Beitragsformat

Blog-Strategien

15 Kommentare

The Killer Blog Strategy würde ich so eine Anleitung zum Bloggen zwar nicht unbedingt nennen, aber das, was John Haydon da verfasst hat, eignet sich hervorragend für alle diejenigen, die gerade dabei sind, mit dem Bloggen zu beginnen. Das entspricht zwar derzeit nicht unbedingt dem Trend, aber ich behaupte, dass sich das irgendwann auch wieder mal ändern wird. Warum? Natürlich ist es gerade hip, auf Twitter und Facebook präsent zu sein und es stimmt auch, dass man dort mit wenigen Zeichen auskommt, sprich, drei  bis vier Sätze und ein Foto, ein Video oder ein Link sind schon ausreichend, um dort Präsenz zu zeigen. Aber auf Dauer ist es eine ziemliche Herausforderung, auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erregen und den UserInnen darüber hinaus einen Mehrwert zu bieten.

Da ist es in meinen Augen schon etwas leichter, wenn man sich in einem Blog, bildlich gesprochen, etwas ausbreiten darf und entweder eine interessante Geschichte erzählt oder den Dialog mit den LeserInnen sucht und dann hoffentlich auch findet.

Netterweise hat John Haydon seine Strategie gleich in Form einer Mindmap zur Verfügung gestellt. Sie besteht aus folgenden Schritten:

  1. Content Creation
  2. Promotion Strategy
  3. Community Management
  4. Measurement Strategy
  5. Listening Strategy

Die größte Sorge haben Kultureinrichtungen interessanterweise schon beim ersten Punkt, nämlich der Frage, woher die Inhalte nehmen. Ich kann das verstehen, denn als ich mit diesem Blog begann, hatte ich genau die gleiche Angst, die Angst, dass mir nichts einfällt, was ich hier schreiben könnte. Diese Sorge ist am Anfang wahrscheinlich sogar berechtigt, schließlich weiß man ja nicht, was ankommt. Aber im Laufe der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, welche Themen und Geschichten für das eigene Blog geeignet sind. Hinzu kommt: Themen werden in Sekundenbruchteilen auf ihre Blogrelevanz abgeklopft und, so das Urteil positiv ausfällt, sofort irgendwo abgespeichert. Dieser Vorrat ist bei mir im Laufe der Zeit ziemlich angewachsen und auch wenn ich ab sofort nichts mehr im Internet lesen würde, könnte ich alleine mit den abgespeicherten Seiten noch eine ganze Weile durchhalten.

Beim Punkt Promotion würde ich gerne noch eine Ergänzung vornehmen. Natürlich ist es wichtig, dass man via Twitter und Facebook, aber auch per Email auf das eigene Blog hinweist. Mindestens ebenso wichtig ist es aber, auf anderen Blogs zu kommentieren. Sie werden dadurch nicht nur als Marktschreier, der das eigene Blog bewirbt, wahrgenommen, sondern zeigen, dass Sie einerseits am Dialog interessiert sind und andererseits auch inhaltlich kompetent sind.

Zum Thema Community Management kann man natürlich ganze Bücher und Blogs füllen, aber als Einstieg in das Thema Bloggen reicht es anfangs sicherlich, wenn man sich vor allem auf die Kommentare konzentriert und sich im Vorfeld überlegt, wie und vor allem wann man darauf reagiert. Ich persönlich finde es immer etwas enttäuschend, wenn ich mir die Mühe mache, auf einen Beitrag zu reagieren und dann die Rückmeldung ausbleibt.

Kommentare können darüber hinaus auch ein Indikator sein, was den Erfolg des Blogs angeht. Ob es die Anzahl oder die Inhalte sind, hängt davon ab, welche Ziele sich die BlogbetreiberInnen gesetzt haben. Wichtig ist, dass man sauber zwischen den quantitativen und qualitativen Indikatoren unterscheidet.

Bleibt noch der letzte Punkt, die Frage, wie man als ZuhörerIn agiert? Wie reagieren die UserInnen auf Ihre Beiträge, wie nimmt man Sie als Institution wahr? Ein in meinen Augen wichtiger Punkt, der häufig außer Acht gelassen wird. Dabei erfährt man auf diese Weise wunderbar, wie man selbst bzw. die Institution gesehen wird, ohne eine große Umfrage durchführen zu müssen.

