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Wie halten Sie es mit der Transparenz?

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Durchblick
© Andreas Lochmann; Pixelio

Wie ist das denn bei Ihnen? Sprechen Sie darüber, wenn etwas schief läuft? Oder erfahren Außenstehende nur selten, was bei Ihnen passiert? Mal abgesehen von Presseinformationen und dem, was bei offiziellen Anlässen verlautbart wird.

Eine ähnliche Frage stellt Clive Thompson in seinem Wired-Artikel „The See-Through CEO“ und berichtet von einem Online Broker, der sich als, sagen wir, Nestbeschmutzer betätigte und dafür geschnitten wurde. Statt die Probleme, die er mit seinen Berufskollegen hatte unter den Tisch zu kehren, machte er sie in seinem Blog öffentlich. Nun könnte man meinen, dass er damit sich und die ganze Branche zugrunde richten würde. Aber das Gegenteil trat ein, zumindest was ihn betraf: die Geschäfte begannen zu laufen. Nach dieser Erfahrung ist sich Glenn Kelman sicher:

„I honestly believe that if Redfin were stripped absolutely bare for all the world to see, naked and humiliated in the sunlight, more people would do business with us.“

Der Aufforderung, ihm auf diesem Weg zu folgen, sind mittlerweile viele – auch große – Unternehmen nachgekommen:

„Now firms spill information in torrents, posting internal memos and strategy goals, letting everyone from the top dog to shop-floor workers blog publicly about what their firm is doing right – and wrong“,

schreibt Thompson und weist darauf hin, dass für die Unternehmen wichtige Entwicklungen nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorangetrieben werden, sondern diese nun ganz bewusst in diese Prozesse eingebunden wird. „…asking the global smartmob for a little help“ formuliert es der Autor so schön und konstatiert:

„The Internet has inverted the social physics of information.“

Während es früher hieß: je geheimer, desto besser, gilt heute das Gegenteil. Oder wie sagt Tony Hsieh, CEO der Firma Zappos?

„The more they know about us, the more they’ll like us“,

und spricht damit die Kunden an, die sogar noch einen Schritt weiter gehen und  damit beginnen das Unternehmen zu unterstützen. So würden aus Kunden Partner, meint Thompson.

Aber noch ein anderer Aspekt ist interessant an dieser (verordneten?) Offenheit. Alles was da so von sich gegeben wird, lässt sich nicht mehr ungesagt machen. Es bleibt online und wird über die Suchmaschinen gefunden. Wobei Thompson Google & Co. eher als ein „reputation-management system“ denn als Suchmaschine sieht:

„And that’s one of the most powerful reasons so many CEOs have become more transparent: Online, your rep is quantifiable, findable, and totally unavoidable. In other words, radical transparency is a double-edged sword, but once you know the new rules, you can use it to control your image in ways you never could before.“

Online-Reputation funktioniere anders als in den klassischen Medien, schreibt er weiter. Informationen lassen sich nicht mehr unterdrücken.  Das führe zu einem Paradox, denn man könne der Online-Welt nicht mehr entkommen. Die einzige Möglichkeit, Einfluss auszuüben sei es, ein Teil von ihr zu werden:

„Being transparent, opening up, posting interesting material frequently and often is the only way to amass positive links to yourself and thus to directly influence your Googleable reputation.“

Dieser Satz ist Programm, wenn es um das richtige Verhalten im Social Web geht. Aber seien wir ehrlich: das ist leichter gesagt als getan. Schließlich sind wir in einer Gesellschaft aufgewachsen, wo genau das Gegenteil propagiert wurde und größtenteils auch noch wird.

Meiner Meinung nach ist diese Transparenz noch an anderer Stelle sinnvoll. Viele KünstlerInnen haben Angst davor, dass andere von ihren Ideen erfahren und diese klauen oder kopieren. Deshalb sind viele Kulturschaffende äußerst zurückhaltend, wenn es um das Kommunizieren der eigenen Ideen geht.

Ich bin davon überzeugt, dass auch in diesem Fall Transparenz die bessere Alternative ist. Je offener Sie ein Thema besetzen, desto schwerer wird es anderen fallen, Ihre Idee zu klauen. Ich versuche diesen Ansatz hier im Blog zu leben, indem ich Inhalte weitergebe und teile. Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das mache? Erstens bin ich davon überzeugt, dass sich Ideen besser zusammen entwickeln lassen und zweitens gilt für mich: je aktiver man ist, desto größer auch die Chance, Prozesse mitzubestimmen.

Bleibt die interessante Frage, ob es dabei eine Grenze gibt und wenn ja, wo die liegt? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wissen Sie denn, wo Ihre Grenze liegt?

