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Selbstvermarktung für KünstlerInnen: nochmal Kickstarter

25 Kommentare

Ein auf Pressetext erschienener Artikel über Kickstarter zeigt noch mal, wie solche Plattformen im Kunst- und Kulturbereich eingesetzt werden können. Ich habe Kickstarter ja erst vor ein paar Wochen in einem eigenen Blogpost vorgestellt, bin damals aber eher auf das Prozedere eingegangen.

Besonders gut gefällt mir in dem Artikel das Beispiel des Schriftstellers Robin Sloan, der auf der Plattform versucht, Geld für den Druck seiner neuen Detektivstory aufzutreiben. Je mehr Leute das Buch schon vorbestellen, desto besser wird die Druckqualität werden, schreibt er. Das heißt: ich bestelle ein Buch, das noch gar nicht erschienen ist. Angesichts der geringe Chancen, als Schriftsteller eine öffentliche Förderung für den Druck des eigenen Werkes zu erhalten, habe ich hier die Möglichkeit, selbst die Initiative zu ergreifen.

Dabei ist aber nicht nur die Qualität meines Buches entscheidend, sondern es kommen noch zwei Dinge hinzu: einerseits muss ich es schaffen, Vertrauen zu meinen potenziellen LeserInnen aufzubauen. Viele SchriftstellerInnen sind davon überzeugt, dass ihr Buch toll ist. Die Herausforderung besteht nun aber darin, andere davon zu überzeugen und sie dazu zu bringen, das Buch zu bestellen.

Zweitens geht es darum, die Möglichkeiten des Social Web zu nutzen, damit möglichst viele Menschen von meinem Buch erfahren. Twitter, Facebook oder ein eigenes Blog sind Wege, um auf mich aufmerksam zu machen.

So toll solche Ansätze auch sein mögen. Berücksichtigen sollten wir aber, dass erstens nicht jede SchriftstellerIn auch eine gute VerkäuferIn ihrer Werke ist. Das heißt, gute AutorInnen verkaufen nicht automatisch viele Bücher. Und zweitens besteht die Gefahr, dass sich vor allem Mainstream-Werke durchsetzen werden, denn je kleiner die Nische, desto schwieriger wird es sein, die eigene Zielgruppe zu  finden und zu überzeugen.

Fakt ist aber: wer Bücher produzieren will, sollte wissen, dass es neben der öffentlichen Förderung auch andere Wege der Finanzierung gibt. Nicht nur im Bereich der Literatur.

Update: Auch die New York Times schreibt über Kickstarter: „A Few Dollars at a Time, Patrons Support Artists on the Web

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  1. Hmmm… vielleicht interessant für Verlage, vor allem Nischenverlage. Aber für Autoren?

    Wer seriös und professionell sein Manuskript durch einen ebensolchen Verlag verlegen lassen möchte, kommt um die Verlagsbewerbung nicht herum und wird alle Kräfte und Zeit brauchen, diese besonders gut vorzubereiten. Ich möchte bezweifeln, dass man durch solche Aktionen auch nur annähernd (!) einen durchschnittlichen Verlagsvorschuss erreichen kann, der zumindest in der Unterhaltungsbranche das Schreiben vorfinanziert – und vor allem mit einem Vertrag einhergeht!
    Allzu offensives Selbstwerben im Internet kann sogar der Karriere schaden – und zu viel Vorabinformationen frei Web nehmen viele Verlage übel (etwa Vorveröffentlichungen von Texten).

    Meiner Meinung nach bei Einzelpersonen allenfalls ein Weg für Selbstverlag / Print on Demand etc.

    Für alle anderen mein Rat aus über zehnjähriger Bucherfahrung: Erst einmal alle Energie und alles Können ins Manuskript, ins Exposé und den Probetext investieren und so lange überarbeiten, bis die Bwerbungsunterlagen wirklich überzeugen, denn meist hakt es an denen. Sollte dann noch Energie frei sein, sich eine seriöse Agentur suchen, die einem die Verkaufsarbeit abnimmt.