Aber, um noch einmal an den Ausgangspunkt zurückzukehren: ohne konkretes Ziel machen alle diese Punkte keinen Sinn.

15 Comments Join the Conversation

  1. Das ist natürlich sehr strategisch gedacht. Ich glaube aber, dass ein strategische geplanter Blog kein echtes Leben versprühen kann. Ich glaube eher, die Reihenfolge sollte anders herum sein: erst kommt die Leidenschaft, dann die Strategie.
    Auf Kulturinstitutionen bezogen ist das natürlich ein Problem: das ist schwer planbar. Im Grunde müssten die Kulturinstitutionen eine Stelle einrichten und ausschreiben: „Gute(r) Blogger(in) mit kunsthistischer Ausbildung gesucht“. Aber für eine solche Stelle ist natürlich kein Budget da. Und es irgendjemandem in die Schuhe zu schieben, wird auch scheitern.

    Irgendwie musst ich beim Lesen an einen alten Artikel von mir denken: die Blogger-Bibel: http://www.tagseoblog.de/blogger-bibel-tipps-blog-gute-leser (Ist zum Teil schon überholt, aber ich les es trotzdem immer wieder gerne😉 )
    Gruß, Martin

    Gefällt mir

    Antworten

  2. @Mißfeldt: Martin, nachdem ich Leute kenne, die ohne Leidenschaft, aber durchaus strategisch begonnen und erst mit dem Erfolg eine Leidenschaft dafür entwickelt haben, kann ich die Reihenfolge Leidenschaft – Strategie so nicht unterschreiben.

    Ich würde auch nicht unbedingt von Leidenschaft sprechen, sondern eher von Authentizität. Aber Du hast natürlich Recht, leidenschaftlich zu bloggen, erleichtert die Sache erheblich. Wobei es dabei dann durchaus einen Nachteil gibt: Leidenschaft heißt in der Regel, verhältnismäßig viel Zeit in die Sache zu investieren und das kann ein Nachteil sein, so dadurch andere Dinge zu kurz kommen.

    Am Ende bloggt man voller Leidenschaft und durchaus erfolgreich und muss das Blog dann doch zumachen, weil man sich zuviel zugemutet hat.

    Deine Blogtipps gefallen mir übrigens sehr gut, nur an die Regel mit den kurzen Sätzen mag ich mich nicht (immer) halten.🙂

    Gefällt mir

    Antworten

  3. Hehe, ja die „Kurze-Sätze-Regel“ ist hart😉
    Zur „Leidenschaft“: Na, wenn Du Beispiele kennst, will ich das gerne glauben. Ich habe bisher immer eher beobachtet, dass die kleinen Blogs an der ersten Krise scheitern, wenn sie nicht mit „Herzblut“ aus „innerer Überzeugung“ dabei sind.
    „Authentizität“ ist auch spannend in diesem Zusammenhang. Ich würde ja denken, dass man ohne Leidenschaft gar nicht authentisch sein kann. Strategie hin oder her…
    Das mit der Zeit, vor allem die, die man mental investiert, stimmt natürlich. Aber ist es nicht genau das, was den Unterschied macht?
    Aber genau diese Begriffe: „Leidenschaft“, „Authentizität“, „Herzblut“ oder „innere Überzeugung“ sind vermutlich das Problem für Kulturinstitutionen-Blogs.

    Gefällt mir

    Antworten

  4. @Mißfeldt: in Wikipedia wird die Leidenschaft beschrieben als „eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion“. Das ist mir einfach zu viel des Guten. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es Spaß machen muss?

    Aber irgendwie gefallen mir Spaß oder wie Du geschrieben hast, Leidenschaft nicht als Gegenpol zum Begriff der Strategie. Ich blogge gerne, es macht mir riesig Spaß, aber ich habe auch eine Strategie, sprich, ich blogge nicht einfach so ins Blaue hinein.

    Deine Beobachtung dessen, was mit kleinen Blogs passiert, teile ich. Aber während diese kleinen Blogs meist privat betrieben werden und es dadurch nachvollziehbar ist, wenn jemand den Spaß daran verliert und auffhört, geht das im Blog einer Kultureinrichtung nicht so einfach. Unter Umständen wird man dafür bezahlt, was bedeutet, dass auch die Motivation anders als bei privaten Bloggern ist. Sollte man das nicht berücksichtigen?

