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Nina Simon: „A Revised Theory of Social Participation“

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Partys können höchst unterschiedlich verlaufen. Auf manchen steht man herum und langweilt sich, auf anderen hingegen kommt man schnell mteinander ins Gespräch. Abgesehen von der eigenen Befindlichkeit und dem Willen, überhaupt mit „fremden“ Menschen ins Gespräch zu kommen, hängt das auch ganz stark vom Gastgeber ab, schreibt Nina Simon in ihrem Blogbeitrag „A Revised Theory of Social Participation via ‚Me-to-We‘ Design„:

„There are some parties where hosts go out of their way to welcome guests individually and to introduce them to others via shared interests (…). At the best parties, each guest feels like his contributions to the conversation are desired, and everyone feels complicit in creating a wonderful social experience.“

Und dann gibt es die Partys, auf denen man reinkommt, niemand begrüßt einen und man kommt sich eigentlich recht verloren vor. Natürlich möchten auch Kulturbetriebe gute Gastgeber sein, denn wer sich dort wohlführt, kommt gerne ein weiteres Mal, so das Kalkül. Adam Thurman hat vor gut zwei Jahren in seinem Beitrag „Art as the hub“ gemeint, dass es den Menschen nicht darum gehe, sich mit der Kunst zu verbinden, sondern untereinander. Das heißt, es geht nicht nur darum, dass der Kulturbetrieb bilaterale Kontakte aufbaut, sondern im Idealfall einen Rahmen schafft, in dem die Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Was aber müssen Kulturbetriebe tun, damit ihnen so etwas gelingt? Nina Simon hat dafür ein interessantes Modell entwickelt:

Die fünf Stufen beschreibt sie dabei so:

  1. „Stage one provides people with access to the content that they seek.
  2. Stage two provides an opportunity for inquiry and for visitors to take action and ask questions.
  3. Stage three lets people see where their interests and actions fit in the wider community of visitors to the institution.
  4. Stage four helps visitors connect with particular people—staff members and other visitors—who share their content and activity interests.
  5. Stage five makes the entire institution feel like a social place, full of potentially interesting, challenging, enriching encounters with other people.“

Simon unterscheidet dabei zwischen einer Community, z.B. einem Freundeskreis und einem eher zufälligen Aufeinandertreffen von Menschen, wie eben bei einer Party oder zum Beispiel einer Ausstellung. Gerade dort ist es ihrer Meinung nach besonders schwierig, dass die Menschen miteinander kommunizieren bzw. interagieren. Wie so etwas funktionieren kann, zeigt sie anhand der Ausstellung „Heroes“ des Walters Art Museum.

Das heißt, die Austellungsbesucher wurden eingeladen, sich mittels eines Kärtchens einer der mythologischen Figuren zuzuordnen. Einerseits erhielten sie auf diese Weise eine auf die jeweilige Figur abgestimmte Führung, andererseits sollten diese Kärtchen dazu dienen, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Herausforderung besteht darin, Interaktionsmöglichkeiten zwischen Ausstellung und BesucherInnen zu schaffen, die dann  den Aufhänger für Kommunikation bzw. Interaktion untereinander bilden. Wichtig scheint mir dabei die Feststellung Simons zu sein, dass es um die  Entwicklung von Angeboten geht, die nicht an die Masse der BesucherInnen gerichtet sind, sondern an die Einzelpersonen. Und erst darauf baut dann das mögliche Miteinander auf. Oder um es mit den Worten Simons auszudrücken:

„You make them comfortable interacting on their own, and then start providing opportunities to connect with others.“

Wer hier die Holzhammermethode anwendet und die BesucherInnen gleichsam verpflichtet, etwas miteinander zu tun, wird wahrscheinlich damit Schiffbruch erleiden. Vor Augen halten muss man sich, dass es sich hierbei um ein Angebot handelt. Sie werden aus eigener Erfahrung wissen, dass man nicht immer Lust hat, darauf einzugehen.

Ich denke, dieses Modell ist eine gute Vorlage, um eine entsprechende Strategie für die eigenen Aktivitäten zu entwickeln. Ob es Ihnen um eine Ausstellung, ein Forum oder einfach ein Weblog geht, Sie müssen die entsprechenden Stufen mitdenken. Das heißt aber nicht, dass auch die BesucherInnen dieses Stufenmodell durchlaufen müssen. Theoretisch kann ich als BesucherIn direkt von Stufe eins auf Stufe fünf springen. Insofern ist die grafische Darstellung statischer als es das Modell eigentlich ist. In einem der Kommentare kam der Vorschlag auf, statt des Stufenmodells die Kreisform zu wählen, was der Sache aber meiner Meinung auch nicht näher kommt. Für mich passt hier eigentlich der Community of Practice-Ansatz, den ich im Beitrag „Warum betreiben wir Networking“ beschrieben habe.  Nur habe ich noch keine Lösung gefunden, wie man beide Systeme in einer Grafik verbinden kann, vielleicht haben Sie ja eine Idee?

Warum diese Verbindung? Sicher ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass jemand mit Ihnen die Kommunikation forciert und sich dann wieder „zurückzieht“. Auf Blogs kann man das im Kommentarbereich sehr schön erleben. Jemand kommentiert regelmäßig und lässt es dann plötzlich bleiben, aus welchen Gründen auch immer. Das führt dazu, dass eventuell zu einem bestimmten Zeitpunkt niemand auf Ihr Angebot einsteigt, egal ob es um das Kommentieren eines Blogposts, den Diskussionsbeitrag in einem Forum oder um die Kommunikation im Rahmen einer Ausstellung geht. Das heißt aber nicht unbedingt, dass Ihr Angebot schlecht ist, vorausgesetzt, Sie haben sich dabei etwas gedacht. Und genau dafür scheint mir das Modell von Nina Simon bestens geeignet.

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