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Von Bloggern, Journalisten und gutem Benehmen

30 Kommentare

Eigentlich sollte es in diesem Blogbeitrag um ganz andere Dinge gehen. Aber dann blieb ich bei Don Alphonso und den Abmahnkriegen (Absatz 4 seines Beitrags) hängen. Das alte Muster Journalist versus Blogger. Was ist geschehen?

In der ZEIT erscheint eine Kolumne von Eva Schweitzer, die Philipp vom nom nom nom Blog so gut gefällt, dass er ein eigenes Blogpost daraus macht. Wobei die Formulierung „eigenes Blogpost“ vielleicht etwas übertrieben ist, denn eigentlich schreibt er nur vier Zeilen selbst und kopiert dann ein Drittel der Kolumne in seine Eingabemaske. Fertig.

Passiert ist das alles im Mai 2008, also vor eineinhalb Jahren. Nun hat Philipp eine Abmahnung erhalten, derzufolge er 1.200 Euro Schadensersatz plus 955 Euro Anwaltskosten zahlen soll. Johnny Haeusler von Spreeblick nimmt sich der Sache an und veröffentlicht einen Beitrag dazu. So erhält die Sache ihren richtigen Drive und nun kann man den Fortgang hier und hier (und wahrscheinlich auch noch an vielen anderen Stellen im Internet) verfolgen.

Liest man sich all die Beiträge und vor allem die Kommentare durch, dann wird man einerseits gut unterhalten (etwas Zeit sollte man schon dafür einplanen). Andererseits gibt es da aber ein paar Punkte, über die man sich Gedanken machen sollte:

  1. Ich halte es für bedenklich, wenn man eine so große Textpassage aus einem anderen Artikel übernimmt und selbst nur vier kurze Zeilen voranstellt. Gefällt mir ein Text, dann habe ich die Möglichkeit, ihn via Twitter zu verlinken. Und wenn ich wirklich so viel Text übernehmen mussmöchte, dann kann ich mir immer noch mit der indirekten Rede behelfen. Aber dann sollte ich mir wenigstens noch ein paar eigene Gedanken dazu machen (und sie dann auch formulieren), sonst besteht die Gefahr, dass sich die UrheberIn des Textes dagegen wehrt. Und das zu Recht. Es gibt nun mal einen gesetzlichen Rahmen, an den man sich halten kann oder nicht. Tut man das nicht, dann muss man aber auch mit Konsequenzen rechnen. Als Entschuldigungsgrund anzuführen, man sei ein nichtkommerzielles Blog, ist etwas naiv. Die Regeln sollte man auch als Nichtkommerzieller kennen. Und für den Fall der Fälle: man kann ja auch fragen.
  2. Das Abmahnen scheint sich (in Deutschland) zu einer beliebten Einnahmequelle entwickelt zu haben. Diese Art, miteinander zu kommunizieren bzw. miteinander umzugehen, zeigt aber auch, dass wir anscheinend gar kein Interesse mehr daran haben, ein Problem friedlich zu lösen. Oder ist es Unvermögen? Ob dieser Fall oder die Tatzengeschichte, immer ist diese Vorgehensweise mit einem Imageschaden verbunden, sozusagen als Kollateralschaden. Und immer wieder stellen die Beteiligten dann im Nachhinein fest: Hoppla, das kann man ja auch anders lösen. Wäre es nicht sinnvoll, sich solche Dinge durch den Kopf gehen zu lassen, bevor die Keule ausgepackt wird? Oder wiegt man sich in einer solchen Situation so in Sicherheit, dass das Gehirn ausgeschaltet wird?
  3. Die Auseinandersetzung Journalisten – Blogger wird allmählich langweilig. Müssen solche Geschichten wirklich zu einem Kulturkampf hochstilisiert werden? Die Trennlinie verläuft doch, wenn überhaupt, wo ganz anders, nämlich wenn es um die Frage Amateur oder Profi geht? Gut oder schlecht? Wenn ich heute eine Seite im Internet finde, die mir wertvolle Informationen oder gute Unterhaltung liefert, dann ist es mir eigentlich völlig egal, ob es sich um eine Online-Zeitung oder ein Blog handelt. Vielleicht wäre es zielführender, die Qualität in den Vordergrund zu stellen und nicht die Frage nach dem Format?
  4. Nur ganz kurz: der Ton macht die Musik…
  5. Und noch ein letzter Punkt: das Web 2.0 ist nicht demokratischer, gerechter und ich weiß nicht was alles als die „reale“ Welt. Es sind immer wir selbst, die sich dafür entscheiden müssen, ob uns Gerechtigkeit, Vertrauen, etc. als Werte wichtig sind, online und offline. In der Offline-Welt sind sie das oftmals nicht, warum sollte es dann online anders sein? Glaubt jemand, dass dort die besseren Menschen unterwegs sind? Ich behaupte nein, deshalb sollte sich, wer im Web 2.0 unterwegs ist, nicht als besserer Mensch fühlen.

