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Taten.Drang.Kultur: Kulturmanagement als Kolateralschaden?

16 Kommentare

Wer beim Kongress Taten.Drang.Kultur in Ludwigsburg dabei gewesen ist, wird vielleicht ein ähnliches Fazit wie Dirk Heinze ziehen. Den meisten Punkten stimme ich uneingeschränkt zu, die Organisation war wirklich sehr professionell (noch einmal danke an die OrganisatorInnen!!), es gab sehr spannende Vorträge mit durchaus provokanten Thesen und das in einer Atmosphäre, die ich auch als angenehm erlebt habe.

Bleibt die Frage nach der Kernbotschaft. Hat die wirklich gefehlt? In meinen Augen nicht. Immer wieder wurde in verschiedenen Vorträgen festgestellt, dass es zusehends schwieriger wird, sich auf die öffentliche Hand zu verlassen. Die Apparate sind zu schwerfällig und ihnen fehlen die nötigen finanziellen Mittel, um sich mit ihrer Hilfe fit für die Zukunft zu machen, so der Tenor.

Das klang auf dem Kongress und wahrscheinlich jetzt auch hier, wo ich diese Sätze schreibe, ziemlich ungerecht, denn in den Kulturabteilungen sitzen nicht Menschen, die Kunst und Kultur verhindern wollen, sondern viele, die alles dafür tun, damit in diesem Bereich etwas weiter geht. Es sind auch gar nicht die Menschen, sondern es ist das System, das uns in seiner Starrheit daran hindert, auf die anstehenden Veränderungen zu reagieren. Es ist ein System, das genau dafür geschaffen worden ist, einer Gesellschaft Stabilität zu verleihen und abrupte negative Veränderungen zu verhindern. Je unabhängiger eine Verwaltung von politischen Strömungen ist, desto größer die Garantie, dass sich diese Verwaltung nicht missbrauchen lässt.

Schnelle Veränderungen sind daher nicht möglich, unabhängig von der Frage, ob sie wünschenswert sind oder nicht. Dieses Dilemma, das in den Ausführungen von Peter Vermeulen, der als Gründer von culturplan mittlerweile die Seite gewechselt hat und in der Stadt Mühlheim an der Ruhr als Dezernent für die Kultur zuständig ist, am deutlichsten zu Tage trat, muss aufgelöst werden, wenn wir Veränderung auch auf dieser Ebene wollen. Aber wir müssen uns auch die Frage stellen, ob wir das wirklich wollen, ob wir das Risiko eingehen wollen?

Ein möglicher Ausweg, und damit bin ich bei der Kernbotschaft, die ich für mich mitgenommen habe, wurde von Pius Knüsel, dem Direktor von Pro Helvetia, ganz am Ende der Veranstaltung aufgezeigt. KulturmanagerInnen sollten versuchen, so eine seiner Thesen, sich von der öffentlichen Kulturförderung zu lösen und dadurch unabhängig zu werden. Mit seiner Forderung knüpfte er an den Vortrag des Soziologen Albrecht Göschel an, der den Kongress mit seinem Vortrag „20 Jahre Kulturmanagement in Deutschland“ eröffnet hatte und darin die kulturpolitischen Reformbestrebungen der 1970er Jahre als Ausgangspunkt für die Entstehung und Entwicklung des Kulturmanagement bezeichnete.

Überspitzt formuliert könnte man Kulturmanagement auch als Kolateralschaden dieser Reformpolitik bezeichnen, denn die Parole „Alles ist Kultur“ führte dazu, dass der Kunst- und Kulturbereich vor allem eines benötigte: mehr Geld. Man wusste zwar, so Göschel, dass die Kultur wichtig sei, konnte das aber nicht begründen. Da man gleichzeitig sah, dass Kultur auch auf Märkten funktionierte, versuchte man, Kunst marktfähig zu machen. Und genau dafür benötigte man nun KulturmanagerInnen, woraus Göschel ableitete,  im Kulturmanagement werde die Reformbewegung der 1970er Jahre fortgesetzt.

