Kulturpolitische Gesellschaft (Blog)
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Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter: Herausforderung für die Kulturpolitik

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„netz.macht.kultur“ war der Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft überschrieben, an dem sich Vortragende und BesucherInnen mit der Frage beschäftigten, ob die Digitalisierung uns nun eher schadet oder nützt?

„Wir leben seit gut zwei Jahrzehnten in einer digitalen Gesellschaft, deren immer schnellerer Rhythmus nach einer Neudefinition zentraler Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Kultur, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit verlangt. Es geht um neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe und die Frage, ob traditionelle Formen von Partizipation und Präsentation verschwinden“,

heißt es auf der Konferenzwebsite, auf der dieser Kongress auch dokumentiert wird. Das klingt erst einmal relativ neutral, aber rückblickend betrachtet überwog vorsichtige Skepsis. Das ist in meinen Augen auch nicht falsch, zumal die Kulturpolitische Gesellschaft selbst eher mutig agiert und bereits mit einem eigenen Blog online ist. Aber etwas mehr Enthusiasmus hätte es schon sein dürfen, zumindest auf dem Podium.

Sehr schnell ging es vor allem um den rechtlichen Rahmen, der die Entwicklung im Internet absteckt. Dass Staatsminister Bernd Neumann sich für die Einführung eines Leistungsschutzrechts aussprach, kam nicht überraschend und lässt vermuten, dass die (Kultur)-Politik in Sachen digitale Welt eher Bremser denn Antreiber sein wird. „Kann der Staat das Internet wieder einholen?“ fragt Boris Alexander Knop in seinem Beitrag auf 2010LAB.TV zu Recht. Ich vermute, sie schafft es auf absehbare Zeit nicht. In einem Interview habe ich auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die zukünftige Kulturpolitik auswirke, Foucault zitiert, der schon in den 1960er Jahren von der Epoche des Simultanen sprach und die Welt als ein Netz beschrieben hat. Wenn Simultanität ein Merkmal unserer heutigen Zeit ist, dann lässt sich die Frage von Boris Alexander Knop mit einem einfachen Nein beantworten. Und wenn wir uns nicht mehr in hierarchischen Strukturen, sondern in Netzwerken bewegen, dann hat die Kulturpolitik ihre gestaltende Rolle verloren.

Das Beispiel Leistungsschutzrecht zeigt es. Schon vor dem Aufkommen des Internets war die Einkommenssituation für die meisten KünstlerInnen und Kreativen prekär. Ein Leistungsschutzrecht würde daran nichts ändern, so wie uns auch das Beharren auf dem nicht mehr zeitgemäßen Urheberrecht nicht weiterhilft. Niemand kann derzeit die perfekte Lösung anbieten, aber klar ist: der augenblickliche Status Quo ist unbefriedigend und schadet der Wirtschaft. Oder mit den Worten Tim Renners:

„Die Content-Wirtschaft bedroht mit der Weigerung, zeitgemäße Angebote zu schaffen, ihre eigene Existenz.“

Am Ende kann man die auf die Politik gemünzte Frage von Boris Alexander Knop auch der Wirtschaft stellen: Kann die Wirtschaft das Internet wieder einholen? Es ist sicher nicht zulässig, in diesem Zusammenhang von der Wirtschaft zu sprechen, aber Teile von ihr scheinen abgehängt und es stellt sich die Frage, ob sie jemals wieder eine Chance bekommen, diesen Rückstand aufzuholen oder ob ihre Zeit nicht vorbei ist (siehe dazu das von Clayton M. Christensen verfasste Buch The Innovators Dilemma (Affiliate-Link), das in wenigen Tagen in der deutschen Ausgabe erscheint)?

Aber es ging in Berlin nicht nur um Leistungsschutz- und Urheberrecht. Vor allem der zweite Tag bot interessante Ein- und Ausblicke und beschäftigte sich mit der Frage, wie sich das Internet für die Kunstvermittlung, das Marketing, aber auch die Finanzierung von Kunst und Kultur nutzen lässt? In einer kleinen, aber feinen Runde ging es am frühen Morgen um das Thema Crowdfunding und die Frage, inwieweit sich hier Alternativen für am öffentlichen Fördertopf hängende Kultureinrichtungen auftun und welcher Voraussetzungen es bedarf, um statt einer Förderung das benötigte Geld von „Investoren“ zu bekommen (siehe zum Thema Crowdfunding den Beitrag auf dem Blog der Kulturpolitischen Gesellschaft)?

Durchaus kontrovers verlief die Diskussion zum Thema Kulturportale, die ich moderieren durfte. Je stärker die Gewichtung auf den redaktionellen Beiträgen liegt, desto mehr übt ein solches Portal eine Kuratorenfunktion aus. Die Auswahl, worüber berichtet wird, liegt in Händen des Redaktionsteams, der Einfluss der Kultureinrichtungen ist also begrenzt. Dem gegenüber stehen Portale, in denen Kultureinrichtungen aufgelistet werden und über Veranstaltungen informiert wird. Als Anlaufstelle für Kulturinteressierte haben sie eine wichtige Funktion, interessant wird die Sache aber, wenn das Portal über Schnittstellen zum Social Web verfügt und es somit möglich ist, seinem Netzwerk bestimmte Inhalte oder Veranstaltungen zu empfehlen.

