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KulturInvest 2010: ein Resümee

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Als ich am Samstag auf meinen Rückflug nach Wien wartete, habe ich mir meine Aufzeichnungen angeschaut und gleichzeitig noch einmal meinen Bericht über den ersten Tag des Kulturinvest Kongresses 2010 durchgelesen. „Alles wird anders“ habe ich ihn überschrieben, wobei es jetzt natürlich spannend wäre, die Frage zu beantworten, wie dieses „anders“ aussehen könnte?

Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber gar nicht pauschal beantworten, denn wenn wir von Kunst und Kultur und ihrer Zukunft sprechen, dann ist diese Frage mit verschiedenen Erwartungen verbunden. Bei diesem Kongress waren drei Gruppen vertreten, die derzeit maßgeblich dazu beitragen, dass Kunst und Kultur bei uns stattfindet. Da haben wir auf der einen Seite die Kulturpolitik, die ihre Zielvorstellungen eher vage formuliert.

„Wir setzen uns dafür ein, dass das öffentlich getragene Kulturangebot allen offen steht. Soziale Situation, Migrationshintergrund oder Mobiltät dürfen keine Zugangsbarrieren darstellen. Das Kulturangebot muss flächendeckend und erschwinglich, aber es muss auch in einem übertragenden Sinne ‚naheliegend’ sein. Ob Menschen sich für Kunst und Kultur interessieren, sich daran freuen können und sich davon herausfordern lassen, ist ganz wesentlich davon abhängig, wann und wie sie damit in Berührung gekommen sind. Darüber darf nicht Herkunft, Bildungs- und Sozialstatus entscheiden. Wir wollen, dass alle die Chance haben, am kulturellen Leben teilzunehmen,“

schreibt etwa die in Nordrhein-Westfalen für Kultur zuständige Ministerin Ute Schäfer in der September-Ausgabe von Politik und Kultur auf Seite 3. Das klingt alles gut und schön, aber diese Ziele lassen sich wohl mit sinkenden Budgets kaum erreichen. Wäre es nicht sinnvoll, sich jetzt der Realität zu stellen und sich Gedanken darüber zu machen, wie man Ziele und Budgets in Einklang bringen kann? Auf dem Kongress waren von Herrn Ehrmann abgesehen keine KulturpolitikerInnen vertreten. Und der sprach über vieles, aber leider nicht über kulturpolitische Ziele.

Zweitens sind da die Sponsoren, die natürlich ihre eigenen Ziele verfolgen. Da geht es um Image, Werbung, Kundenbindung, aber auch um das Wahrnehmen von gesellschaftlicher Verantwortung. Das klingt sehr hochtrabend, daher gefällt mir das, was Susanne Lang und Veronica Scheubel vom Centrum für Corporate Citzenship in ihrer Präsentation „Vom Sponsoring zum gesellschaftlichen Engagement“ konstatieren (dieser Vortrag ist schon älter und wurde nicht auf dem Kulturinvest Kongress gehalten). Auf Folie 8 halten sie fest, dass Sponsoring ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zwischen zwei Partnern sei, bei dem Leistung und Gegenleitung klar definiert seien. Nachhaltig sei Sponsoring aber erst dann,

„wenn alle Anstrengungen der Partner nicht nur auf die Zielerreichung ausgerichtet sind, sondern ausdrücklich einen Nutzen und Zufriedenheit für die gemeinsamen Zielgruppen anstreben.“