In seinem Vortrag konstatierte Knüsel, an Göschel anschließend, dass das Kulturmanagement sich so im Laufe der Jahre zum HandlangerErfüllungsgehilfen der Kulturpolitik gemacht habe. Die Verbindung von „Mikromanagement und Makropolitik“ führe zu einer Verbindung, die der Kultur eher schade als nutze.

Was aber sind die Alternativen? Ist es wirklich zielführend, wenn KulturmanagerInnen versuchen, sich aus der finanziellen Abhängigkeit von der öffentlichen Hand zu lösen und auf Sponsoren und Spender zu setzen?

Der Vortrag von Michael Drautz, dem kaufmännischen Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden zeigte, dass es nicht ganz so einfach ist, sich „privat“ zu finanzieren. Das Haus bekommt immer noch öffentliche Gelder und kann trotzdem nicht von den Ticketeinnahmen leben. Sponsoren müssen gefunden werden, um am Ende dann zumindest eine schwarze Null zu schaffen.

Aber vielleicht ist es auch nur einfach ein Mehr an unternehmerischem Denken, das die Kultureinrichtungen weiter bringt? Drautz schilderte recht ausführlich, wie sie es mit Hilfe ihres CRM-Systems geschafft haben, noch besser auf die Wünsche ihrer BesucherInnen eingehen zu können.

Wer sich selbst dazu nicht in der Lage sieht, kann sich von BeraterInnen unterstützen lassen. „Hilfe, die Berater kommen!“ war der Vortrag von Dieter Haselbach, Professor für Soziologie und Geschäftsführer der ICG culturplan Unternehmensberatung überschrieben. Sein Vortrag war für meinen Geschmack zu sehr als Werbeauftritt konzipiert und beschränkte sich außerdem zu sehr auf den betriebswirtschaftlichen bzw. kaufmännischen Bereich. Eigentlich ist das schade, denn (Kultur)-Beratung ist für mich mehr als das Know-how in diesen beiden Bereichen.

Zusammenfassend war für mich in Ludwigsburg ein Trend erkennbar, der für Kultureinrichtungen weg von den öffentlichen Fördertöpfen hin zu unternehmerischer Eigeninitiative führt. Nun können Sie das auf Grund der gewachsenen Strukturen und der Tradition, Kunst und Kultur öffentlich zu fördern, natürlich kritisieren. Die Frage ist aber, ob wir es hier nicht bald (oder vielleicht schon jetzt) mit der normativen Kraft des Faktischen zu tun haben. Die Kassen der öffentlichen Haushalte sind leer und werden sich auch nicht so schnell wieder füllen. Eigeninitiative wird also, so meine persönliche Schlussfolgerung, immer mehr gefragt sein. Klar ist aber auch, dass Kulturmanagement dann vielleicht als eine Art Kolateralschaden entstanden ist, seine Bedeutung nimmt aber, so man den Aussagen und Thesen der Vortragenden Glauben schenken darf, in dieser Phase des Wandels immer weiter zu. Wie man diesen Wandel bewältigen kann, konnte man auch in den verschiedenen Fachforen erfahren.

Leider habe ich sie alle verpasst, da ich selbst beim Thema Social Media dabei war. Aber das Kulturmanagement Network wird in der nächsten Ausgabe des KM-Magazins ausführlich vom Kongress berichten und außerdem ist ein Tagungsband geplant. Sie verpassen also nichts.😉

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  1. Pingback: Tweets that mention Taten.Drang.Kultur: Kulturmanagement als Kolateralschaden? « Das Kulturmanagement Blog -- Topsy.com

  2. Tatsächlich fällt unternehmerisches Denken vielen Kulturinstitutionen schwerer als man annehmen könnte: und auch öff. Fördergeber sehen die Diversifizierung der Mittel der von ihnen geförderten KI mit gemischten Gefühlen. Das oft durch Abhängigkeiten aller Art durchsetzte Verhältnis zwischen beiden findet im Diskurs über Finanzierung ein zusätzliches Ventil. Finanzierungsfragen sind in diesem Sinn immer auch Zuständigkeits- und Richtungsfragen, letztendlich Politikfragen. Das macht es wohl so schwer, mit veränderten Rahmenbedingungen umzugehen.

