Beitragsformat

Social Media: wie geht es weiter?

18 Kommentare

Gestern ist mir dieser Tweet, den Andreas Klisch veröffentlicht hat, aufgefallen:

Er führt zu einem Artikel, in dem die Frage gestellt wird, wann die Social Media Blase platzt? Nicht ob, sondern wann? Ich denke, diese Sichtweise ist richtig, denn wenn man den Hype Zyklus betrachtet, und wir können wohl von einem Hype sprechen, dann befinden wir uns jetzt gerade entweder kurz vor oder bereits auf dem Höhepunkt der Kurve.


Gartner Hype-Zyklus (veröffentlicht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

Was bedeutet das für Kultureinrichtungen? In dem oben erwähnten Artikel heißt es:

„Irgendwann werden wir nicht mehr am Blog unseres Friseurs, am Check In von hunderten Bekannten in beliebigen Shops oder Lokalen oder an den Tweets von In-Locations interessiert sein, weil es einfach zu viel wird. Und das wird die, die später in den Markt eingetreten sind, stärker treffen, als die „Firstmover“, die jetzt schon groß sind. Für Unternehmen kommt es darauf an, eine langfristige Strategie zu definieren, die authentisch und im Einklang mit den Werten des Unternehmens ist. Die, die jetzt nur aufspringen weil SM in ist, werden auch die ersten sein, die wieder verschwinden oder ihre Investments abschreiben können.“

Mit jedem Blog, jedem Twitteraccount oder Facebook-Profil treten wir in Konkurrenz zu all den Kultureinrichtungen, die sich zu dem gleichen Schritt entschieden haben. Bis vor kurzem war es etwas Besonderes, im Social Web präsent zu sein, man konnte damit Aufmerksamkeit erregen. Aber wenn Sie heute jemandem erzählen, dass Sie nun auf Twitter sind, dann ist das ungefähr so spannend wie die Meldung über den Ankauf eines Smartphones.

Die Herausforderung besteht darin, eine Strategie zu entwickeln, die die Einzigartigkeit der Einrichtung auch im Internet abbildet, so wie das etwa die Bayerische Staatsoper (auch wenn der Vernetzungsgedanke noch fehlt), das Neanderthal Museum oder die Beispiele, die ich immer wieder hier im Blog erwähne, tun. Twitteraccounts wie dieser werden entweder verschwinden oder als nicht besonders vorteilhafte Visitenkarte im Internet zurückbleiben.

Im Augenblick ist es noch schwierig, über die Ziele und Möglichkeiten des Social Web zu sprechen, weil es vielen reicht, einfach dabei zu sein. Wir merken das übrigens auch bei der stARTconference, bei der es heuer viel schwieriger ist, Begeisterung für das Thema Web 2.0 zu wecken. Oft wird einem das Gefühl vermittelt, dass man das eh schon alles weiß. Wie war das noch mit Second Life? Auch damals wollten alle dabei sein, beeindruckende Präsenzen entstanden. Und heute? Der Hype ist vorbei, viele „Inseln“, für teures Geld aufgebaut, sind verwaist, weil die Erwartungen falsch oder überzogen waren.

Es besteht die Gefahr, dass es vielen im Social Web ähnlich gehen wird, so die Logik des Hype Zirkels. Tun Sie was dagegen, dass Sie nicht dazu gehören.

18 Comments Join the Conversation

  1. Pingback: Ohne Mehrwert sollten wir Social Media ganz schnell wieder vergessen | Kultur 2 Punkt 0

  2. „Die Herausforderung besteht darin, eine Strategie zu entwickeln, die die Einzigartigkeit der Einrichtung auch im Internet abbildet …“

    Ja. Genau.
    Noch allgemeiner gesagt: es ist eine Kommunikationsstrategie notwendig, die die Einzigartigkeit der Kultureinrichtung abbildet, vermittelt. Internet und Social Media sind bestimmt gute Wege, Kommunikationsziele zu erreichen. Ein Twitter-Account ist aber nicht (mehr) das Einzigartige einer Organisation.

    Wichtig scheint mir, vom „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ ziemlich schnell auf das „Plateau der Produktivität“ zu gelangen.

    Viele Grüße Wibke

    Gefällt mir

    Antworten

    • Die Haltung (vllt. auch Selbsteinschätzung, Organisationskultur, Alleinstellungsmerkmal) würde ich _vor_ die Kommunikationsstrategie setzen. Soll heißen: die Haltung beeinflusst die Art der Kommunikation.

