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Kulturmarketing: mit künstlerischer Qualität werben?

28 Kommentare

Adam Thurman schlägt auf seinem The Mission Paradox Blog ein interessantes Experiment vor: holen Sie sich ein Blatt Papier und listen Sie die Top-Ten-Events aus dem Kunst- und Kulturbereich auf, die Sie im gerade zu Ende gehenden Jahr erlebt haben. Ob Theater, Ausstellung oder Konzert spielt keine Rolle. Das Bewertungskriterium ist die künstlerische Qualität, wie auch immer Sie die definieren.

Wahrscheinlich werde es Ihnen leicht fallen, nicht nur Ihr Highlight des Jahres, sondern auch die größte Enttäuschung zu bestimmen, vermutet Thurman. Auch die Plätze 2 und 9 seien noch zu schaffen. Dann aber, so Thurman, werde es schwierig. Zwischen Platz 3 und Platz 8 gebe es wohl keine großen Unterschiede hinsichtlich der Qualität. Deshalb könnten wir auch leicht die Plätze im Ranking vertauschen, ohne dass es groß auffallen würde.

Das bedeutet, wir haben zwei Extreme, die wir eindeutig identifizieren können, und eine „graue Mitte“, wie es Thurman nennt.

Wenn es aber schon uns als ExpertInnen so schwer fällt, die künstlerische Qualität zu bewerten, wie soll das unser Publikum schaffen, das wir mit dem Hinweis auf die künstlerische Qualität ködern wollen? Dieser Begriff verkomme zur sinnlosen Phrase, mit denen die meisten nichts anfangen können, fährt Thurman  fort. Zwar würden wir durch z.B. Freunde oder Kontakte erfahren, was wir unbedingt sehen müssten und was nicht. Aber der Rest?

„That’s why things like community building, strong customer service, providing useful content (and context) to people, are so important“,

ist Thurman überzeugt und sieht darin die einzige Möglichkeit, sich aus dieser „grauen Masse“ hervorzuheben. Der Vorteil: es liegt in unserer Hand, uns von den anderen abzuheben. Was tun Sie, um sich von den anderen Kultureinrichtungen zu unterscheiden? Wie sieht Ihr Kulturmarketing aus? Setzen Sie auch ausschließlich auf die künstlerische Qualität, um sich aus der grauen Menge hervorzuheben?

28 Comments Join the Conversation

  1. Das Problem liegt aus meiner Sicht darin, dass sich künstlerische Qualität gar nicht objektiv bewerten lässt. So manche zeitgenössische Komposition hat für mich keinen erkennbaren künstlerischen Wert, auch wenn andere diese in den Himmel loben. Umgekehrt geht es vermutlich einem Klassik-Freak, der sich Led Zeppelin anhören muss. Der Geschmack hängt letztlich davon ab, wie man sozialisiert wurde, aus welchem Umfeld man kommt.

    Von daher ist Community Building sicher der richtige Weg. Vorausgesetzt, man gibt sich als Kultureinrichtung ein klares Profil und weiß in etwa, welche Communities man ansprechen will.

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  2. @Hagen Kohn: deshalb sind die Verweise darauf, wie toll das eigene Angebot ist, eigentlich wenig zielführend. Wann gehen wir denn z.B. zu einer Ausstellungseröffnung? Wenn uns jemand schreibt, dass die Objekte so toll seien oder weil wir die KünstlerIn kennen? Das ist in meinen Augen schon ein interessanter Hinweis darauf, wie wir ticken.

    Glaubst Du, dass man die Community schon im Vorfeld so genau definieren kann? Ich würde mir das nicht zutrauen.

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  3. Für mich kommt Community und künstlerische Qualität letztlich aufs gleiche raus. Was du, Hagen, beschreibst, bedeutet ja, dass Kunst eben nicht umstandslos „für alle da“ ist, auch wenn das immer gerne gesagt wird, sondern dass jede Sparte, jede Richtung, jedes künstlerische Genre seine Zielgruppe hat. Das ist dann aber eben genau auch die Community, die eine Einrichtung aktivieren kann. Darüber hinaus muss man glaube ich noch zwischen dem Fan und dem „Neukunden“ unterscheiden. Letzterer ist sicher nur schwer mit dem Argument der künstlerischen Qualität allein zu überzeugen. Für den Fan ist das aber ein kriegsentscheidendes Element. Wer einmal Feuer gefangen hat, besucht eine Einrichtung aber nicht mehr, weil sie gutes Marketing oder Communitymanagement macht, sondern weil er inhaltlich/ästhetisch Feuer gefangen hat. Gutes Marketing und Communitymanagement hilft dabei, dass er die Einrichtung noch öfters besucht. Aber die Grundsatzentscheidung wird dann doch an der künstlerischen Qualität festgemacht. (Was auch immer das dann im Einzelnen ist.)

