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Wo sperrt das nächste Theater oder Museum zu?

11 Kommentare

Gerade habe ich mir die die Petition gegen die Schließung des Thalia Theater in Halle durchgelesen, die an die Kultusministerin in Sachsen-Anhalt gerichtet ist. Das Thalia Theater ist, so heißt es in der Petition, das einzige Kinder- und Jugendtheater in Sachsen-Anhalt und soll nun, quasi als sprichwörtliches fünftes Rad der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle geschlossen werden.

Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, fällt mir folgendes auf: die Zahl der Petitionen, in denen gegen die Schließung einer Kultureinrichtung oder den Wegfall von Programmschienen protestiert wird, nimmt zu. Ich finde es immer bedauerlich, wenn ein Museum oder ein Theater zugesperrt wird bzw. zugesperrt werden soll. Noch schlimmer ist es, wenn es sich um ein Kinder- und Jugendtheater wie in diesem Fall handelt. Wer Kinder- und Jugendtheater schließt, ist mitverantwortlich für sinkende Besucherzahlen in der Zukunft.

Bedenklich ist dabei auch das Prozedere. Die Kulturpolitik hat sich mittlerweile ihrer Verantwortung entledigt und lässt es zu, dass ein Theater per Aufsichtsratsbeschluss geschlossen wird und die Schließung mit hohen Personalkosten und drohender Insolvenz begründet wird. Wenn der politische Wille da war, wurden schon ganz andere Unternehmungen mit sehr viel höherem Kapitalbedarf am Leben erhalten. Das heißt, hier handelt es sich um ein Versagen der Kulturpolitik, die nicht in der Lage ist, entsprechende Konzepte zu entwickeln (oder sie entwickeln zu lassen), in denen der entsprechende Bedarf geregelt wird.

Man kann durchaus Kulturbetriebe schließen, sollte das aber kulturpolitisch begründen. Man möge mir verzeihen, wenn ich hier schon wieder auf den Blogbeitrag verweise, in dem Pius Knüsel der Satz in den Mund gelegt wird, „(a)us kulturpolitischer Sicht spielt das einzelne Projekt, das einzelne Haus oft keine Rolle.“ Mag sein, aber die Frage sei erlaubt: wo ist hier das kulturpolitische Konzept, wo ist hier die von Knüsel angesprochene Makro- und Mikroebene?

Sich gegen fehlende Konzepte und Schließungen zu wehren, ist legitim und wahrscheinlich auch berechtigt. Nur sind Petitionen auf Dauer nicht der richtige Weg. Sie können im besten Fall verhindern, dass ein einzelner Kulturbetrieb nicht geschlossen wird, das Problem an sich können sie nicht lösen. Hier ist die Kulturpolitik gefordert, die einen noch zu Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise Glauben machen wollte, die Förderungen für Kunst und Kultur seien sicher. Sie sind es nicht, wie wir mittlerweile wissen, aber zugegeben hat das bis jetzt noch niemand. Und entsprechende Konzepte, um darauf zu reagieren, gibt es auch noch nicht.

Wie können solche Konzepte aussehen? Wieviel Kunst und Kultur wollen wir als BürgerInnen eigentlich? Wahrscheinlich gar nicht so viele, wenn man nicht nur den kleinen exklusiven Kreis derer, die die kulturellen Angebote nutzt, befragt. Aber die Diskussion muss geführt werden, sonst wird uns jeden Monat eine neue Petition zur Unterschrift vorgelegt.

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  1. Mit Freude habe ich festgestellt, dass auch Sie die Petition – neben mehr als 17.000 weiteren Personen – ebenfalls unterzeichnet haben. Auch wenn Sie einige Absätze später feststellen, dass „Petitionen auf Dauer nicht der richtige Weg“ seien. Grundsätzlich ist ein Offener Brief jedoch immer gut geeignet, um in der Öffentlichkeit auf Missstände hinzuweisen.

