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Blogs und Kommentare: Pro und Contra

21 Kommentare

Fragt man nach den Unterschieden zwischen einer klassischen Website und einem Blog, dann ist die Möglichkeit, Blogposts kommentieren zu können, sicher einer der wichtigsten. Das Angebot zum Gespräch zeichnet Blogs aus und dient dem Aufbau einer Community, so die landläufige Meinung. Aber es gibt auch gegensätzliche Ansichten. Blogger wie etwa Seth Godin bieten in ihren Blogs keine Möglichkeit an, einen Kommentar zu hinterlassen und damit ein Gespräch in Gang zu bringen. Welche Konsequenzen hat das? Ist ein Blog, in dem Kommentieren nicht möglich ist, kein Blog mehr? Wie wichtig ist die Kommentarfunktion für die BloggerInnen selbst, aber natürlich auch für die LeserInnen?

Eine spannende Diskussion zu diesem Thema habe ich auf der Seite von ThinkTraffic gefunden. In einem aktuellen Beitrag diskutieren die beiden Blogger Pat Flynn und Everett Bogue die Frage, ob man als BetreiberIn eines Blogs Kommentare zulassen sollte oder nicht? Im ersten Moment werden die meisten wahrscheinlich dahin tendieren, Kommentare als essentiellen Bestandteil eines Blogs zu sehen, genau so wie Pat Flynn auch argumentiert:

„Without comments, a blog isn’t really a blog. To me, blogging is not just about publishing content, but also the two-way communication and community building aspects behind it.“

Aber das Argument, sich mit den Kommentaren zu beschäftigen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen und auf Kosten der eigenen Kreativität gehen, ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen. Everett Bogue hat vor einem Urlaub die Kommentarfunktion seines Blogs gesperrt und sie seitdem nicht mehr geöffnet. Bogue lehnt Kommentare nicht grundsätzlich ab, sondern beklagt sich eher über die Gründe, die viele UserInnen dazu bewegen, einen Kommentar abzugeben:

„Around 50% of the comments I was receiving when I turned off comments were from newer bloggers who wanted me to notice them,“

behauptet er und führt dann noch weitere 25% an, die vereinfacht gesagt nicht wissen, was es mit einem Blog auf sich hat und deshalb Fragen stellen. Diejenigen, die sich wirklich für die Inhalte interessieren, würden, so seine Überzeugung, recht schnell selbst ein Blog aufsetzen, die eigene Community aufbauen und sich bei Bedarf mit anderen Blogs verlinken.

Ich finde diese Diskussion sehr interessant, auch in den zahlreichen Kommentaren finden sich jede Menge Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt (eigentlich ein Pro-Argument!), aber ich glaube, dass die Beantwortung dieser Frage auch davon abhängt, welche Ziele man verfolgt und wie erfolgreich ein Blog ist, sprich, in welchem Entwicklungsstadium sich das Blog befindet.

Wer sein Blog dafür verwendet, eigene Gedanken zu entwickeln, braucht eigentlich die Kommentare der LeserInnen nicht wirklich. Und möchte jemand darauf reagieren, kann er das ja im eigenen Blog und dann auf den Beitrag verlinken. Wer seine Gedanken und Ideen aber zur Diskussion stellen möchte und diese aus der Diskussion heraus entwickeln möchte, wird wahrscheinlich von der Kommentarfunktion profitieren.

Und wie sieht das bei Kulturbetrieben aus, die nur über ihre Arbeit informieren? Auch hier lässt sich keine eindeutige Antwort finden: wer nur informiert, wird wenig Fragen hervorrufen, eine Kommentarfunktion ist eigentlich überflüssig. Geben Beiträge aber tiefere Einblicke in die (tägliche) Arbeit, dann können sie durchaus Fragen hervorrufen.

Nicht von der Hand zu weisen sind aber die Argumente von Everett Bogue, dass das Kommentieren Zeit kostet und die eigene Kreativität einschränkt. Allerdings wird das wohl erst dann ein Problem, wenn die Zahl der LeserInnen sehr groß ist und entsprechend viele Kommentare eingehen. Wer gerade mit dem Bloggen beginnt, wird sich wahrscheinlich über jede Rückmeldung freuen und sie (hoffentlich) als Ansporn verstehen.

Zwei weitere Aspekte gilt es zu berücksichtigen. Erstens gibt es im deutschsprachigen Raum nur wenig Blogs, die pro Beitrag um die 100 Kommentare haben. Außerdem muss man sich dann noch die Qualität der Kommentare näher ansehen, die, so vermute ich, auch mit der thematischen Ausrichtung des Blogs zu tun hat. Zweitens sind es oftmals nicht so sehr die Kommentare, sondern die Beiträge selbst, die viel Zeit kosten. Wird man zum Sklaven seines Blogs und schreibt, weil man glaubt, schreiben zu müssen und der Spaß damit verloren geht, ist das, so denke ich, viel schlimmer als die Herausforderung, viele Kommentare beantworten zu müssen.

