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Fundraising: aus Spendern werden Mitgestalter

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verschiedene Hände
© Stephanie Hofschlaeger; Pixelio

Wenn wir im deutschen Sprachraum das Wort Fundraising in den Mund nehmen, dann geht es in der Regel um das Eintreiben von Spenden. Die NPO-Expertin Brigitte Reiser ist der Meinung, dass das zu kurz greift. Sie möchte den Begriff des Spenders lieber durch den des Stakeholders ersetzen, denn

„der Begriff des ‘Spenders’ reduziert die Unterstützer von Nonprofit-Organisationen hauptsächlich auf ihre Rolle als Geldgeber und blendet die anderen Potentiale eines Unterstützers aus“,

schreibt sie in ihrem Blogpost „Spender, Stakeholder und die Zukunft des Fundraising„. Richtigerweise scheibt sie, dass die Unterstützung längst nicht nur in monetärer Form erfolgen muss, sondern es ganz andere Formen der Unterstützung gibt. „Stakeholder“, eine passende Übersetzung ins Deutsche gibt es nicht, lediglich „Näherungen“, wie es auf Wikipedia heißt. Ob Anhänger, Multiplikator, Ideengeber oder beispielsweise auch Kritiker, der Begriff des ‘Spenders’ könne die Komplexität und die Potentiale eines NPO-Unterstützers nicht abbilden, meint Reiser weiter und stellt fest:

„Der Begriff entpuppt sich – eben weil er im Fundraising und auch innerhalb von Nonprofit-Organisationen so dominiert – als funktionalistischer Käfig, der Unterstützer auf eine bestimmte Tätigkeit reduziert, so dass andere Handlungsoptionen eines ‘Spenders’ aus dem Blick geraten.“

Ich stimme ihr da uneingeschränkt zu, gerade in Zeiten, wo das Fundraising nach und nach das Web2.0 entdeckt. Hier kann es nicht mehr ausschließlich darum gehen, Menschen zum Spenden zu bewegen, nein, hier geht es um Partizipation, darum, dass die Menschen sich aktiv an Projekten, Aktionen, etc. beteiligen können und auch wollen.

Das hat zur Folge, und Brigitte Reiser spricht es in ihrem Blogpost auch an, dass Menschen immer häufiger selbst die Initiative ergreifen. Entwicklungshilfe, früher ein Monopol staatlicher Stellen, funktioniert heute dank einer Plattform wie Kiva ohne große Umwege. Das hat auch Auswirkungen auf die Organisationen, die um Unterstützung werben, die NPO. Sie haben nicht mehr die Gatekeeperfunktion, die sie bis jetzt so stark gemacht hat. Das heißt nicht, dass diese Organisationen überflüssig sein werden, aber ihre Größe ist nicht mehr entscheidend. Nicht der Bekanntheitsgrad einer Marke steht im Vordergrund, sondern die Authentizität. Und da tun sich gerade die Großen auf Grund hierarchischer Strukturen schwer. In ihnen darf nämlich nicht jeder sagen, was er gerade denkt. Da muss abgestimmt und genehmigt werden (was in einer solchen Struktur auch Sinn macht, sonst weiß die linke Hand bald nicht mehr, was die rechte macht).

Da haben es die Kleinen leichter, denn die haben diese Hierarchien nicht, aber sie brauchen etwas anderes: Netzwerke, in denen sie sich bewegen und in denen es ihnen gelingt Begeisterung zu überzeugen, um anderen die Möglichkeit zu geben, bei einer Sache dabei zu sein, sich zu engagieren. Das sind keine Förderer einer NPO, wie Matthias Daberstiel in seinem Kommentar anmerkt, sondern das sind wenn schon Förderer einer Sache, was in meinen Augen ein großer Unterschied ist.

Was heißt das für den Kunst- und Kulturbereich? Es geht nicht darum Spendengeld einzusammeln, sondern es geht darum, Menschen dafür zu gewinnen, eine Idee, ein Projekt zu unterstützen. Es geht darum, Menschen ernst zu nehmen und ihnen die Möglichkeit zur Partizipation zu bieten. Es geht darum, Netzwerke zu bilden, in denen gemeinsam an einer Sache gearbeitet wird. Ich muss nicht groß sein, um die Dynamik eines Netzwerks nutzen zu können. Ganz im Gegenteil, wer klein ist, ist wendig und kann rasch agieren und reagieren.

Dass die Dynamik in virtuellen Netzwerken größer ist als in realen wissen wir. Jetzt müssen wir sie nur noch nutzen. Und dabei aufpassen, dass uns die Dynamik nicht überfordert. Das kann nämlich auch leicht passieren.

„Das Fundraising der Zukunft muss dialogisch sein, partizipativ und in Netzwerken erfolgen. Ein Fundraising, das in Stakeholdern lediglich ‘Spender’ und nicht Mitgestalter sieht, wird langfristig scheitern“,

schreibt Brigitte Reiser in ihrem Beitrag. In unseren Stakeholdern „Mitgestalter“ zu sehen ist, denke ich, die große Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

2 Comments Join the Conversation

  1. Freut mich sehr, Christian, dass Du meine Ideen hier aufgreifst.
    Noch sind sie nicht mehrheitsfähig in der Fundraising-Szene. Wie M. Daberstiel vom Fundraiser-Magazin in seinem Kommentar schreibt, setzt diese nicht auf Partizipation der Stakeholder, sondern auf „starke Marken“. Und übersieht dabei, dass man durch Beteiligung auch starke Marken aufbauen kann, siehe Kiva, bzw. dass Marken heute ohnehin nicht mehr autonom gestaltet werden können, da Internetnutzer durch ihre Beiträge an dem Bild einer Organisation mitwirken.

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  2. Ich denke, die Marke wird weiterhin von Bedeutung sein, nur hat sie erstens nichts mit der Größe einer Organisation zu tun und sie lässt sich, wie Du ja auch schreibst, nicht autonom oder kontrolliert aufbauen bzw. erhalten.

    Beeinflussen lässt sich die eigene Reputation, denn darum geht es letzten Endes, in dem ich versuche, völlig transparent zu sein. Je transparenter ich bin und je offener ich kommuniziere, desto authentischer wirke ich und desto größer ist das Vertrauen, das andere in mich haben.

    Mehrheitsfähig ist dieser Ansatz heute noch nicht, das sehe ich auch so, aber die Entwicklung geht klar in diese Richtung. Je früher man lernt, damit umzugehen, desto besser.

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