Ein Beispiel für diese Nachhaltigkeit liefert BMW, das seit nunmehr 15 Jahren das Projekt „Oper für alle“ unterstützt. Wenn nun aber der Automobilkonzern seit eben so vielen Jahren auf allen Konferenzen als Bestpractice herhalten muss, dann stellt sich mir irgendwann einmal die Frage, ob es vielleicht gar nicht so viele Beispiele für gesellschaftliches Engagement gibt und eben doch Werbung, Kundenbindung und Image im Vordergrund stehen. Ziele, die ich bei Unternehmen, denen es primär um den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen geht, nie kritisieren würde. Wenn dieses Streben dann aber zu sehr in den Vordergrund rückt, dann schadet sich das Unternehmen mehr als es sich nützt. Das ist nicht nur beim klassischen Kultursponsoring so, sondern auch auf einem Kongress, bei dem man seine Glaubwürdigkeit schnell verspielen kann, wenn man wie im Fall der Berliner Bank zu sehr die eigenen Angebote anpreist, obwohl es doch eigentlich um die Perspektiven der Stadt Berlin ging. Aber mit dem Aushandeln günstiger Ticketkonditionen für die eigenen Kunden ist es defintiv noch nicht getan.

Bleiben neben der Kulturpolitik und den Sponsoren noch die Kultureinrichtungen selbst. Viele von ihnen, das hat der Kongress gezeigt, haben mittlerweile erkannt, dass sie sich selbst um ihre Zukunft kümmern müssen und dementsprechende Aktivitäten gestartet. Besonders gut gefallen hat mir in Berlin die Präsentation von Milena Ivkovic, der Marketing- und Kommunikationschefin der Philharmoniker in Hamburg, die voller Begeisterung die Aktivitäten des Orchesters vorstellte. Da passte der Titel ihres Vortrags „E – wie Emotion“ wunderbar dazu. Die eigene Website (sehenswert die Sujets zur „Mahler und die Moderne“), der Flickr-Fotostream (schade, dass sie nicht unter einer CC-Lizenz stehen) aber auch dieses Video zeigen, auf welche Weise hier versucht wird, die – in diesem Fall – UserInnen anzusprechen.

Social Media war beim KulturInvest Kongress ein wichtiges Thema, auch wenn sich die Zahl der Tweets noch ziemlich in Grenzen hält und ich bis jetzt kein einziges Blogpost über die Veranstaltung gefunden habe. Das ist schade, denn so gelingt es nicht, Diskussionen über die Zukunft von Kunst und Kultur anzustoßen. Diese Diskussionen sind dringend nötig, denn so wichtig solche Konferenzen für die „Branche“ auch sein mögen, das Thema muss öffentlich gemacht werden, sonst lässt sich die derzeitige Entwicklung nur noch schwer stoppen.

5 Comments Join the Conversation

  1. Hallo Christian, ich denke, es wird noch ein wenig dauern, bis der Kulturbetrieb social media für sich richtig entdeckt und nutzt. Und wenn ich mir die Inhalte der entsprechenden Plattformen anschaue, dann glaube ich, es wäre prima, wenn mehr aus dem Kulturbetrieb etwas posten, aus dem man dann auch erkennen kann, wie reich unsere Kultur ist (war?). Gute Zeit und weiterhin viel Erfolg, Margit

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  2. @Margit: entdeckt haben Social Media wohl schon viele, aber das Potenzial wird noch lange nicht ausgeschöpft. Allerdings darf man da dem Kunst- und Kulturbereich keine Vorwürfe machen, im Unternehmensbereich sieht die Situation nicht anders aus.

    Insofern bin ich da sehr zuversichtlich.😉

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  3. Vielen Dank für deinen Bericht, bei dem mich vor allem der Vortrag zu den Hamburger Philiharmonikern interessiert hat. Grandios natürlich die „100 Musiker – 50 Orte“-Geschichte, allerdings sind leider die diversen von dir verlinkten Plattformen nicht mehr aktuell wie z.B. flickr mit dem letzten Photostream aus 2009 etc., was ich schade find. Für mich ist das Wichtigste in diesem Bereich eine Kontinuität, die laufend auch den Dialog zwischen Institution und Publikum wachsen lässt – ein Aspekt, den man so nicht vergessen darf.

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  4. Pingback: Kultur 2.0 » KulturInvest-Kongress 2010

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