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„Kunst in der Krise“, eine Diplomarbeit zum Thema Kunstsponsoring

7 Kommentare

Ich finde es bedauerlich, dass viele Diplomarbeiten oder Dissertationen mit viel Aufwand geschrieben werden und dann aus unterschiedlichen Gründen in der sprichwörtlichen Schublade verschwinden. Einige immerhin werden irgendwo im Internet platziert, aber auch dort sind sie nicht so einfach zu entdecken.

Oft ist es daher der Zufall, der einen auf interessante Arbeiten stoßen lässt, so wie die Diplomarbeit von Marcus Mayer, der sich unter dem Titel „Kunst in der Krise“ vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise mit der Entwicklung des Kunst- und Kultursponsoring beschäftigt. Mayer konstatiert, dass die Sponsoringaktivitäten durch die Krise der letzten zwei Jahre ingesamt gesehen zwar zurückgegangen sind. Ob aber bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist und mit dem prognostizierten Aufschwung auch das Interesse an dieser Form der Zusammenarbeit mit Kulturbetrieben wieder zunehmen wird, vermag Mayer nicht zu sagen.

Vermutlich werden vor allem die großen Unternehmen weiter Kunst- und Kultursponsoring betreiben, auch weil es nicht sinnvoll ist, eine über die Jahre aufgebaute Infrastruktur einfach verschwinden zu lassen.

„Kultursponsoring als Kommunikationsinstrument wird weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Für Unternehmen, die es sich auch künftig leisten können, wird das Angebot sogar breiter und somit die Möglichkeit nach einer Imagebesetzung größer. Für die Sponsorsuchenden wird es hingegen schwieriger, da einige ihrer Quellen versiegen oder zumindest reduziert sind,“

schlussfolgert Mayer und geht gleichzeitig davon aus, dass nicht nur Sponsorengelder knapp werden, sondern auch die öffentliche Hand wird sparen müssen. Was aber dagegen tun? Mayer zitiert in diesem Zusammenhang MAK-Direktor Peter Noever, der vor gut einem Jahr meinte:

„Staaten sollten ihre Aufgabe vermehrt darin sehen, Ideen für eine neue Ordnung der Kunstwelt zu entwickeln. Die öffentliche Verantwortung für die Kunst an die Wirtschaft abzugeben war nicht der richtige Weg. Erst wenn das politische Gewicht stimmt, ist ein für alle Seiten befriedigendes Miteinander von Kunst, Staat und Wirtschaft erzielbar. Darin liegt die wahre Herausforderung der Zukunft.“

Schade, dass die Arbeit an dieser Stelle endet, denn wie dieses Miteinander von Kunst, Staat und Wirtschaft aussehen soll oder aussehen könnte, diese Frage ist entscheidend. Und zwar wahrscheinlich schneller als es uns lieb ist.

Ein Raum, in dem dieses Miteinander möglich sein könnte, ist das Social Web. Sponsoring und Social Media, für mich ein Thema mit Zukunft.

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  1. „sondern auch die öffentliche Hand wird sparen müssen“ – das hört sich für jemanden aus NRW, wo dutzende Städte seit Jahren in „Haushaltsicherungskonzepten“ oder gar „Nothaushalten“ stecken, bei denen die sogenannten freiwilligen Leistungen längst auf das Notwendigste reduziert worden sind, geradezu niedlich an. Vieles funktioniert hier eh schon längst nur noch durch massives Einwerben von Drittmitteln und Sponsorengeldern. Mit dem Resultat, dass immer mehr an dieselben Türen klopfen (und zwangsläufig abgewiesen werden).
    Wie Sie indirekt sagten, betreffen die Auswirkungen der Krise wohl vor allem das Sponsoring im lokalen und regionalen Bereich. Große Konzerne, die kulturelle Events oder herausragende Institutionen sponsorn, werden in der Tat gewachsene Strukturen nicht voreilig aufgeben. Auch gibt es in einem national oder international agierenden Unternehmen eine größere Entfernung in der Wahrnehmung zwischen den unmittelbaren Betriebsprozessen und Marketingmaßnahmen.
    Auf der lokalen Ebene geht es da viel direkter zu. Sparmaßnahmen im operativen Geschäft evtl. mit Personalkürzungen etc – da läßt sich ein Kultursponsoring oft nicht mehr so leicht vermitteln. Auch ist dort der Imagegewinn des Kultursponsorings gegenüber Tausendkontaktpreisen in klassischer Werbung mittlerweile ein eher schwächeres Argument.
    Mit anderen Worten: Es weht noch stärker als zuvor ein ziemlich kalter Wind durch die Etats.