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  3. Sehe ich das richtig, dass der gesamte Bereich CRM in der Kultur noch wenig beleuchtet ist? Ich habe auch an anderer Stelle gehört, dass nach funktionierenden, technisch nicht überladenen Lösungen gesucht wird. Ich finde das müßte man mal intensiver angehen. Würde uns auch für die stARTprojekte sehr helfen.

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  4. @gkowar: …und damit auch eine Machtfrage.
    @auGuSTheater: eigenes Blogpost?🙂
    @Steffen: Was meinst Du mit „beleuchtet“? Es gibt ja genügend Lösungen, nur kommen sie anscheinend nicht zum Einsatz. Oder ihr Potenzial wird nicht ausgeschöpft.
    @Angela: danke, jetzt geht er wieder.

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  5. @Christian: Bin grade sehr knapp, aber vielleicht gelingt ein blog zu „Freier Künstler – unfrei wodurch?“ (Publikumsansprüche und -Erwartungen, Sponsoren, fehlende Sponsoren, öffentliche Gelder, fehlende öffentliche Gelder, Mäzene, überbordende Bürokratie, eigene Verklemmung, selbstverschuldete Unfreiheit). Es ist ziemlich vielschichtig. Ich kaue da schon sehr lange – mal schauen …

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  6. Na ja, so ganz neu ist die Kernbotschaft ja nicht… Und die Sache mit der „Abhängigkeit“, nun ja, das ist so eine Sache. Abhängig ist man als Kultureinrichtung systembedingt ja immer. Wenn ich beispielsweise Geld über Sponsoring oder Spenden einnehme, dann werde ich früher oder später auch davon abhängig. Denn gemeinnützige Organisationen dürfen Geld ja nur in geringem Umfang „zurücklegen“. Somit sind sie immer krisengefährdet. Egal, was sie machen, sie hängen immer am Tropf. Springt z.B. aufgrund einer Wirtschaftskrise ein großer Sponsor ab, trifft es die entsprechende Kultureinrichtung besonders hart – selbst wenn sie bis dato hervorragend gewirtschaftet hat. Entweder benötigt sie in so einer Phase schnell einen neuen Sponsor oder Sicherheiten (also vorübergehend mehr Geld) vom Staat. Um einen Sponsor zu verlieren braucht es übrigens gar keine Wirtschaftskrise, oft dürfte schon ein Personalwechsel reichen. Prof. Klein propagiert deshalb immer die mehrdimensionale Kulturfinanzierung, sich also möglichst viele Standbeine schaffen, so dass der Wegfall von einem nicht so schwer ins Gewicht fällt.

    Der Ansatz ist sicherlich richtig, doch wer schafft die Standbeine? So wie ich es beurteilen kann, wird in vielen Kulturbetrieben heftig gerödelt, um den Betrieb am Laufen zu halten. Wenn ich aber ständig damit beschäftigt bin, meine To-Do-Liste für den heutigen Tag abzuarbeiten, fehlt die Zeit, um größere Veränderungen herbeizuführen. Darunter leiden dann v.a. die Dinge, die nicht auf die Schnelle Geld bringen (z.B. Social Media). Auch ein ordentliches CRM-System by the way einzuführen, gestaltet sich als schwierig. Entschließt sich eine Kultureinrichtung etwas grundlegend zu verändern, also am großen Rad zu drehen, geht das nur über unbezahlte Überstunden der Mitarbeiter. Aus selbigem Grund wird m.E. in Kultureinrichtungen auch so wenig strategisch gearbeitet – es fehlt schlichtweg die Zeit. Langfristig ist ein solches Verhalten natürlich fatal, aber mir scheint, als sei das im Kulturbetrieb normal. Bildlich dargestellt ist das so, wie wenn man zu einem Bettler sagt, er solle aufhören zu betteln und sich eine Arbeit suchen. Problem: Wenn der Bettler nicht bettelt, verhungert er. Richtig wäre, ihm 500 € zu geben, damit er einen Monat nicht betteln muss, und sich eine Arbeit suchen kann. Optimal wäre, ihn dabei auch noch zu unterstützen.

