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Marketing ist keine Einbahnstraße

3 Kommentare


© Andreas Reuter; Pixelio

Nicht einfach nur einen Twitteraccount zu eröffnen und eine Seite auf Facebook einzurichten, sondern sich gleichzeitig Gedanken darüber zu machen, wie ich als Kultureinrichtung die diversen Social Media-Kanäle nutzen kann, an diesem Punkt stehen derzeit wohl viele Kultureinrichtungen. Deshalb wird es in meinem Vortrag im Rahmen von stARTmuseum10, einer Veranstaltung, die sich speziell an den Museumsbereich wendet, auch um Ziele und Strategien gehen.

Die meisten Museen – das gilt aber auch für alle anderen Kultureinrichtungen – nutzen das Social Web für Marketingaktivitäten. Ich bin zwar der Ansicht, dass man viel Potenzial verschenkt, wenn man sich darauf beschränkt, aber man soll ja niemanden zu seinem Glück zwingen.😉

Marketing, das war früher – böse gesagt – der Versuch, die (potenziellen) Kunden so lange mit Informationen zu bombardieren, bis sie das getan haben, was man von ihnen erwartet hat: kaufen. Diese Einbahnstraßenkommunikation ist im Kunst- und Kulturbereich abgelehnt worden, deshalb hat es das Marketing bis heute so schwer, hier Fuß zu fassen bzw. akzeptiert zu werden. Im Social Web ist alles anders, heißt es, denn hier haben die UserInnen nun auch die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden, Fragen zu stellen oder einfach das Gespräch zu suchen (aus diesem Grund müssten Kultureinrichtungen an dieser Form von Marketing eigentlich einen recht großen Gefallen finden). Das heißt, aus dem Monolog kann ein Dialog werden. Ich schreibe bewusst kann, denn die Praxis zeigt, dass die meisten Kultureinrichtungen bei einem Kommunikationsverhalten bleiben, welches wir von früher her kennen. 1.0 eben.

Via Blog, Twitter oder Facebook macht man darauf aufmerksam, dass morgen die Ausstellung eröffnet wird oder das Wochenende die letzte Möglichkeit bietet, die Ausstellung zu besuchen. Es wird auf Führungen hingewiesen, auf einen Artikel in einem Printmedium oder man verlinkt auf ein paar Fotos oder ein Video. Gleichzeitig weiß man aber nicht, ob das überhaupt jemanden interessiert, ob die Leute mit den Angeboten zufrieden sind (immerhin, die Zahl der Follower oder Fans steigt). Um das herauszufinden, beauftragt man entweder einen Marktforscher oder entwickelt selbst einen Fragebogen, mit denen man seine BesucherInnen dann am Ausgang belästigterfreut.

Eigentlich ist das unsinnig, denn wir haben ja im Social Web unseren Rückkanal. Wir können theoretisch unsere Follower, Fans oder wie auch immer wir sie nennen wollen, fragen. Das Problem: wenn mich jemand permanent anagitiert und dann plötzlich eine Frage stellt, werde ich so überrascht sein, dass ich sie vermutlich nicht beantworten werde. Wertschätzung sieht anders aus. Das heißt, ich muss über diese Kanäle, die ich als Kultureinrichtung nutze, ein Vertrauensverhältnis aufbauen und den UserInnen zeigen, dass ich sie ernst nehme und nicht nur einfach meine Tickets verkaufen möchte.

Was aber soll ich sie überhaupt fragen, meine Fans und Follower, wurde ich vor einiger Zeit in einem Workshop gefragt. Ein schönes Beispiel, was man fragen kann und welchen Wert die Antworten haben können, hat uns diese Woche das NRW-Forum gezeigt. Auf Facebook hieß es am Montag:

„Unsere Montagsfrage heute: Was ist für euch in aller Regel die Obergrenze für den Kauf eines Katalogs? a) bis 25 Euro, b) bis 35 Euro, c) bis 45 Euro, d) Ich gebe auch über 45 Euro aus.“

Mer als 30 Kommentare sind zu dieser Frage eingegangen. Für das NRW-Forum (wahrscheinlich für jedes andere Museum auch) ist das eine wertvolle Information, denn mit diesem Wissen lassen sich Kataloge ganz anders planen. Kein Museum hat, so vermute ich, Freude daran, Tonnen unverkaufter Kataloge einlagern zu müssen. Und wenn man diese Frage, so wie das NRW-Forum es macht, entsprechend institutionalisiert (die Montagsfrage!), dann bekommt man regelmäßig wichtige Informationen, die für den zukünftigen Erfolg von entscheidender Bedeutung sein können.

Das heißt, wer sich im Social Web dem Marketing verschreibt, der sollte nicht ausschließlich nach neuen Zielgruppen schielen, sondern diese Kanäle auch dazu verwenden, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Dazu gehört auch, dass man sich, wenn sich die UserInnen die Mühe gemacht haben, die Frage zu beantworten, recht bald für die Unterstützung bedankt.

3 Comments Join the Conversation

  1. Lieber Christian Henner-Fehr. Über Ihr – überaus kompetentes – Lob freue ich mich sehr. Ein bißchen kriegt man da rote Ohren. Danke. Ich finde, die Linie, die Sie auch verfolgen, sehr gut. Herzlich Ihr, Werner Lippert

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  2. Hallo Christian,
    so profan es klingt, Du hast etwas einfaches und wichtiges geschrieben. Man muss Besucher, Kunden auf die Möglichkeiten für Feeedback hinweisen und dann auch gemeinsam mit Ihnen kommunizieren.

    Ich kenne immer noch viel zu wenige Beispiele, wo weder WEB Adresse, Facebook – & Twitter Account auf Plakaten, Druckschriften, Mails u.a. genannt werden. Nun ja, mit dem Feedback muss dann ja auch noch gearbeitet werden…;-)

    Es geht nie um technische Möglichkeiten sondern immer um den Willen mit Menschen zu kommunizieren. FRank

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  3. @Frank: „Es geht nie um technische Möglichkeiten sondern immer um den Willen mit Menschen zu kommunizieren.“

    Das ist wahrscheinlich der entscheidende Satz. Wer wollte, konnte das früher schon. Viele Theater beispielsweise haben schon seit vielen Jahrzehnten Formate, die für den Dialog mit dem Publikum bestens geeignet sind.

    Social Media erlaubt diese Dialoge auch, ersetzt diese aber, denke ich, nicht, denn das persönliche Gespräch wirkt meist stärker als ein kurzer Kommentar auf Facebook.

    Zu den Web-Adressen auf Plakaten, etc.: das Problem ist immer noch der Medienbruch. Zwar gibt es da mittlerweile einige interessante Wege, um den zu überwinden, z.B. den QR-Code, aber da stehen wir wohl noch am Anfang.

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