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    • Das sehe ich ähnlich, wobei ich nicht einmal glaube, dass vom Publikum „Qualität“ transportiert wird. In den meisten Fällen sind es positive Geschmacksurteile, ist es Berührt-Werden oder „Das hat mir etwas gesagt“, was zur Mundpropaganda (eben auch in Communities) führt. Und da handelt es sich doch eher um Emotionen, oder?

      Für reine, echte Qualitätsurteile brauche ich ja auch eine gewisse Bildung, ein Wissen. Hat Publikum nicht immer und muss es auch nicht haben, um zu genießen.

      Und da sind wir beim Kernproblem: Kann man „Emotionen“ so einfach gezielt vermitteln?

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  4. @kulturblogger: das ist ein interessanter Aspekt, den Du da aufgreifst, Christian. Eine Community kann einerseits aus gemeinsamen inhaltlichen Interessen entstehen. Die Beschäftigung mit bestimmten Inhalten kann aber auch daher rühren, dass man Teil einer Community werden möchte. Das heißt ich muss eine Community so attraktiv gestalten, dass sie die Leute mit den Inhalten zu beschäftigen beginnen, die ihnen die Teilnahme an dieser Community ermöglichen.

    Dann wäre ein „Fan“ eventuell auch nicht aus inhaltlich/ästhetischen Gründen Fan, sondern aus ganz anderen Gründen. Hier sollten wir noch etwas weiterdenken, unter Umständen stoßen wir da auf ganz interessante Dinge.

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  5. „…Dieser Begriff verkomme zur sinnlosen Phrase, mit denen die meisten nichts anfangen können…“

    Dieses Zitat aus dem Text hat mich sehr nachdenklich und ratlos gemacht.

    Dient nicht die Qualität zur Bestimmung der Abstufung? Und wissen wir nicht, dass nur die wirklich Interessierten, sehen gelernt haben und damit Qualität bestimmen können?

    Ich denke, dass es bei vielen nicht um die Kunst an sich geht, sondern es ist einfach modern, zu bestimmten Künstlern, Theaterstücken und Filme zu gehen. So wie man Getränke konsumiert.

    Gruß Susanne

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  6. @Susanne Haun: Das tut sie, aber nur sehr eingeschränkt. Ich war beim Lesen von Thurmans Blogpost anfangs ziemlich skeptisch, habe dann aber einfach mal das getan, was er vorgeschlagen hat. Und wie von ihm prophezeit, fielen mir die Nummer 1 und 10 sofort ein, bei der 2 wurde es schon schwieriger und die weitere Reihung konnte ich nicht wirklich begründen.

    Das heißt ja nicht, dass hier keine Qualität mehr im Spiel ist, aber die Frage ist, ob sie sich als Werbeinstrument eignet? Ich denke, dass Du mit Deinem letzten Absatz sehr richtig liegst. Anders kann ich mir die Besucherzahlen mancher Ausstellungen nicht erklären.

    Die Frage ist jetzt aber, was das für das Marketing heißt? Wollen wir diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer kommen, bei unserer Ausstellung eigentlich gar nicht sehen, weil sie aus ganz profanen Gründen kommen? Und nicht wegen der Kunst?

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  7. Nein, Christian, wir wollen keine Besucher ausschließen.

    Ich mag bei Ausstellungen immer eine gesunde Besuchermischung. Gerne bringe ich Besuchern, die aus profanen Gründen gekommen sind, die Kunst näher und versuche die Flamme der Sammlerleidenschaft zu entzünden.;-)

    Für das Marketing heißt es wohl, das wir uns andere Gründe als „Qualität“ ausdenken müssen, weshalb die Besucher zur Ausstellung kommen sollen. Das ist natürlich sehr übel, denn ist unser höchtest Ziel nicht die Qualität und ständige Verbesserung unserer Arbeit? Vielleicht sollte man die Qualität anders betiteln, so dass der Sinn derselbe ist das Wort aber nicht benutzt wird.