    „Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, fällt mir folgendes auf …“
    Da Sie das Thalia Theater in Halle (Saale) als Aufhänger nutzen, sollten Sie die Hintergründe schon etwas kennen. Denn dann würde man feststellen müssen, dass das Fehlen eines kulturpolitischen Konzeptes in der Saalestadt Halle nicht das einzige Problem ist. Hier geht es auch um gelebte Autokratie. Die Gerüchte über eine mögliche Schließung des Thalia Theaters wabern schon seit Jahren durch die Rathausflure, nur hat man es bis heute versäumt, gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen zu suchen. Und das Thalia Theater an sich ist nicht das Problem, sondern die Theater, Oper und Orchester GmbH (kurz TOO) im Ganzen:

    a) wäre die Fusion der 2 Sprechbühnen, der Oper, des Puppentheaters und der Staatskapelle vor 2 Jahren nicht zustande gekommen, wenn man während den Verhandlungen bereits offen über Schließung einer Bühne gesprochen hätte.

    b) ist das Thalia Theater in der kommunalen Politik von Halle das unliebsamste Kind, da es in vielerlei Hinsicht auch das unbequemste ist. Die Inszenierungen am Kinder- und Jugendtheater zerren unpopuläre Themen auf die Bühne, geben Randgruppen eine Plattform. Gesellschaftliche Konflikte, die sonst gerne von der Politik klein geredet werden, stehen auf einmal im Scheinwerferlicht. Ein Volltreffer war die Inszenierung ULTRAS, da verstiegen sich sogar einige lokale Politiker in lauten Rufen nach Änderungen des Stückes oder einer Absetzung. Allen voran die Oberbürgermeisterin.

    c) fehlen tatsächlich kulturpolitische Leitlinien in der Stadt, die zeitnah sind und den aktuellen Entwicklungen entsprechen. Einen ersten Entwurf der Stadtverwaltung gab es jetzt im Vorfeld eben jener Aufsichtsratssitzung. Und in diesem Entwurf ist die Schließung des Thalia Theater bereits beschlossene Sache. Eine öffentliche und vor allem ehrliche Diskussion fand nicht statt.

    d) das eigentliche Problem ist mit der Schließung einer Bühne nicht gelöst. Denn der TOO GmbH werden in Zukunft die finanziellen Sorgen immer wieder zum Verhängnis werden. Die jetzt anstehenden Tarifsteigerungen bei Teilen der Belegschaft kommen nicht überraschend. Tarifverträge laufen nicht plötzlich und unerwartet aus.

    e) hat das Thalia Theater zunehmend auch Projekte auf die Beine gestellt, die in die klassische Kinder- und Jugendarbeit hinein reichen. Es sind aber immer in erster Linie Projekte, die sich mit Mitteln des Theaters der Probleme von Kindern und Jugendlichen annehmen. Und damit kommen wir in einen Bereich der noch mehr Hintergrundwissen voraussetzt. Denn in Halle gibt es eine zunehmende Konzentration von Jugendsozialarbeit an handverlesene Vereine. Das Wort Sozialmafia kam mir jetzt spontan in den Sinn. Aber für solch einen Vorwurf ist hier und jetzt kein Raum.

    Entweder wurden die anstehenden Problem von den verantwortlichen bewusst ausgeblendet – dann darf man hier von Täuschung der Öffentlichkeit reden – oder sie haben versäumt ihre Hausaufgaben zu machen – dann darf man Unfähigkeit unterstellen.

    Das war jetzt nur eine sehr grobe Skizze der Hintergründe zur Schließung des Thalia Theaters.

    Nun zu einer weiteren Aussage von Ihnen:
    „Man kann durchaus Kulturbetriebe schließen, sollte das aber kulturpolitisch begründen.“
    Die Gründe für eine Schließung machen sich immer an hartem Zahlenmaterial fest. Ob es die Finanzen oder/und die Auslastungen der Vorstellungen sind. An den Auslastungszahlen kann man aber wenigstens ein Bedürfnis der Einwohner einer Stadt erkennen.
    Wir wollen keine Staatskapelle mehr, weil …?
    Wir wollen keine Sprechbühne mehr, weil …?
    Wir wollen keine Oper mehr, weil …?
    Wir wollen kein Puppentheater mehr, weil …?

    Welche kulturpolitischen Gründe fallen Ihnen zu den obigen Fragen ein?
    Mir fallen nur Gründe ein, die sich immer an der vorhandenen Ausstattung mit Finanzen einer Stadt, eines Landes festmachen lassen.

