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Kachingle: ein interessanter Crowdfunding-Ansatz

13 Kommentare

Die Frage der Bezahlung digitaler Güter, also zum Beispiel von Texten, beschäftigt ja nicht nur die deutschen Verleger. Deren Idee, ihre Inhalte hinter einer sinnbildlichen Mauer zu verstecken und Eintritt zu verlangen, halte ich für wenig zukunftsträchtig. Aber sollen sie tun, dann haben sie es schwarz auf weiß und wir könnten dieses Thema endlich ad acta legen.

Was aber sind die Alternativen? Grundsätzlich gibt es, wenn wir vom Thema Bezahlung sprechen, zwei Herangehensweisen: entweder gibt es auf Seiten der UserInnen eine Zahlungsbereitschaft, die bis jetzt kaum vorhanden ist. Oder die Produzenten der Inhalte entwickeln Modelle, die auf so viel Akzeptanz stoßen, dass sich ausreichende Einnahmen generieren lassen.

Public Enemy scheinen in dieser Hinsicht sehr erfolgreich zu sein. Unter dem Stichwort Crowdfunding versuchen sie derzeit, auf SellaBand 250.000 USD für ihre nächste CD-Produktion einzusammeln. Knapp ein Drittel dieser Summe haben sie bereits geschafft. Die Initiative geht in diesem Fall vom Produzenten aus. Er bestimmt die Höhe der Beträge und legt gleichzeitig die Gegenleistung fest.

Vielleicht sind Sie auch schon mal an dem Punkt gewesen, wo Sie überlegt haben, ob Sie in ein solches Produkt investieren sollen? Yves Huin, der beim gestrigen Webmontag das Unternehmen Kachingle vorstellte, sprach von sogenannten „mental transaction costs“, also einer Hürde, die in uns liegt und uns häufig davon abhält, für etwas zu zahlen, was für uns einen gewissen Wert darstellt. Und das jedes Mal, wenn wir auf ein für uns digitales Produkt stoßen.

Einen möglichen Ausweg bietet das gerade erwähnte Start-up Kachingle. Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien hat eine Lösung entwickelt, die ich zwischen der freiwilligen Spende und dem oben beschriebenen Crowdfunding-Ansatz ansiedeln würde. Gedacht ist sie vor allem für online zur Verfügung gestellte Texte, egal ob Blogbeitrag oder Newstext.

Ich als UserIn zahle freiwillig pro Monat 5 USD. Vier dieser fünf Dollar werden nun auf die Webseiten verteilt (ein Dollar geht an Kachingle und PayPal), die ich in diesem Monat besuche. Je häufiger ich die Seite anklicke, desto höher der Anteil an den vier Dollar. Voraussetzung dafür ist die Kooperation des Content-Produzenten mit Kachingle. Habe ich als Content-Produzent den Kachingle-Button auf meiner Website, kann sich jede UserIn, die bei Kachingle mitmacht, durch den Klick auf diesen Button entscheiden, ob ich auch von ihren 4 Dollar profitiere oder nicht.

Interessant ist auch die Einbindung in die diversen Social Networks. Ich kann als UserIn in meine Netzwerke kommunizieren, welche Seiten ich mit Hilfe von Kachingle unterstütze. Das könnte eine Sogwirkung erzeugen, die die Akzeptanz dieses Ansatzes erhöht.

Natürlich ist Kachingle generell für alle, die digitale Inhalte produzieren, interessant. Potenzial im Kunst- und Kulturbereich sehe ich vor allem im Hinblick auf das digitale Feuilleton. Das sind die Seiten im Netz, die über Kunst und Kultur berichten und so mehr und mehr die Aufgaben der Kulturredaktionen in den Printmedien übernehmen. Mittlerweile gibt es jede Menge solcher Seiten, die hochwertige Inhalte anbieten, aber dafür nicht bezahlt werden.

Aber wahrscheinlich gibt es noch viele andere Bereiche, in denen Kachingle einsetzbar ist. Wie das Modell genau funktioniert, zeigen die folgenden  Folien, die Yves Huin gestern beim Webmontag gezeigt hat (alternativ können Sie sich die Aufzeichnung des gestrigen Webmontags ansehen, dort haben Sie dann neben den Folien auch noch seine Erklärungen):

Ausprobieren lässt sich Kachingle derzeit leider noch nicht, lange soll es aber nicht mehr dauern, so Yves Huin, der als Europa-Chef von Kachingle gestern live aus Paris zugeschaltet war.