Das war’s auch schon…

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  1. Das ist ganz prima beobachtet. Und leider muss ich sagen, ziemlich selten, dass sich jemand nicht einfach hinten anstellt und den ganzen Empörungsquatsch mitmacht. Ich, soweit ich dazu in der Lage bin, versuche auch, soweit es geht, hinter die Kulissen zu schauen, Motivationen zu erkennen und vor allem nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen sondern zur Abwechselung auch mal darin.

    Nur eine Anmerkung zu 2: Ich bin mir relativ sicher, dass ein ganzer Batzen Abmahnungen nicht an das Licht dringt, weil die Sachen nicht immer so prominent (Abmahner oder Abgemahnter) aufgehängt sind. Und zweitens könnte es auch sein, dass Leute, die andere Wege beschreiten, nur nicht so prominent werden. Einmal erhielt ich einen Hinweis, ich möge einen Kommentar löschen, weil da etwas problematisches drin stand. Ich habe den Text gesichert und dann gelöscht, auch deshalb, weil der Kommentar anonym erfolgte. Abmahnung hatte ich noch nicht im Angebot.

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  2. Zu Punkt drei sei kritisch angemerkt, dass Dein Beitrag am Kern der Sache völlig vorbeigeht. Du scheinst offensichtlich überhaupt nicht zu realisieren, dass gerade deine hier als „Lösung“ vorgeschlagene Betrachtungsweise der Auslöser des Konfliktes ist.

    Journalisten sind nämlich Leute, die bezahlt werden wollen. Für Arbeit, die Blogger kostenlos machen. Journalisten werden den Wert ihrer Arbeit nur dann schützen können, wenn sie eine klare Abgrenzung durchsetzen können, sonst wandern tendenziell immer mehr Leser zur kostenlos-Alternative ab. Das diktiert der Markt.

    Es gibt reichlich journalistische Produkte, die einfach aus sich selbst heraus so gut sind, dass da kein Blogger mitkommt. Für die große Masse gilt das aber nicht. Und deswegen werden wir das Abgrenzungs-Theater auch in Zukunft noch sehen.

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    • Hi Lars, wahrscheinlich verstehe ich nur nicht richtig. Ich verstehe ebensowenig wie Christian, auf welche Weise da die Demarkationslinie gezogen wird.

      a) sei es, weil der Begriff „Journalist“ keine präzise Formulierung ist (es sei denn die vorgeschlagene, für Geld arbeiten oder nicht),

      b) sei es, weil es mittlerweile eben recht viele Zwitterpersonen gibt, die, und das würde ich als einizige strukturelle Unterscheidung sehen, in institutionellem Rahmen schreiben (für einen Arbeitgeber, für einen traditionellen Verleger) aber zugleich auch außerinstitutionell, nämlich auf eigene Rechnung.

      Dein letzter Absatz, umgekehrt, ist nämlich ebenso möglich und gültig. Es gibt „Proodukte“ von Bloggern, die aus sich heraus so gut sind, dass da kein Journalist mitkommt. Und somit besagt die Unterscheidung eigentlich: Nichts.

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      • Genau so ist es. Journalisten als Berufsgruppe haben – auch wenn mir da einige Kollegen heftig widersprechen werden – derzeit kein echtes Alleinstellungsmerkmal. Und damit auch kein gesichertes Geschäftsmodell.

        Deswegen wird die öffentliche Abgrenzungsdiskussion weitergehen, denn ohne Alleinstellungsmerkmal kann man nichts verkaufen, was woanders kostenlos ist. Jetzt verstanden?