    Social Web und Eigenwerbung allenfalls zum Erscheinen des Buchs – aber dann genau abgestimmt mit dem Verlag! Denn eigentlich sind Werbung und Platzierung im deutschsprachigen Raum Sache der Verlage, denen man natürlich zuarbeiten kann.

    Die meisten machen sich Illusionen, wie viele Leser man durchs Internet als Autor finden kann – es sind lächerliche Mengen! In Deutschland zählen 1. Vorhandensein (nicht reine Bestellbarkeit) im Buchhandel und 2. Rezensionen in den Medien.
    Und wenn’s ums reine Finanzieren geht (falls kein Vorabvertrag), dann ist der Zeitjob / Brotjob schneller erledigt und bringt mehr ein.

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    • Petra, ich gebe Ihnen absolut recht, dass die Situation heute noch so ist – allerdings glaube ich nicht, dass sie noch lange so sein wird und AutorInnen nicht mehr in der jetzigen Form von Verlagen abhängig sein werden. Das ganze Verlagsmodell, das darauf ausgerichtet ist pro Jahr ein paar Hits zu landen, um damit alle anderen zu finanzieren – das wird sich über kurz oder lang ändern müssen. Auf dem deutschsprachigen Raum wird das aufgrund von Buchpreisbindung, politischer Unterstützung und dem schlechten Prestige von Selbstverlagen (für Autoren) vielleicht ein bisschen länger dauern; doch ich bin fest davon überzeugt, dass AutorInnen irgendwann Verträge mit z.B. Google abschließen können und dass BOD wachsen wird. Schon jetzt brauchen doch die meisten einen Brotjob, um sich zu finanzieren – ein Vorschuss von je nach Verlag und Manuskript anfangs vielleicht 2000€ reicht ja nicht aus, ein ganzes Buch zu schreiben.
      Die Verlage werden sich umstellen müssen und froh sein, wenn ihre AutorInnen bereit sind, Öffentlichkeitsarbeit mit zu übernehmen. Andrew Keen hat im Telegraph vor ein paar Tagen einen sehr interessanten Artikel dazu geschrieben: http://www.telegraph.co.uk/technology/6087124/Why-are-artists-poor-Self-promotion-and-making-money-in-the-new-digital-economy.html

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  2. @Petra: nicht jeder hat das Glück, einen Verlag zu finden, der nicht nur den Druck, sondern auch das Marketing für das neue Buch übernimmt. Ich kenne genug Leute, die entweder gar keinen Verlag finden bzw. einen ordentliche Summe Geld mitbringen müssen, um gedruckt zu werden.

    Hier sind solche Modelle vielleicht hilfreich, denn die öffentlichen Fördermittel sind eindeutig kein Weg, um sich den Traum vom eigenen Buch zu erfüllen.

    Was die Ratschläge angeht: ja, das sehe ich auch so.

    Die Crowdfunding-Plattformen sind in meinen Augen aber ein wichtiger Gradmesser, wie ich bei meinen LeserInnen ankomme. Nur weil jemand mich einmal vor, während oder nach einer Lesung gelobt hat, heißt das ja noch nicht, dass er auch mein Buch kauft. Die Stunde der Wahrheit schlägt auf solchen Plattformen, wenn es um die Frage geht, ob jemand bereit ist, für das Buch zu zahlen oder nicht.

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  3. @Dorothea Martin: Das mag bestimmt in manchen Genres und besonderen Bereichen sehr schnell kommen, da gebe ich Ihnen recht. Trotzdem glaube ich weiter ans Verlagsmodell, weil wir ja auch eine gewisse Qualitätsgarantie haben wollen (Auswahl, Lektorat, Profis beim Design etc.). Wenn ein Autor auch noch Lektorat etc. selbst übernehmen und bezahlen muss, wird die Sache SEHR teuer. Und da fürchte ich, reichen solche Experimente weniger aus als ein vernünftiger Brotjob. Ich wäre natürlich die erste, die ihren Brotjob wegwirft, wenn sie im Internet Geld verdienen könnte!😉

    @CHF: Ganz deutlich – ein seriöser Verlag (deshalb betone ich das Wort so oft) bezahlt seine Autoren, nicht umgekehrt! Das andere nennt man Vanity Press und wie die funktioniert, kann man bei dieser Aktion http://snipurl.com/ri14g beobachten, über die der Spiegel gerade schrieb.