Ein großes Problem für Kultureinrichtungen stellt die große Zahl von Portalen mit teils ähnlichen Strukturen dar. Klar ist: für Kultureinrichtungen ist der Ressorucenaufwand nicht gering, auf einem Portal die Daten einzupflegen und zu aktualisieren. Welches Portal ist aber das richtige und auf wie vielen Portalen sollte man vertreten sein? Die Diskussion zeigte, dass es hier keine allgemeingültige Antwort geben kann. Insofern bleibt den Kultureinrichtungen nichts weiter übrig, als weiter Inhalte auf die eigene Website, die jeweiligen Kulturportale und die Social Networks zu stellen und so eine möglichst große Zahl von Interessierten zu erreichen.

Aber vergessen wir die Schwierigkeiten, Probleme und Herausforderungen doch einfach mal! Die Beschäftigung mit dem (Social) Web bietet einem ja auch Chancen und kann darüber hinaus Spaß machen. Am deutlichsten kommt das auf dem Blog der Hildesheimer StudentInnen zum Ausdruck, die sich (und ihre LeserInnen) in Form von Blogposts schon im Vorfeld auf den Kongress eingestimmt haben. Und mit ihrer Twitterwall vor Ort haben sie die Hürde, sich mit diesem „komischen“ Tool zu beschäftigen, extrem gesenkt. Ihr „Twitterstand“ war immer gut besucht und ich denke, sie haben damit wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet. Übrigens wurde während der zwei Tage fleißig getwittert (siehe dazu die Analyse von Simon A. Frank: twitter.macht.kultur (Tag 1, Tag2)) und das nicht immer ganz ernst. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass die Twitterwall nicht im Konferenzsaal zu sehen war. Aber spannend wären manche Reaktionen schon gewesen.😉

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  1. Hallo, ich finde es irgendwie komisch und schade, dass dieser Beitrag und vielleicht Berichte von anderen Bloggern und „Korrespondenten“, die dem Blog der kupoge angehören (Christoph Deeg,Simon Frank,Christiana Henke, Wolfgang Hippe, Norbert Sievers, Bernd Wagner) auf demselben nicht eingestellt werden. Ich bin sehr interessiert an diesen Berichten und Einschätzungen, da ich nicht am Kongress teilnehmen konnte und so versuche über das Netz mir einen Überblick zu verschaffen. Vielleicht bin ich einfach noch zu ungeübt in der Koordination von Information, aber…
    Es werden oft großartig neue Blogs angekündigt, auf denen viel Kommunikation und Information geschehen soll, jedoch ist meine Erfahrung bis jetzt, dass es sich fast um „Bis-zum-Event-Blogs (im Bereich Kogress und Tagung etc.) handelt. Der kupoge-Blog scheint mir einer davon zu sein. Zur Beitragsstruktur: 2 Ankündigungs-Posts, 2-Twitter-Statistik-Posts (die nicht zeigen, was jetzt eigentlich interessant an der T-Kommunikation war) und „nur“ 3 Beiträge, die sich mit dem eigentlichen Thema teilweise recht zurückhaltend befassen. Schluss. Der letzte Beitrag war vom 12. Juni (der Sonntag nach dem Kongress). Ich habe die Befürchtung, dass da auch nichts mehr passiert. Wer was sagen möchte, macht das dann im eigenen Blog. Warum wurde der nochmal eingerichtet? Gleiches gilt für den Blog des Kongresses taten.drang.kultur, der mit dem Beitrag „Jetzt geht’s los. Die Kongressmappen sind bestückt…“ starb. Gerne würde ich den Artikel von Ihnen über Crowdfunding lesen. Hoffentlich wird er dann noch von einigen gelesen, die hoffen, dass da noch was kommt, ansonsten reicht es ja auch hier. Die Abonnenten sind hier sicher zahlreicher, oder?
    Beste Grüße!

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  2. ja stimmt, ich finde es auch schade, dass dort so wenig Leben herrscht und es eigentlich keine Nachberichterstattung gibt. Das ist generell ein Problem von Konferenzblogs, die dann nicht mehr weiter geführt werden und durch ihre kurze Lebensdauer auch zu wenig Substanz haben, um in den Suchmaschinen aufzuscheinen. D.h. man findet die Inhalte später auch gar nicht mehr.

    Aber im Fall der Kulturpolitischen Gesellschaft ist das etwas anders, denn das ist ja, wenn ich richtig informiert bin, nicht nur ein Konferenzblog, sondern auch zukünftig das Blog der der Kulturpolitischen Gesellschaft.

    Übrigens widmet sich, glaube ich, das nächste Monatsmagazin von Kulturmanagement Network dem Kongress.

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  3. Die Content-Wirtschaft hat ihre Existenz schon immer bedroht, indem sie das Rad immer wieder neu erfinden musste. Das war schon vor den Printmedien so. Die lausigen Geschichtenerzähler die dazu in der Antike auf die Straßen geschickt wurden hätte ich auch nicht ihren trivialen Schwachsinn verbreiten hören wollen. Die Wirtschaft kann nicht Qualitätsinhalt sicher stellen, weil sie in Quantitäten spezialisiert ist. Irgendwann ist der Gimmick wieder ausgelutscht; gab eh nicht viel her. Und der Schwindel erlebt eine Neuauflage, verkleidet in neuer Terminologie die ein altes Geleiere ist. Das ist der eine Aspekt. Der andere Aspekt ist freilich, dass immer wieder einmal ein paar wenige poetische Kräfte sich in dieses Rad stemmen um die Monotonie nicht alle Rahmen ganz übernehmen zu lassen.

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  4. Pingback: Konferenzen, Kongresse, Tagungen zu Kulturmanagement und zu Social Media – Sammlung von Berichten! | Kulturmarketing Blog

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