    Was ich damit sagen will: Der Staat würde meines Erachtens gut daran tun, jene Kultureinrichtungen verstärkt zu fördern, die sich und ihre Finanzierungsstruktur verändern wollen. Wenn eine Kultureinrichtung also ein CRM-System einführen möchte, um die Besucherbindung und -akquirierung zu verbessern, sollte sie vom Staat finanziell und personell unterstützt werden. Der Staat würde sich dadurch selbst einen Gefallen tun, weil sie langfristig weniger Subventionen bräuchte. Aber wer denkt heute schon langfristig…

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    • Wie ist das bei einer gGmbH, da muss man doch Rücklagen bilden können?

      Die gleiche Beobachtung mit dem Zeitproblem habe ich übrigens in vergangenen Projekten, bei denen ich überregional auf Kooperationen und Partnerschaften gesetzt hatte, auch sammeln können. Meist waren es ehrenamtlich geführte Verein, da ist schon von vornherein noch weniger Zeit für langfristig wirkende Tätigkeiten wie Netzwerken möglich. Jeder hat seinen persönlichen Fokus, warum er in einem Verein mitarbeitet und im Kunst- und Kulturbereich zielt das logischerweise oft in die kreative Ecke. Größere Vereine können dann zwar eher noch auf ein paar Festanstellungen bauen, aber auch hier sieht das nicht viel besser aus, da in den letzten Jahren auch die Förderung verstärkt auf konkrete Projekte ausgerichtet wurde, institutionelle Förderungen in Projektförderung umgewandelt wurden und dort solche übergreifenden Arbeiten sehr schwer unterzubringen sind. Der Netzwerker ist im Förderprogramm nicht vorgesehen, erst recht nicht der Community Manager.

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  7. Jetzt komm ich drauf – vor allem die letzten beiden Kommentare bringen mich auf den Trichter. Ich rede jetzt mal nur für freie (professionelle) Theater – und brauche lediglich zu zitieren (am Schluss noch ein eigener Gedanke):

    Freies Theater: Deutlich unterbewertet

    Professionelle Arbeitsweise – breites künstlerisches Spektrum – Eigenfinanziert

    (Aus dem Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ vom Dezember 2007 / Auszüge:)

    „Es entsteht der Eindruck, dass die Leistungen des Freien Theaters bislang in deutlichem Missverhältnis zur Wahrnehmung, Anerkennung und Förderung durch alle politischen Ebenen stehen…
    Der Begriff ‚Freies Theater‘ kennzeichnet eine professionelle Arbeitsweise, die hauptberuflich ausgeübt wird. ……….

    Freies Theater repräsentiert ein breites, meist experimentelles künstlerisches Spektrum. Freie Theater erschließen neue Stoffe, Themen und Spielweisen für das Theater, arbeiten oft genreübergreifend und an theaterfremden Orten. Freies Theater erschließt neue Publikumsschichten und neue Spielorte. Eine Vielzahl künstlerischer Neuerungen der vergangenen Jahre wurde von Freien Theatern entwickelt und anschließend auch von Stadt- und Staatstheatern übernommen…

