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Social Media oder Hauptsache, die Kasse stimmt

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Geld
© Rainer Sturm; Pixelio

Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, diverse Social Media Tools in seine Kommunikationsstrategie einzubauen, muss sich, so die Sache ernsthaft betrieben werden soll, die Frage stellen, was da am Ende bei rauskommen soll? Ob Theater, Museum, Verlag, Filmproduktion oder Musiklabel, sie alle landen, wenn man die Sache zu Ende denkt, irgendwann einmal an dem Punkt, wo es um Geld geht. Vereinfacht gesagt geht es also um die Frage: rechnet sich das für mich?

Viele Kultureinrichtungen reduzieren das dann auf die Frage: kommen dadurch mehr Leute zu mir? Das ist ein etwas schlichter Ansatz, denn ganz so einfach funktioniert die Sache dann doch nicht. Oder anders gesagt: bis jetzt bin ich nach dem Durchlesen eines Blogposts oder einer Twitter-Nachricht noch nie hochgeschreckt und habe dann sofort den direkten Weg zum Urheber des Beitrags oder der Nachricht genommen.

Mag sein, dass andere da spontaner sind als ich, aber vielleicht können wir uns darauf einigen, dass ein solches Verhalten nicht die Regel ist. Womit wir dann wieder bei der Frage nach den Erfolgskriterien sind. Ich habe in einem früheren Blogpost („Social Media: wann weiß ich, ob ich erfolgreich bin?„) zu zeigen versucht, dass es da ganz unterschiedliche Ebenen gibt, auf denen ich Twitter & Co einsetzen kann.

Aber ich kann viel erzählen, am Ende wollen alle immer nur wissen, was sie anstellen müssen, damit die Kasse stimmt. Auf Social Signal gibt es eine eigene Kategorie, in der man Antworten auf genau solche Fragen erhält. „How can we use social media to increase our sales and revenue?“ lautet sie konkret und ich möchte Ihnen die Antwort nicht vorenthalten:

Marketing: Increase the awareness and cachet of your brand so that more people want to do business with you.
Traffic: Drive traffic to your on- and offline point-of-sales so that you sell more.
Loyalty: Increase your customers‘ commitment to your brand, products and services so that they buy more often or in larger volume.
Innovation: Use social media to add value to your existing products or services, create new offerings, or sell more effectively, so that you can sell at a higher price and/or higher volume.“

„Increase the awareness“. Überlegen Sie mal, was andere tun müssen, um Ihre Aufmerksamkeit zu erregen? Ist es der x-te Hinweis auf das supertolle Konzert, für das Sie jetzt letztmals die Gelegenheit haben, Tickets zu kaufen? Oder kommt es vielleicht viel besser an, wenn man Sie persönlich anspricht und Sie nach Ihrer Meinung zu etwas fragt. Dialog statt Monolog heißt es im Social Web (und eigentlich nicht nur dort). Damit meine ich nicht einfach nur Small Talk, sondern etwas, was im Idealfall weit über das Gespräch hinaus gehen kann. Das Royal Opera House hat das mit seiner  Twitter Oper (mehr dazu hier) wunderbar geschafft, sogar bis in eine österreichische Tageszeitung.

Die Besucherzahlen zu steigern ist eines der Ziele, die gerne angeführt werden, wenn es um Social Media geht. Super, wenn Ihre Website oder Ihr Blog von doppelt so vielen UserInnen besucht wird wie noch vor zwölf Monaten. Nur was jetzt? Wenn Sie etwas zu verkaufen haben, dann wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, es den UserInnen anzubieten. Da ist es dann ungünstig, wenn Sie darauf hinweisen müssen, dass sich Ihre Verkaufsstelle in der und der Stadt befindet und von 10 bis 16 Uhr geöffnet ist. Und selbst wenn Sie nur offline verkaufen: wie sieht es mit Anreizen aus? Bekomme ich als Twitter-UserIn vielleicht billigere Karten? Vielleicht bieten Sie Ihren Twitterfans auch die Möglichkeit, Mitglied einer Community zu werden? da wären wir dann gleich beim Thema Loyalität.