Und noch ein Punkt: die Diskussion über Blogposts verlagert sich mehr und mehr auf andere Kanäle. da ist die Kommentarfunktion teilweise gar nicht mehr nötig.

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  1. Wichtige Debatte und Deinem Argument, dass nur wenige Blogs tatsächlich so viel Kommentare erhalten, das der Aufwand groß würde, möchte ich noch drei Punkte hinzufügen:
    1. Auch über den Zeitpunkt der Kommentarbearbeitung lässt sich reden. Es muss (wenn es kommuniziert ist) nicht sofort sein und einmal am Tag oder in geringerer Frequenz ist auch verkraftbar für beide Seiten.
    2. Stellen interessierte BesucherInnen im Blog Fragen, so ist die Beantwortung nicht nur ein Muss im Sinne des Marketings, sondern elementarer Bestandteil des Bildungsauftrages, den kulturelle Einrichtungen verfolgen.
    3. Für den Fall, dass tatsächlich viele Kommentare über den Blog kommen, so sind das Anzeichen für eine lebendige Community. Ist das nicht meist das Grundziel, wegen dem überhaupt ein Blog kreiert wird?

    @Christian: Vielen Dank, dass Du in Deinem Blog Kommentare zulässt und die Mühe damit nicht nur als notwendiges Übel betrachtest🙂

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  2. Für mich als Wissenschaftler ist ein Blog ein Publikationsorgan wie früher eine Fachzeitschrift. Mit dem enormen Vorteil, dass man sofort Rückmeldungen erhält und so sehr schnell den Denkprozess fortsetzen kann. Ohne Kommentarfunktion wäre mein Blog (fast) absurd!

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  3. @Jörg Eisfeld-Reschke: Punkt 2 ist in meinen Augen von entscheidender Bedeutung. Wenn ich Kommentare zulasse bzw. sie mir wichtig sind, dann ist es essentiell, auf Kommentare auch zu reagieren. Ganz abgesehen davon betrachte ich es als unhöflich, wenn jemand mein Blogpost kommentiert, eine Frage stellt, etc. und dann darauf überhaupt keine Reaktion erfolgt.

    @Jean-Pol Martin: danke für das schöne Beispiel!🙂 Für mich sind die Rückmeldungen auch sehr wichtig, weil sie in meinen Augen Bestandteil eines Entwicklungsprozesses sind. Aber nicht jeder sieht das so. Auf der anderen Seite bedeuten 151 Kommentare auch einen hohen Zeitaufwand. Was tun, wenn ich die Zeit dafür nicht habe?

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  4. Mein Blog ist Bestandteil meiner wissenschaftlichen Arbeit. Hätte ich keine Zeit zum Forschen, in diesem konkret Fall also auf Kommentare einzugehen, würde ich dann tatsächlich nicht forschen!:-))

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  5. @Jean-Pol Martin: ich würde auch sagen, sie stimmen. Bleibt das Zeitproblem. Ich stehe manchmal vor der Frage: Kommentare beantworten oder z.B. ein Blogpost schreiben. Beides gleichzeitig geht nicht.🙂

    Und noch zum Forschen: während die einen unter Einbeziehung anderer forschen, machen das andere eher alleine. D.h. man muss der Typ für diese Form des Forschens sein.

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  6. Kommt wie gerufen, dieser Beitrag, zumal ich gerade zu eruieren versuche, warum während einer Themenwoche die sonst üblichen Kommentare ausblieben: http://cronenburg.blogspot.com/2011/01/blattkritik.html

    Ich habe festgestellt, dass ein wichtiger Aspekt beim Kommentieren gern vergessen wird: Welche Kommunikationspersönlichkeit ist der Kommentare betreuende Blogger? Geht er auf die Kommentare ein und wenn ja, auf welche Weise?

    Ob Menschen nur Beifall spenden, Unflätiges hinterlassen oder sogar miteinander diskutieren, hängt meiner Meinung weniger am Blog als an den Blogbetreibern. Wer diese Arbeit scheut, bringt sich um die Möglichkeit einer eigenen kleinen Community und wichtigen Feedbacks.
    Blogs ohne Kommentarfunktion lesen sich für mich immer ein wenig wie Selbstbefriedigung, denn auch an eine Zeitung kann ich Leserbriefe schicken (die viel aufwändiger in der Bearbeitung sein können).

    Dieses Blog schätze ich gerade deshalb, WEIL Gespräche stattfinden!