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  8. @Susanne Haun: Dein höchstes Ziel wird auch weiterhin die Qualität sein, die Frage ist doch nur, ob Du damit wirbst, wenn Du weißt, wie schwer es ist, diese Qualität über die Marketingschiene zu vermitteln.

    Angenommen Du veranstaltest eine Ausstellung: statt auf die tollen Bilder hinzuweisen lockst Du die Leute mit dem Hinweis, dass man bei der Vernissage mit kunstinteressierten Leuten ins Gespräch kommen kann. Wie wäre das für Dich? Würdest Du das gegenüber Deiner Arbeit als „abwertend“ empfinden?

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  9. Nein, das ist nicht „abwertend“. Hauptsache ist, dass die Leute erst einmal kommen. Dann kamen sie immer noch überzeugen.
    Ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest,
    Gruß Susanne

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  10. Ich würde das Thema „Community“ gern an einen anderen Platz stellen wollen, weil es nur bedingt etwas mit „künstlerischer Qualität“ zu tun hat. „Community“ ist etwas, in dem sich der Kunstgenießende mit anderen Kunstgenießenden befindet. Damit steht der Kunstgenießende bereits im Wirtschaftsleben und nicht mehr in der Kunst allein. In einer „Community“ trägt der Kunstgenießende das Wirtschaftsleben in die Kunst hinein. Man verlässt auf diesem Wege aber schon den Bereich des Künstlerischen. Und auf diesen würd ich gern noch ein wenig eingehen.
    Allerdings ist Thurmans Experiment höchst interessant, gerade für die Kunst. Denn es ist ein wissenschaftliches Experiment, bei dem es im weitesten Sinne um Kunst geht. Das Ergebnis sollte eigentlich niemanden wundern. Wenn wir ehrlich sind, dann kennen wir schon das Ergebnis ohne dieses Experiment. Interessieren sollte es uns aber wie er auf dieses Ergebnis kommt.
    Es sollte uns eigentlich nicht wundern, daß Thurman auf das Ergebnis kommt, daß die Befragten nur ein abstrakten Begriff von „künstlerischer Qualität“ haben. Denn tatsächlich stellt Thurman die Aufgabe in diesem Experiment ja auch abstrakt. Er sagt, „wie auch immer man dieses Kriterium( für die künstlerische Qualität) definiert“. Er überlässt die Definition dem persönlichen Empfinden. Er muss es so tun, denn er will ja gerade wissen, wie sich dieses Kriterium bei den Befragten ausnimmt. Dann kommt er auf das Ergebnis, daß die Unterscheidung der „Top Ten“ ungenau, folglich der Begriff abstrakt ist. Dabei bleibt er dann stehen.
    Hier beginnt aber eigentlich erst die Kunst. Sie kann nämlich die Aufgabe so stellen, das dem Befragten die qualitativen Mittel gegeben werden, durch die er zu einem konkreten Inhalt kommt. Sie kann sagen: Erinnere Dich einmal an die letzten Kunst- und Kulturveranstaltungen, die Du besucht hast. Mach dir klar, wie Du daran beteiligt warst und was Du ihnen hast entnehmen können. Erinnere Dich mit wem Du dort warst, was Du dort sonst noch gesehen, gehört, erlebt hast, an Deine Stimmung. Wie ging es Dir nachher und wie vorher?
    Mach Dir auch klar, wie es dazu kam, diese Veranstaltung zu besuchen. Bist Du eingeladen worden, warst Du Begleitperson oder bist Du aus freien Stücken dort gewesen? Was hat Dich besonders interessiert? Kannst Du etwas von diesem dort Erlebten noch im Alltag wiederfinden? In wiefern? Hätten diese Veranstaltungen auch anders ausfallen können, so daß Du auch anders hättest empfinden können? Welche Art von Kunst spricht Dich am meisten an? Was kann Deiner Meinung nach Kunst dem Menschen bedeuten?
    Versuche nach diesen Kriterien jede besuchte Veranstaltung zu beschreiben. Schreibe die Antworten auf ein Papier, so, als wolltest Du sie Jemandem schildern und nicht Dir allein. Danach erstelle Deine Top Ten Liste.
    Ein solches Experiment würde anders ausfallen und noch erstaunlichere Ergebnisse liefern, davon bin ich überzeugt.
    Es kommt nicht darauf an, auf welches Ergebnis Thurman kommt, sondern wie er die Frage gestellt hat.

