Men in Blue
Beitragsformat

Social Media als Herausforderung für Unternehmen und MitarbeiterInnen

22 Kommentare


© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

Daimler lässt kritische Facebook-Gruppe abschalten„, so lautete nur eine der Überschriften über ein typisches Social-Media-Ereignis, wie wir es in nächster Zeit wohl noch des öfteren erleben werden. Was war passiert? Fünf MitarbeiterInnen des Konzerns hatten in der Facebook-Gruppe „Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21“, so die Meldung, unter einen Beitrag, in dem auch ihr Chef als „Spitze des Lügenpacks“ bezeichnet wurde, den Like-it-Button angeklickt und wurden darauf zu einem Gespräch mit der Personlabteilung gebeten. Außerdem machte Daimler laut eigenen Angaben Facebook auf die „bedenklichen“ Inhalte aufmerksam, was zum Verschwinden der Gruppe führte.

Ob es wirklich nötig gewesen wäre, diese Gruppe zu löschen, sei mal dahingestellt. Ich kann und will das nicht wirklich beurteilen. Wenn aber am Ende der oben verlinkten Meldung Facebook Deutschland auf die Frage nach der Löschung der Gruppe mit den Worten

„Wir können das weder bestätigen noch verneinen“

zitiert wird, dann sollte das ein Alarmzeichen sein für alle, die bei ihren Social-Media-Aktivitäten fast ausschließlich auf Facebook setzen. Es gibt anscheinend keine transparenten Prozesse, wenn es um Beleidigungen etc. geht, d.h. es kann morgen aus welchen Gründen auch immer meine Gruppe oder Seite treffen.

Zurück zu den in die Personalabteilung zitierten MitarbeiterInnen. Dass man seinen Chef nicht in der Öffentlichkeit beleidigen sollte, gilt nicht erst seitdem es das Social Web gibt. Geschimpft und beleidigt wurde schon immer, nur bekam der Chef das meist nicht mit. Durch das Social Web entstehen ganz andere Formen von Öffentlichkeit, d.h. die Worte über den Chef können sich recht schnell viral verbreiten, ob gewollt oder ungewollt.

In meinen Augen ist das Verhalten von Daimler angemessen, man hat mit den MitarbeiterInnen ein Gespräch geführt, Sanktionen hat es anscheinend keine gegeben. Uwe Knaus, im Konzern für Social Media zuständig, hat sich in einem Blogbeitrag mit dem, was da in den letzten Tagen passiert ist, beschäftigt und seinen Beitrag nicht ohne Grund mit „Es hat was mit Anstand und Haltung zu tun…“ überschrieben.

Sein Fazit:

„Wenn wir mit Anstand und Respekt durch das Leben gehen, entwickelt sich im Laufe der Zeit eine innere Haltung, die uns helfen wird Konfliktsituationen zu vermeiden – ohne den Wortlaut von Verhaltensrichtlinie oder Social Media Guidelines im Detail zu kennen.“

Ich teile diese Ansicht, denn eigentlich geht es doch – und damit möchte ich den Daimler-Konzern verlassen – um etwas ganz Grundsätzliches, nämlich um die Frage, wie ein Unternehmen mit seinen MitarbeiterInnen umgeht? Betrachtet ein Unternehmen seine MitarbeiterInnen nur als Manövriermasse, kann es von ihnen nur schwerlich Anstand und Respekt erwarten, d.h. die Außenwirkung eines Unternehmens (nicht nur) im Social Web hängt unter anderem davon ab, wie es mit seinen MitarbeiterInnen umgeht. Diese sind letzten Endes das Sprachrohr des Unternehmens, auch ein Ergebnis des Zusammenwachsens der öffentlichen und privaten Bereiche.

Facebook hat mit seinen in der letzten Zeit vorgenommenen Änderungen die Rolle des persönlichen Profils gestärkt und die der „Facebook-Seite“ geschwächt, unter anderem durch die fehlende Möglichkeit, als Seite UserInnen einzuladen. Das bedeutet, die Rolle der MitarbeiterInnen, die für die Social-Media-Aktivitäten verantwortlich bzw. generell im Social Web aktiv sind, wird immer wichtiger, denn letzten Endes müssen sie sich auch persönlich einbringen, um die Social-Media-Aktivitäten des Unternehmens sichtbar zu machen.

