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Blogs: „keine Zeit und Lust zu solchen Speränzchen“

9 Kommentare

Bloggende Museen gibt es noch wenig, vor allem im deutschsprachigen Raum. Deshalb hat sich Klaus Graf auf Archivalia auf die Suche nach ihnen gemacht, die Ausbeute finden Sie in den Kommentaren. Jörn Bochert hat auf Kulturelle Welten das Thema aufgegriffen und schreibt in seinem Blogpost:

„Dabei fiel mir auf, dass ich mir nicht sicher bin, ob die betreffenden Museen wirklich verstanden haben, was Blogs sind und was sie leisten können. Sofern ich das richtig verstanden habe, gehört zum Wesen eines Blogs, neben der Ähnlichkeit zum Tagebuch, auch die Kommunikation mit anderen. Per Links in Artikeln, per Blogroll, per Kommentaren etc. Schaue ich mir die existierenden Blogs an, dann bekomme ich ab und an den Eindruck, dass sie sich zu sehr auf sich selbst konzentrieren, statt Türen zu anderen Quellen und Personen aufzumachen.“

Als Entgegnung hieß es in einem Kommentar:

„… vielleicht liegt es einfach daran, dass in den meisten kleinen und mittleren Museen die durch den zum Event aufgeblähten Arbeitalltag keine Zeit und Lust zu solchen Speränzchen haben?“

Mag sein, dass sich bei Jörn Bocherts Kritik manches Museum bzw. die MitarbeiterInnen angegriffen fühlen. In der Sache hat er aber Recht. Verglichen mit dem, was man beispielsweise in amerikanischen Museumsblogs lesen kann, hinkt der deutschsprachige Raum um etliche Jahre hinterher.

Für die im Kommentar geäußerte Begründung, es fehle an Zeit, habe ich aber kein Verständnis. Johannes Reiss, der eines der interessantesten Museumsblogs im deutschsprachigen Raum betreibt, hat vor einiger Zeit in einem Kommentar gemeint, dass er fehlende Zeit- bzw. Personalressourcen als Begründung für nicht vorhandene Social Media-Aktivitäten nicht akzeptiert. Ich sehe das auch so. Ich denke, es gibt im gesamten deutschsprachigen Raum kein Museum, in dem die MitarbeiterInnen Däumchen drehen und in ihrer Langeweile auf die Idee kommen, ein Blog zu starten.

Ob Sie zu bloggen oder zu twittern beginnen, hängt ganz sicher nicht davon ab, ob Sie Zeit haben oder nicht. Ihre Entscheidung wird davon abhängen, ob Sie dem Social Web Bedeutung beimessen oder nicht, also von den Prioritäten. Wir alle haben in der Regel mehr zu tun als wir in den 24 Stunden eines Tages unterbringen können. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es durchaus sein kann, dass Sie keine Lust haben, sich mit dem Thema Social Media zu beschäftigen, weil Sie der Meinung sind, dass das nichts bringt. Damit kann ich gut leben, schließlich gibt es keine Verpflichtung, online zu kommunizieren. Und es gibt auch Museen, die ohne das Social Web äußerst erfolgreich sind. Nur bitte: lassen wir das mit der fehlenden Zeit.

9 Comments Join the Conversation

  1. Lieber Christian,
    wieder einmal ganz herzlichen Dank für die Blumen🙂
    „Ihre Entscheidung wird davon abhängen, ob Sie dem Social Web Bedeutung beimessen oder nicht, also von den Prioritäten.“ Ja, punktgenau!

    Die zitierten Zeitargumente haben oft ihre Wurzeln im fehlenden Verständnis für Social Web (im weitesten Sinn), denke ich. Wenn man Social Web engstirning (oder halbinformiert) nur mit „Marketing“, „Presse“ usw. gleichsetzt, sind die Zeitargumente natürlich fast zu erwarten. Social Web ist aber eben sehr viel mehr.
    Aber kennen wir derlei Argumentationsphänomene nicht auch aus manch anderen Bereichen unseres täglichen Lebens? Zeit fehlt uns doch immer für jene Dinge, denen wir nicht so wirkliche Bedeutung beimessen😉

    Schönen Abend noch, Johannes

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  2. Kurz und bündig: Liebe Museen in Deutschland. Fangt an zu bloggen!!! Der Schritt ins Web 2.0 mit diesem Basic lohnt sich! Für die Kommunikation, P&R, neue Zielgruppen und vieles mehr. Die Besucher werden es einem danken, denn wer möchte nicht gerne einen Blick hinter die Kulissen bekommen, der mit einem Blog optimal verschafft werden können.

    Ich hoffe an diese Stelle sei „Werbung“ gestattet🙂

    http://neanderthal.posterous.com/ der Blog des Neanderthal Museum, seit kann 2 Wochen online

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  3. @Sebastian: ich denke auch, dass es sich für Museen lohnt zu bloggen. Ob sich das für jedes Museum sagen lässt, sei mal dahingestellt. Das kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber: wenn ich etwas Neues beginne (und das wäre das Bloggen in diesem Fall), dann bedeutet das Veränderung. Dafür bedarf es zweier Voraussetzungen. Ich muss über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen, um die Veränderung zu bewerkstelligen (egal ob die Fähigkeiten intern oder extern vorhanden sind). Und ich muss die Veränderung wollen. Sind beide Voraussetzungen gegeben, dann muss ich überlegen, welchen Stellenwert die Veränderung hat. Steht sie ganz oben, bekommt sie ein eher großes Zeitbudget, ansonsten sind es halt nur ein paar Stunden. Nur keine Zeit zu haben, das kann es unter dieser Voraussetzung eigentlich nicht geben.

    Ansonsten: für gute Museumsblogs kann man gar nicht genug werben.😉

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  4. Ein ähnlich schlagkräftiges Argument ist, „ich lese selber keine Blogs“ oder „ich habe noch nie getwittert- und finde es auch doof“. Diese Innensicht interessiert den Markt da draussen sicherlich sehr…

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  5. @Birgit: Interessant wäre, was sich das Naturkundemuseum in Kassel von diesem Blog erwartet? Eigentlich ist das ja nur technisch gesehen ein Blog. Alle anderen Elemente fehlen, vor allem die Verlinkung. Hätte man sich dabei etwas mehr bemüht, hätte man wahrscheinlich schon etwas mehr als die 5.500 User begrüßen dürfen.

    Kommentarfunktion habe ich auch keine entdeckt, aber dafür kann man die Kommentare per RSS abonnieren.

    Ehrlich gesagt gefällt mir Dein Blog da wesentlich besser.🙂

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  6. Das mit den Prioritäten stimmt. Wenn aber die Entscheider einer Institution sich nicht ernsthaft mit Social Media auseinandersetzen, sondern nur entscheiden, dass man das mal ausprobieren sollte, findet sich der beauftragte (und bedauernswerte) Pressereferent durchaus in „Zeitnot“. Prioritäten verlagern ist zwar naheliegend, doch im Büroalltag schwer um-, bzw. durchsetzbar. Ich bin aber schon der Meinung, dass bestimmte althergebrachten Marketingmaßnahmen verzichtbar werden, wenn Social Media einen sinnvollen Einsatz findet.

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