    Weiter schreiben Sie:
    „Sich gegen fehlende Konzepte und Schließungen zu wehren, ist legitim und wahrscheinlich auch berechtigt.“

    Proteste haben immer dann ihre Berechtigung, wenn es Betroffene gibt, die mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind.
    Und wenn Sie sich auch noch mit den Hintergründen der Arbeit von kommunalpolitischen Parlamenten befasst hätten, würden Sie nicht nur in Halle (Saale) erkennen, dass eine Auseinandersetzung mit Konzepten nur widerstrebend erfolgt und wenn, dann auch noch mit einer gewissen Gleichgültigkeit. Es sei denn, Wahlen stehen vor der Tür oder öffentliche Proteste zwingen dazu. Aber das ist kein Phänomen der Kommunalpolitik.

    Insofern hat die Petition der Schließungsgegner hier in Halle das Thema Kulturpolitik auf den Plan gerufen. Und nicht die Politik selbst. Es geht schon längst nicht mehr um fachbezogene Konzeptlosigkeit. Es geht um Konzeptlosigkeit im Allgemeinen und um Kommunikation im Besonderen.

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  2. Danke für den langen Kommentar und die vielen Erläuterungen! Wie gesagt, eine Petition ist dazu geeignet, um auf etwas aufmerksam zu machen. Wenn nun aber im Wochentakt Petitionen veröffentlicht werden, dann werden diese erstens immer weniger wahrgenommen und zweitens wird die Bereitschaft sinken, sie zu unterzeichnen. In dem Fall hat sie dann aber ihren Zweck erfüllt und auf ein Problem aufmerksam gemacht.

    Dank Ihrer Informationen weiß ich jetzt zwar mehr über die konkrete Situation in Halle, allerdings war der Anlass für diesen Beitrag die kulturpolitische Ausgangslage bzw. das Fehlen eines Konzeptes. Ob bei den Verhandlungen die Unwahrheit gesagt wurde oder nicht, spielt in diesem konkreten Fall eine Rolle, auf der übergeordneten Ebene bleibt aber das kulturpolitische Problem.

    Natürlich kann ich das Interesse der Bevölkerung an Kunst und Kultur an Besucherzahlen fest machen, das ist auch ein wichtiger Gradmesser für das, was ich dann konkret tue. Aber auch hier gibt es wieder eine übergeordnete (kulturpolitische) Ebene, auf der man auch zu dem Ergebnis kommen kann, dass Kunst und Kultur aus welchen Gründen auch immer für eine Gesellschaft wichtig sind und deshalb vom Staat finanziert und erhalten werden.

    Was mir nicht ganz klar ist: Sie werfen mir vor, dass ich die näheren Umstände in Halle nicht kenne, was auch zutreffend ist. Nur steht Ihr Kommentar jetzt gar nicht im Widerspruch zu dem, was ich geschrieben habe. Insofern leuchtet mir jetzt nicht ganz ein, worauf Sie hinaus wollen?

    Ich habe die Petition unterschrieben und mir ist auch die Sinnhaftigkeit der Aktion klar. Ich wollte mit meinem Beitrag aber andeuten, dass es mit Petitionen langfristig nicht getan ist, um der vorherrschenden Konzeptlosigkeit zu entgehen, etwas, was Sie ja auch kritisieren.

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  3. @CHF Die Sicherheit von öffentlich finanzierten Kultureinrichtungen ist sicherlich relativ zu verstehen, nicht absolut. Heißt: staatlich getragene Kultureinrichtungen sind in ihrem Bestand wesentlich besser gesichert als solche in freier, privater Trägerschaft. In meinen Augen ist die staatliche Kulturförderung deswegen – bei allen Problemen wie z.B. der Anfälligkeit für Ideologisierung – ein Erfolgsmodell. Sie sichert künstlerische Freiheit und Existenz und ich kenne kein besseres Modell.