    Gefällt mir

    Antworten

  5. Spaß finde ich keine echte Alternative für „Leidenschaft“. Wobei mich bei der Wikipedia-Beschreibung das „völlig“ stört. Das kann man nach meiner Definition streichen. Denn die Frage ist ja: was passiert, wenn der Spaß mal nicht da ist?

    Wir sind uns einig, dass das, was „kleine“ bzw „private“ Blogs antreibt, von Institutionen (in aller Regel) nicht geleistet werden kann. (btw: das kann man auch als Qualität begreifen, fällt mir gerade auf).

    Kurzum: Ja stimmt: dann bleibt nur eine „gute Strategie“, möglichst auf eine definierte Zielgruppe abgestimmt. Ich glaube, ich verstehe jetzt erst, worauf dieser Artikel hinausläuft (ich sollte gründlicher lesen und nachdenken😉 ).

    Gefällt mir

    Antworten

  6. Meiner Meinung nach muss Leidenschaft teil der Strategie sein. Ich denke jeder von uns kennt gut gemeinte, strategisch geplante Marketingeinsätze von Blogs oder auch Seiten auf Facebook etc. In der Musik findet man hier sehr schöne Beispiele, wo Künstlerblogs von Labels oder Managements „verwaltet“ werden. Man merkt sofort, daß hier niemals der Künstler selbst geschrieben hat. Fans sind hier sehr sensibel, und solche Unglaubwürdigkeit fällt ganz schnell auf den Künstler zurück. Ein gefährliches Spiel.
    Deswegen ist mir der Punkt der Kredibilität sehr wichtig. Wobei Kredibilität für mich sehr viel mit Leidenschaft zu tun hat. Wobei mir die Wikepedia-Definition genau so wenig zusagt wie Mißfeldt. Ich kann leidenschaftlich sein, und mein Tun dennoch noch rational steuern. Die Kunst liegt darin, mir bewußt in der Planung der Strategie die Räume zu geben, innerhalb derer ich dann meine Leidenschaft ausleben kann.
    Aber ich sehe hier keinen Widerspruch für Kulturinstitutionen sehe. Es gibt doch durchaus auch hier Personen, die die Leidenschaft teilen. Die Frage ist, ob sie innerhalb ihres Betätigungfeld auch wirklich kredibel, sprich authentisch agieren können, ob ihnen der Freiraum zugebilligt wird.

    Denn Glaubwürdigkeit kann sehr leicht zum Widerspruch einer Strategie werden. Wenn Strategie blutleer und ohne wirkliches Engagement bleibt, ist sie eher schädlich als nützlich.
    Beispiele hierzu in der Musik kenne ich zu Hauf.

    Gefällt mir

    Antworten

  7. @Michael: ich glaube, Kulturinstitutionen haben ein Problem mit der „emotionalen Kompetenz“ (Phatasiewort😉.
    Soll heißen: selbst wenn man im Museum engagierte, leidenschaftliche, authentische Leute hätte – aber kann diese Person quasi „als personifizierte Institution“ bloggen? Wer autorisiert diese Person, die Institution zu personifizieren?

    Ich kenne mich jetzt nicht so gut aus – Christian, du weißt das vielleicht besser: die Institutionen, die einen Blog betreiben, sind doch meist eher klein und haben flache Hierarchien, oder?

    Gefällt mir

    Antworten

    • @Mißfeldt
      Okay, aber auch hier hat die Musikindustrie ein paar features entwickelt, die vielleicht abgewandelt als Lösungsansatz herhalten könnten. Und zwar die Form von Fanbases, die manchmal direkt den Labels und den Künstlerunits dort unterstellt sind, aber dennoch im angemessenen Ton mit den jeweiligen Fangruppen kommunizieren.
      Sotewas wäre ja auch für Kulturinstitutionen denkbar

      Gefällt mir

      Antworten

  8. @Mißfeldt: ein interessanter Punkt, den Du da ansprichst. Emotionale Kompetenz, das trifft es, denke ich, ganz gut. Gefühlsmäßig würde ich auch zu der Behauptung tendieren, dass die bei kleinen Kulturbetrieben anzutreffen ist. Aber warum ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass große Kulturbetriebe arbeitsteiliger funktionieren und daher die emotionale Nähe zum „Produkt“ nicht so gegeben ist?