Das ist dann ein Problem, wenn Anstand und Respekt im gegenseitigen Umgang fehlen. Warum sollte ich als Mitarbeiter eines Unternehmens zum Beispiel mein persönliches Profil dafür verwenden, Werbung für die Unternehmensseite zu machen, wenn das Unternehmensklima rauh ist und ich nicht die Wertschätzung erfahre, die ich mir eigentlich wünsche?

In der Konsequenz bedeutet das: es ist nicht damit getan, ein paar Accounts einzurichten und dann fröhlich drauflos zu kommunizieren. Werden Anstand und Respekt nicht gelebt, dann wird das früher oder später Auswirkungen auf die Social-Media-Aktivitäten haben. Das macht das Thema Social Media nicht gerade leichter, aber dafür umso wichtiger. Sind Anstand, Respekt und Wertschätzung vorhanden, braucht es, so behaupte ich, überhaupt keine Social-Media-Richtlinien. In dieser Hinsicht ist die New York Times schon recht weit:

„We don’t really have any social media guidelines“,

wird Liz Heron, Social Media Editor der New York Times in einem Artikel auf Business Insider zitiert. Statt einer Vielzahl von Verhaltensregeln gilt dort einfach nur: „don’t be stupid“.

22 Comments Join the Conversation

  1. In der Tat kann man mit gesundem Menschenverstand viel unnötigen Stress und Auseinandersetzungen vermeiden. Leider sieht die Realität häufig anders aus. Ich wage zu behaupten, dass mein Berufsstand (Juristen) sehr sehr viel weniger Arbeit hätte, wenn man sich auch nur abstrakt an Kants kategorischem Imperativ orientierte.

    Umgekehrt stellt sich mir die Frage, ob Daimler auf die Beiträge und damit die Meinung der eigenen Mitarbeiter aufmerksam geworden wäre, wäre sie leiser und anständiger verlaufen. Scheinbar hatten die MitarbeiterInnen ein Interesse daran, ihrem Unmut über die eigene Firmenpolitik Luft zu machen und fanden dafür kein anderes Ventil. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass Schmähkritik und Beleidigungen nicht aus dem Nichts entstehen. Sie sind vielmehr häufig Ausdruck von Ohnmacht und Frustration.

    Die Tatsache, dass man der Meinung nun, da sie mit Beleidigungen versehen wurde Aufmerksamkeit schenkt, ist vielleicht das falsche Signal.

    Dementsprechend sehe ich das Einsatzgebiet für Social Media Guidelines nicht ausschließlich in der „Erziehung“ der Mitarbeiter. Eingebettet in ein Kommunikationskonzept finden sich vielleicht auch Ansätze, wie man diese Graswurzelbewegungen im Unternehmen nutzbar macht und Eskalationen vermeidet.

    Gefällt mir

    Antworten

  2. „Anstand und Respekt“ ist natürlich etwas, wo man jüngern widerspricht.

    Unbetrachtet der Tatsache, dass Schmähungen in einem Sachkontext (hier S21 und der wohl für einige sehr intransparente Einsatz von Daimler-Zetsche dafür) durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind, sollte man sowieso kritisch bleiben, anstatt in den „jaja, Anstand ist superwichtig für Augenhöhe“-Chor der Social Media Experten einzustimmen.

    War es denn anständig von Herrn Zetsche sich über die Maßen für ein solch umstrittenes Projekt wie S21 einzusetzen, wenn viele Mitarbeiter hier bedenken haben? Ist es im Sinne der Daimlerarbeiter, wenn der Chef ein Projekt auf teilweise fragwürdige Weise unterstützt, dass Nahverkehr und andere sozialökologische Fragen der Region ignoriert?

    Ist es angebracht für einen Vorstandsvorsitzenden, der Transparenz predigt, ein Projekt zu stützen, dass demokratische Grundprinzipien verrät?

    Wer also hier als erstes den Pfad der Tugend verlassen hat, ist eine offene Frage. Wut ist keine nachhaltige Antwort, aber legitim, wenn dem Daimlerarbeiter vorgeführt wird, wer die eigentliche Macht hat.

    Die Keule des Anstands ist nichts weiter als eine Methode Machtverhąltnisse zu zementieren. Engagierte Social Media Experten sollten sich fragen, ob Augenhöhe aka Gerechtigkeit auch mal erkämpft und nicht immer nur mit Guidelines vom Himmel fällt.