    Wie wird man sich auf solchen Plattformen eigentlich künftig mit – nennen wir es mal Qualität – durchsetzen können gegenüber solcher Ware? Im Fernsehen macht ja auch nicht unbedingt die beste Sendung Quote?

    Wo ist der Unterschied zum Subskriptionsmodell? Da zahle ich den Buchpreis (meist erniedrigt) und bekomme dann das Buch, teurer wird es nicht. Was soll mich als Leser verlocken, mehr in meinen Autor zu investieren?

    Kurzum: Auch wenn ich mich immer so kritisch gebe, ich würde gern an solche neuen Möglichkeiten glauben. Leider sehe ich um mich herum eher den Trend zum Autorensterben. Viele werfen bald hin… Da wird es eine „verlorene Generation“ geben, bis solche Plattformen greifen.

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    • Ich glaube auch nicht, dass es als Autor so einfach ist, im Internet Geld zu verdienen – wenn dann hilft das Internet dabei Geld zu verdienen. Bestimmte Sachbuchautoren verdienen ihr Geld mittlerweile durch Vorträge – die sie bekommen, weil sie ihr Buch im Netz verteilen. Das sind noch Ausnahmen und eher aus dem anglo-amerikanischen Bereich. Mit Belletristik, Lyrik usw. sieht das ein bisschen anders aus, doch auch hier gibt es einige Möglichkeiten, je nach Genre und Buch natürlich.
      Ein sehr erfolgreiches Projekt ist in meinen Augen „Schmidt liest Proust“. Absolut passend zum Buch gab es hier einen Blog, der das Buch begleitet hat http://vertr.antville.org/ – und einen mutigen Verlag, der sich traute ein fast 20 € teures Hardcover drauszumachen, nämlich Voland&Quist.
      Was ich eigentlich sagen will, ist folgendes: ich glaube, dass sowohl Verlage als auch Autoren überlegen müssen, ob ihr Kernprodukt Buch sich nicht wandelt, der Buchmarkt ändert sich auf alle Fälle; das heißt, Geschäftsmodelle müssen überprüft werden und gewisse Aufgabenbereiche werden sich zwangsläufig verschieben. Noch kann Jonathen Littell sagen, er macht keine Lesereise, das wäre Eigen-PR und die stinkt (siehe Telegraph Artikel), mal sehen, ob er das beim nächsten Buch auch noch macht.

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  4. Da der „Traum vom eigenen Buch“ jetzt schon mit ca. 100.000 Neuerscheinungen pro Jahr nicht nur zu einer quantitativen, sondern auch qualitativen Vermüllung der deutschen Literaturlandschaft geführt hat, kann weder die dahinterstehende Autoreneitelkeit noch das „Ankommen“ beim Leser ein Argument für eine Drucklegung sein. Die ‚ernsthaften‘ Literatur-Verlage, gerade die kleinen, brauchen zum Überleben hohe Qualitätsstandards und wären deshalb schlecht beraten, auf im Social Web gehypte ‚Werke‘ umtriebiger Autoren anzuspringen. Wenn die das dann im Selbstverlag drucklegen (kostet ja mit BoD kaum was), können sie einem guten Manuskript sogar schaden, weil keine mir bekannte seriöse Literaturkritik-Redaktion auf die Eigenbau-Marken anspringt und die ‚Weihe‘ einer Rezension erteilt.
    Die Stunde der literarischen Wahrheit schlägt auf solchen Plattformen eben nicht, weil es um mehr als die Frage geht, ob jemand bereit ist, für ein Buch zu zahlen …

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    • Noch ist die Literaturkritik das A und O, aber auch das kann sich ändern. Für nachwachsende Lesergruppen, die sogenannten Digital Natives spielt das Zeitungsfeuilleton so gut wie keine Rolle mehr. Wenn man diese Gruppe als Leser gewinnen will, muss man ganz andere Wege einschlagen. Und das hat wenig bis nichts mit einem Verlust an Kultur zu tun, die Kultur ändert sich einfach nur.