    Trotzdem kann staatliche Förderung nicht Bestandsgarantie für jede Einrichtung bieten und das wäre auch höchst unsinnig. Man kann eine kulturpolitische Begründung für die Schließung fordern, wie du es vorschlägst. Aber provokativ gesprochen: Natürlich ist Kultur eine Frage des Geldes, warum soll ich also den Spieß nicht umdrehen dürfen und sagen: Es braucht eine kulturpolitische Begründung nicht für die Schließung, sondern für die Aufrechterhaltung. Um es plakativ zu machen: Als Privatperson braucht man für die Kündigung des Fitness-Studio-Abos auch keine weitere Begründung, wenn das Geld knapp ist. Das ist Grund genug. Eine stichhaltige Begründung braucht man, wenn man es sich trotzdem leisten will. Und wenn der Studiobetreiber schlau ist, dann liefert er einem diese Begründung. Ich sehe das Versagen diesbezüglich daher eher bei den Kultureinrichtungen, nicht bei der (Kultur-)Politik.

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  4. @CHF
    Sie sprechen immer von kulturpolitischen Konzepten oder Gründen, die eine Schließung einer Kultureinrichtung rechtfertigen könnten. Ich sehe kein einziges Argument womit man Kulturabbau kulturpolitisch rechtfertigen kann,ohne vernünftigen und berechtigten Widerspruch zu ernten.
    Vielleicht können Sie mir wenigstens einen einzigen Grund liefern?

    Und wenn ich mir Kultur – hier speziell Kulturmanagement – auf die Fahne schreibe, dann denke ich an Entwicklung von Angeboten, die die Daseinsberechtigung der jeweiligen Kultureinrichtung untermauern. Es würde mir nicht in den Sinn kommen, imaginäre „kulturpolitische Gründe“ für die Abschaffung eines Theaters gelten zu lassen.

    Wohlgemerkt, ich spreche nicht von harten Faktoren, wie Zuschauerzahlen und Finanzen.

    Das Fehlen von kulturpolitischen Konzepten finde ich natürlich bedauerlich. Und an diesem Punkt sind wir uns ja einig. Jedoch zeigt die Realität, dass da nur eine geringe Chance für eine vertiefende politische Diskussion besteht.
    Mir würde fürs erste genügen, wenn es wenigsten eine klare Willensbekundung für den Erhalt der vorhandenen kulturellen Angebote gibt. Mit allen Konsequenzen.

    Aber auf Ihre „kulturpolitische Gründe“ für eine Schließung eines Museums, eines Theaters, einer Bibliothek etc. bin ich nun gespannt.

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  5. @Thomas S. Woher kommt denn das Paradigma man müsse traditionelle Kultur auf immer und ewig am Leben erhalten und staatlich finanzieren? Die Menschen produzieren seit jeher Kultur, aber erst seit ein paar hundert Jahren ist es üblich, dass diese staatlich finanziert wird. Und die meiste Zeit davon diente staatliche Kulturförderung dazu, den Status, Macht und finanzielle Potenz der Herrschenden zu unterstreichen. Seit einiger Zeit bietet sie mehr die Folie für nicht selten sehr unreflektierte und plumpe Gesellschaftskritik.

    Ich habe kürzlich in einem Blog-Eintrag darüber geschrieben, dass es durchaus Sinn machen könnte, den Kulturetat dem Bildungsetat zuzuschlagen, weil das langfristig die viel bessere Kulturförderung sein könnte. In meinem vorherigen Kommentar schrieb ich, dass ich es für nachdenkenswert hielte, dass nicht Kulturabbau kulturpolitisch begründet werden müsse, sondern der Kulturerhalt. Beides etwas provokativ zugespitzt, zugegeben. Aber was sind denn Ihre Gründe, warum Theater sein muss, wie der Deutsche Bühnenverein behauptet? Was droht uns, wenn pro Jahr einige Einrichtungen geschlossen werden? Es wird immer gern gesagt, Kultur sei kein Luxus. Aber soweit das stimmt, gibt es m.E. für Kultur einen funktionierenden Markt (Popkultur). Und Kultur, für die es den nicht gibt, ist in meinen Augen Luxus im allerbesten Sinn des Wortes.

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  6. @Christian: Stimmt, natürlich ist die staatliche Förderung ein Erfolgsmodell, das möchte ich auch nicht in Abrede stellen. Aber wie überall wird auch hier der Erfolg nicht bis in alle Ewigkeit anhalten, Du sprichst das Thema ja auch an. Die Idee, den Kulturetat der Bildung zuzuschlagen, hat was.

    In Deutschland kann ich mir das auch so halbwegs vorstellen, in Österreich käme man mit so einer Idee allerdings vom Regen in die Traufe.

