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Eine Studie untersucht den Einsatz von Twitter rund um Events

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Immer häufiger wird über Konferenzen und das, was dort geschieht getwittert. Auf diese Weise bekommen auch die etwas von der Veranstaltung mit, die gar nicht vor Ort sind. Für die Veranstalter ist das eine ganz interessante Sache, denn daraus resultiert eine Aufmerksamkeit, die sie so vielleicht nie schaffen würden. Wie ist denn aber das Twitter-Verhalten rund um eine solche Konferenz? Das Münchner Unternehmen Amiando, das uns auch dieses Jahr wieder als Partner beim Online-Ticketverkauf für die stARTconference unterstützt hat, ist dieser Frage nachgegangen und hat die Ergebnisse in der Studie „Twitter für Events: Wie Sie mit Hilfe von Social Media Ihrem Event zum Erfolg verhelfen“ veröffentlicht.

Darin ging es um die Frage, wie viele Konferenzbesucher twittern, wann sie das tun und in welchem Ausmaß? Analysiert wurden insgesamt zehn Konferenzen, die sich inhaltlich mit den Themen Internet, Social Media oder Internet-Technologien beschäftigten.

Im Beobachtungszeitraum wurden während der zehn Events insgesamt 31.442 Tweets von 9.736 Usern registriert, was einen Schnitt von 3,2 Tweets pro Person ergibt. In der Analyse zeigt sich, dass die Größe der Veranstaltung keine Rückschlüsse darüber zulässt, wie viele User über die Veranstaltung twittern. Die Bandbreite reicht in der Studie von 10 bis 800 Prozent, d.h. in letzterem Fall übertraf die Zahl der Twitteruser die der Besucher um das Achtfache, was damit zu tun hat, dass die Konferenz live im Internet übertragen wurde. Hier wird schon deutlich, dass es durchaus üblich ist, über eine Konferenz zu twittern, obwohl man selbst gar nicht vor Ort ist

Gerade das Beispiel der live übertragenen Konferenz zeigt nach Ansicht der AutorInnen Dennis von Ferenczy, Sandro Spiess und Anja Staudt, dass nicht die Größe des Events dafür verantwortlich ist, wie viele User darüber twittern, sondern  eher die Inhalte.

„Wenn Sie wollen, dass die Teilnehmer über die Veranstaltung twittern, dann müssen Sie ihnen Gelegenheiten liefern, d.h. Materialien, die sie weiter verbreiten können und wollen.“ (S.9)

Von Bedeutung ist das vor allem dann, wenn das Event im Vergleich zur Größe der Interessensgruppe eher klein ist und die Gefahr besteht, dass die Zielgruppe von dem Event gar nichts mitbekommt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es es natürlich wichtig, dass über die Veranstaltung schon vor Beginn getwittert wird. Interessant in diesem Zusammenhang: 18% der Tweets werden vor Veranstaltungsbeginn veröffentlicht, 60% während des Events und 22%  danach.

Twitteruser üben anscheinend nur selten Kritik, zeigt die Studie. 91,2% der Tweets wurden von den StudienautorInnen als neutral bewertet, 8,45% hatten ihrer Ansicht nach einen positiven Grundton und nur 0,35% waren negativ.

Worum ging es in den Tweets? Die Analyse führt zu folgenden Ergebnissen:

1. Vor dem Event:

  • „Wer nimmt teil?
  • Organisation von Fahrgemeinschaften
  • Werbung der Organisatoren oder Hotels
  • welche Präsentation sollte besucht werden?
  • Vorstellung der Redner
  • Programminformation“

2. Während des Events:

  • „Teilen von Informationen
  • Zitate der Redner
  • Kurzfristige Werbungen der Organisatoren, Redner oder Aussteller
  • Private Konversationen
  • Kommentare zur Konferenz und dazugehörigen Geschehnissen“

3. nach dem Event:

  • „(positives) Feedback
  • Takeaways vom Event
  • Themenbezogene Dinge
  • Links zu Eventmaterialien“ (S.12)

Das bedeutet, Twitter wird hauptsächlich als Informationskanal verwendet und nur selten als Feedbackkanal. Handelt es sich um Feedback, ist die Rückmeldung meist eine positive, zeigt die Studie.

Für die Veranstalter ist es daher wichtig, vor allem während des Events die Twitter-Timeline im Auge zu behalten, um zu erfahren, was die Twitter-User bewegt und was besonders gut (oder schlecht) ankommt. Nach der Veranstaltung macht es Sinn, rasch Materialien zur Verfügung zu stellen, damit das Aktivitätslevel auf Twitter nicht sofort auf Null zurückgeht. Wer hier immer wieder Input liefert, schafft es, dass die Konferenz noch einige Zeit über das Event hinaus auf Twitter präsent ist.

