagement 2020 fragten, konnte der erste Preis in Form eines Vollstipendiums für den Studiengang in Karlsruhe nicht vergeben werden. Mangels Visionen. Es muss also nicht unbedingt das fehlende Geld sein, das zum Niedergang von Kunst und Kultur führt. Auch fehlende Visionen können die Ursache dafür sein. Die Blogparade und die Jahrestagung sind zwei Möglichkeiten, zumindest dieser Gefahr entgegen zu wirken.

4 Comments Join the Conversation

  1. In der Tat fehlen die Visionen. Und zwar ganz wörtlich: es fehl die Vision der Tat, irgendein Tatendrang für einen Aufbruch. In meinem Feld der (klassischen) Musik erlebe ich sehr viel Unvermögen und beinahe Lähmung wenn es darum gehen soll, auch nur ein bisschen etwas neu anzudenken, umzudenken auf die eigentliche Realität da draussen.
    Wobei für mich die Frage nach dem Konzert der Zukunft nicht die richtige ist, weil es dieses eine eierlegende-Wollmilchsau-Format nicht geben kann. Die Pluralisierung der Gesellschaft müssen wir mit einer Pluralisierung des Konzerbetriebs begegnen. Das „eine“ Format kann uns nur weiter Ghettoisieren -> siehe die gegenwärtige Situation des landauf, landab standardisierten „bürgerlichen“ Konzerts. Wir brauchen also vielfältigste Formate: von Club-Events über kuratierte Themenkonzerte und multimediale Angebote bis hin zum guten alten Konzerthaus-Abend.. Ich schlage – als Beispiel – so etwas vor: http://www.youtube.com/user/Podiumfestival#p/u/0/dosBsjASHNA
    „Die Zukunft ist schon da, sie ist nur nicht gleichmäßig verteilt“ (Gibson) – die Förderpolitik hierzulande inspiriert allerdings leider nicht sehr zur Innovation..

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  2. @Steven Walter: klasse Kommentar, danke! Der Einwand ist berechtigt, denn auch im Internet sprechen wir ja von den Nischen. Und wenn man das Video sieht, kann man leicht erkennen, dass die Zukunft wirklich schon da ist. Mir gefällt sowohl das Beispiel im Club als auch das Konzert mit den Medizinbällen. Vor allem die Idee, das Publikum nicht auf Stühle, sondern auf Medizinbälle zu setzen, ist sicher sehr gut angekommen, oder?

    Wie müsste eine Förderpolitik aussehen, die innovative Formate fördert?

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    • ja, die Sitzball Nummer kam sehr gut an – und für mich vor allem wichtig: die Leute hören anders und neu zu! ich glaube, wir müssen alle Parameter des Konzerts in Frage stellen… es gibt ja unendliche Möglichkeiten, kreativ und zeitgemäß diese ungeheuer gute Materie zu präsentieren. Die Musik hat keine Krise, wir haben eine Krise.
      Ich glaube die Förderpolitik sollte viel mehr in Form von Innovationsfonds und Ausschreibungen agieren… also private Initiativen, eine „grassroots“ Szene klassischer Musik ermöglichen. Fast alle Fördermittel gehen in den Erhalt von großen, schweren und enorm teuren Institutionen und gleichzeitig kommen beinahe alle Innovationen der letzten Jahrzehnten aus der freien Szene, die weitgehend auf Selbstausbeutungsbasis operiert. Da stimmt doch etwas nicht…?!

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  3. Pingback: Bildende Kunst in der Zukunft ??? « Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr – von Frank Koebsch

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