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      • Verstehe. Aber hatten Beruflichschreibende je ein „Geschäftsmodell“? Haben das nicht viel mehr die Verleger?

        In der aktuellen Ausgabe der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ hat Daniel Leisegang für mich Erstaunliches bemerkt.

        Die Nutznießer dieser Situation sind daher bisher vor allem die Fachzeitschriftenverlage gewesen. So hat der Branchenführer Elsevier im Jahr 2008 einen Umsatz von 6,7 Mrd. Euro erzielt. Das macht immerhin gut zwei Drittel dessen aus, was die gesamte bundesdeutsche Buchbranche im gleichen Zeitraum erwirtschaftete, nämlich 9,6 Mrd. Euro. Der Gewinn des Wissenschaftsverlages betrug nach Steuern 1,3 Mrd. Euro.

        Selbst wenn man sagen will, es handle sich dabei nicht im eigentlichen Sinn um journalistische Tätigkeiten, so kommt man nicht umhin – bei weiterer Lektüre des Texte -, dass Autoren fast an jeder Stelle der Ausbeutung anheimfallen. Die Geschäftsmodelle der Verleger sind es vielleicht sogar, die gerade im wissenschaftlichen Bereich die dauernde Blockade bringen.

        Die Frage ist doch meines Erachtens, wie stellt sich die Gesellschaft, die Gemeinschaft der Wissensgesellschaft, gegenüber jenen, die sie wie auch immer kritisch begleiten? Wieviel bezahlte Autorschaft will man sich leisten und auf welchem Wege?

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      • @Lars Fischer: das Problem, kein Alleinstellungsmerkmal zu haben, taucht in immer mehr Branchen auf. Im Endeffekt läuft es auf das Spannungsverhältnis Profi (im Sinne von professionell)-Amateur hinaus. Durch das Internet kann heute jeder Amateur seine Produkte wie ein Profi vertreiben.

        Ist nur die Qualität das Kriterium, dann verwischen die Grenzen und plötzlich tun viele das, was früher nur JournalistInnen gemacht haben: sie schreiben. Allerdings kostenlos und damit wird dem Profis natürlich die Geschäftsgrundlage entzogen.

        @Huflaikhan: ich denke auch, wir werden die Frage beantworten müssen, wie viel uns als Gesellschaft eine objektive qualitativ hochwertige Berichterstattung Wert ist? Zieht man Kunst und Kultur für einen Vergleich heran, wo das Problem ein ähnliches ist, dann würde ich sagen: nicht so sehr viel. Leider…

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      • Punkt b trifft den Kern. Man sollte nicht vergessen, wie viele Journalisten „für umme“ nebenher bloggen – überhaupt ist die Bloggerszene in Deutschland ursprünglich durch Journalisten entstanden.
        Kommt dazu, dass die meisten Tageszeitungen heutzutage billigst von Praktikanten und ungelernten Laien bestückt werden, als da wären Hausfrauen, Vereinsmitglieder etc. als freie Mitarbeiter. Schon deshalb ist es Unsinn, eine Polarität Journalismus – Bloggerei zu erfinden.

        Die soll wohl nur darüber hinwegtäuschen, dass wir längst in eine berufsunabhängige Qualitätsdebatte geraten sind, in der langsam diejenigen verlieren, die sich an der Qualität und erfahrenem Personal dumm gespart haben…

        …findet eine bloggende Journalistin

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  3. @Lars Fischer: Mir ist schon klar, dass JournalistInnen für ihre Arbeit bezahlt werden wollen. Kurios ist es aber, dass diesen nun immer die BloggerInnen gegenübergestellt werden, die für das Bloggen nicht bezahlt werden wollen. Nehmen wir doch mal die, die auch gerne Geld für das Verfassen ihrer Blogposts erhalten würden.

    Jetzt stellen wir also fest, dass sowohl JournalistInnen als auch BloggerInnen nicht von ihren Artikeln leben können. Das heißt, das Geschäftsmodell funktioniert nicht. Die Geschäftsmodelle sind aber völlig andere. Der Journalismus hat doch deshalb Probleme, weil die Werbung, die bis heute die redaktionelle Arbeit hauptsächlich finanziert hat, dramatisch zurückgegangen ist und weiter zurückgeht. Von einzelnen Produkten abgesehen, die sich erfolgreich am Markt behaupten können, ist derzeit noch kein neues Finanzierungsmodell in Sicht. Vereinfacht gesagt: es gibt noch keinen Ersatz für die Werbung.