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  11. Ich bin von der Ausgangsfrage abgekommen.

    Ich selektiere im Vorfeld genau, was ich für Kunstevents anschaue und bin dann auch selten enttäuscht.

    Wir leben in einer Zeit, in der es vielen Menschen möglich ist, Kunst zu machen. Europa ist zum großen Teil wohlhabend und so haben viele Menschen Zeit, sich der Kunst zu widmen, da sie sich nicht mehr um das reine Überleben sorgen müssen.

    Dadurch entsteht eine große Kunstlandschaft, die vom einzelnen kaum überblickt werden kann. So merken sich die Menschen, was ihnen gefällt und missfällt und der Rest geht in der Masse unter. Die Kunst wird konsumiert.

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  12. @Patrick Hanke: Stimmt, künstlerische Qualität und das Thema Community haben nichts miteinander zu tun. Aber bitte nicht vergessen: der Ausgangspunkt ist in diesem Fall das Thema Kulturmarketing.

    Der Hinweis, dass der Begriff der künstlerischen Qualität bei diesem „Experiment“ bewusst abstrakt gewählt wurde, ist natürlich richtig. Allerdings müssen wir uns vor Augen halten, dass er das meist ist, wenn sich die BesucherInnen einer Veranstaltung zurückerinnern und eine Bewertung vornehmen. „Das war gut bzw. schlecht“ ist eine Aussage, die wir oft zu hören bekommen, wenn wir jemanden fragen, wie es ihm gefallen hat. Mehr aus dem Befragten herauszubekommen ist in der Regel schwierig.

    Aber die Weiterentwicklung von Thurmans Experiment ist eine gute Idee. Vor allem die Fragen selbst sind für jede KünstlerIn, jede Kultureinrichtung äußerst wertvoll. Vielen Dank dafür!

    Auf der Grundlage dieser Fragen lässt sich wunderbar ein Fragebogen erstellen, der es beiden Seiten, dem Publikum und dem Kulurbetrieb, möglich macht, eine sehr genaue Einschätzung zu erhalten, warum etwas gut oder schlecht angekommen ist.

    @Susanne Haun: So ähnlich würde ich die Situation auch beschreiben. Die Frage ist nur, wie wir auswählen. Du schreibst, Du suchst im Vorfeld aus und bist dann selten enttäuscht. Nach welchen Kriterien suchst Du aus? Das würde mich interessieren.

    Ich stelle bei mir selbst fest, dass die Entscheidung auch davon abhängt, ob ich eine KünstlerIn persönlich kenne oder nicht. Kenne ich jemanden, ist die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme am Event größer. Das hat aber nun nicht so sehr etwas mit künstlerischer Qualität zu tun, oder?

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    • Ja, Christian, das ich den KünstlerIn kenne, ist für mich auch ein Kriterium, ob ich zur Ausstellung gehe oder nicht.
      Das nächste Kriterium ist das Bild auf der Einladungskarte. Wenn es mir gefällt, dann schaue ich im Internet, ob mir auch die anderen Arbeiten des KünstlersIn an. Ich mag es, wenn die Bilder seriell gearbeitet sind und ich die Handschrift des Künstlers erkenne.
      Sehe ich im Internet, dass eine „Gemischtwarenhandlung“ vorliegt, dann ist das eine Entscheidung gegen die Ausstellung.
      Ich höre auch gerne auf Empfehlungen. Wenn ich weiß, ich habe den selben Geschmack, wie der Empfehlende ist das auch ein Kriterium.
      Die nächste Frage ist, ob eine Ausstellung günstig für mich mit den öffentlichen Verkersbetrieben zu erreichen ist.
      Kann ich die Ausstellung mit einem anderen Termin verbinden?
      Kommen Freunde mit?
      Kenne ich die Galerie, in der der Künstler ausstellt?

      Das ist ersteinmal alles, was mir dazu einfällt….

