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Ein paar Gedanken zur stART.09

11 Kommentare

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Als ich zu Beginn der stART.09 in einen gut gefüllten Saal schaute, fiel mir ein Blogpost ein, das ich im Mai 2007 geschrieben hatte. Darin hatte ich mich gefragt, ob Blogs nichts für den Kunst- und Kulturbereich seien? Der Grund: im Ranking der deutschsprachigen Top100-Blogs tauchte kein Blog aus diesem Bereich auf. Von der Kategorie Kunst und Kultur ganz zu schweigen. Nun saßen da rund 400 erwartungsvolle (?) KonferenzteilnehmerInnen und interessierten sich für die Möglichkeiten des Web 2.0. Irgendwie war das schon ein tolles Gefühl. Aber um die Sache auch gleich wieder etwas zu relativieren: bloggende Kultureinrichtungen sind nach wie vor die große Ausnahme, insofern besitzt die Frage, ob Blogs nichts für den Kunst- und Kulturbereich seien, nach wie vor Gültigkeit.😉

Zur Konferenz: Duisburg hat sich als Standort bewährt, die Mercatorhalle bot ausreichend Platz und wenn wir uns die verschiedenen Kritikpunkte zu Herzen nehmen, dann ist die stARTconference „ausbaufähig“.😉 Stichworte sind WLAN, Steckdosen, Infos über die TeilnehmerInnen und noch einige Punkte mehr.

Die inhaltliche Bandbreite dieser zwei Tage war ziemlich groß, was bei mehr als 50 RednerInnen auch kein Wunder ist. Zwei Punkte möchte ich herausgreifen. Im Vorfeld wussten wir natürlich nicht wirklich, wer konkret zu dieser Konferenz kommt, Web 2.0-EinsteigerInnen oder ExpertInnen? Deshalb haben wir versucht, uns in die verschiedenen Richtungen abzusichern und ein sehr gemischtes Programm angeboten.  Das würde ich auch weiterhin so handhaben, denn die stARTconference soll weiterhin offen für alle sein, die sich für das Thema interessieren. Egal ob AnfängerIn oder ExpertIn.

Nun haben einige gemeint, es wäre sinnvoll, das Thema mehr einzugrenzen und sich z.B. mit den wirtschaftlichen Effekten des Social Web zu beschäftigen. Nun wissen wir zwar alle, dass das nicht ganz so einfach ist, denn eine Gleichung a la „eine Stunde Bloggen = zwei neue BesucherInnen“ ist so nicht haltbar, aber richtig ist, das Web 2.0 muss mir als Kultureinrichtung irgendetwas bringen. Ob das „nur“ neue BesucherInnen sein müssen oder ob die Web 2.0-Aktivitäten sonst noch einen Nutzen haben, das sollte im nächsten Jahr thematisiert werden.

Daneben sollte aber auch Platz für Themen bzw. Vorträge sein, die auf den ersten Blick gar nicht so spektakulär anmuten. Leider hatte ich in den zwei Tagen kaum Zeit, mir Vorträge anzuhören. So komme ich jetzt erst dank der Folien und der Videos darauf, was für Perlen dort zu entdecken waren. Gerade eben habe ich mir die Präsentation von Sabria David angeschaut, in der sie zeigt, dass z.B. das Thema User-Generated-Content gar nicht so neu ist. Ihre auf Folie 73 zu findende „Formel „Das Internet ist ein Schriftmedium, das nach den Regeln der Mündlichkeit funktioniert“ ist in meinen Augen der Schlüssel für die Probleme, die viele Kulturbetriebe haben, wenn sie zwar auf Twitter und Facebook präsent sind, sich die Follower aber nicht in der gewünschten Zahl einstellen wollen. Twitter ist eben kein reines Schriftmedium, ein Blog übrigens auch nicht.

Der zweite Punkt, der mir am Herzen liegt, ist die Frage, wie ich die Partizipation, von der im Web 2.0 ständig die Rede ist, in eine Konferenzstruktur einfließen lassen kann? Das beginnt mit so Kleinigkeiten wie der Anordnung der Stühle und endet bei der Frage, ob man statt des klassischen Konferenzformats nicht dem Barcamp-Format den Vorzug geben sollte? Eine Antwort darauf habe ich (noch) nicht, hoffe aber, dass uns das im Mai 2010 geplante stARTcamp diesbezüglich weiterhilft.

Was ich mir für die stART.10 wünsche: mehr Internationalität und damit verbunden mehr gute Beispiele aus anderen Ländern. Das hätte ich bzw. hätten wir zwar bereits dieses Jahr gerne gehabt, aber das war mit diesem Budget einfach noch nicht möglich. Aber man muss ja auch noch Ziele haben…

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  1. Wieder viele goldene Worte, lieber Christian; und Deine Überlegungen lassen schon das Gespanntsein auf die stART.10 wachsen.
    Beste Grüße von der Guten Luise

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  2. Allerdings ist das Internet stark textlastig. Man traut sich das kaum zu sagen, da es sich zumindest in der Theorie durchgesetzt hat, dass wir eine Gesellschaft der Bilder seien. (Stichwort iconic turn).
    Im Englischen spricht man öfters von „secondary orality“:
    http://tinyurl.com/yz49cdv. Damit ist die Tendenz gemeint, dass mehr und mehr mündliche Kommunikation in das Medium Text übertragen wird. Der Begriff als solcher ist allerdings zurecht nicht ganz unumstritten: http://www.jpwalter.com/machina/?p=331. Wens interessiert: zum Thema Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit gibt es einen faszinierenden Klassiker, Walter Ongs „Orality and Literacy.