    Und wie sieht das beim Bloggen aus? Da gibt es auf der einen Seite Blogs, die sich als Alternative zu den journalistischen Produkten der diversen Verlage sehen. Solche Produkte über Online-Werbung zu finanzieren, hat bis jetzt auch noch nicht funktioniert. Ob es jemals funktionieren wird, sei dahingestellt. Erfolgversprechende Alternativen scheinen noch nicht zu existieren.

    Meiner Einschätzung nach verfolgen aber viele Blogs gar nicht dieses Ziel, ganz im Gegenteil: für eine Vielzahl der BloggerInnen ist das Blog doch ein Vehikel, das dann idealerweise ein Geschäft nach sich zieht, für das Kunden bereit sind, Geld auszugeben.

    Ich behaupte, da ist dann schon die eine oder andere BloggerIn darunter, die mit diesem Modell recht erfolgreich ist.

    Wir haben also journalistische Produkte, für die wir, so wir sie im Printformat lesen wollen, zahlen müssen. Auf der anderen Seite gibt es dieselben Produkte aber auch online kostenlos zu lesen. Ich als UserIn kann entscheiden, kaufe ich mir z.B. eine Zeitung oder lese ich die Beiträge kostenlos im Netz.

    Ist das nicht das eigentliche Problem? Ein Artikel wird einmal verkauft und einmal kostenlos abgegeben. Dass das als Geschäftsmodell nicht so ganz funktionieren kann, leuchtet ein, oder?

    Und dann kommen noch die BloggerInnen dazu, denen es aber gar nicht darum geht, Konkurrenz zu einem Verlag, dessen Zeitung und seinen JournalistInnen zu sein. Die veröffentlichen ihre Beiträge, machen dadurch auf sich aufmerksam, generieren Kundenkontakte und verkaufen dann ihre Produkte bzw. Dienstleistungen. Die Probleme, die die Verlage mit ihren Produkten haben, können den BloggerInnen eigentlich ziemlich egal sein. Es geht ihnen um etwas ganz anderes.

    Bleiben noch die LeserInnen bzw. UserInnen: wenn eine Zeitung für mich einen Wert besitzt, werde ich sie kaufen. Reicht es mir, die Artikel online zu lesen, werde ich sie nicht kaufen. Finde ich im Netz ein Blog, das mich auch interessiert, werde ich genauso wie die Online-Artikel der Zeitung lesen. Auch kostenlos.

    Bin ich auf der Suche nach bestimmten Inhalten, ist es für mich als Suchender ziemlich egal, ob ich bei einem Online-Artikel oder einem Blogpost lande. Wofür ich mich entscheide, hängt von der Qualität der Texte ab, aber ich denke, wir sind uns einig, dass Qualität nicht das Alleinstellungsmerkmal eines journalistischen Artikels ist.

    Das heißt, es geht nur um die Frage, ob ein Text gut oder schlecht ist. Ob das dahinter stehende Geschäftsmodell funktioniert, interessiert mich als LeserIn eigentlich gar nicht. Und nachdem die Geschäftsmodelle, wie oben beschrieben, eigentlich wenig bis gar keine Gemeinsamkeiten haben, frage ich mich, warum hier eine Front aufgebaut wird, die eigentlich nicht existieren müsste. Denn selbst wenn es nicht ein einziges Blog im deutschsprachigen Raum gäbe, so würde es den Verlagen mit ihren Zeitungen und Zeitschriften doch trotzdem nicht besser gehen, oder?

    Also lassen wir diese wenig sinnvolle Auseinandersetzung. Viel interessanter ist doch, welche Modelle Zukunft haben. Für JournalistInnen und für BloggerInnen.

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    • Jajaja, ist ja alles richtig, aber das ist nicht der Punkt. Nehmen wir mal an, es gibt plötzlich ein tolles Geschäftsmodell, mit dem man als Autor im Netz und wo sonst noch Geld verdienen kann (gibt’s auch – für Spezialisten).