    Gefällt mir

    Antworten

  3. Ich denke in Sachen Social Media Guidelines geht es auch darum, den etwas ängstlicheren Mitarbeitern Sicherheit zu verschaffen. Sicherheit darüber, wie der Arbeitgeber über die Partizipation an der Netz-Konversation denkt. Sicherheit darüber, dass Mitarbeiter Teil der Unterhaltung sein dürfen/sollen. So sehr ein „don’t be stupid“ den Nagel inhaltlich auf den Kopf trifft: isoliert betrachtet gibt das meiner Meinung nach keine Sicherheit. Im Sinne einer guten Transparenz helfen Social Media Guidleines im übrigen auch (siehe Daimler)nicht nur den Handlungsspielraum der Mitarbeiter, sondern auch den des Unternehmens abzustecken. Grüße, Frank

    Gefällt mir

    Antworten

  4. @Bernhard Kelz: Deshalb finde ich den Begriff „Leitlinien“ auch viel besser als z.B. Richtlinien. Dass das Anklicken des Like-it-Buttons nur das Ventil für etwas war, sehe ich auch so.

    Solche Leitlinien machen nur dann wirklich Sinn, wenn sie so, wie es @Framatho formuliert hat, ängstlichen Mitarbeitern Sicherheit geben. Sie stecken im Bereich des Social Web einen Handlungsspielraum ab, der allerdings nur abgesteckt werden kann, wenn es ihn auch im realen Leben gibt und dort die Werte Anstand, Respekt und Wertschätzung auch gelten.

    Sonst würde das bedeuten, man ist überspitzt formuliert im Social Web „lieb“ zueinander und „befetzt“ sich im realen Leben. Das wird nicht funktionieren und beschäftigt dann irgendwann die Juristen.

    Deshalb ist der Kommentar von @Jens Best in meinen Augen so wichtig. Ich kann zu Daimler und Stuttgart 21 wenig sagen, dazu bekomme ich aus dem Ausland zu wenig mit. Die von den Mitarbeitern eingeforderten Werte gelten natürlich auch für das Unternehmen bzw. dessen Vertreter. Insofern muss sich nicht nur ein Mitarbeiter überlegen, ob er, wie hier, den Like-it-Button anklickt, sondern ein Konzernchef muss sich auch überlegen, in welchem Namen er welche Statements abgibt. Dass er dabei die Unternehmensinteressen zu wahren versucht, mag verständlich erscheinen, wenn dieser Standpunkt aber mit den Mitarbeiterinteressen kollidiert, muss dieser Konflikt aufgelöst werden. Sonst wird von den Mitarbeitern etwas eingefordert, was für die Chefetage nicht gilt.

    Das heißt, Social Media ist mehr als einfach nur ein neuer Marketingkanal und wird, richtig eingesetzt, zu Veränderungen in der Unternehmenskultur führen. In ihr sollten Beleidigungen keinen Platz haben. Gibt es sie doch, sollte man wie von Bernhard Kelz angesprochen, durchaus nach der Ursache fragen.

    Gefällt mir

    Antworten

  5. @Christian Henner-Fehr Ganz genau. Und deshalb ist es auch so wichtig, dass SMGs (und alle anderen Guidelines) nicht nach dem „copy/paste“ Prinzip erstellt werden, sondern auf die eigene Unternehmenskultur und Bedürfnisse angepasst werden. Andererseits: Welches Unternehmen wird sich schon dazu bekennen wollen, dass im „echten“ Leben vielleicht eine respektlose „Troll“-Kultur herrscht🙂 …dann hat das Unternehmen aber sowieso ganz andere Probleme als irgendwelche Leitlinien.
    Dass ein Unternehmenschef immer alle Aussagen an den Bedürfnissen und Interessen seiner Mitarbeiter ausrichten kann, bezweifle ich persönlich (das hat hier aber auch niemand verlangt, denke ich). Sofern diese Aussagen die Mitarbeiter direkt und beruflich betreffen, muss das aber natürlich geschehen. Generell gilt aber auch, dass es übergeordnete Interessen gibt, die Mitarbeiter manchmal gar nicht verstehen können, weil sie nicht den gleichen Überblick und Informationsstand haben. Wenn ein Unternehmenschef Aussagen im Namen des Unternehemens tätigt, so impliziert das meines Erachtens auch nicht automatisch, dass er für seine komplette Belegschaft spricht. Diesen Fall wird es – zumindest bei größeren Unternehmen – nie geben können…gerade wenn es um ein so polarisierendes Thema wie Stuttgart 21 geht.
    Wenn es bei einem Statement der Unternehmensführung jedoch um persönliche Meinungen geht, sollte jeder – egal ob Chef oder Mitarbeiter – genau das klar machen. Die Frage die man jedoch an diesem Punkt stellen kann: gibt es bei öffentlichen Auftritten für einen Unternehmenschef soetwas wie eine private Meinung überhaupt?

