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Netzwerkeffekte: unerwartet und unkontrollierbar

9 Kommentare

Was ist der Vorteil, wenn Sie die verschiedenen Social Media Tools für Ihre Kultureinrichtung nutzen? Wenn Sie bloggen, twittern oder Ihre Präsenz in den diversen Netzwerken aufbauen? Wahrscheinlich geht es Ihnen darum, möglichst viele User mit Ihrer Botschaft zu erreichen bzw. mit ihnen in den Dialog zu treten. Und dann hoffen Sie noch auf den Netzwerkeffekt, damit möglichst viele Menschen von Ihnen und Ihren Angeboten erfahren.

Dieser Multiplikatoreffekt ist es, der das Social Web so attraktiv macht. Während Sie mit einem Brief oder einem Email-Newsletter einen klar eingegrenzten Personenkreis erreichen, kann Ihre Nachricht über Blogs oder die verschiedenen Netzwerke eine ungeahnte Verbreitung erfahren. Wer wünscht sich nicht, dass plötzlich tausende User auf die eigene Website oder das Blog zugreifen?

Das Problem dabei: wie plant man so eine Aktion? Gar nicht, behaupte ich. Ich kann für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, damit das eintreten kann, was ich mir wünsche. Aber so etwas wie eine Garantie gibt es dafür nicht. Ganz im Gegenteil. Häufig erleben Sie solche Effekte, wenn Sie es gar nicht erwarten. Und es ist nicht gesagt, dass das, was da kommuniziert wird, eine positive Message enthält. Schlechte Nachrichten werden wesentlich lieber weitergegeben als gute.

Wie unerwartet solche Dinge geschehen, habe ich gestern erlebt. Als in der Nacht auf Freitag kurz vor Mitternacht auf Twitter die ersten Nachrichten vom Tod Michael Jacksons auftauchten, war ich betroffen. Und zugleich unsicher, denn es war nicht klar, ob diese Informationen stimmten. Mit der Musik Michael Jacksons bin ich groß geworden und deshalb suchte ich auf YouTube eines der meiner Meinung besten Lieder von ihm raus und stellte ihn in einem kurzen Beitrag online.

Das Resultat: anscheinend war ich damit sofort auf der ersten Seite, wenn man bei Google nach Michael Jackson suchte, denn die Zugriffszahlen explodierten und am Tagesende hatte ich zehnmal so viele Zugriffe wie an nomalen Tagen. Als ich den Beitrag online stellte, geschah das ganz spontan und ohne Hintergedanken. Hätte ich so eine Aktion geplant, dann hätte ich wahrscheinlich den idealen Zeitpunkt verpasst bzw. sie wäre niemals so erfolgreich gewesen, was die Zugriffszahlen angeht.

Aber dieses Erlebnis zeigt mir: das Potenzial des Internets ist ungeheuer groß, nur lässt es sich nicht wirklich in den Griff bekommen. Das macht seinen Reiz aus, dahinter steckt aber auch ein Risiko, denn kalkulieren kann ich solche Sachen eben nicht.

9 Comments Join the Conversation

  1. Guten Morgen Christian,

    ich muss Dir unumwunden recht geben, denn ich konnte dies in der letzten Woche am eigenen Leib erfahren. Wichtig scheint mir allerdings, dass es Leute gibt die über eigene Soziale Netzwerke verfügen und die auf Dich hinweisen. Das nur sich selbst Promoten nach dem Moto „Hoppla hier bin ich und hier mein Link funktioniert nur bedingt.“

    Schönes Wochenende

    Cornelius

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  2. Stimmt, das meinte ich mit den Rahmenbedingungen. Sich hinzustellen und darauf zu warten, dass die eigenen Botschaften einfach so verbreitet werden, ist naiv.

    Ich denke, man muss in Vorleistung gehen, sich klar machen, dass es um Geben und Nehmen geht, dann kann das auch klappen mit den Multiplikatoreffekten.

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  3. Meine Erfahrungen (vieles ausprobiert, einiges bewusst verworfen): Diese Suchwort-Gigs (mir mal mit Heidenreich passiert) spiegeln eine potentiell große Lesergemeinde und Erfolg vor. Das ist, wie wenn das falsche Publikum in die Kneipe kommt, weil die zufällig noch offen hat. Allerdings passen dann zwei, drei vielleicht doch!

    Ansonsten ist anscheinend der möglichst „authentisch wirkende Mensch zum Anfassen“ gefragt, der einem das Gefühl gibt, dass er auch den anderen als Menschen wahrnimmt.
    Ich beobachte an mir selbst wachsenden Widerwillen bei Twitter, wenn ich auf zehn Fragen nur eine Antwort bekomme und die Befragten das nur als Nachrichten- und Werbeticker nutzen. Da bleibe ich dann nur noch dran, wenn ich die Inhalte der Nachrichten wirklich brauche. Was selten der Fall ist…

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    • Es hängt ja davon ab, welche Ziele ich verfolge. Wer nur auf die Jagd nach Klicks geht, wird damit nicht unbedingt sein Theater voll bekommen. Insofern ist s schön, wenn man ab und zu ein paar Zugriffe mehr hat. Mehr Aufträge oder mehr Geld bringt das nicht.

      Was Twitter angeht: ich glaube, das legt sich recht schnell wieder, denn wer dort werben will, wird wahrscheinlich bald die Segel streichen.

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      • Aber wozu dann das ganze? Nur, um ein paar Zugriffe mehr zu bekommen? Das ist, als gehe man eine belebte Fußgängerzone entlang und zählte die Blicke, die man auf sich zieht, Blicke, die flüchtig an einem haften bleiben, um sich dann wieder anderem zuzuwenden. Was ist dadurch bewirkt?

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  4. Es hätte mich auch gewundert, wenn die doch eher unterkomplexen Kommentare zu deiner Jackson-Notiz synonym für die Stammleserschaft dieses Blog stünden😉

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  5. Die Aussage ist auf jeden Fall richtig.

    Eine kleine Besucherexplosion erfuhr mein erster Blog, als ich über Quake Live, einen Egoshooter, geschrieben habe. Warum? Keine Ahnung. Quake Live war zwar grade released worden, aber auf einschlägigen Gamingseiten wurde natürlich auch darüber geschrieben.

    Obwohl ich viel „stolzer“ auf meine Artikel zu Politik war und bin, sind sie lange nicht die meistbesuchtesten Seiten auf dem Blog. Zum Glück ist das aber der negativste Effekt geblieben😉

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  6. @Timm: ich vermute mal, dass es so eine Art ungeschriebenes Gesetz gibt: die Beiträge, die einem selbst ein persönliches Anliegen sind, haben meist die niedrigsten Zugriffszahlen.

    Aber ich kann damit leben.😉

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