      Dann wollen nicht nur die bisherigen Berufsjournalisten ein Stück vom Kuchen, sondern auch noch haufenweise Blogger. Du scheinst zu glauben, dass ein neues Geschäftsmodell alle ernähren kann, die gute Texte schreiben können. Das ist naiv. Die Abgrenzungsdebatte ist ein präventiver Verteilungskampf, und der ist für die Beteiligten in allerhöchstem Maße sinnvoll. Mag sein, dass du in anderen Sphären schwebst, aber die Frage, wie der Kuchen in Zukunft verteilt wird, ist eine ganz entscheidende.

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    • @Lars Fischer: angenommen, dieses Geschäftsmodell existiert und es steht auch BloggerInnen offen, dann ist die Bezeichnung Journalist nur noch die Teilmenge von etwas, was neu entsteht. Mit anderen Worten: vergiss den Begriff Journalismus.

      Mir ist auch klar, dass es hier um Verteilungskämpfe geht. Nur glaube ich nicht, dass dieser Verteilungskampf zwischen JournalistInnen und BloggerInnen ausgetragen wird. Du wirst kein Modell mehr finden, das den JournalistInnen Einnahmen verschafft und anderen Content-Produzenten (ich fasse das bewusst so weit) nicht.

      Ob diese Sichtweise naiv ist, weiß ich nicht.😉

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  4. @Huflaikhan:

    Das Problem der Ausbeutung der autoren durch die Verlage ist natürlich vorhanden und verschärft die Situation noch. Es gab allerdings mal eine Zeit, da konnte man als Journalist gut leben.

    Das hängt alles miteinander zusammen. Bei all diesen Publizistik-Herumzickereien geht es nur am Rande um Qualität, „Haltung“, PR, Copyright, wasauchimmer. Im Hintergrund steht immer die Frage: Wer wird in Zukunft vom Schreiben leben können? Und das werden bei weitem nicht alle sein, die es derzeit wollen.

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  5. Nachtrag: Ich hoffe, ich trete euch beiden mit meiner Wortwahl nicht auf den Schlips. Mir geht es allein darum, dass hinter dem Journalismus-vs-Blogger-Theater eben nicht nur hochstilisierte Profilneurose ist, sondern der Ausdruck handfester Interessenkollision. Die Unterscheidung mag künstlich sein, der Konflikt istb es nicht.

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    • Ich trage keinen Schlips. Mir fällt es nur sehr schwer, den Argumenten zu folgen, gerade weil ich sowohl das eine wie das andere betreibe. Ich habe da keine Konflikte mit. (Weil weder vom einem noch dem anderen kann ich leben. Eher vom typischen Umgehen in technischer und administrieller Weise – Handarbeit.)

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      • Das geht mir übrigens genauso. Ich mache beides, habe aber ne ganze Menge unterschiedliche Einnahmequellen. Die haben nur viele Leute da draußen nicht, und die haben halt Angst. Zu Recht.

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  6. Es ist doch wie überall im Leben… Erst denken, dann handeln. Obwohl ich die ersten Wochen auch Lehrgeld (also nicht im wörtlichen, aber im übertragenen Sinn) zahlen musste. Aber einmal gelernt, dann sitzt es. Und man selbst möchte doch auch nich, dass eigene Texte einfach 1:1 abgekupfert im Internet auftauchen. Wenn, dann sollte zumindest per Mail nachgefragt werden und dann kann sich der Urheber des Textes dazu äußern. Fair bleiben ist meine Devise.
    Gruß
    Aveleen

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  7. Ich würde gern einmal zu zwei oft wiederholten Ansichten eine Gegenseite zeigen:

    1. Blogger schreiben ohne Einkommen.

    Stimmt bei entsprechender journalistischer Qualität und Inhalten nicht, denn dann zahlt die VG Wort Tantiemen, sofern man die entsprechenden Artikel meldet. Es gibt da keinen Unterschied zwischen Print- und Blogjournalismus.
    Außerhalb des Journalismus gibt es einige Konzepte, sich zumindest Serverkosten etc. zu verdienen – da lohnt vielleicht einmal der Blick über den nationalen Zaun. Oder wie CHF schreibt, die Finanzierung läuft indirekt, indem der Blog anderes „promoted“.