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    • Das Problem sehe ich ähnlich. Mal ganz extrem und mit humorvollem Grinsen in die Zukunft gedacht, weit über den Untergang des Abendlandes hinaus: Könnte es nicht sein, dass die unkontrollierte Vermüllung des Internet, diese quantitativ unendliche Jedermannskultur, irgendwann zum selbstorganisierenden Chaos wird?

      Die Hypes heutzutage werden ja genauso gemacht wie früher, nur in Bytes: da kennt jemand jemanden, da puscht der richtige Multiplikator zum richtigen Zeitpunkt, da rennen Peergroups irgendwelchen angesagten Leuten nach. Richtig neu ist ja nichts.

      Ich könnte mir das so vorstellen: Irgendwann haben die Verbraucher das alles über. Irgendwann ist denen alles zu laut, zu schrill, zu angesagt. Und dann schalten sie ab. Vielleicht bekommen wir dann ein elitäres „Manufactum“-Web, wo Kunst und Qualität nur noch unter der Hand gehandelt werden, heimlich still und leise? Bei begrenztem Luxusclub-Zugang mit Hirnprofil? Nur mal so als Utopie…

      Meine (subjektive, womöglich falsche) Erfahrung von Auftritten: Die Leser HUNGERN nach Qualität und anspruchsvollerer Ware. Sie wissen im Moment aber kaum noch, wie finden. Mangelnde Präsenz. Da fehlen neue Kanäle. Zweites Problem: Diese Leute tummeln sich NICHT ständig im Internet und sind in Social media so gut wie nicht zu finden.

      Ich denke, das wird die Aufgabe der Zukunft: Wie bekomme ich meine Leser überhaupt in meine Medien hinein? Wie kann ich als PR-DAU überhaupt wissen, wer meine Leser sind und wie die sich verhalten? (Wüssten Verlage das nach Glücksformel, würden nicht so viele angedachte Bestseller floppen). Und wie schaffe ich in einem noch extremeren Massenmedium als es die Zeitung war – in den Social Media, so etwas wie eine Qualitätspräsenz? Wie soll denn ein Leser auseinanderhalten können, ob es sich um ein Stück brillanter Literatur handelt oder um einen Möchtegerntext, wenn im Internet alles gleich laut klingt?

      Ich fürchte, die neue PR wird viel schwieriger und zeitaufwändiger werden als die alte… Und deshalb glaube ich, das können nur Verlage umfassend leisten, nicht die Autoren (die sollen ja eigentlich heutzutage in vier Monaten 600seitige Romane runterschrubben…)

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    • @Dorothea Martin: treffend formuliert: „die Kultur ändert sich einfach nur.“ Vor allem: schon heute hat das Feuilleton nicht mehr die Macht, die es früher hatte. Aber es werden andere an die Stelle der Zeitungskritiker, nur wissen wir noch nicht, wer es werden wird und über welche Kanäle sie uns erreichen werden.

      @Petra: liegt es nicht an uns zu entscheiden, ob wir in Sachen Internet von der unkontrollierten Vermüllung oder dem selbstorganisierten Chaos sprechen? Wo wäre denn der Punkt, wo der Wechsel stattfindet? Ich vermute, es hängt von uns ab, wie wir das Internet sehen wollen.

      Das erinnert mich etwas an die Aussagen der PolitikerInnen, die das Internet als rechtsfreien Raum sehen. Wenn man sich völlig orientierungs- und ahnungslos darin bewegt, mag das so erscheinen. Wer sich mit dem Internet beschäftigt, wird zu einem ganz anderen Ergebnis kommen.

      Viele werden diese Polyphonie des Internets schnell über haben bzw. haben sie heute schon über. Orientierung suchend werden sie sich Anlaufstellen suchen. Das können z.B. Blogs sein oder was auch immer. Wichtig ist, dass es sich um eine Person handelt, der sie vertrauen. Für mich ist das der schon öfter erwähnte digitale Kurator, der Orientierungshilfen anbietet. Man kann ihm folgen, muss es aber nicht.