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  7. @Petra: danke für die wichtige Ergänzung. Die Frage, ob der Blogger auf die Kommentare eingeht, ist für mich von entscheidender Bedeutung. Wenn ich einen Kommentar formuliere, der über „toll“ oder „super“ hinausgeht, wünsche ich mir schon auch eine Rückmeldung. Bleibt die aus, werde ich es mir beim nächsten Mal überlegen, ob ich mir die Mühe noch einmal antun soll

    Für mich ist die Kommentarfunktion das, was ein Blog letzten Endes ausmacht. Aber trotzdem stelle ich mir die Frage, was man tut, wenn die Zahl der Kommentare immer größer und die Zeit immer knapper wird, ohne dann am Ende als abgehoben dazustehen? Gibt es einen Weg, der auch gangbar ist oder ist das dann der Preis, den man zahlen muss?

    Letzten Endes ist ja auch Everett Bogue nicht grundsätzlich gegen Kommentare, nur reicht seine Zeit einfach nicht mehr dafür aus. Insofern ist das eine etwas kuriose Situation. Man bemüht sich, etwas zu bekommen (nämlich Kommentare) und wenn man es dann hat, wird es einem zur Last.😦

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    • Gut, ich hatte noch nie so viele Kommentare auf einmal.😉 Denke aber, dass sich dann vieles wiederholen wird, so dass ich meine Antwort alle Dutzend Kommentare mal zusammenfassen könnte. Außerdem schadet es nicht, alle zig Kommentare einen netten Dank an alle loszuwerden (kann man sogar mit unterschiedlichen Bausteinchen automatisieren).

      Eine andere Möglichkeit wäre, mich als Blogger ähnlich wie einen Talkmaster oder Moderator zu begreifen, also die Kommentatoren untereinander ins Gespräch zu bringen. Das spart eine Menge Arbeit und stärkt die Community!
      Aber von nichts kommt nichts. Wer die Arbeit scheut, sollte lieber das Bloggen sein lassen, als Halbes ins Netz zu stellen…

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    • Gut, ich hatte noch nie so viele Kommentare auf einmal.😉 Denke aber, dass sich dann vieles wiederholen wird, so dass ich meine Antwort alle Dutzend Kommentare mal zusammenfassen könnte. Außerdem schadet es nicht, alle zig Kommentare einen netten Dank an alle loszuwerden (kann man sogar mit unterschiedlichen Bausteinchen automatisieren).

      Eine andere Möglichkeit wäre, mich als Blogger ähnlich wie einen Talkmaster oder Moderator zu begreifen, also die Kommentatoren untereinander ins Gespräch zu bringen. Das spart eine Menge Arbeit und stärkt die Community!
      Aber von nichts kommt nichts. Wer die Arbeit scheut, sollte lieber das Bloggen sein lassen, als Halbes ins Netz zu stellen…

      PS: falls doppelt – es hatte mir den Kommentar scheinbar zerfetzt😉

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    • @Petra: die Kommentatoren miteinander ins Gespräch zu bringen, ist in meinen Augen die hohe Kunst des Community-Buildings. Das ist eigentlich das Ziel, das ich selbst auch mit meinem Blog anstrebe. Aber braucht man dafür nicht mehr Zeit als für die bilaterale Kommunikation mit den Kommentatoren?

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  8. „Man bemüht sich, etwas zu bekommen (nämlich Kommentare) und wenn man es dann hat, wird es einem zur Last.“ Von dieser Zauberlehrling-Problematik bisher verschont, sehe ich einen theoretischen Kompromiss.

    Wenn ich einerseits die Synergie einer Diskussion durch meine Community möchte bzw. für die Weiterentwicklung meiner Inhalte brauche, andererseits aber nicht mehr die Zeit habe auf die einzelnen Kommentare einzugehen, ist es dann nicht ein Lösungsansatz in einem neuen Blogpost quasi gesammelt auf die Inputs meiner Community einzugehen? Das weicht nicht allzuweit von einem gesonderten Feedback-Feedback-Verarbeitungsprozess ab, spart aber eventuell die Hälfte der Zeit.

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  9. Mein derzeitiges (neues, noch nicht positioniertes) Blog wird fast nur auf facebook kommentiert: das hat mich einigermaßen erstaunt. Das scheint eine neue Tendez zu sein, die ich noch vor zwei, drei Jahren bei einem Hobbyblog nicht bemerken konnte.

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  10. @gkowar: ich habe das in einem Beitrag als Cloud Communication bezeichnet. Dass die Zahl der Kommentare auf Facebook zunimmt, beobachte ich auch. Allerdings unterscheiden sich die von denen im Blog ganz gewaltig.

    @jean-pol martin: genau das wünsche ich mir schon seit Jahren für den Bereich Kulturmanagement. Allerdings steckt der Bereich, was dieses Verständnis von Wissenschaft angeht, noch in den Kinderschuhen.😦 Die Frage ist, ob und in welcher Form man solche Prozesse initiieren bzw. unterstützen kann?

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  11. Pingback: Die Woche im Rückspiegel – KW 03-2011 « kadekmedien's Blog

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