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    • @Susanne Haun: so ähnlich funktioniert das bei mir und wahrscheinlich vielen anderen auch. Aber merkst Du, unter Umständen besuchst Du eine Ausstellung nicht, weil der Termin nicht passt oder die Location zu weit weg ist. Das heißt, hier spielen Kriterien eine Rolle, die mit der künstlerischen Qualität nichts zu tun haben.

      Deshalb finde ich es wichtig, sich auch zu solchen Punkten Gedanken zu machen, wenn man seine nächste Ausstellung bewirbt. Und nicht nur die Qualität als einziges Kriterium zu nutzen.

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  13. wäre es nicht gut, wenn sich zwischen dem markt und dem künstler eine instanz einschaltet, mit der es dem kunstgenießenden sozusagen wie durch eine schablone ermöglicht wird, auf künstler aufmerksam zu werden, die dann ja auch unbekannt sein können. es käme darauf an, eine solche schablone zu entwickeln, die den bekannten, wie auch den unbekannten künstler umfasst. man könnte eine solche schablone aber erst entwickeln, wenn man sich einig werden könnte über ein kunstbegriff. aus dem inhalt dieses begriffs könnten dann gliederungen, unterteilungen herausgearbeitet werden, in denen sich jeder Künstler wiederfände. es müssten die künstler daran mitarbeiten, indem sie ihre eigene arbeit in ein verhältnis zu diesem kunstbegriff stellen. diese unterteilungen könnten mit der zeit immer feiner werden, sodaß die beziehung zwischen künstler und „verbraucher“ von selbst immer tiefer werden würde, weil der vebraucher über so eine schablone sich auch über seine bedürfnisse im klaren werden könnte. das wären dann echte communities, weil sie sich auf ein gemeinsamen inhalt verständigen würden. könnte nicht der kunstmarkt in zukunft so aussehen?
    gewiss, noch sind wir nicht so weit, denn noch sind der stimmen viele, die glauben, kunst sei rein subjektiv. sind es nicht die tausendfachen mißverständisse, die durch den fehlenden kunstbegriff verursacht werden, die den kunstmarkt so ungriffig machen?
    alle künstler scheinen nur darauf zu warten von „aussen“, vom Markt entdeckt zu werden. ersetzt dann in dem fall dieser markt nicht den fehlenden kunstbegriff? denn plötzlich „wissen“ alle, das „muss“ ein künstler sein, denn der markt behandelt ihn so. wir gestehen dem markt doch zu, daß er weiss, wer künstler ist und wer nicht.
    es müsste eine instanz geben, die näher an der kunst ist, die das entscheidet, und was noch wichtiger ist, die alle künstler umfasst. denn kunst ist für alle da.

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  14. @patrick: zwei Punkte fallen mir dazu ein. Erstens haben wir mit dem Kurator ja schon jemanden, der quasi als Mittler auf der inhaltlichen Ebene zwischen den Künstlern und dem Publikum fungiert. Ansonsten fällt mir dann noch der Kulturmanager ein, der ja auch zwischen beiden Seiten steht, aber eher in Sachen Kommunikation, Marketing, Organisation, etc..

    Zweitens habe ich mit dem Begriff „Schablone“ ein Problem. Ich weiß nicht, ob sich Kunst in eine solche dann doch eher statische Struktur einzwängen ließe? Es würde bedeuten, dass Kunst vorhersehbar ist, weil sie dann schon im Vorfeld in eine bestimmte Schublade gekommen ist.

    Auch die Communitys wären dann in meinen Augen langweilig, weil es sich um homogene Strukturen handeln würde. Wenn in einer solchen Community alle die gleichen Kunstwerke gut bzw. schlecht finden, worüber streite ich mich dann? Auch für die Künstler selbst wäre das wahrscheinlich gar nicht so erstrebenswert, weil Kritik ja auch produktiv genutzt werden kann.

    Ich glaube auch, dass Communitys ein möglicher Ansatz sind, aber ich würde sie aus anderen Strukturen heraus bilden, d.h. die Menschen sollten aus Gründen zusammenkommen, die eher in ihnen liegen und nicht von außen vorgegeben werden.