    In der Regel besteht zwischen öffentlichen und Freien Theatern eine wachsende Konkurrenz um Spielorte, künstlerische Ausdrucksformen und Zuschauer. Stadt- und Staatstheater nehmen immer mehr die Arbeitselemente der Freien Theater für sich in Anspruch. Dies geschieht nicht nur durch die Bespielung von theateruntypischen Orten, sondern auch in Bereichen, die bislang den Freien Theatern vorbehalten waren wie Schulen, Kindergärten etc. Hier bieten die öffentlich geförderten Theater oft Produktionen zu finanziellen Bedingungen an, welche für Freie Theater nicht einmal zur Deckung der Kosten reichen. Damit fehlt dem Freien Theater eine wichtige Einnahmequelle und wird ihm de facto die Existenzgrundlage entzogen…

    Freie Theater finanzieren ihre Arbeit zu einem großen Teil über ‚Eigenmittel‘. Dazu zählen Sachleistungen jeglicher Art wie Arbeitszeit, Räume und Grundausstattung. Freie Theaterkünstler übernehmen oft mehrere Theaterfunktionen in Personalunion. Grund dafür sind auch die zumeist nicht ausreichende Grundfinanzierung der laufenden organisatorischen Theaterarbeit wie Mittel- und Auftragsakquisition sowie Buchhaltung und Finanzwesen. Deshalb mangelt es im organisatorischen Bereich dem Freien Theater oft an Know-how und qualifiziertem Personal. Doch selbst mit dem Einsatz dieser ‚unbezahlten Arbeit‘ und den begrenzten Einnahmen wie Eintritt lässt sich die Finanzierungslücke Freier Theaterarbeit nicht schließen.“

    Soweit das Papier.
    Wenn man jetzt noch einrechnet, dass jeder Geldgeber, öffentlich oder privat, jeder Sponsor, jeder Mäzene eher auf Nummer sicher gehen will, sehen will, wie sein Engagement sich auszahlt, dann wird er freien Theaterkünstlern, die so arbeiten, wie es die Enquete-Kommission ihnen zueignet, nicht besonders gern Geld geben. Nein, eher bekommen die, die lange in berechenbarerer Weise arbeiten (z.B. Abonnenten haben). Tatsächlich greifen die Städte mit ihren vielen events die Sponsorengelder ab, dann kommen Stadttheater, städtische Museen und ähnliche Einrichtungen, Festivals usw. Den letzten, den „Freien“ beißen die Hunde.

    Eine freie Bühne in Bayern muss zum Beispiel mindestens 100 eigene Vorstellungen zeigen (also kein Gastspiel), vier Neuinszenierungen im Jahr zeigen, es müssen ausschließlich dramatische und musikalische Bühnenwerke (Schauspiel und Musical, auch Crossover von Sprech- und Musiktheater, angereichert durch choreografierte Tanzelemente) sein – dann kann sie womöglich mit einer Subvention rechnen.

    Ich erwähne mal eben, dass eine solche Bühne, die zum Beispiel von zwei Leuten als GbR betrieben wird, keinerlei Büro- oder technisches Personal hat, ausschließlich mit freien BerufsschauspielerInnen zusammen Produktionen erstellt, dennoch 4,5 Prozent von allen Gagen der gar nicht angestellten KollegInnen an die Bayerische Versorgungskammer abführen muss [sowieso muss von jeder verkauften Eintrittskarte zehn Cent (allein der bürokratische Aufwand) abgeführt werden]. Dsweiteren muss die Bühne für dieselben freien Künstler prozentuale Anteile an die Künstlersozialkasse abführen und: für jede künstlerische Leistung sonst, die in Rechnung gestellt wird [Grafik (Spielpläne, Programme etc.), Komposition, webdesign usw.]