    Gefällt mir

    Antworten

  6. @Framatho: jetzt sind wir eigentlich am entscheidenden Punkt angekommen, danke! Natürlich weiß ein Vorstand unter Umständen mehr als seine Mitarbeiter und es ist auch seine Pflicht, dass er die Unternehmensinteressen im Auge behält.

    Für mich geht es jetzt aber um die Frage nach den Prozessen oder Mustern, die da im Hintergrund ablaufen. Überspitzt formuliert würde ich sagen: wenn ein Unternehmen Social Media verstanden hat und auch lebt, dann hätte es so eine Situation wie jetzt bei Daimler gar nicht gegeben, weil man schon im Vorfeld diese Diskussion für alle Seiten zufriedenstellend geführt hätte.

    Für mich gibt es in Sachen Social Media jede Menge Herausforderungen auf der operativen Ebene (Sicherheit für die Mitarbeiter), aber eben auch auf der Metaebene, wo Social Media nicht nur für eine neue Form der Kommunikation, sondern auch für neue Verhaltensweisen steht. Und da ist vor allem die Führungsebene gefordert.

    Gefällt mir

    Antworten

  7. Auch das ist wieder richtig. Im Realitäts-Check sehe ich da aber enorme Herausforderungen. Die Mühlen eines Großkonzerns mahlen teilweise sehr langsam – Social Media ist ein Speedboat. Hinzukommt, dass ein Unternehmen die geforderte Kultur von offizieller Seite nur einleiten kann. Es sind die Mitarbeiter (inkl. Top-Management), die die Kultur Leben müssen. Man kann solche Dinge in der Realität lange diskutieren und im Voraus ansprechen…ob und wie schnell die Mitarbeiter sich an dieser Diskussion beteiligen (oder nicht)und die gestellten Kommunikationsmittel nutzen (oder nicht), kann man nicht erzwingen. Die zur Verfügung stehenden Kapazitäten auf allen Seiten kommen dann auch noch hinzu. Welches Thema ist es Wert intern breit diskutiert zu werden, welches nicht? An welchen Faktoren mache ich das fest? Zahl der interessierten Mitarbeiter oder Relevanz des Themas (Relevanz für wen? Ingenieur oder Marketing-Mensch? Stuttgarter Mitarbeiter oder Mitarbeiter aus und in Beijing?)?
    Wann überstrapazieren wir den Grundgedanken von Social Media? Natürlich ist jede Herausforderung dafür da um gelöst zu werden. Ich versuche nur den richtigen Kontext herzustellen.
    Grundsätzlich habe ich das Gefühl, Daimler ist in diesem Bereich – soweit ich das beurteilen kann – schon sehr weit.

    Gefällt mir

    Antworten

  8. Ich finde den Artikel gut😉
    Jeder Mitarbeiter zu mindestens bei den „großen“ Unternehmen unterschreibt mit dem Arbeitsvertrag, wie er im Zusammenhang mit dem Unternehmen und über das Unternehmen kommunizieren darf und kann. In der Regel gibt es noch Unterschriftsrichtlinien, was, wer und wie kommunizieren darf. Auch bei den KMU gilt dieses im Grundsatz.
    Ein Arbeitnehmer darf nun mal nicht öffentlich gegen seinen Arbeitgeber agieren, egal ob in Schreiben, Mails, Fax, Interviews oder dem Netz. Dieses wird zwar durch SM für den Mitarbeiter unübersichtlicher, aber im Grundsatz gilt das gleiche wie seit Jahren.
    Zur Sicherheit kann dieses in Leit-, Richtlinien, Guidelines beschrieben werden, aber es gilt ganz einfach eines: Schreibe nicht in den SM, was Du nicht auch auf dem Marktplatz oder vor dem Werktor oder in der Freizeit in einem Interview vor laufender Kamera sagen würdest. SM sind in der Regel eine öffentliche Plattform😉
    Ich habe sehr oft das Gefühl, dass im Netz insbesondere SM mit Nicknamen Menschen zu Kommentaren, Statements verleitet, die Sie mir nie Auge in Auge sagen oder mit Ihrem bürgerlichen Namen und Adresse schreiben würden.

