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Kickstarter oder: Crowdfunding ist gar nicht so einfach

8 Kommentare

Die Idee, die Finanzierung eines Vorhabens nicht von einem einzigen Geldgeber abhängig zu machen ist nicht neu. Mit Hilfe von Crowdfunding-Ansätzen lassen sich Filme, Musikproduktionen oder auch journalistische Beiträge finanzieren.

Die Grundidee: viele kleine Beiträge sind leichter zu bekommen als ein einzelner großer. Die Anreize sind dabei ganz unterschiedlich. Manchmal ist man als „Investor“ einfach nur dabei, manchmal partizipiert man an den in Aussicht gestellten finanziellen Erfolgen.

Kickstarter

Kickstarter gehört auch zu den Plattformen, die diesen Ansatz verfolgen. Wer eine Idee hat und dafür Geld benötigt, stellt sein Vorhaben auf der Plattform vor und gibt an, welchen Betrag er für dessen Realisierung benötigt. Klar ist aber in diesem Fall, die Unterstützer kaufen sich bei den Projekten nicht ein und sind somit keine Investoren im klassischen Sinn.

In welcher Form profitieren die Unterstützer aber dann von ihrem „Investment“? Auf der Website heißt es dazu:

„Project creators can offer products, services or other benefits („rewards“) to inspire people to support their project: A hot-air balloon ride to the first person to pledge $300, an invitation to the BBQ for anyone who pledges more than $5, exclusive daily video updates for anyone who pledges more than $1. It’s up to each project creator to sculpt their own offers and there’s lots of cool ways to do it. (Want to see a great example? Google „Josh Freese“).“

Der Hinweis auf Josh Freese hat mich natürlich neugierig gemacht. Google musste ich in diesem Fall aber gar nicht bemühen, ich bin bereits im Kickstarter-Blog fündig geworden. Welche ausgefallenen Gegenleistungen er seinen Unterstützern anbietet, kann man dort in einem Blogpost nachlesen.

Gut gelöst ist in meinen Augen der Transaktionsprozess. Die Geldbeträge werden per Kreditkarte überwiesen, wobei man sich Amazon als Partner ins Boot geholt hat. Wirklich abgebucht wird das Geld aber nur dann, wenn im vorgegebenen Zeitraum das finanzielle Ziel erreicht werden konnte. Das heißt, es geht um alles oder nichts. Schaffe ich es, für mein Projekt innerhalb eines klar definierten Zeitraums den benötigten Betrag einzusammeln, erhalte ich das Geld. Gelingt mir das nicht, bekomme ich gar nichts. Die Begründung dafür:

„It’s less risk for everyone this way. If you need $5,000, it can suck to have $2,000 and a bunch of people who expect you to be able to complete a $5,000 project.

It allows people to test concepts (or conditionally sell stuff) without risk. If you don’t receive the support you want, you’re not compelled to follow through.

It motivates. If you want to see a project come to life, it helps to spread the word.“

Im Unterschied zu anderen Plattformen kommt hier der Zeitfaktor hinzu. Mir gefällt dieser Ansatz, denn dadurch kommt, denke ich, mehr Zug in die Sache. Entweder die Idee kommt an oder sie kommt nicht an. Ende aus!

Schaut man sich die Projekte an, dann findet man ein buntes Sammelsurium teilweise schräger Ideen. Auch die Bereiche, in denen die Vorhaben angesiedelt sind, sind höchst unterschiedlich, schließlich wendet sich Kickstarter an „artists, designers, filmmakers, musicians, journalists, inventors, explorers…“.

Derzeit kann man sich auf der Plattform nur auf Einladung hin registrieren, ab Ende August steht Kickstarter dann aber allen offen. Ein großer Nachteil: die Transaktionen werden wie gesagt von Amazon abgewickelt und deren Geschäftspolitik schreibt vor, dass derzeit nur Projekte von Personen oder Organisationen gestartet werden können, die Sitz und Bankkonto in den USA haben.

Interessant ist, wer die Gründer von Kickstarter sind. Einer von ihnen, Andy Baio, ist Mitgründer von Upcoming.org, einer Seite, die Events auflistet und später an Yahoo verkauft wurde. Marshall Kirkpatrick hat auf ReadWriteWeb einen ganz interessanten Artikel über ihn geschrieben, in dem er die „Three Principles of Social Software Creation From Andy Baio“ beschreibt. Baio betrachtet Plattformen wie Kickstarter nicht einfach nur als eine Seite, auf der man sein Projekt einstellt und dann auf das Geld wartet:

„you can’t just post a request for funds or an events listing up on the web and expect strangers to stumble upon it and give it support. In both cases, these sites provided infrastructure that allowed users to reach out through their own established networks and say ‚here’s where we’re processing your show of support'“,

beschreibt Kirkpatrick den „Mechanismus“ solcher Crowdfunding-Plattformen. Und weiter:

„It’s like social middle-ware, these kinds of services are neither inherently viral nor really destination sites where people come to browse. They add value in ways that people can’t easily produce themselves – RSVP lists, maps, etc in the case of Upcoming or time-delayed money processing in the case of Kickstarter – and thus give users an incentive to reach out and ask friends to visit their pages on the sites.“

Wer jemals auf diese Weise sein Projekt zu finanzieren beabsichtigt, sollte diesen Punkt beachten. In der Regel werden Vorhaben auf eine Plattform gestellt und dann wartet man, dass jemand die Idee toll findet und Geld überweist. Nur ganz so einfach ist das nicht, der Beitrag von Marshall Kirkpatrick zeigt das.

Via MoMB

8 Comments Join the Conversation

  1. Die Idee hinter Kickstarter finde ich absolut großartig und werde das Projekt mit Interesse verfolgen.
    Was mir an deren Konzeption besonders gut gefällt, ist die damit verbundende Risikofreiheit für den Künstler. Allerdings gehe ich davon aus, und du erwähnst es in deinem Artikel auch, dass man bereits eine gewisse, ich nenne es mal, hohe Reputation geniessen muss + ein gut ausgebautes Netzwerk an Followern und Verlinkungen, um dort entsprechend gefördert zu werden.

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  2. Ja, ich denke, so eine Plattform ist nur ein Tool („social middle-ware“), das einem zur Verfügung gestellt wird. Nutzt man es und stellt dort sein Projekt vor, dann geht die Arbeit eigentlich erst richtig los.

    Wer hier ohne Vorarbeiten und die entsprechende Reputation startet, hat, vermute ich, nur wenig Chancen, sein (finanzielles) Ziel zu erreichen.

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