9 Comments Join the Conversation

  1. Unter Autoren ist Verschwiegenheit bis zur Katalogveröffentlichung leider immer noch anzuraten. Klau in der Branche wird immer radikaler. Ich bin schon vom eigenen (nicht mehr existierenden) Verlag beklaut worden und – nicht lange her – von zwei Konkurrenzverlagen.
    Im Internet sind professionell bezahlte Ideenscouts unterwegs, die Themen und Projekte abgreifen, manchmal sogar Kollegen. Ein billiger Hausautor ratzt dann das Thema herunter. Auch wenn er das schlechter macht – der Nachteil ist spürbar, zumal dahinter potente Auftraggeber stehen.

    Ein klares Nein aus dieser Branche: Man muss leider noch verschwiegener sein als früher.

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  2. Die Grenze liegt für mich am Ende der Realisierungsphase. Es ist besser, nicht über ungelegte Eier zu gackern, sondern erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn man ein Thema auch wirklich besetzen konnte.

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  3. @Petra: Beide Fälle klingen für mich einleuchtend. Bei den Autoren ist es, wenn ich es richtig verstanden habe so, dass sie nicht bereit sind, Qualität entsprechend zu bezahlen und daher auch schlechte Qualität in Kauf nehmen.

    Eine Änderung wird hier nur dann zu erwarten sein, wenn es neue Geschäftsmodelle gibt bzw. die Verlage erkennen, dass sie auf dem niedrigen Qualitätsniveau nichts mehr verkaufen.

    Das liegt in der Hand der Verlage. Was aber wäre, wenn auf Autorenseite jemand wie der Redfin CEO Glenn Kelman handeln würde? Hätte er auch die Chance oder würde er scheitern?

    In der Situation, in der sich Kelman befand, hätte ja auch jeder den Kopf geschüttelt und prophezeit, dass das niemals gutgehen werde.

    @Lisa: wie ist das in Künstlergruppen? Bewahrt man da auch untereinander Stillschweigen? Oder ist das eine andere Ausgangssituation?

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    • Es ist leider unendlich komplizierter. Ich versuch’s mal knapp: Es gibt durchaus Qualitätsverlage, literarische Verlage, Verlage für schöne Bücher. Es gibt aber auch eine üble Marktkonzentration, wo Buchhandelsketten diese meist kleineren Verlage aussperren. Ein Buch, das nicht im Laden liegt, wird selten gekauft.

      Kommt nun ein potenter Großverlag und bastelt auf billig das Thema für den Wühltisch nach, hat der kleine noch größere Probleme, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, vielleicht erscheint sogar er beim Publikum als Nachahmer. Und der große benutzt das Buch vielleicht nur als Programmfüllstoff und stampft es nach einem Jahr ein.

      Es gibt Ansätze, z.B. im Internet gegen diese Marktbedingungen anzuarbeiten (z.B. http://www.tubuk.com), aber auch da haben die Konzerne eine größere Power (z.B. @autorenticker: Fischerverlage). Noch hat keiner das Ei des Kolumbus gefunden. Fakt ist leider, dass derzeit viele gut etablierte kleine Verlage vor der Insolvenz stehen und auch das Autorensterben schon eingesetzt hat.

      Ich bin mir sicher, da wäre mit Social Web und neuen Medien viel zu machen – aber wer soll das tun, wenn die Verlagsmitarbeiter schon überlastet sind?
      Ich glaube nicht, dass ein Kelman mehr bewirken würde als jede Menge überflüssiger und teurer Prozesse (s. Schauprozess von rororo in Sachen KeHlmann gegen Spiegel).

      Das Kernproblem ist ein anderes: Da draußen gibt es Publikum, das nach Qualität schreit. Aber es findet die Ware nicht! Derjenige, der dieses Problem löst, könnte reich werden. Und dann könnten beide Märkte nebeneinander bestehen.

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  4. @Petra: Ich glaube auch nicht, dass das Social Web irgendwelche Probleme lösen kann. Es sind und bleiben wir, die sich da ändern müssen.

    Natürlich wird sich da nach außen hin nicht viel bewegen, wenn nun einer kommt und alles anders macht. Wichtig ist aber, dass jemand damit beginnt. Das reicht für den Anfang.

    Interessant ist in meinen Augen, ob die großen Verlage es weiterhin schaffen, sich auf diese Weise weiterhin zu behaupten und ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit zu zeigen. Wenn das Publikum nach Qualität verlangt und diese nicht findet, obwohl es sie gibt, dann ist die Sache ja noch nicht verloren.

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  5. das sind Ansätze die auch für unsere Politiker nicht uninteressant sein dürften… es klingt utopisch, aber würden sie die Schuld an bestimmten Dingen offener eingestehen vor sich selbst und den Menschen, wer weiss, vielleicht würde das ihr Ansehen steigern…

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  6. Pingback: netzwerkPR » 12. Runde der NPO-Blogparade: Interne Herausforderungen für NPOs

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