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Crowdfunding: mein Projekt ist online, wo bleiben die Unterstützer?

10 Kommentare

Wenn die klassischen Finanzierungsinstrumente wegfallen, besteht die Herausforderung darin, neue Geldquellen aufzutun, um die eigenen Vorhaben trotzdem realisieren zu können. Der Kunst- und Kulturbereich muss das gerade schmerzhaft erfahren, denn auf die öffentliche Hand ist immer weniger Verlass. Woher dann das Geld nehmen? Eine Alternative könnte das Crowdfunding sein, bei dem, vereinfacht gesagt, möglichst viele Menschen – die crowd – mit in der Regel kleinen Geldbeträgen für die Finanzierung des Vorhabens sorgen, frei nach dem Motto: die Masse machts.

Dank des Internets und der Entwicklung im Social Web haben sich in der letzten Zeit verschiedene Ansätze etablieren können. Während Kachingle oder Flattr vor allem für die Bezahlung digitaler Güter interessant sind, geht es auf Plattformen wie Kickstarter oder dem deutschen Pendant Startnext um die Finanzierung „richtiger“ Projekte (siehe dazu auch mein Blogpost „Kickstarter oder: Crowdfunding ist gar nicht so einfach„).

Nun ist es relativ leicht, sich mit seinem Vorhaben auf einer solchen Plattform zu registrieren und das Projekt dort zu präsentieren. Wer sich dann erschöpft zurücklehnt und entspannt darauf wartet, dass das Geld zu fließen beginnt, wird meist bitter enttäuscht. Da fließt meist gar nichts, ganz im Gegenteil, man muss schon froh sein, wenn überhaupt jemand das Projekt anklickt und so zumindest einen Ansatz von Interesse zeigt.

Dass es gar nicht so einfach ist, seine Fans, Unterstützer oder wie auch immer man diese Menschen nennen mag, die mit ihrem Geld zum Gelingen des Projektes beitragen sollen, dazu zu bringen, Geld locker zu machen, wissen wir spätestens seit Sellaband, einer Plattform, bei der es für MusikerInnen darum geht, das Geld für die erste CD-Produktion aufzutreiben. „Erst“ 4255 KünstlerInnen ist es seit August 2006 gelungen, die dafür veranschlagte Summe von 50.000 USD einzusammeln.

Was also tun? Norbert Hillinger hat auf seinem Future Film Promotion Blog ein recht schönes Beispiel gefunden, wie man seine Fans motivieren kann, sich finanziell an einem Vorhaben, in diesem Fall einem Film, zu beteiligen. Um den Thriller TILT zu produzieren, haben die Produzenten auf Kickstarter eine Kampagne gestartet, dessen Ziel es war, 15.000 USD von den Fans zu bekommen.

Im Rahmen der Kampagne entstand mit „Brainerd, MN, also know as TILTtheTown“ eine virtuelle Stadt, in die die Unterstützer einziehen konnten.

„Jeder einzelne Spender wurde zusätzlich mit einer fiktionalen Biographie ausgestattet, teilweise stehen die Charaktere untereinander in einer (erfundenen) Beziehung. Via Google Map bzw. Storybook haben Besucher der Stadt jederzeit Einblick in die dort lebenden Personen und ihre Geschichten. Häufig bringen sich die dahinter stehenden Spender auch ins Geschehen mit ein und kommunizierten so auch außerhalb der Webseite über ihre Rolle mit anderen,“

beschreibt Norbert Hillinger die kreative Idee.

Klasse, auf diese Weise gelingt es, die Unterstützer schon frühzeitig mit ins Boot zu holen und gar nicht den Eindruck entstehen zu lassen, es ginge einem nur um das Geld. Mit der Möglichkeit, zu kommunizieren und interagieren entsteht zudem eine Community, die dann dafür sorgt, dass der fertige Film vor dem Start auch entsprechend beworben wird. Das heißt aber auch: so richtig geht die Arbeit eigentlich erst dann los, wenn man mit seinem Projekt online ist. Und auch bei diesem Beispiel zeigt sich, wie wichtig es ist, die verschiedenen Kanäle, hier vor allem Google Maps zu bespielen.

Klar, dass die Macher des Films ihr Ziel, 15.000 USD zu erhalten, erreicht haben.

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  1. kleines Update zu: “Erst” 42 KünstlerInnen ist es seit August 2006 gelungen, die dafür veranschlagte Summe von 50.000 USD einzusammeln.
    Mittlerweile sind es 55 erfolgreich abgeschlossene Fundings wobei das Funding Ziel von den Künstlern variabel angegeben werden kann und nicht 50.000 USD betragen muss. Allein seit der Übernahme der Platform Feb. 2010 haben bereits 13 Künstler Ihr Ziel auf SellaBand erreicht.

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  2. Ich kann nur bestätigen, das TILT the Town (Twitter-Hashtag #TILTtheTown) richtig Spass macht!

    Und darüber hinaus findet man in dieser kleinen virtuellen Gemeinde die crème de la crème der US-amerikanischen Indie-Filmemacher-Szene versammelt. Dementsprechend kriegt man ziemlich viel darüber mit, wie dort Beziehungen geknüpft und gepflegt, Projekte entwickelt und realisiert, Perspektiven diskutiert und erprobt werden…

    Sehr gespannt bin ich darauf wie’s weitergeht:
    Denn auch nachdem das Crowdfunding-Ziel erreicht ist, wird TILTtheTown weiter gepflegt – was auch Sinn macht. Denn wenn der Film, der gegenwärtig geschnitten wird, fertig ist, steht man ja vor der Frage, wie er sein Publikum findet.
    Mit TILTtheTown haben die Macher bereits eine leistungsfähige Marketing-Gemeinde…!

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  3. @Axel Kopp: ja, habe ich gewusst, allerdings sprichst Du ja jetzt das Geschäftsmodell der Plattformen an. Im Unterschied zum Geschäftsmodell Crowdfunding, das bei SellaBand zwischen Musikern und Believern abgewickelt wird.

    Ob sich das Geschäft für die Plattformbetreiber rechnet, hängt davon ab, wie viele Projekte auf diese Weise finanziert werden können, denn nur dann gibt es, wenn ich richtig informiert bin, für die Plattformbetreiber Geld. Das war im Fall von SellaBand nicht so ganz einfach, denn 50.000 USD sammelt man nicht so schnell ein. Dementsprechend niedrig ist ja auch die Zahl der auf diese Weise finanzierten CDs. Aber die Hürde von 50.000 UDS wurde ja nun abgeschafft, was sicher Sinn macht, wenn Du als Plattform überleben willst.

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  4. Pingback: Crowdfunding: von der Theorie in die Praxis « Das Kulturmanagement Blog

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