      Wie findet man ihn? Durch gezieltes Suchen, durch Empfehlung oder einfach durch Zufall. So wie wir früher auch im Feuilleton nicht nach der Person gesucht haben, die uns sagt, was gut oder schlecht ist. Wir haben sie gefunden, ich z.B. durch einen Zufall.

      Der Anteil derer, die sich im Internet bewegen, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Mit Hilfe von Google oder Social Bookmarking-Diensten kann ich schon heute sehr gezielt suchen und finden. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich ein Blog habe oder sonst irgendetwas anderes. So richtig angekommen ist das Social Web erst dann, wenn wir nicht mehr erwähnen müssen, dass es sich bei der Website, die wir da lesen, um ein Weblog handelt. Weil das keine Rolle spielt.

      Und noch ein letzter Punkt: ich glaube auch, dass AutorInnen nicht die ganze Arbeit im Social Web übernehmen können. Aber wo steht geschrieben, dass es die Aufgabe der Verlage ist? Warum sollten nicht auch hier im Internet ganz neue Berufsbilder entstehen, von denen wir heute keien Ahnung haben?

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  5. Wenn ich die Kommentare zusammenfasse, dann geht es doch im Endeffekt um die Frage, ob unser bisheriges Verlagssystem qualitativ hochwertigere Ergebnisse in Form von Büchern hervorbringt als eine, in diesem Fall, Internetplattform?

    Für mich stellt sich nun die Frage, ob wir das wirklich behaupten können? Ist es wirklich so, dass dank unseres Systems qualitativ hochwertige Literatur entdeckt wird und diejenigen, die den hohen Ansprüchen nicht gerecht werden, durch den Rost fallen?

    Heißt das, nur das Verlagssystem ist in der Lage, die Qualität von Literatur einzuschätzen, während die LeserInnen dazu nicht in der Lage sind. Qualität wäre dann losgelöst vom Verkaufserfolg eines Werkes zu sehen. Obwohl die Verlage sich ja nur durch Verkäufe ihre Existenz sichern können.

    Oder ist es nicht vielmehr so, dass ein nicht perfektes System durch ein anderes, ebenfalls nicht perfektes System abgelöst wird, weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben? Worum geht es dem Ökosystem Literatur? Um Verkaufszahlen, um Qualität oder um beides?

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  6. Es gibt eigentlich jetzt schon zwei völlig unterschiedliche Buchmärkte – schnelldrehendes, leichtes „Lesefutter“ und alles andere. Beides polarisiert sich derzeit, die Marktbedingungen sind absolut nicht zu vergleichen.

    Die Leser werden ganz sicher schnell allein entscheiden können, was sie als „Lesefutter“ für den Strand anmacht. Zu entscheiden, ob da ein neues literarisches Talent am Schreibtisch sitzt oder ein wirklich weltbewegendes Werk entsteht – dazu gehört schon ein wenig mehr als nur „Lesen“. Wie viel Arbeit und Vorbildung das erfordert, kann man an den Verlagen sehen, die es beherrschen.
    Beim Ökosystem Literatur geht es auch um Bildung!

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    • Was soll denn plötzlich an DEN Verlagen so schlecht sein?
      Ein Beispiel für einen anspruchsvollen Literaturverlag mit mehrfach preisgekrönten Büchern / Autoren, jetzt wieder dick auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis, Twitteraccount, eigener you-tube-Kanal und eine fantastische Autorenbetreuung: http://www.hanser-literaturverlage.de

      Und *gerade* Literaturverlage kümmern sich sehr um Autoren und Bücher!

      Warum sollte man so eine Arbeit plötzlich in andere Hände legen???
      Ganz ehrlich: Ich finde es regelrecht erstrebenswert, solche Verlage zu finden. Das klappt nicht immer und liegt dann meist am Manuskript! (Auch Profis kassieren pro veröffentlichtem Buch Absagen).