    2. Verteilungskampf

    Der „Verteilungskampf“ tobte schon bei der Medienkrise Anfang der Neunziger vor allem im Billigsegment und dort, wo Mainstream und Austauschbares produziert wurden, wo sich Menschen nicht weiterbildeten oder entwickelten. Und er trifft vor allem die, welche mit Dumpingpreisen und Erfüllungsgehorsam ihren eigenen Markt ruinieren.

    Ich habe das schon oft beschrieben: der erfolgreiche Journalist von heute ist ein extrem waches, eierlegendes Wollmilchschwein ohne Berührungsängste neuen Medien und Techniken gegenüber. Und wenn er dann auch noch einen feinen USP entwickeln kann, lässt sich immer noch von Texten leben. Ich sage bewusst TEXTE, weil sich das Berufsbild Journalist selbst seit meiner Ausbildung gehörig gewandelt hat und man journalistische Texte nicht zwingend Zeitungen verkaufen muss.

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  8. Für mich war ein professioneller Journalist immer der, der sich gegenüber Hobbiisten durch eine gründliche Recherche auszeichnete, Er pflegte Kontakte, die ihm Informationen besorgten , an die man normal nicht herankommen würde.
    Das hat sich durch Web 2.0 gründlich geändert. Primärwissen ist teilweise direkt über das Netz abrufbar.
    Ein Beispiel was ich direkt miterlebt habe…das Sterben der Jugendtitel. Waren beispeilsweise die BRAVO-Redakteure bis vor einiger Zeit noch diejenigen, die über die Musikbranche bestens informiert war, hat sich mittlerweile in der Fanszene eine Informationsqualität gebildet, an die die nicht mehr heranreichen. Weil Fans über das Netz nochmal viel dichter an ihren Stars rankommen, als es ein Redakteur kann. Bands haben ihre Backstagevideos bereits im Internet stehen, da war das TV-Team noch gar nicht vorort. Gleichzeitig chatten sie mit ihrer Community und die Information ist verbreitet, da hat der Redakteur der Zeitung noch nicht einmal sein Interview geführt. Über Twitter etc erhalten sie einen Verbreitungsgrad, von der manche Zeitung nur träumt.

    Es liegt auf der Hand, das ein Fan dann keine 3 Euro mehr in die Hand nimmt, um eine Information zu bekommen, die er bereits seit einer Woche hat.

    Wo ist jetzt das Alleinstellungsmerkmal des BRAVO-Redakteures? Kann er besser schreiben? Überheblichkeit kommt bekanntlich vor dem Fall. Hat er die besseren Informationen? Wage ich zu bezweifeln. Hier kommt auch noch dazu, daß offizielle Interviews von Management etc gegengelesen werde, also immer offizielle Statements enthalten, während Videobotschaften und Chats oft unmittelbar von den Künstlern direkt kommen, in der Regel also wesentlich authentischer sind.

    Hier ist aus meiner Sicht einfach ein Berufsstand der, ähnlich dem Druckvorlagenhersteller, technisch überholt ist. Es ist vielleicht schwer zu akzeptieren, aber nicht zu ändern.

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    • Was reine Nachrichtenkultur betrifft, mag der Berufsstand vielleicht langsam etwas röcheln, aber überholt ist der Journalist noch lange nicht. Ich sehe sogar eine große Zukunft in den Berufskenntnissen, die durch Sparmaßnahmen in den meisten Medien abgebaut worden waren, die aber den Journalisten ausmachen.

      Etwa dort, wo Nachrichten und „Primärwissen“ genau untersucht und eingeordnet werden müssen; wo zwischen Halbwahrheiten, offensichtlichen Lügen, Propaganda und PR die auffindbaren Tatsachen recherchiert werden müssen. Aufwändig recherchierte Reportagen, intensive Hintergrundberichterstattung, auch nachhaltig über längere Zeiträume hinweg – also mir fallen noch jede Menge Berufsfelder ein, für die man tatsächlich noch etwas gelernt haben muss und was man nicht mehr aus der Hüfte in Blogs schießt.

      Ganz zufällig hat gerade ein solcher Journalist den Kath. Medienpreis bekommen, der auch bloggt und beweist, dass beides nicht überflüssig ist:
      http://cronenburg.blogspot.com/2009/11/qualitatsjournalismus.html

      Sagen wir bitte nicht gleich alle Journalisten tot, es gibt solche und solche…

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    • Ich würde nicht behaupten, dass der Journalist überholt ist, ganz im Gegenteil. Und tot ist dieser Beruf ganz sicher nicht.