Für diese Präsenz sorgen vor allem die sogenannten Power-User. Der Spitzenreiter der 9.736 User veröffentlichte 399 Tweets, sein „Verfolger“ immerhin noch 219. Im Unterschied dazu verfassten 6.347 User nur einen einzigen Tweet, 1.235 User verschickten zwei Nachrichten. Das heißt, so die Studie: 35% der User sind für 80% der Nachrichten verantwortlich.

Wer möchte, dass über sein Event getwittert wird, muss sich also einerseits besonders um die Power-User kümmern, andererseits gilt es aber, die Gelegenheitsuser zu motivieren, z.B. durch direkte Ansprache und Dialoge.

Fazit: ob ein Event Aufmerksamkeit auf Twitter erregt oder nicht, hängt zu einem nicht unerheblichen Teil von den Veranstaltern ab. Informationen müssen bereits im Vorfeld zur Verfügung gestellt und so aufbereitet werden, dass sie von den Twitter-Usern verwendet werden können. Auch während der Veranstaltung besteht die Herausforderung darin, die Informationen im richtigen Format zu liefern. Ob das gelingt, hängt unter anderem auch von den Sprechern ab. Wer schon mal einen Vortrag von Gerd Leonhard erlebt und seine Folien gesehen hat, wird sein Erfolgserlebnis bereits kennen: fast jede seiner Folien enthält eine kurze und prägnante Zuammenfassung des Gesagten, die sich sofort twittern lässt.  Sprecher, die ihre Inhalte so aufbereiten, fördern das Aktivitätslevel auf Twitter, da es sehr leicht ist, über sie zu berichten.

Wenn Sie also wollen, dass über Ihren Vortrag oder Ihr Event ausgiebig getwittert wird, sorgen Sie dafür, dass Sie die Inhalte entsprechend aufbereitet zur Verfügung stellen. Wenn man erst darüber nachdenken muss, wie man Ihre komplizierten Sätze in 140 Zeichen packen kann, wird die Reaktion auf Twitter nur verhalten ausfallen.

Falls Sie sich für die Studie interessieren, hier können Sie sie kostenlos als PDF anfordern.

8 Comments Join the Conversation

  1. Hallo Christian, super Anregung, gerade auch für uns im Vorfeld unserer eigenen Tagung im November. Dass es da Diskussionen schon auf Facebook gibt, hatten wir ja gerade auch bei Dir gesehen. Dies aber auch auf Twitter auszuweiten wird ne Herausforderung und dafür sind solche Anregungen mehr als hilfreich. Eine wichtige Frage ist natürlich auch, die richtigen Power-User zu identifizieren. Klasse auch der Hinweis, möglichst kurze Zusammenfassungen bei Präsentationen zu wählen, die auch gute Twitter-Vorlagen bieten. Danke!

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  2. Pingback: links for 2010-09-28 | Das Textdepot

  3. @Frank: stimmt, im Falle dieser Studie waren das ja sehr netzaffine Themen. Da ist es also nicht so schwer,auf sich aufmerksam zu machen. Beim Thema Aquarellmalerei sieht die Sache sicher anders aus.

    Aber denkst Du nicht auch, dass das Prinzip das gleiche bleibt? Nur ist die Zahl der Interessenten einfach niedriger. Insofern ist das Community-Building noch wichtiger.

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    • Hallo Christian,
      im Prinzip hast Du recht😉 Ich habe inzwischen die Studie auch gelesen, um Anregungen für Ausstellungseröffnungen, Veranstaltungsmanagement u.a. zu bekommen. Nur ist es bei dem Thema Malerei und Kunst schwer die Anzahl der Poweruser zu bekommen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sind über 30% der Beiträge die über die Accounts der Poweruser gegangen. Dieses ist natürlich ein riesiger Vorteil und dann beginnt über die Follower von denen auch das Gezwichtschere im Netz😉
      Fazit für mich bei der Organisation von Veranstaltungen, es ist einfacher,
      – wenn es netzrelevante Themen sind,
      – wenn eine Community existiert, die auch regional interessante Themen im Netz aufgreift.
      Ohne ist es schwer – aber angefangen hat es wie immer mit dem ersten Schritt.
      Beste Grüße – Frank

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  4. @Frank: genau so sehe ich es auch. Je weiter Du von internetaffinen Themen Du bist, desto schwieriger ist es zumindest derzeit, das Interesse für die eigenen Themen zu wecken und eine Community zu bilden. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Chance, denn in solchen Bereichen ist man derzeit noch Vorreiter und hat somit eine Art Alleinstellungsmerkmal.

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  5. Pingback: Ein Report zeigt: so nutzt die Eventbranche soziale Netzwerke « Das Kulturmanagement Blog

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