      Gute Sachen abschaffen, nur um ein wenig „future“ zu spielen?

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    • @Petra: das hat nichts mit schlecht zu tun, aber der Einsatz neuer Technologien kann dazu führen, dass sich die Distributionskanäle verändern.

      Ein Lexikon ist auch nichts schlechtes und trotzdem nutzen es immer weniger und informieren sich stattdessen über Google und Wikipedia.

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  7. Ich mache ja so was im Web, ich veröffentliche dort sogar. Wohl wissend, dass ich absolute Nische schreibe, Ambitionen damit Geld verdienen zu wollen habe ich schon vor 30 Jahren belächelt. Für mich. Für Leute wie mich ist dieser Kickstarter-Kram vielleicht eine hübsche Erweiterung. Für Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen wollen/müssen taugt das nicht, da hat Petra völlig recht.
    Es ist richtig, dass sich da allerhand bewegt, nur: Zum Schluss wird das wieder etwas sein, das professionell die neuen Wege beherrscht. ( Das Fäuleton war noch nie eine professionelle Veranstaltung, eher Salon-Gestaltung für die höhere Damenwelt)
    Es ist doch wurscht, ob das Verlag heißt. Ob es die alten Verlage sind? Wohl kaum. Die Amazone samt Guggl-Milliarden sind auf dem Weg „Verleger“ zu werden, mit neuem Produktionsmodell samt Vertriebsweg. Aber „machen“ werden das Profis. Natürlich auch im Web 2.0. Wer sagt, denn dass nur Selbstverwirklicher das nutzen können?
    Sobald wirklich funktionierende Lesegeräte auf dem Markt sind wird sich das erst richtig aufmischen. Vergiss BoD, vergiss für diesen Bereich Haifischverlage, lerne pdfs kreieren und Epub.

    Wohl dem Autor, der einen „Verlag“ hat, der das neue Geschäft beherrscht und auch Leute wie ich werden dann indirekt davon profitieren.

    Ich denke, das ganze wird sogar „noch“ professioneller funktionieren als bisher. Es wird Marktforschung geben, die das wirklich kann, die dann „EBooks“ designen und entwickeln wird mit „freischaffend-ausgebeuteten“ Autoren (es wäre gut wenn es Festanstellungen wären), die am Fließband genau marktkonform alles andere an die Wand schreiben werden. Wetten? Besser nicht. Siehe die Musikindustrie und der dort entstehende Einheitsbrei und die Indie-Bands, die keine Chancen bekommen.

    Solche Szenarien fürchte ich und da hilft auch der Kickstarter nicht. Die Buchindustrie ist weit größer als die Musikindustrie und eigentlich marketingtechnisch eher unterentwickelt, wehe die Giganten steigen wirklich ein…

    Das Internet IST nicht unstrukturiert, das kommt nur Nischenmenschen wie uns so vor. Die meisten Menschen toben sich auf den geordneten Seiten aus. Ebay, Bild, SpOn vielleicht, die Heimatzeitung, Foren für das Hobby und Ende und in Masse Porn, Porn, Porn. Täuscht Euch da nicht. Blogs, Twitter, selbst Facebook & Co sind für die MASSE irrelevant und werden es aus Vertriebssicht auch bleiben.

    Der Rest ist Nische und braucht dafür, wenn es Geld regnen soll Profis. Egal wie die heißen, auch die Schreiber. Profis, die wissen was gelesen werden will oder eben sich ihre Kunst per Brotberuf verdienen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da letztendlich durch das Web etwas ändern wird, aber für Leute wie mich, denen das Geld verdienen dabei wurscht ist, da ist und bleibt es da Paradies. Wer braucht dann noch Kickstarter?😉

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  8. @mikel: ok, wenn Du nicht gezwungen bist, damit Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dann sind die Rahmenbedingungen andere, klar.