      Ich bin allerdings auch der Ansicht, dass sich die jetzigen Geschäftsmodelle überholt haben. Der BRAVO-Redakteur ist da ein sehr anschauliches Beispiel. Klar ist aber auch, dass der direkte Kontakt zwischen Star und Fans zwar unmittelbarer ist und für den Fan sicher sehr aufregend sein kann.

      Die Aufgabe des Journalisten ist aber eine andere. Vielleicht darf ich wieder mal meinen Begriff des Kurators herausziehen. Er ist derjenige, dessen Texten ich folge, weil ich ihm in der Auswahl der Themen und der Qualität der Texte vertraue. Ob er das online oder offline macht, spielt eigentlich keine Rolle.

      So wie ich auch heute noch für Printmedien, deren Meinung ich schätze, Geld ausgebe, würde ich das auch online tun. Wahrscheinlich aber nicht mehr in Form eines Abos wie es z.B. bei den Printmedien noch üblich ist. Aber ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht genau, wie das Modell aussehen müsste.

      Auf der anderen Seite hat es aber auch noch nie jemand versucht und mir ein entsprechendes Angebot unterbreitet.

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  9. Ich war auch weit davon entfernt, den Journalisten totzureden. Genau wie in manch anderem Berufsbild, beispielweise dem Schriftsetzer, werden die, die tatsächlich Qualität produzieren, dort zu tun haben, wo Qualität gefragt ist

    Gerade im recherchieren der Wahrhaftigkeit von Berichten, nehmen wir nur einmal als Beispiel die ganzen Iran-Videos die auf Youtube und Facebook zu den Wahlen im Iran erschienen sind, bedarf es einer anlaytischen Recherche.

    Aber das Berufsbild hat sich doch erheblich geändert, so wie ich da sehe, und eine Menge „klassischer“ Felder sind vom Aussterben bedroht.
    Zumal sich unsere Medienwirklichkeit ja nicht immer über Qualität definiert.
    Das hier der ein oder andere Journalist unruhig wird, kann ich sehr gut nachvollziehen.

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    • Ja. Das unterstützt die These von Christian nur umso mehr. Weil er ja sagt: Journalist sein allein ist kein Qualitätsmerkmal. Und es gibt einfach viele, die das „beruflich“ sind, aber eigentlich auch nur Texte schreiben.

      Das wandelt sich eben einfach, früher hätte man dazu ein Buch geschrieben, Strukturwandel des Journalismus.

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    • Nur mal zur Klärung – dass die Gesellschaft auch weiterhin journalistische Kompetenz benötigt, da bin ich einverstanden. Nur: Werden genug Leute den Unterschied zwischen Journalismus und Infotainment a) überhaupt erkennen und b) hoch genug schätzen, um den Beruf ökonomisch am Leben zu erhalten?

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      • @Lars
        Es gab schon immer zwei Märkte: den BLÖD-Markt (inkl. Flachboulevard) und die Qualität, wobei ersterer immer die höheren Auflagenzahlen erzielte. Was ich heute beobachte, ist eine Polarisierung beider Märkte, viele Qualitätsthemen bilden Nischen. Und dann werden herkömmliche Produktions- und Vertriebsstrukturen einfach zu teuer. Da liegt das Problem.

        Aber wir haben den Ausweg doch auch schon längst in Sicht – nichts eignet sich für Nischenqualität besser als das Internet (und Social Media für den Kontakt). Traditionell sind größere Strukturen schwerfälliger, aber die Unabhängigen proben doch längst das Neue.
        Und ja, die Menschen erkennen sehr gut, ob sie zufriedengestellt werden! Sie unterscheiden sehr fein bei zwei Texten zum gleichen Thema, ob das „ihr Ding“ ist.

        Was das Ökonomische betrifft, müssen wir auch neue Formen entwickeln. Und Hand aufs Herz, welcher freie Journalist konnte vor Jahren, als die Buy-out-Welle rollte, NUR vom Journalismus leben?