    Da kann man ahnen, wo gespart wird, wer sich wie ausbeutet, wo es an Zeit für Strategien mangelt … Ich hatte ja noch nicht gesprochen vom Dramaturgielesen, Community-Managen, Regieführen, Textlernen, Stückeschreiben, Proben, Spielen

    Und dieses ist kein Gejammer! Ich weiß nur, dass kaum jemand sich vorstellt, was es heißt, einen künstlerischen Betrieb über Wasser zu halten. Unter solchen Bedingungen ist klar: Mal leidet das Künstlerische, mal gibt es Mängel im Bürokratischen, dann hapert’s an der PR (Öffentlichkeitsarbeit) oder an irgendetwas anderem.

    Und Ihr glaubt nicht, was das Publikum glaubt, was es für seine 15.- bis 19.- Euro verlangen zu dürfen …

    Und ich glaub nicht, dass Euch das jetzt alles interessiert hat, klick aber auf den Button „Kommentar absenden“ in der Gewissheit, dass der Christian, sollte es ihm too much vorkommen, mal nen Kommentar nicht zulässt. Ich petzte nicht!
    Frühmorgendlichen Gruß in die Runde.
    Heinz Koch
    Autonomes Goethe- und Schiller-Theater Neu-Ulm

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  8. Vorweg vielen Dank für die drei ausführlichen Kommentare, die alle den Kern des Problems treffen.

    @Axel Kopp: eine systembedingte Abhängigkeit wird streng genommen immer bestehen, das Problem können wir nicht lösen. Aber Deine Diagnose ist zutreffend. Deshalb wäre es so wichtig, dass sich Kultureinrichtungen entsprechende Unterstützung holen, egal von wem sie dann letzten Endes kommt.

    Mich hat es schon immer gestört, dass vor allem kleine Kultureinrichtungen kaum Chancen haben, Förderungen für ihre Infrastruktur zu bekommen. Stattdessen ist gleich wieder das nächste Projekt dran und wenn die Infrastruktur nicht passt, dann ist ein entsprechender Mehraufwand nötig.

    @Steffen Peschel: ich weiß jetzt nicht genau, wie Du das meinst, aber vermutlich sprichst Du von der Eigenkapitaleinlage. Die darf man nicht einfach so für Investitionen in z.B. Software verwenden.

    Die fehlenden Zeit- und Geldressourcen sind in der Tat ein Problem: wie rauskommen? Ich will jetzt nicht alle dazu aufrufen, Zeit und Geld zu investieren, um dann über bessere Rahmenbedingungen zu verfügen. Ein solches Investment bietet keine Garantie, dass danach alles besser ist, sondern ist mit Risiken behaftet. Genau aus diesem Gund kommen viele Fundraising-Aktionen nicht in die Gänge, weil man nicht bereit ist, zumindest in die Arbeitszeit zu investieren (auch eine CRM-Software wäre nicht schlecht).

    Manchmal ist es ganz hilfreich, wenn man sich einfach mal anschaut, was man so alles in Sachen Marketing, PR, Management, etc. macht und überprüft, ob alle diese Aktivitäten wirklich sinnvoll sind bzw. sich der Aufwand überhaupt lohnt? Unter Umständen kann man einige Dinge weglassen und hat dann zumindest die Zeit, um andere Dinge zu wagen.

    @augustheater: da sprichst Du jetzt aber ein generelles Problem an. Wie in vielen Bereichen herrscht auch hier so etwas, was ich als Überregulierung bezeichnen würde. Man braucht Genehmigungen, deren Einholung mit großem Aufwand verbunden ist, man muss Abgaben entrichten, deren Sinn und Zwecks sich anzweifeln lässt, und, und, und.

    Wenn man dann den daraus resultierenden Aufwand berechnet, kommt man schnell mal drauf, dass es eigentlich viel sinnvoller wäre, den Laden zuzusperren. Das ist in der Tat ein sehr motivierenden Rahmen, um z.B. in Eigenregie ein Theater zu führen.😦

    Und jetzt schau Dir mal das Datum dieses Berichts an: 2007! Was ist passiert? Nichts! Vielleicht sollten wir mal das One-Stop-Shop-Prinzip für den Kunst- und Kulturbereich fordern.

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