Überzeugen Sie Ihre Kundschaft, die KäuferInnen oder Ihr Publikum, bauen Sie Vertrauen auf und geben Sie dieses auch wieder zurück. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die Loyalitäten schaffen. Und wenn es nur die persönliche Ansprache ist statt einer unpersönlichen Mail.  Was glauben Sie, wie viele derer, die sich an der Enstehung der Twitter Oper beteiligen, später dieses Werk live anschauen werden? Schließlich ist es ja die „eigene“ Oper.

Bleibt noch das Thema Innovation. Ich habe vor einiger Zeit mal die Frage gestellt, ob Programmhefte zukünftig überflüssig sein werden? Es gibt Kulturbetriebe, die kann man schon alleine deshalb als innovativ bezeichnen, weil sie so etwas wie eine Linkliste haben. Ist das nicht Traurig? Links sind ein so mächtiges Werkzeug, das so sträflich vernachlässigt wird.

Das Burgtheater zum Beispiel verlinkt auf seiner (neuen) Website auf  die Buchhandlung im Haus, das Restaurant im Haus und das Hotel nebenan. Gut, soll sein. Nun spielt man dort ab September den Faust. Warum gibt es bei der Werkbeschreibung keine Links? Lässt sich im Internet nichts dazu finden? Alleine bei Delicious komme ich auf 216 Treffer. Warum nicht aktiv suchen und die jeweils interessanten Seiten mit #Burgtheater und #Faust taggen? Warum nicht eine Theater-Community aufbauen, mit denen man dann neue Produkte entwickelt, Verkauf nicht ausgeschlossen?

Ich traue mich daher zu behaupten, dass man mit Social Media durchaus Geld verdienen kann. Ob das funktioniert, hängt aber eigentlich nicht so sehr von den Tools ab, sondern von Ihnen und Ihren Ideen. Es ist ja auch der Telefonverkäufer, der erfolgreich verkauft und nicht das Telefon.

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  1. Mir fällt noch ein Punkt auf, der bei Social Media gern vergessen wird: Man kann damit ganz einfach eine Marke aufbauen (gewusst wie) und hat den Vorteil, dass man auch als kleine Marke so „laut“ erscheint wie eine große. Sogar eher angenommen wird, weil das Werbegedöns fehlt.
    Sehe ich z.B. bei Twitter zwischen kleinen, eher unbekannten literarischen Verlagen und Verlagskonzernen. Einige von den kleinen sind sogar schon so schlau, miteinander zu kooperieren! Ließe sich vielleicht auch auf andere Kultureinrichtungen übertragen?

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    • Nachdem es im Social Web vor allem um Vernetzung und Verlinkung geht, braucht es eigentlich keine großen Strukturen mehr. Man könnte auch ganz provokant sagen: wir bewegen uns in ein Zeitalter hinein, in dem die Großen den Kleinen nicht mehr gewachsen sein werden und an ihrer Größe zugrunde gehen.

      Andererseits habe ich als Kleiner aber auch keine Überlebenschance, wenn ich da so einsam vor mich hin arbeite. Ich gehe unter in der Masse der vielen anderen, die ähnliche oder gleiche Angebote machen.

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  2. Allein beim Lesen von Logfiles stelle ich (und nicht nur ich) immer wieder fest, dass sowohl interne „related Links“ stark genutzt werden, als auch Kontext-Links von anderen Sites und Blogs.

    Es ist und bleibt der essentielle Teil des Webs:
    Der Kontext – sofort und jetzt – in Form des Hyperlinks!

    Den Grund, warum das so oft nicht beachtet wird, will ich mal so erklären:

    Bei „Internet-Ausdruckern“ geht genau diese wesentliche Erfahrung des Webs verloren und wird daher nicht erlebbar.
    Stellen solche Leute dann selbst Inhalte zusammen, werden sie diesen (Hyper)kontext auch gar nicht suchen.

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  3. @Gerald: Damit beschreibst Du perfekt die Ursache, warum das bei vielen Organisationen mit dem Social Web nicht klappt. Auch die Printmedien gehören da dazu. Sie haben bis heute nicht kapiert, dass nur dieser „Hyperkontext“ ihr Überleben sichert.

    Ähnlich die Kulturbetriebe. Auch hier ist das Thema Verlinkung noch nicht angekommen. Deshalb wird z.B. das Potenzial von Social Bookmarking-Diensten auch noch überhaupt nicht gesehen.

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