    Interessant ist Deine Feststellung, dass der Markt den fehlenden Kunstbegriff ersetzt. Wenn man „fehlend“ aus dem Satz streicht, sind wir wieder bei der Aussage des Blogbeitrags angekommen.😉

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  15. Sehr spannende Frage. Ich würde noch einbringen, dass sich durch die Communities die Wahrnehmungsbedingungen von Kunst erheblich wandeln.
    Ich sage mal so: (bei mir) hat sich in den letzten Jahren die Wahrnehmung von Kunst weg vom emotionalen Erlebnis hin zum rezeptiven Diskurs gewandelt. Oder anders: fürher habe ich die Sachen genossen, heute geniesse ich es, darüber zu quatschen…
    Diesen Diskurs kann ich in Communities jedoch viel bequemer führen. Ich muss mich nicht mehr mit verqueren Typen rumschlagen, sondern habe nur noch mit mehr oder weniger interessanten Avataren zu tun.
    Die Diskussion ist in der Community menschlich einfacher und thematisch komplexer – reicht doch🙂

    Btw: für mich als Künstler hat diese Ent-Realisierung aber auch einen echten Vorteil: ich finde viel schneller ein Publikum und kann viel extremer experimentieren. Früher hat es ein jahr gedauert, bis man die nächste austellung hatte, heute dauert es 10 Minuten, bis man das (digitaliserte) Werk veröffentlicht hat…
    Gruß, Martin

    PS @Christian: ich sehe die Frage des Marktwertes als Kunstbegriff ähnlich, aber keinen Zusammenhang zur anonymisierten Community-Entwicklung.

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  16. @Martin: wodurch unterscheidet sich die Community von den „verqueren Typen“?🙂 Spaß beiseite: was zeichnet solche Communitys aus, denn ihre Mitglieder sind ja nicht automatisch „besser“ als normale Menschen, oder?

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  17. @Christian: „besser“ nicht, aber der Umgang ist einfacher. Sie rauchen nicht, sie furzen nicht, sie sabern nicht, sie haben keine lästigen Zuckungen, sie zappeln nicht, sie haben keine zickigen Freundinnen dabei … und: wenn sie nerven, klickt man sie weg😉

    Ich will das gar nicht schönreden. Ich treffe mich natürlich auch lieber mit echten Menschen in der Kneipe. Ich glaube nur, dass die Virtualisierung des Diskurses auch mit Scheu und Bequemlichkeit zu tun hat. Und bei bisher sinnlich erfahrbaren Dingen wie Kunst führt das natürlich zu vollkommen neuen Voraussetzungen, oder?

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  18. Der Beitrag behandelt doch -wenn ich das richtig verstanden habe – die Frage, inwiefern man mit künstlerischer Qualität ein Publikum gewinnen kann. Und es ist doch wissenschaftlich festgestellt worden, daß dem Publikum die Mittel fehlen um künstlerische Qualität zu „unterscheiden“.
    Also muss ich glauben, daß sowohl Kuratoren als auch Kulturmanager es bisher nicht gelungen ist dem Publikum „begreiflich“ zu machen, was der Unterschied ist zwischen den wenigen Künstlern, die sie behandeln. Es ist ja nur ein verschwindend geringer Teil von gegenwärtigen Künstlern, mit denen sie sich beschäftigen. Was soll ich denn denken, wenn nicht einmal sie es schaffen, künstlerische Qualität zu vermitteln. Wenn man die Menschen fragt worin der Unterschied besteht zwischen einem Baselitz und einem Rauch und es kommen nur subjektive Äusserungen, dann darf man sagen: Kuratoren und Kulturmanager haben es versäumt diesen Unterschied klarzumachen.
    Was vermittlung von künstlerischer Qualität angeht, kann der Künstler deshalb gern auf diese beiden Mittler verzichten. Er verzichtet nur deshalb nicht auf sie, weil es Bedingung ist der „Wirtschaft“. Wenn erstmal ein Bild teuer verkauft ist, dann stürzt sich die Wirtschaft auf die Kunst mit ihren Handlangern: Das sind meiner Meinung nach heute Kuratoren und Kulturmanager.
    Ich verstehe durchaus, das Du DIch an dem Wort „Schablone“ störst. Es klingt wie ein enges Korsett, das um die reiche Kunst geschnürrt wird. Du glaubst, daß die Vielfalt dann verloren geht. Aber es ist damit Transparenz gemeint. Es muss deutlich werden der Zusammenhang „zwischen“ den einzelnen Künstlern. Von mir aus kann man es auch Brille nennen oder Lupe. Aber es muss jedenfalls vermittelt werden. Ich für meinen Teil kann mich da auf Kuratoren und Manager nicht verlassen. Sie vermitteln mir nicht den Künstler, sondern nur eine Vorstellung von ihm. Das reicht mir nicht. Also was soll ich tun? – Ich mach´s selbst!