    Mein Vorschlag, eine Schließung kulturpolitisch zu begründen, basiert auf der Idee, dass erst dann eine kulturpolitische Diskussion geführt werden kann. Im Augenblick habe ich eher das Problem, dass über nichts diskutiert werden kann, weil als einziger Grund immer fehlendes Geld herhalten muss. Und das ist, wie wir von den Banken wissen, ja nicht wirklich ein Grund.🙂

    @Thomas S: vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt, aber mir ging es um etwas anderes. Ob ein Schließungsgrund (kulturpolitisch) gerechtfertigt ist oder nicht, lässt sich objektiv nie feststellen, sondern ist das Ergebnis von Gewichtungen, die sehr unterschiedlich ausfallen können.

    Kulturpolitik funktioniert oft hinten herum, d.h. die wahren Gründe, warum etwas geschlossen wird, werden vielleicht gar nicht genannt. Es geht nicht darum, welche Gründe ich für gut oder schlecht halte, sondern ich möchte kulturpolitische Konzepte sehen und die dann diskutieren können.

    Theoretisch kann ich abere die Schließung jeder Oper kulturpolitisch argumentieren, wenn ich davon ausgehe, dass damit nur ein kleiner Kreis der Gesellschaft davon profitiert. Natürlich gibt es da auch Gründe, die dagegen sprechen, aber welcher Grund ist a priori gerechtfertigt und welcher nicht? Aber noch einmal: mir ging es nicht darum, die Gründe durchzudeklinieren, sondern einen Rahmen zu finden, der die Diskussionen überhaupt möglich macht.

    Wenn niemand sagt, warum er etwas zusperrt, tue ich mir mit Gegenargumenten schwer.

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  7. @kulturblogger
    „Was droht uns, wenn pro Jahr einige Einrichtungen geschlossen werden?“
    Das wir am Ende keine öffentlich geförderten Einrichtungen mehr haben werden, die Kultur abseits von gewinnorientiertem Streben anbietet.
    „Es wird immer gern gesagt, Kultur sei kein Luxus. Aber soweit das stimmt, gibt es m.E. für Kultur einen funktionierenden Markt (Popkultur).“
    Sie wollen also die Gesellschaft/den Staat aus der Verantwortung entlassen und Kultur den Gesetzen der freien Marktwirtschaft überlassen.
    Es wird Sie nicht wundern, wenn ich Ihre Ansichten nicht teile. Vielmehr noch hoffe ich, dass sich Ihre Meinung nicht durchsetzen wird.

    @CHF
    „Kulturpolitik funktioniert oft hinten herum, d.h. die wahren Gründe, warum etwas geschlossen wird, werden vielleicht gar nicht genannt.“
    Zum Glück ändert sich das zunehmend. Denn die Gründe werden immer mehr öffentlich auch hinterfragt und auf Wahrhaftigkeit überprüft.

    „Es geht nicht darum, welche Gründe ich für gut oder schlecht halte…“
    Irgendeine Bewertung der Gründe müssen Sie doch haben. Denn Sie schrieben oben:
    „Man kann durchaus Kulturbetriebe schließen, sollte das aber kulturpolitisch begründen.“
    Ergo müssen Sie auch kultorpolitische Argumente im Hinterkopf haben, die eine Schließung durchaus rechtfertigen könnten.

    „… aber welcher Grund ist a priori gerechtfertigt und welcher nicht?“
    Es findet sich für jeden Grund auch eine Rechtfertigung. Versprochen! Aber es werden sich hoffentlich bei jeder geplanten Schließung genügend Leute finden die gute Gründe dagegen halten.

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  8. @Thomas S: Ihr Problem ist, dass Kulturpolitik für Sie nur die Frage umfasst, ob ich ein Theater zusperre oder nicht. Das heißt, für Sie zeichnet sich eine gute Kulturpolitik dadurch aus, dass alle öffentlich finanzierten Kulturbetriebe erhalten bleiben.

    Das heißt, Ihr Erfolgskriterium ist der Bestand an öffentlich geförderten Kultureinrichtungen und nicht die Ergebnisse von dem, was Kultureinrichtungen bewirken.