        Gibt es immer einen Unterschied zwischen Journalismus und Infotainment? Ich erinnere da an die gute alte BBC…

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  10. @Lars Fischer: bis jetzt mussten die Leute den Journalismus auch nicht schätzen, denn es waren nicht sie, die die JournalistInnen bezahlten, sondern die Unternehmen, die um die Artikel herum Werbung schalteten.

    Es geht also darum, Ersatz für die Anzeigen zu finden, egal ob das nun eine „gute“ oder „schlechte“ Zeitung ist. Das ist übrigens in meinen Augen auch ein Beleg dafür, dass Qualität nicht nicht das entscheidende Kriterium ist…

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  11. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn heute so laut von Strukturwandel und Wandel des Berufsbilds die Rede ist, als sei das eine hereinbrechende Tsunami-Welle. Ich machte mein Volontariat Mitte der Achtziger auf einer mechanischen Schreibmaschine, lernte noch Klebesatz (und im Buchdruck arbeitete man durchaus noch mit Blei) und schoss Kleinbildfilme fürs hauseigene Zeitungslabor. Beim Radio schnitten wir noch echte Bänder. Seitdem sind keine 25 Jahre vergangen und es gab ZIG Berufsveränderungen. Aber erst heute macht man ein Gedöns drumherum, früher gehörte Fortbildung zum Job.
    Wie wäre es damit: Journalist sein IST ein beweglicher, flexibler Beruf, schon immer gewesen. Wer nicht bereit ist für Veränderungen, ist einfach fehl am Platz?

    Es gibt aber etwas, was bleibt, über alle Veränderungen hinweg. Man nennt das altmodisch journalistische Ethik und journalistischer Auftrag. Wie wäre mal der umgekehrte Gedanke, dass Laien langsam lernen müssen, sich ebenfalls an dieser Ethik zu orientieren? Texte in die Tasten hacken ist nicht alles.

    Übrigens alles auch ein sehr deutsches Problem. Hier in Frankreich gibt es eine reine Onlinezeitung, die in kürzester Zeit schwarze Zahlen mit einem völlig neuen Konzept schrieb (übrigens mit Einbindung der Leser arbeitet), kein Einzelfall. Da müssten einige Verleger einfach mal über den Tellerrand schauen! Das ist das Problem im dt-sprachigen Raum: Journalisten, die könnten, gibt es genug. Sie dürfen nur nicht immer.

    Wenn ich je den Link jener Zeitung wiederfinde, werde ich sie mal vorstellen in meinem Blog.

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  12. @Petra: das Modell der Online-Zeitung würde mich interessieren.

    Dass Veränderung notwendig ist, auch im Bereich Journalismus, das wird, denke ich, niemand bestreiten. Mal abgesehen von den Totalverweigerern, die das Web 2.0 als Teufelszeug ansehen. Aber solche Verweigerungshaltungen gab und gibt es überall, irgendwann löst sich das Problem dann von selbst.

    Die Veränderung, von der wir jetzt reden, betrifft die Journalisten nur indirekt, denn das Geschäftsmodell, das über sie gestülpt wurde und ihre Bezahlung erlaubte, gerät ins Wanken.

    Das heißt, hier steht eine Veränderung an, bei der es nicht so sehr um die journalistische Tätigkeit geht, sondern um die unternehmerischen Fähigkeiten von Journalisten.

    Im Endeffekt passiert hier jetzt das, was im Kunst- und Kulturbereich schon viel früher geschehen ist. Wir verlieren den Überbau, die Organisation, die uns Sicherheit gibt und sind auf uns alleine gestellt.

    Das heißt aber auch, dass sich nicht unbedingt die inhaltliche Qualität durchsetzt, sondern es im gleichen Ausmaß auch um die unternehmerischen Fähigkeiten geht. Insofern muss man eigentlich auch vorsichtig sein, wenn man behauptet, Qualität werde sich schon durchsetzen. Es gibt genügend Beispiele, gerade in der Kunst, wo das nicht geklappt hat.

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    • „insofern muss man eigentlich auch vorsichtig sein, wenn man behauptet, Qualität werde sich schon durchsetzen. Es gibt genügend Beispiele, gerade in der Kunst, wo das nicht geklappt hat.“

      Da stimme ich voll zu. Wobei es im Journalismus etwas leichter ist: Qualität wandert auch ab. Wohin soll man aus der Kunst heraus wandern?

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