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  19. @Patrik: Kuratoren, Kunstmanager, Sammler etc haben noch nie den Künstler bzw. dessen Kunst vermittelt, sondern (logischerweise) ihre Vorstellung davon. Wenn Du den Job alleine machst, kannst Du auch nichts anderes machen. Das ist doch gerade der Witz: Ein Künstler erschafft etwas, dass andere motiviert, ihre Vorstellung davon zu vermitteln.
    Kunst kann doch immer nur das sein, wovon irgendjemand glaubt profitieren zu können. Kein Künstler bzw. Kunstwerk ist je ohne Eigennutz gefördert, ausgestellt oder gekauft worden.
    (huch, bin ich schon wieder weg vom Thema😀 )

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    • das ist schon richtig was du sagst. aber das ist es gerade. ich finde das unbefriedigend. deswegen kümmere ich mich nicht um kuratoren, kunstmanager, usw.
      wenn es mir schon reicht, etwas persönliches auszudrücken, kann ich auch ein haufen in die ecke machen. der sieht auch anders aus als der von allen anderen. dann und ganz besonders dann wird es mir wichtig sein an die „richtigen“ leute zu kommen, die meine scheisse kaufen.
      ich mache oft genug misst. ich möchte aber, das man vermittelt, das ich das „nicht“ will. gerecht kann man mir nur werden, wenn man vermittelt, was ich will. dann ist es nicht weiter schlimm, das ich auf dem weg dorthin auch misst mache. man wird mich dann besser beurteilen können.

      aber das ist eben nicht die realität. die realität ist, das das publikum sich manchmal mit misst konfrontiert sieht aber nicht weiss ob das nun misst ist oder doch vielleicht gold. es wird ihm nicht vermittelt. es gibt aber – das musst du doch zugeben – große kunst und kleine kunst.

      man kann doch kunst auch anders beschreiben als gut und schlecht. wenn man empfindungen an der kunst beschreibt, dann werden auch menschen kommen, die sagen: das hab ich auch so empfunden. und es werden andere kommen, die sagen: das kann ich zwar nachvollziehen aber das gefällt mir nicht, ich will was anderes. dann ist das in ordnung. warum gehst du nicht darauf ein? irgendwie geht es dir nur darum, wie man kunst veräußert. kann man nicht auch veräußern, wie kunst ist?

      mir ist egal, wer das vermittelt. ich behaupte, die künstler der vergangenheit haben sich selber vermittelt. schiller und goethe haben sich selber vermittelt. die impressionisten haben sich vermittelt. die expressionisten haben sich vermittelt. die brücke hat sich vermittelt. die blauen reiter haben sich vermittelt. es haben sich künstler zusammen getan weil sie sich vermitteln wollten.

      solche vereinigungen von menschen, die „wissen“, das sie das gleiche wollen, kenne ich heutzutage nicht. du etwa?

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  20. @Patrick Hanke: Mir geht es nicht so sehr um die Frage, inwiefern man mit künstlerischer Qualität ein Publikum gewinnen kann, sondern ob man das überhaupt kann? Klar ist, es gibt qualitativ gesehen eine Spitzengruppe und am anderen Ende die „schlechte Qualität“. Diese beiden Extreme lassen sich noch relativ leicht bestimmen, denke ich.

    Schwierig ist aber, so die Aussage im Beitrag, die Masse dazwischen. Hier fehlen für die potenziellen BesucherInnen die Kriterien, um auf qualitativer Basis ein Ranking zu erstellen.

    Daher die Aussage, dass da bei der Auswahl der Events nicht mehr qualitative Kriterien eine Rolle spielen, sondern ganz andere. Susanne Haun hat in ihrem Kommentar ein paar solcher Aspekte genannt.