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    • @Axel: danke für Links und Erläuterungen. Jetzt habe ich wieder Lesestoff.😉

      Eine Frage: hat nicht gerade eine Phase begonnen, in der die Textlastigkeit abnimmt? Ich denke einerseits an die zahllosen Foto- und Videoplattformen, andererseits aber auch an die Tendenz der kürzeren Texte. Twitter ist da nur ein Beispiel.

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      • spannende Frage. Wenn weniger gebloggt wird und mehr getwittert dann ist das sicherlich der Fall. Aber könnte es nicht auch sein, dass Twitter ein Medium ist, das zusätzlichen Text generiert?
        Es ist wohl so, dass mittlerweile weniger lange Texte gelesen werden, wie z.B. Buecher, auch wenn Verkaufszahlen stabil bleiben. Was man mit Sicherheit sagen kann ist, dass sich Schreib- und Lesegewohnheiten gerade dramatisch verändern. Was ich dabei spannend finde ist nicht nur die Länge der Texte sondern die Tatsache, dass die Unmenge der Texte im partizipativen Web sich der Autorität der Verlage, der Autoren und solcher Insitutionen wie Duden entziehen und dass dadurch Rechtschreibung, Sprache und Grammatik eine ganz neue Dynamik bekommen. Bücher wie die Bibelübersetzung von Luther haben mit dazu geführt, dass sich ganze Nationen über eine Sprache definieren. Jetzt kann man mal gespannt sein, was was passiert, wenn die alten Autoritäten, die diese Sprachgrenzen überwacht haben, aufhören zu existieren. Vielleicht bin ich da aber auch etwas zu verwegen?

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      • @Axel: Den Verlust der eigenen Sprache befürchten mittlerweile ja viele, wenn sie einen Blick in die diversen Chats werfen und mitbekommen, wie dort mit Sprache umgegangen wird.

        Zum Thema weniger bloggen, mehr twittern: ich bin mir gar nicht sicher, ob erstens die Gesamtmenge an Texten geringer ist als früher und ob zweitens die Qualität der Texte nachgelassen hat. Fakt ist eine weiter zunehmende Fragmentierung von Texten. Das meintest Du wahrscheinlich auch mit den sich verändernden Lese- und Schreibgewohnheiten.

        Ob das gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu beantworten. Aber es hat vermutlich Auswirkungen auf viele andere Bereiche, in denen Texte wichtig sind.

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      • Man könnte diese Entwicklung auch als Deregulierung der Sprache auffassen. Früher, also vor dem berühmten Wörterbuch der Gebrüder Grimm, gab es je nach Region eine unterschiedliche Verwendung und Gebrauch der deutschen Sprache. Das Wörterbuch Grimms hatte versucht, durch Belegung der Herkunft eines jeden Wortes das gemeinsame Nationalitätengefühl der Deutschen zu bestärken.
        Unter Einfluss des Webs und des veränderten Kommunikationsverhaltens bilden sich wieder sprachliche Inseln, die teilweise ihre eigenen Codes herausbilden, eine zeitsparendere Form der Sprachanwendung einführen etc.
        Das, was von vielen als Verschlampung der Sprache durch die modernen Medien gesehen wird, ist nichts anderes als die Gegenbewegung zur Vereinheitlichung. Hier wird Sprache wieder zu einem identitässtiftenden Merkmal einiger Kleingruppen. Parallelen könnte man auch zur Staatenbildung sehen: viele Kleinstaaten bilden – durch friedliche Übereinkunft oder Eroberungszüge – einen Großstaat, nach einiger Zeit bilden sich Gruppen, die eine Ab- und Aufspaltung in wieder Kleinstaaten anstreben, danach folgt wieder eine Entwicklung in Richtung Großstaat etc.
        Vielleicht mal nur so ein grober Gedanke.

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    • @Kurt: ja stimmt, so eine Entwicklung ist vorstellbar. Immer kleinere Gruppen hätten dann ihre „Nischensprachen“. Das führt andererseits dazu, dass die Zahl derer, mit denen ich in meiner Sprache kommunizieren kann, immer kleiner wird. Das ist in meinen Augen nicht unbedingt wünschenswert und bedeutet, dass es dann so etwas wie eine „Weltsprache“ geben müsste.

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      • Ich glaube nicht, dass eine wiederum vereinheitlichende „Weltsprache“ nötig sein wird. Das einzige, das notwendig wäre: ein wenig Neugier und auch Interesse, die Ausdrucksweise des jeweils anderen zu verstehen. Die Basis ist ja gegeben in Form der regulierten und vereinheitlichten Sprache als gewissermaßen Kunstsprache.
        Ein Träumer würde jetzt sagen: das Web könnte die ideale Plattform für die Praktizierung von Toleranz und Gleichberechtigung sein.

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  3. @Christian

    Ich beobachte das ebenfalls relativ emotionslos. Man vergisst manchmal, dass Lesen und Schreiben noch bis vor kurzem ein Privileg für ein paar wenige war und dass der Umgang mit Medien sich über die Jahrhunderte eh ständig verändert hat und auch weiterhin wird. Verlust der „eigenen Sprache“? Sprache war ebenfalls immer extrem dynamisch und veränderte sich ständig bis sie vor ein paar Jahrhunderten durch den Buchdruck ziemlich fixiert wurde. Wenn das wieder etwas dynamischer werden sollte, finde ich das eher spannend als bedrohlich.

    bezüglich weniger bloggen, mehr twittern. War nur ne Frage. Ich weiss nicht ob das zutrifft. Hab eher den Eindruck, dass sich mit Twitter ein zusaetzlicher Kanal geöffnet hat.

    Die spannende Diskussion können wir ja mal irgendwann im echten Leben weiterführen…

    Gruss, xl

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