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  2. Nun ja, in Deutschland ist eines klar:
    Die Haushaltmittel für Kultur sinken mit der Krise schneller als ohne. Ohne Krise sinken Sie durch die Entwicklung der Bevölkerung. Das Bruttosozialprodukt sinkt mit der Überalterung und der Abnahme der Bevölkerung in den Nächten Jahren drastisch. Dann sinken außerhalb der Großräume Hamburg, Berlin, Köln / Düsseldorf, Stuttgart und München die Bevölkerungszahlen in recht schnellen Schritten. Politiker und Kultureinrichtungen haben hierfür kein Konzept. Es gibt zwar Förderprogramme zum Abriss von Wohnhäuser, den Rückbau von Industriebrachen aber das damit auch einhergeht, dass viele Vereine und Kultureinrichtungen sich verkleinern, umsiedeln oder verschwinden müssen… Hier gibt es momentan außer Polemik, der Förderung mit der Gießkanne und der Verteidigung von Pfründen wenig…
    Umso mehr sind dann die Künstler und Betreiber der Kunsteinrichtungen gefordert. Es heiß nicht jammern sondern machen, neue Konzepte, neue Geldquellen, neue Sponsoringkonzepte,… oder mit jammern sterben. Aber dieses ist nichts Neues. Nur wer sich mit der Gesellschaft verändert wird überleben. Aber irgendwie gibt es für diese Binsenweisheit keine Konzepte.

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  3. @Thomas: der Einwand ist berechtigt, denn die Diplomarbeit zeigt auch, dass die Situation in Österreich nicht vergleichbar ist mit der z.B. in NRW.

    In Kombination mit den Problemen, die Frank anspricht, wäre es dringend geboten, sich Gedanken darüber zu machen, welche Kunst und Kultur wir zukünftig als Gesellschaft wollen und wie wir deren Finanzierung sicherstellen können?

    Was hilft es mir, wenn PolitikerInnen feststellen, dass ihnen Kunst und Kultur wichtig seien und sie ausreichende Budgets fordern, wenn dann zwei Wochen später Kürzungen vorgenommen werden?

    Man muss kein Insider sein, um die Vorhersage zu wagen, dass in nicht allzu langer Zeit sehr viel weniger Geld für den Kunst- und Kulturbereich zur Verfügung stehen wird. Und vor diesem Hintergrund wird Deine Frage, Frank, ob das dann auch bedeutet, dass Kultureinrichtungen zusperren müssen, immer aktueller.

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  4. Hallo Christian,
    zu sperren wäre das Letze, aber neue Kooperationen, neue Finanzkanäle und Förderung entsprechend den Besucherzahlen nicht mit der Gießkanne. Klar werden in der Fläche dann mit immer weniger Einwohnern und oft damit verbunden auch weniger Besuchern leider Kultureinrichtungen ihren Betrieb einschränken. Hier würde ich mir auch wissenschaftliche Arbeiten wünschen und es wäre schön wenn sich die Kultureinrichtungen hier aktiver einbringen.
    Wer diese Zeilen liest, muss wissen, ich wohne nicht in einer Metropole sondern in Mecklenburg Vorpommern einem Flächenland😉

    Beste Grüße – FRAnk

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  5. Hi Christian,

    was mich einmal interessieren würde in dem Zusammenhang….wie reagieren eigentlich die Kulturbetriebe selber auf diese Diskussionen?

    Ich frage aus der Vermutung heraus, daß ich glaube, daß die Notwendigkeit, sich den Geldströmen ein wenig mehr zu öffnen, bei manchen Kulturbetrieben noch nicht wirlich angekomen ist. Du kennst meine Einstellung dazu. Ich glaube, daß das sich öffnen wirtschaftlichen Unternehmen nach wie vor ein Tabu bei vielen Kulturträgern ist. Nicht weil sie es nicht einsehen, sondern weil es dem Kunst- und Kulturbetrieb an sich konträr läuft.

    Die Notwendikeit, Publikum ziehen zu müssen, ist dem Kunstverständis hierzulande suspekt. In den Staaten haben die dort viel weniger ein Problem mit.

    Ich vermute, daß das Problem viel mehr in unserem Kunstverständnis liegt.

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