    Meine Schlussfolgerung daraus: wenn ich ein künstlerisches Event bewerbe, dann sollte ich nicht nur auf die künstlerische Qualität setzen (für mich eigentlich Grundvoraussetzung), sondern mir Gedanken darüber machen, was uns noch dazu bringt, eine Entscheidung für oder gegen den Besuch beispielsweise einer Ausstellung zu treffen.

    Angenommen, es ist vor allem der persönliche Kontakt, dann macht es doch Sinn, dass ich mein Augenmerk auch darauf richte, dass die KünstlerIn ein möglichst großes Netzwerk oder eine Community hat. Je mehr Leute sie persönlich kennen, desto mehr werden unter Umständen auch zur Ausstellung kommen.

    Wir erleben doch oft Veranstaltungen, wo man nachher feststellt, dass fast nur Freunde und Bekannte da waren. Also könnte ich jetzt hergehen und versuchen, den Freundeskreis zu erweitern. Die Qualität ist aber trotzdem wichtig (egal wie ich sie jetzt definiere), denn wenn die Freunde nur aus Mitleid kommen, dann passt es natürlich auch nicht.

    Wer sich nun um diese Community kümmert ist eigentlich völlig egal. Wenn das die KünstlerIn persönlich schafft, dann ist das völlig ok. Macht es eien KulturmanagerIn, dann spricht da auch nichts dagegen. Nur machen sollte es jemand…

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    • christian, ich danke dir sehr, daß du auf alle meine kommentare eingehst!

      ich hab so langsam das gefühl, auf dem falschen dampfer zu sein. du musst entschuldigen, die überschrift „mit künstlerischer qualität werben“ hat mich einfach begeistert. ich habe angenommen, thurmans ergebnis würde hier zur einsicht führen, daß man kunst qualitativ unterscheiden lernen müsse. ich bin nämlich der überzeugung das man das kann.

      das war naiv von mir. denn das ist ein blog für kulturmanagement und daher geht es gar nicht wirklich um künstlerische qualität. mir ist klar geworden, daß du thurmans ergebnis als bestätigung gebrauchst, das es eben ohne management nicht geht, wenn man kunst vermarkten möchte.

      mir ist eben jetzt erst klar geworden, daß es in diesem bericht nicht um kunst, sondern um kunstmarketing geht.

      ich bin für diese diskussion sehr dankbar, weil ich dadurch etwas über vermarktungs-strategien erfahren habe.

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  21. @Patrick Hanke: Natürlich ist die künstlerische Qualität wichtig und es ist absolut erstrebenswert, dass das Publikum sich mit den entsprechenden Qualitätskriterien beschäftigt und zu unterscheiden lernt.

    Das würde bedeuten, dass die Kunst wieder einen Stellenwert erhält, den sie, so glaube ich, nicht mehr besitzt.

    Für mich ging es in diesem Beitrag aber um etwas anderes, nämlich die Frage, wie es eigentlich gelingt, andere Menschen für die Kunst zu interessieren. Nur mit der Qualität der eigenen Arbeit zu werben, reicht meiner Meinung nach zumindest derzeit nicht aus. Also geht es darum herauszufinden, aus welchen Gründen Menschen sich entschließen, z.B. eine Ausstellung zu besuchen.

    Die Trennung KünstlerIn – KulturmanagerIn muss dabei nicht unbedingt sein. Es gibt KünstlerInnen, die sich auf der Marketingebene sehr gut bewegen und niemanden brauchen, der sie „managt“. Du kannst aber auch sagen, ich will mich nicht darum kümmern, weil ich mich lieber selbst mit meiner Kunst beschäftigen möchte.

    Aber Du hast Recht, ich bin der Meinung, dass es nicht damit getan ist, nur zu malen oder Musik zu machen. Die Kommunikation nach draußen zu denen, für die man seine Kunst macht, ist mindestens ebenso wichtig. Wer das dann macht, muss jede/r selbst entscheiden.

    Und noch ein Satz zur künstlerischen Qualität: es geht hier immer wieder um dieses Thema. Allerdings stimmt Deine Aussage natürlich: ich betrachte sie aus der Perspektive des Kulturmanagers.

    Mir bringt die Diskussion hier übrigens sehr viel und ich hätte nicht erwartet, dass sich aus diesem kleinem Blogpost so eine interessante Diskussion entwickelt. Dafür bin ich Dir dankbar, schließlich bist Du hier einer der Hauptakteure.😉

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