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Frank Koebsch: Kultureinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und das Web2.0 (Gastbeitrag)

17 Kommentare

Vor einiger Zeit hat mir Frank Koebsch einen Text zugeschickt, in dem er der Frage nachgegangen ist, ob und in welcher Form Kultureinrichtungen in Rostock und Mecklenbeurg-Vorpommern das Social Web für ihre Zwecke einsetzen. Da der Artikel jede Menge Infos enthält, die vermutlich nicht nur mich interessieren werden, habe ich ihn gefragt, ob ich ihn hier veröffentlichen darf.

Viele von Ihnen werden Frank Koebsch bereits kennen, nicht nur weil viele Kommentare hier in diesem Blog von ihm stammen, sondern weil er darüber künstlerisch tätig ist und außerdem ein eigenes Blog betreibt. In letzterem beschäftigt er sich immer wieder mit der Frage, welchen Nutzen das Social Web einzelnen Künstlern wie zum Beispiel ihm bringt? Aber es geht ihm nicht nur um sich, sondern um die Positionierung von Kunst und Kultur im Social Web. Und um Mecklenburg-Vorpommern, die Gegend, in der lebt und arbeitet. Kunst, Kultur, das Social Web und Mecklenburg-Vorpommern, in seinem Gastbeitrag ist es Frank Koebsch gelungen, die einzenen Punkte zu verbinden. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme der Social-Media-Aktivitäten der in dieser Region ansässigen Kultureinrichtungen, aber auch der Versuch, Schlussfolgerungen aus seiner Analyse zu ziehen. Dafür und für die Mühe, die Aktivitäten der Kulturbetriebe tabellarisch zu erfassen, bedanke ich mich bei Dir, Frank!

Wie kann man die Region Rostock ganz leicht aufwerten?😉

In den vergangenen Tagen habe ich mir das Ranking der Blogs in Mecklenburg Vorpommern auf dem  Barnim-Blog Eberswalde und Bernau angeschaut. Mein Fazit war: Mecklenburg Vorpommern scheint kein Land der Blogger zu sein, oder ? Gerade für mein Bundesland, das versucht die  Touristen auch außerhalb der Sommerzeit an die Ostsee und die Mecklenburger Seenplatte zu locken, hatte ich erwartet, dass die Präsenz der Regionen, Städte, Museen, Veranstaltungsorte und Einrichtung im Bereich der Kultur im Social Net wesentlich größer ausfällt.

Mich interessieren die Themen Kunst und Kultur im Netz, denn wenn wir ausstellen, sehe ich hier Möglichkeiten, mit Hilfe des Social Networkings im WEB Ausstellungen zu organisieren, zu promoten und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ob diese Möglichkeiten genutzt werden, hängt immer mindestens von zwei Faktoren ab:

  • Gibt es ein entsprechendes Angebot?

und

  • Sind die Menschen bereit so ein Angebot anzunehmen?

Um die erste Frage zu beantworten, habe ich mir mal das Angebot der Ausstellungsorte meiner Geburtsstadt Rostock und den Theatern aus Mecklenburg Vorpommern im WEB angeschaut. Die entstandene Tabelle ist eine einfache Aufstellung als Momentaufnahme – ohne inhaltliche Bewertung, ohne auf die Vernetzung von Homepages zum Social Networking einzugehen, ohne auf die Zeit zu schauen, wie lange es die Angebote schon gibt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit u.a.

Name WEB Seite Youtube Twitter Blog Facebook *1)
Galerie Klosterformat http://www.klosterformat.de/ nein nein nein nein
Galerie 

artFUHRMANN

http://www.artfuhrmann.de/ nein nein nein nein
Galerie Möller http://www.galerie-moeller.de/ nein nein nein nein
wolkenbank
kunst+räume
http://wolkenbank-galerie.de nein nein nein ja 

31 Fans

artquarium http://www.artquarium-rostock.de/ nein nein nein ja 

14 Fans

Galerie Alter Markt http://www.kunstverein-rostock.de/ nein nein nein nein
Kunsthalle Rostock http://www.kunsthallerostock.de/ Keine eigenen nein nein nein 

und ja *2)