    Du sprichst aber einen wichtigen Punkt an: zwar ist es uns allen möglich, sich ein Blog zuzulegen und die entsprechenden Accounts auf Flickr, YouTube, Twitter, etc. zuzulegen. Aber ich gebe Dir Recht: das Social Web für das eigene Vorhaben, Unternehmen, etc. zu nutzen, geht nicht so nebenbei. Ich glaube auch, dass das nur denen gelingen wird, die professionell an die Sache herangehen. Dazu gehört z.B. die entsprechende Zeit. 5 Minuten twittern, 10 Minuten bloggen und schnell auf Facebook vorbeigeschaut, reicht einfach nicht.

    Das bedeutet, hier tun sich sehr schnell Gräben auf zwischen denen, die das notwendige Geld investieren (können) und denen, die alles selber machen müssen und das nicht wirklich schaffen, weil sie ja Kunst auch noch produzieren sollten. Insofern gilt die Behauptung, das Social Web sei für alle da, nur mit Einschränkungen.

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    • CHF: „Das bedeutet, hier tun sich sehr schnell Gräben auf zwischen denen, die das notwendige Geld investieren (können) und denen, die alles selber machen müssen und das nicht wirklich schaffen, weil sie ja Kunst auch noch produzieren sollten.“

      Ich glaube, dieser Satz ist die Antwort auf alle Fragen zuvor. Auch ich glaube fest an eine Professionalisierung. Es wird auch so etwas wie Edelportale mit hohem Anspruch geben – gibt es nämlich z.B. erfolgreich in Frankreich.

      Aber rechnen wir mal großzügig in Realitäten ab:
      Ein gut (!) bezahlter Autor bekommt vom Hardcover vielleicht 8% vom Nettopreis, bei TBs sind es ca. 4%. Wir wissen alle, wie derzeit an den Buchpreisen herumdiskutiert wird und Ebooks verschenkt werden… Fallende Preise = fallende Tantiemen.
      Diese Tantiemen sind Bruttoeinnahmen, davon finanziert der Autor all seine Abgaben selbst.

      15% dieser Einnahmen (vor Abzügen) gehen an die Literaturagentur, ohne die bei großen Verlagen so gut wie nichts mehr läuft. Würde der Autor professionell auf Lesereisen gehen und der Verlag die Organisation nicht alleine stemmen können, käme eine Veranstaltungsagentur dazu. Die nähme auch noch mal mindestens 15%, meist mehr, von den Honoraren der Lesungen. Was kostet ein PR-Profi, was ein professioneller Social Media Experte?

      Fazit: So gern man sich das leisten wollte, es geht nicht. Und Verlage leisten sich so etwas nicht mit der Gießkanne für jeden Autor, sondern für die Spitzentitel. Weil individuell abgestimmte Werbung bei dem Ausstoß von Neuerscheinungen gar nicht bezahlbar wäre.

      Ob das in Zukunft Verlag heißt, ob Verlage ihr Geschäftsfeld ändern, ob Dritte daran arbeiten – es geht schlicht immer um viel Geld. In einem Geschäft, in dem die Schöpfer des vermarkteten Produkts in prekärsten Situationen arbeiten. Da sind solche Förder-Plattformen (klingt nach Öl😉 ) leider nur Kosmetik im System… (Ich sehe schon den ersten Verlag, der den Vorschuss kappt mit der Begründung „Sie lassen sich doch online fördern“)

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    • @Petra: das Problem: die Zahl der Autoren, die als gut bezahlt durchgehen, ist nicht sehr groß. Für alle anderen ist Social Media eine Chance.

      Aber Social Media heißt nicht, dass hier alle die gleichen Chancen haben. Das gilt nur hinsichtlich der Eröffnung eines Twitter-Accounts oder eines Facebook-Profils. Das schaffen wirklich alle.

      Um all diese Tools aber erfolgreich einsetzen zu können, und zwar in dem Sinne, dass die Bücher dann auch gekauft werden, bedarf es entweder der entsprechenden Fähigkeiten, die manche zweifellos haben (z.B. Coelho). Oder der entsprechenden Geldmittel, um sich so jemanden einkaufen zu können.

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  9. Pingback: FEAST: Nachhaltig Kunst und Kultur finanzieren « Das Kulturmanagement Blog

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