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Wien denkt nicht mehr

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Wien denkt weiter“ nannte sich eine Website, die im letzten Jahr – sicherlich rein zufällig – im Vorfeld der Wiener Gemeinderatswahlen aus dem Boden gestampft wurde und der Platz sein sollte, an dem man mit dem Kulturstadtrat diskutieren bzw. streiten sollte. Nun, daraus wurde nicht wirklich etwas, warum, habe ich schon vor längerer Zeit in einem Blogpost zu beschreiben versucht.

Aber es sollte nicht nur einfach diskutiert werden:

„Das Projekt ‚Wien denkt weiter‘ hat sich zum Ziel gesetzt, einen Katalog an Leitlinien und Maßnahmen zu erarbeiten, die die Kulturpolitik der Stadt Wien in Zukunft prägen sollen,“

heißt es auch heute noch auf der Seite. Mag sein, dass jetzt irgendwo jemand in einem Kämmerchen an einem neuen Kulturleitbild für die Stadt Wien bastelt, das mit den Diskussionen und Vorschlägen hat allerdings nicht so wirklich geklappt. Zumindest weiß die Öffentlichkeit nicht wirklich, woran sie ist. Dabei hat man ihr die Möglichkeit geboten, auf Facebook Fan dieses Projektes zu werden und so immer auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben.

Seit dem 20. Dezember herrscht aber auf allen Kanälen Funkstille, dabei heißt es im letzten Beitrag auf der Website, dass „Wien denkt weiter“ auch 2011 als Kommunikationsplattform Akzente zu setzen beabsichtige. Nachdem den LeserInnen dieses Beitrags am Ende entspannte Weihnachtsfeiertage und ein guter Rutsch ins neue Jahr gewünscht wird, möchte man angesichts der Tatsache, dass auf den Bergen bereits der letzte Schnee schmilzt, am liebsten zum Telefonhörer greifen und die Macher der Seite darauf hinweisen, dass das Frühjahr bald mal vorbei ist und der Sommer beginnt. Bleibt die Frage, ob sich die Wiener Kulturpolitik noch im Winterschlaf befindet oder ob man dort einfach die Lust am Weiterdenken verloren hat?

Wien denkt nicht mehr, das ist für eine der wohl bekanntesten Attraktionen, das Wiener Museumsquartier, wohl die falsche Überschrift. Im Streit um die Facebookseite des MQ hat man eindeutig zu spät mit dem Nachdenken begonnen, wie dieser Artikel deutlich macht. Ed Wohlfahrt hat das, was da passiert ist, trefflich analysiert, dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Doch eines vielleicht: wer in den letzten Tagen die Auseinandersetzungen auf der Facebookseite mitverfolgt hat und heute, so er die Seite anklickt, eine „gereinigte“ Seite und dieses „offizielle“ Statement vorfindet, wird vielleicht den von Thomas Pleil, Professor für Public Relations, verfassten Blogbeitrag „Schafft sich die PR selbst ab?“ mit anderen Augen als vorher lesen. Darin zitiert er unter anderem Ann Gregory mit dem Satz:

„PR (..) habe die Aufgabe, Risiken für Organisationen zu minimieren.“

Im Fall des MQ sind die Risiken nicht minimiert, sondern meiner Ansicht nach maximiert worden, nicht durch die Übernahme der Facebookseite, die rechtlich eindeutig klar geht, sondern durch die Art der Kommunikation. Die KritikerInnen als „selbsternannte Social Media-Experten“ zu bezeichnen, ist ungeschickt (siehe dazu: Friedemann Schulz von Thun: die vier Seiten einer Nachricht), Entschuldigung hin oder her, das Löschen sämtlicher Kommentare vermutlich auch. Mehr als ungeschickt ist in meinen Augen die offizielle Stellungnahme, die so offiziell ist, dass sich darunter nicht ein einziger Name finden lässt. Wer diese Stellungnahme liest und mitbekommen hat, wie die letzten Tage die Fetzen flogen, erkennt, dass PR hier sicher nicht strategisch gedacht wird, sondern, wie es in einem Kommentar zu Pleils Beitrag heißt, „Sprachrohr-, Schönredner- und Grünwäscher-Aufgaben“ übernimmt. Und auch das Schlusswort dieses Kommentars übernehme ich: „schade eigentlich…“ Für die PR vermutlich noch mehr wie für das Museumsquartier.

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  1. Finde ich extrem gut, das mal vor dem Hintergrund zu sehen und nach der Rolle zu fragen, die Public Relations hier haben. Einiges, das ich mir im Zuge der MQ-Geschichte angesehen habe läuft wirklich auf die von Thomas erhobene These (Schafft sich die PR selbst ab?) hinaus. Die Art der Kommunikation seitens des MQ war wirklich verunglückt bzw. hat mehr geschadet also geholfen. Es ist das eine, die handelnden Personen in die Sprecherrolle zu bringen. Wenn sie das jedoch provozierende tun und noch mehr Öl ins Feuer kippen, macht es aber auch wenig Sinn bzw. schafft neue Konfliktfelder.

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  2. @Ed Wohlfahrt: für mich ergeben sich daraus zwei Fragen: erstens, was führt zu solchen Situationen? Jeder, der die MQ-Geschichte mitbekommen hat, konnte ohne großes Wissen zu dem Ergebnis kommen, dass hier etwas schief läuft. Was dann in die zweite Frage mündet: wie lassen sich solche Situationen vermeiden und zwar vor dem Hintergrund unseres Wissens?

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