      Wibke

      Gefällt mir

      Antworten

  3. Schön, dass der Hype Cycle hier einmal thematisiert wird. Gefährlich finde ich allerdings, hier pauschal von „Social Media“ zu sprechen – dafür liegen einfach zu viele verschiedene Medien auf unterschiedlichen Punkten der Kurve. Den Gipfel der überzogenen Erwartungen haben wir längst hinter uns bei den Social Media, an die Sie wohl gedacht haben (Blogs? Foren? Twitter? Networks?) Sieht man sich z. B. den HypeCycle von 2009 an (http://www.readwriteweb.com/archives/gartner_hype_cycle_2009.php ) und vergleicht die Vorhersagen mit der heutigen Situation, sollten beispoielsweise Wikis und Corporate Blogs fast im Mainstream angekommen zu sein, während Microblogs (also z. B. Twitter) wohl noch eine Weile brauchen. Gartner ordnet den verschiedenen Technologien ja auch unterschiedlich „reformierende Kraft“ zu und sieht Web 2.0 als sehr viel weitreichender an als Microblogging.
    All dies deckt sich mit meiner Erfahrung; wir beraten hier viele Unternehmen hinsichtlich Social Media Monitoring und -Relations. Hinter dem (auch schon gehörten) „kennen wir schon“ steckt häufig die Hoffnung, dass es schon irgendwie vorbei gehen wird, wenn man nur die Augen fest genug verschließt. Aber das wird es ncht – ob man es mag oder nicht, aber Facebook hat in Deutschland die 10 Mio-Marke geknackt. Was soll da passieren, um noch einmal zurück ins „Tal der Enttäuschungen“ zu gelangen? Twitter ist (und wird es m. E. auch noch lange bleiben) weit vom mainstream entfernt und weist bescheidene aktive Nutzungszahlen auf – die aber bei den Meinungsführern und Medien, also auch gerade für Kulturinstitutionen nicht zu verachten.
    Mit einem Twitter-Account kann man niemanden vom Hocker reißen (konnte man mit belanglosen Pressemitteilungen aber auch nie, da zählt genauso der Inhalt). Aber die Unternehmen/Institutionen, die es auch in Web 1.0-Zeiten verstanden, gute Kommunikation zu betreiben, können nur profitieren, wenn sie Social Media klug in ihre Kommunikationsstrategie integrieren. Wer von seinem Publikum mehr befürchtet als erwartet, meidet mit 2.0-Abstinenz tatsächlich einen großen Fehlerherd. Alle anderen machen sich schlau, experimentieren und shiften gegebenenfalls ihre Ressourcen ein wenig um – Geld verbrennt man anders als mit echtem Dialog und smartem Service. Glückauf!

    Gefällt mir

    Antworten

  4. Nachtrag: Die Social Media-Präsenz des Neanderthal-Museums habe ich mir gerade als Best Practise für den Kulturbereich abgelegt – hauptsächlich wegen des Twitter-Accounts. Vernetzung, Aktivität, direkte Kommunikation und Mehrwert, hier sieht man viele Schlagworte für Erfolgsfaktoren umgesetzt. Danke für den Hinweis und ich werde vielleicht demnächst mal ein neues Museum erkunden.

    Gefällt mir

    Antworten

  5. „Aber wenn Sie heute jemandem erzählen, dass Sie nun auf Twitter sind, dann ist das ungefähr so spannend wie die Meldung über den Ankauf eines Smartphones.“

    das, lieber christian, glaube ich aber noch lange nicht. allein wenn ich mich in meiner stadt umschaue, in der es nun wahrlich viel kultur gibt und ich gerade mal 2 aktive twitter und fb acc. zaehle, muss man noch ne ganze weile eulen nach athen tragen…
    aber danke feur die thematisierung, mir fallen zwar solche artikel auf, aber mir fehlt oft die zeit zu reflektieren….
    HG
    AK

    Gefällt mir

    Antworten

  6. @carina: danke für den langen und hilfreichen Kommentar! Ich gestehe, ich habe hier natürlich einiges stark vereinfacht dargestellt und mich mit dieser Grafik vor den Details gedrückt. Aber der Einwand ist berechtigt.

    Das Problem bei all diesen Zuordnungen ist, dass man natürlich permanent auf Beispiele stößt, die der Annahme widersprechen, z.B. die Feststellung von Gartner, dass der Hype bei den Tablet PC’s schon vorüber ist.

    Bei Blogs würde ich auch meinen, dass sie schon fast im Mainstream angekommen sind. Deshalb erleben wir, dass etliche Blogs wieder verschwinden, weil sich herausgestellt hat, dass es gar nicht so einfach ist, ein Blog mit Inhalten zu füllen.

    Bei den Wikis hätte ich mich z.B. nie getraut, von einem Hype zu sprechen. Gab es den wirklich?

    Beim Thema Strategie sehe ich ein in vielen Bereichen altbekanntes Problem auftauchen. Strategie wird verstanden als eine Art Handlungsanleitung, als ein Rezept, das man befolgt und dann hoffentlich Erfolg damit hat.

    Wenn wir statt der (allgemeingültigen) Strategie den Begriff „Erfolgspotenzial“ verwenden, dann werden wir der Sache wahrscheinlich sehr viel eher gerecht, denn Patentrezepte gibt es nicht. Das wird vor allem auf Twitter sehr deutlich, wo es nicht so leicht ist, den richtigen Mix zu finden, um die eigenen Follower zufrieden zu stellen.