    Gefällt mir

    Antworten

  9. @Christian: glaube ich nicht. Ich denke eher: je größer ein Laden wird, um so mehr wird „emotionale Nähe“ zum potentiellen Risiko. Die Öffentlichkeitsabteilungen sind scheu wie Rehe: besser nichts als etwas falsch machen. Seien wir mal ehrlich: im Social-web kann man auch ganz schön viel falsch machen. Und allzu leicht kann sich ein gut gemeinter Beitrag ins Gegenteil wandeln. Und eine virale Welle ist schwer zu stoppen. Und je größer die Institution, um so mehr „potentielle“ Feinde und Ausbeuter, die wie die Geier auf Ausrutscher warten, weil sie davon zu profitieren gelernt haben.

    Beispiel: nehmen wir an, du entdeckst bei einem kleinen Lokalmuseum einen Artikel, der politisch unkorrekte Formulierungen enthält. Dann bloggst Du darüber, aber es wird nicht viel passieren. Kleines Krepelmuseum, so what?
    Nun entdeckst Du den gleichen Artikel bei der Staatsmuseum der schönen Kunst, dessen Direktor schon den einen oder anderen Bock geschossen hat und ein persönlicher Freund der Kanzlerin ist (alles fiktiv). Wenn Du darüber bloggst, kannst Du ggf. eine Lawine lostreten.
    Je größer die Institution, um so größer die Gefahr, die in einem „authentischen, lebendigem“ Blog liegt.

    Gefällt mir

    Antworten

    • Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. In Zeiten regressiver Finanzen ist die Angst vor Fehlern größer, als der Wille neues zu bewegen.
      Obwohl gerade in solchen Zeiten neue Wege gegangen werden müssten, ist die Angst vor denen, die am Stuhl sägen grösser.

      Gefällt mir

      Antworten

  10. Hallo Martin,
    ich kann Deine Gedanken und Ausführungen zu dem Zusammenhang “ …. je größer der Laden wird, umso mehr wird „emotionale Nähe“ zum potentialen Risiko.“ nicht bestätigen. Ich kann dieses zwar nicht im Bereich Kultureinrichtungen belegen, aber im Bereich der Banken und Versicherungen schon. Denn hier ist ganz klar zu erkennen, nicht die Größe ist es, sondern es kommt darauf an, wie ist der Spirit der Firma als Organisation. Verlangt das Management ein Wirken im Social Net, gibt es Freiraum trotz einer hierarchischen Führung, gibt es eine klare Rollen- und Rechtebeschreibung, ….
    Bespiele sind die Allianz, die SEB, die Deutsche Bank die aktiv im Social Net sind. Im Gegensatz z.B. zu anderen kleineren Unternehmen. Auch die Postbank beginnt sich auszuprobieren. Klar ist es ein Unterschied zu Smava. Es ist mehr Spirit, Willen und Unternehmensorganisation ausschlaggebend. Ich würde dieses eins zu eins auf jede andere Branche übertragen.

    Beste Grüße – FRank

    Gefällt mir

    Antworten

  11. Interessant, Frank bringt nun noch den Begriff Spirit ins Spiel. Jetzt haben wir also Leidenschaft, Emotion und Spirit. Leidenschaft und Emotion ordne ich Individuen zu, den Spirit dem Unternehmen. Das heißt, ein Unternehmen muss den richtigen Spirit haben, damit sich Leidenschaft und Emotion auf der individuellen Ebene entfalten können und letzten Endes dazu beitragen, dass die Social Media-Aktivitäten des Unternehmens authentisch rüberkommen.

    Der richtige Spirit hängt nicht unbedingt von der Größe des Unternehmens ab, das glaube ich auch. Aber ich vermute, dass es in größeren Strukturen schwieriger ist, den Spirit oder die dahinter stehende Unternehmenskultur zu verändern, weil mehr Menschen in die Veränderungsprozesse eingebunden werden müssen und das die ganze Sache schwieriger macht bzw. leichter zum Scheitern des Veränderungsprozesses führen kann.

    Interessant ist, dass Frank hier von Freiräumen „trotz einer hierarchischen Führung“ spricht, die Frage wäre jetzt, wer diese Freiräume schaffen kann und wie man das anstellt?

    Gefällt mir

    Antworten

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s