Literaturhaus Rostock http://www.literaturhaus-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja und ja 

*3)

Hochschule für Musik und Theater http://www.hmt-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja 

90 Fans

Volkstheater Rostock http://www.volkstheater-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja 

292 Fans

Bühne 602 – compagnie de comedie http://www.compagnie-de-comedie.de/ nein nein nein ja 

28 Mitglieder

Theater Vorpommern http://www.theater-vorpommern.de/ ja 

3 Videos *4)

nein nein 4 ungepflegte Accounts
Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg und Neustrelitz http://www.theater-und-orchester.de/ ja 

31 Videos

ja 

160 Followers

244 Tweets

ja ja 

488 Freunde

Mecklenburgisches Landestheater Parchim http://www.mlt-parchim.de/ nein nein nein ja 

213 Freunde

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin 

 

http://www.theater-schwerin.de/ keine eigenen ja 

382 Followers

544 Tweets

nein ja 

4 Accounts😉

744 Freude

*1) ein Teil der Einrichtungen hat einen Eintrag in Facebook, ohne dass dieser Eintrag durch die Einrichtung selbst angelegt und gepflegt wird. Dann habe ich als Eintrag ein „nein“ gewählt.

*2) Freunde der Kunsthalle Rostock e.V haben einen eigenen Account auf Facebook mit 45 Fans

*3) Der Verein des Peter Weiß Hauses betreibt einen eignen Facebook Auftritt mit 443 Fans neben dem Auftritt des Literaturhauses mit 73 Fans

*4) Der TheaterFanclub hat drei Videos veröffentlicht.

Das Ergebnis ist recht ernüchternd, denn viele der genannten Einrichtungen haben für sich das Feld des Social Networking noch gar nicht entdeckt oder nutzen es nur unzureichend.

Eine besondere Bedeutung bekommt diese Aussage im Vergleich zu der Präsenz der deutschen Museen und Orchester in der Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online von Ulrike Schmid.

Auszug aus der Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester von Ulrike Schmid

Hier geht es nicht nur um das Marketing der Kultureinrichtungen alleine, denn Mecklenburg Vorpommern sucht händeringend nach Möglichkeiten, die Saison für die Touristen zu verlängern. Gleichzeitig ist der Bereich Kultur ein wesentlicher Faktor bei der Standortwahl von Unternehmen. Es muss ja vielleicht nicht unbedingt mehr gemacht werden, aber wenn man sich auf das Motto besinnen würde, „Tue Gutes und rede darüber“, kann man schon sehr viel erreichen. Dieses gilt insbesondere wenn man beachtet, dass sich viele Besucher der Region vor dem Besuch über das Internet informieren.

Interessant ist die Entwicklung, dass ein Teil der Kommunikation nicht durch die Kultureinrichtungen alleine betrieben wird. sondern immer mehr Vereine oder Fanclubs übernehmen einen wesentlichen Teil der Kommunikation. Beispiele hierfür sind die Kunsthalle Rostock, das Literaturhaus Rostock, das Theater Vorpommern.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg und Neustrelitz, denn der Auftritt und die Vernetzung sind klasse. Es bleibt die Frage: Warum gelingt es den Neubrandenburgern und Neustrelitzern einen solchen guten und vernetzen Auftrag zu realisieren. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin nutzt wunderbar Twitter und Facebook, muss nur mal die alten FacebookAccounts einfangen. Aber warum ergreifen die anderen Einrichtungen nicht die Chance, sich besser zu präsentieren?

Besonders unzufrieden bin ich mit dem Auftritt der Rostocker Kultureinrichtungen im WEB, aber vielleicht ….😉 Ich kann die Studie und insbesondere die Interviews in der Studie von Ulrike Schmid nur als Anregung empfehlen.

Nun zu der zweiten Frage:

Sind die Menschen bereit, Angebote über das Social Networking anzunehmen?