    Beste Grüße
    FRank Koebsch

    Gefällt mir

    Antworten

  9. Pingback: Lesetipps für den 31. Mai | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

  10. @Framatho: die Herausforderungen sehe ich auch, wenn es sich allerdings um so etwas wie einen Paradigmen- oder Systemwechsel handelt, dann darf man auch nicht zu ungeduldig sein.

    Ich denke auch, dass Daimler auf dem richtigen Weg ist und eigentlich ist es ja auch wichtig, dass solche Sachen wie jetzt eben dort passieren und man sich darüber Gedanken zu machen beginnt.

    Auf viele Fragen im Social-Media-Bereich haben wir noch gar keine Antworten, häufig zielen sie aber über dieses Feld hinaus.

    @Heinz Koch: I like it🙂

    @Frank: interessante Frage, die Du ansprichst: ist es eigentlich sinnvoll, dass man im Netz ein Pseudonym benützt? Es stimmt, manche Dinge würde man face to face vielleicht nicht sagen, aber das muss nicht immer ein Nachteil sein.

    Ich verwendet übrigens beim Thema Politik ein Pseudonym, weil ich unter Verwendung meines realen Namens mal einen netten Herrn am Telefon hatte, der mir Prügel und ähnliche Dinge androhte. Nicht virtuell, sondern real.

    Aber zurück zum Thema: in der Unternehmenskommunikation sollte das nicht Usus werden, sonst fehlen schon mal die Grundvoraussetzungen für Social Media.🙂

    Gefällt mir

    Antworten

  11. @Frank Koebsch

    Da muss ich zumindest in Details widersprechen. Ein Arbeitsvertrag regelt das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Bezug und begrenzt auf das Arbeitsverhältnis. Sprich man muss hier klar differenzieren, ob sich ein Mitarbeiter privat oder als Vertreter des Unternehmens äußert. Nur im letzteren Fall greifen tatsächlich die angesprochenen „Vertreterregeln“. Dabei gilt selbstverständlich die allgemeine Treuepflicht. Diese reicht aber nicht über das Arbeitsverhältnis in den privaten Raum.

    Es klingt vielleicht pathetisch, aber wir haben uns die Meinungsfreiheit ggü. dem Staat nicht so bitter erkämpft, um sie nun via Arbeitsvertrag an private Konzerne abzutreten.

    Die Hoffnung, dass man via SMG als Unternehmer auch in die Privatsphäre des Arbeitnehmers hineinregieren kann muss ich häufiger enttäuschen.

    Mir stellt sich bei solchen Versuchen tatsächlich immer die Frage ob Unternehmen das Social Web verstanden haben:

    Auf der einen Seite möchte man die Tatsache, dass sich Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren und (positiv) darüber sprechen für das Unternehmen nutzbar machen. Andererseits ist man beleidigt, wenn sich eben diese Mitarbeiter auch negativ äußern, wenn das Unternehmen, mit dem sie sich identifizieren, und das sie im Social Web vielleicht auch schon gelobt und/oder verteidigt haben die Werte verletzt, welche die Mitarbeiter für wichtig halten.

    Das ist aus meiner Sicht der unlautere und untaugliche Versuch das Social Web auf reines Marketing zu reduzieren.

    Selbstverständlich sollte man bei aller Meinungsfreiheit auch im Social Web die Grenzen des rechtlich zulässigen beachten. Eine Beleidigung ist und bleibt eine Beleidigung, egal ob sie von einem Mitarbeiter oder einem Dritten kommt.

    Gefällt mir

    Antworten

    • Hallo Hr. Kelz,
      danke für die Antwort. Klar gilt Meinungsfreiheit. Nur nicht über alle Themen😉, nämlich die Dinge, die Inhalte meine Arbeitsaufgabe direkt berühren. Mein Verständnis ist, ich kann nicht im Netz bedingungslos über meinen Arbeitsaufgabe und die Beziehungen zu Kunden, Lieferanten, Kollegen, Management berichten oder wo möglich einzelne angreifen. Dieses hat zwar vermeintlich mit Meinungsfreiheit zu tun, wieder spricht aber ganz klar den Rechten und Pflichten im Arbeitsvertrag mit und ohne SM. Ich bin kein Anwalt, aber wenn ich mich richtig erinnere, darf ich auch nicht im Urlaub zu den o.g. Punkten ein Interview geben oder im Netz etwas veröffentlichen… Hierbei ist auch ganz sauber zwischen SM in den Unternehmen und außerhalb zu unterscheiden, was es natürlich für viele auch noch einmal schwer macht.
      Es kommt also immer auf die Inhalte an und deren Besuch zu der Arbeitsaufgabe.

