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Kunst ist kein Hobby

3 Kommentare

Wer sich künstlerisch betätigt, wird von seinem Idealismus angetrieben und macht das nicht wegen des Geldes. Solche Sätze haben Sie wahrscheinlich auch schon des öfteren gehört. Das Video zeigt exemplarisch, wie so ein Gespräch verlaufen kann.

Wer glaubt, dass Kunst vor allem ein Hobby sei, der sieht dann vielleicht gar nicht ein, dass er dafür bezahlen soll, schließlich gehe es den KünstlerInnen ja nicht um Geld, sondern um ihre Kunst. Umso schlimmer ist es, so Chad M. Bauman, wenn KünstlerInnen und Kulturbetriebe diese Haltung auch noch unterstützen und mit Freikarten um sich werfen.

In seinem Blogpost „Why I Hate Comp Tickets“ (dort habe ich auch das Video gefunden) erklärt Bauman, warum er etwas gegen Freikarten hat. Ihn stört es, dass diejenigen, die nicht müde werden, den Wert von Kunst und Kultur zu erklären, ihre Arbeit unter Wert verkaufen und die Tickets verschenken. Außerdem ist Bauman der Ansicht, dass die EmpfängerInnen von Freikarten den Wert dieser Kunst nicht wertschätzen:

„People don’t show because they aren’t invested,“

schreibt Bauman und ist davon überzeugt, dass sich so noch nicht mal die Zuschauerreihen füllen lassen würden, denn 30 Prozent der EmpfängerInnen der geschenkten Karten würden diese gar nicht in Anspruch nehmen.

Die planlose Reduzierung der Ticketpreise und das wahllose Verschenken der Eintrittskarten verärgere die KundInnen und führen dazu, dass immer mehr BesucherInnen mit verbilligten Tickets rechnen, die dann ja auch wirklich angeboten werden, weil der Vorverkauf schleppend verläuft.

Aber Bauman ist nicht grundsätzlich gegen Freikarten, es gebe durchaus Gründe, Freikarten zu vergeben, so der Marketingexperte, z.B.

  • „as benefits for full time employees and actors,“
  • „for members of the press,“
  • „to cultivate potential investors and/or donors,“ and
  • „as a professional courtesy.“

Um das Problem in den Griff zu bekommen, schlägt Bauman ein fixes Budget für Freikarten vor und regt an, deren Vergabe sorgfältig zu planen. Noch wichtiger sei es aber, dass die Tickets nach einem transparenten Verfahren vergeben werden.

„The key to a good comp ticket policy is clarity. Make sure your policies are easy to understand and simple to follow“,

rät Bauman den Kulturbetrieben und betont, wie wichtig es sei, dass die Regeln dann für alle gelten. Und noch einen letzten Punkt erwähnt er:

„If your organization has a serious comp ticket problem, you might need a couple of years to turn it around. Be prepared…you will piss people off.“

Es ist also nicht ganz einfach, den BesucherInnen das einmal erworbene „Recht“ auf Freikarten wieder zu entziehen. Aber es ist notwendig, denn in Zeiten sinkender Fördergelder sind Kultureinrichtungen vermehrt auf die Einnahmen aus dem Ticketverkauf angewiesen. Freikarten, Gruppenangebote und Abonnements, hier die richtige Strategie zu entwickeln, ist keine leichte Aufgabe.

3 Comments Join the Conversation

  1. Auskennertum ist doch nicht nur ein Problem des Kulturbetriebs.“Geiz ist Geil“ ist eine Mentalität, die manche Verbraucher eben haben. Ich glaube mit diesen Menschen muss man einfach leben. Die, die etwas für Kunst übrig haben, werden immer bereit sein dafür zu zahlen.

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  2. @Thomas Büdinger: das sehe ich ähnlich und deshalb glaube ich nicht, dass sich Ansätze wie Kachingle oder Flattr durchsetzen werden. Zumindest nicht in der derzeitigen Form.

    Das Problem im Kunst- und Kulturbereich ist, dass die Zahl derer, die etwas dafür übrig haben, immer kleiner wird.

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  3. Pingback: Kunst ist kein Hobby | kunst ost

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