Rostock hat ein regionales Einzugsgebiet mit einem Radius von 50 km und mit ca. rund 500.000 Einwohnern. Von denen am 31.12.2006 ca. 454.000 über 14 Jahre alt waren, wenn man die gleiche Altersstruktur für die Region wie für die Stadt Rostock ansetzt. Rostock ist Universitätsstadt und so nutzen z.Z. ca. 16.000 Studenten das Angebot der Universität Rostock, der Hochschule für Musik und Theater u.a. Wenn man unterstellt, dass die meisten Studenten nicht Ihren Hauptwohnsitz in Rostock haben, ergeben sich 470.000 Menschen mit einem Alter über 14 Jahren, die für die Themen der Kultur in der Region  ansprechbar sind. Dieses sind doch erst einmal sehr gute Voraussetzungen. Lassen wir uns ruhig noch ein wenig auf das Zahlenspiel ein:

69,4 % der Bevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren nutzen das Internet, das sind 326.200 69,4% von 470.000 Menschen
66,3 % der Internetnutzer sind Mitglied in einem Sozialen Netzwerk, das sind 216.300 46,0% von 470.000 Menschen
32 % der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied in zwei Netzwerken, das sind 69.600 14,7% von 470.000 Menschen
18% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied in drei Netzwerken, das sind 38.900 8,3% von 470.000 Menschen
39,4% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied bei Facebook mit durchschnittlich 130 Kontakten das sind 85.200 18,1% von 470.000 Menschen
8,7% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied bei Twitter das sind 18.800 4% von 470.000 Menschen

Dieses ist ein riesiges Potential, welches erschlossen werden kann. Bleibt die Frage, wie viele Besucher von Kulturveranstaltungen sind bereit sich im Internet zu informieren. Im Jahr 2009 informierten sich fast genauso viele Österreicher im WEB (29%), wie in allen Tageszeitungen (29,4%) zusammen. Vgl. Sie  Welche Bedeutung haben die Tagezeitungen?

Auch wenn die Mentalität der Kaffeehausbesucher und die Gewohnheiten eines wortkargen Norddeutschen nicht eins zu eins gleich zu setzen sind, bietet diese Studie zu mindestens Anhaltspunkte. D.h. bedeutet 136.300 Menschen im Alter über 14 Jahren aus der Region Rostock informieren sich im WEB über Kulturveranstaltungen, die sie besuchen, zzgl. der vielen Urlaubern, Tagesgästen und und ….

Ich würde mir wünschen, dass die Ausstellungsstätten Rostocks und die Theater Mecklenburg Vorpommerns diese Möglichkeiten für sich erschließen würden. Warum?

P.S. Wenn Sie für Rostock ein gutes Kulturangebot suchen, kann ich Ihnen immer nur wieder den Blog Rostock – heute empfehlen. Leider erfährt man dort oft erst nach dem Event, wie gut er war, da es keinen guten Kulturkalender für die Region im Netz gibt😉

17 Comments Join the Conversation

  1. Ich freue mich, über eure Zusammenarbeit und Vernetzung und finde das Ergebnis deiner Untersuchung erschreckend, Frank ……
    Da hat die Region Rostock aber noch viel Arbeit!
    Ich wünsche euch beiden ein schönes Wochenende Susanne

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  2. Hallo Susanne,
    danke für Deinen Kommentar. Ja es ist schade😉 Aber Du kennst Du doch sicher das Phänomen: Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert. Hier haben sich schon andere als ich die Zähne ausgebissen.
    Oft ist es aber so, dass die Sorgen und Finanznöte der Einrichtungen einhergehen mit den fehlenden Aktivitäten der Einrichtungen rund um die Kultur und Kunst. Wer hier clever agiert, dem geht es gut. Hierzu kann das Thema WEB 2.0 helfen. Eine Binsenweisheit? Wenn ich mir die Zahlen anschauen, dann leider nicht.
    Beste Grüße nach Berlin – FRank

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  3. @susanne und @frank: ich sehe das gar nicht so negativ, denn immerhin ist doch in den letzten zwei Jahren einiges passiert. Natürlich könnte man vieles noch besser machen, aber nicht alle engagieren sich im Social Web so wie ihr.

    Dass sich ein solcher Einsatz lohnt, zeigt Eure Präsenz im Social Web.😉

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