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„Sprich mit mir“ statt „kauf mich“

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Vor einigen Tagen hat Björn Eichstädt, Geschäftsführer der PR-Agentur Storymaker eine sehr schöne Präsentation zum Thema Social Media Relations online gestellt, in der deutlich macht, was die Kommunikation im Social Web von klassischer Werbung oder PR unterscheidet. Ich halte sie für so gelungen, dass ich Sie Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Wer die Social Media-Auftritte von Kultureinrichtungen betrachtet, wird, wenn er sich die Folien anschaut, unschwer erkennen können, dass diese dort meist das tun, was Björn Eichstädt als das Prinzip der klassischen PR bezeichnet  (Folie 4). Gemünzt auf einen Kulturveranstalter müsste der Satz dann heißen:

„Entschuldigen Sie bitte. Ich arbeite für ein Theater (Museum, Opernhaus, etc.) und wollte Sie kurz auf unser tolles Programm hinweisen.“

Eigentlich funktioniert das Social Web aber anders. Ich hinterlasse Spuren, versuche vielleicht eine Beziehung aufzubauen und hoffe, dass man sich, wenn man ins Theater gehen möchte, wieder an mich erinnert. Im Sinne von Friedemann Schulz von Thun und seinen vier Seiten einer Nachricht lautet der Appell dann nicht „kauf mich“, sondern eher „sprich mit mir“.

Wo aber findet diese Party überhaupt statt, fragt Björn Eichstädt auf einer seiner Folien. Viele glauben, auf ihrer eigenen Fanseite oder auf ihrem Blog. Das stimmt aber nicht, die Party findet überall in den sozialen Netzwerken statt und deshalb darf ich mich nicht nur auf meiner eigenen Seite mit anderen unterhalten, sondern ich muss das überall tun. Oder bleiben Sie auf einer Party auch wie angewurzelt auf einer Stelle stehen und rühren sich im Laufe des Abends nicht vom Fleck?

Wie wäre es, wenn Sie so wie im „richtigen Leben“ die Räume erkunden, in denen die Party stattfindet? Ich habe in diesem Zusammenhang von der 1:3 Regel gesprochen und damit die Aufforderung verbunden, sich von der eigenen Seite, dem eigenen Profil zu lösen. Die mit den wichtigsten Informationen zu versehen und der eigenen CI auszustatten ist eine Sache. Zu wissen, wie und worüber man sich mit den anderen BesucherInnen der Party unterhält, die andere.

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  1. Wobei man nicht ganz aus dem Auge verlieren darf, dass sich z. B. die Facebook-Fan-Seite einer Kulturorganisation nicht im „luftleeren“ Raum einer „allgemeinen Party“ befindet. Wenn Itzhak Perlman zu seinen über 50.000 Fans auf Facebook spricht, muss er nicht erst umständlich „small talk“ betreiben, er kann wohl annehmen, dass seine Fans seiner Einträge und Videos wegen auf seine Seite kommen. D. h. er geht in medias res. Und dies machen Kulturorganisationen im Allgemeinen, weil sie annehmen, dass die Fans ihrer Seite an spezifischen Informationen interessiert sind. Selbstverständlich sollen die Fans interagieren (können), aber man muss nicht erst abchecken, ob man einander „sympathisch“ ist, wie der Versicherungsvertreter auf der Party, weil man doch annehmen kann, dass jemand, der „Gefällt mir“ oder „Like“ angeklickt hat, die vermittelte Organisation eben sympathisch findet.

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  2. @Desiree Hornek: stimmt, danke! Itzhak Perlman ist nicht mehr darauf angewiesen, small talk zu betreiben und möglichst sympathisch rüber zu kommen. Wenn Itzhak Perlman auf eine Party kommt, dann ist er der Stargast und in diesem Fall passiert etwas ganz anderes: alle anderen bemühen sich, um bei ihm gut anzukommen. Er ist der Star und alle wollen sich in seinem Glanz sonnen und dabei sein.

    Das heißt, hier ist die Ausgangssituation genau umgekehrt. Perlman muss sich nicht bekannt machen, man kennt ihn bereits, gewinnen können in dem Fall die, mit denen er spricht und auf deren Kommentare er antwortet.

    Itzhak Perlman ist in meinen Augen ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig Reputation ist und vor allem, welchen Wert sie im Social Web besitzt, denn seien wir ehrlich: die Qualität seiner Postings auf Facebook ist bestenfalls durchschnittlich. Aber da er ein begnadeter Musiker ist, spielt das keine Rolle.

    Perlman ist für mich aber auch der Beleg dafür, dass im Social Web Personen im Vordergrund stehen. Ein Kulturbetrieb hat es da wesentlich schwerer, um als „Star“ zu gelten. Interessant wäre es mal, die Facebookseiten von Perlman und dem Guggenheimmuseum inkl. des Userverhaltens zu analysieren. Guggenheim tut sich für mich viel schwerer, Reaktionen (Klicks, Kommentare) hervorzurufen als Perlman, obwohl das Museum dreimal so viele Fans hat.

    Und noch ein Punkt scheint mir hier wichtig: für Perlman ist Facebook ein reines Kundenbindungstool, mehr nicht, denn ich vermute, seine Konzerte sind auch ohne Facebook ausverkauft und sein CD-Umsatz wird durch Facebook auch keine großen Veränderungen erfahren.

    Damit nutzt er Facebook aber ganz anders als die meisten Kultureinrichtungen, die bekannter werden oder mehr Tickets verlaufen wollen. Sie sind noch keine Stargäste auf der Party und deshalb agieren sie dort auch anders als in diesem Fall Perlman.

    Die Zahl der Fans ist für mich dabei gar nicht so sehr der Maßstab, sondern eher die Qualität der Community. Damit wären wir dann aber wieder bei einem anderen Thema.😉

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  3. Im GHrundprinzip stimmt es aber. wenn man neu ist, soll man auf keinen fall einfach nur was verlinken /werbung machen. aber auch danach. Wenn ich von angebliche marketing gurus NUR werbeempfehlungen bekomme wo ich genau weiss sie machen kohle damit, dann ärgert mich das

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  4. Eine sehr sinnfällige Darstellung. Aber das Frauenbild (2 Mädchen rechts links sich anwanzend, zu Füßen des Herrn sitzend etc.) kommt ja aus der allertiefsten Werbeszene-Party-Klischeekiste (oder ist das tatsächlich die schreckliche REALITÄT?) :-0

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  5. @mauserphilip: stimmt, wobei ich aber gute Werbung durchaus mag.🙂

    @Thomas: ich würde sagen, solche Partys gibt es und wahrscheinlich gar nicht so selten. Aber es gibt auch andere.😉 Hoeps & Toes gefällt mir…

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