      Die wichtigste Frage ist für mich, wie gelingt es eine von allen akzeptierte Verhaltensweise zu etablieren. Hier sind Fehler von allen zu zulassen und man sollte den gesunden Menschenverstand nie außer vorlassen.
      Beste Grüße
      Frank Koebsch

      Gefällt mir

      Antworten

  12. @Bernhard Kelz

    „Auf der einen Seite möchte man die Tatsache, dass sich Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren und (positiv) darüber sprechen für das Unternehmen nutzbar machen. Andererseits ist man beleidigt, wenn sich eben diese Mitarbeiter auch negativ äußern, wenn das Unternehmen, mit dem sie sich identifizieren, und das sie im Social Web vielleicht auch schon gelobt und/oder verteidigt haben die Werte verletzt, welche die Mitarbeiter für wichtig halten.“

    Schön formuliert, danke. D.h. hinter Social Media steckt nicht nur einfach Kommunikation, sondern eine Denkweise und die entsprechende (Unternehmens)-Kultur. Die müssen alle lernen und je starrer die Strukturen, desto schwieriger wird es.

    Gefällt mir

    Antworten

    • Hallo Christian,
      ja aber hier läuft auch noch etwas ganz anders falsch, was aus meiner Sicht immer wieder in den Diskussionen vergessen wird. Dass Mitarbeiter mit etwas nicht einverstanden passiert Tag für Tag. Wenn der MA dann nicht als erstes das Gespräch mit Kollegen, dem Chef sucht, sich nicht an Vertrauensleute, Personal- und Betriebsräte wendet sondern es öffentlich in Netz schreibt, stimmt etwas mit der Kommunikationskultur etwas nicht. Hier hilft auch keine SM. Es kann an der Kultur im Unternehmen oder dem einzeln liegen.
      So wie Dein Beispiel mit den Telefonat und den angebotenen Schlägen, kenne ich immer wieder Menschen, die in der Annonymität des Netzes ganz groß werden wollen.

      Gefällt mir

      Antworten

  13. @Christian Henner-Fehr Da sind wir uns einig😉
    @Bernhardt Kelz: Klar, Unternehmen werden durch Social Media immer persönlicher und sollten sich deshalb auch an den (ungeschriebenen) Richtlinien eines guten, persönlichen Miteinanders orientieren…und Kritikfähigkeit gehört mit Sicherheit dazu. Was aus dieser Kritik gemacht wird liegt dann wieder in anderer Hand…auch das muss ich als Mitarbeiter akzeptieren…dafür gibt es schließlich Führungskräfte.
    Im Grundsatz sind wir uns wohl alle einig: Wenn sich Unternehmen und Mitarbeiter an den Richtlinien eines sozialen Miteinanders orientieren ist alles gut😉

    Gefällt mir

    Antworten

  14. Pingback: Unternehmen und Social Media: es sind die Menschen, die kommunizieren « Das Kulturmanagement Blog

  15. Pingback: NPO-Blogparade: Brauchen Kultureinrichtungen eine Social Media Policy? « Das Kulturmanagement Blog

  16. Sehr treffende Anmerkungen. Der Einsatz von Social Media im Unternehmen bedeutetet Veränderungen in der Unternehmenskultur. Es geht um offene Kommunikation, um Wertschätzung und um Feedback. Werden diese im Unternehmen nicht gelebt, dann würde ich mir sehr gut überlegen, die Mitarbeiter für mich sprechen zu lassen. Diese kommunizieren allerdings auch ohne meine Genehmigung fröhlich vor sich hin, auf allen möglichen Plattformen. Deshalb komme ich um Veränderungen im Unternehmen langfristig nicht herum. Social Media-Guidelines halte ich schon allein deshalb für wichtig, da nicht jedem die Gabe in die Wiege gelegt wurde, respektvoll und professionell mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren.

    Gefällt mir

    Antworten

  17. Pingback: hyperkontext | Weblog

  18. Pingback: Social Media Guidelines als “Frischzellenkuren” für Kultureinrichtungen : iliou melathron

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s