13 Comments Join the Conversation

  1. Ich finde die Idee von Kachingle extrem gut und bin auch davon überzeugt, dass es sich speziell im Online-Journalismus (dazu zähle ich auch diverse Blogs) durchsetzen wird.
    Für den Kulturbereich bin ich nur bedingt euphorisch. Zwar sehe ich auch hier Potenzial gute Informationen oder interessante Angebote zu belohnen, jedoch denke ich, dass es primär eine Belohnung der PR-Abteilung des Theaters ist. Oder um es anders auszudrücken: Mit Kachingle lassen sich hervorragend Online-Angebote unterstützen, aber keine Einrichtungen. Aber – und deshalb bin ich doch ein wenig euphorisch – die Kosten um Online-Marketer/Content Manager zu bezahlen, können gesenkt werden. Fazit: Durch Kachingle lässt sich mein Arbeitsplatz in spe teilweise finanzieren!

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  2. @Frank:😉

    @Axel: Ich sehe das ähnlich. Interessant ist Kachingle dann, wenn z.B. der Text, den ich online stelle, das Endprodukt ist. D.h. ich habe keine weiteren Verkaufsmöglichkeiten.

    Bei Kunst- und Kultureinrichtungen, behaupte ich, wird das nicht so einfach funktionieren, weil in diesem Fall das Modell ein anderes ist. Die produzierten Texte dienen ja vereinfacht gesagt dazu, auf das eigentliche Produkt aufmerksam zu machen. Ob es in diesem Setting eine bemerkbare Zahlungsbereitschaft geben könnte, wage ich zu bezweifeln.

    Aber damit beziehe ich mich nur auf den aktuellen Status Quo. Anders wäre die Situation, wenn z.B. ein Theater zum aktuellen Stück eine Art digitales Programmheft anbietet. Wenn das gut gemacht ist, dann kann ich mir gut vorstellen, es via Kachingle zu unterstützen.

    Das heißt, eigentlich müsste sich das Kommunikationsverhalten der Kultureinrichtungen verändern. Im Augenblick lese ich größtenteils Veranstaltungshinweise und Ankündigungen…

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  3. Klingt interessant! Ich bin mir sicher, dass in nächster Zeit viele kreative Ideen dieser Art wachsen werden und hoffentlich endlich auch einmal ein gutes Micropaymentsystem!

    Gerade las ich in einem Blog, dass die Idee, Spenden dafür und für die künstlerische Arbeit des Betreibers zu sammeln, in Deutschland daran scheitere, dass man dafür eine eigene Rechtsform brauche und Gemeinnützigkeit nachweisen müsse. Und in diesem Falle ginge es ja nur um Nutzen für einen Künstler.
    Stimmt das? Wie sähe dann rechtlich die Beteiligung bei solchen Portalen aus?

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  4. @Petra: berechtigte Frage! Wie das in Deutschland genau ist, kann ich nicht sagen. Was die Gemeinnützigkeit angeht, hängt da ja nur die Steuerbefreiung dran, oder? Ich kann doch auch in Deutschland spenden, wem ich will. Zynisch formuliert: Obdachlose, die auf der Straße sammeln, haben ja auch keine Rechtsform oder sind gemeinnützig. Vermutlich hängt daran aber die Frage, ob die Spende dann versteuert werden muss.

    Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Spende handelt? Meiner Meinung nach ist das eher eine Einnahme, die man dann wahrscheinlich auch versteuern muss.

    Vielleicht liest ja eine ExpertIn oder jemand von Kachingle mit und kann die Frage beantworten?

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  5. Ich habe auch keine Ahnung von deutschem Recht. Hier in Frankreich wären die Einnahmen zu versteuern und müssten nur wegen der Sozialabgaben geschickt in eine „künstlerische Tätigkeit“ eingeordnet werden. Aber der Künstlerbegriff in Frankreich ist viel weiter gefasst.

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  6. Auch ich finde das Konzept sehr interessant. Die Frage, die sich mir aber stellt, ist: Kann jede Seite, auch eine mit weiterer Werbung kommerziell aufgebaute Seite Kachingler werden? Wenn News-Portale grosser Print-Organisationen auch Teil davon sind, dann wird der meiste Surf-Traffic-Lohn im Schlund des schon kommerziellen Angebots landen.

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  7. @Thinkabout: ich denke schon. Die Grundidee funktioniert aber eigentlich andersherum, nämlich vom User ausgehend. Es bekommt die Seite Geld von mir, die ich auch besuche. Ob da dann außerdem noch Werbung drauf ist, sollte grundsätzlich keine Rolle spielen.

    Will ich, dass werbefinanzierte Seiten kein Geld von mir erhalten, dann klicke ich nicht auf den Button und somit wird die Seite bei der Verteilung meiner – angenommen -5 Euro nicht berücksichtigt.

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  8. Pingback: Micropayment in der deutschen Blogosphäre: Kachingle

  9. Pingback: Flattr und Kachingle – ein Systemvergleich

  10. Pingback: Crowdfunding: mein Projekt ist online, wo bleiben die Unterstützer? « Das Kulturmanagement Blog

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