    Wenn Studien belegen, wie wichtig es ist, möglichst früh ein Instrument spielen zu lernen und kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, dann ist z.B. die Tatsache, dass Theater, Opernhäuser, etc. eine überdurchschnittlich hohe Akademikerquote aufweisen, der Beleg dafür, dass von den positiven Wirkungen nur eine kleine elitäre Minderheit profitiert.

    Als Kulturpolitiker könnte ich nun versuchen, die Treffsicherheit meiner Politik zu erhöhen und den Kulturbetrieben die Hälfte des Kulturbudgets wegnehmen und diese Summe in Form von Vouchers an Nichtakademiker verteilen.

    Das Resultat wird wahrscheinlich sein, dass einige oder mehrere Kultureinrichtungen schließen müssen. Das ist dann für das jeweilige Haus traurig,aber auf einer kulturpolitischen Ebene erreiche ich so unter Umständen meine Ziele besser.

    Das heißt, hier gibt es nicht weniger Geld, sondern das Geld wird anders verteilt. Nun muss man das wahrscheinlich noch genauer durchdenken, aber wo steht geschrieben, dass wir ewig am Status Quo festhalten müssen?

    Da gebe ich Christian Holst uneingeschränkt recht. Die Tatsache, dass etwas in der Vergangenheit gut war, bedeutet nicht automatisch, dass es auch weiterhin so sein wird. Entwicklung braucht Veränderung und dass die nicht immer für alle angenehm ist, wissen wir auch. Insofern kann ich Ihre Haltung zwar verstehen, Perspektiven bietet sie aber keine.

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  9. @Thomas S. Es wird auch ohne öffentlich geförderte Kultureinrichtungen Kulturangebote ohne Gewinnstreben geben, etwa die sehr lebendige Amateurkultur, die völlig unabhängig von einer freien Marktwirtschaft besteht. Und auch in der populären Kultur verdienen nur sehr wenige das ganz große Geld, während viele andere aus Freude an der Sache hier in einer kleinen Marktnische tätig sind und dort die gleiche Selbstausbeutung betreiben, wie sie „staatlich subventioniert“ in traditionellen Kultureinrichtungen stattfindet.

    Die Schlussfolgerung, die Sie aus meiner Aussage über Luxus ziehen, nämlich dass ich die Gesellschaft/den Staat aus der Verantwortung entlassen möchte, ist übrigens nicht richtig. Ich selber gehöre zu denen, die von den öffentlich getragenen Kulturangeboten profitieren, weil ich sie regelmässig in Anspruch nehme. Insofern habe ich gar nichts dagegen. Aber ich denke trotzdem, dass sich Kultureinrichtungen ein paar harte Fragen gefallen lassen müssen und vernünftige, stichhaltige Antworten darauf geben sollten. Ich halte es für fatal, wenn die Reaktion der Kultureinrichtungen und -lobbys auf kulturpolitisch unbliebsame Entscheidungen sich immer nur in Tabuisierung, Skandalisierung und hysterischer Emotionalisierung erschöpft. Denn so drängt sich ja der Verdacht auf, dass es tatsächlich an guten Gründen fehlt. Worin genau liegt – aus der Adlerperspektive betrachtet – die kulturpolitische Katastrophe, wenn es in Deutschland nur mehr 100 statt 150 öffentlich getragene Theater gibt? (Darüber, dass es für die 50 betroffenen Theater und seine Mitarbeiter erstmal eine Katastrophe und ein Schock wäre, müssen wir nicht diskutieren.)

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  10. Pingback: Welchen Gestaltungsspielraum hat die kommunale Kulturpolitik, fragt der nächste Treffpunkt KulturManagement am 17. November « Das Kulturmanagement Blog

  11. Im Zeitalter des Internets erscheint es naheliegend, dass sich viele Menschen online über bestimmte Themen und Epochen informieren und Ausstellungsstücke hochaufgelöst daheim am Monitor betrachten.
    Schulen sollten öfter den Besuch von Museen in den Unterricht mit einbinden.

    Ich persönlich besuche mein Lieblingsmuseum mindestens 2x im Jahr, unabhängig davon, ob Sonderausstellungen stattfinden oder nicht (mein privates Sponsoring). Sonderausstellungen können mich allerdings noch zusätzlich motivieren.

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