    Die Angst vor Fehlern, vor den Kunden oder den Usern ist natürlich ein großes Thema und taucht immer wieder in Workshops, Seminaren, etc. auf. Wie begegnen Sie denn dieser Angst? Beschwichtigen, verneinen, verniedlichen? Das ist gar nicht so einfach…

    @Andreas: Treffer!🙂 Ich hatte noch überlegt, ob ich einfach nur Handy schreiben soll.

    Gefällt mir

    Antworten

    • Christian, danke für den Begriff „Erfolgspotenzial“. Ich versuche mir in meiner Masterarbeit klar zu werden, ob durch Kommunikation Handlungsänderung tatsächlich möglich ist und ob eine Kommunikationsstrategie (zumal im Web 2.0) möglich ist.
      Nach jedem neuen Paper schwankt meine Meinung wie ein Pendel. Vllt ist „Potenzial“ ja ein guter Ausgleich.

      Wibke

      Gefällt mir

      Antworten

    • @Wibke: über Strategie und Erfolgspotenziale habe ich mal ein eigenes Blogpost geschrieben. Vielleicht findest Du dort noch etwas, was Du verwenden kannst?

      Der Begriff Erfolgspotenzial hat in meinen Augen den Vorteil, dass er sich auf die einzelne Person oder Organisation bezieht und nicht auf alle, was bei der Strategie leider oft der Fall ist. DIE Kommunikationsstrategie kann es eigentlich gar nicht geben, weil wir ja völlig unterschiedlich kommunizieren.

      Gefällt mir

      Antworten

      • @Carina: beliebig Begriffe auszutauschen liegt mir fern. Genau deshalb habe ich auch den Beitrag „Was verstehen wir eigentlich unter Strategie?“ verfasst, wo ich versucht habe, die Entwicklung des Strategiebegriffes darzulegen.

        Dass der Strategiebegriff und der im Sinne von Aloys Gälweiler verwendete Begriff Erfolgspotenzial nichts miteinander zu tun habe, leuchtet mir nicht ein.

        Ich will auch gar nicht den Strategiebegriff verteufeln oder durch einen anderen ersetzen. Fakt ist aber, dass das, was uns da häufig verkauft wird, der Sache überhaupt nicht gerecht wird, sondern eher in die Kategorie Handlungsanleitung fällt.

        Was die Angst vor Social Media angeht, stimme ich Ihnen zu. Wobei: es ist ja auch nicht so, dass in Sachen Social Media alles nur positiv ist. Insofern sollte es darum gehen, die Angst in Vorsicht umzuwandeln.😉

        Gefällt mir

    • ich warne auf jeden Fall davor, hier Begriffe beliebig auszutauschen, „Strategie“ und „Erfolgspotenzial“ haben erstmal nicht miteinander zu tung (abgesehen davon, dass man letzteres analysiert, bevor man zur Strategie kommt, aus der sich Konzept und konkrete Maßnahmen ableiten.

      Und warum sollte man auf Strategien verzichten (nein!), nur weil es keine Patentrezepte gibt (ja!)? Ohne Strategie keine erfolgreiche Kommunikation (ist ja kein in Stein gemeißeltes Konstrukt), und die passende Strategie kann ja auch für Social Media mittelfristig lauten „nur beobachten“ o. ä.; nicht Jeder muss alles mitmachen.
      Was die Angst der Kunden angeht – da helfen nur Fakten und Geduld. Vielen öffnet es die Augen, zu sehen, dass alle anderen über sie reden und sie außen vor bleiben – mitspielen oder zugucken ist dann die Alternative. Aber, wie gesagt: Nicht für Jeden ist Social Media heute ein großes Spielfeld, und ob es Sinn macht, zum Vorreiter zu werden oder eben ein unauffälliges Profil zu pflegen, ist dann wieder eine Frage der … passenden Strategie!

      Gefällt mir

      Antworten

      • Lieber Christian,

        noch eine kurze Antwort auf Ihre letzte Replik: Ihren Beitrag zum Thema Strategie hane ich gelesen, allerdings erst nachdem ich Ihnen beliebiges Austauschen von begriffen „untergemogelt“ habe. Ich war also etwas vorschenll und harsch, sorry dafür! Bei mir geht einfach die „Paniklampe“ an, wenn ich mit diesen Begriffen unvorsichtig umgegangen sehe, weil wir hier im Beratungsalltag immer wider Situationen erleben, in denen genau das zu Missverständnissen führt – Kunde sagt „Strategie“ und meint „Maßnahmen“, wir rollen das Feld entsprechend auf und „erschlagen“ ihn oder sie fast.
        Dass keine explizite Strategie auch eine Strategie sein kann, zeigten ja viele Beiträge auf der stART. Für deren tolle Organisation auch hier noch einmal herzlichen Dank!

        Gefällt mir

  7. Pingback: Hype Cycle « Kultur + Kommunikation + Web 2.0

  8. Pingback: Video im Bereich der Kunst (6) « Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr – von Frank Koebsch

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s