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Audience+: Museum und Web 2.0

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Zwar nimmt man sich ja immer vor, von Städten nicht nur Flughafen, Bahnhof, Hotel und Konferenzsääle kennen zu lernen, so man beruflich unterwegs ist. Aber ich zumindest schaffe das dann häufig leider doch nicht. So auch in Luzern, wo ich die beiden letzten Tage verbracht habe. Das Foto zeigt, dass die Rahmenbedingungen optimal gewesen wären, um sich Stadt und Umgebung anzusehen. So aber ist das Foto nur aus dem Hotelzimmer heraus entstanden und zeigt den Hausberg, den Pilatus, auf den, wie es auf Wikipedia heißt, „die steilste Zahnradbahn der Welt“ führt. Aber vielleicht klappt es ja dann beim nächsten Mal.

Und das nächste Mal wird es schon sehr bald im Mai geben, denn das Team der stARtconference ist Partner des Projekts Audience+, das von der Hochschule Luzern Design & Kunst geleitet und von der Förderagentur für Innovation in der Schweiz KTI gefördert wird. Im Rahmen dieses von Axel Vogelsang und Bettina Minder initiierten Forschungsvorhabens geht es um die Frage, in welcher Form Museen das Web 2.0 für sich nutzen können?

„Partizipative Medien bieten durch die Einbeziehung neuer Zielgruppen, Kanäle und Anwendungen ein grosses, noch kaum genutztes Innovationspotential für die Museen und den gesamten Kultursektor. Audience+ untersucht anhand von konkreten Szenarien Einsatzgebiete in den unterschiedlichen Bereichen der Museumsarbeit. Bestehende Web 2.0-Konzepte aus dem Kultursektor werden in Workshops ausgewertet und für den Einsatz in der Vermittlung, der Kommunikation, der Kuration oder Sammlung für die unterschiedlichen Museumskontexten geprüft. Die daraus resultierende Systematik bildet die Grundlage für eine Standortbestimmung sowie die Entwicklung von institutionsspezifischen aber auch übergreifenden Strategien, die der gesamten Museumslandschaft der Schweiz zugute kommen sollen“,

heißt es in der Projektbeschreibung (siehe dazu das Blogpost bei Frank Tentler). Wir stehen also vor der großen Frage, ob es gelingen kann, einen strukturierten Zugang zum Thema Social Web zu entwickeln? Oder, um es anders zu formulieren, ob es so etwas wie eine Systematik geben kann, wenn es darum geht, sich dem Thema zu nähern?

So systematisch man dabei auch vorgehen will, es tauchen in diesem Zusammenhang Probleme auf, an die man im Vorfeld meist gar nicht denkt. Eines davon, nämlich die Tatsache, dass es manchen Museen gar nicht möglich ist, Facebook zu nutzen, weil man ihnen den Zugang sperrt, beschreibt Axel Vogelsang im aktuellen Beitrag des Audience+-Blogs. Das zeigt, als was social networks teilweise noch verstanden werden ( und es teilweise auch sind), nämlich als Spielplatz für private Freizeitaktivitäten. Ich sehe es daher auch als eine Aufgabe an, den Wert solcher Netzwerke für den Kunst- und Kulturbereich darzustellen, denn ich behaupte mal, dass die Frage, ob MitarbeiterInnen Facebook während der Arbeitszeit nutzen sollen, nicht nur dieses eine Museum betrifft.

Eine ganz praktische Frage  taucht immer dann auf, wenn es darum geht, verschiedene Tools auszuprobieren. In der Regel muss man sich auf den jeweiligen Seiten registrieren und, kurz gesagt, seinen Namen und eine Emailadresse angeben (Facebook & Co sind da etwas neugieriger). Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob man z.B. bei den Social Bookmarking-Diensten, seinen richtigen Namen angibt oder mit Pseudonymen arbeitet, dank derer man unerkannt bleibt?

Nutzt man solche Tools im beruflichen Umfeld, so macht es, denke ich, Sinn, sich mit dem richtigen Namen anzumelden und eine Verbindung herzustellen zu der Organisation, für die man tätig ist. Auf diese Weise schafft man sich (und der Organisation) eine Präsenz im Social Web, durch die man an den verschiedensten Stellen in diesem Kommunikationsraum gefunden werden kann. Und das will man ja auch. Was man aber immer haben sollte: neben der offiziellen Büromailadresse noch eine weitere, über die man sich bei den diversen Tools registrieren und sich für diverse Newsletter anmelden kann.

Nichts spricht in meinen Augen dagegen, dass man sich zu Übungszwecken erst einmal einen Testaccount zulegt, mit dem man im Schutz der Anonymität ausprobieren kann, wie die Sache funktioniert und ob es überhaupt das richtige Tool ist? Eine Gefahr sehe ich dabei. Es ist nicht so einfach, den Zeitpunkt zu erwischen, an dem man dann seinen Testaccount aufgibt und einen „richtigen“ Account einrichtet. Es kann passieren, dass man dann seinen Testaccount so mit Leben gefüllt hat, dass man gar nicht mehr wechseln möchte. Passiert das öfters, hat man nach einer gewissen Zeit ein Sammelsurium anonymer Accounts.

Einen dritten Punkt möchte ich herausgreifen: es ist beeindruckend, wie leicht es mittlerweile ist, einen funktionierenden Stream einzurichten und live von Veranstaltungen zu berichten. Und das mit iPhone und WLAN. Zwar ist die Qualität noch nicht optimal, aber ich denke, hier hat eine Entwicklung begonnen, die auch für Kulturbetriebe interessant ist, gibt es doch eine Vielzahl von Veranstaltungen, die von toller Qualität sind, aber ihr Publikum nicht finden, weil z.B. die Distanzen zu groß sind. Livestreams sind da eine interessante Alternative. Danke an Frank Tentler, der da ein unermüdlicher Antreiber ist, um solche Dinge auszuprobieren und die Streams des Workshops über das stARTlive-Blog (wo man die Aufzeichnung abrufen kann) verbreitet hat.

Danke auch an Axel Vogelsang, Bettina Minder und das gesamte Team der Hochschule, das dieses Projekt toll vorbereitet hat und dafür sorgt, dass auch die Umsetzung perfekt klappt. Und was Frank Tentler in seinem Bericht über diesen Workshop schreibt, gilt auch für mich:

„Ich habe nicht nur neue Erfahrungen in der Organisation und Didaktik von Workshops gewonnen, sondern auch neue Impulse für meine eigenen Vorträge bekommen. Zudem werde ich noch ein grösseres Augenmerk auf eine didaktische Struktur meiner Vorträge legen. Unterhaltungswert ist gut, aber von den Luzernern habe ich in der Vortragskritik noch einiges lernen können.“

In diesem Sinne freue ich mich auf den nächsten Workshop und hoffe wie Frank Tentler, dass es solche Angebote bald auch an anderer Stelle geben wird. Wir arbeiten daran.😉

4 Comments Join the Conversation

  1. Pingback: Museen und das partizipative Web: Audience+ als gemeinsames Projekt der Hochschule Luzern und der stARTconference | stART Conference 2010 |

  2. Bin erst heute in Ihr Blog gestolpert und habe gleich hier, im ersten gelesenen Artikel eine Menge Denkanstöße gefunden.

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